Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

<span class="caps">ESC</span> 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch
1969, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

ESC 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch

Das hatten sich die den 1969er Grand Prix eröffnenden Jugoslawen sehr clever gedacht. In acht europäischen Sprachen, einschließlich eines "Guten Tag", begrüßten sie die Zuschauer/innen zum Auftakt des mit weitem Abstand absurdesten (und somit großartigsten) Contestjahrgangs aller Zeiten in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo bereits die merkwürdige Bühnendekoration, eine krude Mischung aus althergebrachten Blumenbeeten, sakral anmutenden Orgelpfeifen und einer futuristischen Metallskulptur aus der Künstlerhand Salvador Dalís, auf das noch folgen sollende Chaos einstimmte. https://youtu.be/47rkysMXRYQ Vorbildlich: nach nur fünf Minuten singt schon der erste Teilnehmer beim ESC 1969 (kompletter Contest) 'Pozdrav Svijetu' ('Grüße an die Welt'), die hemmungslose - wenn auch wunderbar har...
<span class="caps">DE</span> 1969: Hey, das ist Musik für mich!
1969, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

DE 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Als Lehrstunde des germanischen öffentlich-rechtlichen Unterhaltungselends kann ohne jede Frage die Vorentscheidung des Jahres 1969 dienen. Die Show lief vermutlich exakt so ab, wie sich das Deutschlands oberster Grand-Prix-Beamte, Hans-Otto Grünefeldt vom Hessischen Rundfunk, immer vorgestellt hatte. So verwendete er quälend lange Sendeminuten darauf, den Zuschauer/innen haarklein auseinanderzusetzen, dass dies hier ein → Komponistenwettbewerb sei, in welcher Form die Vorauswahl der neun an diesem Abend zu Gehör zu bringenden Schlichtschlager erfolgte, und dass die Auftrittsreihenfolge der drei Sänger/innen, die sich "freundlicherweise zur Verfügung gestellt" hatten, den Mist wegzusingen, unter notarieller Aufsicht ausgelost wurde. https://youtu.be/sRMh61e6EFM Der letzte TV-Auftritt A...
<span class="caps">ESC</span> 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted
1968, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den → Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den sehr offensichtlich - eine andere Erklärung scheidet aus - von K...
<span class="caps">DE</span> 1968: Das ist das ers­te Mal für mich
1968, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Unsere Lieblinge

DE 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Auch 1968 blieb es hinsichtlich der Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrages beim strikt internen Auswahlverfahren. Allerdings bequemte sich der zuständige Hessische Rundfunk nach den Pleiten der letzten Jahre mit angestaubten Durchhalteschlagern endlich zum längst überfälligen Modernitätssprung. Als Komponisten des aktuellen Beitrags verpflichtete man den Easy-Listening-Genius Horst Jankowski, Schöpfer des fabelhaften, schwungvoll-poppigen Instrumentaltitels 'Schwarzwaldfahrt' (ein US-Hit im Jahre 1965!). Er schrieb das nicht minder schwungvolle und poppige 'Ein Hoch der Liebe'; verpasste dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schlager, unterschwellig ums Poppen ging; verzierte den Refrain mit polyglotten Einsprengseln in englisch, französisch und spanisch und bestand -...
1967, Die Sechziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1967: Sicher vor der sen­gen­den Son­ne

Schon seit vielen Jahren war den Holländern kein Sieg beim Grand Prix mehr gelungen. Und das, obwohl sie doch in den Anfangsjahren des Wettbewerbs regelmäßig im Wechsel mit Frankreich den ersten Platz belegten! Auch die diesjährige Vertreterin Thérèse Steinmetz, die in Wien als erste Kombattantin auf die mit modernen Drehspiegeln ausstaffierte Bühne im ansonsten extrem barocken Festsaal der kaiserlichen Hofburg - bis heute ungeschlagen die nobelste Location, in welcher der Eurovisionszirkus jemals gastierte! - musste, landete weit abgeschlagen auf dem vierzehnten Rang. Skurril - denn vom lautmalerischen 'Ring Dinge Ding' ist es, zumindest phonetisch, nicht sehr weit zu 'Ding A Dong', mit dem die Niederländer erst 1975 wieder die Krone erringen konnten (mal abgesehen natürlich von 1969, w...
1967, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger

DE 1967: Musst nicht wei­nen

Auch in meinem Geburtsjahr wollte sich kein kommerziell erfolgreicher deutscher Schlagerstar mit einer Grand-Prix-Teilnahme die Karriere zugrunde richten, und so trug Hans-Otto Grünefeldt, der damalige Unterhaltungschef des Hessischen Rundfunks und Eurovisionsverantwortliche der ARD, der Sängerin Inge Brück auf, den deutschen Beitrag zu Gehör zu bringen. Deren einziger Hit, der kesse Schlager 'Peter, komm heut Abend zum Hafen', lag zwar bereits zehn Jahre zurück. Doch sie konnte 1966 mit dem dezent dramatischen 'Frag den Wind' das renommierte Internationale Songfestival in Rio de Janeiro gewinnen. Vielleicht, so die Hoffnung im Frankfurter Funkhaus am Dornbusch, gelänge ihr dasselbe ja auch in Wien, wo der europäische Wettbewerb 1967 stattfand. https://youtu.be/snx9B6tKuGU Die Frisur: ...
1967, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

PT 1967: Trom­meln dröh­nen hei­ser

Ein Jahr, nachdem die damalige Kolonialmacht Niederlande mit der von einem Surinamer (Südamerika) abstammenden Milly Scott die erste schwarze Sängerin zum Eurovision Song Contest delegierte, dominierten Künstler aus der portugiesischen Kolonie Angola (Südafrika), die erst 1975 die Unabhängigkeit erlangte, das Festival da Canção. Der portugiesischen Wikipedia zufolge soll dies gerüchtehalber einem Wunsch des diktatorisch agierenden Machthabers Salazar entsprochen haben, der damit belegen wollte, kein Rassist zu sein. Der Sender RTP, der das Studio diesmal mit einem schlichten, seitlich beleuchteten und in einer kleinen, stoppschildförmigen Bühne mündenden Laufsteg schmückte, schaltete bei diesem FdC erstmalig zwei Semis mit jeweils sechs Beiträgen vor, von denen jeweils die Hälfte ins Final...
1967, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

SE 1967: Im Östen nichts Neu­es

Das Melodifestivalen ist ein rundheraus sterbenslangweiliger Wettbewerb mit nicht einem einzigen auch nur ansatzweise interessanten Titel und null Glamour: würde man für eine solche Aussage heutzutage von vor Empörung schnappatmenden Fans als Ketzer bezichtigt und von einem wütenden Mob aufgeknüpft (und das zu Recht), so trifft obige Aussage für den Jahrgang 1967 indes voll und ganz zu, wie selbst der schwedophilste Grand-Prix-Fan ehrlicherweise zugeben muss. Zehn Lieder hatte eine Jury herausgesucht, und darunter befand sich nicht einer, der in irgendeiner Form als eingängig bezeichnet werden könnte. Am konventionellsten vielleicht noch der Titel 'Christina dansar' der schwedischen Schlagerette und MF-Teilnahmerekordhalterin Ann-Louise Hanson, die hier den dritten und vierten ihrer insges...
1967, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

NL 1967: Der Witz des Tages

Thérèse Steinmetz, eine in Amsterdam geborene und ausgebildete Schauspielerin und Sängerin, hatte im Jahr 1966 durch eine eigene TV-Show im niederländischen Fernsehen Bekanntheit erlangt. Folgerichtig (und vermutlich auch, weil sonst niemand wollte?) nominierte sie der Sender als Vertreterin des Landes beim Eurovision Song Contest 1967 zu Wien. Sechs Titel gab man ihr zur Vorstellung im unter der Woche terminierten Nationaal Songfestival, darunter so knackige Imperative wie 'Hör!' und 'Sing!'. Per Postkarte durften die Holländer/innen über die Songs abstimmen, die sie in der Verkündigungssendung eine Woche darauf alle noch mal sang, bevor man das Ergebnis bekannt gab. Mit deutlicher Mehrheit entschieden sich die Zuschauer/innen für den uptemporären, lautmalerischen und völlig belanglosen S...
1967, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

FI 1967: Der Tun­ten-Mara­thon

Wie schon in den Jahren zuvor veranstaltete das finnische Fernsehen YLE auch 1967 einen offenen Komponistenwettbewerb. 240 Einsendungen gingen ein, und wie schon im Vorjahr fanden sich unter den von einer Jury ausgewählten (diesmal acht) Finaltiteln gleich drei aus der Feder von Lasse Mårtenson (→ FI 1964). Ebenso wie schon im Vorjahr siegte wiederum eine davon. Mårtenson nun den Ralph Siegel Finnlands zu nennen, täte ihm aber dennoch unrecht, dafür waren seine Lieder einfach zu... un-siegelig. So wie das von ihm komponierte 'Varjoon - suajoon' (sinngemäß: 'Im Schatten - geschützt'), einer sehnsuchtsvollen und in ihrer Art extrem finnischen Betrachtung über die Vorzüge des Lebens abseits des grellen Scheinwerferlichtes, dargeboten von einem eher untypischen Grand-Prix-Kandidaten, dem junge...
1967, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

CH 1967: My Life on the D‑List

Wie schon des Öfteren präsentierte sich auch dieser schweizerische Vorentscheid als eine Art von Vertriebenentreffen für Stars von der C-Liste. Lauter Schlagersängerinnen gaben sich hier die Klinke in die Hand, deren Namen Glanz in die Augen von dezidierten Jägern und Sammlern rarer Vinyl-Schätzchen zaubern, gerade weil sich selbst ihre wenigen Erfolgstitel auf keinem Sampler wiederfinden und erst recht nicht auf irgendwelchen Schlagerpartys gespielt werden. Brigitte Petry ist so ein Beispiel: geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR, veröffentlichte sie ihrem Wikipedia-Eintrag zufolge 1961 eine einzige Single auf dem Amiga-Label, bevor sie ihr Wirken ins befreundete sozialistische Ausland verlegte, wo sie vor allem Neuaufnahmen amerikanischer Soul- und Blues-Hits einspielte. 1965 reihte sie ...
<span class="caps">ESC</span> 1966: Zwin­gen kann man kein Glück
1966, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Das zehnjährige Jubliäum des Eurovision Song Contests nahm die EBU zum Anlass, im Frühjahr 1966 bei den teilnehmenden TV-Anstalten Ideen für die künftige Gestaltung des Wettbewerbs zu sammeln. Dabei zeigten sich regional sehr unterschiedliche Schwerpunkte, wie Gordon Roxburgh in der Fibel Songs for Europe auflistet: so bestanden die skandinavischen Sender darauf, dass der "musikalischen Qualität" der Beiträge die absolute Priorität einzuräumen sei. Die westeuropäischen Anstalten wie die ARD, das belgische BRT, der ORF und das französische Fernsehen wollten vor allem die Teilnehmerzahl von zuletzt 18 Nationen reduzieren und schlugen verschiedene Formate für Semifinale vor, wie sie sich aber erst 2004 durchsetzen sollten. Die linguistisch zwiegespaltenen Belgier votierten dabei für die Zut...
A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an

"Ich erinnere an ein Gespräch mit einem französischen Verleger," so erzählt der Texter des britischen Eurovisionsbeitrags von 1966, Peter Callander, in Gordon Roxburghs Buch Songs for Europe, "damals war die Eurovision sehr bedeutend und man konnte viel Geld damit machen. Der aber sagte mir: 'Ich glaube, die BBC erlaubt sich einen Scherz mit uns', weil sie es einfach nicht glauben konnten, dass so ein Lied beim ESC dabei sein sollte. Es war einfach falsch". Der zu rede stehende Song, 'A Man without Love', ein lieblich-pompöser Operettenschlager wie direkt aus einem Musicalfilm der vierziger Jahre, passte allerdings perfekt zu seinem Interpreten Kenneth McKellar, der die britische Songauswahl 1959 als fix gesetzter Repräsentant des Vereinigten Königreichs alleine bespielen durfte. Knapp 150...
Deut­scher Vor­ent­scheid 1966: Vor­wärts und nie zurück
1966, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Unsere Lieblinge

Deut­scher Vor­ent­scheid 1966: Vor­wärts und nie zurück

Karrierezerstörende → Null-Punkte-Resultate zu ersingen, darauf ließen sich Mitte der Sechziger die wenigsten deutschen Schlagerstars noch ein, und so hatte der Eurovisionsverantwortliche des Hessischen Rundfunks, Hans-Otto Grünefeld, langsam ernsthafte Probleme, noch Sänger/innen für den Grand Prix zu finden. Aber eine wollte - eine, die man vor drei Jahren zugunsten von Heidi Brühl (→ DE 1963) fallen gelassen hatte. Und auch diesmal, so kolportiert es Jan Feddersen in seiner Grand-Prix-Bibel 'Ein Lied kann eine Brücke sein', wollten die ARD-Oberen viel lieber die Niederländerin Corry Brokken (→ NL 1956, 1957, 1958) importieren, in Deutschland zuletzt mit dem todtraurigen Tränenzieher 'La Mamma' sehr erfolgreich. Doch die erinnerte sich vermutlich noch mit Grauen an die rüden Umgangsfor...
Dansk Melo­di Grand Prix 1966: Kann ich die Wurst mal sehen?
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1966: Kann ich die Wurst mal sehen?

Dass auf Geheiß des dänischen Eurovisionsverantwortlichen Svend Pedersen im Vorjahr eine interne Auswahl stattfand mit Songs, die "Qualität" beinhalten sollten, und dass als deren Ergebnis in Neapel der wohl feministischste Grand-Prix-Beitrag dieser Ära zu hören war, zeigt Nachwirkungen: der Wiener Dichter und Büchner-Preisträger Hans Carl Artmann, bekannt für seine Mundartgedichte und seine surrealistischen Erzählungen, nahm als Sänger am 1966 wieder als öffentlicher Vorentscheid stattfindenden Melodi Grand Prix teil, dort allerdings unter dem Künstlernamen Ib Hansen. Ob sein Lied 'Lille Veninde' ('Kleine Freundin') allerdings hohen poetischen Ansprüchen genügte, lässt sich nur schwer beurteilen: leider ist es in den Tiefen des Netzes nicht aufzufinden. Dafür stolpert man dort über eine a...
Schwei­zer Vor­ent­scheid 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?

Wie schon des Öfteren klaffen auch für das Jahr 1966 archivarische Lücken, größer als die Löcher in einem Schweizer Emmentaler, in den verfügbaren Unterlagen über den eidgenössischen Vorentscheid. Die Titel von sechs Beiträgen sind gerade mal bekannt und die Namen von zwei, wie es sich für die Schweiz gehört, aus dem Ausland importierten Teilnehmerinnen, darunter die Siegerin. Dass uns an den restlichen Liedern vermutlich nicht viel verloren ging, illustrieren diese Beiden ziemlich überzeugend. Da ist zum einen die italienische Gameshow-Assistentin und Sängerin Anna Identici, die im gleichen Jahr erstmals in ihrer Heimat beim San-Remo-Festival antrat und in der Schweiz der Einfachheit halber die B-Seite ihres dortigen Wettbewerbsbeitrags 'Una Rosa da Vienna' präsentierte. Und wie eine B-Se...
Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Sie hatte ein klein wenig was von einem feministischen Folk-Festival, die norwegische Eurovisions-Vorentscheidung Melodi Grand Prix 1966. Was nicht nur daran lag, dass ausschließlich Frauen sangen. Nein, auch der eine oder andere der insgesamt fünf dort vorgestellten Titel verströmte einen leisen, leichten Hauch von Auflehnung und Rebellion, sei es durch seine Instrumentierung, seinen Text oder seine Interpretation. Interessanterweise stammten diese Lieder allesamt aus der schöpferischen Hand eines einzelnen Mannes, nämlich des norwegischen Komponisten und ESC-Vertreters von 1964, Arne Bendiksen. Was auch vor dem weiteren Hintergrund bemerkenswert erscheint, dass eine sendereigene Jury diese fünf - in jeweils zwei unterschiedlich instrumentierten Fassungen von zwei unterschiedlichen Sänger...
Natio­naal Song­fes­ti­val 1966: Oran­je is the new black
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Natio­naal Song­fes­ti­val 1966: Oran­je is the new black

Über ein ganze Woche zog sich, wie bereits im Vorjahr, die niederländische Vorentscheidung von 1966: in fünf aufeinanderfolgenden Vorrunden trat zunächst jeder der fünf Finalist/innen mit jeweils drei Titeln an, aus denen eine jeweils 15köpfige Jury den jeweiligen Beitrag für das Finale des Nationaal Songfestival heraussuchte. Dort trafen dann unter der Moderation von Eurovisionssiegerin Teddy Scholten (→ NL 1959) so unterschiedliche Künstler/innen zusammen wie Piet Sybrandi, der sich schon 1960 vergeblich am NSF beteiligt hatte und auch heuer den letzten Platz belegte, und das noch relativ neue Schlagerduo The Luckberrys, deren für deutsche Ohren lustig zu lesender Titel 'Mijn Hart klopt alleen maar voor jou' die Vorauswahl nicht überlebte und stattdessen dem superpeppigen Rock'n'Roll-Sch...
San-Remo-Fes­ti­val 1966: Rebel Yell
1966, Die Sechziger

San-Remo-Fes­ti­val 1966: Rebel Yell

Dass beim typischen Italiener gerne mal die Emotionen hochkochen, ist ein nur all zu bekanntes Klischee, welches sich bei dem auch 1966 erneut als Grand-Prix-Vorentscheidungsverfahren genutzten San-Remo-Festival (SRF) mal wieder auf das Schönste bestätigte. Anders als in den beiden Vorjahren, wo die RAI als Zweitbesetzung für jeden Wettbewerbsbeitrag einen internationalen Star zwingend vorschrieb und damit für eine extrem glanzvolle Veranstaltung mit hochkarätigen Namen sorgte, beließ man es diesmal bei einer entsprechenden Empfehlung. Was zur Folge hatte, dass die Zahl der internationalen Gaststars zwar nicht auf Null zurückging, aber deutlich sank. Und sich kein einziger deutscher Künstler mehr im Aufgebot befand. Dafür kehrten die beiden italienischen Topstars Domenico Modugno (→ IT 195...
Melo­di­fes­ti­va­len 1966: Some­thing old, some­thing new, some­thing hip and some­thing cool
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Melo­di­fes­ti­va­len 1966: Some­thing old, some­thing new, some­thing hip and some­thing cool

Als das Musterbeispiel schlechthin für einen kontroversen, die Menschheit in glühende Anhänger/innen und völlig verständnislos mit dem Kopf schüttelnde Gegner/innen teilenden Grand-Prix-Beitrag kann der Siegertitel des schwedischen Melodifestivalen 1966 gelten. Sowie als bester Beleg dafür, warum ein derartig umstrittenes Lied in einem Wettbewerb wie dem Eurovision Song Contest einem gefälligen, um keinen Preis anecken wollenden Mainstreamsong zwangsläufig überlegen sein muss (und ja, lieber NDR, der Zaunpfahl, mit dem ich gerade im Schweiße meines Angesichts winke, richtet sich an Dich!). Alles an 'Nygammal Vals' ('Neu-alter Walzer') war ungewöhnlich und schräg. Das fing schon bei den beiden Interpreten an, bzw. mit dem Fakt, dass ein Duo das Lied sang, was beim eher auf Einzelkünstler/in...
Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1966: Lie­der! Luxem­burg! Lecker!
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1966: Lie­der! Luxem­burg! Lecker!

Das wallonische Fernsehen, das wie immer in den geraden Jahren an der Reihe war, den belgischen Grand-Prix-Beitrag zu bestimmen, bestritt den Vorentscheid des Jahres 1966 mit nur einer einzigen Sängerin. Und zwar mit einer... Schockschwerenot: Flämin! Zwar stammte die betreffende Künstlerin aus dem unter anderem mit Berlin-Neukölln verschwisterten und heute als Kriminalitätsschwerpunkt bekannten Brüsseler Vorort Anderlecht, der in der politisch neutralen, zweisprachigen Zone des linguistisch und kulturell zwiegespaltenen Landes liegt, und sie trug als gebürtige Arlette Antoine Dominicus einen eher französisch klingenden Namen. Doch für ihre Schlagerkarriere benutzte sie das Pseudonym Tonia, und wiewohl sie auch Titel en français aufnahm, erzielte sie ihre größten Hits mit flämischen Coverv...
Jugo­vi­zi­ja 1966: Caset­ta in Cana­dà
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Jugo­vi­zi­ja 1966: Caset­ta in Cana­dà

Im großzügigen, 1.600 Zuschauer/innen fassenden Dom Sindikata zu Belgrad, einem klassischen sozialistischen Prunkbau mitten im Stadtzentrum, fand der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 1966, die Jugovizija, statt. Folgerichtig durfte der serbische Sänger Dragan Stojnić gleich drei der insgesamt 14 Lieder beisteuern. Der 2003 verstorbene Stojnić hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen slawischen Landsleuten das gallische Chanson näher zu bringen, seine Karriere begann dementsprechend mit einem Cover des französischen Eurovisionssongs von 1963, 'Elle était si jolié' von Alain Barrière, in seiner Fassung 'Bila je tako lijepa'. Auch sein Jugovizija-Beitrag 'Duga je Noc' ('Die Nacht ist lang') fiel in die Kategorie der geigengeschwängerten Ballade. Gabi Novak blieb dem Thema "Erst...
Iri­scher Vor­ent­scheid 1966: From Hero to Zero
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Iri­scher Vor­ent­scheid 1966: From Hero to Zero

Ein Jahr nach seiner kompetenten Premierenperformance als erster irischer Eurovisionsvertreter nahm Butch Moore 1966 erneut an der Vorentscheidung der Grünen Insel teil. Und landete mit 'I see your Face' mit null Punkten auf dem letzten Platz. Das nenne ich mal einen schnellen Abstieg! Noch härter traf es den im Lande populären Sonny Knowles, der mit gleich zwei Beiträgen leer ausging, darunter dem auf Gälisch gesungenen 'Chuaigh mé suas don chluiche mór'. Für einen zweiten Platz und eine kleinere Hitparadennotierung reichte es hingegen für das Folktrio The Ludlows. Nein, keine Verwandten der kultigen rheinland-pfälzischen Schrotthändlerfamilie - der Name bezieht sich auf die US-amerikanische Kohlengräbergemeinde Ludlow und ein dortiges Grubenunglück, welches ihr Vorbild Woody Guthrie zu e...
Eurovi­isukar­sin­ta 1966: Auf der Stra­ße nach Süden
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Eurovi­isukar­sin­ta 1966: Auf der Stra­ße nach Süden

Eine noch heute vom NDR beim deutschen Vorentscheid gerne angewandte Abstimmungstechnik führte der finnische Sender YLE erstmalig 1966 als Neuerung ein: das Superfinale. Wie nicht anders zu erwarten, stellte sie ihre Ungeeignetheit gleich bei der Premiere unter Beweis. Zum einen stand die Siegerin des Abends, die damals 22jährige Euroviisukarsinta-Novizin Ann-Christine Nyström mit ihrem fröhlich-belanglosen Schlagerlein 'Playboy', eigentlich bereits nach der ersten Juryabstimmung fest, in welcher sie mit zwei Zählern Vorsprung vor den beiden punktgleich zweitplatzierten Balladen 'Muistojen Bulevardi' von Laila Kinnunen (→ FI 1961) und 'Vieras rakastettuni' ('Fremde, die ich liebe') von Viktor Klimenko (→ FI 1965) führte. Dennoch musste die selbe Jury anschließend diese drei Titel noch einm...
Fes­ti­val da Can­ção 1966: Rebel without a Cau­se
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Fes­ti­val da Can­ção 1966: Rebel without a Cau­se

Es war im Grunde genommen ein einziges Madalena-Iglésias-Festspiel, das Lissabonner Festival da Canção von 1966. Die mit vollem Namen Madalena Lucília Iglésias do Vale de Oliveira Portugal (portugiesische Personalausweise müssen wohl im DIN-A-3-Format ausgestellt werden!) heißende Sängerin interpretierte gleich drei der insgesamt acht Wettbewerbstitel. Davon verirrten sich die lieblich plinkernden 'Caminhos perdidos', die 'Verlorenen Wege', dem Titel gerecht werden auf den sechsten Rang. Mit ihrem drittplatzierten Beitrag fasste sie gar ein heißes Eisen an: in der damaligen herrschenden rechtsgerichteten Diktatur unter Salazar von 'Rebeldia' ('Rebellion') zu singen, kann man fast schon als mutig bezeichnen. Auf europäischer Ebene lag sie damit allerdings voll im Trend: auch in anderen nati...