ESC 1986: Du weisst, ich liebe das Leben

Logo des Eurovision Song Contest 1986
Das Jahr des weißen Rauschens

So viel Pomp, so viele schlechte Lieder! Der damalige Kronprinz und heutige König Norwegens, das nach 28 Teilnahmen und sechs Roten Laternen erstmals den Grand Prix austragen durfte, ließ es sich nicht nehmen, nebst Gemahlin und Kindern dem festlichen Ereignis beizuwohnen. Auch die Moderatorin der Show, Åse Kleveland, zählt fraglos zum Eurovisionsadel: zwanzig Jahre zuvor, 1966, war die Liedermacherin mit dem progressiven Folkstück Intet er nytt under Solen beim Wettbewerb angetreten und belegte den dritten Platz. Danach distanzierte sie sich zwar zunächst vom Grand Prix, was sie aber nicht davon abhielt, nun mit dem gestrengen Auftreten und der Frisur einer Domina im malerischen Bergen durch einen Abend musikalischer Abgründe zu führen. Nur wenige Jahre darauf übernahm sie übrigens das Amt der Kultusministerin. Meinen Respekt!

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DE 1986: Unsere einzige Welt

Ingrid Peters, DE 1986
Die Magersüchtige

Sie fing schon mit einem Knaller an, die vom Bayerischen Rundfunk leicht anrüchig als „Endausscheidung“ apostrophierte Vorauswahl 1986: gerade groovten sich die Vorjahresvertreter Wind (DE 1985, 1987, 1992, DVE 1998, 1999) auf der Bühne des Deutschen Theaters zu München zum Vollplayback von ‚Für alle‘ ein, da klemmte bereits nach wenigen Sekunden das Band. Dazu hilflos-nervtötendes Gestammel von einer absurd auftoupierten Frau mit dem sprechenden Namen Sabrina Lallinger, während ihre Komoderatorin dermaßen grauenhafte Limericks stolpernd vom Blatt ablesen musste, dass man sich die Einführung der Scharia in Deutschland herbeisehnte, um die hierfür verantwortlichen BR-Redakteure mit Stockschlägen bestrafen zu dürfen. Nicht aber die Ableserin, die charmante Wencke Myhre (DE 1968, DVE 1983), die den Abend mit einem freud’schen Versprecher perfekt zusammenfasste: „Noch zwei Lieder, dann haben die Zuschauer die Wahl der Qual“!

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