<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde - im Gegenteil: auch die Juroren setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO) Meine Vermutung, zubrotfreudige Juroren könnten gar die Verantwortung für das…
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Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Schizophren: die unglaublich lustige Comedy-Techno-Nummer 'Tingaliin', mit denen die Schweden beim diesjährigen Melodifestivalen zur Einstimmung auf Moskau spaßeshalber sämtliche Russlandklischees auf den Arm nahmen, zog eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern und den offiziellen Protest des dortigen Botschafters nach sich. Als Eröffnungsact des zweiten Semis präsentierten die Russen dann selbst exakt die gleichen tanzenden Bären, Matroschkas und Kalinka-Chöre, über die sie sich zuvor beklagt hatten. Nur, dass der Moskauer Act anscheinend bierernst gemeint war. Womit sich erneut zeigte: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trauen. http://youtu.be/XYJwnCsMBfo Verstehen Sie Spaß? Schwedens lustiger MF-Act Komoderatorin…
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Neue Ver­schwö­rungs­theo­rie: das Eurovisionsgen

Die Eurovisionsfans in Moskau gehen mal wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: dem Entwerfen von absurden Konspirationstheorien. So stellten findige Fans gestern Nacht noch fest, dass alle zehn Länder, die sich im ersten Semi für den Samstag qualifizierten, sich auch schon im Vorjahr erfolgreich in der Quali schlugen. Einzige Ausnahme: Malta, das 2008 mit 'Vodka' den Sprung ins Finale nicht schaffte (wohl zu früh dran gewesen!) und dieses Jahr den Slot von Georgien ('Piss will come') übernahm, das aufgrund der bekannten Arschkriecherei der EBU gegenüber Vladimir Putin diesmal zu Hause bleiben musste. Zufall? Betrug? Oder verfügen bestimmte Nationen einfach über ein Eurovisionsgen,…
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Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Gerüchtehalber sechs Millionen Euro hatten sich die Russen im Vorjahr ihren auf Sieg getrimmten Beitrag 'Believe' kosten lassen. Bei der Ausrichtung des Wettbewerbs in Moskau protzten sie entsprechend hemmungslos: die größte Bühne aller Zeiten, die beeindruckendste Lichttechnik, die spektakulärsten Pausenacts. 42 Millionen Euro sollen sie für die Show ausgegeben haben, fast das Doppelte des üblichen Budgets. Und lieferten dennoch international ein beschämendes und unangenehmes Bild ab, aufgrund der rabiat exekutierten Auflösung des zeitgleich zum Eurovisionsfinale stattfindenden Moskauer CSD durch Sondereinsatzkräfte der Polizei. Und durch das wohl unfähigste Moderatorenteam der Grand-Prix-Geschichte. https://www.youtube.com/watch?v=ulVSOEuntOc Andrej Malakow, den männlichen Part, taufte meine liebe Kollegin Mery auf den…
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Schwu­le Soli­da­ri­tät: Nie­der­lan­de dro­hen mit Final-Boykott

Schwu­le Soli­da­ri­tät: Nie­der­lan­de dro­hen mit Final-Boykott

Endlich! Ein leuchtendes Zeichen für gelebte Homosolidarität setzt der offen schwule Sänger Gordon des niederländischen Golden-Girls-Trios De Toppers. In einem Interview mit NOS Radio kündigte er an, das Finale am Samstag boykottieren zu wollen, falls es bei der am gleichen Abend stattfindenden (und, wie immer, vom homophoben Moskauer Bürgermeister Juri Luschko verbotenen) Schwulendemo Slavic Pride zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Homos kommen sollte, wie die britischen Pink News heute berichten. Nun müssen die Niederländer erst mal ins Finale kommen, um wirkungsvoll mit Abreise drohen zu können (und die Chancen stehen mit ihrem futtigen Nostalgieschlager 'Shine' nicht besonders gut) - dennoch handelt…
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Zwei­tes Semi 2009 – die Proben

Zwei­tes Semi 2009 – die Proben

Nur noch zwei Tage, bis es ernst wird in Moskau. Zwei Probendurchgänge sind bereits gelaufen, und auch wenn sich an der kometenhaften Führungsposition von Alexander Rybak nichts geändert hat, konnten doch noch einige Beiträge ihre Position verbessern - oder verschlechtern, je nach visueller und akustischer Umsetzung. Oder fehlender Chemie zwischen den Duettanten. Wie es schöne Tradition ist, werden die Bühnenaufbauten und Choreografien immer absurder: nachdem die Griechen die erste Abschussrampe installierten, kam am Sonntag sogar Vladimir Putin ins Olympiastadium, um nach dem Rechten zu sehen. Das zweite Finale ist in diesem Jahr ohne Frage das stärkere und interessantere, daher soll…
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Deut­sche Pro­be in Mos­kau bes­ser als erwartet

Deut­sche Pro­be in Mos­kau bes­ser als erwartet

Heute nachmittag probten zum zweiten Mal die Big 5. Die als Retterin des deutschen Beitrags eingekaufte "Burlesque-Tänzerin" (=Stripperin) Dita van Teese konnte sich auch diesmal noch nicht dazu herablassen, bei der Probe zu erscheinen - es sei ihr wohl peinlich, mutmaßte das OnEurope-Team. Oscar performte deutlich lockerer als bei der Echo-Präsentation, heute erschien er auch etwas legerer gekleidet und schien sich wohler und sicherer zu fühlen. Er hat eine Stimmverstärkung in Form eines zweiten Sängers, der hinter Alex am Bühnenrand verschwindet. Ditas Stuntdouble, das erst 30 Sekunden vor dem Songende erscheint, schlug sich beim ersten Stripversuch schon mal die "verführerisch"…
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Ers­tes Semi 2009 – die Proben

Ers­tes Semi 2009 – die Proben

Schockschwerenot, wie die Zeit dahinrast! Wie bereits jeder weiß, gibt nun Marilyn Mansons Exfreundin Dita van Teese auf der Eurovisionsbühne die deutsche Miss Fist Gang Bang (gute Sache), der hr3-Moderator Tim Frühling, ebenfalls Teil der Familie, ersetzt den erkrankten Peter Urban als deutschen Kommentator (gute Besserung!) und im Olympiastadium von Moskau laufen bereits seit Tagen die Proben. Und ich komme mal wieder mit dem Videoclips schauen und kommentieren nicht hinterher. Nun gut, versuchen wir es wenigstens: hier die Songs aus dem ersten Semifinale, wie sie sich nach den ersten Durchläufen präsentieren. (mehr …)
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Male­na Ern­man dreht ‘La Voix’-Video in Frank­furt am Main

'La Voix' von Malena Ernman, mein persönlicher Douze-Points-Beitrag 2009, präsentiert sich seit kurzem in einer leicht modifizierten Version mit reduziertem Einsatz des Backgroundchors. Vermutlich ist dem Team Sverige mittlerweile aufgegangen, dass in Moskau nur sechs Personen auf die Bühne dürfen und auch der Chorgesang nicht vom Band kommen darf. Der Videoclip für die neue Fassung entstand in meiner von Herzen geliebten Heimatstadt Frankfurt am Main, wo die schwedische Diva Ende März / Anfang April die Hauptrolle in der Oper 'La Cenerentola' ('Aschenbrödel') sang. Das offensichtlich knappe Zeitbudget merkt man dem Film an: er entstand in einem Umkreis von weniger als…
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ARD-Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den­lim­bo: ers­tes Semi bei Phoenix

Schön, wenn man über so viele verschiedene, kaum beachtete Spartensender verfügt wie die gebührenfinanzierte ARD. Dann kann man nämlich die drei Runden des offensichtlich ungeliebten Unterhaltungskindes Eurovision Song Contest in dergestalt absurder Weise über so viele Kanäle verteilen, dass sie am Ende garantiert keiner mehr findet. Und sich im selben Atemzug über die "katastrophalen Einschaltquoten" wundern. Das erste Semifinale am Dienstag, in dem Deutschland mitstimmen darf, schiebt der NDR in diesem Jahr auf den (immerhin bundesweit im Kabel empfangbaren) Nachrichten- und Dokumentationskanal Phoenix ab. Nie gehört? Suchen Sie auf Ihrer Fernbedienung mal die hinteren Sendeplätze durch, so ab 20 aufwärts.…
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Wett­quo­ten: Alex­an­der Rybak ist der ein­deu­ti­ge Favorit

Direkt schon ein bisschen langweilig: selten in der Geschichte des Eurovision Song Contest gab es im Vorfeld einen eindeutigeren Favoriten als dieses Jahr. Fans und Buchmacher sind sich absolut einig: der Gewinner des Grand Prix 2009 heißt Alexander Rybak aus Norwegen! Die Wettquoten auf seinen Sieg in Moskau liegen so niedrig wie seit 1976 nicht mehr, als Brotherhood of Men mit dem umsatzstärksten Eurovisionshit aller Zeiten ('Save your Kisses for me') erwartungsgemäß gewannen. Dabei muss 'Fairytale' erst mal durch die Qualifikationsrunde, und auch der Startplatz im Finale steht noch nicht fest. Unbeirrt davon sagen ihm alle Beobachter des Geschehens den…
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Das Play­back­di­lem­ma

Seit jeher wird beim Eurovision Song Contest live gesungen, was den Wettbewerb so einzigartig macht - allerdings die Teilnehmer in den Zeiten der Höchstleistungschoreografien auch vor immer schwierigere Herausforderungen stellt, verstärkt durch die seit 1971 bestehende, längst nicht mehr zeitgemäße Beschränkung auf maximal sechs Personen auf der Bühne. Konsequenz: in den nationalen Vorentscheidungen hält sich kaum noch jemand an diese Vorgaben, Teil- oder Vollplaybackauftritte sind massiv auf dem Vormarsch. Das dürfte in Moskau noch für einige unangenehme Überraschungen sorgen: unvergessen der gescheiterte, peinliche Versuch von DJ Bobo vor zwei Jahren in Helsinki, durch das Aufstellen von Schaufensterpuppen auf der Bühne…
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Das Fina­le 2009 – die Übersicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge fest. Anlass genug für einen Schnellüberblick mit Kurzkommentar, Aufrechtgehn.de-Wertung und einer ersten Einschätzung hinsichtlich der Endplatzierung. Wie immer sind die Big Four (DE, ES, FR, UK) direkt für das Finale am 16. Mai gesetzt, gemeinsam mit dem Gastgeber Russland (die restlichen 20 Starter kommen später aus den beiden Qualis). Und im Gegensatz zu den letzten Jahren, wo die Big Four meist auch geschlossen die Last Four bildeten, könnten diesmal zwei Länder nach oben ausbrechen - nämlich Frankreich, das seinen Weltstar Patricia Kaas schickt, sowie Spanien, das endlich wieder einen mitreißenden,…
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Zwei­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2009 – die Übersicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge fest. Anlass genug für einen Kurzüberblick mit Kommentar, aufrechtgehn.de-Wertung und meiner Einschätzung hinsichtlich der Chancen aufs Finale. Im zweiten Semi am Donnerstag, dem 14. Mai, dessen Liveübertragung uns der NDR (- sterbt! -) mal wieder vorenthält, stehen sich schon eher die Schwergewichte gegenüber: diverse 'Nocturne'-Aufgüsse (nach der Rückkehr der Jurys natürlich wieder schwer in Mode), klassische Ethnodisco und Muskelpop aus Griechenland. Dazwischen dann die ersten westeuropäischen Länder, die jeden Anspruch auf eine mögliche Finalteilnahme mittlerweile ganz aufgegeben haben und nur noch zum eigenen Spaß mitmachen, wie Irland oder die Niederlande.…
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Ers­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2009 – die Übersicht

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge in den Semis fest. Anlass genug für einen Überblick mit allen Videos, Kurzkommentaren, aufrechtgehn.de-Wertung und meiner Einschätzung hinsichtlich der Finalchancen. Im ersten Semi am Dienstag, dem 12. Mai, trifft eine krude Mischung aus zahllosen Langweilerballaden, schrägen Ethnosongs, schiefen Opernstimmen und wenigen starken Uptemponummern aufeinander, das allgemeine Niveau liegt dieses Jahr so tief wie in einer SAT.1-Gerichtsshow. Kein Wunder, die Jurys sind ja auch wieder zurück (wenn auch erst im Finale, im Quali entscheiden die Zuschauer noch alleine). Nach dem (un-)freiwilligen Abgang Georgiens, meines moralischen Siegers 2009, starten nur noch 18…
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Euro­song <span class="caps">CZ</span> 2009: Die Pferd­chen so zottig

Euro­song CZ 2009: Die Pferd­chen so zottig

Zwei Mal versuchten sie es schon beim tschechischen Vorentscheid, zwei Mal zogen sie gegen Acts den Kürzeren, die beim Grand Prix dann die ganz hinteren Plätze belegten. Diesmal ging der Staatssender auf Nummer sicher und nominierte die Roma-Rapper Gypsy.cz (was ist das eigentlich in letzter Zeit für eine Unart mit dem an den Bandnamen angehängten Internet-Ländercode? Hier geht's um Musik, nicht um einen Blog!) direkt. Frontmann Radoslav Banga legt, so rappt er, Wert auf seine kulturellen Wurzeln: „Ich will, dass jeder weiß, dass ich genauso wie meine Kapelle Roma bin. Lass Dich in unseren Rhythmus fallen und Du gehörst dazu."…
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Melo­di­fes­ti­va­len 2009: It ain’t over ‘til the blon­de Lady sings

Melo­di­fes­ti­va­len 2009: It ain’t over ‘til the blon­de Lady sings

Überraschungssieg in Schweden: dort stellte soeben das Publikum die Ergebnisse der regionalen Jurys einmal komplett auf den Kopf und machte die Opernsängerin Malena Ernman mit dem von Frederik Kempe, dem "König der klobigen Rückung" (Schlagerboys) geschriebenen, supercampen Arien-Disco-Knaller 'La Voix' zur ihrer Vertreterin in Moskau. Das Juryvoting hatte noch Schlagerschwuppe Måns Zelmerlow mit dem vom gleichen Komponisten verfassten 'Hope & Glory' angeführt, der jedoch bei den Zuschauern nur auf den fünften Rang kam. Und dem darob in Schadenfreude erregender Weise die Gesichtszüge abstürzten. So oder so setzt Schweden damit unbeirrt und aufrecht seinen Schlagerkurs fort. Bravo! Anbetungswürdig: die Ernman (mehr …)
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Natio­naal Song­fes­ti­val 2009: Love shi­ne a Light

Natio­naal Song­fes­ti­val 2009: Love shi­ne a Light

Uh, gerade noch mal die Kurve gekriegt! Auch die Niederländer konnten in diesem Jahr nicht von einer fünfköpfigen "Fuck-Jury" (Originalzitat aus der Sendung!) lassen, die sich unter den sechs von den Toppers dargebotenen Trash-Perlen mit traumwandlerischer Sicherheit übereinstimmend auf die langweiligste und unerträglichste einigte: die ranzige Schmalzballade 'Angel of the Night' nämlich. Dankenswerterweise kippte das mit einer Zweidrittelmehrheit ausgestattete Publikum diese krasse Fehlentscheidung und votierte für die kitschige Schwenkt-Eure-Feuerzeuge-Nummer 'Shine'. Der vom Bandmitglied Gordon geschriebene Schlager besticht durch hoffnungslos nostalgischen Schwulst, einer bei Alenka Gotar (SI 2007) abgeschauten Show mit lustigen Handlampen und stimm- wie figurstarken Backgroundsängerinnen im Divine-Look. Die…
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Tür­kei 2009: My Num­ber Two

Tür­kei 2009: My Num­ber Two

Sensation: die Griechin Helena Paparizou vertritt die Türkei! Da scheint man alte Feindschaften ja doch so langsam zu überwinden, klasse! Oder, Moment mal - oh, ich sehe gerade: es handelt sich um eine optische und akustische Täuschung. Der pünktlich zum Jahreswechsel vom Sender TRT in einer Gala präsentierte türkische Eurovisionsbeitrag 2009 mit dem schönen sprechenden Titel 'Düm Tek Tek' (vermutete Übersetzung: 'Bumm Tschak Tschak') wird in Wahrheit von der 23jährigen, in Belgien geborenen und aufgewachsenen Sängerin Hadise Açıkgöz präsentiert. 'Tschuldigung - aber die Ähnlichkeit ist doch zu frappierend! https://youtu.be/cKiPmdfqXOs Okay, die menschliche Geige fehlt, aber sonst ist alles dabei! Der in…
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Geor­gi­scher Vor­ent­scheid 2009: Kein biss­chen Frieden

Geor­gi­scher Vor­ent­scheid 2009: Kein biss­chen Frieden

Es ist ein Trauerspiel: anstatt die für die Demokratie unabdingbare Meinungs- und Kunstfreiheit gegenüber dem ehemaligen Klassenfeind zu verteidigen, wie es als Verbund öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten ihr ureigenster Auftrag wäre, kriechen die rückgratlosen Feiglinge von der EBU dem russischen Despoten und diesjährigen Grand-Prix-Gastgeber Vladimir Putin bis zur Halskrause in den Allerwertesten und zensieren den (zugegebenermaßen provokanten) georgischen Eurovisionsbeitrag. Damit wird die Kaukasusrepublik in diesem Jahr definitiv nicht dabei sein. The negative move is killin' the groove Vermutlich bluteten Svante "Der Songcontest ist unpolitisch" Stockselius bereits die Ohren: nur zwei Jahre, nach dem eine ukrainische Discotranse mit einem subtilen "Lasha tumbai / Russia goodbye" beinahe…
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Bel­gi­en 2009: Lie­be mich, Kohlewagen

Bel­gi­en 2009: Lie­be mich, Kohlewagen

Der King lebt - und nicht nur im Kühlregal! Der 43jährige Elvisimitator Patrick Ouchène alias Copycat vertritt in Moskau das Land der Fritten und der beleuchteten Autobahnen mit einem Song namens, passenderweise, 'Copycat'. Gestern präsentierte ihn der wallonische Sender RTBF der vor Spannung zitternden Weltöffentlichkeit. Und wie schon vermutet, handelt es sich um einen schlimmen Rückfall in eine der finstersten Zeiten der Popmusik - es ist *schauder* Rock'n'Roll! Immerhin hat es etwas Tröstliches, dass Deutschland in diesem Jahr nicht der einzige Teilnehmer bleibt, der sich mit amerikanischen Klängen aus einer fernen, fernen Vergangenheit blamieren darf. Immerhin beweist der Elvis-Imitator zumindest textlichen…
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Beo­vi­zi­ja 2009: Ich hab ’ne Zwie­bel auf dem Kopf

Beo­vi­zi­ja 2009: Ich hab ’ne Zwie­bel auf dem Kopf

Was für ein gewiefter Fuchs! Der ist ja noch besser als Hape "Beatrix" Kerkeling! Unter dem Tarnnamen Marko Kon schmuggelte sich der bislang eher für brachialen Körperhumor berüchtigte deutsche Comedian Konrad Stöckel in die serbische Vorentscheidung, wo er gemeinsam mit dem Akkordeonquetscher Milan Nikolić eine halb heiser geraspelte, halb in den Bart genuschelte Spaßnummer namens 'Cipela' zum Besten gab. Und - oh Schreck! - mit den Stimmen der Jury gewann er selbige auch und wird nun das frühere Eurovisionssiegerland in Moskau in ungeahnte Tiefen führen. Glückauf! Cipela heißt übrigens Schuhe, nicht Zwiebel! Bereits vor Sendebeginn kam es zu Merkwürdigkeiten: nach…
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Slo­wa­ki­scher Vor­ent­scheid 2009: Look at me, I need some Attention

Slo­wa­ki­scher Vor­ent­scheid 2009: Look at me, I need some Attention

Diese Osteuropäer! Wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, taucht in letzter Sekunde aus dem Nichts noch mal eine Jury auf! Doch diesmal bestätigte sie überraschend das eindeutige Ergebnis des Televotings. Somit setzte sich in der erstmals seit elf Jahren wieder am Grand Prix teilnehmenden Slowakei heute Abend ein Beitrag der großen alten Balladenschule durch: das Breitwand-Technicolor-Kitsch-Märchen 'Let tmou' knüpft nahtlos an vorangegangene Exemplare dieser Gattung wie dem rumänischen 'Tell me why' (2002) oder dem maltesischen 'On again, off again' (2004) an. Mit letzterem teilt es auch die - technisch einwandfrei sauber gesungenen, dennoch gelegentlich erschreckenden (weil als Hörer…
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Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Just may­be, she’s crazy

Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Just may­be, she’s crazy

So langsam etabliert sich eine eigene ukrainische Eurovisionsschule. Die soeben von der Jury zur Siegerin erklärte Svetlana Loboda vereint eine Vielzahl bisheriger Grand-Prix-Elemente der Orangenen: so kehren Teile von Ruslanas Xena-Lederstreifen-Outfits (2004, Element #1) bei ihr und ihren wohlgeformten Hochleistungstänzern (#2) zurück, während ihr billiges Animationsbustier mit den kecken Lapdance-Troddeln bei Madonna ca. 1986 abgeschaut ist. Dazu kommt eine dermaßen grauenhafte englische Aussprache (#3), dass Tina "Hide it, you Muscle Mary" Karol (2006) dagegen wie ein Native Speaker wirkt. Kommt aber bei dem eher rudimentären Text (#4) der flotten, durchaus eingängigen Uptemponummer (#5) eh nicht drauf an. Und, als typisch ukrainisches…
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Eesti Laul 2009: Sie hat ein knall­ro­tes Gummiboot

Eesti Laul 2009: Sie hat ein knall­ro­tes Gummiboot

Ein erneutes Jurydebakel überschattete die gestrige estnische Vorentscheidung Eesti Laul: die klare Publikumsfavoritin Laura Poldvere, angetreten in einer lustigen Verkleidung als artifizielle Disco-Blumenvase, und ihr (allerdings schwaches) Liedchen 'Destiny' erhielten von der Jury lediglich magere drei Pünktchen und verpassten so um Haaresbreite den Einzug ins Superfinale der zwei bestbewerteten Titel. Dies gewann schlussendlich - mit satter Mehrheit - die pseudoklassische Band Urban Symphony mit der Sängerin Sandra Nurmsalu, einem magersüchtigen Püppchen mit den am augenfälligsten aufgespritzten Lippen seit Goldie Hawn in Club der Teufelinnen. Riskiert eine dicke Lippe! 'Rändajad' ist, wie zu befürchten, eine sterbensöde Klassikgeigen-meets-Discobeats-Nummer, die in schlechtest möglicher…
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