1957

In mei­ner Hei­mat­stadt Frank­furt am Main gas­tier­te der Grand Prix Euro­vi­si­on bei sei­ner zwei­ten Aus­ga­be – lei­der zehn Jah­re vor mei­ner Geburt! Erst­mals tauch­te das heu­ti­ge Kern­stück der Show auf, die Wer­tungs­se­quenz; sei­ner­zeit noch unter Zuhil­fe­nah­me des Tele­fons.

<span class="caps">ESC</span> 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?
1957, Die Fünfziger, ESC Finale

ESC 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?

Kein Jahrgang ohne grundlegende Neuerungen, zumindest in der Gründungsphase des Eurovision Song Contests: stimmten die Juroren bei der Grand-Prix-Premiere von 1956 noch geheim ab und erfuhren wir außer dem Siegertitel keine weitergehenden Platzierungen, so feierte das heutige Herzstück der TV-Show, die stets das komplette letzte Drittel der Sendezeit okkupierende und stets die höchsten Einschaltquoten des Abends erzielende öffentliche Stimmenauszählung, beim zweiten Wettbewerb in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main seinen Einstand. Die Durchgabe der Ländervoten erfolgte natürlich fernmündlich. Geschickt nahmen die Gastgeber hierauf Bezug: "Telefon, Telefon / Lang war ich allein / Sag, wann werde ich zum Lohn / Endlich glücklich sein" frug die deutsche Vertreterin Margot Hielscher sich ...
Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Sie­ben­ge­schei­ten
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Sie­ben­ge­schei­ten

Frankreich, in den Gründerjahren des Grand Prix Eurovision eine der häufigsten Siegernationen und im Hinblick auf die damalige durchgängige Bestückung des Wettbewerbs mit möglichst frankophil klingenden Chansons stilistisch tonangebend, neigte bei der Auswahl seiner Wettbewerbsbeiträge (wie auch heutzutage noch) mit nur wenigen Ausnahmen meist zum internen Verfahren. Und obwohl bei der Eurovisionspremiere von 1956 vonseiten der EBU ein nationaler Vorentscheid vorgeschrieben gewesen sein soll, bestimmte der gallische Sender seine beiden ersten Repräsentantinnen Dany Dauberson (†1979) und Mathé Altéry auf eben diese Weise. Die letztgenannte, in Paris geborene Operettensängerin fand sich ebenfalls im Teilnehmer:innenkreis des bizarren Vorentscheidungsverfahrens von 1957 wieder, das unter dem ...
Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris

Belgien, das ist das Bosnien-Herzegowina Westeuropas: ein kulturell wie politisch unheilbar geteiltes Land, bestehend aus zwei sich gegenseitig mit tief sitzendem Misstrauen beäugenden Völkern (hier: die niederländisch sprechenden Flamen und die französisch parlierenden Wallonen), mehr schlecht als recht zusammengehalten von einem gemeinsamen Königshaus sowie von einer von niemandem so wirklich respektierten Bundesregierung, die stets am Rande der politischen Handlungsunfähigkeit dahinmanövriert. Dass noch keine Blauhelmsoldaten der UN einmarschieren mussten, verdankt der Beneluxstaat vor allem seiner finanziellen (und der daraus folgenden gesellschaftlichen) Stabilität sowie dem fein austarierten Proporz der Institutionen. So existieren neben zwei Regionalparlamenten auch zwei getrennte R...
Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge

Dansk Melodi Grand Prix (DMGP): so hieß der dänische Vorentscheid zum Eurovision Song Contest bei seiner Premiere im Jahre 1957, und so heißt er heuer noch immer. Damals wie heute bevölkerte fast ausschließlich Superseichtes den skandinavischen Wettbewerb, denn wie ihre südlichen Nachbarn, die Deutschen, mögen es auch die Dän:innen in ihrer breiten Masse musikalisch eher kantenlos und weichgespült. Während sich die kulturelle Einfallslosigkeit heutzutage meistens auf zehn mehr oder minder uniforme Beiträge und zehn Interpret:innen verteilt, wählte der veranstaltende Sender Dansk Radio (DR) damals lediglich zwei Künstler:innen aus, die sowohl gegen- als auch miteinander antraten. Die junge Kopenhagenerin Birthe Wilke stellte solo zwei Titel vor, konnte mit dem beliebten Schlagerthema "Frühl...
Deut­scher Vor­ent­scheid 1957: Wenn Dein Ruf erklingt
1957, Deutsche Vorentscheidung, Die Fünfziger

Deut­scher Vor­ent­scheid 1957: Wenn Dein Ruf erklingt

Völlig gleichgültig, wo der Eurovision Song Contest jeweils stattfindet: stets geht das Sendesignal zuerst in meine heißgeliebte Heimatstadt Frankfurt am Main, von wo aus es der hier beheimatete Hessische Rundfunk per Satellit an alle angeschlossenen Rundfunkstationen verteilt. Doch auch die Veranstaltung selbst gastierte hier bereits: 1957 nämlich, im zweiten Jahr ihres Bestehens und ein ganzes Dezennium vor meiner Geburt in nämlicher Bankenmetropole. Im prachtvollen, damals noch goldbrämten großen Sendesaal des Funkhauses am Dornbusch, nach Kriegsende ursprünglich mal als Domizil für den Deutschen Bundestag errichtet, bevor auf heimtückisches Hintertreiben des seinerzeitigen Kanzlers Konrad Adenauer (CDU) ein rheinländisches Kaff namens Bonn absurderweise den Hauptstadt-Zuschlag bekam,...
A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ersten Jahr des von der BBC mitinitiierten Eurovision Song Contests, konnten die Briten aus organisatorischer Unfähigkeit nicht an den europäischen Festspielen teilnehmen. Zwar hielten auch sie einen am Vorbild des italienischen San-Remo-Festivals orientierten Liederwettbewerb ab. Doch das mit zahlreichen Vorrunden versehene Festival of British popular Songs ging bizarrerweise erst am 22. Oktober 1956 zu Ende, mithin fünf Monate zu spät für den ESC. Und obschon mit Petula Clark ein erfolgreicher Kinderstar daran teilnahm, brachte es nicht einen einzigen Hit hervor. Nur drei Monate später, am 22. Januar 1957, startete die BBC dennoch unverdrossen die zweite Ausgabe des Formates. Welches diesmal auch zur Ermittlung des britischen Grand-Prix-Beitrags diente, denn die selbst empfunden...
Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Wie in den Niederlanden setzte man in den späten Fünfzigerjahren auch in der Eidgenossenschaft auf Kontinuität beim Eurovisionsvorentscheid. Wie bereits 1956 traten erneut drei Künstler:innen (je eine:r pro Landesteil) mit insgesamt elf Titeln zum Vorsingen an. Dabei schickte die Romandie, wie noch so oft, erneut Jo Roland, der 'Avec vingt Sous', mit 20 Pfennigen also, im Hochpreisland Schweiz nicht sehr weit kam. In Deutschland hätte das zumindest für einen Wunschtitel in der Jukebox gereicht, denn dort bekam man bekanntlich 'Für zwei Groschen Musik'! Der Sender des deutschsprachigen Teils delegierte wiederum die Vorjahressiegerin Lys Assia, die mit ganzen fünf Beiträgen den Abend komplett dominierte. Darunter fanden sich nicht nur aus heutiger Sicht schon vom Liedtitel her extrem verstau...
Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer

Business as usual bereits im zweiten Jahr des niederländischen Eurovisionsvorentscheides, dem Nationaal Songfestival: erneut traten vier Künstler:innen gegeneinander an, die wie schon im Vorjahr jeweils zwei Lieder vortragen durften; erneut stimmte in vorbildlich demokratischer Weise das Publikum per Postkartenzuschrift über das Ergebnis ab; erneut kam die Sendung aus den AVRO-Studios in Hilversum und erneut führte Karin Kraaykamp durch den Abend. Mit der Sängerin Corry Brokken fand sich sogar eine der Teilnehmerinnen des Vorjahres erneut im Line-up, und erneut (!) machte sie das Rennen. Und zwar mit der so geschmack- wie dezent schwungvollen Ballade 'Net als toen', die in Frankfurt am Main, wo der Grand Prix 1957 stattfand, sogar die Krone holen sollte. https://youtu.be/h_p-2jWOlFw Zwei...
San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men

Das wohlmeinende Experiment war gescheitert: hatte man 1956 beim San-Remo-Festival, dem auch als italienischen Vorentscheid genutzten ligurischen Musikfestival, die etablierten Sänger:innen mit den großen Namen außen vor gehalten, um dem musikalischen Nachwuchs eine Chance zu geben, so holte der verantwortliche Sender Rai aufgrund des ausgesprochen geringen öffentlichen Zuspruchs bereits ein Jahr später die Stars wieder zurück. Es gab zwei Vorrunden mit jeweils zehn Titeln, von denen sich jeweils die Hälfte per Jury-Entscheid für das samstägliche Finale qualifizierte. So jedenfalls die Planung. Tatsächlich flog in den Semis in letzter Sekunde noch das Lied 'La cosa più bella' heraus, da es sich herausstellte, dass davon verbotenerweise bereits vor dem Wettbewerb eine Plattenaufnahme existi...