Türk­vi­zyon 2016: rus­si­sche Repu­bli­ken keh­ren zurück

Wäh­rend Euro­pa gera­de aus­ein­an­der­drif­tet und der ein­zi­ge schwa­che Trost im Hin­blick auf den unglück­se­li­gen Bre­x­it dar­in liegt, dass wir nach der nun immer wahr­schein­li­cher wer­den­den Abspal­tung Schott­lands vom Unei­ni­gen König­reich dem­nächst viel­leicht ein neu­es Land beim Euro­vi­si­on Song Con­test begrü­ßen kön­nen, gibt es im eura­si­schen Raum zumin­dest einen klei­nen Licht­blick in der dor­ti­gen deso­la­ten Lage. Nach­dem sich der tür­ki­sche Sul­tan Staats­chef Erdoğan am ver­gan­ge­nen Mon­tag not­ge­drun­gen und ent­ge­gen sei­ner frü­he­ren Absich­ten für den Abschuss eines rus­si­schen Kampf­jets an der Gren­ze zu Syri­en im Novem­ber 2015 ent­schul­dig­te, hob der rus­si­sche Zar Prä­si­dent Putin am Mitt­woch, kurz nach dem schreck­li­chen Bom­ben­an­griff auf den Flug­ha­fen in Istan­bul, die ver­häng­ten Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen den Staat am Bos­po­rus wie­der auf, wie unter ande­rem die Zeit berich­te­te. Heu­te erklär­ten fol­ge­rich­tig die rus­si­schen Teil­re­pu­bli­ken und Regio­nen Altai, Basch­kor­to­stan, Dage­stan, Bal­ka­ri­en, Cha­kas­si­en, Staw­ro­pol (Nogai­er), Tatar­stan, Tuwa, Jaku­ti­en sowie die annek­tier­te Krim, die im Dezem­ber letz­ten Jah­res auf Geheiß von Mos­kau dem osma­ni­schen Gesangs­wett­be­werb fern­blei­ben muss­ten, an der nächs­ten Türk­vi­zyon wie­der teil­zu­neh­men. Die bereits für 2015 aus­ge­wähl­ten Künstler/innen sol­len nun in die­sem Jahr zum Zuge kom­men.

Hier der fabel­haf­tes­te Türk­vi­zyons-Bei­trag 2015 aus Syri­en

Jama­la unter­stützt den CSD in Kiew

In einem offe­nen Brief an den Bür­ger­meis­ter der ukrai­ni­schen Haupt­stadt, den auch hier­zu­lan­de nicht ganz unbe­kann­ten Vita­li Klitsch­ko, macht sich die aktu­el­le Köni­gin des Euro­vi­si­on Song Con­test, für die Unter­stüt­zung der Stadt bei der Durch­füh­rung des für heu­te geplan­ten “Mar­sches für Gleich­be­rech­ti­gung” stark, wie queer.de berich­tet. Jama­la gehört zu mehr als 500 Verfasser/innen offe­ner Brie­fe, mit der die Stadt­re­gie­rung zur Sicher­stel­lung des Schut­zes der Demo-Teil­neh­mer/in­nen auf­ge­for­dert wird. Rechts­ra­di­ka­le hat­ten ange­kün­digt, den Kie­wer CSD zu ver­hin­dern und ein “Blut­bad” anzu­rich­ten. Bis zu sechs­tau­send Poli­zis­ten sol­len den Marsch nun schüt­zen, zu dem auch Unterstützer/innen aus ganz Euro­pa anreis­ten. So berich­tet die Künst­le­rin und LGBT-Akti­vis­tin Nao­mi Law­rence von der Mün­che­ner Grup­pe Muni­Qiev von einer “Zei­ten­wen­de” ins­be­son­de­re bei offi­zi­el­len Stel­len. 2014 muss­ten die Kie­wer noch auf einen CSD ver­zich­ten, auch weil sie von Klitsch­ko kei­ne Hil­fe beka­men. 2015 fand er statt, aller­dings kam es trotz star­ker Poli­zei­prä­senz zu gewalt­tä­ti­gen Über­grif­fen. Erst im März die­sen Jah­res spreng­ten zusam­men­ge­rot­te­te Rechts­ra­di­ka­le ein Fes­ti­val für Gleich­heit in Lwiw. Nun scheint gera­de der Krieg mit Russ­land zu einem vor­sich­ti­gen Umden­ken der beson­ders hom­ofeind­lich ein­ge­stell­ten Bevöl­ke­rung zu füh­ren: “seit Russ­lands Pro­pa­gan­da behaup­tet, dass die Ukrai­ner rus­si­sche Kin­der töten und deren Blut trin­ken, mer­ken die Ukrai­ner, wie es ist, Ziel einer Hetz­kam­pa­gne zu sein,” so Law­rence. Bleibt zu hof­fen, dass das Ein­tre­ten Jama­las ein klein wenig dazu tut.

Pflanzt einen Baum der Hoff­nung für LGBTs in der Ukrai­ne: Jama­la

Fun, Love and Money: Natio­nen­lim­bo beim ESC

Groß war die Auf­re­gung, als die EBU weni­ge Wochen vor dem 2016er Euro­vi­si­on Song Con­test den rumä­ni­schen Sen­der TVR wegen nicht bezahl­ter Schul­den in Höhe von rund 15 Mil­lio­nen Euro aus der Sen­de­uni­on aus­schloss und der bereits in einem Vor­ent­scheid bestimm­te Reprä­sen­tant Ovi­diu Anton unfrei­wil­lig zu Hau­se blei­ben muss­te. Weni­ge Wochen nach dem Con­test erweist sich die Gen­fer Stra­te­gie, mit der vor allem Druck auf die Regie­rung des Kar­pa­ten­lan­des aus­ge­übt wer­den soll­te, dem klam­men Sen­der finan­zi­ell unter die Arme zu grei­fen, als erfolg­reich: wie euro­fire berich­tet, wer­de in Buka­rest gera­de ein Gesetz vor­be­rei­tet, das es ermög­licht, Staats­kne­te in die öffent­lich-recht­li­che Anstalt zu pum­pen, was bis­lang recht­lich nicht mög­lich gewe­sen sei. Zudem will man zur Schul­den­rück­zah­lung auch die Mit­tel ver­wen­den, die zum Erwerb der Aus­strah­lungs­rech­te für die Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft und der Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2016 vor­ge­se­hen waren, die TVR wegen des EBU-Aus­schlus­ses nun eben­falls nicht über­tra­gen kann (was auch der wesent­li­che­re Grund für das Nach­ge­ben der Rumä­nen gewe­sen sein dürf­te). Soll­te alles lau­fen wie geplant, dürf­te das Bal­kan­land 2017 in der Ukrai­ne wohl wie­der mit von der Par­tie sein. Dann aller­dings ohne Ovi­diu, der nach eige­ner Aus­sa­ge mit dem Wett­be­werb nie mehr etwas zu tun haben möch­te. Aber Mihai Trais­ta­riu (RO 2006) steht sicher schon in den Start­lö­chern…

Tri­um­pha­le Rück­kehr oder Toten­tanz für Rumä­ni­en beim ESC?

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Türk­vi­zyon 2016: Sey­ran singt für Deutsch­land

Kaum ist der Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 abge­schlos­sen, geht auch schon die Türk­vi­zyons‑Saison los. Und das ers­te Land, das sei­nen Teil­neh­mer für den osma­ni­schen Lie­der­wett­be­werb benennt, ist *Trom­mel­wir­bel* Deutsch­land! Wie der ver­ant­wort­li­che Köl­ner Sen­der Düğün TV ges­tern Abend bekannt gab, ver­tritt uns der 36jährige Sey­ran Ismay­ilkha­nov. Der in Baku gebo­re­ne Sey­ran, der an der Musik­aka­de­mie in Mos­kau stu­dier­te, lebt seit 2005 in Köln. Er nahm mehr­fach an Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen in Aser­bai­dschan teil und ver­such­te es auch schon in der Schweiz. Das Mul­ti­ta­lent spricht, singt und kom­po­niert auf aser­bai­dscha­nisch, rus­sisch, tür­kisch, eng­lisch und deutsch: vor kur­zem erschien sein Album Nur die Lie­be zählt’ mit selbst­ge­schrie­be­nen Pop­schla­gern, dar­un­ter so schö­nen Titeln wie ‘Sex auf dem Dach’. Sein (noch nicht bekannt gege­be­ner) Türk­vi­zyonsbei­trag stammt aller­dings von Vol­kan Gücer, der auch den letzt­jäh­ri­gen deut­schen Bei­trag von Der­ya Kap­tan schrieb. Deutsch­land nimmt seit 2014 an der Türk­vi­zyon teil, bis­lang mit eher mäßi­gem Erfolg.

So klingt Sey­ran auf deutsch…

…und so auf tür­kisch.

Schrei­ber will Fokus künf­tig stär­ker auf den Song legen

Nach zwei letz­ten Plät­zen für Deutsch­land beim Song Con­test will der deut­sche Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che Tho­mas Schrei­ber vom NDR den Fokus beim deut­schen Vor­ent­scheid künf­tig stär­ker auf den Song legen, wie er in einem Inter­view mit Imre Grimm von der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung (HAZ) sag­te. Er möch­te zunächst “natio­nal und inter­na­tio­nal nach Songs suchen – und dann die rich­ti­gen Inter­pre­ten fin­den”. Wie das Ver­fah­ren genau aus­se­hen soll, erläu­ter­te der NDR-Unter­hal­tungs­chef nicht, ergänz­te aber, dass auch wei­ter­hin “das Publi­kum final ent­schei­den” soll. Nach mög­li­chen Grün­den für das schwa­che Abschnei­den von Jamie Lee Krie­witz befragt, ver­wies Schrei­ber haupt­säch­lich auf das Lied: es sei “weder die gro­ße gefühls­be­la­de­ne Bal­la­de noch die mit­rei­ßen­de Uptem­po-Num­mer.” Womit er eines der Kern­pro­ble­me der deut­schen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge der letz­ten Jah­re benennt: die Ten­denz der hei­mi­schen Zuschauer/innen, musi­ka­li­sches Mit­tel­maß zu wäh­len, wie sie es aus dem Dudel­funk ken­nen. Auch ‘Ghost’ fällt in die­se Kate­go­rie: kom­po­si­to­risch gibt es an der Tren­nungs­schmerz­bal­la­de nichts zu mäkeln; im Gegen­satz zu dem teils ster­benspein­li­chen musi­ka­li­schen Son­der­müll, wie wir ihn noch bis weit hin­ein in die Nul­ler Jah­re schick­ten, muss­ten wir uns für den Song nicht schä­men. Das allei­ne genügt aber nicht: die Kon­kur­renz ist über die­se “Bloss-kei­nen-Schrott-Pha­se” schon lan­ge hin­aus und spielt auf Sieg, nicht auf Platz. ‘Ghost’ klang als Lied resi­gna­tiv: es erzählt die Geschich­te einer geschei­ter­ten Bezie­hung, in der zwar jeder weiß, dass es so nicht mehr wei­ter gehen kann, aber kei­ner den Mut für zunächst schmerz­li­che, aber letzt­lich befrei­en­de Ver­än­de­run­gen auf­bringt. Dass es den Vor­ent­scheid gewann, erzählt viel über den aktu­el­len, mut- und rat­lo­sen Gemüts­zu­stand der Deut­schen.

Kei­ne Anten­nen für inter­na­tio­nal Kon­kur­renz­fä­hi­ges: Jamie Lee bedien­te vor allem den deut­schen Zeit­geist

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Rus­si­sches Fern­se­hen sieht Ser­gey als Sie­ger

Es war eine erwart­ba­re Reak­ti­on, und sie kam prompt: in einer Pres­se­mel­dung erklär­te der musi­ka­li­sche Direk­tor des Fern­seh­sen­ders Rus­sia 1, Yuri Aksyu­ta, sei­nen eige­nen Kan­di­da­ten zum mora­li­schen Sie­ger des Euro­vi­si­on Song Con­test 2016. “Für mich sind die Ergeb­nis­se des Publi­kums ent­schei­dend, denn für die­ses wird die Musik gemacht. So gese­hen war es ein Sieg von Ser­gey Laza­rev,” so Aksyu­ta. Er warf den Jurys einen geziel­ten Boy­kott des rus­si­schen Bei­trags vor, denn wäh­rend Ser­gey aus jedem (!) ein­zel­nen Land Punk­te im Tele­vo­ting erhielt (ein­schließ­lich der Höchst­wer­tung aus Deutsch­land sowie aus der Ukrai­ne), ging er bei der Hälf­te der Jury­ab­stim­mun­gen leer aus. Unter den 21 orga­ni­sier­ten Laza­rev-Ver­ach­tern fan­den sich mit Est­land, Litau­en, Geor­gi­en und – wenig über­ra­schend – der Ukrai­ne vier ehe­ma­li­ge Sowjet­staa­ten sowie fünf wei­te­re Natio­nen, die sich einst hin­ter dem eiser­nen Vor­hang befan­den. Die rus­si­sche Jury aller­dings ver­hielt sich kei­nen Deut bes­ser: wäh­rend die Zuschau­er aus dem flä­chen­mä­ßig größ­ten Staat der Erde zehn Punk­te an Jama­la rüber­scho­ben, setz­ten sie die fünf Juro­ren, die am Diens­tag noch durch das Live­strea­ming ihrer Abstim­mung für Auf­se­hen gesorgt hat­ten, auf Null­di­ät. Etwas ver­söhn­li­cher äußer­te sich Ser­gey: Wie das Sprich­wort sagt, jeder liebt einen Gewin­ner! Ich gra­tu­lie­re Jama­la! Ich bin froh, dass das Publi­kum für Russ­land gestimmt hat, für mein Lied, und so emp­fin­de ich kei­ne Frus­tra­ti­on”. Er habe beson­ders den aus­tra­li­schen Bei­trag von Dami Im gemocht, die in der Jury­ab­stim­mung haus­hoch führ­te.

Sieg­te mit Ser­geys Segen: die fan­tas­ti­sche Jama­la (UA)

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Das Lju­bav-Gate: wen die Jurys 2016 ver­hin­der­ten

Nicht nur den recht­mä­ßi­gen Sieg des Rus­sen Ser­gey Laza­rev im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 hat ein klei­nes Häuf­lein von 210 will­kür­lich aus­ge­such­ten Men­schen auf dem Gewis­sen, die mit ihren Ent­schei­dun­gen den Wil­len von Mil­lio­nen (!) von Anrufer/innen aus ganz Euro­pa über­stim­men konn­ten. Wie immer ver­hin­der­ten die Mani­pu­la­to­ren aus den Jurys auch den Final­ein­zug bestimm­ter Teilnehmer/innen, die ihnen nicht in den Kram pass­ten. Dar­un­ter natür­lich wie­der zwei mei­ner Lieb­lings­bei­trä­ge. So unter­ban­den, wie ich es mir bereits dach­te, die Juro­ren im ers­ten Semi­fi­na­le am Diens­tag die berech­tig­te Qua­li­fi­ka­ti­on des bos­ni­schen Quar­tetts mit dem ehe­ma­li­gen ‘In the Dis­co’-Häs­chen Deen (BA 2004) und dem wun­der­bar dra­ma­ti­schen ‘Lju­bav je’. Lag es an der das Flücht­lings­elend the­ma­ti­sie­ren­den Büh­nen­show? Einem The­ma übri­gens, das auch der ver­an­stal­ten­de Sen­der SVT in der sel­ben Sen­dung mit einem hoch­ge­lob­ten Bal­lett als Pau­se­nact auf­griff. Die poli­tisch wachen und geschmack­lich siche­ren Zuschauer/innen gou­tier­ten das zu Recht und wähl­ten die Bos­ni­er auf Rang acht. Die ver­trock­ne­ten Geron­ten von der Jury­front aber begeis­ter­ten sich statt­des­sen für die alt­ba­cke­ne, wenn auch zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr star­ke tsche­chi­sche Bal­la­de und mani­pu­lier­ten Gabrie­la Gun­čí­ko­vá ins Fina­le, wo sie im Tele­vo­ting kom­plett punk­te­frei aus­ging. Hat sich ja gelohnt, ihr Voll­s­pa­cken!

Ergrei­fen­de Bal­kan­bal­la­den mag die Jury nicht. Sterbt! (BA)

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Sol­di­ers are com­ing: die Ukrai­ne gewinnt den ESC 2016

Was für ein Abstim­mungs­dra­ma! Das neue, gesplit­te­te Voting­ver­fah­ren, das die EBU auf Drän­gen Schwe­dens die­ses Jahr ein­führ­te, bestand sei­ne Feu­er­tau­fe heu­te Nacht mit Bra­vour. Auf allen Ebe­nen. Es lie­fer­te Span­nung bis in die Haar­spit­zen: tat­säch­lich erst mit der aller­letz­ten Stimm­ver­kün­dung stand die Gewin­ne­rin fest. Es pro­du­zier­te das von mir im Vor­feld her­bei­ge­wünsch­te, hoch­dra­ma­ti­sche und hoch­po­li­ti­sche Kopf-an-Kopf der bei­den Kriegs­par­tei­en Russ­land und Ukrai­ne. Und es sieg­te, sonst eher sel­ten, tat­säch­lich mein per­sön­li­cher Lieb­lings­ti­tel, das eben­falls hoch­po­li­ti­sche, ster­bens­schö­ne, herz­er­grei­fen­de Kla­ge­lied ‘1944’, mit dem die hoch­ta­len­tier­te Krim­ta­ta­rin Jama­la die per­sön­li­che Geschich­te der Depor­ta­ti­on ihrer Fami­lie durch Sta­lin im Zwei­ten Welt­krieg erzähl­te, und das all den Schmerz und die Wut über die abge­schnit­te­nen Wur­zeln kraft­voll und glaub­haft trans­por­tier­te. Sie spiel­te dabei vir­tu­os auf der Kla­via­tur der Con­test-Regu­la­ri­en, denn auch wenn die Par­al­le­len zur aktu­el­len Annek­tie­rung der Krim durch Putin auf der Hand lie­gen: for­mell besingt sie ein zurück­lie­gen­des geschicht­li­ches Ereig­nis, und dies gestat­te­te die EBU auch schon im Vor­jahr beim arme­ni­schen Geno­zid-Lied. Und natür­lich stimmt mich der von mir nicht zu hof­fen gewag­te Sieg Jama­las froh. Aber…

Möch­te Pis­se und Lie­be: Jama­la (UA)

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Fra­ge an Radio Eri­wan: die Vor­her­sa­ge fürs Fina­le 2016

Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­schlach­ten sind geschla­gen, die Wun­den des Ver­lusts von Argo, Dalal & Deen und Kalio­pi sind geleckt, der schwe­di­sche Sen­der SVT hat die Start­rei­hen­fol­ge für das sams­täg­li­che Fina­le hand­ge­schmie­det und dabei – teils unver­meid­lich, teils vor­sätz­lich – dem ein oder ande­ren Land das Mes­ser in den Rücken gerammt bezie­hungs­wei­se den aus­ge­füll­ten Lot­to­schein ins Körb­chen gelegt. Nun gilt es, erneut in die Glas­ku­gel zu schau­en und die Chan­cen zu bewer­ten. Und wäh­rend mein Herz wei­ter­hin für die fan­tas­ti­sche Jama­la und ihr bewe­gen­des ‘1944’ schlägt (sowie für die tol­le Poli Geno­va und den supers­wee­ten Amir) und ich nichts schö­ner fän­de als ein span­nen­des Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen der Ukrai­ne­rin und dem Rus­sen Ser­gey Laza­rev, das sie am Ende knapp für sich ent­schei­det, so fürch­te ich doch, dass es ganz anders aus­geht und die in Ham­burg leben­de Arme­nie­rin Ive­ta Muku­chyan, die sich vor allem durch das Wedeln mit der Flag­ge der umstrit­te­nen Regi­on Berg­ka­ra­bach einen schlech­ten Namen mach­te, mit ihrem Titel ‘Love­Wa­ve’ gewinnt – einem Song und einer Per­for­mance, gegen die tech­nisch nichts ein­zu­wen­den ist, die mich jedoch per­sön­lich kom­plett kalt lässt. Nach­fol­gend, wenn Sie wol­len, die 26 Songs im Ein­zel­nen.

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

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