ESC 1981: Take you from behind

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Das Jahr des Trickkleids

Die Deutschen schäumten vor Zorn, waren aufrichtig erbost! Im Land weilende Schweizer zeigten sich im April 1981 gut beraten, ihre Herkunft zu verschweigen. Nachdem wir schon im Vorjahr nur knapp an der Eurovisionskrone vorbeischrammten, gingen wir diesmal um so siegessicherer ins Rennen. Eine so wunderbare Rührschnulze mit Behindertenmitleidsbonus hatten wir extra gewählt, und die mit unüberhörbar fränkisch rollendem „R“ intonierende („Die Jungen dort drrraußen, die rrriefen nur hinter ihm her“) Lena Valaitis sang sauber, wohltimbriert und voller Leidenschaft und Anmut die bittersüße Ballade vom blinden Jungen ‚Johnny Blue‘ direkt in alle Herzen hinein. Selbst die Buchmacher sahen uns ganz vorne.

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DE 1981: Lieder können grausam sein

Lena Valaitis, DE 1981
Die Fränkische

Business as usual bei der deutschen Vorentscheidung. Der Bayerische Rundfunk behielt nach dem Erfolg von Katja Ebstein ([DE 1970, 1971, 1980, DVE 1975] die zum Dank diesmal moderieren durfte, was nicht unbedingt zu ihren allerstärksten Talenten gehört) die Verantwortung und führte das Konzept unverändert fort. Selbst die Studiodekoration blieb die gleiche. Trotz einiger prominenter Namen lag das künstlerische Niveau in diesem Jahr jedoch ausgesprochen niedrig – dass es im Verlaufe des anstehenden Jahrzehnts in noch abgründigere Tiefen sänke, vermochte man sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen. Das hatte mit einem Generationswechsel zu tun, den man in München hartnäckig ignorierte. Während in den Verkaufscharts und selbst in Dieter Thomas Hecks (DVE 1961ZDF-Hitparade eine fröhliche, vom Punk und New Wave inspirierte Revolution namens Neue Deutsche Welle tobte, zog man es vor, sich beim Vorentscheid nach dem Motto „Augen zu und durch“ auf den Schlagerfriedhof zu verkriechen, auch wenn dies bedeutete, die musikalische Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs zu verspielen.

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