Andre­as Küm­mert: dan­cing with the Demons in his Mind

Ein gutes hal­bes Jahr liegt er zurück, jener legen­dä­re Moment, da der Sie­ger des deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheids 2015, Andre­as Küm­mert, vor lau­fen­den Kame­ras ver­kün­de­te, er kön­ne die Wahl nicht anneh­men und gebe sein Ticket an die Zweit­plat­zier­te, Ann Sophie. Es war der dra­ma­ti­sche Abschluss einer ins­ge­samt eher lang­wei­li­gen Show, und die Wel­len der öffent­li­chen Erre­gung schlu­gen hoch am nächs­ten Tag. Küm­mert tauch­te unter, von gele­gent­li­chen ver­ba­len Aus­fäl­len gegen stän­kern­de Fans auf Face­book unter­bro­chen. In einem heu­te in der Süd­deut­schen ver­öf­fent­lich­ten, sehr lesens­wer­ten Por­trät gibt er nun erst­mals Ein­blick in sei­ne See­len­la­ge rund um die dama­li­gen Gescheh­nis­se. Und ent­hüllt, dass es nicht der Gedan­ke an den Auf­tritt vor poten­ti­ell 200 Mil­lio­nen TV-Zuschau­ern gewe­sen sei, der ihn in Panik ver­setz­te, son­dern der an die in Wien auf ihn ein­stür­zen­den Schwur­na­lis­ten: „Jeder will da Ant­wor­ten auf hirn­ris­si­ge Fra­gen, für die ich kei­nen Nerv hät­te. Das hat mir plötz­lich eine Rie­sen­angst gemacht,” so der Sän­ger gegen­über der SZ. Und, ganz ehr­lich: wer schon mal so eine Pres­se­kon­fe­renz bei einem ESC mit­er­lebt hat, wird den Mann  ver­ste­hen.

Legen­där: Küm­mert zieht die Not­brem­se

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SVT will Euro­vi­si­on auf 20 Uhr vor­ver­le­gen

Die Euro­vi­si­ons­news rei­ßen nicht ab heu­te: wie Euro­voix unter Beru­fung auf das schwe­di­sche Por­tal DN berich­tet, wol­le der aus­rich­ten­de Sen­der SVT der EBU vor­schla­gen, den Euro­vi­si­on Song Con­test um eine Stun­de auf 20 Uhr mit­tel­eu­ro­päi­scher Zeit vor­zu­ver­le­gen. Seit Men­schen­ge­den­ken fängt die Show um 21 Uhr MEZ an. Seit sich die Euro­vi­si­on immer wei­ter öst­lich aus­dehnt, zeigt sich die Schwie­rig­keit die­ses Sen­de­be­ginns, der 1957 mit Rück­sicht auf das Pro­gramm­sche­ma der BBC instal­liert wur­de: in Russ­land oder am Kau­ka­sus, die in einer ande­ren Zeit­zo­ne lie­gen, beginnt die Show der­zeit teils erst um Mit­ter­nacht. Die Schwe­den argu­men­tie­ren nun, dass ins­be­son­de­re das jün­ge­re Publi­kum, das extrem wich­tig für die Zukunft des Con­tests sei, so nicht erreicht wer­den kön­ne. Mar­tin Öster­dahl, der aus­füh­ren­de Pro­du­zent des ESC 2016, sag­te: “Beson­ders in den neu­en Län­dern ist es schon spät­nachts, wenn die Aus­strah­lung endet. Da ist es für die Kin­der schwer, wach zu blei­ben. Wenn wir wei­ter wach­sen und auch in den nächs­ten 50 Jah­ren die größ­te TV-Show der Erde blei­ben wol­len, müs­sen wir aber das Zuschau­er­al­ter sen­ken, wie das in Schwe­den bereits der Fall ist”.

From Mid­ni­ght to Noon: der ESC star­tet zu spät in Russ­land (RU 2000)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Le Bogni­bov pri­meur est arri­vée!

Kei­ne Euro­vi­si­ons­sai­son wäre eine sol­che ohne den neu­es­ten Ver­such von Sasha Bogni­bov. Seit 2007 reicht der mol­da­wi­sche Kult­star regel­mä­ßig Bei­trä­ge zum Vor­ent­scheid sei­nes Lan­des ein. Nach­dem es um sein Erst­lings­werk ‘I love the Girls (of 13 Years old)’ einen klei­nen inter­na­tio­na­len Sturm im Was­ser­glas gab, schaf­fen es aller­dings die wenigs­ten sei­ner erfreu­lich ver­stö­ren­den Wer­ke auch nur auf die Aus­wahl­lis­te. Doch unser Sasha macht unver­dros­sen wei­ter, wofür allei­ne ihm schon Respekt gebührt. Der­weil reift er künst­le­risch her­an: wäh­rend sei­ne Tex­te ihre düs­te­re Grund­fär­bung behal­ten, gelingt es ihm zuse­hends, kon­tro­ver­se The­men zu umschif­fen. Auch musi­ka­lisch bewegt er sich in homöo­pa­thi­schen Schrit­ten auf den Main­stream zu, ohne den prä­gen­den leich­ten Gru­sel­fak­tor zu ver­lie­ren, der ihn umgibt: sein aktu­el­les Lied ‘Alo­ne’ weist sogar einen ech­ten Refrain auf. Den­noch bleibt Bogni­bov den schat­ti­ge­ren Sei­ten des Lebens zuge­wandt, wofür sei­ne jam­mernd-fra­gi­le Stim­me auch wie geschaf­fen scheint. ‘Alo­ne’ über­zeugt auf gan­zer Linie als treu­er musi­ka­li­scher Weg­ge­fähr­te auf dem Pfad in die Herbst­de­pres­si­on und kommt fast schon an die sui­zi­da­le Qua­li­tät von Alex­an­dras ‘Was ist das Ziel’ her­an. Wie sei­ne Web­site ver­rät, nahm Sasha 2015 an der TV-Show ‘Moldova’s got Talent’ teil, soll­te also auch im eige­nen Land etwas an Pro­mi­nenz zuge­legt haben. Sehen wir ihn in die­sem Jahr end­lich, end­lich in der End­run­de des mol­da­wi­schen Vor­ent­scheids? Ich drü­cke ihm jeden­falls die Dau­men!

Alle Stim­men von Sasha selbst ein­ge­sun­gen, dar­auf legt der Aus­nah­me­künst­ler Wert!

ESC 2015: Mönz­chen mode­riert

Wie Euro­vi­si­on Aus­tria heu­te Mor­gen unter Bezug­nah­me auf schwe­di­sche Pres­se­be­rich­te mit­teilt, wird der offi­zi­el­le Euro­vi­si­ons­sie­ger von Wien, Måns Zelmerlöw, den 61. Song Con­test in Stock­holm mode­rie­ren. Der Sän­ger bekun­de­te sein Inter­es­se an die­sem Job bereits vor Wochen, nun soll es sich bewahr­hei­ten. Erfah­run­gen in der Mode­ra­ti­ons­tä­tig­keit sam­mel­te das Mönz­chen bereits beim Melo­di­fes­ti­va­len. Ob er noch eine Kol­le­gin zur Sei­te gestellt bekommt, sei noch offen – wenn, dann aber wohl eher für die Green-Room-Mode­ra­ti­on oder ande­re ergän­zen­de Auf­ga­ben. Die so über­flüs­si­ge wie zähe Drei­fach­mo­de­ra­ti­on, wie sie der ORF zuletzt prak­ti­zier­te, wol­le sich das schwe­di­sche Fern­se­hen wohl erspa­ren. Euro­vi­si­on Aus­tria zufol­ge habe sich Zelmerlöw aus­be­dun­gen, dem Publi­kum “auch sei­ne künst­le­ri­schen Fähig­kei­ten prä­sen­tie­ren” zu dür­fen – die Nach­fol­ge­sin­gle zu ‘Heroes’ wird uns also wohl nicht erspart blei­ben. Aber das ist ja auch okay. Ich hof­fe nur, dass Monz in Stock­holm die­sel­be haut­enge David-Cive­ra-Gedächt­nis-Lederi­mi­tat-Hose zur Schau stel­len wird wie schon in Wien…

Gibt es noch Hoff­nung auf glo­rio­se Euro­vi­si­ons­mu­sik? Frag den Monz!

Neu­es Jahr, neu­es Glück: das ESC-Jahr 2016 beginnt

Ob sie es aber so ins Fina­le schaf­fen? Ich zweifle.Heute ist der 1. Sep­tem­ber 2015, für Euro­vi­si­ons­fans beginnt damit offi­zi­ell das neue Jahr. Denn ab heu­te dür­fen mög­li­che Bei­trä­ge zum 61. Euro­vi­si­on Song Con­test, der am 10. (ers­tes Semi), 12. (zwei­tes Semi) und 14. Mai 2016 (Fina­le) im Stock­hol­mer Glo­ben statt­fin­den wird, ver­öf­fent­licht wer­den. Måns Zelmerlöw ist daher ab die­sem Moment der letzt­jäh­ri­ge Gewin­ner (obwohl, das ist falsch: Il Volo sind die letzt­jäh­ri­gen Gewin­ner). Der dies­jäh­ri­ge Con­test, bereits der zwei­te in die­sem Jahr­tau­send, der im Schnel­len Brü­ter der schwe­di­schen Haupt­stadt statt­fin­det (und schon der fünf­te sechs­te, den die Schwe­den ins­ge­samt aus­rich­ten dür­fen), steu­ert auf einen mög­li­chen neu­en Teil­neh­mer­re­kord zu, wenn man den ers­ten Pres­se­mel­dun­gen Glau­ben schen­ken darf. Nicht nur, dass Tsche­chi­en trotz des ent­täu­schen­den Aus­schei­dens im Semi in Wien dabei blei­ben will (hur­ra!) und Grie­chen­land trotz aku­ter Finanz­mi­se­re bereits eine Vor­ent­schei­dung ange­kün­digt hat (hur­ra!). Auch die kriegs­ge­schüt­tel­te Ukrai­ne ver­sucht laut NDR, einen Bei­trag für Stock­holm auf die Bei­ne zu stel­len (hur­ra!). Und zu guter Letzt scheint die Rück­kehr der seit 2013 abtrün­ni­gen Tür­kei in den Schoss der Grand-Prix-Fami­lie mitt­ler­wei­le ziem­lich sicher zu sein. Herz­lich will­kom­men zurück, wir haben Euch schreck­lich ver­misst! Wenn jetzt auch noch Bos­ni­en und Bul­ga­ri­en wie­der mit­ma­chen, bin ich rich­tig, rich­tig glück­lich!

2000 für die Tür­kei im Glo­ben am Start: die fabel­haf­te Pinar Ayhan

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ESC 2016: Toben im Glo­ben

Das ging schnell: wie der schwe­di­sche Sen­der SVT heu­te Mor­gen bekannt gab, wird der 61. Euro­vi­si­on Song Con­test am 14. Mai 2016 (Semis am 10. und 12. Mai) in der Glo­ben Are­na in der Haupt­stadt Stock­holm statt­fin­den. Der zeit­wei­se auch für das Melo­di­fes­ti­va­len genutz­te, rund 15.000 Besucher/innen fas­sen­de Kom­plex mit dem Aus­se­hen eines Atom­kraft­werks bzw. eines gigan­ti­schen Golf­balls kommt damit bereits zum zwei­ten Mal als Ver­an­stal­tungs­ort des Song Con­tests zum Zuge: schon der ers­te Grand Prix des aktu­el­len Jahr­tau­sends fand dort statt. Die angren­zen­den Hal­len Hovet und Annex die­nen als Pres­se­zen­trum bzw. als Bereich für die Dele­ga­tio­nen. Eurovision.tv zitiert den Pro­du­zen­ten der Show, Mar­tin Öster­dahl, zudem mit den Wor­ten: “Die Krö­nung ist, dass wir den Euro­vi­si­on Song Con­test zum Grand Final noch stär­ker machen kön­nen, indem wir die Tele2 Are­na in die Ver­an­stal­tung mit ein­be­zie­hen,” was ver­mu­ten lässt, dass man plant, das Event in das direkt neben dem Glo­ben lie­gen­de Fuß­ball­sta­di­on live zu über­tra­gen, wo wei­te­re 40.000 Fans zuschau­en kön­nen. Die Tele2-Are­na war anfäng­lich selbst als Ver­an­stal­tungs­ort im Gespräch, schied aber aus, weil sie nicht für die kom­plet­te sechs­wö­chi­ge Auf­bau- und Pro­ben­pha­se zur Ver­fü­gung steht. Tickets sol­len nicht vor Jah­res­en­de in den Vor­ver­kauf gehen.

Wird das Kuss­mund-Logo eben­falls zurück­keh­ren? Die Sie­ger des ESC 2000 beim Auf­tritt im Stock­hol­mer Glo­ben

Bäp­pi la Bel­le oder Xavas: wer ret­tet Deutsch­land?

Es ist so erwart­bar wie unver­meid­lich: immer, wenn Deutsch­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test mal wie­der beson­ders schlecht abge­schnit­ten hat, kom­men sie aus ihren Löchern gekro­chen und bie­ten sich als Ret­ter an: die Abge­half­ter­ten, die Hoff­nungs­lo­sen, die Träu­mer. Wir erin­nern uns an sol­che Grö­ßen wie Gott­hilf Fischer (2004), José Fer­rei­ras (2007) oder Alex Chris­ten­sen, der 2009 sogar durf­te, weil der NDR sonst abso­lut kei­nen Plan hat­te. Die legen­dä­ren Null Punk­te von Wien rie­fen nun gleich zwei Schla­ger­pär­chen auf den Plan, die gar nicht so viel von­ein­an­der trennt, wie es auf den ers­ten Blick scheint. Da sind zum Einen die bei­den Rap­per Kool Savas und Xavier Nai­doo, die gemein­sam als Xavas mit ‘Schau nicht mehr zurück’ 2012 den Bun­des­vi­si­on Song Con­test gewan­nen. Kool Savas brach­te sich vor weni­gen Tagen via Twit­ter ins Gespräch, im Inter­view mit der Welt ergänz­te er dann: “Die kön­nen mich und Xavier Nai­doo dafür in den Vor­ent­scheid schi­cken. Ich glau­be, wir könn­ten etwas von Deutsch­land reprä­sen­tie­ren, was sehr posi­tiv ist.” 2013 trau­te sich der von Moses Pel­ham Ent­deck­te noch nicht, da muss­te sei­ne Begleit­band Die Söh­ne Mann­heims ohne ihn zum Vor­ent­scheid – und schei­ter­te gegen Cas­ca­da.

Ich schau nicht mehr zurück / aber wenn ich zurück schau / seh ich nur mein Glück” – ja, was denn nun?

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FI 1965: Gib mir ’nen Kerl

111 Ein­sen­dun­gen hat­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE im Jah­re 1965 von hei­mi­schen Komponist/innen für die Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta erhal­ten. Zehn Titel such­te YLE her­aus, um sie in den Wochen vor dem Semi­fi­na­le des Grand-Prix-Vor­ent­scheids mehr­fach im Radio zu spie­len. Per Post­kar­ten­ab­stim­mung bestimm­ten die Zuhörer/innen hier­aus ihre sechs Lieb­lings­lie­der für die End­run­de in Hel­sin­ki. Auf der Stre­cke blieb unter ande­rem ein Bei­trag namens ‘Pava­ne itke­väl­le nei­dol­le’, was die unglaub­lich schwei­ni­sche kali­for­ni­sche Inter­net-Such­ma­schi­ne Goog­le mit ‘Piss auf eine klei­ne Mut­ter’ über­setzt (wirk­lich, ich denk mir das nicht aus!), was aber tat­säch­lich wohl einen ‘Tanz für ein wei­nen­des Mäd­chen’ meint. Kein Wun­der: wer heul­te da nicht, wenn irgend­ein wild­frem­der Wüst­ling die eige­ne Amme anpin­kelt! Auch die Schwe­din Caro­la schei­ter­te im Semi­fi­na­le – und wer jetzt kurz vor dem euro­vi­sio­nä­ren Herz­kas­per steht, den kann ich beru­hi­gen: nicht von der umstrit­te­nen Fan-Iko­ne Caro­la Hägg­kvist (→ SE 1983, 1991, 2006) ist hier die Rede, son­dern von Caro­la Stan­dertsk­jöld, einer in Finn­land gebo­re­nen Jazz- und Chan­son­le­gen­de mit schwe­di­schen Wur­zeln, die mit der vom Vor­jah­res­ver­tre­ter Las­se Mår­ten­son geschrie­be­nen Auf­for­de­rung ‘Ge mig en Grabb’ (‘Gib mir ’nen Kerl’) antrat. Da schlie­ßen wir uns doch nur zu ger­ne an! Das in den Jugend­jah­ren in der Schweiz auf­ge­wach­se­ne, fünf­spra­chi­ge Mul­ti­ta­lent, das zeit­wei­lig mit dem Hazy Oster­wald Sex­tett (‘Kri­mi­nal­tan­go’) tour­te und im Lau­fe ihrer hei­mi­schen Pop­kar­rie­re gleich drei Grand-Prix-Sie­ger­ti­tel cover­te, nahm im glei­chen Jahr sogar einen deut­schen Schla­ger auf. ‘War­um willst Du das alles ver­ges­sen?’ erwies sich jedoch als düs­te­res Omen für Caro­la: 1985 dia­gnos­ti­zier­ten die Ärz­te bei ihr eine Alz­hei­mer-Erkran­kung, an der sie 1997 im Alter von nur 56 Jah­ren starb.

Wohin die Wind­ma­schi­ne sie weht: die fin­ni­sche Schla­ger­le­gen­de Kat­ri Hele­na bei ihrem stür­mi­schen Start ins Musik­ge­schäft.

Gerüch­te­wei­se hieß es, die damals erst neun­zehn­jäh­ri­ge und uns im Lau­fe der nächs­ten Jahr­zehn­te (!) noch mehr­fach in Grand-Prix-Zusam­men­hän­gen begeg­nen­de Kat­ri Hele­na Kalao­ja (→ FI 1979, 1993) habe die Post­kar­ten­ab­stim­mung der Radiohörer/innen mit ihrer nich­tig-flot­ten Pol­ka ‘Min­ne tuuli kul­jett­aa’ (‘Wohin der Wind mich führt’) gewon­nen. Das nütz­te ihr im Fina­le der Eurovi­isukar­sin­ta lei­der herz­lich wenig, den hier stimm­ten sowohl aus­ge­wähl­te Studiozuschauer/innen aus allen zehn Regio­nen Finn­lands als auch eine “pro­fes­sio­nel­le” Jury gleich­be­rech­tigt ab. Und die setz­ten Kat­ri ledig­lich auf den kom­bi­nier­ten drit­ten Rang. Über den Sie­ger des Abends bestand zwi­schen bei­den Frak­tio­nen kei­ne Einig­keit: das wie stets in sol­chen Din­gen geschmacks­si­che­re und ado­rie­rens­wert klu­ge Volk bevor­zug­te ein wei­te­res Werk Las­se Mår­ten­sons: das ele­gan­te ‘Iltaisin’ (‘Am Abend’), eine musi­ka­lisch auf char­man­te Wei­se ver­spiel­te, unglaub­lich viel­schich­ti­ge Jazz-Bal­la­de, die völ­lig mühe­los und ohne sich selbst dabei zu ver­lie­ren zwi­schen bei­na­he iro­ni­scher Hei­ter­keit und zutiefst melan­cho­li­schen Zwi­schen­tö­nen mäan­der­te, und die der Kom­po­nist im Anschluss an die Sen­dung als gemein­sa­mes Duett mit der Vor­ent­schei­dungs-Inter­pre­tin Mar­jat­ta Lep­pä­nen ver­öf­fent­lich­te. Eine ech­te Per­le, die auch im kom­bi­nier­ten Voting nach Punk­ten deut­lich führ­te und somit das Land eigent­lich hät­te ver­tre­ten müs­sen. Doch die Jury woll­te es anders.

Lei­der nur als Audio­fas­sung ver­füg­ba­re: der legi­ti­me Sie­ger­song die­ses Vor­ent­scheids, ‘Iltaisin’.

Denn die “Pro­fes­sio­nel­len” bevor­zug­ten den gebür­ti­gen Rus­sen und selbst­er­nann­ten “sin­gen­den Kosa­cken” Vik­tor Kle­men­ko mit sei­ner skur­ri­len, hook-frei­en und sehr fin­ni­schen Lie­bes­schmerz­bal­la­de ‘Aurinko las­kee län­te­en’ (‘Die Son­ne geht im Wes­ten unter’). Bei Unei­nig­keit, so woll­ten es die sei­ner­zeit gül­ti­gen YLE-Sta­tu­ten jedoch, lie­ge das fina­le Ver­dikt beim Sen­der. Der ließ sich eini­ge Tage Zeit zur Ent­schei­dungs­fin­dung, konn­te aber den­noch nicht den Mut auf­brin­gen, sich auf die Sei­te des Vol­kes zu schla­gen, und stimm­te statt­des­sen mit der Jury. Mög­li­cher­wei­se auch, um mal einem ande­ren Kom­po­nis­ten als Las­se Mår­ten­son den Weg auf die euro­päi­sche Büh­ne zu ebnen. Nicht unbe­dingt der klügs­te Ent­schluss, wie wir mitt­ler­wei­le wis­sen: denn obwohl der im spä­te­ren Leben nach einem reli­giö­sen Erleb­nis ins Fach der christ­li­chen Erwe­ckungs­mu­sik gewech­sel­te Vik­tor Kle­men­ko in Nea­pel mit einem beein­dru­cken­den Abra­ham-Lin­coln-Bart von sei­ner sowje­ti­schen Her­kunft abzu­len­ken such­te, lie­ßen sich die streng anti­kom­mu­nis­ti­schen Juro­ren beim euro­päi­schen Wett­sin­gen nicht täu­schen und schick­ten ihn mit → null Punk­ten wie­der nach Hau­se. Ein unfai­res Ver­dikt gewiss, doch kei­nes­falls gemei­ner als die Bevor­zu­gung Kli­men­kos durch den hei­mi­schen Sen­der gegen­über der eigent­li­chen Vor­ent­schei­dungs­sie­ge­rin Mar­jat­ta Lep­pä­nen. Kar­ma is a Bitch!

Oder waren es die schwar­zen Pai­let­ten, die Vik­tors Ergeb­nis her­bei­führ­ten?

Um der Chro­nis­ten­pflicht (und dem pri­va­ten Ver­gnü­gen des Chro­nis­ten an der skur­ri­len Schön­heit fin­ni­scher Namen) Genü­ge zu tun, soll jedoch noch von einem Mann berich­tet wer­den, der auf der Teil­neh­mer­lis­te des 1965er Eurovi­isukar­sin­ta gar nicht zu fin­den ist, und den den­noch so vie­les mit der Show ver­bin­det: Erk­ki Poh­jan­hei­mo heißt der jun­ge Mann, der ursprüng­lich vor­ge­se­hen war, von den magi­schen Trom­meln Lapp­lands zu berich­ten, den ‘Lapin taika­r­um­mut’. Dass beim Vor­ent­scheid an sei­ner Stel­le die in letz­ter Sekun­de ein­ge­sprun­ge­ne und weit­hin unbe­kann­te Sän­ge­rin Rit­va Mustonen eine, wie das Por­tal Viisukup­pi­la es in der Goog­le-Über­set­zung so form­voll­endet nennt, “mys­tisch wir­beln­de Inter­pre­ta­ti­on” des für fin­ni­sche Ver­hält­nis­se schon bei­na­he unver­ant­wort­lich ein­gän­gi­gen Titels zum Bes­ten gab (und damit abge­schla­gen auf dem fünf­ten Platz lan­de­te), dafür trug der Sen­der die Ver­ant­wor­tung: YLE hat­te näm­lich dem neben sei­ner Gesangs­kar­rie­re dort im Zweit­job als Kame­ra­mann täti­gen Erk­ki gera­de eine Fest­an­stel­lung als Unter­hal­tungs­chef (!) ange­tra­gen, in wel­cher Funk­ti­on er im Lau­fe der Jah­re auch mit der EBU zusam­men­ar­bei­ten soll­te. Zwi­schen 1973 und 1996, so weiß es Wiki­pe­dia, kom­men­tier­te Poh­ja­n­e­hei­mo für die fin­ni­schen Zuschauer/innen die Gescheh­nis­se beim Euro­vi­si­on Song Con­test, und 1981 mode­rier­te er dem hei­mi­schen Vor­ent­scheid. Eine gro­ße Grand-Prix-Fami­lie!

Ist das der Kerl, den Caro­la woll­te? Erk­ki wirkt jeden­falls, als sei er nicht ganz so brav, wie das Foto ver­mit­teln soll.

Vor­ent­scheid FI 1965

Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta. Sams­tag, 13. Febru­ar 1965, aus den YLE-Fern­seh­stu­di­os in Hel­sin­ki. Sechs Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Ant­ti Einiö + Mari­on Rung.
#Interpret/inTitelPunk­tePlatz
01Mar­jat­ta Lep­pä­nenIltaisin2101
02Eero & Jus­siTah­don saa­ren0846
03Rit­va MustonenLapin Taika­r­um­mut0935
04Vik­tor Kli­men­koAurinko las­kee län­te­en1952
05Kat­ri Hele­naMin­ne tuuli kul­jett­aa1863
06Kai LindMon Amie, mon Amour1334

YU 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen

Wie in der gesam­ten Anfangs­pha­se ist auch für das Jahr 1964 die Fak­ten­la­ge lei­der nicht beson­ders ertrag­reich, was die Jugo­vi­zi­ja angeht, den Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des damals noch unter Tito ver­ein­ten süd­sla­wi­schen Viel­völ­ker­staa­tes. Immer­hin ken­nen wir, und das ist bei der Jugo­vi­zi­ja der Sech­zi­ger­jah­re kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, die kom­plet­te Teil­neh­mer­lis­te inklu­si­ve der Lie­der. Doch das nützt nicht viel, fin­det sich doch bis auf die lieb­lich plin­kern­de Schnee­flo­cken­bal­la­de ‘Kakor bela Snežin­ka’ des slo­we­ni­schen Sän­gers Sta­ne Man­ci­ni (ob eine Ver­wandt­schaft zur 2012er Reprä­sen­tan­tin Han­nah Man­ci­ni besteht, ist mir lei­der nicht bekannt – vom Alter her könn­te Sta­ne ihr Groß­va­ter sein) und das offi­zi­el­le Sie­ger­lied kei­ner der acht Wett­be­werbs­bei­trä­ge im Netz. Kei­ne Spur also von ‘Fol­ge den Ster­nen’ der 1962er Grand-Prix-Teil­neh­me­rin Lola Nova­ko­vić, von ‘Ent­schei­de Dich’ des gefei­er­ten kroa­ti­schen Chan­son­niers und Poe­ten Arsen Dedić (†2015) oder von ‘Ihr ers­ter Tanz’ des welt­be­kann­ten Ivo Robic, der hier punk­te­frei aus­ging.

Wieg­te selbst Frau Hol­le in den Tief­schlaf: Herr Man­ci­ni.

Wei­ter­le­senYU 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen