Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Bevor heu­te in weni­gen Minu­ten der nächs­te Super­sams­tag beginnt, gilt es noch etli­che Per­len vom letz­ten Wochen­en­de nach­zu­lie­fern, an wel­chem ich im Zuge des längs­ten Vor­ent­schei­dungs­ta­ges der bis­he­ri­gen Euro­vi­si­ons­his­to­rie aus arbeits­ka­pa­zi­tä­ren Grün­den lei­der gezwun­gen war, etli­che Vor­run­den und Semis zu ver­nach­läs­si­gen. Den herbs­ten Ver­lust gab es dabei in der Ukrai­ne zu bekla­gen. Dort hat­ten wir das sel­te­ne Ver­gnü­gen, einem knapp vier­mi­nü­ti­gen scha­ma­nis­ti­schen Ritu­al bei­woh­nen zu dür­fen, zu dem uns Kat­ya Chil­ly und ihr Geist­hei­ler­zir­kel ein­lu­den. Der bestand aus einem pit­to­resk geklei­de­ten Drui­den, der völ­lig in sich ver­sun­ken hei­li­ge Ver­se mur­mel­te; drei Damen, die den, wenn man so will, ent­fernt an die wei­ßen Schrei­ge­sän­ge der letzt­jäh­ri­gen pol­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen Tulia erin­nern­den Refrain tru­gen; sowie der in einer Tracht ange­ta­nen Front­frau, die selbst ledig­lich hin und wie­der ein paar tie­fe Töne bei­steu­er­te, zu den Gesän­gen ihrer Backings aber stets lip­pen­syn­chron den Mund öff­ne­te, so dass es wirk­te, als sei sie beses­sen und träl­ler­te in Zun­gen. Ein Ambi­ent-Tran­ce-Musik­bett mit syn­the­ti­schem Vogel­ge­zwit­scher und ein psy­che­de­li­scher Back­drop ver­stärk­ten den audio­vi­su­el­len Gesamt­ein­druck eines exqui­si­ten Magic-Mushroom-Trips, der einen die über­ra­schen­de War­te­zeit zu Beginn des Auf­tritts, als für eine knap­pe hal­be Minu­te ledig­lich wei­ßes Rau­schen zu hören war und sonst nichts pas­sier­te, ver­ges­sen ließ.

In der Tat aus­ge­spro­chen chil­lig: Kat­ya nimmt uns mit zu einer hei­len­den scha­ma­nis­ti­schen Geis­ter­be­schwö­rung.

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ARD-Zuschauer:innen zu alt für ein Tele­vo­ting

Nach mona­te­lan­gem, hart­nä­cki­gen Still­schwei­gen und einer “Ende Janu­ar” unele­gant geris­se­nen Dead­line bestä­tig­te der NDR am heu­ti­gen Mor­gen in einer offi­zi­el­len Pres­se­er­klä­rung ledig­lich, was wir im Prin­zip ohne­hin schon wuss­ten: es gibt 2020 kei­nen deut­schen Vor­ent­scheid, die oder der Repräsentant:in des Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Rot­ter­dam wur­de samt Bei­trag bereits Mit­te Dezem­ber 2019 intern aus­ge­wählt. Wer es nun ist, hält der Sen­der aber wei­ter­hin geheim. Was dafür spricht, dass wir uns alle (ohne­hin absur­den) Hoff­nun­gen auf eine ech­te Sen­sa­ti­on in der Hele­ne-Fischer-Preis­klas­se end­gül­tig abschmin­ken kön­nen, denn sonst wäre das bereits längst durch­ge­si­ckert. Die Ver­kün­dung erfolgt – auch das war bereits bekannt – am 27.02.2020 ab 21:30 Uhr im Rah­men einer 45minütigen, von der ARD-All­zweck­waf­fe Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger mode­rier­ten Show auf dem Digi­tal­ka­nal One. Zwei ver­schie­de­ne Jurys such­ten laut NDR den Bei­trag aus: 20 inter­na­tio­na­le “Musik-Expert:innen”, jede:r von ihnen bereits ein­mal Teil einer natio­na­len ESC-Jury, sowie 100 vom Sen­der hand­ver­le­se­ne Zuschauer:innen. Die­se muss­ten ihre Eig­nung für den Job dadurch unter Beweis stel­len, dass sie die Ergeb­nis­se des ESC 2019 bereits im März ver­gan­ge­nen Jah­res mög­lichst prä­zi­se vor­her­sag­ten.

Mode­riert Bab­si am Ende nicht nur ‘Unser Song für Rot­ter­dam’, son­dern singt ihn auch? Zuzu­trau­en wäre es ihr, schließ­lich kann die Frau ein­fach alles.

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San-Remo-Fes­ti­val 2020: Hun­de, wollt ihr ewig leben?

Auch im Jah­re 2020 hat­ten die Ita­lie­ner mal wie­der den Längs­ten. Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid aller Natio­nen näm­lich. Geschla­ge­ne fünf­ein­halb Stun­den (!) ließ man sich Zeit im Fina­le des 70. Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na di San­re­mo, bis end­lich der 39jährige Sin­ger-Song­wri­ter Anto­nio Dio­d­a­to mit der selbst­kom­po­nier­ten Sülz­bal­la­de ‘Fai Rumo­re’ (‘Lärm machen’) als Sie­ger des ligu­ri­schen Lie­der­wett­be­werbs und ita­lie­ni­scher Ver­tre­ter beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Rot­ter­dam fest­stand. Vor der Ver­kün­di­gung des End­ergeb­nis­ses des San-Remo-Super­fi­na­les gegen 2:30 Uhr (!) in der Nacht trieb es der Sen­der Rai mit einem mehr als sech­zig­mi­nü­ti­gen (!) Pau­sen­pro­gramm auf die Spit­ze, zu des­sen abso­lu­ten Tief­punk­ten der Auf­tritt eines pudel­fri­su­ri­gen Tenors gehör­te, der zwei Pop­klas­si­ker von Queen schän­de­te, deren Titel sich an die­ser Stel­le des Abends nur noch als absicht­li­che, dia­bo­li­sche Pro­vo­ka­ti­on der im Saal des Aris­ton-Thea­ters und vor den Bild­schir­men zuhau­se lang­mü­tig aus­har­ren­den Zuschauer:innen begrei­fen lie­ßen, näm­lich ‘The Show must go on’ und ‘Who wants to live fore­ver’. Ein der­ar­ti­ges Maß an tief­sit­zen­der Publi­kums­ver­ach­tung sucht euro­pa­weit wirk­lich sei­nes­glei­chen! Für pas­sio­nier­te Euro­vi­sio­nis­ti wog die Gedulds­pro­be um so schwe­rer, da der gest­ri­ge Super­sams­tag mit ins­ge­samt neun Ver­an­stal­tun­gen und dem Fina­le von Aus­tra­lia deci­des bereits um 10:30 Uhr vor­mit­tags begann und somit in eine prak­tisch sech­zehn­stün­di­ge, fast unun­ter­bro­che­ne Mara­thon­sit­zung mün­de­te, an deren ermü­de­tem Ende eine glei­cher­ma­ßen ermat­ten­de Ent­schei­dung stand.

Hält nicht, was der Song­ti­tel ver­spricht: Lärm erzeugt Dio­d­a­to höchs­tens durch das lau­te Schnar­chen der ein­ge­schlä­fer­ten Zuschauer:innen. (Der Live-Video­clip wur­de von der Rai depu­bli­ziert. Wer immer dafür die Ver­ant­wor­tung trägt, soll bit­te ster­ben.)

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Super­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Poly­es­ter

Zähig­keit zahlt sich aus. Seit 2012 ver­sucht es die let­ti­sche Sän­ge­rin Saman­ta Poļa­ko­va, bes­ser bekannt unter ihrem Künst­le­rin­nen­na­men Saman­ta Tīna, prak­tisch durch­gän­gig beim Vor­ent­scheid in ihrer Hei­mat (und gele­gent­lich auch im Nach­bar­land Litau­en). Nun hat sie es geschafft: die dies­mal allei­ne abstim­mungs­be­rech­tig­ten Zuschauer:innen der Super­no­va wähl­ten sie ges­tern Abend zu ihrer Reprä­sen­tan­tin für Rot­ter­dam. Viel­leicht nah­men sie den sub­ti­len Hin­weis ihres Titels ‘Still breat­hing’ zum Anlass, der 30jährigen ihren Her­zens­wunsch end­lich zu erfül­len. An ihrem selbst­ge­schrie­be­nen und mit einem Text aus der Feder von Ami­na­ta Sava­do­go ver­edel­ten Song kann es kaum gele­gen haben, denn der erwies sich vor allem als aggres­si­ve Atta­cke auf die Sin­ne: lau­tes Geschrei, auf­dring­li­cher Dub­step und epi­lep­sie­för­der­li­che Licht­blit­ze bil­de­ten ein Gesamt­pa­ket, des­sen Nerv­fak­tor es mit der Sei­ten­ba­cher-Radio­wer­bung auf­zu­neh­men ver­mag. Den Löwen­an­teil der Gesangs­parts, ins­be­son­de­re den Refrain, steu­er­ten drei mit faschis­toi­den Gesichts­vi­so­ren und Sprüh­fla­schen mit asep­ti­schem Haus­halts­rei­ni­ger bewaff­ne­te Chor­sän­ge­rin­nen bei, die ihre Vokal- und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten aus uner­find­li­chen Grün­den nur mit einem Kor­sett beklei­det ver­rich­te­ten. Frau Tīna war unter­des­sen haupt­säch­lich damit beschäf­tigt, die Fran­sen ihres Salo­mé-Gedächt­nis­dres­ses durch wil­de Zuckun­gen in per­ma­nen­ter Wal­lung zu hal­ten und gele­gent­li­che, unver­mit­tel­te Kiek­ser und Schreie aus­zu­sto­ßen, so als sei sie beses­sen.

Voll auf die Zwölf: SamT­am­ta Tīna.

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Aus­tra­lia deci­des 2020: Send in the Clowns

Kra­gen­ech­se © Wiki­pe­dia

Wie die unehe­li­che Toch­ter von Mar­ge Simp­son und einer Kra­gen­ech­se, so sah die dies­jäh­ri­ge Sie­ge­rin des Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheids Aus­tra­lia deci­des, Mon­tai­gne, bei ihrem heu­ti­gen Auf­tritt aus. Dabei erwies sich der Titel der auf­grund der Zeit­ver­schie­bung in Euro­pa bereits am Sams­tag­mit­tag über den Äther gegan­ge­nen Sen­dung als glat­te Lüge: denn nicht die aus­tra­li­schen Zuschauer:innen, die sich mehr­heit­lich für eine in die­ser Form bereits mil­lio­nen­fach dar­ge­bo­te­ne Bau­kas­ten-Power­bal­la­de der ehe­ma­li­gen Sie­ge­rin der Aus­sie­ver­sio­nen der Trash-TV-For­ma­te DSDS (2004) und IBES (2017), Casey Dono­van, ent­schie­den, bestimm­ten am Ende, wer Down Under in Rot­ter­dam ver­tre­ten darf, son­dern die Juror:innen, wel­che das Tele­vo­ting über­stimm­ten und der 24jährigen, in Syd­ney gebo­re­nen Jes­si­ca Alys­sa Cer­ro ali­as Mon­tai­gne den Vor­zug gaben. Cer­ros Tren­nungs­ti­tel ‘Don’t break me’ gehör­te denn auch zu den weni­gen eini­ger­ma­ßen eigen­stän­dig wir­ken­den Bei­trä­gen des dies­jäh­ri­gen Vor­ent­scheids, der über wei­te Stre­cken lei­der mit abge­lutsch­tes­tem musi­ka­li­schen Mit­tel­maß oder kata­stro­phal schlech­ten stimm­li­chen Dar­bie­tun­gen auf­war­te­te.

Ein eigen­wil­li­ges audio­vi­su­el­les Gesamt­kon­zept: Mon­tai­gne.

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Tsche­chi­en 2020: Ben Cris­to gibt ’ne Par­ty

Gechill­te Par­ty-Vibes bringt der 32jährige Ben da Sil­va Cris­tóvão mit dem sehr gei­len Song ‘Kema­ma’ zum dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test. Nein, nicht für Por­tu­gal, wie man auf­grund sei­nes Geburts­na­mens ver­mu­ten könn­te, son­dern für sein Hei­mat­land Tsche­chi­en. Dort ist der Sohn eines Ango­la­ners und einer Tsche­chin seit sei­ner Teil­nah­me am ört­li­chen Super­star-For­mat im Jah­re 2009 als Ben­ny Cris­to ein eta­blier­ter Künst­ler mit bereits meh­re­ren erfolg­rei­chen Alben. Neben sei­ner Musik­kar­rie­re ist er auch als Tän­zer, Schau­spie­ler und Sport­ler aktiv. Und als Mensch mit Hal­tung: 2016, so ver­rät es Wiki­pe­dia, lehn­te er die per­sön­li­che Ent­ge­gen­nah­me eines Prei­ses für den meist­ge­stream­ten Song des Jah­res ab, weil “er sich nicht im sel­ben Raum auf­hal­ten woll­te” wie die frem­den­feind­li­che Rechts­rock­band Ortel. Cris­to setz­te sich ges­tern im mit sie­ben größ­ten­teils musi­ka­lisch ori­gi­nel­len, her­vor­ra­gend pro­du­zier­ten und “kan­ti­gen” Titeln erneut hoch­klas­sig besetz­ten tsche­chi­schen Online-Vor­ent­scheid Euro­vi­si­on CZ 2020 mit der Höchst­wer­tung durch das abso­lut geschmacks­si­che­re hei­mi­sche Publi­kum gegen die Stim­men der Jury und des inter­na­tio­na­len Inter­net-Votings durch. Eine sehr klu­ge Wahl und ein Grund zur Freu­de, denn mit ‘Kema­ma’ bringt Ben­ny einen fei­nen musi­ka­li­schen Stim­mungs­auf­hel­ler mit nach Rot­ter­dam, den wir im heu­er zu befürch­ten­den Meer der Jam­mer­lap­pen­bal­la­den als see­li­sche Ret­tungs­in­sel drin­gend zum Über­le­ben benö­ti­gen.

Cha­ris­ma­tisch, talen­tiert, gut­aus­se­hend, gechillt: wer möch­te nicht mit Ben­ny Par­ty machen?

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Spü­ren Sie ihn auch, lie­be Leser:innen, den stei­gen­den Adre­na­lin­spie­gel? Kein Wun­der: pünkt­lich zum 1. Febru­ar erhöh­te die lau­fen­de Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 am gest­ri­gen Super­sams­tag euro­pa­weit die Dreh­zahl und bom­bar­dier­te uns mit gleich vier Semi­fi­na­len, dar­un­ter der ers­ten Run­de des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len. Über­all, so scheint es, kommt man mitt­ler­wei­le in die Gän­ge. Außer in Deutsch­land. In Ham­burg schreck­te man ges­tern nur kurz aus dem euro­vi­sio­nä­ren Dorn­rös­chen­schlaf auf und pos­te­te fol­gen­de Nicht-Info zum hei­mi­schen Vor­ent­scheid:

Und ehr­lich gesagt: ega­ler könn­te es mir mitt­ler­wei­le nicht mehr sein, erwar­te ich vom NDR schon längst nichts mehr außer gele­gent­li­chen ver­se­hent­li­chen Zufalls­tref­fern. Daher flugs wie­der zurück zum gest­ri­gen Super­sams­tag, des­sen wich­tigs­te Show bereits am hell­lich­ten Nach­mit­tag über die Anten­ne ging: im TV-Stu­dio des mol­da­wi­schen Sen­ders TRM näm­lich scheuch­te ein hoch effek­ti­ver Mode­ra­ti­ons­ro­bo­ter in unter zwei Stun­den Sen­de­zeit gan­ze 32 Bei­trä­ge über die ste­ril aus­ge­leuch­te­te Büh­ne, von denen eine fünf­köp­fi­ge Jury nach reif­li­cher Über­le­gung 20 Titel für das zunächst auf der Kip­pe ste­hen­de, nun aber doch statt­fin­den­de Fina­le der O Melo­di pen­tru Euro­pa am 29.02.2020 aus­wähl­te. Ent­täu­schend wenig Trash bot die musi­ka­lisch erstaun­lich gut bestück­te Vor­run­de, wirk­li­che Fehl­grif­fe muss­te man mit der Lupe suchen. Das ist nicht mehr mein Mol­da­wi­en!

Ein­zig die OMPE-Legen­de Tudor Bum­bac ent­täusch­te nicht und lie­fer­te ver­läss­lich wie immer das High­light der mol­da­wi­schen Audi­tions.

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Blas Can­tó tritt mit ver­steck­tem Com­ing-out-Song an

Gan­ze vier Mona­te ist es her, dass der spa­ni­sche Sen­der RTVE den 27jährigen Sän­ger Blas Can­tó More­no als intern aus­ge­wähl­ten Reprä­sen­tan­ten der ibe­ri­schen Halb­in­sel nomi­nier­te. Die­se Woche prä­sen­tier­te man der unge­dul­dig war­ten­den Öffent­lich­keit nun auch end­lich den in Zusam­men­ar­beit mit dem Künst­ler aus­ge­wähl­ten Song für Rot­ter­dam. Gan­ze fünf Kom­po­nis­ten und Text­dich­ter, ein­schließ­lich des Inter­pre­ten, wer­kel­ten an dem mit­tel­mä­ßi­gen Mid­tem­po­mach­werk ‘Uni­ver­so’ mit her­um, und wie immer, wenn vie­le Köche betei­ligt sind, kam ein ziem­lich zäher Brei dabei her­aus. Kein Wun­der, dass Blas die Num­mer mit den Wor­ten “Per­dó­na­me, per­dó­na­me” (“Ver­gib mir, ver­gib mir”) beginnt, plät­schert die­se doch gan­ze drei Minu­ten lang mehr oder min­der sach­te vor sich hin, ohne sich irgend­wann mal zu ent­schei­den, wo es nun hin­ge­hen soll. Immer­hin reflek­tiert die musi­ka­li­sche Ziel­lo­sig­keit sehr genau den trans­por­tier­ten rein spa­ni­schen Text, in des­sen spär­li­chen Stro­phen der zu glit­zern­den Out­fits nei­gen­de Sän­ger vage andeu­tet, dass er sein wah­res Ich aus Angst ver­steckt und sei­ne Stim­me zum Erstum­men bringt, um sich nicht “schul­dig” zu machen. Klingt klar nach dem Hil­fe­ruf eines Schrank­schwu­len, der lei­der immer noch kein öffent­li­ches Com­ing out zuwe­ge bringt. Blas, der sich bereits mit 12 Jah­ren erst­mals (ver­geb­lich) für den Juni­or-ESC bewarb, sei daher unbe­dingt emp­foh­len, dem dies­jäh­ri­gen Con­test­mot­to “Open up” zu fol­gen und sich end­lich öffent­lich zu beken­nen. Dann wäre uns allen auch ein der­ar­tig saft- und kraft­lo­ses musi­ka­li­sches Geschwur­bel erspart geblie­ben.

Ver­steckt man sich zu lan­ge, ver­liert man sich irgend­wann in den Wei­ten des Uni­ver­sums. We feel you, Bro.

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Ein wei­te­rer klei­ner Super­sams­tag liegt hin­ter uns, und erneut schräg­te es auf dem Weg nach Rot­ter­dam etli­che, nun­ja, schrä­ge Acts. So bei­spiels­wei­se in Nor­we­gen den 19jährigen Alex­an­dru Gros Grind­voll, der bereits 2016 am dor­ti­gen Vor­ent­scheid Melo­di Grand Prix teil­nahm, damals als Teil der Boy­band Sui­te 16, und der heu­er mit der erfri­schend bil­li­gen Plas­tik­pop-Per­le ‘Pink Jacket’ einen ast­rei­nen Too­ji-Gedächt­ni­sact ablie­fer­te, wenn­gleich unter ver­tausch­ten Vor­zei­chen: wäh­rend der 2012er Ver­tre­ter des erd­öl­rei­chen König­tums zu sei­nem dama­li­gen Klop­per ‘Stay’ eine ast­rei­ne Tanz­per­for­mance ablie­fer­te, die­se jedoch mit fuß­nä­ge­lauf­rol­lend schie­fem Gesang kon­ter­ka­rier­te, hielt sich Alex­an­dru in der drit­ten Vor­run­de des MGP fern von fal­schen Tönen, haupt­säch­lich ver­mut­lich mit­hil­fe des dort erlaub­ten Teil­play­backs. Dafür gestal­te­te sich sein hilf­lo­ses Her­um­ge­tän­zel auf der Büh­ne der­ar­tig erbärm­lich, dass es unglück­se­li­ger­wei­se die gan­ze Auf­merk­sam­keit der ver­zwei­felt nach Ablen­kung von dem dar­ge­bo­te­nen visu­el­len Grau­en suchen­den Zuschauer*innen auf den dürf­ti­gen Text sei­nes Lied­leins lenk­te. Der wie­der­um pries die kapi­ta­lis­ti­sche Heils­bot­schaft, dass man sich sei­ne Wunschiden­ti­tät kau­fen kön­ne und sol­le, selbst wenn man dafür das kom­plet­te Monats­ge­halt auf den Kopf hau­en muss. Was zumin­dest erklärt, war­um kein Geld mehr für eine geschei­te Cho­reo­gra­fie, Tanz­stun­den oder einen talen­tier­ten Song­schrei­ber übrig blieb.

Stop, don’t say impos­si­ble: Alex­an­dru, hier noch ohne sein Pink Jacket.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Ver­se

Gefühlt deut­lich spä­ter und zäh­flüs­si­ger als in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren nimmt die Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 nun doch lang­sam Fahrt auf: die ers­ten bei­den Sams­ta­ge mit par­al­lel lau­fen­den Aus­wahl­run­den lie­gen hin­ter uns, wenn­gleich es sich ledig­lich um Semis bezie­hungs­wei­se Nach­wuchs­wett­be­wer­be han­del­te. Nichts­des­to­trotz kön­nen wir bereits zum jet­zi­gen Zeit­punkt den Ban­jo-Lau­ra-Preis für die dümms­te und kri­mi­nells­te Fehl­ent­schei­dung des gesam­ten Jahr­gangs ver­lei­hen, und zwar an die litaui­schen Juror/innen. Der Sen­der des Bal­ten­staa­tes, LRT, ver­pass­te der dor­ti­gen Vor­ent­schei­dung zwar heu­er den hoff­nungs­voll-trot­zi­gen Unter­ti­tel Paban­dom iš nau­jo! (Lass es uns noch­mal ver­su­chen!). Viel Neu­es ließ sich aber bis­lang nicht fin­den: wie gewohnt liegt die Dich­te an offen­sicht­lich Beklopp­ten mit völ­lig abwe­gi­gen Bei­trä­gen in der Nacio­na­linė Atran­ka exzep­tio­nell hoch. Hur­ra! Zu ihnen zählt das skur­ri­le Her­ren­quar­tett Two­so­me, das bereits 2019 im hei­mat­li­chen Vier­tel­fi­na­le punk­te­los aus­schied und es dies­mal skan­da­lö­ser­wei­se nicht über die Vor­run­de hin­aus schaff­te. Dabei steu­er­ten die Par­odis­ten mit dem Titel ‘Playa’ den infek­tiö­ses­ten Gute-Lau­ne-Ohr­wurm der Sai­son bei, bestehend aus einer erquick­lich an Pasha Par­fe­nys ‘Lăutar’ erin­nern­den klei­nen Melo­die; der sen­sa­tio­nell sinn­be­frei­ten Hook­li­ne “I’m a Lit­hua­ni­an Bas­ket­ball Play­er”; dop­pel­ten Hand­klat­schern, bekannt­lich stets ein Zei­chen für musi­ka­li­sche Qua­li­tät, sowie aller­lei alber­nen Büh­nen­gim­micks wie beleuch­te­ten Jacken und einem insze­nier­ten Vio­li­nen­un­fall.

Schön, dass die Litau­er dem Gedan­ken des Recy­clings so sehr hul­di­gen: beim Abschmü­cken des Christ­baums kam den bei­den Two­so­me-Front­män­nern die Idee für ihr Büh­nenout­fit.

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