Die Fünfziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1956 bis 1959.

Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten <span class="caps">ESC</span>
1956, Die Fünfziger, ESC Finale, Internationale Vorentscheidungen

Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten ESC

Womit wäre die eurovisionäre Sommerpause besser zu überbrücken als mit Meldungen aus der reichhaltigen Geschichte des Wettbewerbs? So ist es dem schottischen Eurovisionsfan David A. Allen nach hartnäckigem Drängen gelungen, lange Zeit verschollene Dokumente aus dem Stadtarchiv von Lugano auszugraben, wo 1956 die Premiere des europäischen Gesangswettbewerbs über die Bühne ging. Und zwar deswegen, weil die Schweiz als neutrales Land im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb und seinerzeit über die intakteste und fortschrittlichste TV-Infrastruktur verfügte. Da der Song Contest auch eine Leistungsschau des Fernsehens sein sollte, fiel die Wahl beim konstituierende EBU-Eurovisions-Treffen in Rom im Oktober 1955 dementsprechend auf die Eidgenossen. Die gaben die Stafette an den Sender ...
Zei­tungs­be­richt von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punk­ten
1956, Die Fünfziger, Diese Welt, Unsere Lieblinge

Zei­tungs­be­richt von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punk­ten

Wie die Fan-Seite Eurofestival Italia in dieser Woche enthüllte, soll es sich bei dem ersten Grand-Prix-Sieg in der mehr als sechzigjährigen Geschichte des Wettbewerbs um einen sehr eindeutigen gehandelt haben. Einer der Fan-Seite zufolge aus einem Archiv ausgegrabenen Besprechung des Premieren-Wettbewerbs im schweizerischen Lugano in der Tageszeitung La Stampa vom 25. Mai 1956 zufolge konnte Lys Assia (→ CH 1956, 1957, 1958) für ihr Lied 'Refrain' 102 Punkte auf sich vereinen. Bislang wusste man lediglich, dass die Jurys sie zur Siegerin gekürt hatten, danach aber alle Stimmzettel vernichteten, so dass kein genaueres Ergebnis bekannt war. Bis auf kurze Ausschnitte aus der Siegerreprise besteht auch keine Bildaufzeichnung des Ereignisses. Da bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs nur siebe...
<span class="caps">ESC</span> 1959: Man­cher jodelt noch im Schlaf
1959, Die Fünfziger, ESC Finale

ESC 1959: Man­cher jodelt noch im Schlaf

Nein, eine Vorentscheidung hätten sie nicht mitgemacht, die international umjubelten Synchrontänzerinnen und -ausseherinnen Alice und Ellen Kessler, also gab es keine: der damals für den deutschen Grand-Prix-Beitrag zuständige Hessische Rundfunk bestimmte sie direkt zu den germanischen Vertreterinnen in Cannes. Deutschlands bekannteste eineiige Zwillinge, die in einem NDR-Interview später behaupteten, zu diesem Auftritt vertraglich gezwungen worden zu sein, stellten aber noch weitere Bedingungen: 'Heute möcht' ich bummeln', wie das Lied zunächst heißen sollte, erschien ihnen als Titel zu brav, die naheliegende Abwandlung 'Heute möcht’ ich fummeln' hingegen vielleicht doch etwas zu direkt, also frisierte ihre Textdichterin Astrid Voltmann den Song in 'Heut' Abend möcht' ich tanzen gehn' u...
Schwei­zer Vor­ent­scheid 1959: Die Lys ist weg!
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1959: Die Lys ist weg!

Etwas Ungeheuerliches musste geschehen sein. Stand die helvetische Konföderation vor einer inneren Zerreißprobe? Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung (sprich: in den Jahren 1956 und 1957, für 1958 liegen leider keinerlei Informationen über das eidgenössische Auswahlverfahren vor) traten beim schweizerischen Vorentscheid stets drei Künstler:innen gegeneinander an, jeweils entsandt aus den drei verschiedenen Sprachregionen der Eidgenossenschaft, so dass niemand sich benachteiligt oder unberücksichtigt fühlen konnte. 1959 hingegen fand sich nicht ein einziges italienischsprachiges Canzone im Aufgebot. Und auch die für die Deutschschweiz bis dato immer verlässlich parat stehende und im Vorentscheid stets siegreiche Lys Assia blieb dem Bewerb unerklärlicherweise fern, obschon sie doch im V...
Natio­naal Song­fes­ti­val 1959: Ein biss­chen sie­gen
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1959: Ein biss­chen sie­gen

Nach dem (verdienten) letzten Platz für die Niederlande beim Eurovision Song Contest 1958 nahm der verantwortliche Sender einige Veränderungen vor am heimischen Vorentscheid, dem Nationaal Songfestival (NSF). Dem Vorbild Italiens folgend, präsentierte man die acht Wettbewerbsbeiträge daher in jeweils zwei unterschiedlichen Versionen, davon eine mit großem Orchester und eine in einer etwas zurückgenommeneren Variante. Die bisher übliche, für Manipulationen anfällige Abstimmung per Postkarte ersetzte der Sender durch eine frühe Art des Televotings: in zwölf Gemeinden der Tulpennation stimmten jeweils zehn handverlesene Zuschauer:innen telefonisch ab, deren Ergebnisse man als regionale Jurys zusammenfasste. Bei den am NSF teilnehmenden Künstler:innen hingegen griff man auf Bewährtes zurück: v...
Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1959: Piep piep piep, bit­te hab mich lieb
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1959: Piep piep piep, bit­te hab mich lieb

Es ist, so muss ich schweren Herzens hier berichten, hinsichtlich des belgischen Auswahlverfahrens zum Eurovision Song Contest doch oftmals ein ziemlich vages Stochern im historischen Nebel der Fünfzigerjahre, wohl nicht zuletzt aufgrund der kulturellen Zweiteilung des Landes. Während sämtliche Details über die wallonische Vorentscheidung des Vorjahres bis heute im Dunkeln liegen, ist über die flämische Vorauswahl des Jahres 1959 immerhin so viel bekannt, dass es zwei im Wochenabstand abgehaltene Vorrunden mit jeweils neun (vollständig verschollenen) Titeln gab, aus denen nur die beiden Siegersongs ins Finale gelangten. Bei dem einen handelte es sich um die 'Levenssymphonie' der "flämischen Doris Day", Josephine Leemans-Verbustel (oder kürzer Jo Leemans), die dieses Etikett von der Presse ...
Dansk Melo­di Grand Prix 1959: Der Kuss des Todes
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1959: Der Kuss des Todes

Das Schlagerpärchen Birthe Wilke und Gustav Winkler, das bereits 1957 den Premierenbeitrag des skandinavischen Landes beim Eurovision Song Contest präsentierte, dominierte auch den dritten Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) im Jahre 1959. Diesmal sangen die Zwei jedoch nicht gemeinsam, sondern konkurrierten solo. Außerdem intonierten sie jeweils ein Duett mit anderen Künstler:innen. Gustav paarte sich - rein musikalisch natürlich! - mit einer Dame mit dem schönen Namen Grete Klitgaard, zweifellos die dänische Bezeichnung für einen Keuschheitsgürtel. Birthe tat es hingegen mit dem Schauspieler und Sänger Preben Uglebjerg. Die beiden Letztgenannten versuchten es daneben ebenfalls solo, wobei Preben mit 'Latinersangen (Peblinge cha-cha-cha)' einen vom Songtitel her recht vielversprechenden Beitra...
A Song for Euro­pe 1959: Die Baum­schän­der
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

A Song for Euro­pe 1959: Die Baum­schän­der

Nach einer einjährigen Schmollpause kehrte die BBC 1959 auf Initiative ihres neuen, eurovisionsaffinen Unterhaltungschefs Eric Maschwitz, der als Komponist 1956 selbst zwei Lieder zum damaligen, zu spät terminierten britischen Vorentscheid beigesteuert hatte, zum europäischen Wettbewerb zurück. Das schlichtweg British Final benannte Auswahlverfahren bestand diesmal aus zwei Vorrunden mit jeweils sechs Beiträgen, wobei die 1957 noch obligatorische orchestrale Zweitversion jedes Titels wegfiel. Die Sieger der Veranstaltung, das auch im echten Leben miteinander verheiratete Schlagerpärchen Pearl Carr und Teddy Johnson, schickten gleich zwei Beiträge ins Rennen, von denen 'That's it, that's Love' allerdings im Semi kleben blieb. Um so größer fiel die Zustimmung sowohl unter den Mitbewerber:inn...
San-Remo-Fes­ti­val 1959: Ver­span­nun­gen im Vati­kan
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

San-Remo-Fes­ti­val 1959: Ver­span­nun­gen im Vati­kan

Erfolg gebiert meist noch mehr Erfolg: nachdem 'Volare', der Vorjahressiegertitel des San-Remo-Festivals, in zahllosen Coverversionen weltweit die Hitparaden erobert hatte, wuchs die Zuschauer:innenzahl der diesjährigen, wiederum als Grand-Prix-Vorentscheid genutzten Festspiele des italienischen Canzone, die per Eurovision erneut in etlichen europäischen Ländern zur Ausstrahlung gelangte, auf geschätzte 20 Millionen. Auch in der ligurischen Kurstadt, so weiß Wikipedia zu berichten, stürmten Fans die Hotels und das städtische Kasino, in welchem der Wettbewerb damals stattfand. Der Rummel forderte mit San-Remo-Star Claudio Villa gar ein Opfer: renitente Autogrammjäger:innen belagerten ihn so hart, dass er sich eine Verrenkung der Schulter zuzog. Im Wettstreit mit alten und neuen Konkurrent:i...
Melo­di­fes­ti­va­len 1959: Oh, ist das ein Mann
1959, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Melo­di­fes­ti­va­len 1959: Oh, ist das ein Mann

Heutzutage genießt das schwedische Melodifestivalen (MF) bei Fans einen fast unantastbaren Status als das Maß aller Dinge in Sachen Eurovisionsvorentscheidungen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, der 1959 mit einem ausgesprochen skurrilen und unnötig komplizierten Auswahlverfahren begann. Hatte es sich der Sender SVT bei seiner Grand-Prix-Premiere 1958 mit einer internen Nominierung noch ziemlich leicht gemacht, so betrieb man diesmal einen ungleich höheren Aufwand: in sage und schreibe acht (!) Radio-Vorrunden zu je zwei Liedern, die seit Oktober 1958 unter dem Namen Säg det med Musik: Stora Schlagertävlingen über den Äther gingen und bei denen die Zuschauer:innen per Briefwahl abstimmen durften, sammelte man acht Songs für das TV-Finale im Stockholmer Cirkus. Gleich zwei davon trug...
<span class="caps">ESC</span> 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re
1958, Die Fünfziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

"Dreimal dabei: bitte nicht wiederwählen!" hieß es, die Älteren erinnern sich, in der ZDF-Hitparade immer dann, wenn sich ein Schlager zum dritten Mal in Folge "placiert" hatte, wie Dieter Thomas Heck es so schön pseudopolyglott aussprach. Dann durfte man als Zuschauer:in für selbigen keine Postkarte mehr schicken bzw. nicht mehr anrufen. Eine solche Regel existiert beim Eurovision Song Contest zwar logischerweise nicht, dennoch endete im dritten Jahr seines Bestehens die Dauerteilnahme von gleich zwei Künstlerinnen, die ihn beide bereits seit dem Start in Lugano begleiteten. Nämlich zum einen die Niederländerin und Vorjahressiegerin Corry Brokken, die auch diesmal die Tabelle anführte - allerdings vom anderen Ende aus gesehen. Das nenne ich mal einen harten Absturz! Wenn auch einen verd...
Dansk Melo­di Grand Prix 1958: Ver­gam­mel­te Spei­sen
1958, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1958: Ver­gam­mel­te Spei­sen

Wenig Spannendes gibt es über den Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) von 1958 zu berichten, den zweiten seiner Art. Das knutschende Vorjahresschlagerpärchen Birthe Wilke und Gustav Winckler nahm erneut am dänischen Eurovisionsvorentscheid teil, beide nicht zum letzten Mal. Den am vielversprechendsten klingenden, im Netz jedoch leider unauffindbaren Titel steuerte der hauptsächlich als Filmschauspieler in Erscheinung getretene Preben Neergaard bei: 'Mit gamle Hakkebræt' sollte keinesfalls als Protestsong gegen den vergammelten Hackbraten in der DR-Kantine zu verstehen sein, sondern als Lobgesang auf sein Instrument, die Zither (auch als Hackbrett bekannt). Sechs Beiträge traten insgesamt gegeneinander an, aus denen eine zehnköpfige Jury die besonders langweilige Ballade 'Ich reiße eine Seite au...
Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wol­ken
1958, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wol­ken

Gegen Corry Brokken schien Ende der Fünfzigerjahre einfach kein Kraut gewachsen zu sein! Zum dritten Mal in Folge trat sie beim niederländischen Nationaal Songfestival an, und zum dritten Mal in Folge setzte sie sich in der Publikumsabstimmung mit deutlichem Abstand durch. Erneut belegte sie sogar gleich die beiden ersten Plätze, denn jede:r der diesmal sechs Teilnehmer:innen durfte mit zwei Liedern antreten. Entweder war die 2016 Verstorbene, nicht zuletzt aufgrund ihres Siegs beim europäischen Wettbewerb in Frankfurt am Main im Vorjahr, damals tatsächlich die beliebteste Sängerin Hollands, oder sie verfügte über einen besonders gut organisierten Fanclub, der fleißig Abstimmungspostkarten für sie einschickte. Ihre Ballade 'Heel de Wereld' ('Die ganze Welt') brachte das Kunststück fertig, ...
Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bru­der
1958, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bru­der

Nach dem aufwändigen und chaotischen französischen Vorentscheidungsverfahren von 1957 mit seinen zahlreichen Vorrunden und seinem Interpretinnenwechsel in letzter Minute stand in diesem Jahr der gallische Vertreter bereits von vorneherein fest: der seinerzeit bereits 42jährige André Claveau, ein schon seit den Vierzigern im Lande sehr erfolgreicher und technisch versierter Pariser Schnulzensänger und Schlagerfilm-Mitwirkender, der sich durch seine samtene Stimme und seinen Hang zu schmalzigen Liedern besonderer Beliebtheit bei der weiblichen Zuhörerinnenschaft erfreute, wenngleich er selbst einer finnschwedischen Eurovisionsseite zufolge wohl dem eigenen Geschlecht zugeneigt gewesen sei. Was er, so der Journalist Tobson, im vergleichsweise toleranten "gay" Paris relativ offen ausleben konn...
San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau
1958, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

Er sollte einen unsterblichen Welthit hervorbringen, dieser Jahrgang des San-Remo-Festivals, das erneut als italienische Eurovisionsvorentscheidung fungierte. Der bislang auch für die Inhalte zuständige Staatssender Rai legte die Organisation des Wettbewerbs nunmehr vollständig in die Hände des Tourismusbüros der ligurischen Kurstadt - schließlich verfolgte der festliche Event in erster Linie den Zweck der Fremdenverkehrswerbung - und beschränkte sich auf die Übertragung der Show. Inhaltlich blieb jedoch alles beim Alten: erneut gab es zwei Vorrunden mit je zehn Liedern, die jeweils von zwei meist arrivierten Künstler:innen unterschiedlich interpretiert wurden. Zehn davon schafften es ins Finale am Samstag. Darunter auch eine eingängige, ohrwurmhafte Melodie namens 'Nel blu dipinto di bl...
Deut­scher Vor­ent­scheid 1958: Wollt Ihr hei­ße Musik?
1958, Deutsche Vorentscheidung, Die Fünfziger

Deut­scher Vor­ent­scheid 1958: Wollt Ihr hei­ße Musik?

Um mit den Teletubbies zu sprechen: "Noch mal, noch mal"! Nicht nur die Schweiz und die Niederlande übten sich in den Fünfzigerjahren beim Aufstellen ihrer Eurovisionsvertreterinnen im Ewiggleichen, sondern auch die Deutschen. Denn wie schon im Vorjahr gewann erneut die unverwüstliche Margot Hielscher die heimische Vorauswahl zum Grand Prix, welche diesmal als Kooperation des Hessischen Rundfunks und des WDR in Dortmund stattfand. Auch die Siegerin hielt sich an Bewährtes und blieb dem Thema Unterhaltungselektronik treu. Nach dem 'Telefon, Telefon' besang sie diesmal die Jukebox, den schrankgroßen, meist in Gaststätten stationierten Vorläufer des MP3-Players (bzw. von Spotify), an welchem es damals 'Für zwei Groschen Musik' gab. https://youtu.be/Z12n3vK8gOc Miss Muziekapparat: Madame H...
<span class="caps">ESC</span> 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?
1957, Die Fünfziger, ESC Finale

ESC 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?

Kein Jahrgang ohne grundlegende Neuerungen, zumindest in der Gründungsphase des Eurovision Song Contests: stimmten die Juroren bei der Grand-Prix-Premiere von 1956 noch geheim ab und erfuhren wir außer dem Siegertitel keine weitergehenden Platzierungen, so feierte das heutige Herzstück der TV-Show, die stets das komplette letzte Drittel der Sendezeit okkupierende und stets die höchsten Einschaltquoten des Abends erzielende öffentliche Stimmenauszählung, beim zweiten Wettbewerb in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main seinen Einstand. Die Durchgabe der Ländervoten erfolgte natürlich fernmündlich. Geschickt nahmen die Gastgeber hierauf Bezug: "Telefon, Telefon / Lang war ich allein / Sag, wann werde ich zum Lohn / Endlich glücklich sein" frug die deutsche Vertreterin Margot Hielscher sich ...
Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Sie­ben­ge­schei­ten
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Sie­ben­ge­schei­ten

Frankreich, in den Gründerjahren des Grand Prix Eurovision eine der häufigsten Siegernationen und im Hinblick auf die damalige durchgängige Bestückung des Wettbewerbs mit möglichst frankophil klingenden Chansons stilistisch tonangebend, neigte bei der Auswahl seiner Wettbewerbsbeiträge (wie auch heutzutage noch) mit nur wenigen Ausnahmen meist zum internen Verfahren. Und obwohl bei der Eurovisionspremiere von 1956 vonseiten der EBU ein nationaler Vorentscheid vorgeschrieben gewesen sein soll, bestimmte der gallische Sender seine beiden ersten Repräsentantinnen Dany Dauberson (†1979) und Mathé Altéry auf eben diese Weise. Die letztgenannte, in Paris geborene Operettensängerin fand sich ebenfalls im Teilnehmer:innenkreis des bizarren Vorentscheidungsverfahrens von 1957 wieder, das unter dem ...
Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris

Belgien, das ist das Bosnien-Herzegowina Westeuropas: ein kulturell wie politisch unheilbar geteiltes Land, bestehend aus zwei sich gegenseitig mit tief sitzendem Misstrauen beäugenden Völkern (hier: die niederländisch sprechenden Flamen und die französisch parlierenden Wallonen), mehr schlecht als recht zusammengehalten von einem gemeinsamen Königshaus sowie von einer von niemandem so wirklich respektierten Bundesregierung, die stets am Rande der politischen Handlungsunfähigkeit dahinmanövriert. Dass noch keine Blauhelmsoldaten der UN einmarschieren mussten, verdankt der Beneluxstaat vor allem seiner finanziellen (und der daraus folgenden gesellschaftlichen) Stabilität sowie dem fein austarierten Proporz der Institutionen. So existieren neben zwei Regionalparlamenten auch zwei getrennte R...
Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge

Dansk Melodi Grand Prix (DMGP): so hieß der dänische Vorentscheid zum Eurovision Song Contest bei seiner Premiere im Jahre 1957, und so heißt er heuer noch immer. Damals wie heute bevölkerte fast ausschließlich Superseichtes den skandinavischen Wettbewerb, denn wie ihre südlichen Nachbarn, die Deutschen, mögen es auch die Dän:innen in ihrer breiten Masse musikalisch eher kantenlos und weichgespült. Während sich die kulturelle Einfallslosigkeit heutzutage meistens auf zehn mehr oder minder uniforme Beiträge und zehn Interpret:innen verteilt, wählte der veranstaltende Sender Dansk Radio (DR) damals lediglich zwei Künstler:innen aus, die sowohl gegen- als auch miteinander antraten. Die junge Kopenhagenerin Birthe Wilke stellte solo zwei Titel vor, konnte mit dem beliebten Schlagerthema "Frühl...
Deut­scher Vor­ent­scheid 1957: Wenn Dein Ruf erklingt
1957, Deutsche Vorentscheidung, Die Fünfziger

Deut­scher Vor­ent­scheid 1957: Wenn Dein Ruf erklingt

Völlig gleichgültig, wo der Eurovision Song Contest jeweils stattfindet: stets geht das Sendesignal zuerst in meine heißgeliebte Heimatstadt Frankfurt am Main, von wo aus es der hier beheimatete Hessische Rundfunk per Satellit an alle angeschlossenen Rundfunkstationen verteilt. Doch auch die Veranstaltung selbst gastierte hier bereits: 1957 nämlich, im zweiten Jahr ihres Bestehens und ein ganzes Dezennium vor meiner Geburt in nämlicher Bankenmetropole. Im prachtvollen, damals noch goldbrämten großen Sendesaal des Funkhauses am Dornbusch, nach Kriegsende ursprünglich mal als Domizil für den Deutschen Bundestag errichtet, bevor auf heimtückisches Hintertreiben des seinerzeitigen Kanzlers Konrad Adenauer (CDU) ein rheinländisches Kaff namens Bonn absurderweise den Hauptstadt-Zuschlag bekam,...
A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ersten Jahr des von der BBC mitinitiierten Eurovision Song Contests, konnten die Briten aus organisatorischer Unfähigkeit nicht an den europäischen Festspielen teilnehmen. Zwar hielten auch sie einen am Vorbild des italienischen San-Remo-Festivals orientierten Liederwettbewerb ab. Doch das mit zahlreichen Vorrunden versehene Festival of British popular Songs ging bizarrerweise erst am 22. Oktober 1956 zu Ende, mithin fünf Monate zu spät für den ESC. Und obschon mit Petula Clark ein erfolgreicher Kinderstar daran teilnahm, brachte es nicht einen einzigen Hit hervor. Nur drei Monate später, am 22. Januar 1957, startete die BBC dennoch unverdrossen die zweite Ausgabe des Formates. Welches diesmal auch zur Ermittlung des britischen Grand-Prix-Beitrags diente, denn die selbst empfunden...
Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Wie in den Niederlanden setzte man in den späten Fünfzigerjahren auch in der Eidgenossenschaft auf Kontinuität beim Eurovisionsvorentscheid. Wie bereits 1956 traten erneut drei Künstler:innen (je eine:r pro Landesteil) mit insgesamt elf Titeln zum Vorsingen an. Dabei schickte die Romandie, wie noch so oft, erneut Jo Roland, der 'Avec vingt Sous', mit 20 Pfennigen also, im Hochpreisland Schweiz nicht sehr weit kam. In Deutschland hätte das zumindest für einen Wunschtitel in der Jukebox gereicht, denn dort bekam man bekanntlich 'Für zwei Groschen Musik'! Der Sender des deutschsprachigen Teils delegierte wiederum die Vorjahressiegerin Lys Assia, die mit ganzen fünf Beiträgen den Abend komplett dominierte. Darunter fanden sich nicht nur aus heutiger Sicht schon vom Liedtitel her extrem verstau...
Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer

Business as usual bereits im zweiten Jahr des niederländischen Eurovisionsvorentscheides, dem Nationaal Songfestival: erneut traten vier Künstler:innen gegeneinander an, die wie schon im Vorjahr jeweils zwei Lieder vortragen durften; erneut stimmte in vorbildlich demokratischer Weise das Publikum per Postkartenzuschrift über das Ergebnis ab; erneut kam die Sendung aus den AVRO-Studios in Hilversum und erneut führte Karin Kraaykamp durch den Abend. Mit der Sängerin Corry Brokken fand sich sogar eine der Teilnehmerinnen des Vorjahres erneut im Line-up, und erneut (!) machte sie das Rennen. Und zwar mit der so geschmack- wie dezent schwungvollen Ballade 'Net als toen', die in Frankfurt am Main, wo der Grand Prix 1957 stattfand, sogar die Krone holen sollte. https://youtu.be/h_p-2jWOlFw Zwei...
San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men

Das wohlmeinende Experiment war gescheitert: hatte man 1956 beim San-Remo-Festival, dem auch als italienischen Vorentscheid genutzten ligurischen Musikfestival, die etablierten Sänger:innen mit den großen Namen außen vor gehalten, um dem musikalischen Nachwuchs eine Chance zu geben, so holte der verantwortliche Sender Rai aufgrund des ausgesprochen geringen öffentlichen Zuspruchs bereits ein Jahr später die Stars wieder zurück. Es gab zwei Vorrunden mit jeweils zehn Titeln, von denen sich jeweils die Hälfte per Jury-Entscheid für das samstägliche Finale qualifizierte. So jedenfalls die Planung. Tatsächlich flog in den Semis in letzter Sekunde noch das Lied 'La cosa più bella' heraus, da es sich herausstellte, dass davon verbotenerweise bereits vor dem Wettbewerb eine Plattenaufnahme existi...