Texas Lightning: Cover-Mania

Wenn Sie, wie ich, musikalisch mit der ZDF-Hitparade aufwuchsen, erinnern Sie sich vielleicht noch an das Phänomen der „Deutschen Originalversion“. In den Siebzigern wurde in Deutschland nämlich jeder noch so fragwürdige englischsprachige Hit gecovert und von einem der damals zahlreichen Schlagerstars in einer noch fragwürdigeren deutschen Fassung interpretiert. Die sich oftmals sehr viel besser verkaufte als das Original (auch bekannt als der ‚Mendocino‘-Effekt). Manchmal gab es sogar mehrere deutsche Versionen, so beispielsweise von Barbra Streisands ‚Woman in Love‘, das sowohl Gitte (‚Ich bin die Frau, die dich liebt‘) als auch Marianne Rosenberg (‚Ich hab auf Liebe gesetzt‘) mit unterschiedlichen Texten und unterschiedlichem kommerziellen Erfolg eindeutschten.


Zum Dahinschmelzen: Mariannes Einsatz ist hoch!

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ESC Finale 2006: Hard Rock? Hallelujah!

Logo des Eurovision Song Contest 2006 (Semifinale)
Das Jahr der Monsterrocker

Dass ich das noch erleben durfte: die Finnen gewinnen! Athen warf ein bis dato unumstößliches Grand-Prix-Gesetz über den Haufen. Was kommt als nächstes? Ein Sieg Portugals? Andorra im Finale? Eine osteuropäische Sängerin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meistens Fans in der Athener Olympiahalle reagierten geschockt, als der Sieg der Monsterrocker sich abzeichnete. Nur wenige zeigten sich (wie ich) begeistert, unterstützten jede Zwölf-Punkte-Wertung für Lordi mit einem spontanen „Lapponia“-Gesang oder rockten bei der Siegerreprise auf dem Stuhl stehend mit.

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ESC Semi 2006: I’ll fucking win

Logo des Eurovision Song Contest 2006 (Finale)
Das Jahr der Monsterrocker

Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel – in exakter Umkehrung der üblichen Bevölkerungsanteile – zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das beim Eurovision Song Contest abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die im Athener Olympiastadion versammelten Fans noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch.

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Lordi vs. Nicole: Ein bißchen Spaß muß sein

Ach, was täten wir nur ohne unsere Nicole? Vor allem, was würde Mark Pittelkau von der Bild ohne Deutschlands erste Grand-Prix-Siegerin anfangen? Welche hanebüchene Story der Eurovisionsschmierfink des Boulevardblattes sich auch aus den Fingern saugt, die alternde Schlagerdiva ist zuverlässig mit einem Statement zur Stelle. Ob sie nun, statt beim Vorentscheid eine gekürzte Version von ‚Ein bisschen Frieden‘ zu singen, lieber „Pizza essen“ geht oder über Kroatiens Paris Hilton Severina Vučković und ihren von Bild ausgegrabenen zwei Jahre alten Heimporno herzieht: ohne Nicoles absurde Kommentare wären die hausgemachten Skandälchen nur halb so amüsant.


Da ging sie auch lieber Pizza essen: Nicole glänzte in Kopenhagen mit Abwesenheit

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Ich Troje: Warschauer Pakt

Noch ist Polen nicht verloren! Unter diesem Motto steht die heutige Benefiz-Party im Berliner Quatsch Comedy Club zugunsten der Aktion Warschauer Pakt, bei dem es um die Unterstützung der polnischen Schwulenbewegung für einen CSD in der Hauptstadt Warschau geht. Thomas Hermanns und Georg Uecker moderieren, Claudia Roth berichtet von den Erfahrungen der letztjährigen – vom Warschauer Bürgermeister und jetzigen Präsidenten Lech Kaczynsk untersagten – Parade und die aktuellen Grand-Prix-Vertreter des Landes, Ich Troje, eröffnen die Show. Im Anschluss gibt es Polen-Disco mit Gloria Viagra und Polla Disaster. Alle Einnahmen kommen direkt dem Warschauer CSD zugute. Während bei uns der Christopher Street Day oftmals in Richtung eines schwullesbischen Karnevalsumzugs abdriftet, befindet sich unser direktes Nachbarland Polen noch immer in der schwulenpolitischen Steinzeit. Es ist unglaublich, dass in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union CSD-Teilnehmer von der Polizei durch die Stadt gehetzt und verprügelt werden. Aber leider wahr. Die Aktion Warschauer Pakt unterstützt daher die polnische Schwulenbewegung, beispielsweise durch die kostengünstige Möglichkeit zur Teilnahme an deutschen CSDs. Großartig, dass Michal Wisniewski und seine Band hier Zeichen setzen!


‚Liebe macht Spaß‘ – so isses!

Anna Vissi: The Politics of Dancing

Ganz weit vorne bei den Buchmachern liegt der diesjährige griechische Beitrag. Superstar Anna Vissi hat zu ihrem – in meinen Ohren leider superdrögen – Poprockstück ‚Everything‘ einen sehr aufwändigen und originellen Videoclip gedreht, in dem der für ihr Alter eindeutig zu jugendlich gekleideten Sängerin in schon slapstickhafter Weise aller nur erdenklich Unbill zuteil wird. Genau jenes Promovideo hat nun den Unwillen des als extremkonservativ geltenden, umstrittenen griechischen Europapolitikers Georgios Karatzaferis erregt.


Frau am Steuer… (GR)

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DVE 2006: Nordisch by Nature

Jane Comerford von Texas Lightning, DE 2006
Deutschlands Liebste

Nach der Schande von Kiew (letzter Platz für Gracia mit 4 Mitleidszählern) gab der NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer entnervt seinen Rücktritt als Eurovisionsverantwortlicher bekannt. In seiner Ratlosigkeit, was er nun mit der Sendung anfangen sollte, holte sich der öffentlich-rechtliche Sender Unterstützung dort, wo in Deutschland die Unterhaltungskompetenz beheimatet ist: bei den Privaten. Genauer: bei ProSieben und dessen Comedy-Aushängeschild Thomas Hermanns (Quatsch Comedy Club, Pop Club). Der bekennende Grand-Prix-Fan stürzte sich mit Feuereifer an die Aufgabe und produzierte eine glamouröse, schwelgerische Retro-Show rund um den fünfzigsten Geburtstag des Song Contests.

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