ESC 1999: Don’t work on a Mon­day

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Das Jahr der dicken Din­ger

In die­sem Jahr gelang es dem NDR-Ver­ant­wort­li­chen Jür­gen Mei­er-Beer nach meh­re­ren Anläu­fen, mit dem Weg­fall der über­kom­me­nen Spra­chen­re­gel und des Orches­ters die bei­den letz­ten Bau­stei­ne sei­ner Grand-Prix-Reform durch­zu­set­zen und den Con­test so – kurz vor der Jahr­tau­send­wen­de – end­lich in die pop­mu­si­ka­li­sche Gegen­wart zu über­füh­ren. Die Teil­neh­mer nutz­ten die neue lin­gu­is­ti­sche Frei­heit weid­lich: jeder zwei­te Bei­trag kam auf Eng­lisch daher, der Welt­spra­che des Pop. Das war und ist in eini­gen Fäl­len scha­de (Bal­kan­bal­la­den klin­gen in einem der zahl­rei­chen sla­wi­schen Dia­lek­te ein­fach ein­dring­li­cher), manch­mal bes­ser (die Mit­singbar­keit lei­det im Hebräi­schen oder Islän­di­schen nun mal), sorg­te aber vor allem dafür, dass nicht mehr, wie zuletzt, auto­ma­tisch Irland oder Groß­bri­tan­ni­en gewin­nen. End­lich ech­te Chan­cen­gleich­heit!

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DE 1999: Das ist nicht okay

Sürpriz, DE 1999
Die Rein­ge­sie­gel­ten (2)

Auch im Jah­re Eins nach Guil­do Horn schlu­gen die emo­tio­na­len Wel­len hoch bei der deut­schen Vor­ent­schei­dung. Das hat­te aller­dings weni­ger mit pola­ri­sie­ren­den Teil­neh­mern oder der (über­wie­gend mau­en) musi­ka­li­schen Güte der Bei­trä­ge zu tun, son­dern mit einem fie­sen Maul­wurf und einer betro­ge­nen Sie­ge­rin. Sowie dem schlech­ten Ein­fluss von Deutsch­lands größ­tem Schund­blatt, mit dem der öffent­lich-recht­li­che NDR eine unheil­vol­le Alli­anz ein­ge­gan­gen war.

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ESC 1998: Schön­heit, Grö­ße

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Das his­to­ri­sche Jahr

Ein Jahr­gang für die Geschichts­bü­cher. Eine Zäsur. Der wich­tigs­te Sieg in der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te. Der Super­la­ti­ve las­sen sich vie­le bemü­hen, doch kei­nes ver­mag die his­to­ri­sche Dimen­si­on des von der bri­ti­schen Kom­men­ta­to­ren­le­gen­de Ter­ry Wogan mode­rier­ten Con­tests rich­tig zu fas­sen. End­lich war das Tel­e­vo­ting für alle1)Mit Aus­nah­me zwei­er Län­der, die noch über kein aus­rei­chend sta­bi­les Mobil­funk­netz verfügten Pflicht. End­lich konn­ten sich bei der Abstim­mung die bei den Zuschau­ern mehr­heits­fä­hi­gen Stü­cke durch­set­zen und nicht die­je­ni­gen, die einem kon­ser­va­tiv-ver­staub­ten Musik­ver­ständ­nis obsku­rer “Experten”-Teams ent­spra­chen. End­lich Schluss mit der Bevor­mun­dung, den kras­sen Fehl­ur­tei­len und dem Gescha­cher hin­ter den Kulis­sen. End­lich Demo­kra­tie!

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1. Mit Aus­nah­me zwei­er Län­der, die noch über kein aus­rei­chend sta­bi­les Mobil­funk­netz verfügten

DE 1998: Die Zeit voll Har­mo­nie und Glück

Guildo Horn, DE 1998
Der Ret­ter

Mit dem Islän­der Paul Oscar, den die ARD als Star­gast zur deut­schen Vor­ent­schei­dung ein­flie­gen ließ, und der schel­misch “alle Swü­le” im Bre­mer Publi­kum grüß­te, wor­über sich Mode­ra­tor Axel “Alexis” Bult­haupt beson­ders strah­lend freu­te, hat­te der Grand Prix Euro­vi­si­on, schon seit jeher die jähr­li­che Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft der Schwu­len, im Vor­jahr end­lich sein offi­zi­el­les Com­ing Out geschafft. So erscheint die Teil­nah­me von Rosen­stolz an der dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­dung nur fol­ge­rich­tig.

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ESC 1997: Ich brauch was Grö­ße­res

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Das Com­ing Out

In die­sem Jahr fand die bei­na­he unum­kehr­bar geglaub­te iri­sche Sie­ges­se­rie ihr abrup­tes Ende. Auch wenn es  für Marc Roberts und sei­ne ‘Mys­te­rious Woman’ noch zu einem zwei­ten Platz reich­te: 70 Punk­te Abstand zum Sie­ger spra­chen eine deut­li­che Spra­che. Und das soll­te erst der Anfang sein! Nach dem Quo­ten- und Finanz­de­sas­ter des Vor­jah­res, bedingt durch das unfrei­wil­li­ge Aus­schei­den Deutsch­lands, begann hin­ter den Kulis­sen ein fol­gen­rei­ches Umge­stal­ten. Auf­grund hin­hal­ten­den Wider­stands der Grand-Prix-Tra­di­tio­na­lis­ten kamen die drin­gend not­wen­di­gen Refor­men zwar nur scheib­chen­wei­se – auf­zu­hal­ten waren sie aber nicht mehr.

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DE 1997: Wie schnell der Wind sich dreht

Bianca Shomburg, DE 1997
Die Unzeit­ge­mä­ße

In klei­nen Schrit­ten, aber um so beharr­li­cher tas­te­te sich Dr. Jür­gen Mei­er-Beer, Unter­hal­tungs­chef des NDR und Deutsch­lands neu­er Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­cher, in die rich­ti­ge Rich­tung vor. In Jan Fed­der­sens Euro­vi­si­ons­bi­bel ‘Ein Lied kann eine Brü­cke sein’ schil­dert er, wie sich bei der über­fäl­li­gen Refor­mie­rung des hoff­nungs­los ver­staub­ten Wett­be­werbs “in kaf­ka­es­ker Wei­se immer neue Euro­vi­si­ons­gre­mi­en” auf­ta­ten, die “haupt­säch­lich aus älte­ren Her­ren” bestan­den, wel­che im Grand Prix die Instanz zur Ret­tung irgend­ei­nes hohen Kul­tur­gu­tes sahen und sich JMB bei sei­nen Moder­ni­sie­rungs­plä­nen in den Weg stell­ten. Braucht halt alles sei­ne ‘Zeit’.

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ESC 1996: Bin fieb­rig vor Ver­lan­gen

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Der Genick­bruch der Jurys

Für ein deut­lich höhe­res Inter­es­se als das eigent­li­che Teil­neh­mer­feld sorg­te in die­sem Jahr der Aus­wahl­s­kan­dal im Vor­feld des Wett­be­werbs. Nach der Erwei­te­rung der EBU gen Ost­eu­ro­pa, wo bei­na­he stünd­lich neue Staa­ten ent­stan­den, woll­ten heu­er 30 Län­der mit­ma­chen beim Grand Prix Euro­vi­si­on. Soll­te die Ver­an­stal­tung, die laut Regle­ment erst um 21 Uhr MEZ anfan­gen darf1)Das ent­spricht 20 Uhr bri­ti­scher Zeit, dem Beginn der Prime­time bei der BBC, die bei der Fest­le­gung die­ser Zeit­mar­ke das Sagen hat­te. Wes­we­gen die ARD die Lücke zwi­schen tages­schau und ESC immer mit die­ser schlim­men Grand-Prix-Par­ty über­brü­cken muss. Schlech­ter traf es aller­dings die nach­träg­lich dazu­ge­kom­me­nen Ost­län­der: in Mos­kau beginnt die Show um 23 Uhr, in Baku (Aser­bai­dschan) gar erst um Mitternacht., nicht bis tief in die Nacht aus­ge­dehnt wer­den, muss­te man das Teil­neh­mer­feld begren­zen. Bis­lang bedeu­te­te das für die schlech­test­plat­zier­ten Län­der des Vor­jah­res, jeweils eine Run­de aus­zu­set­zen, doch dies­mal hat­te man eine neue Idee.

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1. Das ent­spricht 20 Uhr bri­ti­scher Zeit, dem Beginn der Prime­time bei der BBC, die bei der Fest­le­gung die­ser Zeit­mar­ke das Sagen hat­te. Wes­we­gen die ARD die Lücke zwi­schen tages­schau und ESC immer mit die­ser schlim­men Grand-Prix-Par­ty über­brü­cken muss. Schlech­ter traf es aller­dings die nach­träg­lich dazu­ge­kom­me­nen Ost­län­der: in Mos­kau beginnt die Show um 23 Uhr, in Baku (Aser­bai­dschan) gar erst um Mitternacht.

DE 1996: Der Count­down läuft

Leon, DE 1996
Der Fri­sör

Das Posi­ti­ve an einem Tief­punkt ist, dass es danach nur auf­wärts gehen kann. Nach­dem der MDR sei­ne Inkom­pe­tenz in Sachen Pop­mu­sik sechs Jah­re lang unter Beweis stel­len und Deutsch­land euro­pa­weit bis auf die Kno­chen bla­mie­ren durf­te, gab der Zonen­sen­der die Zustän­dig­keit ab. Der Nord­deut­sche Rund­funk über­nahm und führ­te wie­der eine öffent­li­che Vor­ent­schei­dung ein. Denn unter kei­nen Umstän­den woll­te der Sen­der die Ver­ant­wor­tung für ein wei­te­res Punk­te­de­ba­kel allei­ne tra­gen. Und, so Jür­gen Mei­er-Beer im Fed­der­sen-Inter­view: “Auf kei­nen Fall soll­te Deutsch­land sie­gen, sonst hät­te der NDR das teu­re Grand-Prix-Fina­le aus­rich­ten müs­sen”. Also soll­ten die Zuschau­er den poten­zi­el­len Ver­lie­rer­ti­tel selbst per TED aus­su­chen, dann konn­ten sie sich hin­ter­her wenigs­tens nicht beschwe­ren.

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ESC 1995: Auch die Nacht geht mal vor­über

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Der his­to­ri­sche Tief­punkt

Möch­te man den defi­ni­ti­ven Tief­punkt des Euro­vi­si­on Song Con­test ver­or­ten: hier ist er! Das Elend begann bereits Zuhau­se: der zustän­di­ge Zonen­sen­der MDR nomi­nier­te ohne jeg­li­ches Vor­auswahl­ver­fah­ren das christ­li­che Song­schrei­ber­ehe­paar Che­yenne Stone und Glen Pen­nis­ton (Stone & Stone), die Kom­po­nis­ten des in sei­ner Nai­vi­tät irgend­wie put­zi­gen Dro­gen-sind-pfui-Hits ‘Juli­an’, gesun­gen von der Ein­tags­flie­ge Man­dy Win­ter. Das unter­ir­di­sche, von den Stones selbst vor­ge­tra­ge­ne Prei­set-den-Herrn-Lied­chen ‘Ver­liebt in Dich’ stell­te die ARD – ent­ge­gen bis­he­ri­ger Gepflo­gen­hei­ten – noch nicht ein­mal in irgend­ei­ner Show mehr vor. Ver­mut­lich, um eine offe­ne Revol­te der deut­schen TV-Zuschau­er vor Dub­lin zu unter­bin­den.

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ESC 1994: Sie zu berüh­ren ist Sün­de

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Das Jahr der betro­ge­nen Sie­ger

Ralph Sie­gel hält sich ger­ne zugu­te, dass er den euro­päi­schen Musik­ge­schmack ken­ne, oder viel­mehr den der Jurys. Und ganz kann man ihm da nicht wider­spre­chen: MeKa­Do, deren ‘Par­ty’-Ver­such sich als eines der weni­gen schnel­le­ren Stü­cke des Abends erwies und noch heu­te als garan­tier­ter Tanz­flä­chen­fül­ler bei jeder Euro­vi­si­ons­dis­co funk­tio­niert, erreich­ten in Dub­lin den drit­ten Platz. Der deut­sche Grand-Prix-Groß­va­ter dürf­te sich wohl als Ein­zi­ger rich­tig dar­über gefreut haben. Denn zu Hau­se rief das gute Abschnei­den Deutsch­lands nach lan­ger Durst­stre­cke nur noch Rat­lo­sig­keit, Ableh­nung und Des­in­ter­es­se her­vor. Ein pein­li­ches Pop­stück, das nie­mand kau­fen woll­te und für das auch kei­ner abge­stimmt hat­te, bescher­te uns einen vor­de­ren Platz bei einem Musik­ereig­nis, das kei­ner­lei rele­van­te Pop­mu­sik mehr bot und bei dem fast nie­mand mehr zuschau­en moch­te. Ähm: hur­ra?

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