Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein…
Weiterlesen
Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine…
Weiterlesen
Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ganze 53 Jahre musste das kleine, geografisch etwas randständige und kulturell auf europäischer Ebene nicht unbedingt massenkompatible Portugal von seiner Erstteilnahme im Jahre 1964 bis zu seinem Eurovisionssieg 2017 warten. Ein verschrobener Barde namens Salvador Sobral holte bekanntlich den Pott und die Gastgeberschaft nach Lissabon, mit einer intimen, aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade in seiner Muttersprache. Mit "Musik, die wirklich etwas ausdrückt", wie es der lebensbedrohlich erkrankte Adelsspross, dem es nach einer Herztransplantation mittlerweile wieder besser geht, im Überschwang seiner Siegesansprache formulierte. Und nun das: ein Jahr später, im ersten Semifinale des in der portugiesischen Hauptstadt abgehaltenen 2018er Grand Prix, fliegen gleich…
Weiterlesen
Geor­gi­en 2018: Neu­es aus Pora­da Ninfu

Geor­gi­en 2018: Neu­es aus Pora­da Ninfu

Liebes georgisches Fernsehen, nur so als Tipp: wenn man schon mit voller Absicht als Letzter auf der Party einläuft, so für das standesgemäß große Entree, dann sollte der Auftritt auch überzeugen. Gespannt waren die Erwartungen, nachdem Ihr, mit schon seinerzeit wirklich unnachahmlichem Gefühl fürs Timing, am vergangenen Silvesterabend, nur wenige Stunden vor Mitternacht, Eure intern ausgewählte Vertreter verkündetet: Iriao, eine siebenköpfige Ethno-Jazz-Band rund um den um den auch in Deutschland tätigen Komponisten David Malazonia, welche laut Eigenbeschreibung die von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe gezählte, nur im Kaukasus praktizierte polyphone Gesangstechnik des Chakrulo, eines „dreiteiligen Trinkliedes zur Vorbereitung auf die Schlacht, mit zwei reich…
Weiterlesen
Bul­ga­ri­en 2018: Es lebe der Zentralfriedhof

Bul­ga­ri­en 2018: Es lebe der Zentralfriedhof

Als "düster", "mystisch" und "spirituell" kündigte das bulgarische Fernsehen den als strenge Verschlusssache gehandhabten und massiv gehypten Beitrag des Landes für den Eurovision Song Contest 2018 an, den es heute Morgen enthüllte. Um 7:30 Uhr in der Frühe, an einem Montagmorgen, dem denkbar unspirituellsten und nüchternsten Punkt der Woche. Gutes Timing, BNT! Dementsprechend ernüchtert fielen die meisten Reaktionen auf den Titel 'Bones' aus. Eine etwas glibbrige Variante von Dihajs 'Skeletons' (→ AZ 2017), so könnte man es vielleicht zusammenfassen, dargeboten von einem Quintett mit dem Namen Equinox (Sonnenwende), deren Mitglieder - eine bulgarische X-Factor-Siegerin, ein rumänischer X-Factor-Teilnehmer, einer der Chorsänger…
Weiterlesen
Euro­vi­zi­jos 2018: Der Berg kraist… und gebiert eine Zasimauskaitė

Euro­vi­zi­jos 2018: Der Berg kraist… und gebiert eine Zasimauskaitė

Über zehn Wochen erstreckte sich das notorisch überlange litauische Vorentscheidungsverfahren, die Eurovizija, auch 2018 wieder. 50 Songs (!) nahmen ursprünglich daran teil, die man für das gestrige Finale, übrigens das letzte dieser Saison (fühlt Ihr bereits den Entzugsschmerz?), in einem epischen, hochkomplizierten Verfahren auf sechs reduzierte, mit denen der Sender LRT dann, anders als die in dieser Beziehung die Nerven ihrer Zuschauer/innen nicht über Gebühr strapazierende ARD, nochmals gute drei Stunden in der Primetime füllte. Es siegte, nachdem die Litauer/innen in den Vorrunden bereits sämtliche guten Beiträge bis auf einen herausgewählt hatten, leider nicht dieser, sondern wie erwartet die klare…
Weiterlesen
Maze­do­ni­en 2018: So many Songs, so litt­le Time

Maze­do­ni­en 2018: So many Songs, so litt­le Time

Nicht einen, sondern gleich vier Songs präsentierte uns das mazedonische Fernsehen am heutigen Abend der Beitrags-Enthüllungen. 'Lost and found', so heißt das Stück des bereits vor geraumer Zeit intern bestimmten Duos Eye Cue. Und es klingt auch ein bisschen so, als habe man sich die Zutaten für das mazedonische Lied im städtischen Fundbüro zusammengesammelt. Es beginnt als nicht weiter auffällige Midtempo-Ballade - für die ersten 20 Sekunden. Dann klopft es auf einmal an der Tür. Wer da draußen wohl steht? Oh, es ist ein verspielter Reggae-Track! Wollen wir ihn hereinlassen? Eigentlich nicht, denn nur wenig ist (mit wenigen Ausnahmen) nach…
Weiterlesen
Russ­land 2018: Sticks and Stones won’t break your Bones

Russ­land 2018: Sticks and Stones won’t break your Bones

Und auch im Falle der russischen Repräsentantin für den Eurovision Song Contest 2018, Julia Samoylova, und ihrem Grand-Prix-Beitrag hielten die Dämme nicht: bereits vor der offiziellen Vorstellung in den heutigen Hauptabendnachrichten des Senders leakte der Song. Der heißt 'I won't break', stammt vom selben Komponistentrio, das bereits Dina Garipovas (→ RU 2013) gruselige Gehirnwäsche-Hymne 'What if we' verbrach und entpuppt sich musikalisch als belanglosester Radiopop ohne den geringsten Funken von Authentizität. Zumindest in der Studiofassung stellt er dennoch eine leichte Verbesserung zu Julias letztjährigem Lied 'Flame is burning' dar, was vor allem daran liegt, dass ein mehrstimmiger Frauenchor ihr den Refrain…
Weiterlesen
HaKok­hav Haba 2018: Kukuriku

HaKok­hav Haba 2018: Kukuriku

Schon des Nächtens suppte er durch, der eigentlich bis zur offiziellen Präsentation heute Abend unter Verschluss zu haltende israelische Eurovisionsbeitrag 2018. Woraufhin das Land in den Wettbüros sofort auf den Spitzenplatz schoss. Kein Wunder: Netta Barzilais feministische Hymne 'Toy' vereint einen außergewöhnlichen, authentischen Gesangsstil mit einem aktuellen gesellschaftspolitischen Anliegen - der in Hollywood gestarteten, aber mittlerweile globalen #metoo-Bewegung - und, am Wichtigsten, einem starken, Spaß machenden Pop-Track. Zusammengehalten wird das von Doron Medalie ('Golden Boy', IL 2015) komponierte und aus 140 Einsendungen ausgewählte 'Toy' von der naturgewaltigen Persönlichkeit der Wuchtbrumme Netta, einer Art israelischer Beth Ditto: dick, laut, talentiert und absolut fabelhaft! Die…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2018: Lass die Neon-Son­ne in Dein Herz

Melo­di­fes­ti­va­len 2018: Lass die Neon-Son­ne in Dein Herz

Mit dem erwarteten Sieg des Favoriten Benjamin Ingrosso ging am gestrigen Samstagabend das Finale des schwedischen Melodifestivalen zuende. So überraschungsarm das Ergebnis, so unspannend sein Song 'Dance you off': ein gemächlich vor sich hin pluckerndes, dampfstrahlgebügeltes Musikbett, über dem eine infantil hochgepitchte, komplett emotionslose Stimme schwebt. Mit anderen Worten: die Art von Track, die ein DJ am frühen Abend auflegt, wenn das Personal die Überzahl der Menschen im Club stellt und die zahlenden Gäste erst tröpfchenweise eintrudeln; wenn es also Verschwendung wäre, bereits jetzt einen echten Tanzflächenfüller aufzulegen. Dazu bewegt sich ein charismafreies Milchbübchen halbherzig vor einem Hintergrund aus bunten,…
Weiterlesen
Melo­di Grand Prix 2018: Alex­an­der ist Ry-back!

Melo­di Grand Prix 2018: Alex­an­der ist Ry-back!

Zum Schluss musste man wirklich fürchten, er würde vor lauter Aufregung auf der Bühne des Osloer Spektrum gleich einen Schlaganfall erleiden. Vier Abstimmungen brauchte es, bis der Eurovisionssieger von 2009, Alexander Rybak, heute Abend beim MGP als neuerlicher Vertreter Norwegens beim Grand Prix 2018 in Lissabon feststand. 'That's how you write a Song' hieß sein selbstkomponierter Titel, und dass der Geigentroll wahrlich noch immer weiß, wie das geht, stellte er mit seinem erfrischend altmodischen, aber hochgradig ansteckenden Gute-Laune-Song und einer perfekt darauf abgestimmten Choreografie unter Beweis, die auf spielerisch-lässige Weise Zeichentrickelemente einband. Rybak, der den erneuten Sieg sehr, sehr erkennbar…
Weiterlesen
Fes­ti­val da Can­ção 2018: Dans les Jardins du Lisboa

Fes­ti­val da Can­ção 2018: Dans les Jardins du Lisboa

Bevor heute Abend mit dem norwegischen Melodi Grand Prix und dem Finale des schwedischen Melodifestivalen zwei der drei letzten nationalen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2018 über die Bühne gehen, gilt es noch ein Ergebnis des zurückliegenden Wochenendes nachzureichen, das mir bislang durchgerutscht ist. Nämlich das des Gastgeberlandes Portugal. Dort setzte sich vergangenen Sonntag im Finale des traditionsreichen Festival da Canção die 23jährige, bereits über mannigfache Casting-Show-Erfahrung verfügende Cláudia Pascoal durch. Und zwar mit dem Titel 'O Jardim' ('Der Garten'), einer fragilen Trauerballade, von der pinkhaarigen Interpretin mit passgenauer, zurückhaltender Hingabe und zum Schluss hin fast brüchiger Stimme gesungen. Dabei erfuhr die…
Weiterlesen
Irland 2018: Ein­mal wie immer

Irland 2018: Ein­mal wie immer

Heimlich, still und leise veröffentlichte am heutigen Freitag der irische Sender RTÉ sein Lied für Lissabon. Ohne große vorhergehende Ankündigung oder gar - wie beim österreichischen Kollegen - im Nachgang zu einer Pressekonferenz. So, als wolle man gar nicht, dass die Öffentlichkeit weiter Notiz davon nimmt. Und so klingt auch der Song: der ebenfalls bereits seit Monaten feststehende Ryan O'Shaugnessy intoniert mit enervierend weinerlicher, hoher Stimme eine bereits tausend Mal gehörte Midtempoballade namens 'Together'. An der ist das Interessanteste noch der dazugehörige Videoclip, in dem zwei junge Männer völlig selbstverständlich verliebt und Händchen haltend durch die Straßen Dublins tanzen. Das…
Weiterlesen
Öster­reich 2018: Jean­ny, quit livin’ on Dreams

Öster­reich 2018: Jean­ny, quit livin’ on Dreams

Zunächst einmal: Hut ab, ORF! Der österreichische Sender schaffte es tatsächlich, den Beitrag des bereits vor geraumer Zeit intern ausgewählten Cesár Sampson für den Eurovision Song Contest 2018 bis zum gewünschten Veröffentlichtungstermin, nämlich heute, strikt unter Verschluss zu halten. Das gelingt selten! Hat sich das lange Warten denn auch gelohnt? Unbedingt: 'Nobody but you', so der Titel, überzeugt qualitativ auf ganzer Linie. Feine Gospelelemente mischen sich mit druckvollem Pop und abwechslungsreichen gesanglichen Verzierungen. "Rag ’n‘ Bone Man trifft Hozier trifft Justin Timberlake," so ein Youtube-Kommentar. Das lässt sich hören! Dazu erzählt Cesár eine etwas düstere Geschichte, die sich je nach…
Weiterlesen
Aus­tra­li­en 2018: Und ich spür das Adrenalin

Aus­tra­li­en 2018: Und ich spür das Adrenalin

Gleich mehrere Nationen, deren jeweilige/r Eurovisionsvertreter/in bereits seit längerem feststehen, haben in den letzten Tagen endlich die dazugehörigen Songs gedroppt. Oder das eigentlich zu einem späteren Datum vorgehabt, was allerdings in Zeiten, da Leaken als Volkssport betrieben wird, zum Scheitern verurteilt ist. So tröpfelte beispielsweise der Beitrag Australiens bereits durch. Für Down Under tritt bekanntlich das Castingsternchen Jessica Mauboy an, die 2014 in Kopenhagen den Pausenact gab, der nach offizieller Geschichtsschreibung seitens der EBU als erfolgreiche Teilnahmebewerbung der Australier akzeptiert wurde. Seither hänge ihr Herz am ESC, so Jessica bei der diesjährigen Direktnominierung durch den Sender SBS. Ihr Lied 'We got…
Weiterlesen
Geld­sor­gen: ukrai­ni­sche Teil­nah­me 2018 ist in Gefahr

Geld­sor­gen: ukrai­ni­sche Teil­nah­me 2018 ist in Gefahr

Das kurzfristige Wackeln von Eurovisionsteilnahmen aus pekuniären Gründen scheint sich zu einem wiederkehrenden Thema zu entwickeln, an das wir uns wohl oder übel gewöhnen müssen. Wie die EBU heute morgen in einer Presseerklärung verlautbarte, ist der ukrainische Sender UA:PBC aufgrund chronischer Unterfinanzierung unmittelbar in seinem Bestand gefährdet. Bereits Ende April 2018, also in wenigen Wochen, könnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen gezwungen sein, den Sendebetrieb einzustellen, da der sich in einem massiven Umstrukturierungsprozess befindliche Sender derzeit nur die Hälfte der benötigten Mittel erhalte. Muss das EBU-Mitglied wirklich dicht machen, kann auch der für den Eurovision Song Contest 2018 ausgewählte Emo-Boy Melóvin nicht…
Weiterlesen
Aser­bai­dschan 2018: der Hackerangriff

Aser­bai­dschan 2018: der Hackerangriff

Viel war in den zurückliegenden Monaten in den Medien die Rede von russischen Hackerangriffen auf den Westen. Sei es ein mögliches Eindringen ins Regierungsnetz, wie vom Spiegel vor wenigen Tagen gemeldet, oder die viel ernstere Manipulation der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen Ende 2017, mit denen Putin, so die Theorie, den ihm wohlgesonnenen (weil finanziell mit ihm verstrickten) Geschäftsmann Donald Trump im Weißen Haus installierte, um die letzten Reste der westlichen Demokratie zu untergraben. Was das alles mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat? Nun, auch die russlandfreundliche Diktatur der Əliyevs am Kaspischen Meer benennt nun ganz offen ihre kriminellen Ziele: "I…
Weiterlesen
Eesti Laul 2018: Ein Furz, ja?

Eesti Laul 2018: Ein Furz, ja?

Sie ist eingetreten, die einerseits erwartete und andererseits undenkbare Katastrophe. Mit, wie man hört, 70% der Anrufe und der vollen Jury-Unterstützung schickt mein einstmals geliebtes Estland, der kleine, heldenhafte Baltenstaat, die Nation des unnachahmlichen "Estonian Cool" das vielleicht schlimmste Machwerk aus der furchtbarsten Musikgattung der Welt zum Eurovision Song Contest 2018. Die Sopranistin Elina Netšajeva (englische Schreibweise: Nechayeva), im Vorjahr noch Moderatorin des Eesti-Laul-Semis, gewann gestern mit dem pompösen Popera-Stück 'La Forza' den Vorentscheid ihres Heimatlandes und spaltet nun die Fan-Nation in zwei erbittert sich gegenüberstehende Lager: während (erstaunlich viele) Menschen mit einer chronischen Geschmacksbehinderung bereits die Hotelzimmer für Tallinn im…
Weiterlesen
San­ma­ri­ne­si­scher Vor­ent­scheid 2018: Zwei zum Preis von 8.000 €

San­ma­ri­ne­si­scher Vor­ent­scheid 2018: Zwei zum Preis von 8.000 €

Mit einem unrühmlichen Ergebnis ging gestern Abend in der slowakischen Metropole Bratislava das undurchsichtigste und fischigste Vorentscheidungsverfahren der Saison 2018 zu Ende, das (rein spekulativ) womöglich vor allem den Zweck verfolgte, die Taschen der österreichischen Eurovisionsteilnehmerin von 2016, Zoë Straub, zu füllen. Beziehungsweise die ihres Vaters Christof, dem Produzenten der Show. Immerhin einen gewissermaßen mildtätigen Zweck erfüllte 1in360: die bereits siebenfach (!) beim Vorentscheid in ihrer Heimat Malta gescheiterte Jessika Muscat konnte sich zum günstigen Schnäppchenpreis von nur 8.000 € (plus Juryspesen) nun endlich ihre lang ersehnte Eurovisionsteilnahme erkaufen. Dafür erhielt sie aus dem Hause Straub einen horriblen, billigen 'Heroes'-Abklatsch…
Weiterlesen
Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2018: Zwei zum Preis von einem

Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwacher Silberstreif in der endlosen Düsternis: so könnte man die gestrige polnische Vorentscheidung Krajowe Eliminacje bezeichnen. Zehn fast durchgängig okaye, also ohne größere Schmerzen anhörbare Popsongs mit einer ansehnlichen stilistischen Bandbreite fuhr der Sender TVP in Warschau auf. Und das reichte an diesem Superkatastrophensamstag der eurovisionären Schrecknisse bereits, sich positiv herausheben aus der unendlichen europaweiten Finsternis. Dank der klugen Wahl der polnischen Televoter/innen - auch nichts, das man zwangsläufig voraussetzen kann - siegte mit dem passend betitelten 'Light me up' eine Art von Liedkonglomerat. Anfänglich noch ein hundsordinärer, radiokompatibler Poprocksong, von dem langhaarigen, spindeldürren, knopfäugigen Schweden Lukas Meijer ein wenig winselig…
Weiterlesen
Söng­va­kepp­nin 2018: If I could turn back Time

Söng­va­kepp­nin 2018: If I could turn back Time

Es ist wirklich höchste Zeit, dass die EBU ihre vornehm-feige Nichteinmischungspolitik hinsichtlich der nationalen Eurovisionsvorentscheidungen aufgibt und ein paar grundlegende, von allen teilnahmewilligen Sendern zu befolgende Regeln aufstellt. Die drängendste davon: ein absolutes Verbot des sogenannten Superfinales, also einer zweiten Abstimmungsrunde unter den Topplatzierten, wie sie traditionell beim isländischen Söngvakeppnin stattfindet und auch im gestrigen Finale zelebriert wurde. Denn, mal ganz abgesehen davon, das es schwachsinnig ist, bei nur sechs Wettbewerbstiteln gleich zwei Votings durchzuführen: in aller Regel endet ein solches Superfinale in der Katastrophe. So auch gestern in Island: dort vereinte in der ersten Abstimmungsrunde nämlich ein x-beiniger, dicker…
Weiterlesen
Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2018: Mons­ter­mä­ßig verkackt

Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2018: Mons­ter­mä­ßig verkackt

Wie man nur kollektiv eine dermaßen massive Fehlentscheidung treffen kann? Verfügt die Menschheit über keinerlei Gehör mehr? Seit November 2017 stand fest, dass die 30jährige, offen lesbische Saara Aalto ihre Heimat Finnland beim Eurovision Song Contest 2018 in Portgual vertritt. Fix gesetzt, stellte man ihr für die am heutigen Abend ausgestrahlte Songauswahl UMK drei Lieder zusammen. Die von Saara mitverfasste Uptemponummer 'Monsters' ging nach Veröffentlichung der professionellen Musikvideos aller drei Beiträge mit erheblichem Abstand als Favorit ins Rennen. Allerdings metzelte die Vorentscheid-Zweite von 2016 den Song live brutal dahin. Von der durchaus ukrainischen Maßstäben genügenden Hochleistungschoreografie mit elaborierten Hebefiguren augenscheinlich…
Weiterlesen
Nie­der­lan­de 2018: Der Teu­fel hat den Schnaps gemacht

Nie­der­lan­de 2018: Der Teu­fel hat den Schnaps gemacht

Seine drei Lieblingsgetränke listet der niederländische Eurovisionsvertreter 2018, Willem Bijkerk alias Waylon, gleich in der ersten Textzeile seines gestern Abend bestätigten Beitrags 'Outlaw in 'em' auf. Und nur eines davon ist gelogen. Denn dass der ganz schön aufgeschwemmt und verbraucht aussehende Dima Bilan (→ RU 2006, 2008) des Westens tatsächlich Wasser zu sich nimmt, erscheint wenig glaubhaft. Die einstige männliche Hälfte des legendären Contest-Duos The Common Linnets (→ NL 2014), den das holländische Fernsehen bereits im November 2017 intern zum Repräsentanten in Lissabon bestimmte, nutzte die Songpräsentation als kostenlose Werbefläche für sein jüngst fertiggestelltes neues Album: gleich fünf Titel daraus stellte…
Weiterlesen
Zypern 2018: Zwei Apfel­si­nen im Haar und an der Hüf­te Bananen

Zypern 2018: Zwei Apfel­si­nen im Haar und an der Hüf­te Bananen

Bereits über einen Monat liegt die Bekanntgabe der vom zyprischen Sender CyBC intern ausgewählten albanisch-griechischen Sängerin Eleni Foureira als Repräsentantin der zweigeteilten Mittelmeerinsel beim Eurovision Song Contest 2018 zurück. Heute endlich erfolgte die Vorstellung des Videoclips zum Beitrag der als Entela Fureraj geborenen Tänzerin und Sängerin, 'Fuego'. Dieser entpuppt sich als hochglanzpolierter Midtempotrack aus schwedischer Serienproduktion, dessen hörbar auf das heftigste synthetisierte, frugale Lyrics das bisherige künstlerische Schaffen Elenis konsequent fortführen und uns schon mal darauf einstimmen, dass wir in Lissabon weniger mit einem Song im klassischen Sinne rechnen dürfen. Sondern mit einer spektakulären Hochleistungschoreographie und einer, wie schon im Videoclip,…
Weiterlesen
Sel­ecția Națio­nală 2018: Irren ist menschlich

Sel­ecția Națio­nală 2018: Irren ist menschlich

Einen Eurovisionsbeitrag für die Festspiele im Mai 2018 im sonnigen Lissabon gilt es noch nachzutragen vom vergangenen Wochenende. Am Sonntag siegte im Finale der rumänischen Selecția Națională enttäuschenderweise die erst seit einem Jahr bestehende Poprockkapelle The Humans mit dem maximal durchschnittlichen 'Goodbye': der Titel dürfte sich wohl auch auf die Finalchancen des Balkanlandes in Portugal beziehen. Die Band um die blonde Leadsängerin und Komponistin Cristina Caramarcu sammelte innerhalb des einstündigen (!) Abstimmungsfensters knapp 3.300 Stimmen ein und schlug damit auf den letzten Metern das Frischverliebte-Kinder-Pärchen Alexia & Matei, das in der beständig eingeblendeten Blitztabelle lange Zeit scheinbar uneinholbar vorne lag. Das nenne…
Weiterlesen