UK 1964: Lie­bes­grü­ße aus Lon­don

Einen eta­blier­ten Star, einen gro­ßen Namen als Reprä­sen­tan­ten des Ver­ei­nig­ten König­reichs beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu fin­den, das war Anfang der Sech­zi­ger­jah­re das Ziel des sei­ner­zei­ti­gen BBC-Unter­hal­tungs­chefs Tom Slo­an, wie der bri­ti­sche Buch­au­tor Gor­don Rox­burgh in sei­ner Fibel ‘Songs for Euro­pe, Volu­me One’ rap­por­tiert. Und so ließ er sich vom deut­schen Vor­ent­scheid 1963 inspi­rie­ren und änder­te das For­mat des im Jah­re 1964 erst­mals unter A Song for Euro­pe fir­mie­ren­den Aus­wahl­ver­fah­rens: anstel­le meh­re­rer Künstler/innen soll­te nur noch ein/e vor­ab ausgewählte/r Interpret/in alle Titel vor­stel­len. Neben­bei woll­te er so den Fokus stär­ker auf den Song len­ken: anstatt für den char­man­tes­ten oder bekann­tes­ten Sän­ger, so die Hoff­nung, soll­ten die regio­na­len Jurys für das bes­te Lied stim­men. Wäh­rend man über Letz­te­res strei­ten mag, klapp­te das mit dem gro­ßen Namen sehr gut: Slo­an zog den als Ter­rence Par­sons gebo­re­nen Schnul­zen­kö­nig Matt Mon­ro an Land, in Groß­bri­tan­ni­en in Anleh­nung an sei­nen frü­he­ren Beruf auch bekannt als “Der sin­gen­de Bus­fah­rer”, der seit 1960 bereits acht Hits vor­wei­sen konn­te, zuletzt die Titel­me­lo­die des aktu­el­len James-Bond-Strei­fens ‘From Rus­sia with Love’ (deut­scher Film­ti­tel: ‘Lie­bes­grü­ße aus Mos­kau’), und sich damit auf dem Höhe­punkt sei­ner Popu­la­ri­tät befand. Mon­ro durf­te sich aus einer Vor­schlags­lis­te der bri­ti­schen Kom­po­nis­ten­lob­by sechs Song­schrei­ber aus­su­chen, die ihm jeweils ein Lied für A Song for Euro­pe auf den Leib schnei­der­ten. Wenig über­ra­schend fiel sei­ne Wahl über­wie­gend auf bis­he­ri­ge Weg­ge­fähr­ten, dar­un­ter der Film­mu­sik­kom­po­nist Lio­nel Bart, aus des­sen Feder eben­die­ser Bond-Titel stamm­te. Der augen­schein­lich aber­gläu­bi­sche Bart blieb als ein­zi­ger betei­lig­ter Lie­dau­tor der TV-Show aus Ver­är­ge­rung osten­ta­tiv fern, weil sein Bei­trag ‘Choo­se’ bei der Aus­lo­sung der Start­plät­ze die Start­num­mer 1 zuge­lost bekam – eine Posi­ti­on, so die unver­rück­ba­re Über­zeu­gung des Kom­po­nis­ten, von der aus nie­mand gewin­nen konn­te und die für sein Lied das Aus bedeu­te. Womit er Recht behal­ten soll­te: ‘Choo­se’ lan­de­te in der Jury­ab­stim­mung auf Rang vier.

Aber­mil­lio­nen von Kinogänger/innen und TV-Zuschau­er/in­nen welt­weit ver­traut: Mon­ros Bond-Titel­lied (Reper­toire­bei­spiel).

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YU 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen

Wie in der gesam­ten Anfangs­pha­se ist auch für das Jahr 1964 die Fak­ten­la­ge lei­der nicht beson­ders ertrag­reich, was die Jugo­vi­zi­ja angeht, den Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des damals noch unter Tito ver­ein­ten süd­sla­wi­schen Viel­völ­ker­staa­tes. Immer­hin ken­nen wir, und das ist bei der Jugo­vi­zi­ja der Sech­zi­ger­jah­re kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, die kom­plet­te Teil­neh­mer­lis­te inklu­si­ve der Lie­der. Doch das nützt nicht viel, fin­det sich doch bis auf die lieb­lich plin­kern­de Schnee­flo­cken­bal­la­de ‘Kakor bela Snežin­ka’ des slo­we­ni­schen Sän­gers Sta­ne Man­ci­ni (ob eine Ver­wandt­schaft zur 2012er Reprä­sen­tan­tin Han­nah Man­ci­ni besteht, ist mir lei­der nicht bekannt – vom Alter her könn­te Sta­ne ihr Groß­va­ter sein) und das offi­zi­el­le Sie­ger­lied kei­ner der acht Wett­be­werbs­bei­trä­ge im Netz. Kei­ne Spur also von ‘Fol­ge den Ster­nen’ der 1962er Grand-Prix-Teil­neh­me­rin Lola Nova­ko­vić, von ‘Ent­schei­de Dich’ des gefei­er­ten kroa­ti­schen Chan­son­niers und Poe­ten Arsen Dedić (†2015) oder von ‘Ihr ers­ter Tanz’ des welt­be­kann­ten Ivo Robic, der hier punk­te­frei aus­ging.

Wieg­te selbst Frau Hol­le in den Tief­schlaf: Herr Man­ci­ni.

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PT 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubei­ßen

Gute drei Jah­re vor mei­ner Geburt begann sie: die lan­ge, tie­fe Lei­dens­ge­schich­te des west­lichs­ten Lan­des Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pas beim Euro­vi­si­on Song Con­test, die erst 48 Teil­nah­men und 53 Jah­re spä­ter mit dem Sieg von Sal­va­dor Sobral ihr tem­po­rä­res Ende fin­den soll­te. Bis dahin erwies sich der von zahl­rei­chen Roten Later­nen und küm­mer­li­chen Punk­te­ga­ben gesäum­te Weg als qual­voll und stei­nig. Schaut man sich das 1964 eigens zu die­sem Zwe­cke, als natio­na­le Vor­ent­schei­dung, aus der Tau­fe geho­be­ne und bis zum heu­ti­gen Tag zu die­sem Behu­fe ver­wen­de­te Fes­ti­val da Canção in vol­ler Län­ge an, ahnt man, war­um. Sechs Sänger/innen tra­ten gegen­ein­an­der an bei der Pre­miè­re die­ser im hohen Maße fest­li­chen Ver­an­stal­tung, und ein/e jede/r von ihnen inter­pre­tier­te jeweils zwei Canção (wohl­ge­merkt: aus­schließ­lich Bal­la­den, Uptem­po­rä­res war in die­sem Land und zu die­ser Zeit offen­bar bei Zucht­haus ver­bo­ten), die in ihrer staats­tra­gen­den Lang­wei­lig­keit und Fad­heit rück­bli­ckend den bis dato in die­sen Kate­go­ri­en unge­schla­gen füh­ren­den Grand Prix von 1961 als hem­mungs­los wil­den Rock’n’Roll-Event erschei­nen lie­ßen. Die gesam­te Sze­ne­rie scheint wie aus den feuch­ten Träu­men des dama­li­gen deut­schen Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­chen, Hans-Otto Grü­ne­feldt, oder ihm geis­tig nahe ste­hen­der Freun­de der “geho­be­nen” Unter­hal­tung ent­sprun­gen: tadel­los geklei­de­te Men­schen stel­len sich artig vor ein opu­len­tes Orches­ter, ohne zu tan­zen oder sich sonst­wie zu ver­ren­ken, und sin­gen mit durch die Bank her­aus­ra­gen­der Stimm­kraft geschmack­vol­le, unan­stö­ßi­ge, dezen­te Bal­la­den, die garan­tiert kei­nen Hund hin­ter dem Ofen her­vor­lo­cken und von denen kei­ne ein­zi­ge jemals in die Gefahr gera­ten könn­te, zu so etwas ver­werf­li­chem wie einem (man erschau­dert schon bei dem Gedan­ken!) Gas­sen­hau­er zu dege­ne­rie­ren. Kaum ist der letz­te Ton ver­klun­gen, dre­hen sie sich stan­de pede um und gehen zügig ab. Da kann man sogar über den Umstand hin­weg­se­hen, dass etli­che der ins­ge­samt zwölf Bei­trä­ge nicht nur gefühlt die → Drei-Minu­ten-Gren­ze deut­lich über­schrit­ten.

Die Ver­schmut­zung des Atlan­tik mit erb­gut­ver­än­dern­den Che­mi­ka­li­en und die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die dor­ti­ge Fisch­fau­na war das The­ma von Simo­ne de Oli­vei­ras vier­ein­halb­mi­nü­ti­gem (!) Bei­trag ‘Augen in Augen’.

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IT 1964: Gib mir noch Zeit

Wel­che Bedeu­tung das San-Remo-Fes­ti­val zu sei­ner Blü­te­zeit weit über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus hat­te, ver­mag man sich heut­zu­ta­ge kaum noch vor­zu­stel­len. Eine leich­te Ahnung davon ver­mit­telt der Blick auf die Inter­pre­ten­lis­te des als Grand-Prix-Vor­ent­scheid genutz­ten Wett­be­werbs im Jah­re 1964. Da kam die aus­füh­ren­de Sen­de­an­stalt RAI näm­lich auf die gran­dio­se Idee, die Zweit­ver­sio­nen der im Semi­fi­na­le vor­ge­stell­ten 24 Lie­der von inter­na­tio­na­len Stars sin­gen zu las­sen, um den Duft der gro­ßen wei­ten Welt in die ohne­hin schon gla­mou­rö­se Ver­an­stal­tung zu holen. Und das Ver­rück­te: die ein­ge­la­de­nen Gäs­te kamen auch! So nahm bei­spiels­wei­se neben der Ita­lie­ne­rin Mil­va auch die Fran­zö­sin Fri­da Boc­ca­ra (→ FR 1969) die ‘Letz­te Stra­ßen­bahn nach Mit­ter­nacht’, zusätz­lich zum hei­mi­schen Swing-Sän­ger Nico­la Ariglia­no mach­te sich auch der deut­sche Rock’n’Roller Peter Kraus (‘Sugar Baby’) auf den Marsch der ’20 Kilo­me­ter nach Mor­gen’, und von dem herr­lich pit­to­res­ken Tou­ris­mus-Wer­be­schla­ger ‘Son­ne, Piz­za und Lie­be’ gab es eben­falls gleich zwei Ver­sio­nen.

Sole, Piz­za, Amo­re’ – was mehr will man von einem Ita­li­en-Urlaub? Nur war­um bei 1:20 Minu­ten die Frank­fur­ter Kai­ser­stra­ße Erwäh­nung fin­det, will mir nicht in den Kopf!

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DE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Nora Nova, DE 1964
Die GSD-Beam­tin

Kein Jahr ver­lief wie das ande­re beim deut­schen Vor­ent­scheid, jeden­falls in den frü­hen Sech­zi­gern: nach den gla­mou­rö­sen Schla­ger­fest­spie­len (1962), deren dies­jäh­ri­ge Sie­ge­rin Siw Malmkvist (→ SE 1961, DE 1969) mit ihrem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht’ die deutsch­spra­chi­ge Hit­sin­gle des Jah­res lie­fer­te, und der One-Women-Show mit Hei­di Brühl (→ DE 1963) fand dies­mal in Frank­furt am Main wie­der eine klas­si­sche Vor­ent­schei­dung mit meh­re­ren Interpret/innen statt, erst­mals unter dem dann fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang gül­ti­gen Rubrum “Ein Lied für…”, gefolgt vom Namen des Aus­tra­gungs­or­tes (in die­sem Fall also: Ein Lied für Kopen­ha­gen). Das unbe­frie­di­gen­de Abschnei­den der bei­den deut­schen Super­stars Con­ny Fro­boess (→ DE 1962) und Hei­di Brühl hat­te das Image des Con­tests in der deut­schen Pop-Sze­ne aller­dings nach­hal­tig beschä­digt. Eta­blier­te, zeit­ge­mä­ße Namen blei­ben fern, ledig­lich fünf alt­ge­dien­te Schlagersänger/innen, die ihren Zenit schon lan­ge über­schrit­ten hat­ten, lie­ßen sich für die Sen­dung zusam­men­trei­ben. Und eine New­co­me­rin.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

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CH 1964: Sag mir quan­do, sag mir wann?

Sie sind schon ein Hau­fen chao­ti­scher Leicht­fü­ßer und Hal­lo­dris, die­se Schweizer/innen, das muss man ein­mal klar und deut­lich so sagen. Ord­nung scheint ihnen völ­lig fremd zu sein, die eige­ne Geschich­te unbe­deu­tend, archi­va­ri­sche Ver­pflich­tun­gen nichts als eine unnüt­ze Beläs­ti­gung! Und so ist, was den hel­ve­ti­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des Jah­res 1964 angeht, noch nicht ein­mal bekannt, wann die­ser statt­fand, geschwei­ge denn wo. Nur dass er statt­fand, das wis­sen wir, und dass dar­in­nen sechs Lie­der gegen­ein­an­der antra­ten, dar­ge­bo­ten von fünf Künstler/innen. Neben dem in die­ser Ära unver­meid­li­chen Jo Roland spiel­te somit auch eine gewis­se Ulla Rafa­el eine Rol­le, die, wie das Memo­ry­ra­dio recher­chier­te, Anfang der Sech­zi­ger­jah­re mal eine Zeit­lang bei dem Grand-Prix-Freun­den nicht völ­lig unbe­kann­ten Mün­che­ner Plat­ten­la­bel Jupi­ter Records unter Ver­trag stand, bei wel­chem damals noch Ralph Maria Sie­gel, der Seni­or, das Sagen hat­te. Trotz eines TV-Auf­trit­tes und einer Teil­nah­me am Knok­ke-Fes­ti­val woll­te Frau Rafa­el jedoch kein rech­ter Hit gelin­gen. Ullas sei­ner­zei­ti­gen eid­ge­nös­si­schen Vor­ent­schei­dungs­bei­trag, ein (lei­der ver­schol­le­nes) Lied mit dem schö­nen Titel ‘All­round Cha-cha-cha’, nahm sie aller­dings nicht auf Plat­te auf. Das tat an ihrer Stel­le die trotz zahl­rei­cher Label- und Pro­du­zen­ten­wech­sel eben­falls Zeit ihrer Schla­ger­kar­rie­re kom­mer­zi­ell erfolg­los blei­ben­de Schwei­zer Kol­le­gin Lia­ne Covi (Anspiel­tipp: ‘Zu jung’), die damit aber auch einen Flop lan­de­te. Lia­ne, gebo­ren als Elia­ne Jac­que­line Maria Haus, soll­te es dann 1972 mit ‘C’est la Vie’ beim hel­ve­ti­schen Vor­ent­scheid ver­su­chen, bei dem sie es eben­falls nicht schaff­te. Ihr dama­li­ger Pro­du­zent Jack White pack­te das Lied auf die B-Sei­te ihrer zweit­letz­ten Sin­gle ‘Wo die Son­ne scheint’. White gab die­ses Lied jedoch auch an Tina York (→ Vor­ent­scheid DE 1976), wel­che dar­aus einen klei­nen Hit mach­te – im Gegen­satz zu Lia­ne, die 1974 einen Arzt hei­ra­te­te und sich aus dem Schla­ger­ge­schäft zurück­zog. Gleich zwei Lie­der bei die­sem Vor­ent­scheid durf­te die Tes­si­ne­rin Ani­ta Tra­ver­si (→ CH 1960) vor­tra­gen – und eines davon, näm­lich das ver­träumt-ver­schnarch­te ‘I miei Pen­sie­ri’ trug den Sieg davon, so dass Tra­ver­si ein zwei­tes Mal das Schwei­zer­kreuz ver­tre­ten durf­te.

Ani­tas Euro­vi­si­ons­bei­trag, hier in der deut­schen Cover­ver­si­on – mit aus­ge­spro­chen inter­na­tio­na­ler Titel­zei­le. Macht es aber auch nicht bes­ser.

Vor­ent­scheid CH 1964

Fünf Teilnehmer/innen.

#Interpret/inTitelErgeb­nis
01Ani­ta Tra­ver­siMan­do­li­no
02Geor­ges Pill­oudAmo­re in Tici­no
03Jean-Pierre + Natha­lieLe Temps d’aimer
04Ulla Rafa­elAll­round Cha-Cha-Cha
05Jo RolandRêve­rie
06Ani­ta Tra­ver­siI miei Pen­sie­ri1

ESC 1963: Melo­die einer Nacht

Logo des Eurovision Song Contest 1963
Das Jahr des Play­backs

Die von etli­chen euro­päi­schen Sen­de­an­stal­ten (ein­schließ­lich der ARD) aus finan­zi­el­len Grün­den sehr gefürch­te­te Euro­vi­si­ons­re­gel, wonach der Sie­ger des Wett­be­werbs im Fol­ge­jahr prin­zi­pi­ell den Con­test aus­tra­gen soll, exis­tiert bereits seit seit dem zwei­ten Jahr sei­nes Bestehens, also seit 1957. Doch nicht immer möch­te der glück­li­che Gewin­ner dies auch tun: dem schlech­ten Bei­spiel der Nie­der­lan­de fol­gend, wei­ger­te sich heu­er das inner­halb von nur sechs Jah­ren bereits zum drit­ten Male (näm­lich 1958, 1960 und 1962) vik­to­riö­se Frank­reich, die Show zu orga­ni­sie­ren. Das mön­da­ne Can­nes, wo der Wett­be­werb bereits 1959 und 1961 statt­ge­fun­den hat­te, ent­wi­ckel­te sich – nicht zuletzt auf­grund der jähr­li­chen Film­fest­spie­le – auch so zum Urlaubs­pa­ra­dies der Super­rei­chen und zum Jet-Set-Hot-Spot. Da benö­tig­te man den Euro­vi­si­on Song Con­test nicht zu noch wei­te­rer Tou­ris­mus­wer­bung. Bereits zum zwei­ten Male sprang daher die bri­ti­sche BBC als Aus­rich­te­rin ein. Und pro­du­zier­te einen der umstrit­tens­ten, gleich­wohl inter­es­san­tes­ten Jahr­gän­ge der Grand-Prix-Geschich­te.

Zwei Stu­di­os und weder Mikro­fon noch Orches­ter im Bild: han­del­te es sich beim ESC 1963 um tech­ni­sche Avant­gar­de oder doch nur um einen gro­ßen Schmu?

wei­ter­le­senESC 1963: Melo­die einer Nacht

DE 1963: Das geht mir viel zu schnell

Heidi Brühl, DE 1963
Die Zicki­ge

Die Idee, die vom Süd­west­funk aus der Tau­fe geho­be­nen und von gleich vier ARD-Lan­des­sen­dern gemein­schaft­lich ver­an­stal­te­ten Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le als Grand-Prix-Vor­ent­scheid zu nut­zen, hat­te 1962 Moder­ni­tät und Glanz in die Ver­an­stal­tung gebracht – und mit ‘Zwei klei­ne Ita­lie­ner’ für einen fri­schen, kom­mer­zi­ell über­aus erfolg­rei­chen deut­schen Bei­trag gesorgt, den erfolg­reichs­ten die­ses Dez­en­ni­ums gar. Wür­de man die­ses rund­um gelun­ge­ne Expe­ri­ment also fort­set­zen, wie es jede mensch­li­che Logik gebie­tet? Weit gefehlt! Denn Hans-Otto Grü­ne­feldt, der Unter­hal­tungs­chef des Hes­si­schen Rund­funks und dama­li­ge Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che der ARD, woll­te ja gera­de kei­ne Hits, son­dern ein “anspruchs­vol­les” Lied. Noch dazu beleg­te die auf die­sem Wege aus­ge­wähl­te Con­ny Fro­boess im Wett­be­werb in Luxem­burg nur einen (aus dama­li­ger Sicht) ent­täu­schen­den sechs­ten Platz, und man wünsch­te sich doch so drin­gend den Sieg!

Ein Mil­lio­nen­sel­ler: der Sie­ger­ti­tel der Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le 1963.

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DK 1963: Je ne sais pas pour­quoi

Acht Bei­trä­ge strit­ten um die Gunst einer zehn­köp­fi­gen Jury bei der däni­schen Vor­ent­schei­dung von 1963, dem Melo­di Grand Prix (MGP), von denen der letzt­plat­zier­te des Schau­spie­lers Pre­ben Mahrt kom­plett punk­te­frei aus­ging. Viel­leicht war er den Jury­mit­glie­dern ein­fach zu ‘Abs­trakt’? Ansons­ten bestand das Per­so­nal über­wie­gend aus alt­ge­dien­ten Namen: sowohl die hei­mi­sche Ver­tre­te­rin von 1957 und 1962, Bir­t­he Wil­ke, als auch der däni­sche ESC-Reprä­sen­tant von 1961, Dario Cam­peot­to, star­te­ten einen wei­te­ren Ver­such, wobei sich ers­te­re im Hin­blick auf die von ihrem Bei­trag aus­ge­hen­de, gepfleg­te Lan­ge­wei­le nicht ohne Grund selbst frag­te: ‘Pour­quoi’ (‘War­um’)? Das Tanz­or­ches­ter Melo­dy Mixers wid­me­te sich in sei­nem extrem flui­den Stück ‘Har­le­kin & Colum­bi­ne’ inhalt­lich dem Ver­an­stal­tungs­ort des MGP, dem Kopen­ha­ge­ner Innen­stadt-Ver­gnü­gungs­park Tivo­li. Git­te Hæn­ning (→ DE 1973), die im glei­chen Jahr ein Land wei­ter süd­lich mit ‘Ich will ’nen Cow­boy als Mann’ die Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le gewin­nen und einen Num­mer-Eins-Hit lan­den soll­te, kas­sier­te zu Hau­se für ihre ‘Lil­le sar­te Kvin­de’ (‘Klei­ne zar­te Frau’) nur halb so vie­le Punk­te wie das schluss­end­lich sieg­rei­che Ehe­paar Gre­the und Jør­gen Ing­mann mit ihrer jaz­zi­gen ‘Dan­se­vi­se’.

Call me again,” sang Gre­the mit­ten in ihrem däni­schen Text fle­hend. Das taten die nor­we­gi­schen Punk­te­rich­ter beim ESC dann auch.

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UK 1963: Der Tag am Meer

Der sei­ner­zei­ti­ge Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che der BBC, der TV-Unter­hal­tungs­chef Tom Slo­an, nahm sich, wie Gor­don Rox­burgh in sei­nem Buch Songs for Euro­pe berich­tet, die Zuschau­er­kri­tik über das schlech­te Niveau der direkt durch die Indus­trie kom­mis­sio­nier­ten Bei­trä­ge im bri­ti­schen Vor­ent­scheid von 1962 sehr zu Her­zen. In einem Inter­view mit der Pro­gramm­zeit­schrift Radio Times leg­te er gleich zwei drän­gen­de Pro­ble­me offen: “Ich den­ke, das Wett­be­werbs­ele­ment hält vie­le Musik­ver­le­ger davon ab, ihr bes­tes Mate­ri­al ein­zu­rei­chen, weil die Gefahr besteht, dass es in der natio­na­len Abstim­mung ver­liert. Außer­dem kon­zen­trie­ren sich die Plat­ten­fir­men natür­lich vor allem auf Songs, die auf das kauf­kräf­ti­ge jugend­li­che Publi­kum zie­len, und weni­ger auf sol­che, die den natio­na­len Jurys in den teil­neh­men­den Län­dern gefal­len könn­ten”. Damit umschrieb er den auch vom BBC-Publi­kum bemän­gel­ten Zustand, dass das Feld im Vor­jahr haupt­säch­lich aus schnel­le­ren, tanz­ba­ren Titeln bestand und die von den kon­ser­va­ti­ven, meist aus älte­ren Wür­den­trä­gern bestehen­den → Jurys klar bevor­zug­ten Bal­la­den Man­gel­wa­re waren. Er erwäg­te kurz, gar kei­nen Vor­ent­scheid abzu­hal­ten, son­dern intern aus­zu­wäh­len, ent­schied sich dann aber doch für einen offe­nen Wett­be­werb. Aller­dings bat er dies­mal nicht die Labels um Bei­trä­ge, son­dern bestell­te die Lie­der direkt bei füh­ren­den, hand­ver­le­se­nen Kom­po­nis­ten. Die jedoch erwie­sen sich als noch zart besai­te­ter, wenn es dar­um ging, sich der Kon­kur­renz zu stel­len: nicht nur, dass Slo­an kaum eta­blier­te Inter­pre­ten bekam, auch vom Mate­ri­al her kam A Song for Euro­pe (ASFE) 1963 noch schwach­brüs­ti­ger daher als bereits im Vor­jahr.

Mana mana – dap di de dippi… Ron­nie und die Snouts beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1963.

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