ESC Finale 2005: Why don’t you kill me?

Logo des Eurovision Song Contest 2005 (Finale)
Das Jahr der Trommeltänze

Angedroht war, dass die letztjährige Siegerin, die von Staatschef Wiktor Juschtschenko zur Eurovisionsbeauftragten ernannte Volksheldin Ruslana, durch den Abend führen solle. Die Galionsfigur der Orangenen Revolution sagte aber in letzter Sekunde ab. Weil sie so viel zu tun habe, dass sie sich nicht richtig vorbereiten könne, so die offizielle Begründung. Jegliche Spekulation über einen Zusammenhang mit ihren eher fragmentarischen Englischkenntnissen ist hingegen so bösartig wie wohl begründet. Ob Mascha und Pascha, die Ersatzmoderatoren, nun so viel besser Englisch sprachen? Es gab an diesem Abend keine rechte Antwort darauf. Denn sie zwitscherte ihre Texte zwischen stets zum debilen Dauergrinsen gebleckten Perlweißzähnen heraus wie eine Singdrossel auf Speed, er murmelte sie beständig in seinen zwischenzeitlich abrasierten Goatee wie ein bekiffter Elch.

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ESC Semi 2005: La Musica Alpina

Logo des Eurovision Song Contest 2005 (Semifinale)
Das Jahr des Trommeltanzes

Bedenkt man, wie spät die Ukrainer aufgrund der politischen Ereignisse im Land mit den Vorbereitungen anfingen, erstaunt, wie reibungslos und professionell der Abend im Sportpalast zu Kiew über die Bühne ging. Zwischen dem Eurovisionssieg in Istanbul und der Organisation dieses Contests lag eine manipulierte Präsidentschaftswahl und eine vollkommen friedliche, aber kraftvolle Revolution, angeführt unter anderem von der Vorjahressiegerin Ruslana. Dem Gejaule besorgter Fans zufolge stand schon zu befürchten, dass die Kombattanten auf einem eilig mit Teer zugekleisterten Kartoffelfeld würden singen müssen. Bis auf kleinere technische Pannen lief aber alles glatt. Mal abgesehen von der großen Panne: dem Ergebnis des Televotings.

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DVE 2005: Lauf und versteck Dich

Gracia Baur, DE 2005
Die Manipulative

Wäre ich bösartig, was mir natürlich fern liegt, dann würde ich deutsche Vorentscheidung 2005 zu einem einzigen großen Betrugsversuch erklären. Und nein, damit meine ich nicht die Manipulation der Singlecharts durch Gracia Baurs Manager David Brandes. Ich spreche von der Art und Weise, wie der NDR im Vorjahr mit einem stargespickten Vorentscheidungs-Line-up der Superlative höchste Erwartungen weckte. Und in diesem Jahr, selbstverständlich erst nach dem vollständigen Abverkauf der Eintrittskarten für Germany 12 Points! in Berlin, just diese Erwartungen mit einer der blamabelsten und abgrundschlechtesten Teilnehmerlisten der letzten fünfzig Jahre auf das Bitterste enttäuschte.

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