Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

Eurovi­isukar­sin­ta 1962: Tipi Tii Bim­bo Tom

Eurovi­isukar­sin­ta 1962: Tipi Tii Bim­bo Tom

Es wird gelegentlich darüber geklagt, dass die Skandinavier:innen bei der Punktevergabe beim Eurovision Song Contest ganz gerne zusammenhalten, was aber angesichts der gemeinsamen kulturellen Wurzeln nicht verwundert. Zu deren Vertiefung auch die Eurovision mit beitrug: in den Sechzigern nämlich wurden die nationalen Grand-Prix-Vorentscheidungen der nordischen Länder per Nordvision in der gesamten Region ausgestrahlt. Und so schaute und lernte man vom Nachbarn. Mit dem lustigen Ergebnis, dass es bei der zweiten Suomen Euroviisukarsinta zwar vier Interpret:innen und vier Lieder gab, aber acht Auftritte: wie in Schweden und Norwegen schwenkte auch das finnische Fernsehen YLE auf das weit verbreitete Ein-Song-zwei-Versionen-Format um. Was den…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1962: Lie­be und Meerrettich

Melo­di­fes­ti­va­len 1962: Lie­be und Meerrettich

Erstmalig schafften es die Schweden in diesem Jahr, die gewählte Siegerin des Melodifestivalen auch tatsächlich zum Eurovision Song Contest zu schicken und nicht unter irgendeinem Vorwand durch eine andere Künstlerin zu ersetzen. Rund lief es trotzdem nicht: eigentlich sollten beim Mello sieben Titel in die Schlacht ziehen, doch noch am Finalabend musste man den der Jazz-Interpretin Monica Zetterlund zugedachten Beitrag 'Kärlek och Pepparrot' ('Liebe und Meerrettich' - klingt nach einem pikanten, ähm, Rezept?!) disqualifizieren, weil die Comedy-Nummer vorschriftswidrig bereits im Radio gelaufen war. Weniger streng handhabte der Sender SVT das zu diesem Zeitpunkt noch bestehende Verbot von Hintergrundchören beim Eurovision Song…
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A Song for Euro­pe 1962: Sing again, litt­le Birdie

A Song for Euro­pe 1962: Sing again, litt­le Birdie

Mädchen und Engel, das waren die beiden Leitthemen beim Song for Europe 1962: gleich drei der zwölf Wettbewerbsbeiträge führten das "Girl" im Titel, zwei weitere den "Angel", und einer davon wurde gar von einem Künstler namens Johnny Angel gesungen. Wie schon im Vorjahr hatte die BBC die Auswahl der Songs für den britischen Vorentscheid in die Hände der Plattenfirmen gelegt, und die delegierten eine bunte Mischung aus hauptsächlich hoffnungsfrohen Newcomern und Acts leicht jenseits ihres Mindesthaltbarkeitsdatums dorthin, aber natürlich niemanden auf dem Höhepunkt seines kommerziellen Erfolges. Ähnlich verhielt es sich auch bei den Liedern: die stilistisch weitestgehend an amerikanische Pop-Einflüsse…
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San-Remo-Fes­ti­val 1962: Sag mir quan­do, sag mir wann

San-Remo-Fes­ti­val 1962: Sag mir quan­do, sag mir wann

Die ungebrochene Popularität des auch als Eurovisionsvorentscheid fungierenden italienischen Liederfestivals von San Remo sorgte im zwölften Jahr seines Bestehens trotz Störfeuer vonseiten der Musikindustrie für einen außergewöhnlich starken Zulauf von Bewerber:innen, und so stockten die Veranstalter die beiden Vorrunden auf insgesamt 32 Titel auf, dargeboten von jeweils zwei verschiedenen Künstler:innen. Dem staatlichen Sender Rai wurde das zu viel: er beschränkte die TV-Übertragung auf eine Stunde (!) vom Finalabend und eine kurze Zusammenfassung der aufgrund des Abstimmungsverfahrens erst eine Woche später stattfindenden Siegerehrung. Das mag man sich heutzutage, wo die Rai in der Festivalwoche praktisch 26 Stunden täglich sein Programm mit…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1962: Ich rede mit mir selbst

Dansk Melo­di Grand Prix 1962: Ich rede mit mir selbst

Ein Skandal erschütterte den Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) 1962, den dänischen Vorentscheid, in dessen Mittelpunkt die fabelhafte und noch heute länderübergreifend heißgeliebte Gitte Hænning stand. Die im Heimatland bereits als Kinderstar populäre Sängerin sollte mit dem sensationellen Swing-Knaller ‚Jeg snakker med mig selv‘ (‚Ich rede mit mir selbst‘) teilnehmen, einem Thema, das die nicht minder fabelhafte Nina Hagen gute zwanzig Jahre später in 'Universelles Radio' nochmals aufgreifen sollte. Doch dann beging der fünffache DMGP-Moderator und Lyrikautor des Titels, Sejr Volmer-Sørensen, den unverzeihlichen Fehler, selbigen noch vor der Sendung während der Pause in der Senderkantine vor sich hin zu summen. Was die sofortige…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1962: Und das Tele­fon sagt Du

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1962: Und das Tele­fon sagt Du

16 Lieder hatte der spanische Sender TVE zugelassen für seine zweite nationale Preselección im Jahre 1962. Sechs davon schieden allerdings einen Tag vor dem TV-Finale in einer Radio-Vorrunde wieder aus. Erstaunlicherweise gehörte der 'Canto de un Fracaso', also der 'Song vom Fiasko' des Komponisten, Schauspielers und Sängers Tonio Areta (†2012) nicht dazu, obwohl er doch das Scheitern bereits im Titel trug. Wie einige seiner Konkurrent:innen hatte auch er gleich zwei Eisen im Feuer: sein anderer Wettbewerbsbeitrag 'Un viejo Paraguas' ('Ein alter Regenschirm') machte immerhin die Silbermedaille klar. Ich dachte, den braucht man nicht in dem Land, wo "die Sonne scheint bei…
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Jugo­vi­zi­ja 1962: Beds are burning

Jugo­vi­zi­ja 1962: Beds are burning

Nicht hundertprozentig geklärt ist die Datenlage bezüglich des zweiten jugoslawischen Eurovisionsvorentscheids, der Jugovizija 1962. In Zagreb fand sie statt, so viel weiß man. Mit TV Sarajewo reichte erstmalig auch der bosnische Landessender Beiträge zur der Vorauswahl ein, an welcher außerdem, wie schon im Vorjahr, die Sendeanstalten aus Slowenien, Serbien und Kroatien teilnahmen. Eine aus allen beteiligten Regionen paritätisch besetzte Jury bestimmte den Siegersong 'Ne pali Svetla u Sumrak' ('Lass das Licht aus in der Dämmerung') von Lola Novaković: eine verträumte kleine Ballade, in welcher die 2016 verstorbene, in den Sechzigern auf dem Balkan sehr erfolgreiche serbische Sängerin und Schauspielerin über die…
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ESC-Fina­le 1961: Stand up for your Love Rights

ESC-Fina­le 1961: Stand up for your Love Rights

Schon zum zweiten Mal in der noch jungen Grand-Prix-Geschichte gastierte der Wettbewerb 1961 in Cannes. Und erneut präsentierte das französische Fernsehen die selbe Eröffnungssequenz wie schon 1959. Sowie die selbe Moderatorin, Jacqueline Joubert, die so viel Mascara aufgelegt hatte, dass sie ständig angestrengt gen Himmel schauen musste, damit ihr die Augenlider nicht zusammenpappten. Lediglich auf die charakteristischen Drehgestelle verzichtete man. Stattdessen versammelten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auftakt der erstmals an einem Samstag ausgestrahlten Sendung auf einer opulenten Showtreppe und stellten sich artig nacheinander persönlich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätzbaren Vorteil bot, die Interpretennamen zur Abwechslung in fehlerfreier Aussprache hören zu können. Im Anschluss sangen sie dann…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1961: Der Bem­bel des Todes

Deut­scher Vor­ent­scheid 1961: Der Bem­bel des Todes

Ins noble Kurhaus der im Speckgürtel der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main liegenden Bonzengemeinde Bad Homburg vor der Höhe (Stadtslogan: “Tradition und Champagnerluft”) lud der Hessische Rundfunk (hr) zur Vorentscheidung 1961. Dabei bediente man sich rein äußerlich desselben Formats wie bereits im Vorjahr, nämlich eines öffentlichen Wettbewerbs mit einer Vielzahl von Teilnehmer:innen unter dem Rubrum Schlagerparade. Doch dieser, einen glamourösen Aufmarsch echter oder zumindest potentieller Hits suggerierende Sendetitel entpuppte sich gegenüber dem Publikum als grobe Täuschung. Denn in diesem Jahr übernahm der hr-Unterhaltungschef Hans-Otto Grünefeldt das deutsche Grand-Prix-Zepter (sowie den Vorsitz des sendereigenen Auswahlkomitees für die Beiträge). Und der Mann…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1961: Jet Airliner

Dansk Melo­di Grand Prix 1961: Jet Airliner

Die fünfte Ausgabe der dänischen Eurovisionsvorentscheidung Melodi Grand Prix (DMGP) erwies sich als Veteranentreffen: sämtliche (!) bisherigen Grand-Prix-Repräsentant:innen des Landes versuchten es erneut. Dabei gingen Gustav Winckler, Raquel Rastenni und Katy Bødtger komplett leer aus: sie erhielten von der zehnköpfigen Jury, von der jedes Mitglied allerdings nur jeweils drei Punkte zu verteilen hatte, allesamt nichts. Nada. Zilch. Besser schlugen sich da schon der DMGP-Wiederkehrer Otto Brandenburg, der für sein sanftes Wiegenlied 'Godnat, lille du' zumindest drei Zähler kassieren konnte, sowie der in Portugal geborene, schon früh mit seinen Eltern nach Dänemark gezogene Jazz-Musiker Pedro Biker, der anschließend eine Karriere als Radio- und TV-Moderator sowie…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1961: Oh, wär der Win­ter erst vorbei

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1961: Oh, wär der Win­ter erst vorbei

Wie schon beim schwedischen Melodifestivalen beherrschte auch in Frankreich das immergrüne Thema "Frühling" den Vorentscheid von 1961. Was läge schließlich näher im Februar, wo die Sélection Française pour le Grand Prix de l'Eurovision de la Chanson stattfand, und wo ein jeder Mensch schon längst den zu diesem Zeitpunkt noch immer mit brutaler Härte regierenden, scheinbar endlosen, deprimierenden, schrecklichen Winter über hat? Wo man also mit täglich wachsender Ungeduld und mit jeder einzelnen Faser seines Seins die ersten Boten des baldigen Lenzes herbeisehnt? So trugen gleich zwei der sechs für das im Fernsehen ausgestrahlte Vorentscheidungsfinale ausgewählten Beiträge den Frühling im Titel. Und selbstredend hieß, wie zu…
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Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bitte

Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bitte

"Anstatt die beste Melodie zu finden, bestand die Aufgabe der Jury darin, zu bestimmen, welche die am wenigsten schlechte war," so beschrieb sehr pointiert eine norwegische Tageszeitung das Elend bei der zweiten Ausgabe des heimatlichen Vorentscheidungsformats Melodi Grand Prix (MGP) im Jahre 1961. Das hing, wie in Deutschland, unter anderem mit dem Einfluss der Lobbys zusammen: genau wie die ARD handhabte der Sender NRK die Eurovision und die nationale Vorrunde als Komponistenwettbewerb, für die der norwegische Songschreiberverband das alleinige Vorschlagsrecht besaß. Knapp 350 Lieder waren nach entsprechender Aufforderung beim Sender eingetrudelt, und der Vorsitzende der NRK-Auswahljury, Ragnar Kierulf, bestätigte, es sei ausgesprochen…
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Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Viel Geld und technisches Know-How hatten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg den staatlichen westeuropäischen Sendeanstalten zukommen lassen, um sie für die Propagandaschlacht im nachfolgenden Kalten Krieg gegen den feindlichen kommunistischen Osten zu rüsten. Auch der Eurovision Song Contest sollte nach den Vorstellungen des hierbei federführenden US-Geheimdienstes dem kulturellen Aneinanderrücken der "freiheitlichen" (lies: kapitalistischen) Staaten dienen und mit seinem nach eigenem Empfinden glamourösen und unterhaltsamen Programm, das man, soweit es die Antennen zuließen, gerne auch ins sozialistische Ausland ausstrahlte, um dort Neid und Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu schüren, die klare Überlegenheit des Westens in Sachen Pop demonstrieren. Dies jedenfalls ist der…
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A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

Independent Television (ITV), der im Jahre 1955 als Regionalsenderkette ins Leben gerufene kommerzielle Gegenspieler der BBC, kam 1961 auf der Suche nach attraktiven Unterhaltungsformaten auf eine naheliegende Idee: mit dem ITV Song Contest, der sich sehr deutlich am Format der britischen Eurovisionsvorentscheidung orientierte, versuchte man, den Erfolg der öffentlich-rechtlichen Sendung für sich zu kopieren. Im Gegensatz zur BBC konnte ITV, das sich des Öfteren (erfolglos) um die ESC-Lizenz bewarb, jedoch keinen Startplatz beim Grand Prix anbieten. Stattdessen winkten Geldpreise. Einige bekannte Künstler ließen sich abwerben, so beispielsweise der in Anspielung auf seinen früheren Beruf als "singender Busfahrer" bekannte Matt Monro, der im Vorjahr…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1961: Babe­bi­bu­bá Bautista!

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1961: Babe­bi­bu­bá Bautista!

Auf eine wechselvolle Grand-Prix-Geschichte blickt das 1961 erstmals am Eurovision Song Contest teilnehmende Spanien zurück, gekennzeichnet von zwei direkt aufeinanderfolgenden, stark umstrittenen Siegen (1968 und 1969), drei Nul-Points-Ergebnissen und einer fast immer skandalösen Missachtung seiner meist fabelhaften Beiträge. Bei seiner Erstteilnahme noch in den Klauen des rechtsgerichteten Diktators Franco (was beim ESC von 1964 in Kopenhagen zu politischem Protest auf der Bühne führte), seit 1978 jedoch demokratisch regiert, ist die sonnige Halbinsel heute aufgrund ihrer Einwohnerstärke wie Deutschland Teil der Big Five. Und würde es, wie Deutschland, ohne dieses Privileg kaum noch ins Finale schaffen. Vor allem die jüngeren spanischen Eurovisionsfans sind…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1961: Tau­send Fenster

Eurovi­isukar­sin­ta 1961: Tau­send Fenster

Gleich drei beim Eurovision Song Contest meist sehr stark unterbewertete Länder meldeten sich im Jahre 1961 erstmals zum europäischen Wettsingen an: die damalige rechte Diktatur Spanien unter dem Faschisten Franco, das seinerzeit noch unter der Knute des Sozialisten Tito zwangsvereinte Jugoslawien, beides beliebte Urlaubsdestinationen, sowie das blockfreie Finnland. Dessen Sender YLE hatte im Jahr zuvor den internationalen Wettbewerb zum ersten Mal im Fernsehen übertragen und dem heimischen Publikum gefiel, was es sah. Die damals im Lande sehr populäre Schlagersängerin Laila Kinnunen coverte gar die beiden Grand-Prix-Titel 'Tom Pillibi' und 'Romantica' und hatte damit Erfolg. Sie gehörte selbstredend zu den vier handverlesenen Interpret:innen, die…
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San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

Die ungebrochen hohe Popularität des italienischen San-Remo-Festivals sowohl beim Publikum als auch bei den auftretenden Künstler:innen, zehn Jahre zuvor aus der Taufe gehoben, um dem ligurischen Küstenstädtchen auch in der kalten Jahreszeit touristische Impulse zu geben, erlaubte es den Veranstaltern, ein wenig mit dem Format zu experimentieren. So stockte man 1961 die beiden Qualifikationsrunden auf jeweils zwölf Titel auf, präsentiert von je zwei verschiedenen Interpret:innen, aus denen eine Jury je die Hälfte für das Finale heraussiebte. Dort aber hatte erstmals das Publikum das alleinige Sagen. Da Postkarten, wie sie beispielsweise beim Eurovisionsvorentscheid in den Niederlanden zum Einsatz kamen, aufgrund der…
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1961: Der Rübermacher

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1961: Der Rübermacher

Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung, also seit 1956, nahm der in Genf als Rolando Bonardelli gebürtige Entertainer Jo Roland nun bereits durchgängig am schweizerischen Vorentscheid teil, oftmals mit gleich mehreren Beiträgen. Und das stets erfolglos: kein einziges Mal sollte der im Heimatland als Sänger und Showmaster durchaus beliebte Roland das ESC-Ticket erringen. Also reichte Jo das von seinen Eidgenossen heuer so schnöde zurückgewiesene Chanson 'Nous deux' ('Wir zwei') eben beim Internationalen Songfestival im polnischen Sopot ein, das just im Sommer 1961 Premiere feierte. Und dort, im sozialistischen Ausland, schätzte man den zu Hause Verschmähten: Roland gewann (!) die Erstausgabe des langlebigen Liederwettstreites, welcher…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1961: Dar­auf sei gepfiffen!

Melo­di­fes­ti­va­len 1961: Dar­auf sei gepfiffen!

Dergestalt aprilfrisch ging es zu beim schwedischen Melodifestivalen von 1961, das man meinen konnte, die Show sei von Lenor gesponsert. Der ausrichtende Sender SVT experimentierte fleißig mit dem jungen Format und strich die bisher üblichen acht Radiovorrunden. Stattdessen wählte eine Jury aus rund 550 Einsendungen fünf Songs aus für das im Rahmen der Nordvision erneut ebenfalls in Dänemark, Finnland und Norwegen ausgestrahlte TV-Finale, die wiederum in jeweils zwei verschieden stark orchestrierten Fassungen von unterschiedlichen Sänger:innen interpretiert wurden. Zwei dieser fünf Stücke trugen das Wort 'Frühling' ('Vår') direkt im Titel, ein weiteres besang den Monat 'April', und das vierte hieß 'Spela på Regnbågen'; ein im…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mudder

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mudder

Was steckt bloß hinter dieser merkwürdigen Mutterfixierung der Belgier/innen? Denn nicht nur, dass das unbestreitbar größte musikalische Muttersöhnchen aller Zeiten, der gebürtige Niederländer Heintje ('Mama'), seit jeher in Flandern lebt: das Land, das 1969 mit Jean-Jacques Bertolai ('Maman, Maman') eine blasse Heintje-Kopie zum Eurovision Song Contest schickte, setzte 2014 mit dem tragisch veranlagten Wallonen Axel Hirsoux und seinem liedgewordenen Ödipuskomplex 'Mother' der musikalischen Mütterverehrung die Norman-Bates-Gruselgedächtniskrone auf. Doch das Thema hat im Land eine lange Tradition: schon 1957 zeichnete Bobbejaan Schoepen im belgischen Vorentscheid das 'Bild meiner Mutter', und auch heuer, also 1961, versuchte der seinerzeit ebenfalls im deutschsprachigen Raum bekannte und später…
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ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

Es ist ein offenes Eurovisionsgeheimnis: nicht alle Delegationsleiter:innen freuen sich unbedingt, wenn ihre Künstler:innen den Grand Prix gewinnen! Schließlich verbindet sich beim Song Contest mit dem Sieg die feste Erwartung, im nächsten Jahr die Show zu organisieren, womit massive Kosten auf die betroffene TV-Station zukommen. Heutzutage wird ein kleinerer Anteil davon durch die Startgebühren der einzelnen Länder aufgefangen, doch in den Anfangsjahren musste die ausrichtende Rundfunkanstalt die Sendung finanziell noch komplett alleine stemmen. Den Niederländern, die 1959 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewonnen hatten, ging Sparsamkeit über Nationalstolz: sie sagten schlicht "nee". Selbstlos sprang (übrigens nicht zum letzten…
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tralala

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tralala

Welch' ein Durcheinander in der sonst doch als so ordentlich geltenden Schweiz! Fehlte beim helvetischen Vorentscheid von 1959 bereits das Tessin als eines von drei aus Gründen des Sprachregionenproporzes stets zu repräsentierenden Landesteilen, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht einmal mehr herauslesen, wer nun für welchen Part der Eidgenossenschaft startete. So stammte der einzige (!) deutschsprachige Titel im Aufgebot mit dem immergrünen Thema 'Frühling' von einem heute völlig vergessenen Sänger mit italienischem Namen, nämlich Bianco Cavallini. Was auch noch klingt wie ein Tetrapack-Tafelweißwein aus dem Discounter für 1,59 € der Liter. Als einzige verlässliche Größe sorgte der eidgenössische Dauerteilnehmer Jo Roland…
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Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Was für ein grandioser Start! Das 1960 erstmalig am Eurovision Song Contest teilnehmende Norwegen, bis heute Rekordhalter im Sammeln von Roten Laternen, bediente sich bereits von Anfang an des über die Jahre immer mal wieder inhaltlich sanft angepassten, aber stets unter dem gleichen Namen laufenden Vorentscheidungsformates Melodi Grand Prix (MGP). Dem ging zur Premiere ein im Radio ausgetragenes Semi voraus, bei dem lediglich zwei Sänger:innen, nämlich der Schnulzier und Kabarettist Jens Book-Jenssen und Inger Jacobsen, sämtliche elf Titel interpretierten. Geplant war, dass fünf Beiträge ins Finale einziehen sollten, aufgrund von Punktegleichheit der drei Viertplatzierten wurden daraus jedoch sechs. Darunter fanden sich…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1960: Ding A Din­ge­ding Dong

Natio­naal Song­fes­ti­val 1960: Ding A Din­ge­ding Dong

Als eine hoch vergnügliche Stunde puren Comedy-Goldes geht das niederländische Nationaal Songfestival (NSF) von 1960 in die Annalen der Grand-Prix-Geschichte ein. Acht "Liedjes" gelangten zur Aufführung, interpretiert jeweils in zwei verschieden instrumentierten Varianten von unterschiedlichen Künstler:innen und dargeboten vor teils passend zum Songtext mit Kreide auf eine Schiefertafel gemalten Bildhintergründen. Vielfach ließ sich erkennen, dass die Autoren sich Gedanken gemacht hatten, was bei den Eurovisionsjurys gut ankommen könnte. So wie gleich beim ersten Beitrag des Abends, welcher sich des bereits beim Premieren-Contest in Lugano von Lys Assia bemühten Jahrmarkt-Themas 'Carroussel' bediente. Was den beiden NSF-Rückkehrern Marcel Thielemans (der den Zuschauer:innen gar ungehörig die Zunge…
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A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

Um Haaresbreite hätte er es nicht ins Vorentscheidungsfinale geschafft, der britische Eurovisionsvertreter von 1960, Bryan Johnson. Wie bereits im Vorjahr schaltete die BBC dem British Final auch heuer zwei Semis mit jeweils sechs Beiträgen vor, von denen jeweils die ersten drei weiterkamen. Johnsons am Ende siegreicher Uptempo-Song 'Looking high, high, high' (der im Lied auf die Titelzeile folgenden Ankündigung "I shall die, die, die" leistete der Sänger dann 35 Jahre später Folge) teilte sich in der zweiten Qualifikationsrunde nach dem regionalen Juryvoting noch punktgleich den dritten Rang mit dem seherisch benannten, zähen Balladenriemen 'When the Tide turns' der britischen Vorjahres-Repräsentanten Pearl Carr…
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