Donnawedda: VoXXclub unter den ESC-Kandidaten!

Seit wenigen Tagen läuft in Köln das Bootcamp mit den 20 von einem Fan-Panel ausgewählten engeren Anwärter/innen für den deutschen Eurovisions-Vorentscheid 2018, von denen es am Ende bekanntlich nur fünf in die Sendung schaffen werden. Seit gestern berichten die Prinz-Blogger aus dem Trainingslager, und so dringen mittlerweile auch die ersten Namen nach draußen. Sammelten sich am Freitag dort vor allem die The Voice-Castingshow-Hasbeens  (mit der Erststaffelsiegerin Ivi Quainoo als prominentestem Exemplar), so begann der heutige Band-Tag mit einer echten Sensation in Form der Neue-Volksmusik-Boyband VoXXclub. Die ursprünglich mal sechs, mittlerweile aber nur noch fünf gestandenen Burschen rollen seit ihrer Gründung im Jahre 2012 die TV-Musikantenscheunen und Skihüttenpartys im deutschsprachigen Raum mit ihrem bewusst kommerziell kalkulierten Mix aus stampfenden Schlagerbeats, zeitgemäß aufbereiteten Heimatklängen, süffigen Mitsingmelodien und sensationell synchron getanzten Schuhplattl-Choreografien auf und stoßen naturgemäß auf ein geteiltes Echo: von den einen als niveauloser Ausverkauf gebrandmarkt, feiern ihre Fans sie als Erneuerer des Genres.

VoXXclub im Jahre 2014, da noch zu sechst, mit ihrer Version des auch schon vom Austropop-Pionier und ESC-Nilpointer Wilfried Scheutz (→ AT 1988) aufgemöbelten steinalten Tiroler Volksliedes ‚Ziwui‘.

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„Jung, partyaffin und tolerant“: der NDR auf ESC-Roadshow

Seit anderthalb Wochen kennen wir erste Details über den deutschen Vorentscheid 2018, und seit diesem Dienstag zieht der deutsche Eurovisionsverantwortliche Thomas Schreiber vom NDR gemeinsam mit dem neuen Delegationsleiter Christoph Pellander sowie den für den aufwändigen statistisch-technischen Part des neuen Vorauswahlverfahrens Zuständigen Daniel Korany (Simon-Kucher & Partners) und Werner Klötsch (digame) durch die Lande, um interessierten Eurovisionistas das recht komplizierte Verfahren zu erläutern, vor allem aber um die zuletzt auch unter den einheimischen Fans ziemlich schlechte Stimmung umzudrehen. Und so standen beim gestrigen Termin im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus (LSKH) zu Frankfurt am Main – in welches die Roadshow auswich, weil beim Hessischen Rundfunk aufgrund mehrerer Aufzeichnungen und Veranstaltungen alle geeigneten Räume bereits belegt waren – zwar zunächst die detaillierten Ausführungen zur Ermittlung und Zusammensetzung des Europa-Panels und der internationalen Jury im Vordergrund. Doch sie spielten gar nicht die entscheidende Rolle, zumal man ohnehin inhaltlich nichts maßgeblich Neues gegenüber den bereits bekannten Fakten erfuhr. Als viel interessanter erwies sich der Dialog mit den anwesenden Grand-Prix-Fans und der dabei gewonnene Eindruck, dass der NDR nach einer längeren Phase ziellosen Gestolperes in Sachen Vorentscheid und teilweise selbstverschuldeter (Naidoogate), aber auch fremdverursachter Krisen (Kümmertgate) einen wirklichen Neuanfang versucht. Im Hinblick auf die vielen ähnlich lautenden Versprechen der Vergangenheit war vielen zwischenzeitlich ja der Glaube daran abhanden gekommen, insofern sollte die Roadshow wohl auch ein bisschen Seelenmassage für die Fans sein, ohne die, das räumte Schreiber selbst ein, der Grand Prix „nicht kann“. Was allerdings umgekehrt auch gilt: eine klassische Co-Abhängigkeit.

Der legendäre Schockmoment beim Vorentscheid 2015: Andreas kümmert seine Wahl nicht.

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Vorentscheid 2018: das „Europa-Panel“ wird deutsch

Der NDR rudert in Sachen internationaler Mitbestimmung bei der Künstlerauswahl für die deutsche Eurovisions-Vorentscheidung 2018 ein Stückchen zurück: nachdem eine Pressemeldung am Freitag, wonach ein hundertköpfiges, über die sozialen Medien rekrutiertes Fan-Panel mit der ersten Vorauswahl potentieller Grand-Prix-Vertreter/innen beauftragt werden soll, für fehlgeleitete Schlagzeilen wie „Die ARD traut den Deutschen nicht mehr“ sorgte, präzisierte der NDR-Unterhaltungschef und deutsche Eurovisionsverantwortliche Thomas Schreiber in einem umfangreichen Exklusiv-Interview mit den Kollegen vom Prinz-Blog heute, dass das sogenannte „Europa-Panel“ ausschließlich aus einheimischen Zuschauer/innen gebildet werde. Schreiber: „Wenn man das Abstimmungsverhalten der Fernsehzuschauer in allen teilnehmenden Ländern in den letzten Jahren analysiert, kommt man zu einem überraschenden Schluss: in den letzten vier Jahren haben die Deutschen mit ihren Stimmen beim Televoting am nächsten am jeweiligen Endergebnis gelegen“. Diese durch Datenauswertungen gewonnene Erkenntnis bedeute, „dass wir das Europa-Panel aus Deutschland besetzen können und nicht international“. Warum sich das Gremium dann mit dem Namen „Europa“ schmückt, was ja eine internationale Zusammensetzung suggeriert, bleibt indes offen. Das „Europa-Panel“ soll sich auch nicht durch alle potentiellen Bewerber/innen durchquälen müssen, von denen der NDR an die tausend erwartet – darunter 200 bis 300 aus dem offenen Verfahren, der Rest aus eigener Recherche bzw. aufgrund von Vorschlägen sendereigener oder befreundeter Musikredakteure. Vielmehr soll ein „Team aus erfahrenen Musikprofis und Experten“ eine Vorauswahl von 200 potentiellen Repräsentant/innen treffen, aus denen das heimische Zuschauer-Panel wiederum 20 ausfiltert. Erst dann kommt die – nunmehr tatsächlich international zusammengesetzte – Jury ins Spiel, die hieraus gemeinsam mit dem „Europa-Panel“ die finalen Fünf für den Vorentscheid herauspickt.

Der Inas-Nacht-Musikredakteur Matthias Wallerang habe laut Schreiber bereits „eine lange Vorschlagsliste mit jungen Talenten erarbeitet“. Ob auch Alligatoah darauf steht?

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„Ein radikaler Neuanfang“: der NDR generalüberholt den Vorentscheid

„Die ARD traut den Deutschen nicht mehr“: so herrlich pointiert wie sachlich falsch betitelt der (von mir sonst sehr geschätzte) Mediendienst DWDL seine Meldung über die heute Nachmittag frisch verkündete Neuausrichtung des heimischen Vorentscheidungsverfahrens, mit welcher der NDR nach den durchgängig hinteren und hintersten Plätzen der letzten Jahre beim europäischen Wettsingen das Ruder herumreißen möchte. Wahr ist: der für den deutschen Eurovisionsbeitrag verantwortliche Sender holt sich endlich externen Sachverstand mit an Boot und folgt damit ein Stück weit den Ratschlägen heimischer Eurovisionsblogs. Bei der Auswahl der Kandidat/innen für den Vorentscheid und bei unserem Lied für Lissabon entscheidet künftig ein einhundertköpfiges sogenanntes „Europa-Panel“ mit, das den Geschmack derjenigen Menschen möglichst genau abbilden soll, die im Mai 2018 schlussendlich für unseren Beitrag anrufen und ihm so zu Punkten verhelfen sollen: die europäischen Zuschauer/innen (also diejenigen außerhalb Deutschlands) nämlich. „Mindestens 10.000 Menschen“ will der NDR dazu gemeinsam mit der Big-Data-Firma Simon Kucher & Partners über die sozialen Netzwerke ansprechen, in einem mehrstufigen Verfahren sollen mit Hilfe von „vielen Musikfragen und Bewertungen“, so Thomas Schreiber in der Wolfsburger Allgemeinen, aus ihnen diejenigen herausgefiltert werden, die uns ein verlässliches Bild davon liefern mögen, was bei unseren Freunden und Nachbarn in Europa ankommen könnte. Damit führt der Hamburger Sender die beim diesjährigen Format Unser Song 2017 mit der (rein informellen) Einbindung der Eurovisions-App erstmals zur Anwendung gekommene Idee, stärker auf die entscheidende internationale Zielgruppe für das deutsche Lied zu hören, konsequent fort, vermeidet aber gleichzeitig, dass die Abstimmung durch die hierfür denkbar schlechteste Gruppe gekapert wird: die Hardcore-ESC-Fans mit ihrem bekanntermaßen völlig nichtrepräsentativen, um nicht zu sagen horriblen Musikgeschmack nämlich. „Eine Bewerbung für das Panel ist nicht möglich,“ heißt es daher auch in der NDR-Pressemeldung. Kluge Entscheidung!

Aus den eher zufälligen „Eurovision Vibes“ mit reinem Empfehlungscharakter wird das statistisch relevante „Europa-Panel“ mit echtem Einfluss.

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Das Fräuleinwunder vom Amt: kommt unser Star für Lissabon vom Jobcenter?

Wie der Prinz-Blog unter Bezugnahme auf den deutschen Fanclub OGAE berichtet, soll sich der NDR aktuell erneut auf der Suche nach Teilnehmer/innen für den heimischen Vorentscheid 2018 befinden. Und zwar unter Einschaltung der Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit, wie die OGAE aus einer ihr zugespielten E-Mail erfahren haben will. Danach habe der Hamburger Sender eine Musical-Agentur mit dem Finden von Nachwuchstalenten beauftragt, die wiederum den Ausschreibungsservice der staatlichen Fachvermittlung in Anspruch genommen habe. Gesucht werde ein „einzigartiger Künstler, ein Mensch, der sein Ding durchzieht und mit großer Leidenschaft Musik macht“. Erfreulich: heuer scheint der Wettbewerb sogar für Duos und Bands offen zu sein. Und auch musikalisch erweitere der NDR die Bandbreite: laut OGAE dürfen die gesuchten Künstler/innen diesmal aus den „Bereichen Pop, Rock, Schlager und erstmals auch Musical“ stammen. Den Prinzen zufolge zeige der Sender in der Auslobung allerdings kein Interesse an eigenem Liedmaterial der potentiellen Landesvertreter/innen. Was die Spekulation zulässt, dass man in Hamburg am Null-Punkte-Rezept der vergangenen Jahre festhalten will und lediglich leicht formbares Menschenmaterial sucht, das mal wieder die übliche ecken- und kantenlose, beige musikalische B-Ware wegsingen soll. Ob es eine reine Mini-Castingshow gibt wie 2017 oder der Nachwuchs als Teil eines umfassenden Vorentscheids eingeplant ist, bleibt jedoch offen: der NDR selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu seinen Eurovisionsplänen.

[Aktualisierung 18:00 Uhr]: Der NDR hat die OGAE-Meldung auf Nachfrage des zweiten deutschen Fanclubs ECG mittlerweile dementiert: „Die Mail mit dem Bewerbungs-Aufruf […] stammt nicht vom NDR und wurde auch nicht vom NDR initiiert,“ so der Sender gegenüber dem ECG. Es werde einen Vorentscheid geben, weitere Details wolle man aber erst später verraten.

Etwas in dieser Preisklasse wird man auch 2018 vermutlich umsonst suchen: Thomas Tulpe, einer der Internetbewerber für den Nachwuchswettbewerb 2014, der allerdings – wie alles Kreative – an den Grauen Herren der Senderjury scheiterte, hier mit seiner neuen Single (Repertoirebeispiel).

Ein Nachwuchskünstler als Deutschlands ESC-Repräsentant?

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Die Jury: Power to all my Friends?

Langjährige Leser/innen dieses Blogs werden mit meiner beinahe schon ans Pathologische grenzenden Ablehnung der Jury beim Eurovision Song Contest vertraut sein. Doch bekanntlich ist der Kopf rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann, und nicht zuletzt der Sieg des Portugiesen Salvador Sobral beim ESC 2017 in Kiew wirft ein neues Licht auf die Frage, ob die Institution in einem gewissen, streng abgegrenzten Rahmen nicht sogar doch ihre Berechtigung haben könnte: bei den nationalen Vorentscheiden nämlich! Man mag es sich kaum ausmalen, aber Europa hätte den wunderbar verschrobenen Jazz-Schlumpf aus Lissabon niemals kennengelernt (und Portugal, das aufgrund seiner chronisch schlechten Ergebnisse erst 2016 eine einjährige Schmollpause einlegte, vermutlich weitere 53 Jahre auf seinen ersten Eurovisionssieg gewartet), wäre es nach dem Willen des heimischen Publikums gegangen. Das nämlich zog sowohl im ersten Semi als auch im Finale des dortigen Vorentscheids Festival da Cançāo das schauderhaft anzuschauende und anzuhörende Trio Viva la Diva mit dem rundweg brechreizerregenden Popera-Titel ‚Nova Glória‘ dem so sanften wie bezaubernden Liebessehnen Salvadors vor, was einen ein wenig an der geistigen, vollends aber an der geschmacklichen Zurechnungsfähigkeit der Portugiesen zweifeln lässt. Nur das beherzte Eingreifen der Juroren, welche den entsetzlichen Diva-Driss vorsichtshalber auf den fünften Platz abwerteten, sicherte den Gesamtsieg Sobrals und muss im Hinblick auf das Endergebnis als die glücklichste Entscheidung bezeichnet werden, die jenes Organ jemals fällte.

Ist uns gerade nochmal erspart geblieben, und den Portugiesen damit ein erneutes Ausscheiden im Semi: Viva la Diva. Danke, Jury!

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Deutschland 2017: hello last Place, my old Friend

Der NDR lernt es einfach nie. Zehn Kombinationen von Künstler/in und Song wären bei Unser Song 2017 heute Abend theoretisch möglich gewesen, mit zweien davon hätten wir unter Umständen in Kiew mehr als null Punkte holen können: ‚Wildfire‘ in der fröhlichen Uptempoversion von Felicia Lu Kürbiß, die sie aber erst gar nicht vorstellen durfte, weil sie sich den falschen Cover-Song für die Vorstellungsrunde ausgesucht hatte, und ‚Perfect Life‘ in der Fassung von von Axel Feige. Beide blieben aufgrund des absolut albernen Auswahlverfahrens jedoch unterwegs auf der Strecke. Stattdessen bestritt Levina Lueen alleine mit beiden Titeln das völlig antiklimatische Superfinale, und dass es am Ende mit 69% der abgegebenen Zuschauerstimmen ‚Perfect Life‘ wurde, spielte dann schon keine Rolle mehr. Denn bei aller berechtigten Begeisterung über die wirklich hervorragende stimmliche Leistung der blonden Bonnerin (die natürlich auch deswegen so glänzte, weil die drei anderen Küken, die wie aus der Mini Playback Show entliehen wirkten, ihr nicht das Wasser reichen konnten): musikalisch ebnete sie beide Songs, sowohl den ursprünglich flotten Poptitel ‚Wildfire‘ als auch das als kantige Bond-Ballade gedachte ‚Perfect Life‘, zu einheitlichem, tödlich langweiligen Midtemposeich ein, der mich persönlich null erreichte. Den ersten internationalen Fan-Reaktionen in den einschlägigen Foren zufolge übrigens auch die Menschen außerhalb Deutschlands nicht. Wir können uns also schon mal auf ein neuerliches Rendezvous mit unserem altbekannten Freund, dem letzten Platz im Finale, einstellen.

Perfektes Hintergrundgedudel fürs Einkaufsradio, aber kein ESC-Sieger: der deutsche Beitrag 2017

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Warum ich mich nicht auf Unser Song 2017 freue

In knapp viereinhalb Stunden ist es soweit: um 20:15 Uhr heute Abend startet im Ersten die deutsche Eurovisionsvorentscheidung, Unser Song 2017. Und man kann dem NDR nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hätte, das Interesse zu wecken: seit Tagen wird die Eurovisionsapp beworben, mit der ausländische Grand-Prix-Fans ein Stimmungsbild erzeugen sollen, welcher der fünf potentiellen Vertreter/innen und welcher der von der sendereigenen Songfindungskommission ausgewählten zwei potentiellen Eurovisionsbeiträgen international am besten ankommt. Auf der offiziellen Senderseite sind Ausschnitte von den gestrigen Generalproben zu sehen, so dass wir uns schon mal einen Eindruck verschaffen können. Seit heute stehen alle zehn Versionen in der Studiofassung auf Spotify zum Anhören bereit. Die Cover-Songs für die Vorstellungsrunde stellten die Fantastischen Fünf in dieser Woche schon mal im ARD-Moma vor. Vorentscheidung also auf allen Kanälen. Und dennoch gab es im Vorfeld der nationalen Songauswahl selten so wenig medialen Wiederhall, vor allem aber so wenig Vorfreude bei mir persönlich auf die Sendung. Ich schau mir das heute Abend gewissermaßen aus professioneller Verpflichtung an, also weil ich muss. Aber auch wenn ich ungern den nörgeligen Spielverderber gebe: Lust drauf habe ich überhaupt kein bisschen. Woran liegt das? Der Versuch einer Analyse.

Die fabelhafte Conchita wirbt für die Eurovision-App

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Unser Song 2017: 6 Autoren, 5 Künstler, 4 Runden, 2 Songs, 1 App, 0 Landessprache

Heute präzisierte der NDR, wie der dreistündige Vorentscheid Unser Song 2017 am Donnerstag nächster Woche ablaufen soll. Außerdem wissen wir jetzt, dass der deutsche Beitrag für Kiew entweder ‚Wildfire‘ oder ‚Perfect Life‘ heißen wird. Beide Titel wurden von einem jeweils dreiköpfigen, schwerpunktmäßig US-amerikanischen Autorenteam geschrieben, was auch erklärt, warum sich erwartungsgemäß nichts Landessprachliches im Aufgebot befindet. Wie bereits bekannt, gibt es vier Abstimmungsrunden: zunächst treten alle fünf deutschen Nachwuchshoffnungen mit je einem Coversong ihrer Wahl auf. Für zwei von ihnen ist danach bereits Schluss: nur die drei Bestplatzierten in der Zuschauerabstimmung ziehen in die nächste Runde und stellen dort den ersten der beiden zur Wahl stehenden Songs vor, jede/r von ihnen in einem anderen, auf sie bzw. ihn zugeschnittenen Arrangement. Dann werden die Leitungen wieder geöffnet (Kosten je Anruf: 14 Cent, SMS 20 Cent), und jetzt kommen nur noch zwei Künstler/innen weiter. Die stellen im dritten Durchgang dann beide den zweiten potentiellen Eurovisionstitel vor, wiederum jede/r in ihrer oder seiner persönlichen Interpretation. Nun bestimmt das Publikum, welcher der beiden Songs, gesungen von welchem der beiden Übriggebliebenen, ihm am besten gefällt. Hier stehen also vier mögliche Kombinationen zur Auswahl: Sänger/in A mit ‚Wildfire‘, Sänger/in A mit ‚Perfect Life‘, Sänger/in B mit ‚Wildfire‘ und Sänger/in B mit ‚Perfect Life‘. Bis hierhin verstanden? Gut, denn wir sind noch nicht am Ende!

Eine der fantastischen Fünf: Helene Nissen, hier bei einem Auftritt vor zwei Jahren (Repertoirebeispiel)

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Springer-Schmierblatt ruiniert mal wieder Deutschlands ESC-Chancen

Die Bild kann das Wühlen im Dreck einfach nicht lassen: nachdem die Dortmunder Regionalausgabe von Deutschlands widerlichstem Revolverblatt über ein bevorstehendes Gerichtsverfahren der Eurovisionshoffnung Wilhelm „Sadi“ Richter berichtete und das Funke-Medien-Portal Der Westen die Story aufgriff, zog der talentierteste, aussichtsreichste und charismatischste der fünf vom NDR für den deutschen Vorentscheid Unser Song 2017 ausgesuchten Nachwuchskräfte heute seine Bewerbung zurück. „Berichte über mich verursachen gerade so viel Trubel – das möchte ich erst einmal klären und verarbeiten,“ sagte der 19jährige dem Hamburger Sender. „Ich bin selber verwundert, was mir vorgeworfen wird“. Dabei gehe es um Petitessen wie ein Ebay-Geschäft, bei dem die Ware angeblich nicht angekommen sein soll – wohlgemerkt erst mal nur eine Behauptung, an der nichts dran sein muss. Doch es ist verständlich, dass sich Sadi nicht in Ruhe auf seine Teilnahme am Vorentscheid vorbereiten oder dort eine fröhliche Performance abliefern kann, während die Springerpresse aus dem Hintergrund mit Schmutz wirft: „Ich hatte mich total auf die Teilnahme gefreut, möchte das aber nicht unter diesen Umständen machen. So kann ich nicht unbeschwert auftreten. Deshalb bin ich am 9. Februar schweren Herzens in Köln nicht dabei“. Damit macht die Bild erneut unsere Grand-Prix-Aussichten zunichte – wie schon 2002, als das Blatt mit einer gezielten Lügenkampagne über „Horror-Fans mit Übergewicht“ im Vorfeld der deutschen Vorentscheidung die Chancen der Kelly Family untergrub, um die unliebsame Konkurrenz gegen die hauseigene Kandidatin Isabel Soares, das „Fohlen vom Bohlen“, aus dem Weg zu räumen. Mit der Folge, dass am Ende Corinna May gewann und uns in Tallin blamierte. Der NDR benannte übrigens flugs eine Nachrückerin für Sadi: die 21jährige gebürtige Kölnerin Yosefin Buohler nämlich. Die blonde Halbschwedin, die derzeit in Stockholm lebt, präsentiert sich im Speed-Dating-Interview mit Bürger Lars Dietrich als supersymphatisch und schlagfertig, man hat sie nach zwei Sätzen bereits ins Herz geschlossen. Singen kann sie offensichtlich ganz gut, was sie 2014 bereits bei der schwedischen Ausgabe von DSDS unter Beweis stellte, wie auch im Jahr 2013, als sie vor dem Fußballländerspiel der deutschen Elf gegen Schweden die Nationalhymne intonierte. Dennoch: gegenüber dem von den Heckenschützen der Bild zu Fall gebrachten Dortmunder sind die nunmehr verbliebenen Kandidat/innen von Unser Song 2017 nur zweite Wahl. Super gemacht, Springerblatt!

Immerhin brüht sie nicht im Lichte dieses Glückes: Yosefin „Yo-Yo“ Buohler zerjodelt die deutsche Nationalhymne, sehr zur Freude von Thomas Müller, der sich königlich amüsiert.

Die fantastischen Fünf: Helene singt beim Vorentscheid!

Gestern früh gab der NDR die Namen der glücklichen Fünf bekannt, die es aus der Klasse der 33 in die Endrunde geschafft haben. Darunter auch eine Helene – was aber nicht bedeutet, dass die jahrelangen Gebete der Schlagerfans erhört wurden. Denn nicht die Menschenfischerin ist es, die am 9. Februar 2017 in Köln gegen vier Konkurrent/innen antritt, sondern eine zwanzigjährige Schülerin aus Norddeutschland namens Helene Nissen, die bislang hauptsächlich über die Dörfer tingelte. Sie trifft dort auf die ehrgeizige und hochgradig qualifizierte 25jährige Musikstudentin Levina Lueen und die 21jährige professionelle Youtuberin Felicia Lu Kürbiß, die alleine schon des lustigen Namens wegen gewinnen müsste. Wären da nicht noch die beiden männlichen Mitbewerber, namentlich der 28jährige Axel Feige, der Mann mit dem Fagott und gewissermaßen der Daddy der Truppe, sowie der 19jährige Wilhelm „Sadi“ Richter, ebenfalls Musikstudent und mit einer oktavenreichen, warmen Stimme sowie einer hinreißenden Ausstrahlung gesegnet (Links zu den ausführlichen Porträts der fünf Finalisten finden sich am Ende des Artikels). Ein wenig bizarr erscheint, dass fast alle der fantastischen Fünf Soul und Blues als ihre bevorzugte Musikrichtung angeben, der NDR jedoch beim Kommissionieren der Songs für den Vorentscheid dieses Genre explizit ausschloss. Auf eine große musikalische Bandbreite brauchen wir aber auch unbeachtlich dieser Vorgabe gar nicht erst hoffen: wie gestern dank Nachfrage der Prinzen ebenfalls bekannt wurde, müssen sich die fünf Interpret/innen von Unser Song 2017 zwei Lieder teilen. Also, nicht zwei pro Person, sondern zwei insgesamt. Mit denen müssen sie vier (!) Abstimmungsrunden bestreiten, wobei sie zum Auftakt erstmal Coverversionen anstimmen sollen, damit es nicht all zu eintönig wird. Wobei sich die Frage stellt, ob unter dem angeforderten Material nicht mehr Akzeptables dabei war oder ob das Budget tatsächlich nur für zwei Titel reichte? Dann bei allem wohlfeilen Gemecker über öffentlich-rechtliche Gebührenverschwendung: das erscheint mir dann doch etwas knickrig.

Bedient ein bisschen die Max-Mutzke-Schiene, nur sexier: Sadi (Repertoirebeispiel)

Mehr zu den einzelnen Teilnehmer/innen hier:

Unser Song 2017

Donnerstag, 9. Februar 2017, 20:15 Uhr aus Köln (Raab TV Studios). Fünf Teilnehmer/innen. Moderation: Barbara Schöneberger.
Interpret/in1. Runde (Coversong)StimmenErgebnis
Yosefin BuohlerLove on Top12.748x
Axel FeigeYou know my Name39.242Q
Felicia Lu KürbißDancing on my own13.139x
Levina LueenWhen we were young89.156Q
Helene NissenFolsom Prison Blues49.964Q
Interpret/in2. Runde (Wildfire)StimmenErgebnis
Axel FeigeWildfire47.639Q
Levina LueenWildfire79.811Q
Helene NissenWildfire41.459x
Interpret/in3. Runde (Perfect Life)StimmenErgebnis
Axel FeigePerfect Life57.631x
Levina LueenPerfect Life60.474Q
Axel FeigeWildfire36.266x
Levina LueenWildfire124.326Q
Interpret/in4. Runde (Superfinale)StimmenCharts
Levina LueenWildfire45.285--
Levina LueenPerfect Life100.40728

Die fantastischen Fünf: wer ist Dein/e Favorit/in beim deutschen Vorentscheid 2017?

  • Sadi Richter (zurückgezogen) (47%, 51 Votes)
  • Felicia Lu Kürbiß (19%, 21 Votes)
  • Axel Feige (11%, 12 Votes)
  • Levina Lueen (9%, 10 Votes)
  • Helene Nissen (6%, 7 Votes)
  • Yosefin Buohler (6%, 7 Votes)

Total Voters: 108

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Der NDR will keinen Soul. Und keinen Quatsch!

Von den 33 Nachwuchshoffnungen, die der NDR bislang für den deutschen Eurovisionsvorentscheid Unser Song 2017 castete, kam heute einer abhanden. Wer es von den restlichen 32 ins Fünf-Personen-Finale am 9. Februar 2017 schafft, steht noch nicht fest, genauso wenig wie die Songs für die fantastischen Fünf. Liedvorschläge forderte der NDR bekanntlich bei heimischen und internationalen Komponisten an. Und zwar mit strikten Genre-Vorgaben: „Organischer und authentischer Pop mit englischen Texten“ sei erwünscht, so heißt es in einer Mail an ausgewählte Songschreiber und Verleger, die letzte Woche ihren Weg ins Netz fand. Auch möglich: „Alternative Mainstream, Singer-Songwriter-Pop oder ein zeitgemäßer Dance-Pop-Track“. Ebenso klar weiß der NDR, was er nicht haben will: „Kein R&B oder Soul“! Mit anderen Worten: das, was die Sender-Jury schon in den letzten Jahren bevorzugte – Variationen von beige, kredibel-einschläfernde Dudelfunkmusik, mit der man nirgends aneckt und sich auf keinen Fall blamiert. Die Angst vor etwas Schrägem scheint besonders tief zu sitzen: „Nothing cheesy!“, lautete der imperative Nachsatz. Was nach Rückfrage in Hamburg allerdings nicht als Absage an Schlagerpop zu verstehen sei: man möchte einfach keine „Quatsch-Songs“, so Pressesprecherin Iris Bents gegenüber aufrechtgehn.de. Im Moment befänden sich (noch) deutschsprachige Lieder in der Auswahl für die Show, eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Macht Sinn, denn schließlich müssen am Ende die Songs zu den ausgewählten Kandidat/innen passen bzw. diese sich damit wohl fühlen.

An Rap-Quatsch wie diesem (1999) werden sich die Lästertaschen beim deutschen Vorentscheid 2017 nicht erfreuen können. Schade!

Kein R&B, kein Soul, kein Quatsch beim deutschen Vorentscheid. Das ist...

  • ...bevormundend. Ich würde mir eine breite Auswahl an Genres wünschen. (38%, 56 Votes)
  • ...langweilig. Immer dieses mutlose, fade Einheitsgedudel. Man will wohl wieder 0 Punkte! (27%, 40 Votes)
  • ...richtig, was den "Quatsch" angeht. Trash war in den Neunzigern, ich bin froh, dass das vorbei ist. (18%, 26 Votes)
  • ...gut so! Beim ESC sollte Zeitgemäßes zu hören sein, also macht so eine Vorgabe Sinn. (10%, 15 Votes)
  • ...mir egal. Viel wichtiger finde ich, dass auch was auf deutsch Gesungenes in der Auswahl ist. (7%, 11 Votes)

Total Voters: 148

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