Kategorie-Archiv: Die Fünfziger

Eurovisionshistorie: die Wettbewerbe von 1956 bis 1959.

ESC 1959: Mancher jodelt noch im Schlaf

Logo des Eurovision Song Contest 1959

1959: Das Jahr der Revuen

Nein, eine Vorentscheidung hätten sie nicht mitgemacht, die zu diesem Zeitpunkt schon international erfolgreichen Synchrontänzerinnen und -ausseherinnen Alice und Ellen Kessler, also gab es keine. Deutschlands bekannteste eineiige Zwillinge, die in einem NDR-Interview später behaupteten, zu diesem Auftritt vertraglich gezwungen worden zu sein, stellten aber noch weitere Bedingungen: ‘Heute möcht’ ich bummeln’ erschien ihnen als Titel zu brav, die nahe liegende Abwandlung ‘Heute möcht’ ich fummeln’ hingegen vielleicht doch etwas zu direkt, also frisierte man ihr Lied in ‘Heut’ Abend möcht’ ich tanzen gehn’ um. Trotz all der Änderungen empfanden die Beiden die Nummer als “nicht gut” – da muss ich doch entschieden widersprechen!

Weiterlesen

ESC 1958: Risotto am Lagio Maggore

Logo des Eurovision Song Contest 1958

1958: Das Jahr des Déjà vu

Nein, bei Lena Meyer-Landrut handelt es sich  keineswegs um die erste Eurovisionssiegerin der Geschichte, die sich tollkühn an der Titelverteidigung versuchte. Bereits Lys Assia, die Premierensiegerin von 1956, trat im Folgejahr erneut an. Die 1957 siegreiche Niederländerin Corry Brokken folgte ihrem mutigen Beispiel und wurde gar nochmals Erste - leider jedoch vom anderen Tabellenende aus gesehen. Da schlug sich das deutsche Fräuleinwunder beim Zweitversuch doch deutlich besser, auch wenn sie rein numerisch auf dem selben Tabellenplatz (#10) landete wie Frau Brokken.

Weiterlesen

DVE 1958: Wollt Ihr heiße Musik?

Margot Hielscher, DE 1958

Die DJane

Um mit den Teletubbies zu sprechen: “Noch mal, noch mal!” Schon zum zweiten Mal in Folge gewann Margot Hielscher die deutsche Vorauswahl zum Grand Prix. Sie blieb dem Thema Unterhaltungselektronik treu. Nach dem Telefon besang sie in diesem Jahr die Jukebox, wo es damals noch ‘Für zwei Groschen Musik’ gab. Für die Nachgeborenen: beim “Groschen” handelte es sich um eine Zehn-Pfennig-Münze. Zwei Groschen stellten also den Gegenwert von 20 Pfennigen dar. Das sind in derzeitiger Währung nominal 0,10 € und nach Kaufkraftentwicklung ungefähr 0,50 €. Und welch eine Auswahl bekam man dafür geboten!

Weiterlesen

ESC 1957: Hallo, Kopenhagen?

Logo des Eurovision Song Contest 1957

Das Jahr der Zunge

Telefon, Telefon / Lang war ich allein / Sag, wann werde ich zum Lohn / Endlich glücklich sein?’ Dies frug die deutsche Vertreterin Margot Hielscher sich und das Publikum. Wie jede nagelneue Kommunikationstechnik wurde also auch schon der Fernsprechapparat bereits kurz nach seiner Markteinführung zur Date-Anbahnung mißbraucht genutzt! Für den nicht deutsch sprechenden Teil Europas visualisierte Frau Hielscher die Thematik äußerst anschaulich, indem sie während ihres Gesangsvortrags innig mit einem Telefonhörer schmuste. Eurovision leicht gemacht!

Weiterlesen

DVE 1957: Wenn Dein Ruf erklingt

Margot Hielscher, DE 1957

Das Fräulein vom Amt

In diesem Jahr fand verbürgtermaßen ein deutscher Vorentscheid statt, integriert in eine Unterhaltungsshow mit dem beliebten Showmaster Kuli. Und zwar in der Stadt, aus der auch der Grand Prix selbst übertragen werden sollte: in Frankfurt am Main, meiner Heimatstadt! Aus lediglich vier Finalteilnehmern erwählte der hässliche Hessische Rundfunk Margot Hielscher mit ihrer topaktuellen Ballade über eine technische Errungenschaft, über die damals nur wenige europäische Haushalte verfügten: ‘Telefon, Telefon’! Das melancholische Chanson über eine Telefonistin, die tagsüber die große weite Welt am Hörer hat und abends vergeblich auf einen Anruf wartet, der sie aus der Einsamkeit erlöst, vermochte die Jury zu becircen.

Weiterlesen

ESC 1956: Da hilft auch kein Flattiern

Logo des Eurovision Song Contest 1956

Das Jahr des Anfangs

“Wer hat’s erfunden?”: der bekannte Werbeclaim eines schweizerischen Hustenpastillenherstellers eignet sich perfekt zur Illustration des neuesten Disputes um die Urheberschaft des beliebtesten und erfolgreichsten Unterhaltungsevents der Welt, des Eurovision Song Contest. Gilt allgemein der eidgenössische TV-Generaldirektor und damalige EBU-Programmbeauftragte Marcel Bezençon als geistiger Vater des paneuropäischen Events, so beansprucht der britische Buchautor Gordon Roxburgh in seiner 2012 erschienenen Fibel Songs for Europe, Volume 1, eine Mittäterschaft des heimischen Schauspielers Michael Brennan und des BBC-Generaldirektors Sir Ian Jacob an der Einführung des Gesangswettbewerbs.

Weiterlesen

DVE 1956: Ach die armen, armen Leute

Walter Andreas Schwarz, DE 1956

Die Winselstute

Okay, 1956 weilte ich noch nicht einmal auf diesem Planeten. Der erste Grand Prix, den ich mit Sicherheit live sah, war der von 1979. Für die Zeit davor kann ich mich nur auf Videoaufzeichnungen stützen, wobei für 1956 allerdings keine solche existiert. Oder wiedergeben, was andere Quellen, insbesondere Jan Feddersens kompetente Eurovisionsbibel ’Ein Lied kann eine Brücke sein’, offenbaren. Doch für das Gründungsjahr des Grand Prix Eurovision de la Chanson stochern auch diese ziemlich im Nebel.

Weiterlesen