ESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

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Die Pop-Revo­lu­ti­on

Im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens schien der Euro­vi­si­on Song Con­test end­gül­tig bei sich ange­kom­men zu sein, die gröbs­ten Kin­der­krank­hei­ten eini­ger­ma­ßen aus­ge­merzt: unver­zeih­li­che archi­va­ri­sche Lücken durch eine feh­len­de Auf­zeich­nung der Live-Sen­dung wie noch 1956 und 1964 soll­ten künf­tig nicht mehr vor­kom­men; die Fra­ge, wer auf der Büh­ne die Sie­ges­tro­phäe über­reicht bekommt – Interpret/in oder → Komponist/in – sorg­te nicht mehr für Ver­wir­rung und pein­li­che Situa­tio­nen wie noch 1957; die Wer­tung unter­lag zwar noch stän­di­gen Ver­fah­rens­än­de­run­gen, hat­te sich aber als unver­zicht­ba­rer Teil der Sen­dung eta­bliert; die Zahl der teil­neh­men­den euro­päi­schen Staa­ten zeig­te einen erfreu­lich sta­bi­len Auf­wärts­trend von sie­ben im Anfangs­jahr zu aktu­ell 18 Natio­nen und die BBC hat­te 1963 ers­te Mei­len­stei­ne in Sachen Insze­nie­rung gesetzt, wel­che die im Jubi­lä­ums­jahr erst­ma­li­ge gast­ge­ben­de ita­lie­ni­sche TV-Anstalt RAI aller­dings nicht auf­griff. Viel­mehr wirk­te die Show aus Nea­pel extrem sta­tisch: alle Teilnehmer/innen muss­ten hin­ter einem klo­bi­gen Ste­reo-Mikro­fon Auf­stel­lung neh­men und durf­ten sich so gut wie nicht bewe­gen, wäh­rend die Kame­ras sie über­wie­gend vom Hals auf­wärts ein­fin­gen. Dazu kam eine Beleuch­tung, die so grell wirk­te, als habe sich die RAI für die Ver­an­stal­tung bei der NATO ein Dut­zend Rake­ten­such­schein­wer­fer aus­ge­lie­hen, mit denen man nicht nur das knapp 1.000 gela­de­ne Gäs­te fas­sen­de TV-Stu­dio, son­dern zur Not auch den Nacht­him­mel von ganz Nord­ita­li­en tag­hell hät­te illu­mi­nie­ren kön­nen.

Wegen irgend­wel­cher bescheu­er­ten Copy­right-Scher­gen gibt’s den ESC 1965 lei­der nicht kom­plett am Stück zu sehen, son­dern nur (in Tei­len) als Play­list. Wie oft muss ich es noch beto­nen: wir haben TV-Gebüh­ren bezahlt, die Show gehört uns! 

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DE 1965: Dann der Schlag ins Gesicht

Ulla Wiesner, DE 1965
Die Ver­zag­te

Nur zu ger­ne zie­hen Euro­vi­si­ons­fans heut­zu­ta­ge über die man­geln­de Unter­hal­tungs­kom­pe­tenz der ARD her – und der Haus­herr die­ses Blogs wäscht da sei­ne Hän­de kei­nes­falls in Unschuld. Auch die eher einer freund­li­chen Über­nah­me durch Ste­fan Raab (→ DE 2000) gleich­kom­men­de “Koope­ra­ti­on” des Ers­ten mit Pro­Sie­ben bei den deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen von 2010 bis 2012 (im Wirt­schafts-Neu­sprech hie­ße so etwas “Joint-Ven­ture unter Abga­be der unter­neh­me­ri­schen Füh­rung”) könn­te man als (aller­dings im End­ergeb­nis sehr erfolg­rei­chen) kon­zep­tio­nel­len Offen­ba­rungs­eid inter­pre­tie­ren, wenn man möch­te. Doch so neu ist das alles nicht: bereits in den Sech­zi­gern tat sich das öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen, nament­lich der damals feder­füh­ren­de Hes­si­sche Rund­funk unter sei­nem Unter­hal­tungs­chef Hans-Otto Grü­ne­feld, aus­ge­spro­chen schwer mit dem Wett­be­werb der leich­ten Muse.

Chart-Watch 1965: Nur der brei­te ame­ri­ka­ni­sche Akzent der jugend­lich-fri­schen Inter­pre­tin ret­te­te den musi­ka­lisch wie text­lich brä­sig-bie­de­ren Sie­ger­ti­tel der Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le 1965 vor der abso­lu­ten Uner­träg­lich­keit. Einen Num­mer-2-Hit konn­te Peg­gy March den­noch erzie­len. Unbe­zahl­bar: das Gesicht der unter­le­ge­nen Kon­kur­ren­tin Git­te Hæn­ning.

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DK 1965: Weil er ein Chau­vi ist, ein Man­nes­mann

Ach, was hat­ten die Unter­hal­tungs­chefs der euro­päi­schen Rund­funk­an­stal­ten zu lei­den am Grand Prix Euro­vi­si­on! Nicht nur an den hohen Kos­ten und am mur­ren­den Volk, wenn die Lie­der mal wie­der zu schlecht und / oder die Ergeb­nis­se zu ent­täu­schend waren, son­dern vor allem an dem klaf­fen­den Kra­ter zwi­schen dem eige­nen aka­de­mi­schen Anspruch an exqui­si­te Musik und der pro­fa­nen Not­wen­dig­keit von wett­be­werbs­fä­hi­gen Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen. Vom deut­schen Dele­ga­ti­ons­lei­ter die­ser Ära, Hans-Otto Grü­ne­feld, weiß man, dass er all zu Gefäl­li­ges und Hit­ver­däch­ti­ges, Schla­ger­haf­tes gar, wie es der Plebs bevor­zug­te, aus vol­lem Her­zen hass­te, und er wähn­te sich da voll und ganz einig mit sei­nem däni­schen Kol­le­gen Svend Peder­sen. Dem ging das seich­te Tra­la­la, das gera­de sein Sen­der DR seit 1957 regel­mä­ßig zu den euro­päi­schen Fest­spie­len schick­te, gewal­tig gegen den Strich, und so woll­te er eigent­lich erst gar nicht teil­neh­men in die­sem Jahr. Nach eini­gem guten Zure­den ließ er sich dann doch noch breit­schla­gen, aller­dings nur unter der Bedin­gung, dass end­lich ein­mal “Qua­li­tät” an die Rei­he käme. Und so kon­tak­tier­te er eine Rei­he von klas­si­schen Kom­po­nis­ten, die ihm ins­ge­samt acht Titel für eine strikt haus­in­ter­ne Jury­wahl schrie­ben. Eine vier­köp­fi­ge gestren­ge Jury, bestehend aus dem Obers­ten Jus­tiz­be­am­ten Eivind Helsted, dem Jazz­mu­si­ker Ib Glin­de­mann, dem Pro­gramm­re­dak­teur Mogens Kil­de und dem Kom­po­nis­ten Peder Holm ent­schied nach dem Anhö­ren die­ser Lie­der, die lyrisch beson­ders anspruchs­vol­le und gesell­schafts­po­li­tisch hoch­bri­san­te Bal­la­de ‘For din Skyld’ nach Nea­pel zu ent­sen­den, in wel­cher die sei­ner­zeit 38jährige Inter­pre­tin Bir­git Brüel sich einen Mann wünsch­te, der vom über­kom­me­nen Rol­len­bild des Erobe­rers ablässt und in ihr nicht das scheue, zu erja­gen­de Wild sähe, son­dern eine gleich­be­rech­tig­te Part­ne­rin. Unbe­dingt lobens­wert – hät­te die Gute die­sen fort­schritt­lich femi­nis­ti­schen Text in Form einer Pro­kla­ma­ti­on ver­le­sen und nicht gesun­gen. Denn als Lied war ‘Auf­grund dei­ner Schuld’ ein­fach nur ein ent­setz­lich zäher, zu Tode lang­wei­len­der Bro­cken, von Frau Brüel zudem mit ange­mes­sen gries­grä­mi­gen Gesicht vor­ge­tra­gen. Erstaun­li­cher­wei­se erhielt sie von den inter­na­tio­na­len Jurys zehn Punk­te – sehr viel für das dama­li­ge Wer­tungs­sys­tem, denn es reich­te für den sieb­ten Rang. Augen­schein­lich saßen dort etli­che des Däni­schen mäch­ti­gen Feminist/innen. Bir­git Tho­ra Marie-Loui­se Brüel, wie die 1996 ver­stor­be­ne Jazz-Sän­ge­rin und Schau­spie­le­rin mit vol­lem Namen hieß, trug übri­gens noch zwei wei­te­re Titel vor bei die­ser sen­der­in­ter­nen Aus­wahl, und die Num­mer ‘Drømme­flo­den’, eine völ­lig ziel­los vor sich hin mäan­dern­de, expe­ri­men­tell klin­gen­de Jazz­bal­la­de fand ihren Weg auf die B-Sei­te der Sin­gle mit dem däni­schen Bei­trag 1965. Es ist das ein­zi­ge neben dem Sie­ger­song noch im Netz zu fin­den­de Lied die­ses Vor­ent­scheids, und die aus dem Anhö­ren des Titels resul­tie­ren­den Ohren­schmer­zen illus­trie­ren auf das Vor­treff­lichs­te, war­um der Sen­der DR gut dar­an tat, die Bei­trä­ge dem Fern­seh­pu­bli­kum vor­zu­ent­hal­ten. 

Das Gespenst des Femi­nis­mus geht um in Euro­pa: Bir­git Brüel in Nea­pel.

Vor­ent­scheid DK 1965

Dansk Melo­di Grand Prix. Don­ners­tag, 18. Febru­ar 1965, aus dem Stu­dio 2 des Radio­hu­set in Kopen­ha­gen. Sechs Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: – (haus­in­ter­ner Jury-Ent­scheid).
#Interpret/inTitelPlatz
01Bir­git BrüelFor din Skyld1
02Bir­git BrüelDrømme­flo­den
03Bir­git BrüelFørst nu
04Bjørn Tid­mandForårs­vi­se
05Poul Bund­gaardErin­dring
06Otto Bran­den­burgAt give dig gaver
07Dai­miHele ver­dens Jen­ka
08Bir­t­he Wil­keSom du er

SE 1965: Ver­lan­gen und Lust

Ein­zig und allei­ne das Lied soll im Vor­der­grund ste­hen beim Euro­vi­si­on Song Con­test, nicht der Inter­pret – von die­sem mög­li­cher­wei­se gut gemein­ten, aber völ­lig fehl­ge­lei­te­ten Man­tra (denn nur im gelun­ge­nen Zusam­men­wir­ken von Mensch und Mate­ri­al ergibt bei­des eine ergrei­fen­de Ein­heit) waren die TV-Unter­hal­tungs­chefs der west­eu­ro­päi­schen Sen­der nicht abzu­brin­gen in den Grün­dungs­jah­ren des Wett­be­werbs. Und so griff auch das schwe­di­sche Fern­se­hen 1965 zum glei­chen Mit­tel wie die Kol­le­gen aus Groß­bri­tan­ni­en und Bel­gi­en und nomi­nier­te, um das ver­gnü­gungs­süch­ti­ge und leicht von gro­ßen Namen zu beein­dru­cken­de Publi­kum aus­zu­trick­sen, einen ein­zi­gen Sän­ger, sämt­li­che Titel des natio­na­len Vor­ent­scheids vor­zu­tra­gen. Da der Con­test in die­sem Jahr in Ita­li­en, dem Mut­ter­land der Oper, statt­fand, lag es wohl irgend­wie nahe, einen an den inter­na­tio­na­len Spiel­stät­ten der Hoch­kul­tur gefei­er­ten Bari­ton zu enga­gie­ren: man erhoff­te sich bei SVT von dem bereits in jun­gen Jah­ren fol­li­kal Her­aus­ge­for­der­ten Ing­var Wixell (zoti­gen Namens­witz bit­te selbst ein­fü­gen) eine wür­di­ge Ver­tre­tung. Der 2011 ver­stor­be­ne Trä­ger des Gro­ßen Ver­dienst­kreu­zes der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der von 1967 an drei­ßig Jah­re lang zum Ensem­ble der Deut­schen Oper Ber­lin gehör­te, lehn­te zunächst ein­mal zwei der acht von vom Sen­der ange­frag­ten Kom­po­nis­ten spe­zi­ell für ihn geschrie­be­nen Titel ab. Unter den rest­li­chen sechs Lie­dern ver­teil­ten die erst­mals beim Melo­di­fes­ti­va­len zum Ein­satz kom­men­den elf regio­na­len Jurys ihre Punk­te ziem­lich ein­deu­tig: nur Mit­leids­zäh­ler gab es für das sei­nen Titel offen­sicht­lich Lügen stra­fen­de ‘Väl­digt vacker’ (‘Sehr schön’) und das zwei­deu­ti­ge ‘Varm i dej’ (‘Warm in Dir’). Um so ein­deu­ti­ger gewann der mit beein­dru­cken­der Stimm­kraft into­nier­te ‘Annor­stä­des Vals’ (‘Anders­wo-Wal­zer’), eine zar­te, melan­cho­li­sche Sehn­suchts­bal­la­de, mit wel­cher das skan­di­na­vi­sche Land nicht wei­ter ent­fernt von sei­ner heu­ti­gen Rol­le als euro­vi­sio­nä­res Power­hou­se des Pop hät­te sein kön­nen, und in wel­cher der trieb­ge­plag­te Ing­var sei­ner abwe­sen­den Fern­be­zie­hung etwas vom früh­lings­haf­ten Knos­pen sei­ner Lüs­te vor­sülz­te, für die er sich Erlö­sung hin­ter den Schlüs­sel­blu­men erhoff­te. Die­sen blu­mi­gen Sex-Talk ent­schärf­te er jedoch in Nea­pel, wo er den Bei­trag in einer etwas unver­fäng­li­che­ren eng­li­schen Fas­sung als ‘Absent Fri­end’ vor­trug. Das Nicht­be­ach­ten der sei­ner­zeit noch unge­schrie­be­nen → Spra­chen­re­gel sorg­te indes dafür, dass die EBU eben jene ab 1966 schrift­lich ver­bind­lich fixier­te. Es soll­te noch ein knap­pes Jahr­zehnt ver­ge­hen, ehe Schwe­den zu sei­ner Form und – mit einer wei­te­ren Regel­über­tre­tung – zum ers­ten Sieg fand.

Wegen mir hät­te Ing­var auch auf Sua­he­li sin­gen kön­nen. Mehr ver­stan­den hät­te ich den­noch nicht.

Vor­ent­scheid SE 1965

Melo­di­fes­ti­va­len. Sams­tag, 13. Febru­ar 1965, aus dem Djur­går­den in Stock­holm. Ein Teil­neh­mer. Mode­ra­ti­on: Bir­git­ta Sand­stedt.
#Interpret/inTitelPunk­tePlatz
01Ing­var WixellStil­la och Tyst282
02Ing­var WixellKom­mer Vår054
03Ing­var WixellVarm i dej025
04Ing­var WixellFör­t­rollad Stad143
05Ing­var WixellVäl­tigt vacker016
06Ing­var WixellAnnor­stä­des Vals501

BE 1965: Il pleut de l’Or

1963, als der flä­mi­sche Sen­der zuletzt für den bel­gi­schen Bei­trag ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, unter­lag die als Lilia­ne Couck gebo­re­ne Sän­ge­rin Lize Mar­ke im Vor­ent­scheid noch knapp (mit nur drei Punk­ten Dif­fe­renz) gegen ihren Mit­be­wer­ber Jac­ques Ray­mond. Dies­mal bau­te VRT vor und buch­te Lize, wel­che im glei­chen Jahr noch ihre eige­ne TV-Per­so­na­li­ty-Show bekam, exklu­siv für die Reprä­sen­tanz des Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Einen Vor­ent­scheid gab es den­noch: sechs Lied­lein durf­te die Chan­teu­se vor­stel­len, und eine pari­tä­tisch mit “Exper­ten” und Zuschauer/innen besetz­te Jury erwähl­te dar­aus die musi­ka­lisch äußerst dezent daher­kom­men­de Bal­la­de ‘Als het weer Len­te is’ (‘Wenn es wie­der Früh­ling ist’), in wel­chem die Prot­ago­nis­tin ihrem in den käl­te­ren Jah­res­zei­ten offen­sicht­lich fern der Hei­mat wei­len­den Gespons ver­spricht, für ihn die “Tau­trop­fen” zu “spa­ren” und ihm bei sei­ner Rück­kehr aus son­ni­ge­ren Gefil­den von den zwi­schen­zeit­lich ange­sam­mel­ten Reich­tü­mern alles zu kau­fen, was er sich nur wünscht. Nun ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis, in wel­chem unbe­kann­ten Feen­land man mit einer der­art nas­sen Wäh­rung bezah­len kann – oder han­del­te es sich gar um eine beson­ders blu­mi­ge Meta­pher für gewis­se Kör­per­flüs­sig­kei­ten, mit denen Frau Couck ihren Teil­zeit-Lover zu ent­loh­nen gedach­te? Um den merk­wür­di­gen Song ent­spann sich eine klei­ne Kon­tro­ver­se, als auf­merk­sa­me Grand-Prix-Fans den Sen­der nach dem Vor­ent­scheid dar­auf hin­wie­sen, dass der Titel bereits im Fern­se­hen gesun­gen wor­den war, und zwar von Tonia (→ BE 1966). Trotz des frap­pan­ten Regel­ver­sto­ßes schick­te VRT Lize, die selbst wohl eher den zweit­plat­zier­ten Bei­trag ‘Een Wereld zon­der jou’ bevor­zug­te, mit dem anrü­chi­gen Früh­lings­lied gen Nea­pel, wo sie aller­dings eine kal­te →  Null-Punk­te-Dusche über sich erge­hen las­sen muss­te. Eine beson­ders blü­hen­de Kar­rie­re soll­te ihr im Anschluss nicht mehr gelin­gen.

Vene­dig im Regen: Lizes Tautröpf­chen ver­dampf­ten im war­men Kli­ma Ita­li­ens.

Vor­ent­scheid BE 1965

Fina­le van de bel­gi­sche Bijdra­ge tot het Song­fes­ti­val. Sams­tag, 13. Janu­ar 1965. Eine Teil­neh­me­rin.

#Inter­pretTitelPunk­tePlatz
01Lize Mar­keAls het weer Len­te is3171
02Lize Mar­keRegen­lied2773
03Lize Mar­keEen Wereld zon­der jou2852
04Lize Mar­keJij alle­en2496
05Lize Mar­keJij bent onmis­baar2665
06Lize Mar­keZoals2704

NL 1965: Mar­mor, Stein und Schla­ger bricht

Nach zwei inter­nen Aus­wah­len kehr­te das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen 1965 wie­der zum öffent­li­chen Vor­ent­scheid zurück. Und das mit Gran­dez­za: über eine gan­ze Woche lang erstreck­te sich das Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF) in die­sem Jahr. Ins­ge­samt fünf aktu­el­le Schla­ger­stars betei­lig­ten sich dar­an und stell­ten in getrenn­ten Vor­run­den jeweils drei Songs vor, aus denen das Publi­kum jeweils einen für das gemein­sa­me Fina­le aus­wähl­te. Den Auf­takt mach­te die als Fünf­zehn­jäh­ri­ge in einer Talent­show ent­deck­te Trea van der Schoot. Die hat­te auf Anra­ten ihrer Men­to­rin Cate­ri­na Valen­te (!) zeit­gleich zu ihrer begin­nen­den Schla­ger­kar­rie­re in den Nie­der­lan­den ver­sucht, auch den lukra­ti­ven deut­schen Markt zu entern und dazu ihren Namen in das für ger­ma­ni­sche Zun­gen leich­ter aus­zu­spre­chen­de Trea Dobbs geän­dert, zu dem sich die Valen­te durch einen Zir­kus­clown inspi­rie­ren ließ. Es half Trea nicht viel: Plat­ten wie ‘Rita, Pepi­ta, Con­chi­ta’ (eine Ode an die spa­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 1965?) oder ‘Du hast mir einen Hund geschenkt’ blie­ben in den Rega­len lie­gen. Dafür lan­de­te sie zu Hau­se in die­sem Jahr mit der nie­der­län­di­schen Fas­sung des Dra­fi-Deut­scher-Ever­greens ‘Mar­mor, Stein und Eisen bricht’ (bei Trea: ‘Mar­mer, Staal en Ste­en ver­ga­an’) einen Top-Ten-Hit. Genau so übri­gens wie mit ihrem auf einem aktu­el­len Mode­tanz basie­ren­den NSF-Final­bei­trag ‘Plo­em plo­em Jen­ka’, mit wel­chem die Hol­län­der ein­mal mehr ihr Händ­chen für kar­ne­val­es­ke Schun­kel­schla­ger unter Beweis stell­ten.

Klingt genau so plem plem, wie der Titel es ver­spricht: Trea Dobbs Jen­ka.

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IE 1965: The Rain! The Rain! Cry­ing!

Erst im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens debü­tier­te die mit ins­ge­samt sie­ben Sie­gen bis heu­te erfolg­reichs­te Nati­on beim Euro­vi­si­on Song Con­test. 1956 bei der Grand-Prix-Pre­miè­re in Luga­no konn­te Irland indes noch gar nicht dabei sein: da ver­füg­te die streng katho­li­sche und sei­ner­zeit noch ein wenig rück­stän­di­ge Insel­na­ti­on näm­lich noch nicht über eine eige­ne Rund­funk­sta­ti­on. Erst 1961 grün­de­te sich das Staats­fern­se­hen RTÉ, und vier Jah­re spä­ter fühl­te man sich dann fit genug, sich am kul­tu­rel­len Kräf­te­mes­sen der euro­päi­schen Natio­nen zu betei­li­gen. “Zu die­sem Zeit­punkt schien die Euro­vi­si­on in den Augen der Iren eine sehr anspruchs­vol­le Ange­le­gen­heit zu sein,” schreibt der Autor David Bla­ke Knox in sei­nem 2015 erschie­ne­nen Buch ‘Ire­land and the Euro­vi­si­on’, und die Aus­wahl des kel­ti­schen Ver­tre­ters vor allem von dem Wunsch beseelt, er oder sie möge die Nati­on vor der Welt­öf­fent­lich­keit “nicht bla­mie­ren”. So muss­ten sich die zwölf Teilnehmer/innen des ers­ten iri­schen Vor­ent­scheids – größ­ten­teils die Lead­sän­ger der damals hoch­gra­dig popu­lä­ren Tanz­ka­pel­len – dem Anlass ent­spre­chend in Smo­king oder Abend­kleid wer­fen und durf­ten nicht ihr übli­ches Reper­toire zu Gehör brin­gen, das neben Cover­ver­sio­nen aktu­el­ler Hits vor allem aus Coun­try & Wes­tern und hei­mi­schem Folk bestand.

Dickie Rock (→ IE 1967) war einer der popu­lärs­ten Teil­neh­mer beim iri­schen Vor­ent­scheid 1965. Sein übli­ches Reper­toire (hier sein Hit ‘One by one’ aus dem glei­chen Jahr) durf­te er jedoch eben­falls nicht brin­gen.

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ES 1965: Fess­le mich!

Mit einem gera­de­zu gigan­ti­schen Knock-out-Ver­fah­ren bestimm­te der spa­ni­sche Sen­der TVE im Jah­re 1965 sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag. Begin­nend im Okto­ber 1964, stell­te man der Öffent­lich­keit im Rah­men der wöchent­li­chen TV-Show Gran Para­da ins­ge­samt 54 (!) Lie­der vor. Gegen Ende jedes Monats tra­ten die zurück­lie­gend prä­sen­tier­ten Titel in einem Semi­fi­na­le gegen­ein­an­der an, die bei­den Best­plat­zier­ten gelang­ten ins Anfang Febru­ar 1965 ange­setz­te Fina­le des Euro­fes­ti­val. Zu den so gefun­de­nen acht Bei­trä­gen (oder, genau­er gesagt: sie­ben, denn einen Titel muss­te der Sen­der dis­qua­li­fi­zie­ren) addier­te TVE noch­mal sechs Direkt­star­ter hin­zu, die sich nicht dem Vor­auswahl­ver­fah­ren stel­len muss­ten, dar­un­ter der spä­te­re Sie­ger­song. Im Fina­le ver­ga­ben sech­zehn Juro­ren, dar­un­ter auch aus­ge­wähl­te Zuschauer/innen, pro Wer­tungs­durch­gang jeweils einen Punkt für jedes Lied bis auf eines. Der Bei­trag mit den wenigs­ten Punk­ten flog dann raus, alle ande­ren stell­ten sich erneut zur Wahl. Bereits rela­tiv früh, als Vier­ten von 13 Teilnehmer/innen, traf das Schick­sal den ibe­ri­schen Ver­tre­ter von 1972, Jai­me Morey, mit sei­nem Lied über einen Fla­men­co­tän­zer – einer von zahl­rei­chen Bei­trä­gen, die sich mit gera­de­zu kli­schee­haft spa­ni­schen The­men befass­te. Lei­der sind – bis auf die Medail­len­rän­ge – sämt­li­che Titel des Euro­fes­ti­vals nicht mehr auf You­tube auf­find­bar. Der Bron­ze­platz ging an Rapha­el (→ ES 1966, 1967), der mit den ‘Feri­an­tes’ (‘Rum­mel­platz­be­su­chern’) eine der für ihn so typi­schen hoch­dra­ma­ti­schen Num­mern ablie­fer­te, für wel­che ich die Halb­in­sel im Süden Euro­pas so sehr lie­be.

Irgend­wie möch­te man die gan­ze Zeit “THE RAIN! THE RAIN! DAN­CING!” dazu skan­die­ren: das zweit­plat­zier­te Dyna­mi­sche Duo.

wei­ter­le­senES 1965: Fess­le mich!

PT 1965: Weni­ger ist mehr

Sie muss nahe­zu unbe­grenzt sein, die lusi­ta­ni­sche Lei­dens­be­reit­schaft. Oder aber das Land ver­setzt das Trink­was­ser sei­ner Bewohner/innen mit Crys­tal Meth. Anders ist es nicht zu erklä­ren, dass die süd­eu­ro­päi­sche Halb­in­sel zumin­dest in der ers­ten Hälf­te die­ses zwei­ten Fes­ti­val da Canção (FdC) nicht in kol­lek­ti­ven, hun­dert­jäh­ri­gen Tief­schlaf ver­fiel. Aus der demü­ti­gen­den Pre­miè­re der sei­ner­zei­ti­gen Dik­ta­tur beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1964, von wel­chem man mit gan­zen → null Punk­ten wie­der abreis­te, hat­te der Sen­der RTP nicht das Gerings­te gelernt: drei bereits im Vor­jahr beim FdC prä­sen­te Sänger/innen, dar­un­ter der in Kopen­ha­gen so glück­lo­se Antó­nio Cal­vá­rio, inter­pre­tier­ten vor einer geschmack­voll zurück­hal­ten­den Stu­di­ode­ko­ra­ti­on wie fest­ge­na­gelt am Mikro ste­hend vier musi­ka­lisch nur in win­zi­gen Nuan­cen unter­scheid­ba­re, so pom­pös instru­men­tier­te wie unein­gän­gi­ge Schnarch­bal­la­den. Ein schwel­ge­risch gei­gen­durch­flu­te­ter, den­noch unglaub­lich zäher Ein­heits­brei, der jede/n nicht unter Auf­putsch­mit­tel­mit­teln stehende/n Zuschauer/in umge­hend in Mor­pheus Arme schi­cken muss. Erst mit dem Erschei­nen der legen­dä­ren Mada­le­na Iglé­si­as auf Start­po­si­ti­on 5 kam etwas Schwung in den Abend. Zwar nicht unbe­dingt musi­ka­lisch, dafür bot auch das dezent dra­ma­ti­sche ‘Silên­cio ent­re nós’ (‘Schwei­gen zwi­schen uns’) dem pop-geneig­ten Ohr zu wenig Anknüp­fungs­punk­te. Dafür aber lie­fer­te die Rit­ter-Sport-gesich­tig­te Inter­pre­tin, die sich schon bei der FdC-Pre­miè­re 1964 mit beson­ders ein­dring­li­cher Mimik aus der Mas­se der Konkurrent/innen her­vor­hob, auch dies­mal wie­der aus­drucks­stark ab. Für por­tu­gie­si­sche Ver­hält­nis­se koket­tier­te sie fast schon mit der Kame­ra – ein klei­ner Tabu­bruch, der immer­hin für eine Bron­ze­me­dail­le reich­te.

Qua­dra­tisch, prak­tisch, gut: in Mada­le­nas Ant­litz zu lesen, ist ein Genuss.

wei­ter­le­senPT 1965: Weni­ger ist mehr

YU 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Es waren in den Sech­zi­ger­jah­ren mehr oder min­der stets die­sel­ben Namen, die auf der Teil­neh­mer­lis­te der jugo­sla­wi­schen Vor­ent­schei­dung auf­tauch­ten. Frü­her oder spä­ter gewann dann auch fast Jede/r von ihnen mal und durf­te den Viel­völ­ker­staat beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­tre­ten. Eine, die das trotz bei­na­he durch­ge­hen­der Prä­senz bei der Jugo­vi­zi­ja nie ganz schaff­te, und das, obwohl sie laut Wiki­pe­dia die erfolg­reichs­te Schla­ger­sän­ge­rin des Bal­kan­staa­tes ist, war Gabi Novak. Klingt ziem­lich ger­ma­nisch, die­ser Vor­na­me, wer­den Sie sich jetzt viel­leicht den­ken, und lie­gen damit völ­lig rich­tig: die gute Gabi kam näm­lich 1936 als Kind eines kroa­ti­schen Vaters und einer deut­schen Mut­ter in Ber­lin zur Welt, von wo die Fami­lie jedoch bei Kriegs­aus­bruch auf die dal­ma­ti­ni­sche Insel Hvar floh. 1965 kam Frau Novak, die im Lau­fe ihrer Jahr­zehn­te umspan­nen­den Kar­rie­re auch in eini­gen Schla­ger­fil­men mit­wirk­te, neben ihrer Brot-Musik aber auch Jazz-Alben ver­öf­fent­lich­te, und die 1973 den Sän­ger­kol­le­gen und Poe­ten Arsen Dedić ehe­lich­te, der für vie­le ihrer Titel kom­po­si­to­risch ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, einem Euro­vi­si­ons­auf­tritt so nahe wie nie: mit dem hüb­schen Schla­ger ‘Prvi Sni­jeg’ (‘Ers­ter Schnee’) gelang ihr der zwei­te Platz bei der Jugo­vi­zi­ja und ein Hit im Hei­mat­land.

Lei­der nur als Audio ver­füg­bar: Gabis Ers­ter Schnee.

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