ESC 1984: Im Augenblick der Illusion

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Das Jahr der goldenen Schuhe

Ein Katastrophenjahrgang, so das einhellige Urteil in der Pressenachschau. Dem konnte man als Zuschauer nur beipflichten: mittlerweile schickten fast alle Länder ausschließlich auf den vermuteten Jurygeschmack zugeschnittene Liedkost. Die bestand entweder aus seichten, künstlich munteren Plastikpopnummern mit ewiggleicher Choreografie oder aus altbackenen Balladen, in denen Sängerinnen aus der vierten und fünften Reihe versuchten, mit dünnen Stimmchen dick aufzutragen. Ernst zu nehmende, auch kommerziell erfolgreiche Popacts, die noch in den Siebzigern den Song Contest bevölkerten, suchte man vergebens. Einen Lichtblick bot lediglich Desirée Nosbusch, die trotz ihres jugendlichen Alters fünfsprachig und mit Witz und Esprit durch die Show führte, so als sei sie dafür geboren.

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DE 1984: Mit Stolz in meinen Augen

Mary Roos, DE 1984
Die Geknickte

Der knapp fünfjährige deutsche Lauf neigte sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die Beiträge der diesjährigen Vorentscheidung, zu allem Übel auch noch moderiert durch den personifizierten Sprechdurchfall Sabine Sauer, zeichneten sich samt und sonders durch musikalische Grausamkeit und inhaltliche Belanglosigkeit aus. ‚Wo warst Du, als ich starb?‘, diese von einem Teilnehmer gestellte Frage konnte stellvertretend für den deutschen Schlager stehen. Und aus Sicht der Zuschauer/innen beantwortet werden mit: vor dem Fernseher. Und zwar – am Vorabend des für April 1984 terminierten Starts des von Leo-Kirch-Spezl Helmut Kohl mit Kanzlermacht durchgedrückten Privatfernsehens – in durchaus beeindruckender Zahl. Das sollte aber nicht mehr all zu lange so bleiben, und nach diesem Offenbarungseid der öffentlich-rechtlichen TV-Unterhaltung verwundert der Zuschauerschwund der Folgejahre nicht.

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