Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1959: Piep piep piep, bit­te hab mich lieb

Es ist, so muss ich schwe­ren Her­zens hier bereich­ten, hin­sicht­lich des bel­gi­schen Aus­wahl­ver­fah­rens zum Euro­vi­si­on Song Con­test doch oft­mals ein ziem­lich vages Sto­chern im his­to­ri­schen Nebel der Fünf­zi­ger­jah­re. Wäh­rend sämt­li­che Details über die wal­lo­ni­sche Vor­ent­schei­dung des Vor­jah­res bis heu­te im Dun­keln lie­gen, ist über die flä­mi­sche Vor­auswahl des Jah­res 1959 immer­hin so viel bekannt, dass es zwei im Wochen­ab­stand abge­hal­te­ne Vor­run­den mit jeweils neun (voll­stän­dig ver­schol­le­nen) Titeln gab, aus denen nur die bei­den Sie­ger­songs ins Fina­le gelang­ten. Bei dem einen han­del­te es sich um die ‘Levens­sym­pho­nie’ der “flä­mi­schen Doris Day”, Jose­phi­ne Lee­mans-Ver­bus­tel (oder kür­zer Jo Lee­mans), die die­ses Eti­kett von der Pres­se nicht etwa auf­grund ihres schau­spie­le­ri­schen Talents oder ihres Aus­se­hens auf­ge­pappt erhielt, son­dern weil sie im Jah­re 1956 mit einer nie­der­län­di­schen Cover­ver­si­on von ‘Que sera, sera’ einen Top-Hit im Lan­de erzie­len konn­te.

Lee­mans nahm 1958 mit dem unlängst vom bel­gi­schen DJ Yolo­tan­ker remix­ten Titel ‘Lie­ve jo’ an der Unter­hal­tungs­show ‘De TV maakt Muziek’ teil. PC-War­nung: die Dar­bie­tung arbei­tet mit der damals weit ver­brei­te­ten, heut­zu­ta­ge aller­dings völ­lig inak­zep­ta­blen Tech­nik des Black­fa­cing (Reper­toire­bei­spiel).

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Dansk Melo­di Grand Prix 1959: Der Kuss des Todes

Das Schla­ger­pär­chen Bir­t­he Wil­ke und Gus­tav Wink­ler, das bereits 1957 den Pre­mie­ren­bei­trag des skan­di­na­vi­schen Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test prä­sen­tier­te, domi­nier­te auch den drit­ten Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP) im Jah­re 1959. Dies­mal san­gen die Zwei jedoch nicht gemein­sam, son­dern kon­kur­rier­ten solo. Außer­dem into­nier­ten sie jeweils ein Duett mit ande­ren Künstler/innen. Gus­tav paar­te sich – rein musi­ka­lisch natür­lich! – mit Gre­te Klit­gaard, zwei­fel­los die däni­sche Bezeich­nung für einen Keusch­heits­gür­tel. Bir­t­he tat es hin­ge­gen mit dem Schau­spie­ler und Sän­ger Pre­ben Ugleb­je­rg. Die bei­den Letzt­ge­nann­ten ver­such­ten es dane­ben eben­falls solo, wobei Pre­ben mit ‘Lati­ner­s­an­gen (Peb­lin­ge cha-cha-cha)’ einen vom Song­ti­tel her recht viel­ver­spre­chen­den Bei­trag am Start hat­te, der aller­dings im Netz nicht zu fin­den ist und den die Juro­ren ledig­lich mit der Bron­ze­me­dail­le abspeis­ten. Statt­des­sen wähl­ten sie Bir­t­hes leid­lich flot­ten Solo­ti­tel ‘Uh – jeg vil­le øns­ke jeg var dig’ (‘Uh, ich wünsch­te, ich wäre Du’), mit dem sie es in Can­nes immer­hin auf Rang 5 schaff­te.

Keck mit der Schlep­pe gewe­delt: Bir­t­he beim Grand Prix 1959.

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A Song for Euro­pe 1959: Die Baum­schän­der

Nach einer kur­zen Schmoll­pau­se kehr­te die BBC 1959 auf Initia­ti­ve ihres neu­en, euro­vi­si­ons­af­fi­nen Unter­hal­tungs­chefs Eric Masch­witz, der als Kom­po­nist 1956 selbst zwei Lie­der zum dama­li­gen, zu spät ter­mi­nier­ten bri­ti­schen Vor­ent­scheid bei­gesteu­ert hat­te, zum euro­päi­schen Wett­be­werb zurück. Das schlicht­weg Bri­tish Final benann­te Aus­wahl­ver­fah­ren bestand dies­mal aus zwei Vor­run­den mit jeweils sechs Bei­trä­gen, wobei die 1957 noch obli­ga­to­ri­sche orches­tra­le Zweit­ver­si­on jedes Titels weg­fiel. Die Sie­ger der Ver­an­stal­tung, das auch im ech­ten Leben mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­te Schla­ger­pär­chen Pearl Carr und Ted­dy John­son, schick­ten gleich zwei Bei­trä­ge ins Ren­nen, von denen ‘That’s it, that’s Love’ aller­dings im Semi kle­ben blieb. Um so grö­ßer fiel die Zustim­mung sowohl unter den Mitbewerber/innen als auch bei Jury und Publi­kum für das schwung­vol­le ‘Sing litt­le Bir­die’ aus, das von der ans unge­wollt Komi­sche gren­zen­den, begeis­ter­ten Mimik der bei­den Ehe­leu­te leb­te, wel­che die pos­sier­li­che Wei­se über die Erin­ne­rung an ihr ers­tes Date im Stadt­park mit anste­cken­der Fröh­lich­keit vor­tru­gen.

Pearl und Ted­dy pfif­fen auf die Kri­tik und zwit­scher­ten sich in Can­nes auf den zwei­ten Platz.

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San-Remo-Fes­ti­val 1959: Ver­span­nun­gen im Vati­kan

Erfolg gebiert meist noch mehr Erfolg: nach­dem ‘Vola­re’, der Vor­jah­res­sie­ger­ti­tel des San-Remo-Fes­ti­vals (SRF), in zahl­lo­sen Cover­ver­sio­nen welt­weit die Hit­pa­ra­den erobert hat­te, wuchs die Zuschau­er­zahl der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le des ita­lie­ni­schen Can­zo­ne, die per Euro­vi­si­on erneut in eini­gen ande­ren Län­dern eben­falls zur Aus­strah­lung gelang­te, auf geschätz­te 20 Mil­lio­nen. Auch in der ligu­ri­schen Kur­stadt, so weiß Wiki­pe­dia zu berich­ten, stürm­ten die Fans die Hotels und das städ­ti­sche Kasi­no, wo der Wett­be­werb statt­fand. Der Rum­mel for­der­te mit San-Remo-Star Clau­dio Vil­la gar ein ers­tes Opfer: reni­ten­te Autogrammjäger/innen bela­ger­ten ihn so hart, dass er sich eine Ver­ren­kung der Schul­ter zuzog. Auch im Wett­streit mit alten und neu­en Konkurrent/innen lief es für ihn heu­er nicht so präch­tig: der erfolgs­ver­wöhn­te Schnul­zensän­ger muss­te sich dies­mal mit den bei­den hin­ters­ten Rän­gen zufrie­den­ge­ben.

Da schau: nicht nur die tum­ben Deut­schen mögen Faschings­schla­ger und Marsch­mu­sik, son­dern auch die Italiener/innen!

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Melo­di­fes­ti­va­len 1959: Oh, ist das ein Mann

© SVT

Heut­zu­ta­ge genießt das schwe­di­sche Melo­di­fes­ti­va­len (MF) bei Fans einen fast unan­tast­ba­ren Sta­tus als das Maß aller Din­ge in Sachen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen. Doch bis dahin war es ein wei­ter Weg, der 1959 mit einem aus­ge­spro­chen skur­ri­len und unnö­tig kom­pli­zier­ten Aus­wahl­ver­fah­ren begann. Hat­te es sich der Sen­der SVT bei sei­ner Grand-Prix-Pre­miè­re 1958 mit einer inter­nen Nomi­nie­rung noch ziem­lich leicht gemacht, so betrieb man dies­mal einen ungleich höhe­ren Auf­wand: in sage und schrei­be acht (!) Radio-Vor­run­den zu je zwei Lie­dern, die seit Okto­ber 1958 unter dem Namen Säg det med Musik: Sto­ra Schla­ger­täv­lin­gen über den Äther gin­gen und bei denen die Zuschauer/innen per Brief­wahl abstim­men durf­ten, sam­mel­te man acht Songs für das TV-Fina­le im Stock­hol­mer Cir­kus. Gleich zwei davon trug der uns in den Fol­ge­jah­ren noch öfters begeg­nen sol­len­de Jazz-Musi­ker und Sin­ger-Song­wri­ter Östen War­ner­bring (†2006) vor, der sich hier, wo nicht mehr das Publi­kum ent­schied, son­dern eine Jury, aller­dings mit Mit­tel­feld­ergeb­nis­sen zufrie­den geben muss­te.

Als es mit Augus­tin aus war, zuck­te die stets erfri­schend unbe­küm­mer­te Siw nur mit den Schul­tern und mein­te: Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht, my Dar­ling!

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ESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

Logo des Eurovision Song Contest 1958
1958: Das Jahr des Déjà vu

Drei­mal dabei: bit­te nicht wie­der­wäh­len!” hieß es, die Älte­ren erin­nern sich, in der ZDF-Hit­pa­ra­de immer dann, wenn sich ein Schla­ger zum drit­ten Mal in Fol­ge “pla­ciert” hat­te, wie Die­ter Tho­mas Heck es so schön nann­te. Dann durf­te man als Zuschauer/in für sel­bi­gen kei­ne Post­kar­te mehr schi­cken bzw. nicht mehr anru­fen. Eine sol­che Regel exis­tiert beim Euro­vi­si­on Song Con­test zwar logi­scher­wei­se nicht, den­noch ende­te im drit­ten Jahr sei­nes Bestehens die Dau­er­teil­nah­me von gleich zwei Künst­le­rin­nen, die ihn bei­de bereits seit dem Start in Luga­no beglei­te­ten. Näm­lich zum einen die Nie­der­län­de­rin und Vor­jah­res­sie­ge­rin Cor­ry Brok­ken, die auch dies­mal die Tabel­le anführ­te – aller­dings vom ande­ren Ende aus gese­hen. Das nen­ne ich mal einen har­ten Absturz! Wenn auch einen ver­dien­ten: zwar zeich­ne­te sich kei­ner von Cor­rys Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen durch beson­de­ren Pepp aus, aller­dings erwies sich ihre dies­jäh­ri­ge Bal­la­de ‘Heel de Wereld’ (‘Die gan­ze Welt’) als von gera­de­zu bei­spiel­haf­ter Lan­ge­wei­le.

Dar­auf einen Ramaz­zot­ti! (CH)

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Dansk Melo­di Grand Prix 1958: Ver­gam­mel­te Spei­sen

Wenig Span­nen­des gibt es über den Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP) von 1958 zu berich­ten, den zwei­ten sei­ner Art. Das knut­schen­de Vor­jah­res­schla­ger­pär­chen Bir­t­he Wil­ke und Gus­tav Winck­ler nahm erneut am Vor­ent­scheid teil, bei­de nicht zum letz­ten Mal. Den am viel­ver­spre­chends­ten klin­gen­den, im Netz jedoch lei­der unauf­find­ba­ren Titel steu­er­te der haupt­säch­lich als Film­schau­spie­ler in Erschei­nung getre­te­ne Pre­ben Neer­gaard bei: ‘Mit gam­le Hak­ke­bræt’ soll­te kei­nes­falls als Pro­test­song gegen den ver­gam­mel­ten Hack­bra­ten in der DR-Kan­ti­ne zu ver­ste­hen sein, son­dern als Lob­ge­sang auf sein Instru­ment, die Zither (auch als Hack­brett bekannt). Sechs Bei­trä­ge tra­ten ins­ge­samt gegen­ein­an­der an, aus denen eine zehn­köp­fi­ge Jury die beson­ders lang­wei­li­ge Bal­la­de ‘Ich rei­ße eine Sei­te aus mei­nem Tage­buch’ zum Sie­ger­lied kür­te. Die wei­te­ren Plat­zie­run­gen gab man nicht bekannt.

Alles zumüllen und dann lie­gen­las­sen: die Dänin­nen sind schon rech­te Umwelt-Row­dys!

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wol­ken

Gegen Cor­ry Brok­ken schien Ende der Fünf­zi­ger­jah­re ein­fach kein Kraut gewach­sen zu sein! Zum drit­ten Mal in Fol­ge trat sie beim nie­der­län­di­schen Natio­naal Song­fes­ti­val an, und zum drit­ten Mal in Fol­ge setz­te sie sich in der Publi­kums­ab­stim­mung mit deut­li­chem Abstand durch. Erneut beleg­te sie sogar gleich die bei­den ers­ten Plät­ze, denn jede/r der dies­mal sechs Teilnehmer/innen durf­te mit zwei Lie­dern antre­ten. Ent­we­der war die 2016 Ver­stor­be­ne, nicht zuletzt auf­grund ihres Siegs beim euro­päi­schen Wett­be­werb in Frank­furt am Main im Vor­jahr, damals tat­säch­lich die belieb­tes­te Sän­ge­rin Hol­lands, oder sie ver­füg­te über einen beson­ders gut orga­ni­sier­ten Fan­club, der flei­ßig Abstim­mungs­post­kar­ten für sie ein­schick­te. Ihre Bal­la­de ‘Heel de Wereld’ (‘Die gan­ze Welt’) brach­te das Kunst­stück fer­tig, gleich­zei­tig unglaub­lich pom­pös und ster­bens­lang­wei­lig zu klin­gen. Kein Wun­der, dass sie beim eben­falls in Hil­ver­sum statt­fin­den­den Grand Prix damit einen Mak­e­makes pull­te und auf dem letz­ten Platz lan­de­te. Wenn auch, anders als die Öster­rei­cher, nicht kom­plett punk­te­los.

Heal the World / make it a bet­ter Place / for you and for me… oh, Ent­schul­di­gung, fal­sches Lied.

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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bru­der

Nach dem auf­wän­di­gen und chao­ti­schen Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren von 1957 mit sei­nen zahl­rei­chen Vor­run­den und sei­nem Inter­pre­tin­nen­wech­sel in letz­ter Minu­te stand in die­sem Jahr der gal­li­sche Ver­tre­ter bereits von vor­ne­her­ein fest: André Cla­veau, ein zu jener Zeit sehr erfolg­rei­cher und tech­nisch ver­sier­ter Pari­ser Schnul­zensän­ger und Schla­ger­film-Mit­wir­ken­der. Fünf Titel stan­den für ihn zur Aus­wahl, die der im Jah­re 2003 ver­stor­be­ne Chan­son­nier für die sen­der­in­ter­ne Ent­schei­dung bizar­r­er­wei­se nicht ein­mal selbst ein­sin­gen muss­te: die Demo­ver­sio­nen der Autor/innen genüg­ten. Ein nun wirk­lich beson­ders unge­eig­ne­tes Ver­fah­ren, die idea­le Kom­bi­na­ti­on aus Sän­ger und Song zu fin­den!

Lull­te Euro­pa sanft in den Schlaf: Cla­veau beim Wett­be­werb in Hil­ver­sum.

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San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

Er soll­te einen unsterb­li­chen Welt­hit her­vor­brin­gen, die­ser Jahr­gang des San-Remo-Fes­ti­vals (SRF). Der ita­lie­ni­sche Staats­sen­der Rai hat­te die Orga­ni­sa­ti­on des Wett­be­werbs voll­stän­dig in die Hän­de des Tou­ris­mus­bü­ros der ligu­ri­schen Kur­stadt gelegt und beschränk­te sich auf die Über­tra­gung der Show. Inhalt­lich blieb jedoch alles beim Alten: es gab erneut zwei Vor­run­den mit je zehn Lie­dern, die jeweils von zwei meist arri­vier­ten Künstler/innen unter­schied­lich inter­pre­tiert wur­den. Zehn davon schaff­ten es ins Fina­le am Sams­tag. Dar­un­ter auch eine ein­gän­gi­ge, ohr­wurm­haf­te Melo­die namens ‘Nel blu dipin­to di blu’ (‘In blau gemal­tes blau’: nach Anga­ben des Text­dich­ters sol­len im Rah­men des Krea­tiv­pro­zes­ses meh­re­re Liter Wein geflos­sen sein, was die Wort­wahl viel­leicht erklärt). Vor­ge­tra­gen wur­de sie unter ande­rem von John­ny Dorel­li, einem in Nea­pel gebo­re­nen, aber in New York auf­ge­wach­se­nen New­co­mer, der auf­grund sei­ner jugend­li­chen Aus­strah­lung als einer der Favo­ri­ten galt und mit sei­ner leicht sphä­risch-jaz­zi­gen Inter­pre­ta­ti­on des Titels den Wett­be­werb auch gewann.

Ent­rückt im Welt­all: hier kommt John­ny!

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