ESC-Fina­le 2015: A Touch too much

ESC-Fina­le 2015: A Touch too much

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor…
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Bos­ni­ens Sen­der bald plei­te, Måns schwul?

Für die baldige Rückkehr des von mir schmerzlich vermissten Bosnien-Herzegowina zum Eurovision Song Contest sieht es finster aus: einer Pressemeldung der EBU von letzter Woche zufolge stehe der Staatssender BHRT "kurz vor dem Kollaps". Die bosnische Regierung habe es seit Jahren versäumt, ein adäquates und funktionierendes Gebühreneinzugsmodell zu verabschieden. In dem politisch zwischen Bosniaken und Serben geteilten Land bestehen mit RTFBiH (Bosnien) und RTRS (Republika Srpska) zwei weitere auf das jeweilige Bundesland ausgerichtete  Sender, die sich laut EBU "als Rivalen verhalten", anstatt mit der übergeordneten, für die gesamte Nation zuständigen Station zusammenzuarbeiten. Das politisch gewollte finanzielle Ausbluten von BHRT, das bereits…
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[UPD] Sony Music zahl­te für Aus­tra­li­ens Teilnahme

Wie eurovoix heute unter Bezugnahme auf die Zeitung The Australian rapportiert, habe Sony Music[ref]In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, Sony Deutschland habe die Kosten übernommen, dies beruhte auf einer Übernahme von eurovoix. Australischen Quellen zufolge zahlte aber Sony Australien die Rechnung für Guy.[/ref] die Teilnahmegebühr des australischen Senders SBS für das Debüt von Down Under beim Jubiläumscontest in Wien übernommen und auch sämtliche Kosten für Guy Sebastian und seine Delegation bestritten, wie der Direktor des Senders, Michael Ebeid, bei einer Anhörung im Senat aussagte. Der Guy ist bei Sony unter Vertrag, der international agierende Medienkonzern versucht schon länger, den…
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Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums - nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager 'Grande Amore' - sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit 'Heroes'. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von…
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Jury-Schmu in Maze­do­ni­en und Montenegro

Wie die EBU in der Nacht bei der Vorstellung der detaillierten Abstimmungsergebnisse bekannt gab, wurden die Juryabstimmungen der beiden exjugoslawischen Länder Mazedonien und Montenegro auf Empfehlung der externen Überwachungsfirma PwC von der Ermittlung des Gesamtergebnisses ausgeschlossen. In beiden Ländern flossen die Televoting-Ergebnisse zu 100% ein. Details wurden zunächst nicht genannt. Die Vorfälle sollen beim nächsten Treffen der Lenkungsgruppe im Juni diesen Jahres "besprochen werden". In San Marino hingegen wurden nach Ansage der Punktesprecherin Valentina Monetta nur die Juryergebnisse gezählt - dies hat in dem kleinen Land, das aufgrund der geringen Einwohnerzahl und Zugehörigkeit zum italienischen Telefonnetz kein eigenständiges Televoting hinbekommt, bereits…
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Schei­tern in Wür­de – We are the Zeros of our Time!

Was für ein Abend! Diese Woche, wenn mir die kurze Einleitung gestattet sei, besuchte ich in Wien noch die kurzweilige und sehr schön gemachte Ausstellung The Nul Pointers des Cartoonisten Tex Rubinowitz im Leopold Museum (zu sehen übrigens noch bis 8. Juni 2015, Tipp für alle, die dort noch ein paar Tage weilen), stellte dabei fest, dass das letzte Null-Punkte-Ergebnis beim Contest schon zwölf Jahre zuliegt liegt: 2003 in Riga, Jemini mit 'Cry Baby' für Großbritannien, und dachte "wird eigentlich mal wieder Zeit". Dass es gleich eine Doppelnull wird, und dann auch noch fürs Gastgeberland Österreich und für uns, damit hatte ich nun aber…
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Die Start­rei­hen­fol­ge fürs Fina­le: ORFs Gran­de Amore

Nachdem nun alle zwanzig Qualifikanten aus den beiden Semis feststehen, gab der ORF heute Nacht die handverlesene Startreihenfolge fürs Finale am Samstag bekannt. Und aus dieser lässt sich nur der eine Schluss ziehen: die EBU möchte wirklich ganz ganz dringend mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen Sieg Italiens beim Song Contest ermöglichen, um das Adrialand, das nach langem, guten Zureden seit 2011 trotz mehr als mäßigen Interesses der romanischen Zuschauer/innen wieder mitmacht beim europäischen Wettsingen, bei der Stange zu halten. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass man fast alle ernsthaften Konkurrenten, vor allem aber sämtliche der haarsträubend…
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The King of Fun: zwei­tes ESC-Semi 2015

The King of Fun: zwei­tes ESC-Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger 'Golden Boy' aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von 'Ding-Dong'-Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus…
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Jan Ola Sand: Dau­er­teil­nah­me Aus­tra­li­ens “inter­es­san­ter Gedanke”

Das dürfte nun wirklich niemanden überraschen: wie escxtra heute Mittag vermeldet, habe sich Jan Ola Sand von der EBU gegenüber dem schwedischen Fernsehen SVT offen für eine mögliche dauerhafte Teilnahme Australiens am Eurovision Song Contest gezeigt. Derzeit sei zwar "nichts entschieden" und es handele sich lediglich um "Gedanken", dennoch bezeichnete Sand die Idee als "interessant". Schließlich habe Australien "bewiesen, dass es gute Sachen abliefern kann" und das Interesse Down Under sei sehr groß, daher könne man über eine Erweiterung des Contests durchaus nachdenken. Der Wettbewerb solle aber auf jeden Fall immer in Europa stattfinden. Melodifestivalen-Chef Christer Björkman kritisierte escxtra zufolge die…
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Punk is dead: ers­tes Semi 2015

Punk is dead: ers­tes Semi 2015

Gleich vorneweg ein Wort der Vorwarnung: vermutlich sehe ich dieses Jahr einen komplett anderen Contest als ein Großteil meiner Leser/innen. Denn ich bin seit langem erstmals wieder vor Ort, und bekanntlich sind die Eindrücke in der Halle stets völlig andere als die zu Hause an den Flachbildschirmen. So hörte ich, zumindest schon mal heute im ersten Semifinale, beispielsweise nur satten, vollen Sound und weitestgehend fehlerfreien Gesang - dies also zur Erklärung, falls das an den Rundfunkempfängern anders herüberkam. Dann ein weiteres Wort der Vorwarnung: ich bin stocksauer! Auf Europa! Und zwar, weil die fantastischen Finnen nicht weiterkamen. Nein, 'Aina Mun Pitää' wird…
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Musik statt Krieg: das Buch zum Blog ab 15. Juni 2015

Das Veröffentlichungsdatum steht fest: am 15. Juni diesen Jahres erscheint das Buch "Musik statt Krieg - #60JahreSongContest" von Mario Lackner und meiner Wenigkeit im österreichischen Verlag Edition Innsalz. Sechzig Jahre Eurovision Song Contest erfahren hier eine umfassende Würdigung - alle Jahrgänge, alle Teilnehmerländer, sowie etliche Interviews mit Song-Contest-Legenden und aktuellen Teilnehmer/innen, Leuten aus dem Hintergrund, Fans und wer noch interessante Geschichten zu unser aller Lieblingsevent und seiner einigenden Kraft für das fragile Gebilde Europa zu erzählen hat. Wie schon von diesem Blog gewohnt, immer liebevoll bösartig, kurzweilig und hoffentlich erhellend. Mehr dazu natürlich laufend hier und auf der Seite meines…
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Lena singt im ARD-Rah­men­pro­gramm zum ESC

Zuletzt war es etwas ruhiger geworden um die deutsche Eurovisionssiegerin von 2010, Lena Meyer-Landrut. Doch nun bringt sie ihr viertes Studioalbum 'Crystal Sky' auf den Markt, für das sie mit einem Londoner Produzententeam zusammenarbeitete und das nach eigener Aussage im Interview mit dem österreichischen Standard "elektronischer, noch ausgefallener und meinen persönlichen Musikgeschmack reflektierend" sein soll. Die Vorabsingle 'Traffic Lights' stieg diese Woche bereits auf Rang 14 in den deutschen Verkaufscharts ein. Jenen Song präsentiert lovely Lena in 14 Tagen auch im ARD-Aufwärmprogramm zum Eurovision Song Contest, der live von der Reeperbahn gesendeten Grand Prix Party, mit der die Zeit zwischen…
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Dani­el Kaj­ma­koskis pro­mi­nen­ter Backing-Chor

Nein, keine Angst, aufrechtgehn.de verwandelt sich nicht in eine offizielle Daniel-Kajmakoski-Fanclub-Seite. Aber es gibt tatsächlich schon wieder Neues zu berichten vom diesjährigen mazedonischen Vertreter: wie Eurovision Ireland rapportiert, bringt der Wiener beim Song Contest prominente Unterstützung mit auf die Bühne: Mark Middleton, Eric Williams und Jeremy Hanna alias MERJ singen in knapp zwei Wochen in Daniels Begleitchor. Die US-Amerikaner bildeten in den Neunzigern drei Viertel der R&B-Gruppe Blackstreet (Vierter im Bunde war damals die New-Jack-Swing-Legende Teddy Riley), die mit 'No Diggity' 1996 einen weltweiten Smashhit landen konnten. Kajmakoski arbeitete mit MERJ bereits vor Kurzem für die Charity-Single 'Carry the Flame'…
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Dani­el Kaj­ma­koski singt ein Lied für die Mama

Wenige Menschen können wohl behaupten, von Geburt an eine derartig starke Verbindung zum Eurovision Song Contest zu haben wie der diesjährige mazedonische Vertreter, der in Wien lebende Daniel Kajmakoski, dessen Weg auf die Grand-Prix-Bühne ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde: nannte ihn seine Mutter doch nach dem kroatischen Sänger Daniel Popović, der nur wenige Monate vor Daniels Geburt beim Eurovision Song Contest 1983 in München Jugoslawien vertreten hatte und mit dem im originalgetreuen, seinerzeit schwer angesagten Shakin'-Stevens-Sound daherkommenden Titel 'Džuli' nicht nur einen respektablen vierten Platz, sondern auch einen europaweiten Hit erzielte. Auch seine Berufung gab Daniels Mutter ihrem Sprößling…
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Sen­de­ter­mi­ne für 60-Jahr-Gala ste­hen fest

Die ARD hat nach langem Suchen ein paar Sendetermine auf ihren Randgruppensendern für die Retro-Gala 'Eurovision's Greatest Hits' gefunden. Das von der BBC bereits am 31. März in London aufgezeichnete und um die fiesen Buhrufe für den russischen Künstler Dima Bilan (2006, 2008) bereinigte Galakonzert, bei dem etliche Grand-Prix-Legenden wie Nicole (DE 1982), Johnny Logan (IE 1980, 1987) und Conchita Wurst (AT 2014) auftraten, aus unerfindlichen Gründen aber auch so unrelevante Siegerinnen wie Emmelie de Forest (DK 2013), wird am Samstag, dem 16. Mai, ab 23:15 Uhr im NDR Fernsehen gezeigt. Fünf Minuten später beginnt die Ausstrahlung im MDR. Für die Menschen…
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[Update] Holt Guy Sebas­ti­an den Con­test 2016 nach Deutschland?

Wie Fans in verschiedenen Foren berichten, plauderte der schwedische Eurovisionsteilnehmer von 1992, Christer Björkman, langjähriges Mitglied der EBU-Lenkungsgruppe und Melodifestivalen-Impresario, gestern Abend im Rahmen einer Eurovisions-Preview-Show auf SVT aus, dass der NDR 2016 den Wettbewerb veranstalten werde, sollte Australien in Wien gewinnen. Das Land der Kängurus und Didgeridoos nimmt bekanntlich aus Anlass der 60-Jahr-Feier erst- und angeblich einmalig an der europäischen Musiksause teil. Bereits bei der Bekanntgabe dieses Events Anfang März hieß es jedoch, dass sich das australische Fernsehen SBS für den Fall eines Sieges mit einem europäischen Sender zusammentun muss, der dann 2016 den Event auf heimischem Grund, aber…
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Die gan­ze Welt spricht deutsch

Lange Zeit schien sie vollständig ausgestorben zu sein: die bis hinein in die Achtzigerjahre beim Song Contest sehr lebendige Tradition, die Songs in zahlreichen unterschiedlichen Sprachfassungen aufzunehmen. Unvergesslich beispielsweise unsere Nicole, die 'Ein bisschen Frieden' nicht nur in fast jeder Sprache dieses Planeten einspielte, sondern bei ihrer Siegerreprise 1982 ein Medley der schönsten Fassungen in ihre Präsentation packte. Nun lässt die Serbin Bojana Stamenov die guten alten Zeiten wieder aufleben: zwar singt auch sie ihren Beitrag 'Beauty never lies' in Wien - wie fast alle Teilnehmer/innen dieses Jahrgangs - auf englisch. Aufgenommen hat sie den Song (neben der serbischen Originalversion) aber auch in…
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Auch 2015: Semis in die Sparte

Wie der Prinz-Blog gestern rapportierte, überträgt die ARD die beiden Qualifikationsrunden des Eurovision Song Contest 2015 live im Fernsehen, allerdings nicht im Ersten. Dafür kann man unter gleich drei der gefühlt 700 ARD-Spartensender wählen: für aufmerksamkeitsdefizitäre Internetaffine blendet EinsFestival zusätzlich zur Liveübertragung im Splitscreen-Verfahren wieder pseudojugendliche, uninteressante Facebook-Kommentare und Tweets ein. EinsPlus bietet mit einem Gebärdendolmetscher hingegen echten Mehrwert, auch wenn vermutlich nicht mit einer Darbietung im Stile von Tommy Krångh zu rechnen ist. Und für die Puristen überträgt der Ereigniskanal Phoenix die beiden Semis ohne jeglichen Begleitschnickschnack, aber in HD - sofern man nicht, wie der Blogger, Kunde des schlechtesten Kabelanbieters der Welt…
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Dani­el Kaj­ma­koski: “Mir gefällt es, sich das Unmög­li­che vorzustellen”

Er hat von allen 40 Teilnehmer/innen des diesjährigen Song Contest die kürzeste Anreise und kann praktisch zu Fuß zur Wiener Stadthalle gehen: der 31jährige Daniel Kajmakoski vertritt zwar sein Geburtsland Mazedonien, lebt aber in Wien, seit er sieben ist. Für das im Juni erscheinende Kompendium #60jahresongcontest, einem gemeinsam mit dem österreichischen Autoren ('Conchita Wurst- backstage') und Songcontest-Consulant Mario Lackner erstellten Jubelbuch zu 60 Jahren unserer liebsten TV-Show, stellte ich ihm einige Fragen, und trotz aktuellen Terminstresses fand Daniel die Zeit für sehr spannende und lesenswerte, daher im Folgenden ungekürzt präsentierte Antworten. #60jahresongcontest wird neben einer umfassenden Zeitreise durch alle bisherigen Jahrgänge und Teilnehmerländer des Wettbewerbs übrigens…
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Gol­den Boy: die Start­rei­hen­fol­ge für 2015

Das ging ja fix: knapp eine Woche nach dem offiziellen Einsendeschluss für die Beiträge für Wien legte der ORF heute bereits die handgeklöppelte Startreihenfolge in den beiden Qualifikationsrunden vor. Dabei fällt auf, dass der gastgebende Sender am Dienstag und Donnerstag unterschiedliche Strategien fährt: verteilte man im ersten Semi die etwas schnelleren Titel relativ gleichmäßig zwischen den Langweilerballaden, so dass dem Publikum keine Gelegenheit zum dauerhaften Wegdämmern gegeben wird, so gab man im zweiten Semi aus schierer Materialnot auf. Ab Position zwei ballen sich dort sieben Balladen am Stück - die Einnahme von Aufputschmitteln ist hier dringend anzuraten! Immerhin bildete man kleine…
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Mon­te­ne­gro 2015: bye bye, Refrain, bye bye

Er war der allererste, der als Teilnehmer für Wien benannt wurde, und der allerletzte, der seinen Song ablieferte: die Akklamation von Nenad 'Knez' Knežević als Montenegros Repräsentant erfolgte bereits Ende Oktober 2014, seinen Beitrag 'Adio' stellte er erst nach allen anderen 39 Konkurrenten am heutigen Tage vor. Wer nun glaubt, Knez' Komponist, der allseits bekannte Željko Joksimović (RS 2004, 2012), dem wir die divaeske Verspätung wohl verdanken, habe die lange Zeit genutzt, einen (wie ursprünglich angekündigt) uptemporären Pop-Knüller zu schreiben, sieht sich enttäuscht: 'Adio', so der Titel des Machwerks, entpuppt sich als balladesker, süßlicher Balkanschlager der allerkitschigsten Sorte. Die Geigen schluchzen,…
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Arme­ni­en spielt mit dem Schatten

Welche Hintergrundgespräche wohl dieser Meldung vorausgingen? "Um das Konzept einer Hymne des Friedens, der Liebe und der Einigkeit zu stärken," so das fast schon ironische Zitat in der offiziellen Mitteilung der EBU, ändere das armenische Fernsehen "auf eigenen Wunsch" den Titel seines Beitrags von 'Don't deny' zu 'Face the Shadow'. Damit solle jeglichem Verdacht eines politischen Inhalts begegnet werden, weswegen die EBU-Lenkungsgruppe das Ansinnen freudig begrüße. Der Song beschäftigt sich bekanntermaßen mit dem Völkermord von 1915, der eine Massenauswanderung von Armeniern in alle Welt zufolge hatte, weswegen sich die Genealogy (Ahnenforschung) benannte Gruppe auch aus sechs Exilhajastanern zusammensetzt. Der englische, im…
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Tom­my Krångh: ich gebär­de, also bin ich

Zeit für ein neues Internetphänomen: nach dem Epic Sax Guy (dem Saxophonisten der moldawischen Band Sunstroke Project, der 2010 Berühmtheit dafür erlangte, mit seinem Gerät eine sehr liebevolle Beziehung zu führen) schenkt uns der Eurovision Song Contest heuer etwas noch Besseres: in Form von Tommy Krångh, seines Zeichens Gebärdendolmetscher beim schwedischen Sender SVT. Das skandinavische Fernsehen lässt nämlich - im Gegensatz zu den deutschen Kollegen um die Relevanz des Wettbewerbs wissend - auch das Melodifestivalen für schwerhörige und taube Menschen simultan übersetzen. Hierbei legte sich Krångh dermaßen ins Zeug, dass er die eigentlichen Auftritte der Stars rundheraus überflügelte. Das gilt schon für den…
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Maze­do­ni­en 2015: Mein Freund der Baum ist tot

Angedroht war es seit seinem Sieg beim mazedonischen Vorentscheid irgendwann damals in der Kreidezeit, vor wenigen Tagen bestätigte Daniel Kajmakoski es nochmals per Pressemitteilung, und seit heute liegt der audiovisuelle Beweis vor: 'Lisja Esenski', der Beitrag des Balkanlandes, geht in Wien (wo der Sänger lebt) als 'Autumn Leaves' an den Start. Und wie schon befürchtet, ist dadurch alles nur noch schlimmer geworden. Erwies sich der Song in der Landessprache schon nicht als unbedingter Knüller, so verfügte er doch zumindest über einen gewissen Charme, so dass man sich den Titel mit etwas gutem Willen durchaus schönhören konnte. Nun änderte Daniel nicht nur die Sprache,…
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Aus­tra­li­en 2015: in it to win it

Ach, wie wohltuend, mit Australien ein Newcomerland am Start zu haben, das mit einer herrlich lässigen Mischung aus Unverkrampfheit und Respekt an die Sache geht. Bei der (ebenfalls wohltuend selbstironisch-fröhlichen) Pressekonferenz zur Vorstellung des Kandidaten, Guy Sebastian, vor knapp zwei Wochen drohte der Sänger noch an, für Wien eine Ballade aus seinem aktuellen Album auswählen zu wollen. Nun hörten sich die Aussies aber zwischenzeitlich offenbar das Konkurrentenfeld an und stellten fest, dass die Quote für lahmes Zeugs in diesem Jahr bereits um ein Vielfaches übererfüllt ist. Also setzte sich Guy noch mal auf den Hosenboden und komponierte innerhalb von nur 72 Stunden…
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