Ser­bi­en 2008: Ohne Stie­le und Sten­gel gekel­tert

Span­nend geht es zu in Bel­grad: nach dem die Beo­vi­zi­ja wegen der Aus­schrei­tun­gen im Zusam­men­hang mit der Los­lö­sung des Koso­vo ver­scho­ben wer­den muss­te, sieg­te in der nun doch noch statt­ge­fun­de­nen Vor­ent­schei­dung die Favo­ri­tin Jele­na Tomaše­vić. Mit einer wun­der­schö­nen Bal­kan­bal­la­de aus der Feder von Žel­j­ko Jok­si­mo­vić. Der schrieb und sang sein Hei­mat­land mit dem ähn­lich ange­leg­ten ‘Lane moje’ bereits 2004 fast zum Sieg und steht auch die­ses Jahr beim Grand Prix wie­der auf der Büh­ne – als Mode­ra­tor. Soll­te sein von Frau Tomaše­vić gesun­ge­ner Bei­trag ‘Oro’ erneut sie­gen, so könn­te er sich als des­sen Kom­po­nist selbst die Hand schüt­teln. Auf Rang 3 lan­de­ten die Beau­ty Queens, Mari­jas Begleit­ka­pel­le vom letz­ten Jahr.


Sub­til natio­na­lis­tisch: das Lied vom Amsel­feld

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Por­tu­gal 2008: Babić-ka

Nach Jahr­zehn­ten des Ein­sam­melns der Roten Later­nen und des fort­ge­setz­ten Schei­terns in der Vor­run­de scheint es selbst den Por­tu­gie­sen lang­sam zu däm­mern, dass drö­ges Depres­si­ons­ge­jam­mer außer­halb ihrer Lan­des­gren­zen nicht ankommt und Fado im rest­li­chen Euro­pa mit “fade” über­setzt wird. Dank eben die­ser Erkennt­nis grif­fen die abstim­men­den TV-Zuschau­er dies­mal ziel­si­cher zu einem Pro­dukt aus kroa­ti­scher Feder: And­re Babić, Mas­ter­mind hin­ter Euro­vi­si­ons­per­len wie ‘Cvet z Juga’ (SI 2007), ‘Vise nisam tvo­je’ (HR 2003) und ‘Man­do­li­ne’ (EMA 2006), kom­po­nier­te auch ‘Sen­ho­ra do Mar’. Und so kön­nen auch die Por­tu­gie­sen die­ses Jahr end­lich mal mehr­heits­fä­hi­ges Mate­ri­al vor­wei­sen. Hur­ra!


Das nen­ne ich Lei­den­schaft!

Wei­ter­le­senPor­tu­gal 2008: Babić-ka

Bel­gi­en 2008: Words are useless, espe­ci­al­ly Sen­ten­ces

In Bel­gi­en gewann letz­ten Frei­tag nach meh­re­ren hun­dert Vor­run­den, Second-Chan­ce-Run­den und K‑O-Finals der Bei­trag, auf den von der ers­ten Sekun­de die Meis­ten gesetzt hat­ten: das lus­tig geflö­te­te ‘O julis­si na jali­ni’. Wie schon 2003 setzt das vom flä­misch-fran­zö­si­schen Spra­chen­streit geschüt­tel­te Bel­gi­en, gewis­ser­ma­ßen das Koso­vo West­eu­ro­pas, auch dies­mal auf eine erfun­de­ne Kunst­spra­che. Im Gegen­satz zu den eher kel­tisch daher­kom­men­den Urban Trad könn­ten Ishtar aber auch pro­blem­los als kroa­ti­sche Teil­neh­mer durch­ge­hen. Ver­su­chen die Bel­gi­er so, wie schon die Esten, punk­te­för­dernd in frem­den Gewäs­sern zu fischen? Eine Art Assi­mi­la­ti­on in Rich­tung Ost­eu­ro­pa? Egal – ich find die Num­mer ein­fach nur klas­se!


Ich bin Schnap­pi, das klei­ne Kro­ko­di­li

Russ­land 2008: The second Time

Por­no-Dima ist zurück! In der rus­si­schen Vor­ent­schei­dung ver­gan­ge­nen Frei­tag setz­te er sich gegen 26 Mit­be­wer­ber durch. Dies­mal hat der jun­ge Rus­sen­gott, der Mel­dun­gen zufol­ge nach einer gericht­li­chen Ver­fü­gung nicht mehr Dima Bilan hei­ßen darf, was er bestrei­tet, eine lah­me Mid­tem­po­bal­la­de am Start, die angeb­lich von Tim­ba­land pro­du­ziert wur­de. Hilft aber auch nicht: ers­tens kommt mir des­sen ewig­glei­cher Bumms­beat lang­sam zu den Ohren raus, zum ande­ren hat der US-ame­ri­ka­ni­sche Stu­dio­tüft­ler den Song hör­bar nur sehr gei­zig mit sei­nem magi­schen Pül­ver­chen bestäubt. So bleibt die Num­mer lei­der: lahm. Der bra­ve Anzug und die wind­schie­fe Les­ben­fri­sur, die Dima Vik­tor Dima sich mitt­ler­wei­le anstel­le des end­se­xy Fern­fah­rer­un­ter­hemds und der strunz­gei­len Fuß­bal­ler­fri­sur zuge­legt hat, neh­men sei­ner Per­for­mance wei­te­ren Zau­ber. Den­noch ver­fügt der jun­ge Mul­ti­mil­lio­när, der sei­nen Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt haupt­säch­lich in der Hocke absol­vier­te, wei­ter­hin über ton­nen­wei­ses Cha­ris­ma. So soll­te ein gutes Ergeb­nis in Bel­grad nicht erstau­nen.


I belie­ve this is Shi­te

Spa­ni­en 2008: Un Futu­ro cata­stró­fi­co

Oje, schwie­rig. Wie kom­men­tie­re ich den Aus­gang der spa­ni­schen Vor­ent­schei­dung, ohne belei­di­gend zu wer­den? Wie umge­he ich die in mir bro­deln­den Ver­bal­in­ju­ri­en wie “dümms­tes Volk Euro­pas”, “fehl­ge­lei­te­te Irre” oder “Aus­wir­kun­gen der Vogel­grip­pe”? Hm, viel­leicht mit einer Ana­lo­gie: wären die Län­der Euro­pas poli­ti­sche Par­tei­en, so stell­te Spa­ni­en wohl die Hes­sen-SPD dar. Zumin­dest legt das Ergeb­nis des (bit­ter iro­nisch) Sal­ve­mos Euro­vi­sión benann­ten spa­ni­schen Vor­ent­scheids sol­ches nahe.


Tanz den Micha­el Jack­son

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Arme­ni­en 2008: Kel­le Fami­ly

Auch in Arme­ni­en stand die Inter­pre­tin – Sirus­ho – schon län­ger fest. Vori­ge Woche fand dann auch die Song­aus­wahl statt. Unter vier Bei­trä­gen setz­te sich das haupt­säch­lich in so etwas wie Eng­lisch gesun­ge­ne Lied ‘Qele qele’ durch, mit dem Sirus­ho ein wenig auf den Pfa­den von Hele­na Papa­raz­zi Papa­riz­ou (GR 2005) wan­delt. Der ein­gän­gi­ge, eher ein­fach struk­tu­rier­te Pop­song über­zeugt durch einen Rumms-Bumms-Power­re­frain, dezen­ten Eth­no­fla­vour und eine hin­rei­ßen­de Inter­pre­tin. Ein klu­ger Mix: die Eth­no-Instru­men­tie­rung mit einem haar­scharf an der Gren­ze zwi­schen inter­es­sant und ner­vig quä­ken­den Dudel­sack (oder ähn­li­chem) und pos­sier­li­chen Flö­ten ret­tet den arme­ni­schen Ohr­wurm vor einer all zu offen­sicht­li­chen Flach­heit. Und die schö­ne Sirus­ho ver­kauft das Gan­ze sehr kom­pe­tent. Könn­te was wer­den.


Gei­le Glit­zer­stie­fel!

Nie­der­lan­de 2008: Hind und Kund

Bereits seit Novem­ber letz­ten Jah­res steht fest, dass das Cas­ting­showstern­chen Hind Larous­si Hol­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2008 ver­tritt. Nun hat sie’s auch geschafft, einen Song aus­zu­wäh­len. ‘Your Heart belongs to me’ prä­sen­tiert sich als mise­ra­bel gesun­ge­ner, schwa­cher Pop­song mit aller­dings sehr hüb­schen ori­en­ta­li­schen Ein­flüs­sen. Erin­nert ganz schwach an Sezen Aksu und Ofra Haza (IL 1983) – nur, dass Hind von deren Stimm­ge­walt und Per­sön­lich­keit nicht mal ein Hun­derts­tel auf­wei­sen kann. In ihrem Hei­mat­land ist Hind seit ihrer Teil­nah­me an der Sound­mix Show im Jahr 2000 bekannt. Auch bei Hol­land sucht den Super­star mach­te sie mit und wur­de Drit­te. Seit­her wur­de ihr Name von Euro­vi­si­ons­fans regel­mä­ßig ins Gespräch gebracht. Nun hat sie’s ja geschafft – ob die­ser Song aller­dings die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de über­steht, scheint mir mehr als frag­lich. Da hel­fen auch die Strap­sen nicht.


Nett, aber unspek­ta­ku­lär

Mon­te­ne­gro 2008: Ste­fan, Ste­fan, oh Ste­fan

Das noch sehr jun­ge Mon­te­ne­gro ent­wi­ckelt eine Vor­lie­be für Ste­fans (Ste­fa­ne?): nach dem grau­en­haf­ten Bryan-Adams-Ver­schnitt Stevan Fad­dy wird in die­sem Jahr Ste­fan Fili­po­vić den vor allem für Ziga­ret­ten­schmug­gel bekann­ten Staat von der Ein­woh­ner­zahl Frank­furts ver­tre­ten. Der Zweit­plat­zier­te des letzt­jäh­ri­gen Mon­te­ne­gro­Songs konn­te sich im SMS-Zuschau­er­vo­ting mit deut­li­cher Mehr­heit durch­set­zen. Sein Bei­trag wur­de geson­dert aus­ge­wählt: ‘Zau­vi­jek volim te’ ist die fleisch­ge­wor­de­ne musi­ka­li­sche Belang­lo­sig­keit. Hm. Viel­leicht soll­te man das mit der Aner­ken­nung des Koso­vo doch noch mal über­den­ken, wenn bei der Abspal­tung der Regio­nen von Ser­bi­en immer so eine Qua­drat­schei­ße raus­kommt wie bei den mon­te­ne­gri­ni­schen Bei­trä­gen. Wes­we­gen Euro­pa von einem talent- und cha­ris­ma­frei­en Sän­ger von der Aus­strah­lung eines Bernd Clü­ver (DVE 1985) drei Minu­ten lang behel­ligt wer­den soll­te, gegen des­sen Song die Musik von Gene­sis oder Pur noch frisch und fort­schritt­lich wirkt, ist mir näm­lich nicht ersicht­lich. Dann doch lie­ber eine ser­bi­sche Power­bal­la­de vom Schla­ge ‘Molit­va’!


Gott, ist das öde!

Frank­reich 2008: Your own per­so­nal Jesus

So, um jetzt nach und nach die Rück­stän­de abzu­ar­bei­ten: wie bekannt, hat das fran­zö­si­sche Fern­se­hen den sehr erfolg­rei­chen Künst­ler Sébas­ti­en Tel­lier für Bel­grad nomi­niert. Der kann bereits auf musi­ka­li­sche Kol­la­bo­ra­tio­nen mit Air und Daft Punk (die auch sein neu­es Hit-Album ‘Sexua­li­ty’ pro­du­zier­ten, das auf Platz 2 der fran­zö­si­schen Charts steht) zurück­bli­cken. Und das hört man. ‘Divi­ne’, sein Euro­vi­si­ons­song, ist ein flau­schi­ges, luf­ti­ges Stück Elek­tro­pop. Ob der optisch an eine Kreu­zung aus Yeti und Jesus erin­nern­de Sébas­ti­en mit die­sem groß­ar­ti­gen Song beim Grand Prix an der rich­ti­gen Adres­se ist, muss sich noch zei­gen. Dem dort so belieb­ten klas­si­schen Lied­auf­bau folgt ‘Divi­ne’ nicht. Das erstaun­li­cher­wei­se kom­plett auf Eng­lisch gesun­ge­ne Stück (gibt nun auch die Gran­de Nati­on auf?) könn­te sich, auch wenn das ein mir ver­hass­ter Gemein­platz ist, als zu gut für den Con­test erwei­sen.


Tol­ler Clip, tol­ler Song – aber ob das live funk­tio­niert?

DVE 2008: It won’t get bet­ter

No Angels, DE 2008
Die Tan­ten­haf­ten

Bereits zum drit­ten Mal in Fol­ge begrüß­te Deutsch­lands erschre­ckends­tes Pfer­de­ge­biss, Tho­mas Her­manns, die über­wie­gend schwu­le Fan­ge­mein­de im plü­schi­gen Ham­bur­ger Schau­spiel­haus und vor den Fern­seh­ge­rä­ten zu einem gla­mou­rö­sen Gala­abend. Nach den schlech­ten Ergeb­nis­sen der letz­ten bei­den deut­schen Grand-Prix-Ver­tre­ter nahm man sanf­te Ver­än­de­run­gen vor, die sich im Wesent­li­chen in einem von drei auf fünf Has­beens und Never­be­ens auf­ge­stock­ten Teil­neh­mer­feld und einer mode­ra­ten Hin­wen­dung an das aktu­el­le Pop­ge­sche­hen mani­fes­tier­ten.

Wei­ter­le­senDVE 2008: It won’t get bet­ter