Rank & File 2019: Platz 16 – La Ven­da

Mit einem ähn­li­chen Rezept wie die im aufrechtgehn.de-Ranking eine Num­mer tie­fer plat­zier­te Schweiz ver­su­chen es in die­sem Jahr auch die Spa­ni­er. Nur, dass ihr mit­klatsch­fä­hi­ger Lati­no­pop deut­lich authen­ti­scher klingt als die eid­ge­nös­si­sche Rös­ti-Vari­an­te. Den­noch ver­mag ‘La Ven­da’ nur in Maßen zu über­zeu­gen. Der Schwach­punkt hier vor allem: der Inter­pret.

Platz 16: Spa­ni­en – Miki Núñez: La Ven­da (Die Augen­bin­de)

Dabei ist der jun­ge Kata­lo­nier kein Kind von Häss­lich­keit. Es gibt Fan­sei­ten im Netz, die gan­ze Elo­gen auf sei­ne durch­trai­nier­ten Ober­ar­me sin­gen. Sein aus­ge­spro­chen nach­läs­si­ger Klei­dungs­stil und sein tap­si­ges Auf­tre­ten las­sen ihn gleich­zei­tig zugäng­lich wir­ken. Selbst sei­ne in man­chen Momen­ten an den toten Biber auf dem Kopf des US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten erin­nern­de tuf­fi­ge Natur­krau­se wirkt an ihm noch ganz ansehn­lich, solan­ge Miki nicht im Takt zur Musik auf und ab hüpft und der Biber in Wal­lung gerät. Mit dem Gesprin­ge, einer Polo­nä­se durchs TV-Stu­dio und der direk­ten Inter­ak­ti­on mit den Fans gelang es dem Sän­ger­schlumpf, im Fina­le der Ope­ra­ción Tri­unfo die Meu­te mit­zu­rei­ßen und so den Vor­ent­scheid zu gewin­nen. Für Tel Aviv braucht es jedoch eine ande­re Stra­te­gie: gera­de die nor­di­schen Natio­nen ent­flam­men nicht so leicht für Bal­ler­mann­schla­ger, und der etwas ver­pei­le Kif­fer­charme des Inter­pre­ten dürf­te ober­halb des Weiß­wur­st­äqua­tors eher auf eisi­ge Ableh­nung sto­ßen. Für schwe­di­sche See­len muss Mikis OT-Per­for­mance vor allem lin­kisch und unpro­fes­sio­nell wir­ken, und in Kom­bi­na­ti­on mit sei­nem von kei­ner­lei Selbst­zwei­fel ange­kratz­ten Auf­tre­ten und den fünf aus­schließ­lich zu Deko­ra­ti­ons­zwe­cken hin­ter ihm (deut­lich strin­gen­ter) ope­rie­ren­den Mädels könn­te er als Mus­ter­bei­spiel für einen wei­ßen Hete­ro-Mann her­hal­ten, der sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en nicht bewusst ist.

Der Adam Sand­ler des ESC: Miki “Krau­se” Núñez bei der OT.

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Rank & File 2019: Platz 17 – She got me

Das am schlech­tes­ten gehü­te­te Geheim­nis der dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­dungs­sai­son war wohl die Direkt­no­mi­nie­rung des ehe­ma­li­gen DSDS-Sie­gers Luca Hän­ni für die Eid­ge­nos­sen­schaft. Im Land des Käse­fon­du­es konn­ten die Fans kaum an sich hal­ten vor Ver­zü­ckung, und das ist ja auch ver­ständ­lich.

Platz 17: Schweiz – Luca Hän­ni – She got me (Sie bringt mich dazu)

Der Ber­ner Twink sieht näm­lich ganz nied­lich aus, kann zuge­ge­be­ner­ma­ßen ganz gut sin­gen und her­vor­ra­gend tan­zen. Und er neigt zum frei­en Ober­kör­per, um den Rest der Welt am Ergeb­nis sei­nes regel­mä­ßi­gen Work­outs teil­ha­ben zu las­sen. Sein Song ist für Schwei­zer Ver­hält­nis­se über­ra­schend uptem­po­rär und mil­de mit­rei­ßend. Wie sein offen­sicht­li­ches Vor­bild ‘Fue­go’ bie­tet auch Lucas Lied Raum für eine spek­ta­ku­lä­re Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­phie (hur­ra!), wenn­gleich man­gels Mas­se mit deut­lich weni­ger wehen­dem Haupt­haar. Hän­ni scheint Pro­fi genug, um den Spa­gat zwi­schen anstren­gen­dem Tan­zen und schwer­at­mungs­frei­em Gesang hin­zu­be­kom­men. So weit, so gut. Den­noch bleibt für das behaup­te­te “Dir­ty Dan­cing” ein leich­tes Glaub­wür­dig­keits­pro­blem, denn im bes­ten Sin­ne schmut­zig wirkt das alles nicht. Es fällt schwer, sich den Prot­ago­nis­ten bei einer schweiß­trei­ben­de­ren Akti­on als dem Ober­kör­per­trai­ning vor­zu­stel­len oder bei einer anrü­chi­ge­ren Tätig­keit als dem Geld­zäh­len. Als Latin Lover befin­det er sich in etwa auf dem glei­chen Kre­di­bi­li­täts­le­vel wie DJ Bobo als Hip-Hop­per. Des­sen­un­ge­ach­tet zählt ‘She got me’ zu den unter­halt­sa­me­ren Bei­trä­gen die­ses Jahr­gangs und zu den bes­se­ren Ver­su­chen der Eid­ge­nos­sen.

Zu viel Tex­til: die Büh­nen­show wird hof­fent­lich etwas frei­zü­gi­ger als der offi­zi­el­le Video­clip.

wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 17 – She got me

Rank & File 2019: Platz 18 – 22

Am glei­chen Tag wie das in der aufrechtgehn.de-Wertung einen Rang tie­fer plat­zier­te Nord­ma­ze­do­ni­en der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt, konn­te auch der iri­sche Bei­trag sich in der Rubrik “ganz nett” eta­blie­ren.

Platz 18: Irland – Sarah McTer­n­an: 22

Mit Zah­len schei­nen es die Iren irgend­wie zu haben. ‘Play­ing with Num­bers’ hieß einer ihrer Bei­trä­ge aus der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, mit ‘Ire­lan­de Dou­ze Points’ illus­trier­ten sie einst, war­um ihnen nie­mand mehr den magi­schen Zwöl­fer zukom­men las­sen möch­te und sie meist schon nach dem Semi wie­der abrei­sen müs­sen, wo sie sich am ‘Ter­mi­nal 3’ in einen unbe­kann­ten Pas­sa­gier ver­gu­cken. Nun folgt mit ‘22’ der nächs­te Streich, und die am nächs­ten lie­gen­de Schluss­fol­ge­rung auf die Fra­ge, wel­che Quan­ti­tät die­se Zahl benennt, ist natür­lich die Län­ge des Pfer­de­schwan­zes, den die schein­bar alters­lo­se Sarah (laut Wiki­pe­dia in ihrem 25. Lebens­jahr, aber ich wür­de jede Ant­wort zwi­schen 18 und 53 wider­spruch­los akzep­tie­ren) im offi­zi­el­len Video­clip im Storm­vind der iri­schen Küs­te schwingt, als sei sie eine Absol­ven­tin der Slav­ko-Kale­zić-Hairtoss-Aca­de­my. Oder was dach­ten Sie denn, Sie Fer­kel­chen? Die Num­mer kommt als harm­los-pop­pi­ges Acht­zi­ger­jah­re-Feel­good-Gitar­ren­ge­plän­kel im Sti­le von Bands wie Fair­ground Attrac­tion her­über, mit einem Schuss Fünf­zi­ger-Fee­ling. Eine Art von musi­ka­li­schem Johan­nis­kraut, das auf scho­nen­de Wei­se mode­rat die Stim­mung hebt, des­sen Wir­kung aber auch schnell wie­der abklingt. Super Hin­ter­grund­mu­sik also fürs Bügeln oder Socken sor­tie­ren.

Ein Händ­chen für Loca­ti­ons haben die Iren: die­se pit­to­res­ke Beton­trep­pe hin­ter dem idyl­li­schen Toi­let­ten­häus­chen direkt an der win­dum­tos­ten Fels­küs­te, auf der Sarah gra­zi­ös her­ab­schrei­tet, wirkt ein­fach nur male­risch!

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Rank & File 2019: Platz 19 – Proud

Wie bereits ganz zu Anfang die­ser Arti­kel­se­rie erwähnt, ent­stand das zugrun­de­lie­gen­de Ran­king der Bei­trä­ge kurz nach dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019, also vor gut einem Monat. Es illus­triert daher das unter Grand-Prix-Fans wohl­be­kann­te Phä­no­men des Schön­hö­rens, denn mitt­ler­wei­le liegt die­ser Song bei mir min­des­tens zehn, wenn nicht gar fünf­zehn Posi­tio­nen höher.

Platz 19: Nord­ma­ze­do­ni­en – Tama­ra Todevs­ka: Proud (Stolz)

Dabei hat sich mei­ne Mei­nung über das Lied seit­her gar nicht geän­dert. Ich zitie­re wört­lich aus mei­ner Bespre­chung nach der Bekannt­ga­be des maze­do­ni­schen Bei­trags am Welt­frau­en­tag: “Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt. Aber auch text­lich: wie dem deut­schen Bei­trag wohnt ‘Proud’ eben­falls ein direk­ter Appell inne, der sich jedoch nicht in ver­gleichs­wei­se nett-ver­zag­ten “lasst uns lieb zuein­an­der sein”-Auf­ru­fen erschöpft, son­dern die unbe­ding­te Stär­ke und den Stolz der Frau­en betont und damit deut­lich kamp­fes­lus­ti­ger und kraft­vol­ler wirkt. Hin­zu kommt der hym­nen­haf­te Auf­bau, der die anfäng­lich spür- und hör­ba­re Trau­rig­keit über die noch immer herr­schen­den patri­ar­cha­li­schen Zustän­de in pro­duk­ti­ve, for­dern­de Wut ver­wan­delt.”

Wir sind Fami­lie: Tama­ras Toch­ter und ihre Schwes­ter sind mit dabei im Frau­en­power-Clip.

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Rank & File 2019: Platz 20 – Run with the Lions

Herz­lich Will­kom­men zum Berg­fest beim aufrechtgehn.de-Ran­king der Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge 2019! Die furcht­ba­re­re Hälf­te haben wir hin­ter uns gelas­sen, heu­te betre­ten wir den Abschnitt mit den okay­en bis ziem­lich guten Songs. Und zwar mit einem der weni­gen Lie­der die­ses Jahr­gangs, des­sen Titel aus mehr aus als nur einem Wort besteht, wel­ches im Refrain dann stumpf acht­hun­dert Mal wie­der­holt wird.

Platz 20: Litau­en – Jurij Veklen­ko: Run with the Lions (Lauf mit den Löwen)

Albert Hei­jn ver­kauft wirk­lich lecke­re Sand­wi­ches! © EiC

Dass der Kehr­reim der litaui­schen Wett­be­werbs­ein­rei­chung einen voll­stän­di­gen Satz beinhal­tet, gehört in der Tat zu ihren größ­ten Stär­ken. Hin­zu tre­ten eine recht har­mo­ni­sche Melo­die­füh­rung und ein – das Auge hört ja bekannt­lich immer mit – durch­aus ansehn­li­cher Inter­pret, des­sen gemein­sa­mes Foto-Posing mit dem Schwei­zer Kol­le­gen am Flug­ha­fen Schip­hol im Rah­men von Euro­vi­si­on in Con­cert den men­tal etwas Ver­dor­be­ne­ren unter uns *hüs­tel* man­nig­fa­chen Stoff für, sagen wir mal, unter­halt­sa­me Fan­ta­si­en lie­fer­te. Stimm­lich jedoch bil­det Juri­jus, wie er sich wohl zur Becir­cung der Juror/innen ger­ne nennt, lei­der zugleich die größ­te Bür­de des Bei­trags. Denn lei­der neigt der Sän­ger zum Fal­sett, und das kann, wenn man es denn camp genug ein­setzt, durch­aus sei­nen Reiz haben, wie beim ESC bei­spiels­wei­se schon Alan Sor­ren­ti, Cezar oder ‘Vero­na’ unter Beweis stell­ten. Jury-Juice aber meint das uniro­nisch und irri­tiert hier­durch eher.

Piep, piep, bit­te hab mich lieb: Jury-Juice schaut (hier beim litaui­schen Vor­ent­schei­de) einen Ticken zu devot in die Kame­ra.

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Rank & File 2019: Platz 21 – The Dream

Falls der kroa­ti­sche Sen­der HRT glaub­te, mit der gnä­di­gen Direkt­no­mi­nie­rung des frü­he­ren Dora-Dau­er­gas­tes Jac­ques Hou­dek für den ESC 2017 sei man die mensch­li­che Kano­nen­ku­gel nun für immer los, so sah man sich getäuscht. Zum in die­sem Jahr nach län­ge­rer Pau­se wie­der auf­ge­leg­ten Vor­ent­scheid kehr­te er als Kom­po­nist zurück – und gewann ful­mi­nant.

Platz 21: Kroa­ti­en – Roko Blaže­vić: The Dream (Der Traum)

Für sei­ne aktu­el­le Song-Mons­tro­si­tät bedien­te sich der beleib­te Song­schrei­ber eines stimm­star­ken, zar­ten Jüng­lings, dem er zu allem Über­fluss auch noch ein paar manns­ho­he Engels­flü­gel umschnall­te, so als wol­le er alle Welt mit Gewalt auf die mehr als sub­til homo­ero­tisch-pädo­phi­le Ader sei­ner künst­le­ri­schen Zusam­men­ar­beit mit dem gera­de erst Voll­jäh­ri­gen hin­wei­sen. Und prompt schaut der zwei­spra­chig auf eng­lisch und kroa­tisch vor sich hin sül­zen­de Sän­ger zwi­schen­drin auch noch der­ma­ßen ver­schmitzt grin­send in die Kame­ra, dass es sämt­li­chen katho­li­schen Wür­den­trä­gern spä­tes­tens an die­ser Stel­le die Sou­ta­ne sprengt. Selbst als mit allen Was­sern gewa­sche­ner, lang­jäh­ri­ger Grand-Prix-Fan steht man mit vor Stau­nen weit offe­nem Mund vor die­ser Dar­bie­tung, die in ihrer kit­schi­gen Scham­lo­sig­keit ihres Glei­chen sucht, und weiß nicht, ob man lachen, wei­nen oder sich Augen und Ohren zuhal­ten soll. Doch so sehr es einen graust, man muss Hou­dek auch wider­wil­lig Respekt zol­len. Nie­mand suhlt sich so scham­los im Kitsch wie er, und nie­mand meint das so uniro­nisch.

Bis zur Minu­te 1:50 will man das Jugend­amt anru­fen, danach erst recht: Roko beim Dora-Auf­tritt.

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Rank & File 2019: Platz 22 – Kru­na

Ser­bi­ens Vor­ent­scheid, die Beo­vi­zi­ja, reih­te sich in die­sem Jahr ein in den immer stär­ker wer­den­den Strom an Län­dern, die zwecks Zuschau­er­bin­dung und Gene­rie­rung von Ein­nah­men zwar pro for­ma noch das Publi­kum abstim­men las­sen, per Jury­ent­scheid jedoch aktiv sicher­stel­len, das bloß nicht die Favo­ri­ten des unmün­di­gen Vol­kes gewin­nen. Und so vote­te man ein rap­pen­des Kampf­les­ben-Duo vor­sätz­lich her­un­ter und mani­pu­lier­te statt­des­sen die trotz ihrer Jugend sehr ver­sier­te Neve­na, die das Land schon beim JESC sowie 2013 beim rich­ti­gen Grand Prix ver­tre­ten hat, an die Spit­ze.

Platz 22: Ser­bi­en – Neve­na Božo­vić: Kru­na (Kro­ne)

Die erschre­ckend dür­re Blon­de ver­fügt mit ‘Kru­na’ denn auch über eine ganz ordent­li­che Bal­kan­bal­la­de und macht auf dem Papier alles rich­tig: die Inter­pre­tin schreit sich die See­le aus dem zar­ten Laib, trifft dabei die Töne tadel­los, singt in der Lan­des­spra­che, ham­pelt nicht albern her­um, schaut ange­mes­sen leid­voll drein und zeigt dabei soviel Bein, wie es gera­de noch eben als ange­mes­sen und geschmack­voll, aber sexy durch­geht. Und anders als ihr ges­tern vor­ge­stell­ter rus­si­scher Kol­le­ge Ser­gey tritt sie für ein Land an, aus dem man ein lang­sa­mes Lied gera­de­zu erwar­tet, ja, das gewis­ser­ma­ßen das Patent dar­auf hält. Doch nicht nur die zwei völ­lig über­flüs­si­gen, anbie­dern­den Text­zei­len auf Eng­lisch las­sen einen stol­pern und zei­gen, das hier irgend­was nicht stimmt. Irgend­wie will hier nichts rich­tig zusam­men­pas­sen: die Brü­cke, der Instru­men­tal­part in der Mit­te, wirkt, als sei sie ledig­lich zu dem Zweck da, um Zeit zu schin­den, und bleibt ein Fremd­kör­per, der nicht orga­nisch mit dem rest­li­chen Song zusam­men­wach­sen will. Das wich­ti­ge Fina­le scheint blut­leer und abrupt, der Refrain bleibt nicht hän­gen. Und die “rocki­ge” E-Gitar­re soll den Song wohl in der Jetzt­zeit ver­or­ten, wird hier­für aber in viel zu homöo­pa­thi­scher Dosis ein­ge­setzt. Hat man gera­de aus Ser­bi­en alles schon sehr oft sehr viel bes­ser gehört. ‘Kru­na’ ent­täuscht die Erwar­tun­gen, jeden­falls mei­ne.

Gebt der armen Frau doch mal was zu essen! Dann wirkt sie viel­leicht auch nicht mehr so apa­thisch. Nee-Vena beim Beo­vi­zi­ja-Auf­tritt.

wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 22 – Kru­na

Rank & File 2019: Platz 23 – Scream

Eigent­lich hat der rus­si­sche Super­star Ser­gey Laza­rev ja bereits den ESC gewon­nen. 2016, bei sei­ner Erst­teil­nah­me, wo er im Zuschau­er­vo­ting regel­recht abräum­te. Aus poli­ti­schen Grün­den stahl ihm die Jury jedoch den Sieg und schanz­te ihn aus­ge­rech­net dem Erz­feind Ukrai­ne zu. Gelingt es dem durch­trai­nier­ten Sehr­gay nun, wie wei­land Dima Bilan im zwei­ten Anlauf die Kro­ne zu errin­gen?

Platz 23: Russ­land – Ser­gey Laza­rev: Scream (Schrei)

Die Ukrai­ne jeden­falls strich schon mal die Segel und schoss sich die aus­ge­wähl­te Kan­di­da­tin Maruv, frag­los eine der stärks­ten Mitbewerber/innen auf den Grand Prix, sicher­heits­hal­ber selbst weg. Ein biss­chen vor­ei­lig viel­leicht, denn direkt nach der Ver­öf­fent­li­chung von Ser­geys Wett­be­werbs­ti­tel sank sein bis dahin hell fun­keln­der Stern bei den Buch­ma­chern rapi­de. Und das mit Recht. ‘Scream’ ist zwar, das muss man dem Rus­sen las­sen, eine star­ke, viel­schich­ti­ge Bal­la­de mit dra­ma­ti­schen Strei­chern und einer nicht min­der dra­ma­ti­schen Melo­die­füh­rung, die für Ser­gey und sei­nen Begleit­chor mas­sen­haft har­te Belas­tungs­pro­ben für die hof­fent­lich gut geöl­ten Stimm­bän­der bereit­hal­ten und die Raum für eine bom­bas­ti­sche Insze­nie­rung bie­tet. Feuch­te Hös­chen bei den Juror/innen sind also garan­tiert, und ver­mut­lich sehen die­se des­we­gen sogar über das arg anti­kli­ma­ti­sche Song­fi­na­le und die ekla­tan­te Refrain­schwä­che des Lie­des hin­weg, das getreu sei­nes Titels anstel­le eines mit­rei­ßen­den Kehr­rei­mes ledig­lich einen röcheln­den Schrei offe­riert. In der aufrechtgehn.de-Wer­tung kann es jedoch ledig­lich für einen Platz in der zwei­ten Hälf­te rei­chen, denn ich will von dem schnu­cke­li­gen Pop­star mit dem Hang zu nack­ter Haut natür­lich nur eine bis aufs Mark durch­cho­reo­gra­fier­te, fröh­lich-fluffi­ge Uptem­po-Num­mer hören und sehen, aber doch um Him­mels Wil­len kei­ne Depri-Bal­la­de!

Die Welt ist ein düs­te­rer und gefähr­li­cher Ort, aber der rus­si­sche Fähr­mann bringt uns sicher durch die schwar­ze Nacht und tötet für uns alle Dra­chen: Ser­geys Video­clip spart nicht an star­ken Bil­dern.

wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 23 – Scream

Rank & File 2019: Platz 24 – Look away

Ein eta­blier­ter Musik­pro­du­zent und DJ mit einem jün­ge­ren Gast­sän­ger: was 2017 für Nor­we­gen gut funk­tio­nier­te, soll­te den fin­ni­schen Nach­barn doch nur Recht sein, dach­te sich der Sen­der YLE wohl. Zumal man da doch noch Einen in pet­to hat, der mal zu den ganz Gro­ßen gehör­te.

Platz 24: Finn­land – Daru­de + Sebas­ti­an Rej­man – Look away (Schau weg)

Fällt nun der suo­mi­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 tat­säch­lich zu Recht in die Kate­go­rie der ver­zicht­ba­ren Songs? Ja klar, wer­den Sie beim Anhö­ren spä­tes­tens nach einer Minu­te drei­ßig sagen, wenn alle eher spär­li­chen Ide­en auf­ge­braucht sind und sich die Num­mer zäh dem Ende ent­ge­gen schleppt. Ande­rer­seits erfüllt selbst ‘Look away’ sei­nen Zweck, oder genau­er gesagt deren sogar gleich drei: zum einen eröff­net er sei­nem Schöp­fer die Chan­ce, noch­mals für kur­ze Zeit aus dem See des Ver­ges­sens her­vor­zu­tau­chen und sich zurück ins Gespräch zu brin­gen. Wer weiß, viel­leicht ent­deckt auch der ein oder ande­re nach dem Jahr­tau­send­wech­sel Gebo­re­ne durch Daru­des Euro­vi­si­ons­auf­tritt sei­nen ein­zi­gen rich­tig gro­ßen und rich­tig guten Hit ‘Sand­s­torm’ für sich. Und dann hät­te es sich ja bereits gelohnt. Zwei­tens holt er Herrn Rej­man wenigs­tens für ein paar Mona­te von der Stra­ße: der Lead­sän­ger von ‘Look away’ dürf­te ange­sichts sei­nes eher über­schau­ba­ren stimm­li­chen Talents und sei­ner Ver­wech­sel­bar­keit sonst über nicht all zu vie­le Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten ver­fü­gen.

Immer­hin schafft es Daru­de, nicht ganz so gru­se­lig zu wir­ken wie Gro­mee: der Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

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Rank & File 2019: Platz 25 – Big­ger than us

Gera­de mal drei Songs für sechs namen­lo­se Teilnehmer/innen: zwar stell­te die ARD, eine der finanz­stärks­ten öffent­lich-recht­li­chen TV-Sta­tio­nen der Erde, bereits vor zwei Jah­ren unter Beweis, dass eine sol­che Dis­count-Vor­ent­schei­dung nicht funk­tio­niert. Aber die bocki­gen Bri­ten erwei­sen sich beim Euro­vi­si­on Song Con­test als genau so ver­nunft­re­sis­tent wie beim Bre­x­it: sie wie­der­hol­ten die­sen Feh­ler mit Euro­vi­si­on: you deci­de erneut.

Platz 25: Groß­bri­tan­ni­en – Micha­el Rice: Big­ger than us (Grö­ßer als wir)

Und so ver­tritt nun ein dick­li­cher, etwas unge­lenk wir­ken­der Jun­ge, im ech­ten Leben Besit­zer eines Waf­fel-Shops, die zu ihren längst ver­gan­ge­nen Glanz­zei­ten einst­mals kul­tu­rell wie kom­mer­zi­ell füh­ren­de euro­päi­sche Pop-Nati­on beschä­men­der­wei­se mit einem Aller­welts­song aus schwe­di­scher Feder. John Lundvik, der aktu­el­le Reprä­sen­tant aus dem Land der Elche, hat­te das von ihm mit­ver­fass­te ‘Big­ger than us’ ursprüng­lich als einen von zwei Vor­schlä­gen zum Melo­di­fes­ti­va­len ein­ge­reicht, sich dann aber auf Rat von Chris­ter Björk­man für den stär­ke­ren sei­ner zwei Titel ent­schie­den und lös­te mit ‘Too late for Love’ denn auch das Ticket nach Tel Aviv, wo er nun gewis­ser­ma­ßen doch mit bei­den Lie­dern ver­tre­ten ist. Und so passt es ins Bild, dass neben der fabel­haf­ten Mel Giedroyc der Schwe­den­hap­pen Måns Zelmerlöw den Vor­ent­scheid des König­reichs mode­rier­te – und mit einem halb­nackt vor­ge­tanz­ten Med­ley bri­ti­scher Euro­vi­si­ons­er­fol­ge aus dem ver­gan­ge­nen Jahr­tau­send auf char­man­te Art und Wei­se noch Salz in die Wun­de rieb. Denn seit dem Mill­en­ni­um hat das UK halt schlicht­weg nichts mehr zustan­de gebracht und das Zep­ter wohl oder übel an Schwe­den wei­ter­ge­reicht.

Mari­ja Šerif­o­vićs jün­ge­rer Bru­der: Micha­el Rice beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

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