ESC 1978: Meile um Meile um Meile

Logo des Eurovision Song Contest 1978
Das Jahr des Weichzeichners

Erstmalig in diesem Jahrzehnt (und letztmalig überhaupt) kam das in den sechziger Jahren so vom Eurovisionserfolg verwöhnte Frankreich wieder zu Gastgeberehren. Was das aus einer aufgedonnerten Schabracke und einem schätzungsweise weit über hundertjährigen Sportreporter mit dem schönen Namen Léon Zitrone bestehende Moderatorenpaar (ein Eurovisions-Novum: bis 1977 führte stets nur ein/e einzelne/r Gastgeber/in durch den Abend) zum Anlass nahm, die Zuschauer zu belehren, dass selbstverständlich ihr Land bislang am häufigsten gewonnen habe. Tja: Hochmut kommt vor dem Fall! Die Bildregie des französischen Fernsehens überzog die Sendung mit einem Weichzeichnerschleier nach Art der Zärtlichen Cousinen, der sämtliche Darbietungen optisch zu einem einzigen pastellfarbenen Matsch zusammenschmolz, stimmig ergänzt durch den bombastischen, unsauberen Klangbrei, den das schon ostentativ desinteressierte Orchester absonderte und der alle Beiträge auf seifige Fahrstuhlmusik reduzierte. Da musste man sich schon sehr viel Mühe geben, um aufzufallen.

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DVE 1978: Heut will ich’s wissen

Ireen Sheer, DE 1978
Die Stripperin

Im Jahr Eins nach Grünefeldt herrschte bei der ARD in Sachen Grand Prix heillose Konfusion. Der Hessische Rundfunk gab die Zuständigkeit für den Eurovision Song Contest ab, und niemand wollte sie haben. Gegen seinen erklärten Willen erhielt der Südwestfunk in Baden-Baden die Verantwortung zugeschoben. Der verlegte die Vorentscheidung ins Radio, nach dem man die eingereichten Songs als zu niveaulos für ein TV-Finale empfand. Und tatsächlich lassen solch klingende Künstlernamen wie die international renommierten Brunhilde Lamberty, Albatros (mit dem Beischlafschlager ‚Bleib die Nacht bei mir und komm‘) oder das deutsch-österreichische Schlagerpärchen Freya & Bernd Wippich (‚Ich trage [schwer an] Deinem Namen‘) hinsichtlich der Beiträge nichts Gutes erahnen.

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