ESC 1964: Noch nicht reif für den Con­test

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Das Kata­stro­phen­jahr

Tumult und Cha­os bestimm­ten die­sen Jahr­gang, trotz des eigent­lich fröh­li­chen Aus­tra­gungs­or­tes im direkt am Haupt­bahn­hof gele­ge­nen Tivo­li, dem inner­städ­ti­schen Ver­gnü­gungs­park der put­zi­gen däni­schen Haupt­stadt Kopen­ha­gen. Dafür trug einer­seits das aus­ge­präg­te poli­ti­sche Bewusst­sein der hei­mi­schen Bevöl­ke­rung die Ver­ant­wor­tung: gegen die Teil­nah­me der dama­li­gen Dik­ta­tu­ren Spa­ni­en und Por­tu­gal am euro­päi­schen Wett­sin­gen hagel­te es im Vor­feld Pro­tes­te und Dro­hun­gen. Das letzt­ge­nann­te, direkt bei der Pre­miè­re die ers­ten → Nil Points ein­sam­meln­de und bis heu­te ins­ge­samt eher erfolg­lo­se Euro­vi­si­ons­land, das erst 53 Jah­re spä­ter sei­nen ers­ten Sieg ein­zu­fah­ren ver­moch­te, debü­tier­te in Däne­mark. Dass sich die Gesamt­star­ter­zahl gegen­über 1963 den­noch nicht erhöh­te, lag dar­an, dass Schwe­den heu­er aus­setz­te: zeig­te man sich im skan­di­na­vi­schen Nach­bar­land noch ver­stimmt über den Null­zäh­ler für den depri­mie­ren­den musi­ka­li­schen Stadt­spa­zier­gang ‘En gång i Stock­holm’? Aber nein: ein Künstler/innenstreik ver­ur­sach­te das unfrei­wil­li­ge Feh­len.

Unglück­li­che Pre­miè­re: auch die hin­ge­bungs­vol­le Got­tes­an­fle­hung durch den Inter­pre­ten konn­te die Null-Punk­te-Klat­sche nicht ver­hin­dern (PT).

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NL 1964: Ein Leben in Gefahr

Wie bereits im Vor­jahr ent­schied sich das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen auch 1964 für die inter­ne Nomi­nie­rung einer Reprä­sen­tan­tin, näm­lich der 1942 im damals noch unter hol­län­di­scher Besat­zung ste­hen­den Indo­ne­si­en als Toch­ter eines nie­der­län­di­schen Sol­da­ten und einer ein­hei­mi­schen Mut­ter gebo­re­nen Johan­na Loui­se oder Anne­ke Grön­loh. Die hat­te mit ihren 22 Jah­ren schon eine beweg­te Zeit hin­ter sich: im Zuge der feind­li­chen Über­nah­me der Insel­ket­te durch die Japa­ner im Zwei­ten Welt­krieg war Anne­kes Vater in Kriegs­ge­fan­gen­schaft gera­ten, auch die Fami­lie leb­te in einem Lager. Nach ihrer Frei­las­sung flo­hen die Grön­lohs vor den indo­ne­si­schen Unab­hän­gig­keits­kämp­fen zurück in die Nie­der­lan­de, wo die jun­ge Johan­na Loui­se die Musik für sich ent­deck­te. 1959 gewann sie einen Talent­wett­be­werb und schon 1960 erziel­te sie mit ihrer aller­ers­ten Sin­gle ‘Asma­ra’ ihre ers­te gol­de­ne Schall­plat­te und einen Num­mer-Eins-Hit – aller­dings nicht zu Hau­se, son­dern auf Malay­sia. Die hei­mi­schen Charts topp­te sie dann 1962 mit ‘Bran­dend Zand’, der (akku­ra­ten) nie­der­län­di­schen Über­set­zung des vom deut­schen Kom­po­nis­ten­team Feltz & Schar­fen­ber­ger geschrie­be­nen Best­sel­lers ‘Hei­ßer Sand’ von Mina (→ Vor­ent­scheid IT 1961), eines wun­der­bar vage gehal­te­nen und viel­fäl­tig inter­pre­tier­ba­ren, hoch­dra­ma­ti­schen Schla­gers, der mir noch heu­te beim Hören ange­neh­me Schau­er über den Rücken jagt und den ich für einen der bes­ten sei­nes Gen­res hal­te. Unnüt­zes Wis­sen 500: eine von Anne­ke selbst ein­ge­spiel­te eng­lisch­spra­chi­ge Fas­sung unter dem Titel Oh Malay­sia dien­te in den Grün­dungs­jah­ren des jun­gen, an Indo­ne­si­en gren­zen­den Insel­staa­tes im süd­chi­ne­si­schen Meer dort als eine Art inof­fi­zi­el­ler Natio­nal­hym­ne. Zu Hau­se folg­te Hit auf Hit und auch im deut­schen Fern­se­hen war Frau Grön­loh mit Schla­gern wie ‘Wenn wir bei­de Hoch­zeit machen’ ein ger­ne gese­he­ner Gast. Zum Zeit­punkt ihrer Direkt­no­mi­nie­rung für den Euro­vi­si­on Song Con­test 1964 konn­te sie also mit Fug und Recht als inter­na­tio­nal erfolg­rei­cher Star gel­ten.

Ohne den Nie­der­län­dern zu nahe tre­ten zu wol­len, aber in der von Mina mit geheim­nis­voll-elek­tri­sie­ren­dem Akzent vor­ge­tra­ge­nen deut­schen Fas­sung kommt das gefahr­voll-düs­te­re Nar­ra­tiv des Tex­tes deut­lich bes­ser zur Gel­tung!

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ES 1964: Im tie­fen Tal, im Muschel­grund

Für ein beson­ders bizar­res und unge­eig­ne­tes Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren ent­schied sich das spa­ni­sche Fern­se­hen im Jah­re 1964. Hat­te der Sen­der TVE im Vor­jahr den ibe­ri­schen Reprä­sen­tan­ten und sein Lied noch intern bestimmt, so fand dies­mal ein öffent­li­ches Aus­wahl­ver­fah­ren für den Song statt, inte­griert in die wöchent­lich aus­ge­strahl­te TV-Show Grand Para­da. Ins­ge­samt zehn Bei­trä­ge stell­te man dort nach und nach dem Publi­kum vor, dar­ge­bo­ten jeweils in zwei ver­schie­de­nen Fas­sun­gen, wie es in die­ser Deka­de Brauch war. Die Zuschauer/innen for­der­te man auf, Post­kar­ten für ihren Lieb­lings­ti­tel zu schi­cken, und ins­ge­samt gin­gen etwas über 5.000 Stück beim Sen­der ein. Unter den Interpret/innen fan­den sich logi­scher­wei­se über­wie­gend sol­che aus der zwei­ten Rei­he, wie bei­spiels­wei­se die Schla­ger­sän­ge­rin­nen Lita Torel­ló und Gelu, die im Lan­de haupt­säch­lich mit Cover­ver­sio­nen inter­na­tio­na­ler Hits Erfol­ge fei­er­ten, oder ihre Kol­le­gin Maria Tere­sa de las Heras, die unter ihrem Künst­ler­na­men Tere­sa María mit spa­ni­schen Über­set­zun­gen bekann­ter Musi­cal-Songs auf­trat. María sang das in der Publi­kums­ab­stim­mung mit wei­tem Abstand erfolg­reichs­te Lied ‘Cara­co­la’ (‘Muschel’), das mehr Post­kar­ten auf sich ver­ei­nen konn­te als alle kon­kur­rie­ren­den Kom­po­si­tio­nen zusam­men, von denen heu­te nicht eine mehr im Netz zu fin­den ist, und von denen sich, so als woll­te man das natio­na­le Kli­schee mit aller Gewalt bedie­nen, gleich zwei mit dem Stier­kampf befass­ten. Nach Kopen­ha­gen schick­te TVE an ihrer Stel­le aller­dings das vom Sen­der bereits vor­ab intern aus­ge­wähl­te Geschwis­ter­trio Los TNT, das selbst nicht am Vor­ent­scheid teil­ge­nom­men hat­te. Die aus dem damals noch bit­ter­ar­men Nord­ita­li­en stam­men­de und Ende der Vier­zi­ger nach Uru­gu­ay aus­ge­wan­der­te Fami­lie Croat­to hat­te bei der Namens­fin­dung für ihre drei Spröss­lin­ge Krea­ti­vi­tät bewie­sen: die Jungs hie­ßen Edel­weiß (kein Scherz!) und Her­mes, das Mädel Argen­ti­na. Kein Wun­der, dass die Drei sich flugs Spitz­na­men zuleg­ten, näm­lich Tim, Tony und Nel­ly. Durch ihre Erfol­ge in Latein­ame­ri­ka wur­de Anfang der Sech­zi­ger­jah­re die spa­ni­sche Plat­ten­fir­ma Bel­ter auf sie auf­merk­sam und hol­te sie nach Spa­ni­en, wo es aller­dings kom­mer­zi­ell nur mäßig gut lief. 1965 kehr­ten sie nach Süd­ame­ri­ka zurück, Tony Croat­to ver­starb dort 2005.

Heut­zu­ta­ge mode­po­li­zei­lich strengs­tens ver­bo­ten: das Tra­gen von Holz­fäl­ler­hem­den ohne Hip­ster­b­art. Und das ist auch gut so!

Vor­ent­scheid ES 1964

Diens­tag, 18. Febru­ar 1964, im RNE-Fern­seh­stu­dio in Bar­ce­lo­na. Zwölf Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Car­mi­na Alon­so + Ana María Sol­so­na.
#Interpret/inInterpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01GeluLoren­zo Val­ver­deSoy20106
02Luis Gar­deyL Sevil­laTore­ro41003
03Clau­diaTito MoraOlé10308
04L Sevil­laAlfre­do Gar­ri­doLa Niña del Espe­jo63902
05GeluTito MoraLle­ga­ré24305
06Lita Torel­lóMichelEst­rel­las en el Agua9709
07Lita Torel­lóLoren­zo Val­ver­deTodo me da igu­al32104
08Lita Torel­lóMichelLuz de Ben­ga­la5410
09MichelTere­sa MaríaCara­co­la310001
10Tito MoraClau­diaEl Niño y el Toro13607

NO 1964: Für immer jung

Es war eine Art von Lehr­stun­de zum The­ma Genera­tio­nen­kon­flikt, was sich beim nor­we­gi­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid von 1964 abspiel­te. Und was auf sei­ne eher spie­le­ri­sche Wei­se das reflek­tier­te, was in der ech­ten Pop­welt drau­ßen gera­de in Form des mas­si­ven Durch­mar­sches von Bands wie den Beat­les pas­sier­te, beglei­tet von hys­te­ri­schem Ver­hal­ten der jugend­li­chen Fans, die in ihrem Über­mut gan­ze Kon­zert­sä­le zer­leg­ten, sowie vom völ­li­gen Unver­ständ­nis und der schrof­fen Ableh­nung der “lang­haa­ri­gen Gamm­ler” durch die Erwach­se­nen­ge­nera­ti­on, die in ihnen – nicht ganz zu Unrecht – eine Bedro­hung für die bestehen­de gesell­schaft­li­che Ruhe und Ord­nung sah. Lus­ti­ger­wei­se reprä­sen­tier­te beim Nor­ske Melo­di Grand Prix ein Mann gleich bei­de Sei­ten der Medail­le: der nor­we­gi­sche Sän­ger, Musi­ker, Band­lea­der, Kom­po­nist und Musik­pro­du­zent Arne Ben­dik­sen näm­lich, der im Lan­de bereits in den Fünf­zi­gern Erfol­ge als Teil der Band The Monn Keys gefei­ert hat­te und der hier mit einer stel­len­wei­se etwas brü­chi­gen Stim­me den sieg­rei­chen Bei­trag ‘Spi­ral’ inter­pre­tier­te, eine klas­si­sche Big-Band-Melo­die, die eigent­lich nicht wei­ter der Rede wert ist – ein ohne grö­ße­re Schmer­zen anhör­ba­res, wenn­gleich ziem­lich alt­mo­disch wir­ken­des Lied, das als dezent swin­gen­de Begleit­mu­sik für das Super­markt­ra­dio bes­tens geeig­net scheint, das man aber sofort wie­der ver­gisst, sobald es ver­klun­gen ist. ‘Spi­ral’ setz­te sich in der Jury-Abstim­mung mit nur einem ein­zi­gen Pünkt­chen Vor­sprung gegen den unter ande­rem von der sich bereits im gesetz­ten Alter befind­li­chen “sin­gen­den Haus­frau aus Lørens­kog”, Eli­sa­beth Gran­ne­man (→ MGP 1960, 1969) inter­pre­tier­ten ‘God gam­mel fir­kan­tet Vals’, den ‘Guten alten spie­ßi­gen Wal­zer durch, der also – auf eine selt­sam eigeniro­ni­sche Art – sei­ne gera­de in der älte­ren Genera­ti­on viru­len­te nost­al­gi­sche Sehn­sucht nach kon­ser­va­ti­ven Wer­ten bereits im Namen trug. Lus­ti­ges Detail: der Schöp­fer die­ses Spieß­bür­ger-Wal­zers hieß… Arne Ben­dik­sen!

Ein Wer­be­song für ein Emp­fäng­nis­ver­hü­tungs­mit­tel? Das kam beim Grand Prix nur so mit­tel an: Platz 8 für Arne Ben­dik­sen.

wei­ter­le­senNO 1964: Für immer jung

FI 1964: Hey, Macare­na!

Fin­nisch ist eine der­ma­ßen gangs­ter­mä­ßi­ge Spra­che,” stell­te der groß­ar­ti­ge islän­di­sche Come­di­an Ari Eld­járn in einem sich mit den skan­di­na­vi­schen Spra­chen befas­sen­den, hoch­gra­dig lus­ti­gen Stan­dup-Set mal bewun­dernd fest. Er mach­te dies – neben den fan­tas­ti­schen Mög­lich­kei­ten, auf fin­nisch zu flu­chen – vor allem an der Über­set­zung der drei schöns­ten Wör­ter in fast jeder Spra­che fest: “Ich lie­be Dich” heißt dort näm­lich “Raka­s­tan sinua”. Das klin­ge für Außen­ste­hen­de eher wie “Bring das Geld bis Frei­tag bei”, mein­te Ari nicht ganz zu Unrecht. Ein schö­nes Bei­spiel hier­für lie­fer­te auch die fin­ni­sche Grand-Prix-Vor­ent­schei­dung von 1964, wo der 1979 ver­stor­be­ne Schnul­zensän­ger Tais­to Tam­mi zu kit­schi­gen Gei­gen etwas vom ‘Reich­tum der Lie­be’ schmalz­te – als ‘Rak­kau­den Rik­kaus’ für mit­tel­eu­ro­päi­sche Ohren tat­säch­lich eher nach einem gut getarn­ten Plot zur Aus­lö­schung eines gan­zen Kon­ti­nents vom Erd­ball klin­gend. Kein Wun­der, dass er im kom­bi­nier­ten Voting der zehn Publi­kums- und der pro­fes­sio­nel­len Jury gera­de mal 21 Punk­te erhielt, und damit nur ein Zwan­zigs­tel des Sie­gers die­ses Vor­ent­scheids.

Eine hoch inter­es­san­te The­se übri­gens zur Ent­ste­hung des Som­mer­hits ‘Macare­na’, die Ari Eld­járn hier ablie­fert!

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DK 1964: My own pri­va­te Grand Prix

Die War­nung gleich vor­weg: am bes­ten spa­ren Sie sich die Lek­tü­re die­ses Arti­kels, denn es gibt über den däni­schen Vor­ent­scheid von 1964 beim bes­ten Wil­len nichts Inter­es­san­tes zu erzäh­len. Von kei­nem ein­zi­gen der ins­ge­samt neun fast aus­schließ­lich von den satt­sam Bekann­ten gesun­ge­nen Bei­trä­ge des Melo­di Grand Prix exis­tiert ein beweg­ter Video­mit­schnitt. Selbst nicht vom Sie­ger­ti­tel ‘San­gen om dig’ (‘Lied über Dich’) von Bjørn Tid­mand. Denn augen­schein­lich ver­schlamp­te der ver­ant­wort­li­che Sen­der Dansk Radio (DR), dem dank des mit nor­we­gi­scher Hil­fe gescho­be­nen Vor­jah­res­sie­ges die Auf­ga­be zufiel, den Euro­vi­si­on Song Con­test 1964 zu ver­an­stal­ten, nicht nur die Auf­zeich­nung der inter­na­tio­na­len Show, son­dern auch die­je­ni­ge des eini­ge Wochen zuvor an glei­cher Stel­le, näm­lich im Fest­saal des inner­städ­ti­schen Ver­gnü­gungs­parks Tivo­li, abge­hal­te­nen MGP. Selbst das Ergeb­nis des per Post­kar­te durch­ge­führ­ten Zuschau­er­vo­tings (!) ist größ­ten­teils ver­schol­len – man weiß ledig­lich, dass Tid­mand knapp die Hälf­te aller rund 230.000 Ein­sen­dun­gen auf sich ver­ei­ni­gen konn­te. Und das für einen der­ar­tig tief­schla­fin­du­zie­ren­den, selbst für die frü­hen Sech­zi­ger ret­tungs­los alt­mo­di­schen Song! Das lässt für rest­li­chen Lie­der das Schlimms­te erah­nen, dar­un­ter wel­che mit so grau­en­vol­len Titeln wie ‘Mein pri­va­ter Grand Prix’ oder gar – Gott behü­te! – ‘Pol­ka beim Grand Prix’. Die weni­gen auf­find­ba­ren Audio­auf­zeich­nun­gen offen­ba­ren denn auch Lan­ge­wei­le pur. Am wenigs­ten uner­träg­lich klingt dabei noch das zweit­plat­zier­te ‘Der er en For­skel’ (‘Das ist ein Unter­schied’) der Schwes­tern Vivi­an & Berit Lar­sen, das dem musi­ka­li­schen Zeit­geist zwar eben­falls um gefühl­te vier­zig Jah­re hin­ter­her­hink­te, aber zumin­dest noch eini­ger­ma­ßen uptem­po­rär daher­kam. Vivi­an, die Dun­kel­haa­ri­ge der Bei­den, nahm in den Acht­zi­ger drei wei­te­re Male erfolg­los am MGP teil, dort als mitt­ler­wei­le ver­hei­ra­te­te Vivi­an Johan­sen. 1983 kon­kur­rier­te sie dabei gegen ihre eige­ne Toch­ter, Gry Johan­sen, die dann statt ihrer mit ‘Klo­den Drey­er’ zum ESC nach Mün­chen fuhr. Um auf den 1964er MGP zurück­zu­kom­men: die­ser lässt sich am tref­fends­ten mit dem Song­ti­tel des gera­de­zu unver­meid­li­chen Gus­tav Winck­ler (→ DK 1957) zusam­men­fas­sen: ‘Ugler i mosen’ (‘Da ist was faul’)!

Walz­te sei­nen Wal­zer auf unnö­ti­ge drei Minu­ten aus: der Björn.

Vor­ent­scheid DK 1964

Dansk Melo­di Grand Prix. Sams­tag, 15. Febru­ar 1964, aus dem Tivo­li in Kopen­ha­gen. Neun Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bent Fabri­ci­us-Bjer­re.
#Interpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01Else + Pre­ben OxbølMit pri­va­te Grand Prix
02Bjørn Tid­mandSan­gen om dig102.1711
03Vivi­an + BeritDer er en For­skel2
04Raquel Ras­ten­niVi taler sam­me Sprog
05Otto Bran­den­burgStress
06Gre­the Mogen­senNat­tens Melo­di
07Gus­tav Wink­ler + Gre­the SønckUgler i mosen
08Dario Cam­peot­toShan­gri-la3
09Gre­the Thor­d­al + Fre­de­rikPol­ka i Grand Prix

UK 1964: Lie­bes­grü­ße aus Lon­don

Einen eta­blier­ten Star, einen gro­ßen Namen als Reprä­sen­tan­ten des Ver­ei­nig­ten König­reichs beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu fin­den, das war Anfang der Sech­zi­ger­jah­re das Ziel des sei­ner­zei­ti­gen BBC-Unter­hal­tungs­chefs Tom Slo­an, wie der bri­ti­sche Buch­au­tor Gor­don Rox­burgh in sei­ner Fibel ‘Songs for Euro­pe, Volu­me One’ rap­por­tiert. Und so ließ er sich vom deut­schen Vor­ent­scheid 1963 inspi­rie­ren und änder­te das For­mat des im Jah­re 1964 erst­mals unter A Song for Euro­pe fir­mie­ren­den Aus­wahl­ver­fah­rens: anstel­le meh­re­rer Künstler/innen soll­te nur noch ein/e vor­ab ausgewählte/r Interpret/in alle Titel vor­stel­len. Neben­bei woll­te er so den Fokus stär­ker auf den Song len­ken: anstatt für den char­man­tes­ten oder bekann­tes­ten Sän­ger, so die Hoff­nung, soll­ten die regio­na­len Jurys für das bes­te Lied stim­men. Wäh­rend man über Letz­te­res strei­ten mag, klapp­te das mit dem gro­ßen Namen sehr gut: Slo­an zog den als Ter­rence Par­sons gebo­re­nen Schnul­zen­kö­nig Matt Mon­ro an Land, in Groß­bri­tan­ni­en in Anleh­nung an sei­nen frü­he­ren Beruf auch bekannt als “Der sin­gen­de Bus­fah­rer”, der seit 1960 bereits acht Hits vor­wei­sen konn­te, zuletzt die Titel­me­lo­die des aktu­el­len James-Bond-Strei­fens ‘From Rus­sia with Love’ (deut­scher Film­ti­tel: ‘Lie­bes­grü­ße aus Mos­kau’), und sich damit auf dem Höhe­punkt sei­ner Popu­la­ri­tät befand. Mon­ro durf­te sich aus einer Vor­schlags­lis­te der bri­ti­schen Kom­po­nis­ten­lob­by sechs Song­schrei­ber aus­su­chen, die ihm jeweils ein Lied für A Song for Euro­pe auf den Leib schnei­der­ten. Wenig über­ra­schend fiel sei­ne Wahl über­wie­gend auf bis­he­ri­ge Weg­ge­fähr­ten, dar­un­ter der Film­mu­sik­kom­po­nist Lio­nel Bart, aus des­sen Feder eben­die­ser Bond-Titel stamm­te. Der augen­schein­lich aber­gläu­bi­sche Bart blieb als ein­zi­ger betei­lig­ter Lie­dau­tor der TV-Show aus Ver­är­ge­rung osten­ta­tiv fern, weil sein Bei­trag ‘Choo­se’ bei der Aus­lo­sung der Start­plät­ze die Start­num­mer 1 zuge­lost bekam – eine Posi­ti­on, so die unver­rück­ba­re Über­zeu­gung des Kom­po­nis­ten, von der aus nie­mand gewin­nen konn­te und die für sein Lied das Aus bedeu­te. Womit er Recht behal­ten soll­te: ‘Choo­se’ lan­de­te in der Jury­ab­stim­mung auf Rang vier.

Aber­mil­lio­nen von Kinogänger/innen und TV-Zuschau­er/in­nen welt­weit ver­traut: Mon­ros Bond-Titel­lied (Reper­toire­bei­spiel).

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PT 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubei­ßen

Gute drei Jah­re vor mei­ner Geburt begann sie: die lan­ge, tie­fe Lei­dens­ge­schich­te des west­lichs­ten Lan­des Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pas beim Euro­vi­si­on Song Con­test, die erst 48 Teil­nah­men und 53 Jah­re spä­ter mit dem Sieg von Sal­va­dor Sobral ihr tem­po­rä­res Ende fin­den soll­te. Bis dahin erwies sich der von zahl­rei­chen Roten Later­nen und küm­mer­li­chen Punk­te­ga­ben gesäum­te Weg als qual­voll und stei­nig. Schaut man sich das 1964 eigens zu die­sem Zwe­cke, als natio­na­le Vor­ent­schei­dung, aus der Tau­fe geho­be­ne und bis zum heu­ti­gen Tag zu die­sem Behu­fe ver­wen­de­te Fes­ti­val da Canção in vol­ler Län­ge an, ahnt man, war­um. Sechs Sänger/innen tra­ten gegen­ein­an­der an bei der Pre­miè­re die­ser im hohen Maße fest­li­chen Ver­an­stal­tung, und ein/e jede/r von ihnen inter­pre­tier­te jeweils zwei Canção (wohl­ge­merkt: aus­schließ­lich Bal­la­den, Uptem­po­rä­res war in die­sem Land und zu die­ser Zeit offen­bar bei Zucht­haus ver­bo­ten), die in ihrer staats­tra­gen­den Lang­wei­lig­keit und Fad­heit rück­bli­ckend den bis dato in die­sen Kate­go­ri­en unge­schla­gen füh­ren­den Grand Prix von 1961 als hem­mungs­los wil­den Rock’n’Roll-Event erschei­nen lie­ßen. Die gesam­te Sze­ne­rie scheint wie aus den feuch­ten Träu­men des dama­li­gen deut­schen Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­chen, Hans-Otto Grü­ne­feldt, oder ihm geis­tig nahe ste­hen­der Freun­de der “geho­be­nen” Unter­hal­tung ent­sprun­gen: tadel­los geklei­de­te Men­schen stel­len sich artig vor ein opu­len­tes Orches­ter, ohne zu tan­zen oder sich sonst­wie zu ver­ren­ken, und sin­gen mit durch die Bank her­aus­ra­gen­der Stimm­kraft geschmack­vol­le, unan­stö­ßi­ge, dezen­te Bal­la­den, die garan­tiert kei­nen Hund hin­ter dem Ofen her­vor­lo­cken und von denen kei­ne ein­zi­ge jemals in die Gefahr gera­ten könn­te, zu so etwas ver­werf­li­chem wie einem (man erschau­dert schon bei dem Gedan­ken!) Gas­sen­hau­er zu dege­ne­rie­ren. Kaum ist der letz­te Ton ver­klun­gen, dre­hen sie sich stan­de pede um und gehen zügig ab. Da kann man sogar über den Umstand hin­weg­se­hen, dass etli­che der ins­ge­samt zwölf Bei­trä­ge nicht nur gefühlt die → Drei-Minu­ten-Gren­ze deut­lich über­schrit­ten.

Die Ver­schmut­zung des Atlan­tik mit erb­gut­ver­än­dern­den Che­mi­ka­li­en und die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die dor­ti­ge Fisch­fau­na war das The­ma von Simo­ne de Oli­vei­ras vier­ein­halb­mi­nü­ti­gem (!) Bei­trag ‘Augen in Augen’.

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IT 1964: Gib mir noch Zeit

Wel­che Bedeu­tung das San-Remo-Fes­ti­val zu sei­ner Blü­te­zeit weit über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus hat­te, ver­mag man sich heut­zu­ta­ge kaum noch vor­zu­stel­len. Eine leich­te Ahnung davon ver­mit­telt der Blick auf die Inter­pre­ten­lis­te des als Grand-Prix-Vor­ent­scheid genutz­ten Wett­be­werbs im Jah­re 1964. Da kam die aus­füh­ren­de Sen­de­an­stalt RAI näm­lich auf die gran­dio­se Idee, die Zweit­ver­sio­nen der im Semi­fi­na­le vor­ge­stell­ten 24 Lie­der von inter­na­tio­na­len Stars sin­gen zu las­sen, um den Duft der gro­ßen wei­ten Welt in die ohne­hin schon gla­mou­rö­se Ver­an­stal­tung zu holen. Und das Ver­rück­te: die ein­ge­la­de­nen Gäs­te kamen auch! So nahm bei­spiels­wei­se neben der Ita­lie­ne­rin Mil­va auch die Fran­zö­sin Fri­da Boc­ca­ra (→ FR 1969) die ‘Letz­te Stra­ßen­bahn nach Mit­ter­nacht’, zusätz­lich zum hei­mi­schen Swing-Sän­ger Nico­la Ariglia­no mach­te sich auch der deut­sche Rock’n’Roller Peter Kraus (‘Sugar Baby’) auf den Marsch der ’20 Kilo­me­ter nach Mor­gen’, und von dem herr­lich pit­to­res­ken Tou­ris­mus-Wer­be­schla­ger ‘Son­ne, Piz­za und Lie­be’ gab es eben­falls gleich zwei Ver­sio­nen.

Sole, Piz­za, Amo­re’ – was mehr will man von einem Ita­li­en-Urlaub? Nur war­um bei 1:20 Minu­ten die Frank­fur­ter Kai­ser­stra­ße Erwäh­nung fin­det, will mir nicht in den Kopf!

wei­ter­le­senIT 1964: Gib mir noch Zeit

DE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Nora Nova, DE 1964
Die GSD-Beam­tin

Kein Jahr ver­lief wie das ande­re beim deut­schen Vor­ent­scheid, jeden­falls in den frü­hen Sech­zi­gern: nach den gla­mou­rö­sen Schla­ger­fest­spie­len (1962), deren dies­jäh­ri­ge Sie­ge­rin Siw Malmkvist (→ SE 1961, DE 1969) mit ihrem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht’ die deutsch­spra­chi­ge Hit­sin­gle des Jah­res lie­fer­te, und der One-Women-Show mit Hei­di Brühl (→ DE 1963) fand dies­mal in Frank­furt am Main wie­der eine klas­si­sche Vor­ent­schei­dung mit meh­re­ren Interpret/innen statt, erst­mals unter dem dann fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang gül­ti­gen Rubrum “Ein Lied für…”, gefolgt vom Namen des Aus­tra­gungs­or­tes (in die­sem Fall also: Ein Lied für Kopen­ha­gen). Das unbe­frie­di­gen­de Abschnei­den der bei­den deut­schen Super­stars Con­ny Fro­boess (→ DE 1962) und Hei­di Brühl hat­te das Image des Con­tests in der deut­schen Pop-Sze­ne aller­dings nach­hal­tig beschä­digt. Eta­blier­te, zeit­ge­mä­ße Namen blei­ben fern, ledig­lich fünf alt­ge­dien­te Schlagersänger/innen, die ihren Zenit schon lan­ge über­schrit­ten hat­ten, lie­ßen sich für die Sen­dung zusam­men­trei­ben. Und eine New­co­me­rin.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

wei­ter­le­senDE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß