Das Fräuleinwunder vom Amt: kommt unser Star für Lissabon vom Jobcenter?

Wie der Prinz-Blog unter Bezugnahme auf den deutschen Fanclub OGAE berichtet, soll sich der NDR aktuell erneut auf der Suche nach Teilnehmer/innen für den heimischen Vorentscheid 2018 befinden. Und zwar unter Einschaltung der Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit, wie die OGAE aus einer ihr zugespielten E-Mail erfahren haben will. Danach habe der Hamburger Sender eine Musical-Agentur mit dem Finden von Nachwuchstalenten beauftragt, die wiederum den Ausschreibungsservice der staatlichen Fachvermittlung in Anspruch genommen habe. Gesucht werde ein „einzigartiger Künstler, ein Mensch, der sein Ding durchzieht und mit großer Leidenschaft Musik macht“. Erfreulich: heuer scheint der Wettbewerb sogar für Duos und Bands offen zu sein. Und auch musikalisch erweitere der NDR die Bandbreite: laut OGAE dürfen die gesuchten Künstler/innen diesmal aus den „Bereichen Pop, Rock, Schlager und erstmals auch Musical“ stammen. Den Prinzen zufolge zeige der Sender in der Auslobung allerdings kein Interesse an eigenem Liedmaterial der potentiellen Landesvertreter/innen. Was die Spekulation zulässt, dass man in Hamburg am Null-Punkte-Rezept der vergangenen Jahre festhalten will und lediglich leicht formbares Menschenmaterial sucht, das mal wieder die übliche ecken- und kantenlose, beige musikalische B-Ware wegsingen soll. Ob es eine reine Mini-Castingshow gibt wie 2017 oder der Nachwuchs als Teil eines umfassenden Vorentscheids eingeplant ist, bleibt jedoch offen: der NDR selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu seinen Eurovisionsplänen.

[Aktualisierung 18:00 Uhr]: Der NDR hat die OGAE-Meldung auf Nachfrage des zweiten deutschen Fanclubs ECG mittlerweile dementiert: „Die Mail mit dem Bewerbungs-Aufruf […] stammt nicht vom NDR und wurde auch nicht vom NDR initiiert,“ so der Sender gegenüber dem ECG. Es werde einen Vorentscheid geben, weitere Details wolle man aber erst später verraten.

Etwas in dieser Preisklasse wird man auch 2018 vermutlich umsonst suchen: Thomas Tulpe, einer der Internetbewerber für den Nachwuchswettbewerb 2014, der allerdings – wie alles Kreative – an den Grauen Herren der Senderjury scheiterte, hier mit seiner neuen Single (Repertoirebeispiel).

Ein Nachwuchskünstler als Deutschlands ESC-Repräsentant?

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Die Jury: Power to all my Friends?

Langjährige Leser/innen dieses Blogs werden mit meiner beinahe schon ans Pathologische grenzenden Ablehnung der Jury beim Eurovision Song Contest vertraut sein. Doch bekanntlich ist der Kopf rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann, und nicht zuletzt der Sieg des Portugiesen Salvador Sobral beim ESC 2017 in Kiew wirft ein neues Licht auf die Frage, ob die Institution in einem gewissen, streng abgegrenzten Rahmen nicht sogar doch ihre Berechtigung haben könnte: bei den nationalen Vorentscheiden nämlich! Man mag es sich kaum ausmalen, aber Europa hätte den wunderbar verschrobenen Jazz-Schlumpf aus Lissabon niemals kennengelernt (und Portugal, das aufgrund seiner chronisch schlechten Ergebnisse erst 2016 eine einjährige Schmollpause einlegte, vermutlich weitere 53 Jahre auf seinen ersten Eurovisionssieg gewartet), wäre es nach dem Willen des heimischen Publikums gegangen. Das nämlich zog sowohl im ersten Semi als auch im Finale des dortigen Vorentscheids Festival da Cançāo das schauderhaft anzuschauende und anzuhörende Trio Viva la Diva mit dem rundweg brechreizerregenden Popera-Titel ‚Nova Glória‘ dem so sanften wie bezaubernden Liebessehnen Salvadors vor, was einen ein wenig an der geistigen, vollends aber an der geschmacklichen Zurechnungsfähigkeit der Portugiesen zweifeln lässt. Nur das beherzte Eingreifen der Juroren, welche den entsetzlichen Diva-Driss vorsichtshalber auf den fünften Platz abwerteten, sicherte den Gesamtsieg Sobrals und muss im Hinblick auf das Endergebnis als die glücklichste Entscheidung bezeichnet werden, die jenes Organ jemals fällte.

Ist uns gerade nochmal erspart geblieben, und den Portugiesen damit ein erneutes Ausscheiden im Semi: Viva la Diva. Danke, Jury!

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Deutschland 2017: hello last Place, my old Friend

Der NDR lernt es einfach nie. Zehn Kombinationen von Künstler/in und Song wären bei Unser Song 2017 heute Abend theoretisch möglich gewesen, mit zweien davon hätten wir unter Umständen in Kiew mehr als null Punkte holen können: ‚Wildfire‘ in der fröhlichen Uptempoversion von Felicia Lu Kürbiß, die sie aber erst gar nicht vorstellen durfte, weil sie sich den falschen Cover-Song für die Vorstellungsrunde ausgesucht hatte, und ‚Perfect Life‘ in der Fassung von von Axel Feige. Beide blieben aufgrund des absolut albernen Auswahlverfahrens jedoch unterwegs auf der Strecke. Stattdessen bestritt Levina Lueen alleine mit beiden Titeln das völlig antiklimatische Superfinale, und dass es am Ende mit 69% der abgegebenen Zuschauerstimmen ‚Perfect Life‘ wurde, spielte dann schon keine Rolle mehr. Denn bei aller berechtigten Begeisterung über die wirklich hervorragende stimmliche Leistung der blonden Bonnerin (die natürlich auch deswegen so glänzte, weil die drei anderen Küken, die wie aus der Mini Playback Show entliehen wirkten, ihr nicht das Wasser reichen konnten): musikalisch ebnete sie beide Songs, sowohl den ursprünglich flotten Poptitel ‚Wildfire‘ als auch das als kantige Bond-Ballade gedachte ‚Perfect Life‘, zu einheitlichem, tödlich langweiligen Midtemposeich ein, der mich persönlich null erreichte. Den ersten internationalen Fan-Reaktionen in den einschlägigen Foren zufolge übrigens auch die Menschen außerhalb Deutschlands nicht. Wir können uns also schon mal auf ein neuerliches Rendezvous mit unserem altbekannten Freund, dem letzten Platz im Finale, einstellen.

Perfektes Hintergrundgedudel fürs Einkaufsradio, aber kein ESC-Sieger: der deutsche Beitrag 2017

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Warum ich mich nicht auf Unser Song 2017 freue

In knapp viereinhalb Stunden ist es soweit: um 20:15 Uhr heute Abend startet im Ersten die deutsche Eurovisionsvorentscheidung, Unser Song 2017. Und man kann dem NDR nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hätte, das Interesse zu wecken: seit Tagen wird die Eurovisionsapp beworben, mit der ausländische Grand-Prix-Fans ein Stimmungsbild erzeugen sollen, welcher der fünf potentiellen Vertreter/innen und welcher der von der sendereigenen Songfindungskommission ausgewählten zwei potentiellen Eurovisionsbeiträgen international am besten ankommt. Auf der offiziellen Senderseite sind Ausschnitte von den gestrigen Generalproben zu sehen, so dass wir uns schon mal einen Eindruck verschaffen können. Seit heute stehen alle zehn Versionen in der Studiofassung auf Spotify zum Anhören bereit. Die Cover-Songs für die Vorstellungsrunde stellten die Fantastischen Fünf in dieser Woche schon mal im ARD-Moma vor. Vorentscheidung also auf allen Kanälen. Und dennoch gab es im Vorfeld der nationalen Songauswahl selten so wenig medialen Wiederhall, vor allem aber so wenig Vorfreude bei mir persönlich auf die Sendung. Ich schau mir das heute Abend gewissermaßen aus professioneller Verpflichtung an, also weil ich muss. Aber auch wenn ich ungern den nörgeligen Spielverderber gebe: Lust drauf habe ich überhaupt kein bisschen. Woran liegt das? Der Versuch einer Analyse.

Die fabelhafte Conchita wirbt für die Eurovision-App

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Unser Song 2017: 6 Autoren, 5 Künstler, 4 Runden, 2 Songs, 1 App, 0 Landessprache

Heute präzisierte der NDR, wie der dreistündige Vorentscheid Unser Song 2017 am Donnerstag nächster Woche ablaufen soll. Außerdem wissen wir jetzt, dass der deutsche Beitrag für Kiew entweder ‚Wildfire‘ oder ‚Perfect Life‘ heißen wird. Beide Titel wurden von einem jeweils dreiköpfigen, schwerpunktmäßig US-amerikanischen Autorenteam geschrieben, was auch erklärt, warum sich erwartungsgemäß nichts Landessprachliches im Aufgebot befindet. Wie bereits bekannt, gibt es vier Abstimmungsrunden: zunächst treten alle fünf deutschen Nachwuchshoffnungen mit je einem Coversong ihrer Wahl auf. Für zwei von ihnen ist danach bereits Schluss: nur die drei Bestplatzierten in der Zuschauerabstimmung ziehen in die nächste Runde und stellen dort den ersten der beiden zur Wahl stehenden Songs vor, jede/r von ihnen in einem anderen, auf sie bzw. ihn zugeschnittenen Arrangement. Dann werden die Leitungen wieder geöffnet (Kosten je Anruf: 14 Cent, SMS 20 Cent), und jetzt kommen nur noch zwei Künstler/innen weiter. Die stellen im dritten Durchgang dann beide den zweiten potentiellen Eurovisionstitel vor, wiederum jede/r in ihrer oder seiner persönlichen Interpretation. Nun bestimmt das Publikum, welcher der beiden Songs, gesungen von welchem der beiden Übriggebliebenen, ihm am besten gefällt. Hier stehen also vier mögliche Kombinationen zur Auswahl: Sänger/in A mit ‚Wildfire‘, Sänger/in A mit ‚Perfect Life‘, Sänger/in B mit ‚Wildfire‘ und Sänger/in B mit ‚Perfect Life‘. Bis hierhin verstanden? Gut, denn wir sind noch nicht am Ende!

Eine der fantastischen Fünf: Helene Nissen, hier bei einem Auftritt vor zwei Jahren (Repertoirebeispiel)

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Springer-Schmierblatt ruiniert mal wieder Deutschlands ESC-Chancen

Die Bild kann das Wühlen im Dreck einfach nicht lassen: nachdem die Dortmunder Regionalausgabe von Deutschlands widerlichstem Revolverblatt über ein bevorstehendes Gerichtsverfahren der Eurovisionshoffnung Wilhelm „Sadi“ Richter berichtete und das Funke-Medien-Portal Der Westen die Story aufgriff, zog der talentierteste, aussichtsreichste und charismatischste der fünf vom NDR für den deutschen Vorentscheid Unser Song 2017 ausgesuchten Nachwuchskräfte heute seine Bewerbung zurück. „Berichte über mich verursachen gerade so viel Trubel – das möchte ich erst einmal klären und verarbeiten,“ sagte der 19jährige dem Hamburger Sender. „Ich bin selber verwundert, was mir vorgeworfen wird“. Dabei gehe es um Petitessen wie ein Ebay-Geschäft, bei dem die Ware angeblich nicht angekommen sein soll – wohlgemerkt erst mal nur eine Behauptung, an der nichts dran sein muss. Doch es ist verständlich, dass sich Sadi nicht in Ruhe auf seine Teilnahme am Vorentscheid vorbereiten oder dort eine fröhliche Performance abliefern kann, während die Springerpresse aus dem Hintergrund mit Schmutz wirft: „Ich hatte mich total auf die Teilnahme gefreut, möchte das aber nicht unter diesen Umständen machen. So kann ich nicht unbeschwert auftreten. Deshalb bin ich am 9. Februar schweren Herzens in Köln nicht dabei“. Damit macht die Bild erneut unsere Grand-Prix-Aussichten zunichte – wie schon 2002, als das Blatt mit einer gezielten Lügenkampagne über „Horror-Fans mit Übergewicht“ im Vorfeld der deutschen Vorentscheidung die Chancen der Kelly Family untergrub, um die unliebsame Konkurrenz gegen die hauseigene Kandidatin Isabel Soares, das „Fohlen vom Bohlen“, aus dem Weg zu räumen. Mit der Folge, dass am Ende Corinna May gewann und uns in Tallin blamierte. Der NDR benannte übrigens flugs eine Nachrückerin für Sadi: die 21jährige gebürtige Kölnerin Yosefin Buohler nämlich. Die blonde Halbschwedin, die derzeit in Stockholm lebt, präsentiert sich im Speed-Dating-Interview mit Bürger Lars Dietrich als supersymphatisch und schlagfertig, man hat sie nach zwei Sätzen bereits ins Herz geschlossen. Singen kann sie offensichtlich ganz gut, was sie 2014 bereits bei der schwedischen Ausgabe von DSDS unter Beweis stellte, wie auch im Jahr 2013, als sie vor dem Fußballländerspiel der deutschen Elf gegen Schweden die Nationalhymne intonierte. Dennoch: gegenüber dem von den Heckenschützen der Bild zu Fall gebrachten Dortmunder sind die nunmehr verbliebenen Kandidat/innen von Unser Song 2017 nur zweite Wahl. Super gemacht, Springerblatt!

Immerhin brüht sie nicht im Lichte dieses Glückes: Yosefin „Yo-Yo“ Buohler zerjodelt die deutsche Nationalhymne, sehr zur Freude von Thomas Müller, der sich königlich amüsiert.

Die fantastischen Fünf: Helene singt beim Vorentscheid!

Gestern früh gab der NDR die Namen der glücklichen Fünf bekannt, die es aus der Klasse der 33 in die Endrunde geschafft haben. Darunter auch eine Helene – was aber nicht bedeutet, dass die jahrelangen Gebete der Schlagerfans erhört wurden. Denn nicht die Menschenfischerin ist es, die am 9. Februar 2017 in Köln gegen vier Konkurrent/innen antritt, sondern eine zwanzigjährige Schülerin aus Norddeutschland namens Helene Nissen, die bislang hauptsächlich über die Dörfer tingelte. Sie trifft dort auf die ehrgeizige und hochgradig qualifizierte 25jährige Musikstudentin Levina Lueen und die 21jährige professionelle Youtuberin Felicia Lu Kürbiß, die alleine schon des lustigen Namens wegen gewinnen müsste. Wären da nicht noch die beiden männlichen Mitbewerber, namentlich der 28jährige Axel Feige, der Mann mit dem Fagott und gewissermaßen der Daddy der Truppe, sowie der 19jährige Wilhelm „Sadi“ Richter, ebenfalls Musikstudent und mit einer oktavenreichen, warmen Stimme sowie einer hinreißenden Ausstrahlung gesegnet (Links zu den ausführlichen Porträts der fünf Finalisten finden sich am Ende des Artikels). Ein wenig bizarr erscheint, dass fast alle der fantastischen Fünf Soul und Blues als ihre bevorzugte Musikrichtung angeben, der NDR jedoch beim Kommissionieren der Songs für den Vorentscheid dieses Genre explizit ausschloss. Auf eine große musikalische Bandbreite brauchen wir aber auch unbeachtlich dieser Vorgabe gar nicht erst hoffen: wie gestern dank Nachfrage der Prinzen ebenfalls bekannt wurde, müssen sich die fünf Interpret/innen von Unser Song 2017 zwei Lieder teilen. Also, nicht zwei pro Person, sondern zwei insgesamt. Mit denen müssen sie vier (!) Abstimmungsrunden bestreiten, wobei sie zum Auftakt erstmal Coverversionen anstimmen sollen, damit es nicht all zu eintönig wird. Wobei sich die Frage stellt, ob unter dem angeforderten Material nicht mehr Akzeptables dabei war oder ob das Budget tatsächlich nur für zwei Titel reichte? Dann bei allem wohlfeilen Gemecker über öffentlich-rechtliche Gebührenverschwendung: das erscheint mir dann doch etwas knickrig.

Bedient ein bisschen die Max-Mutzke-Schiene, nur sexier: Sadi (Repertoirebeispiel)

Mehr zu den einzelnen Teilnehmer/innen hier:

Unser Song 2017

Donnerstag, 9. Februar 2017, 20:15 Uhr aus Köln (Raab TV Studios). Fünf Teilnehmer/innen. Moderation: Barbara Schöneberger.
Interpret/in1. Runde (Coversong)StimmenErgebnis
Yosefin BuohlerLove on Top12.748x
Axel FeigeYou know my Name39.242Q
Felicia Lu KürbißDancing on my own13.139x
Levina LueenWhen we were young89.156Q
Helene NissenFolsom Prison Blues49.964Q
Interpret/in2. Runde (Wildfire)StimmenErgebnis
Axel FeigeWildfire47.639Q
Levina LueenWildfire79.811Q
Helene NissenWildfire41.459x
Interpret/in3. Runde (Perfect Life)StimmenErgebnis
Axel FeigePerfect Life57.631x
Levina LueenPerfect Life60.474Q
Axel FeigeWildfire36.266x
Levina LueenWildfire124.326Q
Interpret/in4. Runde (Superfinale)StimmenCharts
Levina LueenWildfire45.285--
Levina LueenPerfect Life100.40728

Die fantastischen Fünf: wer ist Dein/e Favorit/in beim deutschen Vorentscheid 2017?

  • Sadi Richter (zurückgezogen) (47%, 51 Votes)
  • Felicia Lu Kürbiß (19%, 21 Votes)
  • Axel Feige (11%, 12 Votes)
  • Levina Lueen (9%, 10 Votes)
  • Helene Nissen (6%, 7 Votes)
  • Yosefin Buohler (6%, 7 Votes)

Total Voters: 108

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Der NDR will keinen Soul. Und keinen Quatsch!

Von den 33 Nachwuchshoffnungen, die der NDR bislang für den deutschen Eurovisionsvorentscheid Unser Song 2017 castete, kam heute einer abhanden. Wer es von den restlichen 32 ins Fünf-Personen-Finale am 9. Februar 2017 schafft, steht noch nicht fest, genauso wenig wie die Songs für die fantastischen Fünf. Liedvorschläge forderte der NDR bekanntlich bei heimischen und internationalen Komponisten an. Und zwar mit strikten Genre-Vorgaben: „Organischer und authentischer Pop mit englischen Texten“ sei erwünscht, so heißt es in einer Mail an ausgewählte Songschreiber und Verleger, die letzte Woche ihren Weg ins Netz fand. Auch möglich: „Alternative Mainstream, Singer-Songwriter-Pop oder ein zeitgemäßer Dance-Pop-Track“. Ebenso klar weiß der NDR, was er nicht haben will: „Kein R&B oder Soul“! Mit anderen Worten: das, was die Sender-Jury schon in den letzten Jahren bevorzugte – Variationen von beige, kredibel-einschläfernde Dudelfunkmusik, mit der man nirgends aneckt und sich auf keinen Fall blamiert. Die Angst vor etwas Schrägem scheint besonders tief zu sitzen: „Nothing cheesy!“, lautete der imperative Nachsatz. Was nach Rückfrage in Hamburg allerdings nicht als Absage an Schlagerpop zu verstehen sei: man möchte einfach keine „Quatsch-Songs“, so Pressesprecherin Iris Bents gegenüber aufrechtgehn.de. Im Moment befänden sich (noch) deutschsprachige Lieder in der Auswahl für die Show, eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Macht Sinn, denn schließlich müssen am Ende die Songs zu den ausgewählten Kandidat/innen passen bzw. diese sich damit wohl fühlen.

An Rap-Quatsch wie diesem (1999) werden sich die Lästertaschen beim deutschen Vorentscheid 2017 nicht erfreuen können. Schade!

Kein R&B, kein Soul, kein Quatsch beim deutschen Vorentscheid. Das ist...

  • ...bevormundend. Ich würde mir eine breite Auswahl an Genres wünschen. (38%, 56 Votes)
  • ...langweilig. Immer dieses mutlose, fade Einheitsgedudel. Man will wohl wieder 0 Punkte! (27%, 40 Votes)
  • ...richtig, was den "Quatsch" angeht. Trash war in den Neunzigern, ich bin froh, dass das vorbei ist. (18%, 26 Votes)
  • ...gut so! Beim ESC sollte Zeitgemäßes zu hören sein, also macht so eine Vorgabe Sinn. (10%, 15 Votes)
  • ...mir egal. Viel wichtiger finde ich, dass auch was auf deutsch Gesungenes in der Auswahl ist. (7%, 11 Votes)

Total Voters: 148

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Der NDR stellt vor: die ESC-Klasse von 2017

Weit über 2.000 junge Talente haben sich nach Angaben des NDR für das Ticket nach Kiew beworben. 33 von ihnen – und damit die prototypische Schülerzahl einer Klasse zu meiner Zeit – lud der Hamburger Sender am vergangenen Wochenende zum Vorsingen nach Köln ein. Wie Schüler/innen wirken sie denn auch, die Ausgesiebten, in den keck „Speed-Dating“ genannten Drei-Minuten-Interviews mit Bürger Lars Dietrich, mit denen der NDR uns Zuschauer/innen ein erstes Beschnuppern ermöglichen will: so unsicher, so fohlenhaft aufgeregt, so unfassbar jung vor allem. Doch das Schutzalter müssen sie schon erreicht haben, sonst dürften sie ja auch beim Song Contest nicht mitmachen. Und so können wir unbesorgt unsere Augen weiden an solchen Hinguckern wie dem Youtube-Star Alessandro Capasso (wenn der mal nicht zur Familie gehört, fress‘ ich einen Besen!), BroSis-Fan Alex Scuderi, den in seiner aufgesetzt kumpelhaften Art unerträglichen Holzfällerhemdundhutträger Marvin Schloßhauer oder den singenden Fußballer / fußballspielenden Sänger und Bartwuchskünstler Sven Lüchtenborg. Wie meinen? Was vergessen? Ach so, ja: Mädels sind ebenso in der Klasse. So wie die lustig benamste Felicia Lu Kürbiß (bei den Zähnen aber auch naheliegend!), das *räusper* Klassen-Nesthäkchen Elvira Michieva, die nach eigener Aussage bereits am Eurovisionsvorentscheid in ihrer Heimat Aserbaidschan teilnahm (war das vor oder nach 2008, Liebes?) und in der Acapella-Runde zum Interview-Ende mit einer hervorragend flowenden Rapeinlage überrascht, oder die – Nomen est Omen – stimmstarke Mary-Ann Bröllochs. Die fünf Klassenbesten muss die NDR-Jury nun auswählen für den deutschen Vorentscheid am 9. Februar, wo sie dann von senderseits approbierten internationalen Songschreibern beigesteuertes Liedgut zu Gehör bringen dürfen.

Alle 33 Kandidat/innen im fremdschämstarken „Speed-Dating“. Wer bei jeder dummen Frage einen Schnaps trinkt, liegt spätestens beim dritten Clip unter dem Tisch.

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„Unser Song 2017“: Lena sucht die neue Lena

Nach den Vollflops der beiden letzten Jahre kehrt der NDR für die Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrags 2017 zur Castingshow zurück, wie der Sender heute bekannt gab. Dieses Format brachte in Person von Lena Meyer-Landrut (→ DE 2010, 2011) schließlich bereits eine Eurovisionssiegerin hervor. Selbige Lena wird auch Teil der dreiköpfigen, nicht stimmberechtigen Jury sein (neben dem Pop-Weichspüler Tim Bendzko und Volksmusikant Florian Silbereisen), deren Aufgabe lediglich darin besteht, die Auftritte der Nachwuchstalente zu kommentieren. Anders als beim klassischen Casting-Format wird es aber nur eine einzige TV-Sendung geben, am 9. Februar 2017, moderiert von der bewährten Barbara Schöneberger. Hier treten fünf Eurovisionshoffnungen an, jeweils mit laut Senderangaben von „national und international erfolgreichen Produzenten speziell für den ESC 2017 vorgeschlagenen“ Songs. Wer von den Fünfen (zugelassen sind nur Einzelsänger/innen, keine Bands) dann nach Kiew fährt, entscheiden alleine die ARD-Zuschauer/innen. Eine über die Eurovisions-App organisierte internationale Internet-Abstimmung soll zudem ein „Stimmungsbild“ darüber liefern, wie der eigene Lieblingstitel beim Publikum außerhalb Deutschlands ankommen könnte. Mit dem runderneuerten Vorentscheidungskonzept erhofft sich die ARD nach den Worten des Programmdirektors Volker Herres diesmal wieder „eine Chance auf eine Top-Ten-Platzierung“.

Teil der Jury 2017: der Silberschniedel. Dürfen wir also auch auf ein wenig Schlager hoffen?

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