Unser Song 2017: 6 Autoren, 5 Künst­ler, 4 Run­den, 2 Songs, 1 App, 0 Lan­des­spra­che

Heu­te prä­zi­sier­te der NDR, wie der drei­stün­di­ge Vor­ent­scheid Unser Song 2017 am Don­ners­tag nächs­ter Woche ablau­fen soll. Außer­dem wis­sen wir jetzt, dass der deut­sche Bei­trag für Kiew ent­we­der ‘Wild­fire’ oder ‘Per­fect Life’ hei­ßen wird. Bei­de Titel wur­den von einem jeweils drei­köp­fi­gen, schwer­punkt­mä­ßig US-ame­ri­ka­ni­schen Autoren­team geschrie­ben, was auch erklärt, war­um sich erwar­tungs­ge­mäß nichts Lan­des­sprach­li­ches im Auf­ge­bot befin­det. Wie bereits bekannt, gibt es vier Abstim­mungs­run­den: zunächst tre­ten alle fünf deut­schen Nach­wuchs­hoff­nun­gen mit je einem Cover­song ihrer Wahl auf. Für zwei von ihnen ist danach bereits Schluss: nur die drei Best­plat­zier­ten in der Zuschau­er­ab­stim­mung zie­hen in die nächs­te Run­de und stel­len dort den ers­ten der bei­den zur Wahl ste­hen­den Songs vor, jede/r von ihnen in einem ande­ren, auf sie bzw. ihn zuge­schnit­te­nen Arran­ge­ment. Dann wer­den die Lei­tun­gen wie­der geöff­net (Kos­ten je Anruf: 14 Cent, SMS 20 Cent), und jetzt kom­men nur noch zwei Künstler/innen wei­ter. Die stel­len im drit­ten Durch­gang dann bei­de den zwei­ten poten­ti­el­len Euro­vi­si­ons­ti­tel vor, wie­der­um jede/r in ihrer oder sei­ner per­sön­li­chen Inter­pre­ta­ti­on. Nun bestimmt das Publi­kum, wel­cher der bei­den Songs, gesun­gen von wel­chem der bei­den Übrig­ge­blie­be­nen, ihm am bes­ten gefällt. Hier ste­hen also vier mög­li­che Kom­bi­na­tio­nen zur Aus­wahl: Sänger/in A mit ‘Wild­fire’, Sänger/in A mit ‘Per­fect Life’, Sänger/in B mit ‘Wild­fire’ und Sänger/in B mit ‘Per­fect Life’. Bis hier­hin ver­stan­den? Gut, denn wir sind noch nicht am Ende!

Eine der fan­tas­ti­schen Fünf: Hele­ne Nis­sen, hier bei einem Auf­tritt vor zwei Jah­ren (Reper­toire­bei­spiel)

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Sprin­ger-Schmier­blatt rui­niert mal wie­der Deutsch­lands ESC-Chan­cen

Die Bild kann das Wüh­len im Dreck ein­fach nicht las­sen: nach­dem die Dort­mun­der Regio­nal­aus­ga­be von Deutsch­lands wider­lichs­tem Revol­ver­blatt über ein bevor­ste­hen­des Gerichts­ver­fah­ren der Euro­vi­si­ons­hoff­nung Wil­helm “Sadi” Rich­ter berich­te­te und das Fun­ke-Medi­en-Por­tal Der Wes­ten die Sto­ry auf­griff, zog der talen­tier­tes­te, aus­sichts­reichs­te und cha­ris­ma­tischs­te der fünf vom NDR für den deut­schen Vor­ent­scheid Unser Song 2017 aus­ge­such­ten Nach­wuchs­kräf­te heu­te sei­ne Bewer­bung zurück. “Berich­te über mich ver­ur­sa­chen gera­de so viel Tru­bel – das möch­te ich erst ein­mal klä­ren und ver­ar­bei­ten,” sag­te der 19jährige dem Ham­bur­ger Sen­der. “Ich bin sel­ber ver­wun­dert, was mir vor­ge­wor­fen wird”. Dabei gehe es um Peti­tes­sen wie ein Ebay-Geschäft, bei dem die Ware angeb­lich nicht ange­kom­men sein soll – wohl­ge­merkt erst mal nur eine Behaup­tung, an der nichts dran sein muss. Doch es ist ver­ständ­lich, dass sich Sadi nicht in Ruhe auf sei­ne Teil­nah­me am Vor­ent­scheid vor­be­rei­ten oder dort eine fröh­li­che Per­for­mance ablie­fern kann, wäh­rend die Sprin­ger­pres­se aus dem Hin­ter­grund mit Schmutz wirft: “Ich hat­te mich total auf die Teil­nah­me gefreut, möch­te das aber nicht unter die­sen Umstän­den machen. So kann ich nicht unbe­schwert auf­tre­ten. Des­halb bin ich am 9. Febru­ar schwe­ren Her­zens in Köln nicht dabei”. Damit macht die Bild erneut unse­re Grand-Prix-Aus­sich­ten zunich­te – wie schon 2002, als das Blatt mit einer geziel­ten Lügen­kam­pa­gne über “Hor­ror-Fans mit Über­ge­wicht” im Vor­feld der deut­schen Vor­ent­schei­dung die Chan­cen der Kel­ly Fami­ly unter­grub, um die unlieb­sa­me Kon­kur­renz gegen die haus­ei­ge­ne Kan­di­da­tin Isa­bel Soares, das “Foh­len vom Boh­len”, aus dem Weg zu räu­men. Mit der Fol­ge, dass am Ende Corin­na May gewann und uns in Tal­lin bla­mier­te. Der NDR benann­te übri­gens flugs eine Nach­rü­cke­rin für Sadi: die 21jährige gebür­ti­ge Köl­ne­rin Yose­fin Buoh­ler näm­lich. Die blon­de Halb­schwe­din, die der­zeit in Stock­holm lebt, prä­sen­tiert sich im Speed-Dating-Inter­view mit Bür­ger Lars Diet­rich als super­sym­pha­tisch und schlag­fer­tig, man hat sie nach zwei Sät­zen bereits ins Herz geschlos­sen. Sin­gen kann sie offen­sicht­lich ganz gut, was sie 2014 bereits bei der schwe­di­schen Aus­ga­be von DSDS unter Beweis stell­te, wie auch im Jahr 2013, als sie vor dem Fuß­ball­län­der­spiel der deut­schen Elf gegen Schwe­den die Natio­nal­hym­ne into­nier­te. Den­noch: gegen­über dem von den Hecken­schüt­zen der Bild zu Fall gebrach­ten Dort­mun­der sind die nun­mehr ver­blie­be­nen Kandidat/innen von Unser Song 2017 nur zwei­te Wahl. Super gemacht, Sprin­ger­blatt!

Immer­hin brüht sie nicht im Lich­te die­ses Glü­ckes: Yose­fin “Yo-Yo” Buoh­ler zer­jo­delt die deut­sche Natio­nal­hym­ne, sehr zur Freu­de von Tho­mas Mül­ler, der sich könig­lich amü­siert.

Die fan­tas­ti­schen Fünf: Hele­ne singt beim Vor­ent­scheid!

Ges­tern früh gab der NDR die Namen der glück­li­chen Fünf bekannt, die es aus der Klas­se der 33 in die End­run­de geschafft haben. Dar­un­ter auch eine Hele­ne – was aber nicht bedeu­tet, dass die jah­re­lan­gen Gebe­te der Schla­ger­fans erhört wur­den. Denn nicht die Men­schen­fi­sche­rin ist es, die am 9. Febru­ar 2017 in Köln gegen vier Konkurrent/innen antritt, son­dern eine zwan­zig­jäh­ri­ge Schü­le­rin aus Nord­deutsch­land namens Hele­ne Nis­sen, die bis­lang haupt­säch­lich über die Dör­fer tin­gel­te. Sie trifft dort auf die ehr­gei­zi­ge und hoch­gra­dig qua­li­fi­zier­te 25jährige Musik­stu­den­tin Levina Lueen und die 21jährige pro­fes­sio­nel­le You­tube­rin Feli­cia Lu Kür­biß, die allei­ne schon des lus­ti­gen Namens wegen gewin­nen müss­te. Wären da nicht noch die bei­den männ­li­chen Mit­be­wer­ber, nament­lich der 28jährige Axel Fei­ge, der Mann mit dem Fagott und gewis­ser­ma­ßen der Dad­dy der Trup­pe, sowie der 19jährige Wil­helm “Sadi” Rich­ter, eben­falls Musik­stu­dent und mit einer okta­ven­rei­chen, war­men Stim­me sowie einer hin­rei­ßen­den Aus­strah­lung geseg­net (Links zu den aus­führ­li­chen Por­träts der fünf Fina­lis­ten fin­den sich am Ende des Arti­kels). Ein wenig bizarr erscheint, dass fast alle der fan­tas­ti­schen Fünf Soul und Blues als ihre bevor­zug­te Musik­rich­tung ange­ben, der NDR jedoch beim Kom­mis­sio­nie­ren der Songs für den Vor­ent­scheid die­ses Gen­re expli­zit aus­schloss. Auf eine gro­ße musi­ka­li­sche Band­brei­te brau­chen wir aber auch unbe­acht­lich die­ser Vor­ga­be gar nicht erst hof­fen: wie ges­tern dank Nach­fra­ge der Prin­zen eben­falls bekannt wur­de, müs­sen sich die fünf Interpret/innen von Unser Song 2017 zwei Lie­der tei­len. Also, nicht zwei pro Per­son, son­dern zwei ins­ge­samt. Mit denen müs­sen sie vier (!) Abstim­mungs­run­den bestrei­ten, wobei sie zum Auf­takt erst­mal Cover­ver­sio­nen anstim­men sol­len, damit es nicht all zu ein­tö­nig wird. Wobei sich die Fra­ge stellt, ob unter dem ange­for­der­ten Mate­ri­al nicht mehr Akzep­ta­bles dabei war oder ob das Bud­get tat­säch­lich nur für zwei Titel reich­te? Dann bei allem wohl­fei­len Geme­cker über öffent­lich-recht­li­che Gebüh­ren­ver­schwen­dung: das erscheint mir dann doch etwas knick­rig.

Bedient ein biss­chen die Max-Mutz­ke-Schie­ne, nur sexier: Sadi (Reper­toire­bei­spiel)

Mehr zu den ein­zel­nen Teilnehmer/innen hier:

Unser Song 2017

Don­ners­tag, 9. Febru­ar 2017, 20:15 Uhr aus Köln (Raab TV Stu­di­os). Fünf Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger.
Interpret/in1. Run­de (Cover­song)Stim­menErgeb­nis
Yose­fin Buoh­lerLove on Top12.748x
Axel Fei­geYou know my Name39.242Q
Feli­cia Lu Kür­bißDan­cing on my own13.139x
Levina LueenWhen we were young89.156Q
Hele­ne Nis­senFol­som Pri­son Blues49.964Q
Interpret/in2. Run­de (Wild­fire)Stim­menErgeb­nis
Axel Fei­geWild­fire47.639Q
Levina LueenWild­fire79.811Q
Hele­ne Nis­senWild­fire41.459x
Interpret/in3. Run­de (Per­fect Life)Stim­menErgeb­nis
Axel Fei­gePer­fect Life57.631x
Levina LueenPer­fect Life60.474Q
Axel Fei­geWild­fire36.266x
Levina LueenWild­fire124.326Q
Interpret/in4. Run­de (Super­fi­na­le)Stim­menCharts
Levina LueenWild­fire45.285
Levina LueenPer­fect Life100.40728

Die fan­tas­ti­schen Fünf: wer ist Dein/e Favorit/in beim deut­schen Vor­ent­scheid 2017?

  • Sadi Rich­ter (zurück­ge­zo­gen) (47%, 51 Votes)
  • Feli­cia Lu Kür­biß (19%, 21 Votes)
  • Axel Fei­ge (11%, 12 Votes)
  • Levina Lueen (9%, 10 Votes)
  • Hele­ne Nis­sen (6%, 7 Votes)
  • Yose­fin Buoh­ler (6%, 7 Votes)

Total Voters: 108

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Der NDR will kei­nen Soul. Und kei­nen Quatsch!

Von den 33 Nach­wuchs­hoff­nun­gen, die der NDR bis­lang für den deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Unser Song 2017 cas­te­te, kam heu­te einer abhan­den. Wer es von den rest­li­chen 32 ins Fünf-Per­so­nen-Fina­le am 9. Febru­ar 2017 schafft, steht noch nicht fest, genau­so wenig wie die Songs für die fan­tas­ti­schen Fünf. Lied­vor­schlä­ge for­der­te der NDR bekannt­lich bei hei­mi­schen und inter­na­tio­na­len Kom­po­nis­ten an. Und zwar mit strik­ten Gen­re-Vor­ga­ben: “Orga­ni­scher und authen­ti­scher Pop mit eng­li­schen Tex­ten” sei erwünscht, so heißt es in einer Mail an aus­ge­wähl­te Song­schrei­ber und Ver­le­ger, die letz­te Woche ihren Weg ins Netz fand. Auch mög­lich: “Alter­na­ti­ve Main­stream, Sin­ger-Song­wri­ter-Pop oder ein zeit­ge­mä­ßer Dance-Pop-Track”. Eben­so klar weiß der NDR, was er nicht haben will: “Kein R&B oder Soul”! Mit ande­ren Wor­ten: das, was die Sen­der-Jury schon in den letz­ten Jah­ren bevor­zug­te – Varia­tio­nen von beige, kre­di­bel-ein­schlä­fern­de Dudel­funk­mu­sik, mit der man nir­gends aneckt und sich auf kei­nen Fall bla­miert. Die Angst vor etwas Schrä­gem scheint beson­ders tief zu sit­zen: “Not­hing chee­sy!”, lau­te­te der impe­ra­ti­ve Nach­satz. Was nach Rück­fra­ge in Ham­burg aller­dings nicht als Absa­ge an Schla­ger­pop zu ver­ste­hen sei: man möch­te ein­fach kei­ne “Quatsch-Songs”, so Pres­se­spre­che­rin Iris Bents gegen­über aufrechtgehn.de. Im Moment befän­den sich (noch) deutsch­spra­chi­ge Lie­der in der Aus­wahl für die Show, eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung sei jedoch noch nicht gefal­len. Macht Sinn, denn schließ­lich müs­sen am Ende die Songs zu den aus­ge­wähl­ten Kandidat/innen pas­sen bzw. die­se sich damit wohl füh­len.

An Rap-Quatsch wie die­sem (1999) wer­den sich die Läs­ter­ta­schen beim deut­schen Vor­ent­scheid 2017 nicht erfreu­en kön­nen. Scha­de!

Kein R&B, kein Soul, kein Quatsch beim deut­schen Vor­ent­scheid. Das ist…

  • …bevor­mun­dend. Ich wür­de mir eine brei­te Aus­wahl an Gen­res wün­schen. (38%, 56 Votes)
  • …lang­wei­lig. Immer die­ses mut­lo­se, fade Ein­heits­ge­du­del. Man will wohl wie­der 0 Punk­te! (27%, 40 Votes)
  • …rich­tig, was den “Quatsch” angeht. Trash war in den Neun­zi­gern, ich bin froh, dass das vor­bei ist. (18%, 26 Votes)
  • …gut so! Beim ESC soll­te Zeit­ge­mä­ßes zu hören sein, also macht so eine Vor­ga­be Sinn. (10%, 15 Votes)
  • …mir egal. Viel wich­ti­ger fin­de ich, dass auch was auf deutsch Gesun­ge­nes in der Aus­wahl ist. (7%, 11 Votes)

Total Voters: 148

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Der NDR stellt vor: die ESC-Klas­se von 2017

Weit über 2.000 jun­ge Talen­te haben sich nach Anga­ben des NDR für das Ticket nach Kiew bewor­ben. 33 von ihnen – und damit die pro­to­ty­pi­sche Schü­ler­zahl einer Klas­se zu mei­ner Zeit – lud der Ham­bur­ger Sen­der am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de zum Vor­sin­gen nach Köln ein. Wie Schüler/innen wir­ken sie denn auch, die Aus­ge­sieb­ten, in den keck “Speed-Dating” genann­ten Drei-Minu­ten-Inter­views mit Bür­ger Lars Diet­rich, mit denen der NDR uns Zuschauer/innen ein ers­tes Beschnup­pern ermög­li­chen will: so unsi­cher, so foh­len­haft auf­ge­regt, so unfass­bar jung vor allem. Doch das Schutz­al­ter müs­sen sie schon erreicht haben, sonst dürf­ten sie ja auch beim Song Con­test nicht mit­ma­chen. Und so kön­nen wir unbe­sorgt unse­re Augen wei­den an sol­chen Hin­gu­ckern wie dem You­tube-Star Ales­san­dro Capas­so (wenn der mal nicht zur Fami­lie gehört, fress’ ich einen Besen!), Bro­Sis-Fan Alex Scu­de­ri, den in sei­ner auf­ge­setzt kum­pel­haf­ten Art uner­träg­li­chen Holz­fäl­ler­hemd­und­hut­trä­ger Mar­vin Schloß­hau­er oder den sin­gen­den Fuß­bal­ler / fuß­ball­spie­len­den Sän­ger und Bart­wuchs­künst­ler Sven Lüch­ten­borg. Wie mei­nen? Was ver­ges­sen? Ach so, ja: Mädels sind eben­so in der Klas­se. So wie die lus­tig benams­te Feli­cia Lu Kür­biß (bei den Zäh­nen aber auch nahe­lie­gend!), das *räus­per* Klas­sen-Nest­häk­chen Elvi­ra Michie­va, die nach eige­ner Aus­sa­ge bereits am Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid in ihrer Hei­mat Aser­bai­dschan teil­nahm (war das vor oder nach 2008, Lie­bes?) und in der Aca­pel­la-Run­de zum Inter­view-Ende mit einer her­vor­ra­gend flowen­den Rapein­la­ge über­rascht, oder die – Nomen est Omen – stimm­star­ke Mary-Ann Bröllochs. Die fünf Klas­sen­bes­ten muss die NDR-Jury nun aus­wäh­len für den deut­schen Vor­ent­scheid am 9. Febru­ar, wo sie dann von sen­der­seits appro­bier­ten inter­na­tio­na­len Song­schrei­bern bei­gesteu­er­tes Lied­gut zu Gehör brin­gen dür­fen.

Alle 33 Kandidat/innen im fremd­schämstar­ken “Speed-Dating”. Wer bei jeder dum­men Fra­ge einen Schnaps trinkt, liegt spä­tes­tens beim drit­ten Clip unter dem Tisch.

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Unser Song 2017”: Lena sucht die neue Lena

Nach den Voll­flops der bei­den letz­ten Jah­re kehrt der NDR für die Ermitt­lung des deut­schen Grand-Prix-Bei­trags 2017 zur Cas­ting­show zurück, wie der Sen­der heu­te bekannt gab. Die­ses For­mat brach­te in Per­son von Lena Mey­er-Land­rut (→ DE 2010, 2011) schließ­lich bereits eine Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin her­vor. Sel­bi­ge Lena wird auch Teil der drei­köp­fi­gen, nicht stimm­be­rech­ti­gen Jury sein (neben dem Pop-Weich­spü­ler Tim Bendzko und Volks­mu­si­kant Flo­ri­an Sil­be­rei­sen), deren Auf­ga­be ledig­lich dar­in besteht, die Auf­trit­te der Nach­wuchs­ta­len­te zu kom­men­tie­ren. Anders als beim klas­si­schen Cas­ting-For­mat wird es aber nur eine ein­zi­ge TV-Sen­dung geben, am 9. Febru­ar 2017, mode­riert von der bewähr­ten Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger. Hier tre­ten fünf Euro­vi­si­ons­hoff­nun­gen an, jeweils mit laut Sen­der­an­ga­ben von “natio­nal und inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Pro­du­zen­ten spe­zi­ell für den ESC 2017 vor­ge­schla­ge­nen” Songs. Wer von den Fün­fen (zuge­las­sen sind nur Einzelsänger/innen, kei­ne Bands) dann nach Kiew fährt, ent­schei­den allei­ne die ARD-Zuschau­er/in­nen. Eine über die Euro­vi­si­ons-App orga­ni­sier­te inter­na­tio­na­le Inter­net-Abstim­mung soll zudem ein “Stim­mungs­bild” dar­über lie­fern, wie der eige­ne Lieb­lings­ti­tel beim Publi­kum außer­halb Deutsch­lands ankom­men könn­te. Mit dem rund­erneu­er­ten Vor­ent­schei­dungs­kon­zept erhofft sich die ARD nach den Wor­ten des Pro­gramm­di­rek­tors Vol­ker Her­res dies­mal wie­der “eine Chan­ce auf eine Top-Ten-Plat­zie­rung”.

Teil der Jury 2017: der Sil­ber­schnie­del. Dür­fen wir also auch auf ein wenig Schla­ger hof­fen?

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Schrei­ber will Fokus künf­tig stär­ker auf den Song legen

Nach zwei letz­ten Plät­zen für Deutsch­land beim Song Con­test will der deut­sche Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che Tho­mas Schrei­ber vom NDR den Fokus beim deut­schen Vor­ent­scheid künf­tig stär­ker auf den Song legen, wie er in einem Inter­view mit Imre Grimm von der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung (HAZ) sag­te. Er möch­te zunächst “natio­nal und inter­na­tio­nal nach Songs suchen – und dann die rich­ti­gen Inter­pre­ten fin­den”. Wie das Ver­fah­ren genau aus­se­hen soll, erläu­ter­te der NDR-Unter­hal­tungs­chef nicht, ergänz­te aber, dass auch wei­ter­hin “das Publi­kum final ent­schei­den” soll. Nach mög­li­chen Grün­den für das schwa­che Abschnei­den von Jamie Lee Krie­witz befragt, ver­wies Schrei­ber haupt­säch­lich auf das Lied: es sei “weder die gro­ße gefühls­be­la­de­ne Bal­la­de noch die mit­rei­ßen­de Uptem­po-Num­mer.” Womit er eines der Kern­pro­ble­me der deut­schen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge der letz­ten Jah­re benennt: die Ten­denz der hei­mi­schen Zuschauer/innen, musi­ka­li­sches Mit­tel­maß zu wäh­len, wie sie es aus dem Dudel­funk ken­nen. Auch ‘Ghost’ fällt in die­se Kate­go­rie: kom­po­si­to­risch gibt es an der Tren­nungs­schmerz­bal­la­de nichts zu mäkeln; im Gegen­satz zu dem teils ster­benspein­li­chen musi­ka­li­schen Son­der­müll, wie wir ihn noch bis weit hin­ein in die Nul­ler Jah­re schick­ten, muss­ten wir uns für den Song nicht schä­men. Das allei­ne genügt aber nicht: die Kon­kur­renz ist über die­se “Bloss-kei­nen-Schrott-Pha­se” schon lan­ge hin­aus und spielt auf Sieg, nicht auf Platz. ‘Ghost’ klang als Lied resi­gna­tiv: es erzählt die Geschich­te einer geschei­ter­ten Bezie­hung, in der zwar jeder weiß, dass es so nicht mehr wei­ter gehen kann, aber kei­ner den Mut für zunächst schmerz­li­che, aber letzt­lich befrei­en­de Ver­än­de­run­gen auf­bringt. Dass es den Vor­ent­scheid gewann, erzählt viel über den aktu­el­len, mut- und rat­lo­sen Gemüts­zu­stand der Deut­schen.

Kei­ne Anten­nen für inter­na­tio­nal Kon­kur­renz­fä­hi­ges: Jamie Lee bedien­te vor allem den deut­schen Zeit­geist

wei­ter­le­senSchrei­ber will Fokus künf­tig stär­ker auf den Song legen

Deutsch­land und der Geist der Euro­vi­si­on

Das Erwar­te­te ist ein­ge­tre­ten, und doch wur­de es kurz vor Ende noch mal span­nend: im Super­fi­na­le von Unser Lied für Stock­holm setz­te sich heu­te Abend die von vor­ne her­ein als Favo­ri­tin gehan­del­te The-Voice-Sie­ge­rin Jamie Lee Krie­witz gegen Alex Diehl und Avan­ta­sia durch. Für einen klei­nen Schre­ckens­mo­ment sah es so aus, als kön­ne der dicke Bay­er dem lus­tig auf­ge­bre­zel­ten Man­ga-Mäd­chen noch gefähr­lich wer­den, über­zeug­te sein zwei­ter Auf­tritt im Super­fi­na­le doch deut­lich mehr als der von Jamie Lee. Und im After-Sta­ge-Inter­view mit der fan­tas­tisch auf­ge­leg­ten Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger wirk­te er super­sym­pha­tisch auf­ge­regt und authen­tisch, so dass ein klei­ner Elai­za-Moment der Ver­zau­be­rung zu befürch­ten stand. Doch der Kelch ging an uns vor­über: mit knapp 45% der Stim­men konn­te Frau Krie­witz (deren Pres­se­kon­fe­renz aus Grün­den des Jugend­schut­zes bis Punkt 23 Uhr been­det sein muss­te – wir sind schließ­lich in Deutsch­land!) das Ticket nach Stock­holm lösen, wo es für ihr sehr pro­fes­sio­nell prä­sen­tier­tes, aber ziem­lich ödes, rihan­nes­kes Lied­chen dann bes­ten­falls für einen unte­ren Mit­tel­feld­platz rei­chen dürf­te. Und so will sich über den Aus­gang von ULFS auch eher Erleich­te­rung ein­stel­len denn ech­te Begeis­te­rung. Immer­hin: dafür, dass der Vor­ent­scheid nach dem Nai­doo-Desas­ter so schnell aus dem Hut gezau­bert wer­den muss­te, ist das Ergeb­nis recht vor­zeig­bar.

Ob sich der Geist von Cro in ihrem Kopf­schmuck mani­fes­tier­te?

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Unser Lied für Stock­holm: wer gewinnt heu­te Abend?

In weni­gen Stun­den ist es soweit: das Schick­sal Deutsch­lands ent­schei­det sich. Also, genau­er gesagt, die Fra­ge, ob wir es in Stock­holm mal wie­der auf eine Posi­ti­on ober­halb von Rang 20 schaf­fen. Was natür­lich davon abhängt, ob das eher geschmacks­re­sis­ten­te deut­sche Publi­kum wie­der, wie üblich, den am wenigs­ten erfolg­ver­spre­chen­den Song her­aus­sucht (lies: ‘Nur ein Lied’) oder zur Abwechs­lung mal was wirk­lich Gutes (lies: ‘Pro­tec­ted’). Die Chan­ce besteht zumin­dest theo­re­tisch, die Aus­wahl ist so breit und viel­fäl­tig wie sel­ten. Alle Künstler/innen haben ges­tern geprobt, aus­führ­li­che Berich­te mit ein­drück­li­chen Foto­stre­cken gibt es bei den Prin­zen. Die haus­ei­ge­ne Ein­schät­zung der zehn poten­ti­el­len Lie­der für Stock­holm fin­det sich hier. Heu­te gab der NDR die Start­rei­hen­fol­ge bei ULFS bekannt: den Auf­takt macht Ella End­lich, die im ver­zwei­fel­ten Ver­such, weni­ger wie ein bil­li­ges Hele­ne-Imi­tat zu wir­ken, zur Andrea-Berg-Metho­de greift und uns im durch­sich­ti­gen klei­nen Schwar­zen und mit halb­nack­ten Tän­zern die Schla­ger­schlam­pe gibt. Für Auf­merk­sam­keit sor­gen dürf­te auch die immense, erfolg­reich vom schlim­men Song ablen­ken­de Mate­ri­al­schlacht der Gre­go­ri­an-Mön­che, die Hit­ler-goes-Pop­per-Fri­sur des Woods-of-Birn­am-Front­man­nes Chris­ti­an Frie­del, der je nach Geschmack herz­er­wär­men­de oder brech­reiz­er­re­gen­de, drei­spra­chig an die Wand pro­ji­zier­te Song­text von Frie­dens­en­gel Alex Diehl und die stim­mungs­vol­le Mond­land­schaft, in der die Top-Favo­ri­tin Jamie Lee Krie­witz her­um­steht. Sie­gel-Stern­chen Lau­ra Pin­ski setzt im ster­nen­über­sä­ten Alio­na-Moon-Gedächt­nis­kleid den ret­tungs­los nost­al­gi­schen Schluss­punkt, gewis­ser­ma­ßen das Ver­söh­nungs­an­ge­bot für das von der mode­ra­ten Moder­ni­tät der zuvor gezeig­ten Acts womög­lich über­for­der­te ARD-Stamm­pu­bli­kum jen­seits der Sech­zig. Und jetzt gilt es: wel­ches wird Unser Lied für Stock­holm? Eure Ein­schät­zung, bit­te!

Brei­te Aus­wahl: alle zehn Vor­ent­schei­dungs­ti­tel im Über­blick

wei­ter­le­senUnser Lied für Stock­holm: wer gewinnt heu­te Abend?

Von Göte­borg nach Stock­holm: ein Kes­sel Bun­tes vom Vor­ent­scheid

Mei­ne Güte, was ein Stress: in Köln fan­den heu­te bereits die ers­ten Gene­ral­pro­ben statt für den mor­gi­gen deut­schen Vor­ent­scheid Unser Lied für Stock­holm, bei denen tat­säch­lich alles auf die lang­wei­ligs­te Opti­on hin­aus­zu­lau­fen scheint; auf den Song, der mich am käl­tes­ten lässt: auf das farb­lo­se ‘Ghost’ von Cas­ting­show-Stern­chen Jamie Lee Krie­witz näm­lich. Gähn. Doch so viel ist noch nach­zu­ho­len, so vie­le Ereig­nis­se sta­peln sich noch aus den letz­ten Tagen, dass sie nur noch in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge abzu­ar­bei­ten sind. Begin­nen wir mit dem Halb­fi­na­le der let­ti­schen Super­no­va vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag: dort pas­sier­te zwar musi­ka­lisch nichts Neu­es mehr, ging es ja nur noch um das Ein­damp­fen der Finalteilnehmer/innen. Um so lus­ti­ger die unver­mit­tel­te Zwangs­pau­se, als LTV unmit­tel­bar nach dem Auf­tritt der Band Catalep­sia, auf den eigent­lich die übli­che Kom­men­tie­rung durch die Jury fol­gen soll­te, plötz­lich die Wer­bung ein­spiel­te. Die im Inter­net­stream nicht gezeigt wird, wes­we­gen die inter­na­tio­na­len Zuschau­er sahen, wie Super­bär­chen und 2009-Ver­tre­ter Intars Busu­li, der gera­de zu sei­nem Vor­trag anset­zen woll­te, rüde aus dem Off abge­würgt wer­den muss­te. Auch der zur Publi­kums­be­spa­ßung in den Pau­sen eigens ein­ge­kauf­te Riga Biber wur­de von den Gescheh­nis­sen über­rascht und konn­te nicht sofort ein­sprin­gen. Als Aus­lö­se­rin des gan­zen Cha­os ent­pupp­te sich indes eine ande­re Super­no­va-Teil­neh­me­rin, Saman­ta Tīna.

Komm, wir trin­ken erst mal ein Glas Wein: Lecker­li Intars weiß, wie man Pau­sen über­brückt (LV)

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