ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Logo des Eurovision Song Contest 1962
Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

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NL 1962: Kat­in­ka lacht und fällt bei Nacht in die Gracht

Gesell­schaft­li­che Fort­schritt­lich­keit, wie wir sie typi­scher­wei­se mit den Nie­der­lan­den ver­bin­den, setzt immer auch eine gewis­se Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit vor­aus. Und die kann man den Hol­län­dern nun wirk­lich nicht abspre­chen, auch nicht beim Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid. Nach­dem das bis dahin übli­che Natio­naal Song­fes­ti­val 1960 mit Rudi Car­rells ‘Wat een Geluck’ dem Land einen vor­letz­ten Platz beim euro­päi­schen Wett­sin­gen beschert hat­te, ver­such­te man es 1961 mit einer Direkt­no­mi­nie­rung. Die Jazz-Chan­teu­se Greet­je Kauf­feld moch­te ihren (beim ESC zehnt­plat­zier­ten) Bei­trag ‘Wat een Tag’ aller­dings berech­tig­ter­wei­se selbst so wenig lei­den, dass sie ihn nicht auf Plat­te auf­nahm. So kehr­te man 1962 wie­der zu einer offe­nen, wenn­gleich deut­lich ent­schlack­ten Vor­ent­schei­dung zurück. Anders als in den meis­ten Mit­be­wer­ber­län­dern, wo man nach ita­lie­ni­schem Vor­bild alle Lie­der in zwei Ver­sio­nen von unter­schied­li­chen Künstler/innen vor­tra­gen ließ, galt in den Nie­der­lan­den in die­sem Jahr: ein Mann (eine Frau), ein Lied. Den Auf­takt mach­te die Stim­mungs­sän­ge­rin Hen­dri­ka Sturm (†1998) ali­as Rita Cori­ta, die 1958 im Lan­de einen Hit mit dem iko­ni­schen Schun­kel­schla­ger ‘Kof­fie, Kof­fie, lek­ker bak­kie Kof­fie’ hat­te, und lie­fer­te mit dem schmis­si­gen, selbst­er­klä­ren­den ‘Car­na­val’ sogleich den unüber­treff­li­chen Kultauf­tritt des Abends ab. Die fül­li­ge Sän­ge­rin über­zeug­te mit enga­gier­tem Kör­per­ein­satz, fan­tas­ti­scher Hand­ar­beit und einer her­aus­ra­gen­den Mimik – gäbe es Zeit­rei­sen, wür­de ich Stein und Bein schwö­ren, dass sich hier der begna­de­te Hape Ker­ke­ling mit einer mehr als gelun­ge­nen Hel­la-von-Sin­nen-Par­odie ins Natio­naal Song­fes­ti­val ein­ge­schli­chen hat. Hel­las, Ver­zei­hung, Ritas auch im Voll­suff noch pro­blem­los mit­sing­ba­rer Faschings­schla­ger lan­de­te in der Abstim­mung jedoch lei­der nur auf dem vier­ten Rang.

Eine Meis­ter­leis­tung in sub­ti­lem les­bi­schem Mimi­kri: schau­en Sie mal, wo sich bei der Erwäh­nung des dama­li­gen Sex­sym­bols Bri­git­te Bar­dot im Song­text Hel­las Ritas Hän­de befin­den, und wel­che sti­mu­lie­ren­de Beschäf­ti­gung sie gera­de andeu­ten…

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BE 1962: Vier mal eins macht null

Immer das glei­che Spiel in den gera­den Jah­ren beim bel­gi­schen Euro­vi­si­ons-Vor­ent­scheid: sobald die Wal­lo­nen dran sind mit dem Bei­trag des sprach­lich und kul­tu­rell gespal­te­nen Lan­des, las­sen sich – außer der schlich­ten Tat­sa­che, dass es eine Aus­wahl mit ins­ge­samt fünf Künstler/innen gab, dar­un­ter eine Dame namens Any Godet mit einer Hom­mage an die deut­sche Hafen­stadt ‘Ham­bourg’ – nur sehr spär­li­che Infor­ma­tio­nen recher­chie­ren. Und wie immer, wenn die Wal­lo­nen dran waren in den Anfangs­jah­ren, gewann Fud Leclerc (→ BE 1956, 1958, 1960) die­se Aus­wahl, nun schon zum vier­ten Male. Das macht ihn zum ein­zi­gen Grand-Prix-Ver­tre­ter, der sein Land so oft in der sel­ben Spra­che reprä­sen­tier­te, näm­lich auf Fran­zö­sisch. Es soll­te im benach­bar­ten Luxem­burg aller­dings sei­ne letz­te Teil­nah­me wer­den: mit dem leid­lich mid­tem­po­rä­ren Slow Fox ‘Ton Nom’ lie­fer­te er zwar das bes­te sei­ner vier Lie­der ab (oder, prä­zi­ser gesagt, das am wenigs­ten ein­schlä­fern­de), was ihm die ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Juro­ren jedoch mit → null Punk­ten heim­zahl­ten. Auch wenn in Fol­ge eines beson­ders unge­eig­ne­ten neu­en Wer­tungs­sys­tems noch drei wei­te­re Kolleg/innen an die­sem Abend das Schick­sal der völ­li­gen Punk­te­frei­heit mit Fud tei­len soll­ten, so bleibt er auf­grund der Auf­tritts­rei­hen­fol­ge doch der­je­ni­ge, der als aller­ers­ter Euro­vi­si­ons­künst­ler die gefürch­te­ten Nil Points erhielt.

Dein Name ist Cäptn Zero: Fud Leclerc.

Vor­ent­scheid BE 1962

Fina­le bel­ge du Grand Prix Euro­vi­si­on. Mon­tag, 19. Februr­ar 1962. Fünf Teilnehmer/innen.
#Inter­pretTitelPlatz
01Fud LeclercTon Nom1
02Robert Charles Lan­sonToi, mon Copain
03Any GodetHam­bourg
04Fer­ry DevosN’oubliez jamais
05Eric Chan­neToi, la Femme

NO 1962: Auf den Hund gekom­men

Am bes­ten wäre es, sie schick­ten den Hund,” mit die­ser har­schen Kri­tik am nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix (MGP) 1962 bezog sich die däni­sche Tages­zei­tung Ver­dens Gang auf die Jazz­sän­ge­rin Lai­la Dalseth, eine von zwei Inter­pre­tin­nen des Sie­ger­songs die­ser Vor­ent­schei­dung, die bei ihrem Auf­tritt einen nied­li­chen Wel­pen im Arm trug. Eine sym­pa­thie­punk­te­för­der­li­che Stra­te­gie, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test selbst bekann­ter­ma­ßen streng ver­bo­ten ist. Und so durf­te dann auch statt der für ihre Ver­diens­te ums nor­we­gi­sche Jazz­we­sen mehr­fach preis­ge­krön­ten Dalseth die Ope­ret­tensän­ge­rin und Schau­spie­le­rin Inger Jacob­sen nach Luxem­burg fah­ren, wo sie mit ledig­lich zwei Pünkt­chen unter “fer­ner lie­fen” lan­de­te. Jacob­sen hat­te bereits 1960 beim ers­ten MGP sämt­li­che Wett­be­werbs­ti­tel im Radio-Halb­fi­na­le inter­pre­tiert. 1964 und 1971 ver­such­te sie noch­mals, das Euro­vi­si­onsti­cket zu ergat­tern, aller­dings ohne Erfolg. In Nor­we­gen trat sie bis ins hohe Alter in Revu­en, Fil­men und Büh­nen­stü­cken auf und war fes­tes Ensem­ble­mit­glied des Reichs­thea­ters. Sie starb 1996 im Alter von 72 Jah­ren an Krebs. ‘Kom Sol, kom Regn’ blieb denn auch einer von ledig­lich zwei der ins­ge­samt sie­ben Wett­be­werbs­bei­trä­ge, die man über­haupt auf Plat­te auf­nahm, nach­dem die vom NRK aus 121 Ein­rei­chun­gen vor­ge­nom­me­ne Vor­auswahl auf all­ge­mei­nes Mur­ren stieß. Und zwar nicht nur bei den Zuschauer/innen, son­dern – da der Sen­der im Rah­men der Nord­vi­si­on die Show in ganz Skan­di­na­vi­en aus­strahl­te – auch in den Nach­bar­län­dern. “Die Songs sind so schlecht, dass [die Orches­ter­mit­glie­der] ris­kie­ren, schla­fend zwi­schen den Noten­stän­dern hin­durch­zu­plump­sen,” so herr­lich bös­ar­tig häm­te der schwe­di­sche Aften­pos­ten am Tag nach der Sen­dung über das musi­ka­li­sche Niveau der Show.

Eine ele­gan­te Bal­la­de mit dezen­ten jaz­zi­gen Ver­zie­run­gen: Ingers Bei­trag muss sich nicht wirk­lich ver­ste­cken. Man will ihn aber auch nicht unbe­dingt in Dau­er­schlei­fe hören.

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DE 1962: Der Weg des Was­sers wird es uns wei­sen

Conny Froboess, DE 1962
Die Mul­ti­kul­tu­rel­le

Nicht nur für den Euro­vi­si­on Song Con­test bil­de­te das im ligu­ri­schen Kur­ort San Remo statt­fin­den­de Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na einst das Vor­bild. Wie in vie­len ande­ren euro­päi­schen Natio­nen, die sich eben­falls von den Ita­lie­nern für eige­ne Schla­ger­fes­ti­vals inspi­rie­ren lie­ßen, fan­den in den Sech­zi­ger­jah­ren auch in deut­schen Kur­städ­ten gedie­ge­ne Wett­be­wer­be der leich­ten Muse statt. So hat­te das von Radio Luxem­burg gegrün­de­te Deut­sche Schla­ger­fes­ti­val im hes­si­schen Wies­ba­den bereits 1960 als Vor­ent­scheid gedient, aller­dings nur ein­ma­lig. 1961 hob der Süd­west­funk in Kon­kur­renz hier­zu die Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le aus der Tau­fe, an deren Erst­aus­ga­be unter ande­rem Lys Assia (→ Vor­ent­scheid DE 1956, CH 1956, 1957, 1958, Vor­ent­scheid CH 2012, 2013), Nora Nova (→ DE 1964) und Inge Brück (→ DE 1967) teil­nah­men. Die zwei­te Aus­ga­be die­ser Ver­an­stal­tung soll­te nun 1962 wie­der­um als Grand-Prix-Vor­ent­scheid fun­gie­ren. Ent­spre­chend groß zog die ARD die Show auf: in vier TV-Vor­run­den mit ins­ge­samt 24 Bei­trä­gen qua­li­fi­zier­ten sich jeweils drei Sänger/innen für die End­run­de im mon­dä­nen Baden-Baden.

Herr­lichs­ter Schla­ger­kitsch, lei­der nur in der Audio­fas­sung: der wun­der­bar weh­lei­dig into­nie­ren­de Jim­my Maku­lis.

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FI 1962: Tipi Tii Bim­bo Tom

Es wird ja ger­ne mal dar­über geklagt, dass die Skan­di­na­vi­er beim Euro­vi­si­on Song Con­test bei der Punk­te­ver­ga­be zusam­men­hal­ten. Was aber ange­sichts der gemein­sa­men kul­tu­rel­len Wur­zeln gar nicht wei­ter ver­wun­dert, zu deren Ver­tie­fung gera­de die­se TV-Show mit bei­trägt. In den Sech­zi­gern jeden­falls wur­den die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen der nor­di­schen Län­der per Nord­vi­si­on auch in den ande­ren skan­di­na­vi­schen Län­dern aus­ge­strahlt. Und so schau­te und lern­te man vom Nach­barn. Was bei­spiels­wei­se zur Fol­ge hat­te, dass das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE beim zwei­ten Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta auf das auch in Schwe­den und Nor­we­gen zur Anwen­dung kom­men­de Ein-Song-zwei-Ver­sio­nen-For­mat umschwenk­te und jeden der vier Final­bei­trä­ge von zwei ver­schie­de­nen Künstler/innen inter­pre­tie­ren ließ. Was den Juro­ren die Gele­gen­heit geben soll­te, vor allem das Lied auf sich wir­ken zu las­sen und weni­ger auf den Sän­ger zu ach­ten. Ganz kon­se­quent zog man das jedoch nicht durch: im rund einen Monat vor­her aus­ge­tra­ge­nen Semi­fi­na­le mit sei­nen acht Bei­trä­gen war es jeweils nur ein/e Interpret/in pro Lied. Hier blieb bei­spiels­wei­se die fin­ni­sche Pre­mie­ren­ver­tre­te­rin Lai­la Kinn­unen mit ihrem Song über die Schnee­prin­zes­sin ‘Lumin­ei­to’ auf der Stre­cke, genau so wie ein (lei­der ver­schol­le­ner) Titel mit dem viel ver­spre­chen­den Namen ‘Tike­ti tik­ke tak’ (lasst mich raten: es hat etwas mit einer Uhr zu tun?) von May­nie Sirén. Wei­ter kam hin­ge­gen ein Sän­ger namens Kai Lind (→ Vor­ent­scheid 1961) mit einer wirk­lich drol­li­gen Wei­se über die ‘Pik­ku Rahasta­ja’, die von allen Jungs umschwärm­te ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, die Sams­tags­abends mit stren­ger Mie­ne im Bus die Fahr­schei­ne kon­trol­liert, in dem die Jugend zum Tanz­ver­gnü­gen fährt. Ein, wenn man ihn mal auf sich wir­ken lässt, herr­li­cher Text, der auf so lako­ni­sche wie unter­halt­sa­me Wei­se phi­lo­so­phi­sche Fra­gen erör­tert.

Eine ech­te Vor­ent­schei­dungper­le: die ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, hier gesun­gen von Mari­on Rung (lei­der nur Audio).

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SE 1962: Lie­be und Meer­ret­tich

Erst­ma­lig schaff­ten es die Schwe­den in die­sem Jahr, die Sie­ge­rin des Vor­ent­scheids, des Melo­di­fes­ti­va­len, auch tat­säch­lich zum Euro­vi­si­on Song Con­test zu schi­cken und nicht durch eine/n andere/n Künstler/in zu erset­zen. Bezie­hungs­wei­se eine der Sie­ge­rin­nen: wie zu die­ser Zeit üblich, ließ man sämt­li­che der sechs Final­bei­trä­ge zwei­fach inter­pre­tie­ren, von ver­schie­de­nen Sänger/innen sowie ein­mal mit gro­ßem und ein­mal mit klei­nem Orches­ter. Eigent­lich soll­ten es sie­ben Titel sein, doch noch am Final­abend muss­te man den der Jazz-Inter­pre­tin Moni­ca Zet­ter­lund (→ SE 1963) zuge­dach­ten Bei­trag ‘Kärlek och Pepp­ar­rot’ (‘Lie­be und Meer­ret­tich’ – klingt nach einem äußerst pikan­ten, ähm, Rezept?!) dis­qua­li­fi­zie­ren, weil die Come­dy-Num­mer vor­schrifts­wid­rig bereits im Radio gelau­fen war. Weni­ger streng inter­pre­tier­te SVT das zu die­sem Zeit­punkt noch bestehen­de Ver­bot von Hin­ter­grund­chö­ren beim Euro­vi­si­on Song Con­test: beim Vor­ent­scheid, wo jeder Sen­der bekannt­lich machen kann, was er will, stell­te man erst­mals einen vier­köp­fi­gen Begleit­chor zur Ver­fü­gung. Zet­ter­lund konn­te übri­gens trotz der Song-Dis­qua­li­fi­ka­ti­on zum Melo­di­fes­ti­va­len antre­ten: als eine von zwei Inter­pre­tin­nen sang sie das ele­gant-ele­gi­sche, zweit­plat­zier­te Freund­schafts­lied ‘När min Vän’.

Der dis­qua­li­fi­zier­te Bei­trag, hier in einer spä­te­ren Inter­pre­ta­ti­on von Lil Lind­fors (SE 1966).

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UK 1962: Sing again, litt­le Bir­die

Mäd­chen und Engel, das waren die bei­den Leit­the­men beim Song for Euro­pe 1962: gleich drei der zwölf Wett­be­werbs­bei­trä­ge führ­ten das “Girl” im Titel, zwei wei­te­re den “Angel”, und einer davon wur­de gar von einem Künst­ler namens John­ny Angel gesun­gen. Wie schon im Vor­jahr hat­te die BBC die Aus­wahl der Songs für den bri­ti­schen Vor­ent­scheid in die Hän­de der Plat­ten­fir­men gelegt, und die dele­gier­ten eine bun­te Mischung aus hoff­nungs­fro­hen New­co­mern und Acts leicht jen­seits ihres Min­dest­halt­bar­keits­da­tums dort­hin, aber natür­lich nie­man­den auf dem Höhe­punkt sei­nes kom­mer­zi­el­len Erfol­ges. Ähn­lich ver­hielt es sich auch bei den Lie­dern: die sti­lis­tisch wei­test­ge­hend an ame­ri­ka­ni­sche Pop-Ein­flüs­se die­ser Zeit ange­lehn­ten Bei­trä­ge erwie­sen sich fast alle als durch­aus anhör­bar und ange­nehm leicht ins Ohr flie­ßend. Den­noch woll­te es kei­nem der Titel gelin­gen, einen nach­hal­ti­ge­ren Ein­druck zu hin­ter­las­sen. “Näseln­de, atem­lo­se Stim­men, zer­mür­bend schlech­te Aus­spra­che und ener­vie­rend blö­de Stre­ckun­gen und Dre­hun­gen” erbos­ten das von der BBC anschlie­ßend befrag­te Publi­kum, das sich von der über­wie­gend uptem­po­rä­ren Aus­rich­tung des musi­ka­li­schen Menüs und den damit ein­her­ge­hen­den Ver­su­chen der Künstler/innen, die­ses ent­spre­chend leben­dig zu prä­sen­tie­ren, eher abge­sto­ßen fühl­te: “Die Sän­ger hat­ten offen­sicht­lich den Ein­druck, an einem Twist-Wett­be­werb teil­zu­neh­men,” so zitiert Gor­don Rox­burgh in sei­ner Songs-for-Euro­pe-Fibel die Kom­men­ta­re der wohl haupt­säch­lich den Bal­la­den­freun­den zuzu­rech­nen­den Zuschauer/innen. Selbst der haus­ho­he Sie­ger­ti­tel, das laut­ma­le­risch-flot­te ‘Ring a Ding Girl’ des nord­iri­schen Sän­gers Ronald Cleg­horn ali­as Ron­nie Car­roll (→ UK 1963), schaff­te es in den bri­ti­schen Charts ledig­lich auf Rang 46.

Das Kom­po­nis­ten­team des bri­ti­schen Bei­trags von 1959, ‘Sing litt­le Bir­die’, zeich­ne­te auch für die­sen musi­ka­lisch wie inhalt­lich eng ver­wan­de­ten Song ver­ant­wort­lich.

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IT 1962: Sag mir quan­do, sag mir wann

Die enor­me Popu­la­ri­tät des ita­lie­ni­schen Lie­der­fes­ti­vals sorg­te im zwölf­ten Jahr sei­nes Bestehens für außer­ge­wöhn­lich star­ken Zulauf, und so stock­ten die Ver­an­stal­ter in San Remo die Vor­run­den auf ins­ge­samt 32 Titel auf. Der RAI wur­de das zuviel: sie beschränk­te die TV-Über­tra­gung auf eine Stun­de vom Final­abend und eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der Sie­ger­eh­rung. Das kann man sich heut­zu­ta­ge, wo der öffent­lich-recht­li­che Sen­der meh­re­re Tage Sen­de­zeit mit dem San Remo Fes­ti­val befüllt, kaum noch vor­stel­len. Aber 1962 gab es noch kei­ne pri­va­te Kon­kur­renz aus dem Hau­se Ber­lus­co­ni und noch kein 24-Stun­den-Pro­gramm. Das Fina­le bestand jedoch wei­ter­hin aus zwölf Titeln, dar­ge­bo­ten wie­der­um von jeweils zwei Künstler/innen in unter­schied­li­chen Arran­ge­ments. Wie schon im Vor­jahr durf­te das Publi­kum im Anschluss eine Woche lang mit­tels kos­ten­pflich­ti­ger Tipp­schei­ne sei­ne Stim­me für die belieb­tes­ten Songs abge­ben, und mit sen­sa­tio­nel­len 1,5 Mil­lio­nen (!) Kreu­zen sieg­te erneut eine Kom­po­si­ti­on des ‘Vola­re’-Sän­gers Dome­ni­co Modug­no (→ IT 1958, 1959, 1966), der mit dem selt­sam ziel­los vor sich hin mäan­dern­den ‘Addio… addio…’ auch die Hit­lis­ten des Hei­mat­lan­des auf­roll­te (#2 IT). Die RAI ent­schied sich jedoch, an sei­ner Stel­le den zwei­ten Inter­pre­ten des Titels zum Song Con­test zu schi­cken, wohl in der vagen Hoff­nung, die beson­ders schmal­zi­ge, hoch­dra­ma­ti­sche Dar­bie­tung des Älte­re-Haus­frau­en-Schwar­mes Clau­dio Vil­la (→ IT 1967) kön­ne geschickt über die feh­len­de Melo­die des Can­zo­ne hin­weg­täu­schen. Da täusch­te man sich jedoch: in Luxem­burg reich­te es nur für einen Rang im unte­ren Mit­tel­feld.

Und tschüß, Paco!

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Dansk Melo­di Grand Prix 1962: Ich rede mit mir selbst

Ein Skan­dal erschüt­ter­te den Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP) 1962, den däni­schen Vor­ent­scheid, in des­sen Mit­tel­punkt die fabel­haf­te und noch heu­te län­der­über­grei­fend heiß­ge­lieb­te Git­te Hæn­ning stand. Die im Hei­mat­land bereits als Kin­der­star popu­lä­re Sän­ge­rin soll­te mit dem sen­sa­tio­nel­len Swing-Knal­ler ‚Jeg snak­ker med mig selv‘ (‚Ich rede mit mir selbst‘) teil­neh­men, einem The­ma, das die nicht min­der fabel­haf­te Nina Hagen gute zwan­zig Jah­re spä­ter in Uni­ver­sel­les Radio noch­mals auf­grei­fen soll­te. Doch dann beging der fünf­fa­che DMGP-Mode­ra­tor und Lyrik­au­tor des Titels, Sejr Vol­mer-Søren­sen, den unver­zeih­li­chen Feh­ler, sel­bi­gen noch vor der Sen­dung wäh­rend der Pau­se in der Sen­der­kan­ti­ne vor sich hin zu sum­men. Was die sofor­ti­ge Dis­qua­li­fi­ka­ti­on des (den­noch in der Show prä­sen­tier­ten) Songs für den Wett­be­werb nach sich zog, denn es hät­te ja ein Juror anwe­send sein und sich beein­flus­sen las­sen kön­nen. Die gute Git­te durf­te zwar einen wei­te­ren von Sejr betex­te­ten Bei­trag vor­stel­len, den im Hin­blick auf sei­ne ein­schlaf­för­dern­den musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten mehr als tref­fend ‘Vug­ge­vi­se’ (‘Wie­gen­lied’) benann­ten Sie­ger­song des MGP 1962 näm­lich. Doch dies nur als des­sen Zweit­be­set­zung, denn eben­so wie bei den ande­ren skan­di­na­vi­schen Vor­ent­schei­dun­gen die­ses Jahr­gangs brach­te man in Däne­mark alle fünf Final­lie­der gleich dop­pelt zu Gehör, dar­ge­bo­ten jeweils in unter­schied­li­cher Orches­trie­rung und mit unter­schied­li­chen Künstler/innen.

Selbst­ge­sprä­che sind meist die intel­li­gen­tes­ten Dis­kus­sio­nen, wuss­te die klu­ge Git­te schon 1962 (nur Audio).

wei­ter­le­senDansk Melo­di Grand Prix 1962: Ich rede mit mir selbst