ESC 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

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Das Jahr der deut­schen Schan­de

Hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen ent­brann­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs um den deut­schen Bei­trag. Aus­ge­rech­net nach Jeru­sa­lem mit einem Song zu fah­ren, der von einem gewalt­tä­ti­gen Impe­ra­to­ren han­delt und mit Text­zei­len wie “Sie tru­gen Angst und Schre­cken in jedes Land” auf­war­tet, zeug­te nicht eben von aus­ge­präg­tem geschicht­li­chen Fein­ge­fühl. Es hagel­te Pro­tes­te und Ver­bots­for­de­run­gen, man befürch­te­te eine Belas­tung der diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen und die dama­li­ge Fami­li­en­mi­nis­te­rin Ant­je Huber (SPD) gei­ßel­te den Text gar als “dumm und geschmack­los”. Ach was!

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DE 1979: Dann bleibst Du län­ger dran

Dschinghis Khan, DE 1979
Die Impe­ra­to­ren

In die­sem Jahr erb­te der Baye­ri­sche Rund­funk den inner­halb der ARD nach wie vor eher unbe­lieb­ten Grand Prix. Wie es dazu kam? Nun, im Vor­jahr hat­te Isra­el den Wett­be­werb gewon­nen, und für die Bericht­erstat­tung über das Nah­ost­land liegt die Zustän­dig­keit bei der Arbeit­ge­mein­schaft deut­scher Rund­funk­an­stal­ten in Mün­chen. Also bekam der BR auch den Con­test zuge­scho­ben. Logisch, oder? Die Bay­ern, das muss man ihnen zugu­te hal­ten, stell­ten sich der Auf­ga­be mit Bra­vour: sie pro­du­zier­ten eine TV-Vor­ent­schei­dung mit zwölf Teilnehmer/innen, größ­ten­teils die A-Lis­te des deut­schen Schla­gers. Außer­dem erkann­ten sie schon fast zwan­zig Jah­re vor der EBU, dass die Zeit der orga­ni­sier­ten Bevor­mun­dung durch Jurys abge­lau­fen war, und beauf­trag­ten das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Infra­test, in einer tele­fo­ni­schen Reprä­sen­ta­tiv­um­fra­ge unter 540 vor­her aus­ge­wähl­ten Haus­hal­ten den Publi­kums­lieb­ling zu ermit­teln.

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ESC 1978: Mei­le um Mei­le um Mei­le

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Das Jahr des Weich­zeich­ners

Erst­ma­lig in die­sem Jahr­zehnt (und letzt­ma­lig über­haupt) kam das in den sech­zi­ger Jah­ren so vom Euro­vi­si­ons­er­folg ver­wöhn­te Frank­reich wie­der zu Gast­ge­ber­eh­ren. Was das aus einer auf­ge­don­ner­ten Schab­ra­cke und einem schät­zungs­wei­se weit über hun­dert­jäh­ri­gen Sport­re­por­ter mit dem schö­nen Namen Léon Zitro­ne bestehen­de Mode­ra­to­ren­paar (ein Euro­vi­si­ons-Novum: bis 1977 führ­te stets nur ein/e einzelne/r Gastgeber/in durch den Abend) zum Anlass nahm, die Zuschau­er zu beleh­ren, dass selbst­ver­ständ­lich ihr Land bis­lang am häu­figs­ten gewon­nen habe. Tja: Hoch­mut kommt vor dem Fall! Die Bild­re­gie des fran­zö­si­schen Fern­se­hens über­zog die Sen­dung mit einem Weich­zeich­ner­schlei­er nach Art der Zärt­li­chen Cou­si­nen, der sämt­li­che Dar­bie­tun­gen optisch zu einem ein­zi­gen pas­tell­far­be­nen Matsch zusam­men­schmolz, stim­mig ergänzt durch den bom­bas­ti­schen, unsau­be­ren Klang­brei, den das schon osten­ta­tiv des­in­ter­es­sier­te Orches­ter abson­der­te und der alle Bei­trä­ge auf sei­fi­ge Fahr­stuhl­mu­sik redu­zier­te. Da muss­te man sich schon sehr viel Mühe geben, um auf­zu­fal­len.

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DE 1978: Heut will ich’s wis­sen

Ireen Sheer, DE 1978
Die Strip­pe­rin

Im Jahr Eins nach Grü­ne­feldt herrsch­te bei der ARD in Sachen Grand Prix heil­lo­se Kon­fu­si­on. Der Hes­si­sche Rund­funk gab die Zustän­dig­keit für den Euro­vi­si­on Song Con­test ab, und nie­mand woll­te sie haben. Gegen sei­nen erklär­ten Wil­len erhielt der Süd­west­funk in Baden-Baden die Ver­ant­wor­tung zuge­scho­ben. Der ver­leg­te die Vor­ent­schei­dung ins Radio, nach dem man die ein­ge­reich­ten Songs als zu niveau­los für ein TV-Fina­le emp­fand. Und tat­säch­lich las­sen solch klin­gen­de Künst­ler­na­men wie die inter­na­tio­nal renom­mier­ten Brun­hil­de Lam­ber­ty, Alba­tros (mit dem Bei­schlaf­schla­ger ‘Bleib die Nacht bei mir und komm’) oder das deutsch-öster­rei­chi­sche Schla­ger­pär­chen Freya & Bernd Wip­pich (‘Ich tra­ge [schwer an] Dei­nem Namen’) hin­sicht­lich der Bei­trä­ge nichts Gutes erah­nen.

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ESC 1977: Kojak, Hijack, me and you

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Das Jahr der Kult­knal­ler

Der die­sen Wett­be­werb aus­rich­ten­de bri­ti­sche Sen­der hat­te in die­sem Jahr kein glück­li­ches Händ­chen: nur zwei Stun­den vor der geplan­ten Aus­strah­lung sei­ner Vor­ent­schei­dung A Song for Euro­pe tra­ten die Kame­ra­leu­te der BBC in einen unbe­fris­te­ten Streik, wes­we­gen auch der ursprüng­lich für den 2. April 1977 ter­mi­nier­te Song Con­test ver­scho­ben wer­den muss­te. Dann fie­len die Post­kar­ten zwi­schen den Songs, die – wie schon 1970 – in den jewei­li­gen Teil­neh­mer­län­dern auf­ge­zeich­net wer­den soll­ten, Bud­get­kür­zun­gen zum Opfer. Zwar dreh­te die BBC statt­des­sen mit den ange­reis­ten Dele­ga­tio­nen in einem Lon­do­ner Restau­rant, ent­schloss sich dann aber, das Film­ma­te­ri­al nicht ein­zu­set­zen: Bil­der von den Sänger/innen, wie sie auf Kos­ten der Gebüh­ren­zah­ler spei­sen, kämen viel­leicht nicht so gut, fiel den Machern erst in letz­ter Minu­te ein. So muss­ten Kame­ra­schwenks auf das Publi­kum im Kon­fe­renz­zen­trum der Ten­nis­hoch­burg Wim­ble­don die Zeit zwi­schen den Bei­trä­gen über­brü­cken.

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DE 1977: My Mes­sa­ge will not be too late

Silver Convention, DE 1977
Die Dis­co­kö­ni­gin­nen

1977 fei­er­te die welt­wei­te, aus dem schwu­len Unter­grund her­vor­ge­gan­ge­ne Dis­co­wel­le ihren kom­mer­zi­el­len wie künst­le­ri­schen Höhe­punkt. Fil­me wie Satur­day Night Fever mit John Tra­vol­ta push­ten die Hits der Bee Gees, Don­na Sum­mer stöhn­te sich mit ‘I feel Love’ durch alle Hit­pa­ra­den und deut­sche Kom­po­nis­ten wie Frank Fari­an (Boney M), Rolf Soja (Bac­ca­ra [LU 1978, Melo­di­fes­ti­va­len 2004]) oder Syl­ves­ter Levay, die zu den Pio­nie­ren der fröh­li­chen Revo­lu­ti­on zähl­ten, erziel­ten Welt­hits. Letz­te­rer belie­fer­te das von Micha­el Kun­ze pro­du­zier­te Mäd­chen­trio Sil­ver Con­ven­ti­on, des­sen genia­ler, ledig­lich auf einem süch­tig machen­den Bass­lauf, har­ten Dis­cog­ei­gen und sechs Wor­ten Text (“Fly Robin fly, up up to the Sky”) basie­ren­der Koka­in­ver­herr­li­chungs­song bereits 1975 Club­gän­ger auf dem gan­zen Glo­bus in eksta­ti­sche Ver­zü­ckung getrie­ben hat­te. Und sogar den ers­ten Platz der US-Charts erreich­te!

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ESC 1976: Die Par­ty ist vor­bei

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Das zir­zen­si­sche Jahr

Vor ihrer Grand-Prix-Teil­nah­me kann­te man die Les Hum­phries Sin­gers euro­pa­weit als erfolg­rei­che, mul­ti­kul­tu­rel­le Hip­pie­grup­pe, die mit ‘Mama­loo’ oder ‘Mexi­ko’ und ähn­li­chen Titeln eine Lat­te respek­ta­bler Hits vor­wei­sen konn­te. Hin­ter­her ver­schwan­den sie in der Ver­sen­kung. In Den Haag durf­te die übli­cher­wei­se bis zu 16 Mann star­ke Kapel­le aller­dings auch nur in deut­lich dezi­mier­ter Zahl auf die Büh­ne. Zu sechst näm­lich, dar­un­ter Jür­gen Drews (DVE 1990), wäh­rend ihr Band­lea­der am Diri­gen­ten­pult stand, was ihrer Büh­nen­prä­senz gar nicht gut tat. Dazu kam der len­den­lah­me Sie­gel-‘Sing Sang Song’, sein ers­ter Grand-Prix-Bei­trag fürs Hei­mat­land und ein wahr­lich miss­ra­te­ner Auf­takt. So reich­te es wie­der nur für einen, dies­mal berech­tig­ten, hin­te­ren Platz.

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DE 1976: Auf Dir Pur­zel­bäu­me machen

Les Humphries Singers, DE 1976
Die Rein­ge­sie­gel­ten

Zum zwei­ten Mal nach 1963 ver­such­te es der sei­ner­zeit feder­füh­ren­de Hes­si­sche Rund­funk beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid mit Demo­kra­tie: genervt vom nie­mals ver­stum­men­den Publi­kums­ge­me­cker und dem unver­dient kata­stro­pha­len Abschnei­den Joy Fle­mings im Vor­jahr beschloss man, die Ver­ant­wor­tung für das deut­sche Schei­tern auf die All­ge­mein­heit abzu­schie­ben. Abstim­men durf­ten die Zuschauer/innen per Post­kar­te, die sei­ner­zeit noch nied­li­che 40 Pfen­ni­ge (21 Cent) Por­to kos­te­te. Als Anreiz zum Mit­ma­chen griff der hr ganz tief in die Gewinn­spiel­kas­se und ver­los­te unter allen Einsender/innen sage und schrei­be zwölf Farb­fern­seh­ge­rä­te (mit atem­be­rau­ben­der 36-cm-Bild­röh­re!) und 120 Lang­spiel­plat­ten. Und das von unse­ren TV-Gebüh­ren!

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ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

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Das Jahr des dösen­den Orches­ters

Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und etli­chen Fehl­ver­su­chen setz­te die EBU 1975 ein kom­plett neu­es Wer­tungs­ver­fah­ren für den belieb­tes­ten Musik­wett­be­werb der Welt in Kraft. Ein so erfolg­rei­ches, dass es sich bis heu­te hält: dass näm­lich aus jedem Land die zehn belieb­tes­ten Titel in auf­stei­gen­der Rei­hen­fol­ge Punk­te erhal­ten; die bei­den Lieb­lings­lie­der sogar noch einen Bonus, um einen mög­lichst ein­deu­ti­gen Sie­ger zu ermit­teln. 1–2-3–4-5–6-7–8-10–12, so lau­tet seit­her die magi­sche For­mel, “Dou­ze Points” das Maß aller Din­ge. Für Deutsch­land, das ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Initi­ie­rung die­ses Stan­dards hat­te, führ­te er bei sei­ner Pre­miè­re zu einem höchst ver­drieß­li­chen Ergeb­nis.

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DE 1975: Jeder Ton ist wie ein Stein

Joy Fleming, DE 1975
Die Bes­te. Auf ewig.

Nach dem Kata­stro­phen­er­geb­nis der haus­in­ter­nen Aus­wahl im Abbajahr 1974 (ein geteil­ter letz­ter Platz für den deut­schen Bei­trag von Cin­dy & Bert) besann sich sich der sei­ner­zeit ver­ant­wort­li­che Hes­si­sche Rund­funk dar­auf, dass er bereits 1970 und (in Zusam­men­ar­beit mit dem Sen­der Frei­es Ber­lin) 1972 glanz­vol­le öffent­li­che Vor­ent­schei­dun­gen auf die Bei­ne gestellt hat­te – und mit der dort jeweils aus­ge­wähl­ten Künst­le­rin einen nicht min­der glanz­vol­len Medail­len­platz beim euro­päi­schen Wett­sin­gen erziel­te. Mit die­sem Wis­sen im Rücken ging es in Frank­furt am Main frisch ans Werk: her­aus kam eine der bes­ten Ver­an­stal­tun­gen in der deut­schen Grand-Prix-Geschich­te! Zunächst ein­mal ver­zich­te­te man (die EBU tat das erst 1999) auf das anti­quier­te Orches­ter und griff auf das aus der ZDF-Hit­pa­ra­de bewähr­te Halb­play­back zurück: Musik vom Band, Gesang live. Das ein­ge­spar­te Geld inves­tier­te der hr in eine annehm­ba­re Stu­di­ode­ko­ra­ti­on. Außer­dem hol­te der Sen­der die Plat­ten­fir­men mit ins Boot. So dass es gelang, neben eini­gen No-Names hoff­nungs­vol­len Nach­wuchs­ta­len­ten auch zahl­rei­che Schlagersänger/innen von der aktu­el­len A-Lis­te anzu­lo­cken. 15 Künstler/innen tra­ten an, dar­un­ter Ver­zicht­ba­res und Füll­stoff, aber auch etli­che High­lights.

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