Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

1961, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Unsere Lieblinge

Deut­scher Vor­ent­scheid 1961: Der Bem­bel des Todes

Ins noble Kurhaus der im Speckgürtel der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main liegenden Bonzengemeinde Bad Homburg vor der Höhe (Stadtslogan: “Tradition und Champagnerluft”) lud der Hessische Rundfunk (hr) 1961 zur Vorentscheidung. Dabei bediente man sich äußerlich desselben Formats wie bereits im Vorjahr, nämlich eines öffentlichen Wettbewerbs unter dem Rubrum Schlagerparade. Doch dieser einen glamourösen Aufmarsch echter oder zumindest potentieller Hits suggerierende Sendetitel entpuppte sich gegenüber dem Publikum als grobe Täuschung. Denn in diesem Jahr übernahm der hr-Unterhaltungschef Hans-Otto Grünefeldt das deutsche Grand-Prix-Zepter (sowie den Vorsitz des sendereigenen Auswahlkomitees für die Beiträge). Und der Mann wollte "anspruchsvolle Chansons", bloß nichts Modernes u...
1961, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Dansk Melo­di Grand Prix 1961: Jet Air­liner

Die fünfte Ausgabe der dänischen Eurovisionsvorentscheidung Melodi Grand Prix (DMGP) erwies sich als Veteranentreffen: sämtliche (!) bisherigen Grand-Prix-Repräsentant/innen des Landes versuchten es erneut. Dabei gingen Gustav Winckler, Raquel Rastenni und Katy Bødtger komplett leer aus: sie erhielten von der zehnköpfigen Jury, von der jedes Mitglied allerdings nur jeweils drei Punkte zu verteilen hatte, allesamt nichts. Besser schlugen sich da schon der DMGP-Wiederkehrer Otto Brandenburg, der für sein sanftes Wiegenlied 'Godnat, lille du' zumindest drei Zähler kassieren konnte, sowie der in Portugal geborene, schon früh mit seinen Eltern nach Dänemark gezogene Jazz-Musiker Pedro Biker, der anschließend eine Karriere als Radio- und TV-Moderator sowie 1970 einen Hit und heimatlichen Evergre...
1961, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1961: Oh, wär der Win­ter erst vor­bei

Wie schon beim schwedischen Melodifestivalen beherrschte auch in Frankreich das immergrüne Thema "Frühling" den Vorentscheid von 1961. Was läge schließlich näher im Februar, wo die Sélection Française pour le Grand Prix de l'Eurovision de la Chanson stattfand, und wo ein jeder Mensch schon längst den zu diesem Zeitpunkt noch immer mit brutaler Härte regierenden, scheinbar endlosen, deprimierenden, schrecklichen Winter über hat? Wo man also mit täglich wachsender Ungeduld und mit jeder einzelnen Faser seines Seins die ersten Boten des baldigen Lenzes herbeisehnt? So trugen gleich zwei der sechs für das im Fernsehen ausgestrahlte Vorentscheidungsfinale ausgewählten Beiträge den Frühling im Titel. Und selbstredend hieß, wie zu erwarten, einer der beiden Lieder 'Printemps de Paris'. Wie es sic...
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Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bit­te

"Anstatt die beste Melodie zu finden, bestand die Aufgabe der Jury darin, zu bestimmen, welche die am wenigsten schlechte war," so beschrieb sehr pointiert eine norwegische Tageszeitung das Elend bei der zweiten Ausgabe des norwegischen Vorentscheidungsformats Melodi Grand Prix (MGP) im Jahre 1961. Das hing, wie in Deutschland, unter anderem mit dem Einfluss der Lobbys zusammen: genau wie die ARD handhabte der Sender NRK die Eurovision und die nationale Vorrunde als Komponistenwettbewerb, für die der norwegische Songschreiberverband das alleinige Vorschlagsrecht besaß. Knapp 350 Lieder waren nach entsprechender Aufforderung beim Sender eingetrudelt, und der Vorsitzende der NRK-Auswahljury, Ragnar Kierulf, bestätigte, es sei ausgesprochen leicht gefallen, daraus fünf auszuwählen. Doch nicht...
1961, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Viel Geld und technisches Know-How hatten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg den staatlichen westeuropäischen Sendeanstalten zukommen lassen, um sie für die Propagandaschlacht im nachfolgenden Kalten Krieg gegen den feindlichen kommunistischen Osten zu rüsten. Auch der Eurovision Song Contest sollte nach den Vorstellungen des hierbei federführenden US-Geheimdienstes dem kulturellen Aneinanderrücken der "freiheitlichen" (lies: kapitalistischen) Staaten dienen und mit seinem nach eigenem Empfinden glamourösen und unterhaltsamen Programm, das man, soweit es die Antennen zuließen, gerne auch ins sozialistische Ausland ausstrahlte, um dort Neid und Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu schüren, die klare Überlegenheit des Westens in Sachen Pop demonstrieren. Dies jedenfalls ist der zieml...
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A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

Independent Television (ITV), der im Jahre 1955 als Regionalsenderkette ins Leben gerufene kommerzielle Gegenspieler der BBC, kam 1961 auf der Suche nach attraktiven Unterhaltungsformaten auf eine naheliegende Idee: mit dem ITV Song Contest, der sich sehr deutlich am Format der britischen Eurovisionsvorentscheidung orientierte, versuchte man, den Erfolg der öffentlich-rechtlichen Sendung für sich zu kopieren. Im Gegensatz zur BBC konnte ITV, das sich des Öfteren (erfolglos) um die ESC-Lizenz bewarb, jedoch keinen Startplatz beim Grand Prix anbieten. Stattdessen winkten Geldpreise. Einige bekannte Künstler ließen sich abwerben, so beispielsweise der in Anspielung auf seinen früheren Beruf als "singender Busfahrer" bekannte Matt Monro, der im Vorjahr mit 'Portrait of my Love' seinen ersten T...
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1961: Babe­bi­bu­bá Bau­tis­ta!

Auf eine wechselvolle Grand-Prix-Geschichte blickt das 1961 erstmals am Eurovision Song Contest teilnehmende Spanien zurück, gekennzeichnet von zwei direkt aufeinanderfolgenden, stark umstrittenen Siegen (1968 und 1969), drei Nul-Points-Ergebnissen und einer fast immer skandalösen Missachtung seiner meist fabelhaften Beiträge. Bei seiner Erstteilnahme noch in den Klauen des rechtsgerichteten Diktators Franco (was beim ESC von 1964 in Kopenhagen zu politischem Protest auf der Bühne führte), seit 1978 jedoch demokratisch regiert, ist die sonnige Halbinsel heute aufgrund ihrer Einwohnerstärke wie Deutschland Teil der Big Five. Und würde es, wie Deutschland, ohne dieses Privileg kaum noch ins Finale schaffen. Vor allem die jüngeren spanischen Eurovisionsfans sind aufgrund ihrer oft ans Militan...
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Eurovi­isukar­sin­ta 1961: Tau­send Fens­ter

Gleich drei beim Eurovision Song Contest meist sehr stark unterbewertete Länder meldeten sich im Jahre 1961 erstmals zum europäischen Wettsingen an: die damalige rechte Diktatur Spanien unter dem Faschisten Franco, das seinerzeit noch unter der Knute des Sozialisten Tito zwangsvereinte Jugoslawien, beides beliebte Urlaubsdestinationen, sowie das blockfreie Finnland. Dessen Sender YLE hatte im Jahr zuvor den internationalen Wettbewerb zum ersten Mal im Fernsehen übertragen und dem heimischen Publikum gefiel, was es sah. Die damals im Lande sehr populäre Schlagersängerin Laila Kinnunen coverte gar die beiden Grand-Prix-Titel 'Tom Pillibi' und 'Romantica' und hatte damit Erfolg. Sie gehörte selbstredend zu den vier handverlesenen Interpret/innen, die beim heimischen Vorentscheid Suomen Eurovi...
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San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Mär­chen

Die ungebrochen hohe Popularität des San-Remo-Festivals, zehn Jahre zuvor aus der Taufe gehoben, um dem ligurischen Küstenstädtchen auch in der kalten Jahreszeit touristische Impulse zu geben, sowohl beim Publikum als auch bei den auftretenden Künstler:innen, erlaubte es den Veranstaltern, ein wenig mit dem Format zu experimentieren. So stockte man 1961 die beiden Qualifikationsrunden auf jeweils zwölf Titel auf, präsentiert von je zwei verschiedenen Interpret:innen, aus denen eine Jury je die Hälfte für das Finale heraussiebte. Dort aber hatte erstmals das Publikum das alleinige Sagen. Da Postkarten, wie sie beispielsweise beim Eurovisionsvorentscheid in den Niederlanden zum Einsatz kamen, aufgrund der chronischen Unzuverlässigkeit der italienischen Post ausschieden; vor allem aber, um ...
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1961: Der Rüber­ma­cher

Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung, also seit 1956, nahm der in Genf als Rolando Bonardelli gebürtige Entertainer Jo Roland nun bereits durchgängig am schweizerischen Vorentscheid teil, oftmals mit gleich mehreren Beiträgen. Und das stets erfolglos: kein einziges Mal sollte der im Heimatland als Sänger und Showmaster durchaus beliebte Roland das ESC-Ticket erringen. Also reichte Jo das von seinen Eidgenossen heuer so schnöde zurückgewiesene Chanson 'Nous deux' ('Wir zwei') eben beim Internationalen Songfestival im polnischen Sopot ein, das just im Sommer 1961 Premiere feierte. Und dort, im sozialistischen Ausland, schätzte man den zu Hause Verschmähten: Roland gewann (!) die Erstausgabe des langlebigen Liederwettstreites, welcher im Rahmen des Sowjet-Senderbundes Intervision ab 1977...
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Melo­di­fes­ti­va­len 1961: Dar­auf sei gepfif­fen!

Dergestalt aprilfrisch ging es zu beim schwedischen Melodifestivalen von 1961, das man meinen konnte, die Show sei von Lenor gesponsert. Der ausrichtende Sender SVT experimentierte fleißig mit dem jungen Format und strich die bisher üblichen acht Radiovorrunden. Stattdessen wählte eine Jury aus rund 550 Einsendungen fünf Songs aus für das im Rahmen der Nordvision erneut ebenfalls in Dänemark, Finnland und Norwegen ausgestrahlte TV-Finale, die wiederum in jeweils zwei verschieden stark orchestrierten Fassungen von unterschiedlichen Sänger/innen interpretiert wurden. Zwei dieser fünf Stücke trugen das Wort 'Frühling' ('Vår') direkt im Titel, ein weiteres besang den Monat 'April', und das vierte hieß 'Spela på Regnbågen'; ein im Lenz besonders häufig anzutreffendes Wetterphänomen. Der meteoro...
1961, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mud­der

Was steckt bloß hinter dieser merkwürdigen Mutterfixierung der Belgier/innen? Denn nicht nur, dass das unbestreitbar größte musikalische Muttersöhnchen aller Zeiten, der gebürtige Niederländer Heintje ('Mama'), seit jeher in Flandern lebt: das Land, das 1969 mit Jean-Jacques Bertolai ('Maman, Maman') eine blasse Heintje-Kopie zum Eurovision Song Contest schickte, setzte 2014 mit dem tragisch veranlagten Wallonen Axel Hirsoux und seinem liedgewordenen Ödipuskomplex 'Mother' der musikalischen Mütterverehrung die Norman-Bates-Gruselgedächtniskrone auf. Doch das Thema hat im Land eine lange Tradition: schon 1957 zeichnete Bobbejaan Schoepen im belgischen Vorentscheid das 'Bild meiner Mutter', und auch heuer, also 1961, versuchte der seinerzeit ebenfalls im deutschsprachigen Raum bekannte und s...
1960, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1960: I shall die, die, die

Es ist ein offenes Eurovisionsgeheimnis: nicht alle Delegationsleiter/innen freuen sich, wenn ihre Künstler/in den Grand Prix gewinnt! Schließlich verbindet sich beim Song Contest mit dem Sieg die feste Erwartung, im nächsten Jahr die Show zu organisieren, womit massive Kosten auf die betroffene TV-Station zukommen. Heutzutage wird ein kleinerer Anteil davon durch die Startgebühren der einzelnen Länder aufgefangen, doch in den Anfangsjahren musste die ausrichtende Rundfunkanstalt die Sendung finanziell noch komplett alleine stemmen. Den Niederländern, die 1959 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewonnen hatten, ging Sparsamkeit über Nationalstolz: sie sagten schlicht "nee". Selbstlos sprang (übrigens nicht zum letzten Mal) die BBC ein, was nicht nur am üppigeren pekuniären Polster...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tra­la­la

Welch' ein Durcheinander in der sonst doch als so ordentlich geltenden Schweiz! Fehlte beim helvetischen Vorentscheid von 1959 bereits das Tessin als eines von drei aus Gründen des Sprachregionenproporzes stets zu repräsentierenden Landesteilen, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht einmal mehr herauslesen, wer nun für welchen Part der Eidgenossenschaft startete. So stammte der einzige (!) deutschsprachige Titel im Aufgebot mit dem immergrünen Thema 'Frühling' von einem heute völlig vergessenen Sänger mit italienischem Namen, nämlich Bianco Cavallini. Was auch noch klingt wie ein Tetrapack-Tafelweißwein aus dem Discounter für 1,59 € der Liter. Als einzige verlässliche Größe sorgte der eidgenössische Dauerteilnehmer Jo Roland für Kontinuität, der wie stets die Romandie repräsentie...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Was für ein grandioser Start! Das 1960 erstmalig am Eurovision Song Contest teilnehmende Norwegen, bis heute Rekordhalter im Sammeln von Roten Laternen, bediente sich bereits von Anfang an des über die Jahre immer mal wieder inhaltlich sanft angepassten, aber stets unter dem gleichen Namen laufenden Vorentscheidungsformates Melodi Grand Prix (MGP). Dem ging zur Premiere ein im Radio ausgetragenes Semi voraus, bei dem lediglich zwei Sänger/innen, nämlich der Schnulzier und Kabarettist Jens Book-Jenssen und Inger Jacobsen sämtliche elf Titel interpretierten. Geplant war, dass fünf Beiträge ins Finale einziehen sollten, aufgrund von Punktegleichheit der drei Viertplatzierten wurden daraus jedoch sechs. Darunter fanden sich so lustig klingende Titel wie 'Ny smart Hatt' ('Neuer schicker Hut'), ...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1960: Ding A Din­ge­ding Dong

Als eine hoch vergnügliche Stunde puren Comedy-Goldes geht das niederländische Nationaal Songfestival (NSF) von 1960 in die Annalen der Grand-Prix-Geschichte ein. Acht "Liedjes" gelangten zur Aufführung, interpretiert jeweils in zwei verschieden instrumentierten Varianten von unterschiedlichen Künstler/innen, dargeboten vor teils passend zum Songtext mit Kreide auf eine Schiefertafel gemalten Bildhintergründen. Vielfach war zu erkennen, dass die Autoren sich Gedanken gemacht hatten, was bei den Eurovisionsjurys ankommen könnte. So wie gleich beim ersten Beitrag des Abends, welcher sich des schon beim ersten Contest in Lugano von Lys Assia bemühten Jahrmarkt-Themas 'Carroussel' bediente. Was den beiden NSF-Rückkehrern Marcel Thielemans (der den Zuschauer/innen gar ungehörig die Zunge heraus...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

Um Haaresbreite hätte er es nicht ins Vorentscheidungsfinale geschafft, der britische Eurovisionsvertreter von 1960, Bryan Johnson. Wie bereits im Vorjahr fanden auch heuer zwei Semis mit jeweils sechs Titeln statt, von denen jeweils die ersten drei weiterkamen. Johnsons am Ende siegreicher Beitrag 'Looking high, high, high' (der im Song auf die Titelzeile folgenden Ankündigung "I shall die, die, die" leistete der Sänger erst 35 Jahre später Folge) teilte sich in der zweiten Qualifikationsrunde nach dem regionalen Juryvoting noch punktgleich den dritten Rang mit dem seherisch benannten (und leider im Netz nicht auffindbaren) Titel 'When the Tide turns' der britischen Vorjahres-Repräsentanten Pearl Carr und Teddy Johnson. Da die BBC nicht auf einen Münzwurf zurückgreifen wollte, durften bei...
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Dansk Melo­di Grand Prix 1960: Oh mein Papa

'Op og see Land' ('Schau, dass du Land siehst'), so hieß der schmissige, wenngleich stimmlich etwas harsch geknödelte Marsch, mit dem ein gewisser Otto Hænning im Jahre 1960 den aus insgesamt sieben Liedern bestehenden dänischen Eurovisionsvorentscheid Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) eröffnete. Moment mal: Hænning? Kennen wir den Namen nicht irgendwoher? Und tatsächlich: es handelte sich um den im Jahre 2004 verstorbenen Vater der internationalen Schlagerlegende und deutschen Eurovisionsvertreterin von 1973, Gitte Hænning, der sich hier rundheraus berechtigte Nil Points ersang. Die für die Wertung verantwortliche Jury verteilte ihre Gaben ohnehin äußerst spärlich, so dass auch der beim DMGP der Anfangsjahre nachgerade unvermeidliche Gustav Winckler leer ausging. https://youtu.be/WgBhdYQkIr...
1960, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Jurys sind Wichser

Deut­scher Vor­ent­scheid 1960: Dal­li, dal­li!

Nachdem die Direktnominierung der international bekannten Kessler-Zwillinge als deutsche Vertreterinnen durch die ARD beim Eurovision Song Contest 1959 nicht das erhoffte Ergebnis gebrachte hatte, fand in diesem Jahr zur Ermittlung des heimischen Grand-Prix-Beitrags mit der Schlagerparade wieder eine öffentliche Vorentscheidung statt. Für das Format orientierte sich der veranstaltende Hessische Rundfunk (hr) vage an dem im Vorjahr von der ältesten kommerziellen Hörfunkstation Europas, dem Radio Luxemburg, ins Leben gerufenen Deutschen Schlager-Festival und wählte sogar denselben Veranstaltungsort, die Rhein-Main-Hallen in der hessischen Landes- und Rentner/innen-Hauptstadt. Wobei der hr an diesem Abend zumindest auf der Bühne den Altersdurchschnitt Wiesbadens erheblich senkte. https://y...
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Melo­di­fes­ti­va­len 1960: Zwei­mal Unrecht macht kein Recht

Experimentierunfreudigkeit kann man dem schwedischen Fernsehen in Sachen Eurovision nun wahrlich nicht vorwerfen. Wie bereits 1959 fanden auch 1960 vor dem eigentlichen Melodifestivalen wiederum acht Radio-Vorrunden statt, aus denen sich mit Hilfe des Publikums jeweils ein Titel fürs Finale qualifizieren sollte. Mitten im laufenden Verfahren schmiss der verantwortliche Sender SVT jedoch alles um und entscheid, dem Beispiel Italiens folgend, alle Finalbeiträge in zwei unterschiedlich orchestrierten Versionen von jeweils zwei Interpret/innen singen zu lassen. Da man die Sendezeit nicht verdoppeln wollte, reduzierte eine flugs einberufene Jury daraufhin die Anzahl der Lieder auf vier, wodurch beispielsweise das in der Vorrunde gewählte 'En kyss' von Lill-Babs auf der Strecke blieb. https:/...
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San-Remo-Fes­ti­val 1960: Love is the Drug

Ich weiß nicht, welche Drogen beim erneut als italienischer Eurovisionsvorentscheid fungierenden San-Remo-Festival von 1960 backstage so im Umlauf waren. Beziehungsweise beim Dreh des Schlagerfilms San Remo - die große Herausforderung, aus welchem die im Netz verfügbaren Youtubeclips mit den Auftritten der Teilnehmer:innen zum großen Teil stammen und von dem mir nicht hundertprozentig klar ist, ob er digital (dann allerdings sehr gut) aufgearbeitetes Originalmaterial verwendet oder mit den Interpret:innen eigens nachgestellte Szenen. So oder so: die Substanzen müssen von hervorragender Qualität gewesen sein! Zwar neigt bekanntlich, wenn wir mal kurz Stereotype bemühen wollen, der typische Italiener generell zur großen Geste. Aber das, was insbesondere die männlichen Kombattanten des zehn...
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Immer in den geraden Jahren, wenn es den frankophonen Wallonen obliegt, den belgischen Eurovisionsbeitrag zu bestimmen, fallen die im Netz zum Vorentscheid auffindbaren Informationen eher spärlich aus. So auch 1960. Was wir wissen, ist, dass fünf Interpret:innen teilnahmen, darunter die 1958 als Grand-Prix-Repräsentantin Luxemburgs ausgewählte belgische Sängerin Solange Berry. Deren bekanntester (um nicht zu sagen: einziger bekannter) Hit ist das Lied 'Dis-moi quelque chose de gentil', welches sie zum Soundtrack des 1956er Skandalstreifens Und immer lockt das Weib (Et Dieu… créa la femme) beisteuerte, einem von der Kritik als "geiler Groschenroman" bezeichneten und von der Zensur massiv beschnittenen Kinofilm, mit dem der jungen französischen Schauspielerin Brigitte Bardot der internationa...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1960: Ich bau Dir kein Schloss

Das französische Fernsehen neigt in Sachen Eurovision Song Contest seit jeher zur internen Auswahl seiner Repräsentant:innen. So verhielt es sich bereits im Jahre 1959, wo der damalige Sender TF1 (heute: France 1) den Wettbewerb selbst in Cannes organisierte, für das allerdings sämtliche Informationen zum Vorentscheid fehlen. Für 1960 liegt hingegen eine 38 Liedvorschläge umfassende Liste vor, aus welcher TF1 den Beitrag für London auswählte. Darunter befanden sich so hübsche Titel wie ‚Mademoiselle Tour Eiffel‘ oder das beschwingt-lautmalerische ‚Tique taque‘ der von der Presse gerne als "die nächste Edith Piaf" apostrophierten Pia Colombo (†1986). Generell lesen sich die Namen der angedachten Interpret:innen wie das Who is Who der damaligen frankophilen Grand-Prix-Welt. Wobei das nicht z...