Lost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

Wie unter­schied­lich die Mei­nun­gen von Publi­kum und Jury sind, Wahn­sinn!” ent­fuhr es einem erstaun­ten Peter Urban Sams­tag­nacht wäh­rend der Punk­te­ver­ga­be im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017, wo sich mal wie­der zeig­te, dass die angeb­li­chen Musik­pro­fes­sio­nel­len, die im sich übri­gen hem­mungs­los dem → Nach­bar­schafts­vo­ting hin­ga­ben (soll­ten sie eigent­lich nicht genau das einst ver­hin­dern?), auf einem völ­lig ande­ren Pla­ne­ten leben als der Rest der Mensch­heit. Oder auch nur, dass eine zufäl­li­ge Aus­wahl von gera­de mal fünf Per­so­nen schon aus sta­tis­ti­scher Not­wen­dig­keit her­aus immer nur zufäl­li­ge, nicht reprä­sen­ta­ti­ve und damit völ­lig wert­lo­se Ergeb­nis­se her­vor­bringt. Immer­hin waren sich die Jurys dies­mal aus­nahms­wei­se mit den Zuchauer/innen einig, was den ver­dien­ter Sie­ger des Jahr­gangs anging, den wun­der­bar ver­schro­be­nen por­tu­gie­si­schen Jazz-Schlumpf Sal­va­dor Sobral. Und das ist ja schon ein deut­li­cher Fort­schritt im Ver­gleich mit den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Auch in den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den stimm­ten sie übri­gens mit den Televoter/innen beim ers­ten Rang über­ein, der jeweils an – kei­ne Über­ra­schung – Sal­va­dor (ers­tes Semi) und den bul­ga­ri­schen Wun­der­kna­ben Kris­ti­an Kostov (zwei­tes Semi) fiel. Dort aller­dings, wo es um Leben und Tod ging, also um den Final­ein­zug, sah die Sache schon wie­der ganz anders aus: selbst­re­dend ver­hin­der­ten die dia­bo­li­schen Pro­fi-Wer­ter/in­nen auch in die­sem Jahr wie­der erfolg­reich den Ein­zug eini­ger Publi­kums­lieb­lin­ge in die Sams­tags-Show, allen vor­ne­weg – wie bereits ver­mu­tet – den der Modern-Tal­king-Epi­go­nen Koit Too­me (→ EE 1998) und Lau­ra Põld­ve­re (→ EE 2005). Das von sei­nem Bezie­hungs­en­de am Urlaubs­ort ‘Vero­na’ sin­gen­de est­ni­sche Schla­ger­pär­chen erhielt im zwei­ten Semi­fi­na­le 69 Punk­te von den Televoter/innen und kam damit auf einen so soli­den wie ver­dien­ten sechs­ten Rang. Die hoch­nä­si­gen Schnepf/innen von der Jury, die sich wohl zu fein waren, sich mit den Mas­sen im Sound des groß­ar­tigs­ten Musik­jahr­zehnts zu suh­len, konn­ten gera­de mal mage­re 16 Pünkt­chen (Rang 17) erüb­ri­gen und tor­pe­dier­ten das bal­ti­sche Geschmacks-U-Boot damit erfolg­reich. Sterbt und schmort in der Höl­le, alle­samt!

Grin­sen ver­mut­lich trotz des Semi-Aus noch immer: Koit & Lau­ra (EE)

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Um dia de ilusão: Por­tu­gal gewinnt den ESC 2017

Es war die­ser eine magi­sche Augen­blick, noch rela­tiv früh in der Show: Sal­va­dor Sobral, der por­tu­gie­si­sche Ver­tre­ter beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017, hat­te gera­de den letz­ten Ton von ‘Amar pelos Dois’ ver­klin­gen las­sen, das bis dahin gera­de­zu andäch­tig stil­le Publi­kum ließ den Jubel auf­bran­den und die Bild­re­gie blen­de­te in den Green Room, auf die arme­ni­sche Mit­be­wer­be­rin Arts­vik, die sich gera­de in völ­li­ger Ergrif­fen­heit ein Trän­chen aus dem Augen­win­kel wisch­te und damit auf den Punkt brach­te, was Mil­lio­nen von Zuschauer/innen in die­sem Moment emp­fan­den. Sie wird ver­mut­lich, wie fast alle Europäer/innen, Australier/innen und wer auch immer sonst noch zuschau­te am gest­ri­gen Sams­tag­abend, des Por­tu­gie­si­schen nicht mäch­tig sein, also kein Wort ver­stan­den haben von dem, was der ziem­lich kobold­haf­te und ver­schro­ben wir­ken­de Lis­sa­bon-Hips­ter gera­de in die Welt gesun­gen hat­te. Und doch konn­te sie sei­ne zutiefst melan­cho­li­sche Trau­er spü­ren, die lei­se, unsterb­li­che Hoff­nung, dass die Ver­flos­se­ne es sich viel­leicht doch noch ein­mal anders über­legt und zu ihm zurück­kehrt, sowie die lako­ni­sche Ent­schlos­sen­heit, dann halt für Zwei zu lie­ben, falls sie es nicht tut. Gefüh­le brau­chen kei­ne Spra­che! Sal­va­dor hat­te sie berührt, und er hat­te, wie sein Erd­rutsch­sieg bei der Punk­teaus­zäh­lung zei­gen soll­te, einen gan­zen Kon­ti­nent berührt mit sei­ner zar­ten, poe­ti­schen, musi­ka­lisch völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de, die kom­plett auf eine Show ver­zich­te­te und auch sonst fast alle unge­schrie­be­nen Euro­vi­si­ons­re­geln brach. Bis auf die eine, die aller­wich­tigs­te: Du sollst die Men­schen ver­zau­bern! Es sei ein Sieg für “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, für den Song, der eine Geschich­te zu erzäh­len hat, so sag­te der Por­tu­gie­se sinn­ge­mäß, als man ihn zur Repri­se bat, nach­dem er sowohl bei den Jurys als auch beim Publi­kum so viel Zustim­mung ein­ge­sam­melt hat­te, dass er sogar den bis­he­ri­gen Punk­te­re­kord von Alex­an­der Rybak (→ NO 2009) in den Schat­ten stell­te und sei­nem Land, das seit 1964 beim Grand Prix dabei ist und bis­lang über­wie­gend mise­ra­ble Ergeb­nis­se ein­fuhr, sei­ne ers­te Euro­vi­si­ons­kro­ne bescher­te. Und dann lie­fer­te er uns noch einen wei­te­ren magi­schen Moment an die­sem unge­wöhn­li­chen Abend, in dem er sei­ne Schwes­ter Luí­sa, die den Titel ‘Amar pelos Dois’ schrieb und die bei den Pro­ben als Krank­heits­ver­tre­tung für ihn ein­ge­sprun­gen war, mit auf die Satel­li­ten­büh­ne hol­te und sie sein Lied gemein­sam san­gen, ver­bun­den in sicht­bar und spür­bar tie­fer geschwis­ter­li­cher Zunei­gung. Und da muss­te auch ich mir ein Trän­chen aus dem Augen­win­kel wischen.

Nur noch Gefühl: Sal­va­dor und Luí­sa bei der Sie­ger­re­pri­se (PT)

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Zwei der iri­schen Backings © Mar­tin Schmidtner

War­um macht ihr so etwas, lie­be Büh­nen­bild­ver­ant­wort­li­che? War­um ver­steckt ihr in die­sem Jahr prak­tisch alle die Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne? Schon im ers­ten Semi­fi­na­le 2017 am ver­gan­ge­nen Diens­tag irri­tier­te es maß­los, wenn man mit den Augen ledig­lich eine ein­zel­ne, völ­lig ver­lo­ren im Far­ben­wir­bel des Back­drops ver­schwin­den­de Per­son auf der Büh­ne sah, gleich­zei­tig jedoch mit den Ohren wah­re Cho­rä­le erschal­len hör­te und das völ­lig über­for­der­te, bedau­erns­wer­te Gehirn die­se bei­den sich gegen­sei­tig wider­spre­chen­den Sin­nes­wahr­neh­mun­gen irgend­wie zusam­men bekom­men soll­te, ohne dabei zu implo­die­ren. Bei der gest­ri­gen zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de dann, erneut aus­ge­tra­gen in der nur mäßig besetz­ten Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­hal­le zu Kiew, erneut bestückt mit der irgend­wo zwi­schen Raum­schiff Enter­pri­se und der Außen­re­kla­me für das berühmt-berüch­tig­te Ree­per­bahn-Eta­blis­se­ment Zur Rit­ze chan­gie­ren­den Büh­ne sowie den drei kom­plett unlus­ti­gen Mode­ra­to­ren Tick, Trick und Track, nerv­te es nur noch. Zumal man uns damit um eini­ge Augen­wei­den brach­te, so bei­spiels­wei­se um die zwei rot­haa­ri­gen Hin­gu­cker des milch­bü­bi­gen Iren Bren­dan Mur­ray, die deut­lich mehr her­ge­macht hät­ten als der arm­se­li­ge, wind­schie­fe und zu allem Übel auch noch am Boden blei­ben­de Fes­sel­bal­lon, den die RTÉ-Dele­ga­ti­on statt­des­sen als schlecht über­leg­tes Büh­nen­gim­mick mit­brach­te.

Zwei­ein­vier­tel Stun­de frag­wür­di­ge Musik und noch frag­wür­di­ge­re Gar­de­ro­ben: das zwei­te Semi­fi­na­le 2017 am Stück

Wei­ter­le­senZwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Kin­der­bo­nus: Kris­ti­an Kostovs Krim-Kon­zert bleibt ohne Kon­se­quenz

Ein Krim-Auf­tritt des dies­jäh­ri­gen bul­ga­ri­schen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Kris­ti­an Kostov bleibt für den knapp sieb­zehn­jäh­ri­gen Sän­ger sank­ti­ons­los, wie Euro­voix heu­te unter Bezug­nah­me auf ukrai­ni­sche Online-Por­ta­le rap­por­tiert. Am gest­ri­gen Abend – nur einen Tag vor dem geplan­ten Auf­tritt in der heu­ti­gen zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 – mach­ten Gerüch­te die Run­de, dass der in Mos­kau als Kind bul­ga­risch-kasa­chi­scher Eltern gebo­re­ne Kostov, eben­so wie die hier­für von Sei­ten der ukrai­ni­schen Sicher­heits­be­hör­den mit einem drei­jäh­ri­gen Ein­rei­se­ver­bot beleg­te ursprüng­li­che rus­si­sche Par­ti­zi­pan­tin Julia Samo­yl­o­va, nach der Anne­xi­on der Krim durch Russ­land im Febru­ar 2014 auf der Halb­in­sel auf­ge­tre­ten sein soll. Dies bestä­tig­te sich heu­te: die rus­si­sche Aus­ga­be der Cas­ting­show The Voice Kids, an wel­cher er sei­ner­zeit unter der Paten­schaft von ESC-Sie­ger Dima Bilan (→ RU 2006, 2008) teil­nahm, gas­tier­te im Juni 2014 in der völ­ker­recht­lich umstrit­te­nen Regi­on. Anders als bei der 28jährigen Julia zieht dies aber für ihn kei­ne wei­te­ren Fol­gen nach sich: wie der ukrai­ni­sche Geheim­dienst nach Prü­fung der Ange­le­gen­heit heu­te bekannt gab, habe das besag­te Gesetz zum Zeit­punkt sei­nes Auf­trit­tes noch kei­ne Rechts­kraft erlangt. Zudem pro­fi­tiert er vom Kin­der­bo­nus: bei sei­ner The-Voice-Teil­nah­me war Kris­ti­an noch 14 Jah­re alt und sei damit nach ukrai­ni­schem Recht noch nicht straf­mün­dig. Der nach wie vor höchs­tens wie 14 aus­se­hen­de Kna­be mit der mar­kan­ten Zahn­lü­cke kann daher heu­te Abend unbe­hel­ligt im zwei­ten Semi­fi­na­le auf­tre­ten.

Die Unschuld der Jugend: Kris­ti­an Kostov (BG)

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

Wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Julia­ga­te: EBU kün­digt Stra­fen an

Das unse­li­ge Dra­ma um den Aus­schluss der rus­si­schen Teil­neh­me­rin Julia Samo­yl­o­va vom Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in der ukrai­ni­schen Metro­po­le Kiew wird Kon­se­quen­zen für bei­de Län­der haben, wie die European Broad­cas­ting Uni­on am heu­ti­gen Tage nach einer Mel­dung von heute.de bekannt gab. Die Nach­rich­ten­sen­dung des ZDF zitiert den haus­ei­ge­nen Lei­ter der Abtei­lung Inter­na­tio­na­le Ange­le­gen­heit und Vor­sit­zen­den der EBU-Refe­rence Group, Frank-Die­ter Frei­ling, nach des­sen Dar­stel­lung sich der gast­ge­ben­de Sen­der sowie der ukrai­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter ver­pflich­tet hät­ten, alle Gäs­te der EBU wie des ESC in Kiew will­kom­men zu hei­ßen. “Inso­fern ist das ein Ver­stoß gegen die Sta­tu­ten, der sank­tio­niert wer­den muss”, so Frei­ling gegen­über heute.de. Doch auch die Rus­sen müss­ten mit Sank­tio­nen rech­nen, “weil sie an ver­schie­de­nen ver­pflich­ten­den Sit­zun­gen im Vor­feld in Kiew nicht teil­ge­nom­men haben”. Nächs­te Woche wol­le man sich näher mit den Vor­gän­gen beschäf­ti­gen. Dem ZDF-Mann zufol­ge gehe es dabei nicht mehr um das Ob, son­dern nur noch um die Höhe der Stra­fe. “Unse­re Sta­tu­ten sehen man­ches bei Ver­stö­ßen vor, von einer Geld­stra­fe, dem Ent­zug der Spon­so­ren­an­tei­le bis zu einer Sper­re von bis zu drei Jah­ren”, so Frei­ling, der zwi­schen den Zei­len ziem­lich klar für einen Aus­schluss der bei­den Län­der von den Wett­be­wer­ben 2018 bis 2020 plä­diert. Eine offi­zi­el­le Ver­kün­di­gung sei jedoch nicht vor dem 12. Juni 2017 zu erwar­ten, dem ers­ten tur­nus­mä­ßi­gen EBU-Tref­fen nach den dies­jäh­ri­gen Fest­spie­len.

Der Ukrai­ne könn­te das Fei­ern bald ver­ge­hen

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Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

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Julia­ga­te: “Die Rus­sen woll­ten nie­mals teil­neh­men”

Einen Tag nach der offi­zi­el­len Bekannt­ga­be des rus­si­schen Rück­zugs beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew lecken die Betei­lig­ten ihre Wun­den. So erneu­er­te der Sen­der­chef des rus­si­schen Per­wy Kanal, Kon­stan­tin Ernst, am heu­ti­gen Kar­frei­tag das Ver­spre­chen gegen­über der aus­ge­boo­te­ten Julia Samo­yl­o­va, dass die schwer­be­hin­der­te Sän­ge­rin fix für 2018 gesetzt sei. Die­se Auf­tritts­ga­ran­tie sei laut Ernst mit der EBU abge­stimmt, wie Die Pres­se unter Bezug auf die Mos­kau­er Agen­tur Inter­fax berich­tet. Damit steht gleich­zei­tig fest, dass sich die Föde­ra­ti­on nach der geplatz­ten Teil­nah­me in Kiew nicht dau­er­haft vom euro­päi­schen Wett­sin­gen zurück­zieht – eine gute Nach­richt nicht nur für die EBU, der in die­sem Jahr wegen der weg­fal­len­den Aus­strah­lung der Sen­dung auf dem Ter­ri­to­ri­um des größ­ten Teil­neh­mer­lan­des bis zu 15 Mil­lio­nen Zuschauer/innen weg­bre­chen, wie Euro­Vi­sio­na­ry aus­rech­ne­te (bezie­hungs­wei­se dop­pelt so vie­le, wenn man die außer­halb des Mut­ter­lan­des leben­den Russ/innen mit­zählt, die nun ver­mut­lich eben­falls nicht mehr zuschal­ten), son­dern auch für Euro­pa und die völ­ker­ver­ei­ni­gen­de Idee der Show. Der aus­tra­gen­de ukrai­ni­sche Sen­der UA:PBC ver­such­te in einer heu­te ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me (Quel­le: escK­AZ) unter­des­sen, den Schwar­zen Peter von sich weg­zu­schie­ben und kar­te­te noch­mals in Rich­tung der Gegen­sei­te nach: “Aus Respekt vor dem Wunsch der EBU, die Teil­nah­me aller 43 Län­der am Song Con­test sicher­zu­stel­len (…), hat die Ukrai­ne die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on mehr­fach dazu ein­ge­la­den, einen Teil­neh­mer nach Kiew zu ent­sen­den, der kei­ne ukrai­ni­schen Geset­ze ver­letzt hat. Aber die rus­si­sche Sei­te hat es bei ihrer Ent­schei­dung belas­sen. Die Wei­ge­rung des Per­wy Kanal, den ESC zu über­tra­gen, beweist aller­dings (…), dass es von Anfang an nicht das Ziel Russ­lands war, am Wett­be­werb teil­zu­neh­men, son­dern eine nega­ti­ve Atmo­sphä­re rund um die Vor­be­rei­tun­gen und die Orga­ni­sa­ti­on des Events zu kre­ieren”.

Ra-ra-ras-Putin: Oh, tho­se Rus­si­ans!

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Euro­vi­si­on Death­match #21: Momen­te der Magie

Mit dem heu­ti­gen Duell geht das Publi­kums­spiel Euro­vi­si­on Death­match zu Ende. Und da das Bes­te bekannt­lich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die här­tes­te und hoch­ka­rä­tigs­te Run­de für den heu­ti­gen Fei­er­tag auf­ge­ho­ben. Und ja, ich weiß, der ist von sei­ner reli­giö­sen Auf­la­dung her ein eher raben­schwar­zer, trau­ri­ger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trau­er wird am Ende der Abstim­mung auf jeden Fall bei mir herr­schen, tre­ten heu­te doch mei­ne bei­den abso­lu­ten Lieb­lings­ti­tel des aktu­el­len Jahr­gangs gegen­ein­an­der an, von denen ich eigent­lich kei­nen mis­sen möch­te. Doch wie beim ech­ten Song Con­test und wie im ech­ten Leben kann es nur einen Sie­ger geben. Aus der lin­ke Ecke der Kampf­are­na grüßt der aktu­el­le Favo­rit, der hin­rei­ßend char­man­te und mit sei­nem Por­no­schnau­zer extrem sexy daher­kom­men­de San-Remo-Sie­ger Fran­ces­co Gab­ba­ni. Ein ech­tes Schwer­ge­wicht im Ring, bringt er nicht nur gutes Aus­se­hen und Aus­strah­lung mit, son­dern auch einen sofort ein­gän­gi­gen, herr­lich ver­spiel­ten und trotz ori­gi­na­ler Lan­des­spra­che pro­blem­los mit­sing­ba­ren Pop­song. Sowie einen Text, der als bedeu­tungs­schwe­rer Zita­te­fun­dus sei­nes Glei­chen sucht und sich mit bis­si­gem Spott dar­über lus­tig macht, wie inter­net­süch­ti­ge west­li­che “Sel­fis­ti” sich an öst­li­cher Mytho­lo­gie bedie­nen. Auch wenn die bes­ten Stel­len lei­der der bes­ten­falls als bru­tal zu benen­nen­den, grand-prix-kon­for­men Drei-Minu­ten-Edi­tie­rung zum Opfer fal­len. Als Sah­ne­häub­chen beglei­tet dann noch ein tan­zen­der Affe den Ita­lie­ner.

Hart geschnit­ten: die Euro­vi­si­ons­fas­sung von ‘Occidentali’s Kar­ma’ (IT)

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Offi­zi­ell: Russ­land nimmt nicht am ESC 2017 teil

Das andau­ern­de Tau­zie­hen um die Teil­nah­me der rus­si­schen Ver­tre­te­rin Julia Samo­yl­o­va am Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew hat ein so uner­freu­li­ches wie erwart­ba­res Ende gefun­den: wie die EBU heu­te Abend offi­zi­ell auf ihrer Euro­vi­si­ons-Web­site bekannt gab, fin­det der Wett­be­werb nun defi­ni­tiv ohne die im Roll­stuhl sit­zen­de Sän­ge­rin statt. Das Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ist, wie sich aus den Ver­laut­ba­run­gen der letz­ten Tage bereits abzeich­ne­te, hin­sicht­lich des in Fol­ge eines Auf­trit­tes Samo­yl­o­vas auf der annek­tier­ten Krim vom Geheim­dienst ver­füg­ten Ein­rei­se­ver­bo­tes hart geblie­ben, Ver­mitt­lungs­vor­schlä­ge aus Genf hin­sicht­lich einer exter­nen Zuschal­tung ihres Auf­tritts bzw. des Aus­tauschs gegen einen ande­ren, unbe­las­te­ten Inter­pre­ten lehn­te das rus­si­sche Fern­se­hen ab. Statt­des­sen gab der Per­wy Kanal heu­te bekannt, dass man die euro­päi­schen Lie­der­fest­spie­le im Mai nicht über­tra­gen wol­le. “Das hat lei­der zur Fol­ge, dass Russ­land nicht am dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb teil­neh­men kann,” so die EBU. “Wir hät­ten uns sehr gewünscht, dass alle 43 Län­der hät­ten teil­neh­men kön­ne und wir haben alles ver­sucht, dies zu ermög­li­chen”. Frank-Die­ter Frei­ling vom ZDF, Vor­sit­zen­der der Refe­rence Group, sprach deut­li­che Wor­te in Rich­tung des Gast­ge­bers: “Wir ver­ur­tei­len die Ent­schei­dung der ukrai­ni­schen Behör­den scharf, ein Ein­rei­se­ver­bot gegen Julia Samo­yl­o­va zu ver­hän­gen, da wir glau­ben, dass dies die Inte­gri­tät und unpo­li­ti­sche Natur des Euro­vi­si­on Song Con­test und sei­ne Mis­si­on, alle Natio­nen in einem fried­li­chen Wett­be­werb zu ver­ei­nen, unter­gräbt”. Über mög­li­che Kon­se­quen­zen für die Ukrai­ne ver­lor die Mit­tei­lung indes kein Wort, man wol­le sich nun zunächst mit aller Kraft dar­auf kon­zen­trie­ren, gemein­sam mit dem aus­rich­ten­den Sen­der eine mög­lichst spek­ta­ku­lä­re Show auf die Bei­ne zu stel­len.

Wie ver­mu­tet: Juli­as Flam­me wird nicht in Kiew bren­nen