Das Millenium

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 2000 bis 2009.

Geld­stra­fen für Spa­ni­en und Aser­bai­dschan
2009, Das Millenium, Diese Welt

Geld­stra­fen für Spa­ni­en und Aser­bai­dschan

Die Regelverstöße Spaniens und Aserbaidschans beim Eurovision Song Contest haben nun doch noch ein Nachspiel, wenn auch ein mildes: wie der NDR heute berichtet, verhängte die Reference Group der EBU bei ihrem Treffen am Wochenende in Oslo Geldstrafen gegen die Sender RTVE in Madrid und Icitimai TV in Baku. Spanien hatte das zweite Halbfinale, in dem es als Big-Four-Land stimmberechtigt war, wegen einer Sportübertragung nicht live gezeigt. Der Sender Aserbaidschans wandte alle Regeln der Kunst an, um Anrufe seiner Bewohner für den Nachbarn Armenien, mit dem sich das Land in einem bewaffneten Konflikt um die Region Bergkarabach befindet, zu unterbinden: das ging von unterbliebenen Hinweisen über ein "gestörtes" Bild bis hin zur nachträglichen polizeilichen Befragung aller 43 aserbaidschanisc...
Aser­bai­dschan: Ich weiß, was Du letz­ten Mai gewählt hast
2009, Das Millenium, Diese Welt

Aser­bai­dschan: Ich weiß, was Du letz­ten Mai gewählt hast

Amoklauf der Vorratsdatensammler: eine offizielle, "investigativ" geführte Untersuchung habe die EBU nach eigener Äußerung gegen Aserbaidschan eingeleitet, nachdem durchsickerte, dass in dem Kaukasusstaat nicht nur während der Übertragung des armenischen Beitrags beim ESC 2009 wie zufällig ein Schneesturm über die Bildschirme wanderte, sondern dass die Innenbehörde auch alle 43 Aserbaidschaner polizeilich vernahm, die dennoch die Stirn besaßen, für das offiziell verfeindete Nachbarland anzurufen. Über mögliche Konsequenzen wolle man erst nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden. Jedenfalls beweist der nachgerade unglaubliche Fall auf das Schönste, wohin die Datensammelwut der Behörden in letzter Konsequenz führen kann - und das ist gar nicht mehr zum Lachen. Mitunterzeichnen! (mehr...
<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2009: It comes as no Sur­pri­se
2009, Das Millenium, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC Fina­le 2009: It comes as no Sur­pri­se

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde - im Gegenteil: auch die Juroren setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. (mehr …)
Mos­kau: Sla­vic Pri­de gewalt­sam auf­ge­löst
2009, Das Millenium, Diese Welt, Unsere Lieblinge

Mos­kau: Sla­vic Pri­de gewalt­sam auf­ge­löst

Wie verängstigt müssen Staatschef Vladimir Putin und sein Moskauer Handlanger Juri Luschko sein, allen Ernstes die Anti-Terror-Einheit OMON gegen eine Handvoll schwullesbischer Demonstranten einzusetzen, die weitab des Moskauer Stadtzentrums friedlich ihre Menschenrechte einfordern? Auch das geschickte Ausweichen vom ursprünglich angemeldeten Demo-Ort (an dem mal wieder russische Rechtsradikale gegen die Homos pöbelten) und die Vorverlegung der Schwulen-Demo nutzte nichts: kaum hatten die Homo-Aktivisten ihre Plakate entrollt, griff die Spezialeinheit zu und führte sie ab, vor den laufenden Kameras der anwesenden Medienvertreter. Unter den Verhafteten befanden sich Slavic-Pride-Organisator Nikolai Aleksejew ebenso wie ein amerikanischer Schwulenaktivist, den man mitten im Interview abführt...
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ESC 2. Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Schizophren: die unglaublich lustige Comedy-Techno-Nummer 'Tingaliin', mit denen die Schweden beim diesjährigen Melodifestivalen zur Einstimmung auf Moskau spaßeshalber sämtliche Russlandklischees auf den Arm nahmen, zog eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern und den offiziellen Protest des dortigen Botschafters nach sich. Als Eröffnungsact des zweiten Semis präsentierten die Russen dann selbst exakt die gleichen tanzenden Bären, Matroschkas und Kalinka-Chöre, über die sie sich zuvor beklagt hatten. Nur, dass der Moskauer Act anscheinend bierernst gemeint war. Womit sich erneut zeigte: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trauen. (mehr …)
2009, Das Millenium, Diese Welt, ESC Semifinale

Neue Ver­schwö­rungs­theo­rie: das Euro­vi­si­ons­gen

Die Eurovisionsfans in Moskau gehen mal wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: dem Entwerfen von absurden Konspirationstheorien. So stellten findige Fans gestern Nacht noch fest, dass alle zehn Länder, die sich im ersten Semi für den Samstag qualifizierten, sich auch schon im Vorjahr erfolgreich in der Quali schlugen. Einzige Ausnahme: Malta, das 2008 mit 'Vodka' den Sprung ins Finale nicht schaffte (wohl zu früh dran gewesen!) und dieses Jahr den Slot von Georgien ('Piss will come') übernahm, das aufgrund der bekannten Arschkriecherei der EBU gegenüber Vladimir Putin diesmal zu Hause bleiben musste. Zufall? Betrug? Oder verfügen bestimmte Nationen einfach über ein Eurovisionsgen, das anderen fehlt? War ihr das Finale vorbestimmt? Malena 'Whitey Whiteman' Ernman (mehr …...
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ESC 1. Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groo­ve

Gerüchtehalber sechs Millionen Euro hatten sich die Russen im Vorjahr ihren auf Sieg getrimmten Beitrag 'Believe' kosten lassen. Bei der Ausrichtung des Wettbewerbs in Moskau protzten sie entsprechend hemmungslos: die größte Bühne aller Zeiten, die beeindruckendste Lichttechnik, die spektakulärsten Pausenacts. 42 Millionen Euro sollen sie für die Show ausgegeben haben, fast das Doppelte des üblichen Budgets. Und lieferten dennoch international ein beschämendes und unangenehmes Bild ab, aufgrund der rabiat exekutierten Auflösung des zeitgleich zum Eurovisionsfinale stattfindenden Moskauer CSD durch Sondereinsatzkräfte der Polizei. Und durch das wohl unfähigste Moderatorenteam der Grand-Prix-Geschichte. (mehr …)
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Schwu­le Soli­da­ri­tät: Nie­der­lan­de dro­hen mit Final-Boy­kott

Endlich! Ein leuchtendes Zeichen für gelebte Homosolidarität setzt der offen schwule Sänger Gordon des niederländischen Golden-Girls-Trios De Toppers. In einem Interview mit NOS Radio kündigte er an, das Finale am Samstag boykottieren zu wollen, falls es bei der am gleichen Abend stattfindenden (und, wie immer, vom homophoben Moskauer Bürgermeister Juri Luschko verbotenen) Schwulendemo Slavic Pride zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Homos kommen sollte, wie die britischen Pink News heute berichten. Nun müssen die Niederländer erst mal ins Finale kommen, um wirkungsvoll mit Abreise drohen zu können (und die Chancen stehen mit ihrem futtigen Nostalgieschlager 'Shine' nicht besonders gut) - dennoch handelt es sich um eine wichtige Solidaritätsadresse an die russischen Schwulen. Aus dem de...
2009, Das Millenium, ESC Semifinale, Proben

Zwei­tes Semi 2009 – die Pro­ben

Nur noch zwei Tage, bis es ernst wird in Moskau. Zwei Probendurchgänge sind bereits gelaufen, und auch wenn sich an der kometenhaften Führungsposition von Alexander Rybak nichts geändert hat, konnten doch noch einige Beiträge ihre Position verbessern - oder verschlechtern, je nach visueller und akustischer Umsetzung. Oder fehlender Chemie zwischen den Duettanten. Wie es schöne Tradition ist, werden die Bühnenaufbauten und Choreografien immer absurder: nachdem die Griechen die erste Abschussrampe installierten, kam am Sonntag sogar Vladimir Putin ins Olympiastadium, um nach dem Rechten zu sehen. Das zweite Finale ist in diesem Jahr ohne Frage das stärkere und interessantere, daher soll es - auch wenn es schon kurz vor Toresschluss ist - hier nachgereicht sein. (mehr …)...
2009, Das Millenium, Proben

Deut­sche Pro­be in Mos­kau bes­ser als erwar­tet

Heute nachmittag probten zum zweiten Mal die Big 5. Die als Retterin des deutschen Beitrags eingekaufte "Burlesque-Tänzerin" (=Stripperin) Dita van Teese konnte sich auch diesmal noch nicht dazu herablassen, bei der Probe zu erscheinen - es sei ihr wohl peinlich, mutmaßte das OnEurope-Team. Oscar performte deutlich lockerer als bei der Echo-Präsentation, heute erschien er auch etwas legerer gekleidet und schien sich wohler und sicherer zu fühlen. Er hat eine Stimmverstärkung in Form eines zweiten Sängers, der hinter Alex am Bühnenrand verschwindet. Ditas Stuntdouble, das erst 30 Sekunden vor dem Songende erscheint, schlug sich beim ersten Stripversuch schon mal die "verführerisch" über den Kopf gewirbelte Jacke ins Gesicht und ritt halbherzig auf dem pauloscaresken, aufblasbaren Rote-Lippe...
2009, Das Millenium, ESC Semifinale, Proben

Ers­tes Semi 2009 – die Pro­ben

Schockschwerenot, wie die Zeit dahinrast! Wie bereits jeder weiß, gibt nun Marilyn Mansons Exfreundin Dita van Teese auf der Eurovisionsbühne die deutsche Miss Fist Gang Bang (gute Sache), der hr3-Moderator Tim Frühling, ebenfalls Teil der Familie, ersetzt den erkrankten Peter Urban als deutschen Kommentator (gute Besserung!) und im Olympiastadium von Moskau laufen bereits seit Tagen die Proben. Und ich komme mal wieder mit dem Videoclips schauen und kommentieren nicht hinterher. Nun gut, versuchen wir es wenigstens: hier die Songs aus dem ersten Semifinale, wie sie sich nach den ersten Durchläufen präsentieren. (mehr …)
2009, Das Millenium, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Male­na Ern­man dreht ‘La Voix’-Video in Frank­furt am Main

'La Voix' von Malena Ernman, mein persönlicher Douze-Points-Beitrag 2009, präsentiert sich seit kurzem in einer leicht modifizierten Version mit reduziertem Einsatz des Backgroundchors. Vermutlich ist dem Team Sverige mittlerweile aufgegangen, dass in Moskau nur sechs Personen auf die Bühne dürfen und auch der Chorgesang nicht vom Band kommen darf. Der Videoclip für die neue Fassung entstand in meiner von Herzen geliebten Heimatstadt Frankfurt am Main, wo die schwedische Diva Ende März / Anfang April die Hauptrolle in der Oper 'La Cenerentola' ('Aschenbrödel') sang. Das offensichtlich knappe Zeitbudget merkt man dem Film an: er entstand in einem Umkreis von weniger als einem Kilometer um das Frankfurter Opernhaus am Willy-Brandt-Platz. Für Malena-Fans, die beabsichtigen, eine Pilgerreise n...
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ARD-Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den­lim­bo: ers­tes Semi bei Phoe­nix

Schön, wenn man über so viele verschiedene, kaum beachtete Spartensender verfügt wie die gebührenfinanzierte ARD. Dann kann man nämlich die drei Runden des offensichtlich ungeliebten Unterhaltungskindes Eurovision Song Contest in dergestalt absurder Weise über so viele Kanäle verteilen, dass sie am Ende garantiert keiner mehr findet. Und sich im selben Atemzug über die "katastrophalen Einschaltquoten" wundern. Das erste Semifinale am Dienstag, in dem Deutschland mitstimmen darf, schiebt der NDR in diesem Jahr auf den (immerhin bundesweit im Kabel empfangbaren) Nachrichten- und Dokumentationskanal Phoenix ab. Nie gehört? Suchen Sie auf Ihrer Fernbedienung mal die hinteren Sendeplätze durch, so ab 20 aufwärts. Da versteckt er sich bestimmt irgendwo, so zwischen TV5 und 9live. Das zweite Semi...
2009, Diese Welt, ESC Finale, Unsere Lieblinge

Wett­quo­ten: Alex­an­der Rybak ist der ein­deu­ti­ge Favo­rit

Direkt schon ein bisschen langweilig: selten in der Geschichte des Eurovision Song Contest gab es im Vorfeld einen eindeutigeren Favoriten als dieses Jahr. Fans und Buchmacher sind sich absolut einig: der Gewinner des Grand Prix 2009 heißt Alexander Rybak aus Norwegen! Die Wettquoten auf seinen Sieg in Moskau liegen so niedrig wie seit 1976 nicht mehr, als Brotherhood of Men mit dem umsatzstärksten Eurovisionshit aller Zeiten ('Save your Kisses for me') erwartungsgemäß gewannen. Dabei muss 'Fairytale' erst mal durch die Qualifikationsrunde, und auch der Startplatz im Finale steht noch nicht fest. Unbeirrt davon sagen ihm alle Beobachter des Geschehens den eindeutigsten Sieg mit der höchsten Punktezahl aller Zeiten voraus. Ebenso eindeutig fällt das Verdikt übrigens für den deutschen Beitra...
2009, Das Millenium, Diese Welt

Das Play­back­di­lem­ma

Seit jeher wird beim Eurovision Song Contest live gesungen, was den Wettbewerb so einzigartig macht - allerdings die Teilnehmer in den Zeiten der Höchstleistungschoreografien auch vor immer schwierigere Herausforderungen stellt, verstärkt durch die seit 1971 bestehende, längst nicht mehr zeitgemäße Beschränkung auf maximal sechs Personen auf der Bühne. Konsequenz: in den nationalen Vorentscheidungen hält sich kaum noch jemand an diese Vorgaben, Teil- oder Vollplaybackauftritte sind massiv auf dem Vormarsch. Das dürfte in Moskau noch für einige unangenehme Überraschungen sorgen: unvergessen der gescheiterte, peinliche Versuch von DJ Bobo vor zwei Jahren in Helsinki, durch das Aufstellen von Schaufensterpuppen auf der Bühne zu seiner üblichen Besetzungsstärke zu finden. Mit besonderer Spannu...
2009, Das Millenium, ESC Finale

Das Fina­le 2009 – die Über­sicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge fest. Anlass genug für einen Schnellüberblick mit Kurzkommentar, Aufrechtgehn.de-Wertung und einer ersten Einschätzung hinsichtlich der Endplatzierung. Wie immer sind die Big Four (DE, ES, FR, UK) direkt für das Finale am 16. Mai gesetzt, gemeinsam mit dem Gastgeber Russland (die restlichen 20 Starter kommen später aus den beiden Qualis). Und im Gegensatz zu den letzten Jahren, wo die Big Four meist auch geschlossen die Last Four bildeten, könnten diesmal zwei Länder nach oben ausbrechen - nämlich Frankreich, das seinen Weltstar Patricia Kaas schickt, sowie Spanien, das endlich wieder einen mitreißenden, orientalisch angehauchten mediterranen Tanzflächenfüller liefert. Für Deutschland sehe ich mittlerweile schwarz - so lang...
2009, Das Millenium, ESC Semifinale

Zwei­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2009 – die Über­sicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge fest. Anlass genug für einen Kurzüberblick mit Kommentar, aufrechtgehn.de-Wertung und meiner Einschätzung hinsichtlich der Chancen aufs Finale. Im zweiten Semi am Donnerstag, dem 14. Mai, dessen Liveübertragung uns der NDR (- sterbt! -) mal wieder vorenthält, stehen sich schon eher die Schwergewichte gegenüber: diverse 'Nocturne'-Aufgüsse (nach der Rückkehr der Jurys natürlich wieder schwer in Mode), klassische Ethnodisco und Muskelpop aus Griechenland. Dazwischen dann die ersten westeuropäischen Länder, die jeden Anspruch auf eine mögliche Finalteilnahme mittlerweile ganz aufgegeben haben und nur noch zum eigenen Spaß mitmachen, wie Irland oder die Niederlande. Hut ab dafür! (mehr …)
2009, Das Millenium, ESC Semifinale

Ers­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2009 – die Über­sicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge in den Semis fest. Anlass genug für einen Überblick mit allen Videos, Kurzkommentaren, aufrechtgehn.de-Wertung und meiner Einschätzung hinsichtlich der Finalchancen. Im ersten Semi am Dienstag, dem 12. Mai, trifft eine krude Mischung aus zahllosen Langweilerballaden, schrägen Ethnosongs, schiefen Opernstimmen und wenigen starken Uptemponummern aufeinander, das allgemeine Niveau liegt dieses Jahr so tief wie in einer SAT.1-Gerichtsshow. Kein Wunder, die Jurys sind ja auch wieder zurück (wenn auch erst im Finale, im Quali entscheiden die Zuschauer noch alleine). Nach dem (un-)freiwilligen Abgang Georgiens, meines moralischen Siegers 2009, starten nur noch 18 Länder in dieser Runde, zehn davon kommen weiter - obschon die Meist...
2009, Das Millenium, Internationale Vorentscheidungen

Tsche­chi­en 2009: Die Pferd­chen so zot­tig

Zwei Mal versuchten sie es schon beim tschechischen Vorentscheid, zwei Mal zogen sie gegen Acts den Kürzeren, die beim Grand Prix dann die ganz hinteren Plätze belegten. Diesmal ging der Staatssender auf Nummer sicher und nominierte die Roma-Rapper Gypsy.cz (was ist das eigentlich in letzter Zeit für eine Unart mit dem an den Bandnamen angehängten Internet-Ländercode? Hier geht's um Musik, nicht um einen Blog!) direkt. Frontmann Radoslav Banga legt, so rappt er, Wert auf seine kulturellen Wurzeln: „Ich will, dass jeder weiß, dass ich genauso wie meine Kapelle Roma bin. Lass Dich in unseren Rhythmus fallen und Du gehörst dazu." Von den zwei Songs, unter denen die Tschechen ihren Beitrag für Moskau wählen konnten, entschieden sie sich nun für 'Aven romale'. Damit stehen alle Beiträge für Mos...
2009, Das Millenium, Internationale Vorentscheidungen

Schwe­den 2009: It ain’t over ‘til the blon­de Lady sings

Überraschungssieg in Schweden: dort stellte soeben das Publikum die Ergebnisse der regionalen Jurys einmal komplett auf den Kopf und machte die Opernsängerin Malena Ernman mit dem von Frederik Kempe, dem "König der klobigen Rückung" (Schlagerboys) geschriebenen, supercampen Arien-Disco-Knaller 'La Voix' zur ihrer Vertreterin in Moskau. Das Juryvoting hatte noch Schlagerschwuppe Måns Zelmerlow mit dem vom gleichen Komponisten verfassten 'Hope & Glory' angeführt, der jedoch bei den Zuschauern nur auf den fünften Rang kam. Und dem darob in Schadenfreude erregender Weise die Gesichtszüge abstürzten. So oder so setzt Schweden damit unbeirrt und aufrecht seinen Schlagerkurs fort. Bravo! Anbetungswürdig: die Ernman (mehr …)
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Nie­der­lan­de 2009: Love shi­ne a Light

Uh, gerade noch mal die Kurve gekriegt! Auch die Niederländer konnten in diesem Jahr nicht von einer fünfköpfigen "Fuck-Jury" (Originalzitat aus der Sendung!) lassen, die sich unter den sechs von den Toppers dargebotenen Trash-Perlen mit traumwandlerischer Sicherheit übereinstimmend auf die langweiligste und unerträglichste einigte: die ranzige Schmalzballade 'Angel of the Night' nämlich. Dankenswerterweise kippte das mit einer Zweidrittelmehrheit ausgestattete Publikum diese krasse Fehlentscheidung und votierte für die kitschige Schwenkt-Eure-Feuerzeuge-Nummer 'Shine'. Der vom Bandmitglied Gordon geschriebene Schlager besticht durch hoffnungslos nostalgischen Schwulst, einer bei Alenka Gotar (SI 2007) abgeschauten Show mit lustigen Handlampen und stimm- wie figurstarken Backgroundsängerin...
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Tür­kei 2009: My Num­ber Two

Sensation: die Griechin Helena Paparizou vertritt die Türkei! Da scheint man alte Feindschaften ja doch so langsam zu überwinden, klasse! Oder, Moment mal - oh, ich sehe gerade: es handelt sich um eine optische und akustische Täuschung. Der pünktlich zum Jahreswechsel vom Sender TRT in einer Gala präsentierte türkische Eurovisionsbeitrag 2009 mit dem schönen sprechenden Titel 'Düm Tek Tek' (vermutete Übersetzung: 'Bumm Tschak Tschak') wird in Wahrheit von der 23jährigen, in Belgien geborenen und aufgewachsenen Sängerin Hadise Açıkgöz präsentiert. 'Tschuldigung - aber die Ähnlichkeit ist doch zu frappierend! Okay, die menschliche Geige fehlt, aber sonst ist alles dabei! (mehr …)
2009, Das Millenium, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en 2009: Kein biss­chen Frie­den

Es ist ein Trauerspiel: anstatt die für die Demokratie unabdingbare Meinungs- und Kunstfreiheit gegenüber dem ehemaligen Klassenfeind zu verteidigen, wie es als Verbund öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten ihr ureigenster Auftrag wäre, kriechen die rückgratlosen Feiglinge von der EBU dem russischen Despoten und diesjährigen Grand-Prix-Gastgeber Vladimir Putin bis zur Halskrause in den Allerwertesten und zensieren den (zugegebenermaßen provokanten) georgischen Eurovisionsbeitrag. Damit wird die Kaukasusrepublik in diesem Jahr definitiv nicht dabei sein. The negative move is killin' the groove (mehr …)
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Bel­gi­en 2009: Lie­be mich, Koh­le­wa­gen

Der King lebt - und nicht nur im Kühlregal! Der 43jährige Elvisimitator Patrick Ouchène alias Copycat vertritt in Moskau das Land der Fritten und der beleuchteten Autobahnen mit einem Song namens, passenderweise, 'Copycat'. Gestern präsentierte ihn der wallonische Sender RTBF der vor Spannung zitternden Weltöffentlichkeit. Und wie schon vermutet, handelt es sich um einen schlimmen Rückfall in eine der finstersten Zeiten der Popmusik - es ist *schauder* Rock'n'Roll! Immerhin hat es etwas Tröstliches, dass Deutschland in diesem Jahr nicht der einzige Teilnehmer bleibt, der sich mit amerikanischen Klängen aus einer fernen, fernen Vergangenheit blamieren darf. Immerhin beweist der Elvis-Imitator zumindest textlichen Sinn für Humor. Das macht die Sache musikalisch zwar auch nicht erträglicher, ...
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Ser­bi­en 2009: Ich hab ’ne Zwie­bel auf dem Kopf

Was für ein gewiefter Fuchs! Der ist ja noch besser als Hape "Beatrix" Kerkeling! Unter dem Tarnnamen Marko Kon schmuggelte sich der bislang eher für brachialen Körperhumor berüchtigte deutsche Comedian Konrad Stöckel in die serbische Vorentscheidung, wo er gemeinsam mit dem Akkordeonquetscher Milan Nikolić eine halb heiser geraspelte, halb in den Bart genuschelte Spaßnummer namens 'Cipela' zum Besten gab. Und - oh Schreck! - mit den Stimmen der Jury gewann er selbige auch und wird nun das frühere Eurovisionssiegerland in Moskau in ungeahnte Tiefen führen. Glückauf! Cipela heißt übrigens Schuhe, nicht Zwiebel! (mehr …)