2019

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach
2019, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Schwules, Unsere Lieblinge

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Obschon sich angesichts der Berichterstattung um das weißrussische Jury-Gate und die Unfähigkeit der EBU, einfachste Kontrollmechanismen gegen die menschliche Fehleranfälligkeit in ihren Punkteermittlungsprozess einzubauen, bislang noch gar keine richtige Post Eurovision Depression einstellen wollte, veröffentlichten gestern gleich zwei der in Tel Aviv teilnehmenden diesjährigen Acts neue Songs, wohl auch um musikalisch erst gar keine Entzugserscheinungen auftreten zu lassen. Interessanterweise verbindet beide Lieder eine Art wohltuender trotziger queerer Stolz. Der offen schwule französische Vertreter Bilal Hassani zeigt in 'Jaloux' ('Eifersüchtig') seinen Hatern den metaphorischen Mittelfinger: er zitiert in den Strophen aus den zahlreichen hasserfüllten Kommentaren, die seine bisherige ...
Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Mani­pu­lie­ren
2019, Die Zwanzigzehner, Jurys sind Wichser

Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Mani­pu­lie­ren

Peinlich: der EBU unterlief beim Zusammenrechnen der Jury-Ergebnisse im Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest ein derartig frappierender Fehler, dass die Wertung heute korrigiert werden musste. In einem Statement bestätigte die EBU, was ein nerdiger Grand-Prix-Fan bereits am Sonntag entdeckt hatte: bei der Ermittlung des "aggregierten" weißrussischen Jury-Ersatzergebnisses erhielten versehentlich nicht die besten Zehn Punkte, sondern die Schlechtesten. Dies ändert zwar nichts am Gesamtsieg des niedlichen Niederländers Duncan Laurence, bedeutet aber unter anderem, dass nicht, wie in der Live-Show verkündet, der schnucklige Schwede John Lundvik Jurysieger wurde, sondern die taffe Tamara Todevska aus Nordmazedonien mit ihrer fantastischen Female-Empowerment-Hymne 'Proud'. Die drögen...
Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Ein weiterer Eurovisionsjahrgang liegt hinter uns. Einer, bei dem, so der kluge Kommentar der ORF-Beobachter Sophia Felbermair und Christian Körber, die "nachdenklichen Männer, die doch Gefühle zeigen" die Medaillenplätze belegten und so den gesellschaftlichen Gegenentwurf bildeten zum Modell der toxischen Männlichkeit, wie es sich derzeit leider vor allem in der Politik manifestiert. Zeit, die Geschehnisse abzuschließen mit der traditionellen Betrachtung des Split-Voting-Ergebnisses in den beiden Qualifikationsrunden. Und die führt uns zunächst einmal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heuer eine unfreiwillige Neuauflage der deutsch-österreichischen Doppelnull im Jahre 1 n.C. (nach Conchita) statt. Denn nicht nur die germanischen Casting-Sisters kassierten im Publikumsvoting die gefürc...
Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach ihr ist; nach der Aussage des Interpreten jedoch betrauere er den ...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen Staffage. Vertraut die EBU der Strahlkraft ihrer eigenen Vorzeigesendung ...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Heu­te Abend: das zwei­te Semi 2019

Unschöne Nachrichten aus Tel Aviv: bei den Aufbauarbeiten für den Eurovision Song Contest im Expo Congress Center kam es am vergangenen Montag nach einer Meldung der Times of Israel zu einem tödlichen Unfall, bei dem der 66jährige Lieferfahrer Fuldi Schwarz beim Ausladen von Material von einem ungesicherten Beleuchtungsturm getroffen wurde, der auf ihn stürzte. Schwarz erlag in der Nacht zum Dienstag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Dafür kam heute das nervtötende Drama um den Pausenprogramm-Auftritt von Madonna zum Ende: wie Eurovoix berichtet, wurden die notwendigen Verträge endlich unterschrieben, die Queen of Pop kann am Samstagabend ihre zwei Songs präsentieren. Heute Abend aber erwarten uns im zweiten Semi ein heimischer Zauberkünstler und die aus Menschen mit Handicaps b...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die Kraft zum Coming Out gab. Zehn Jahre später listete das US-amerikanische Magazin OUT den Showmaster, Filmemacher...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Heu­te abend: das ers­te Semi 2019

Stehen die Getränke und Knabbereien schon bereit? In knapp zwei Stunden geht in Tel Aviv das erste Semifinale des Eurovision Song Contest 2019 über die Bühne. Mit 17 teilnehmenden Ländern ist es gegenüber der zweiten Runde am Donnerstag das etwas leichter zu überstehende - und mit bizarren Klangcollagen, dystopischem Industrial-Getöse, freischwebenden Popera-Diven, türkischstämmigen Disco-Rasplern und kreischenden Stoikerinnen fraglos das mit dem höheren Unterhaltungswert. Das Rahmenprogramm bestreiten die beiden israelischen Vorbildfrauen Netta Barzilai und Dana International, deren Auftritte im Gegensatz zu dem meiner dritten großen Pop-Heldin sicher sind: wie Jan Ola Sand bei einer Pressekonferenz am heutigen Nachmittag bekräftigte, hat Madonna, die seit Monaten in den Medien als Interv...
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Rank & File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sig­ra

Ein die Fans gleichermaßen in Liebende wie Hassende spaltender Marmite-Song eröffnete vor knapp sechs Wochen diese Artikelserie, und ein ebensolcher beschließt sie heute. Platz 1: Island - Hatari: Hatrið mun sigra (Der Hass wird siegen) Als hätten die Jungs von Laibach, Rammstein, Depeche Mode und Bronski Beat einen gemeinsamen Bastard gezeugt, so klingen Hatari. Brachialer Industrial-Lärm mit einer schmerzhaft verzerrt dahingerotzten Strophe, aufgefangen von einem watteweichen Synthie-Pop-Refrain und engelsgleichem Kastratengesang, und das alles auch noch auf isländisch: Hatari verstören nicht nur musikalisch. Das sich als satirisch und antikapitalistisch verstehende Art-Kollektiv, das auf spielerische Weise in Bondage-Gear auftritt, verpackt darin eine bittere, dystopische Botschaft....
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 2 – Sol­di

Clap Clap! Ein Song mit doppelten Handklatschern ist in meinem Buch ja automatisch ein guter. Doch im Falle Mahmoods kommen noch weitere Qualitäten hinzu. Platz 2: Italien - Mahmood: Soldi (Geld) Der junge, bildschöne Alessandro Mahmoud steuert mit 'Soldi' einen weiteren Vätersong zum Geschehen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lieder, die eine persönliche Geschichte erzählen, wirken auf natürliche Weise authentisch. Und Authentizität ist nicht nur beim Song Contest stets ein gesuchtes Gut. Es ist eine bittere, wütende Anklage, die Mahmood mit dunkler, zwischen Zorn, Stolz und Verletzlichkeit changierender Stimme und angemessen verärgertem Gesichtsausdruck vor uns verliest; eine von Verlassensein, Gier und Verrat. Dass er seinen Unbill in druckvolle Hip-Hop-Beats und einen po...
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Rank & File 2019: Platz 3 – Say na na na

Nach einem krachend schief gegangenen Versuch mit einer externalisierten öffentlichen Vorentscheidung im Vorjahr kehrte das kleine San Marino heuer zum Bewährten zurück und nominierte einen seiner beiden Stammrepräsentant/innen. Kluge Wahl! Platz 3: San Marino - Serhat Hacıpaşalıoğlu: Say na na na (Sag na na na) Und ja, es ist mir bewusst, dass ich mich mit diesem Ranking als geschmacklich hoffnungslos veralteter Schlagerfan oute. Das aber dürfte für Stammleser/innen meines Blogs keine neue Nachricht sein. Der türkische Ex-Gameshow-Moderator in den Diensten der Miniaturrepublik schrieb den Titel, wie er selbst zugab, innerhalb weniger Minuten. So, wie in der Pop-Geschichte übrigens viele große Hits entstanden, denn gelegentlich ist stumpf halt Trumpf. Serhat liefert genau das ab, was i...
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Rank & File 2019: Platz 4 – Roi

Wie bereits erwähnt, entstand dieses Ranking bewusst schon vor etlichen Wochen, als die Vorentscheidungssaison gerade erst vorüber war, um so viel wie möglich von der Frische des ersten Eindrucks einzufangen. Mittlerweile hätte er ein bisschen Federn gelassen, mein Platz 4: Frankreich - Bilal Hassani: Roy (König) Denn dass der blutjunge, genderfluide und queere Franzose nicht zu den allerstärksten Sängern der Grande Nation zählt und seine spielerische Selbstbehauptungshymne kompositorisch nicht unbedingt das am stärksten glitzernde Juwel des aktuellen Jahrgangs darstellt, darüber herrschte wohl bereits nach seiner durch das von seinen Youtube- und Insta-Follower/innen gekaperte Televoting beim französischen Vorentscheid Destination Eurovision herbeigeführten Akklamation ziemliche Einig...
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Rank & File 2019: Platz 5 – Az én Apám

Salvador Sobral, der Sieger von 2017, antwortete erst unlängst auf eine (ziemlich überflüssige) Interviewfrage, dass er nicht zwingend nochmal am ESC teilnehmen möchte. Andere Künstler/innen zieht es hingegen immer wieder zurück auf die große europäische Bühne, dieses Jahr alleine sind es sechs Wiederkehrer/innen. Zu ihnen zählt auch mein Platz 5: Ungarn - Joci Pápai - An én Apám (Mein Vater) Der schöne Joschi steuerte im Jahr des Sobral-Siegs die hochgradig ergreifende Schmerzensballade 'Origo' zum Geschehen bei und erreichte damit eine der wenigen Top-Ten-Platzierungen des Landes. Sein aktueller Beitrag folgt einem Trend der beiden letzten Jahre, ist es doch ein Lied über seinen Vater. Allerdings handelt es sich nicht um eine bittere Abrechnung wie bei seinen Nachfolgern, der ungaris...
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Rank & File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, da Norwegen beim Eurovision Song Contest regelmäßig die hinteren Plätze aufrollte? Beispielsweise mit samischen Jodlern, so wie 1980? Platz 6: Norwegen - Keiino: Spirit in the Sky (Geist am Himmel) Das dürfte 2019 nicht passieren, auch wenn die Skandinavier mit dem hauptberuflichen Hip-Hopper Fred Buljo erneut jemanden am Start haben, der joikt. Und das dazu noch ziemlich grauslich: zumindest beim Live-Auftritt während des Vorentscheids Melodi Grand Prix klangt der Glatzkopf, als habe er einen Frosch verschluckt. Doch der Joik ist hier nur zierendes Beiwerk und wird flankiert von einem süffigen Popschlager, der im Refrain zu weiten Teilen auf Saara Aaltos letztjährigem finnischen ESC-Beitrag 'Monsters' basiert. Der schnitt zwar, wie wir uns e...
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Rank & File 2019: Platz 7 – Sul tsin iare

Mit dem georgischen Beitrag schaffte es ein Lied in meine Top Ten, das in den meisten Fan-Polls und in den Wettbüros ganz weit unten landete. Dabei gelang es der ehemaligen Sowjetrepublik, von der EBU-Zensur unbemerkt ein hochgradig politisches Werk in den Wettbewerb zu schmuggeln, was alleine mir schon Respekt abnötigt. Platz 7: Georgien - Oto Nemsadze: Sul tsin iare (Mach weiter) Denn das mit für westliche Ohren mit beinahe schon ans Komische grenzender Inbrunst gesungene "Vaarada varada!", das der bärige Hipster und sein Gefangenenchor im Refrain ein ums andere Mal in stetig steigender Dringlichkeit wiederholen, ist, wie Oto im Interview mit ESC Kompakt erklärte, ein althergebrachter Refrain in traditionellen Gesängen in den vom georgischen Mutterland abtrünnigen Regionen Abchasien ...
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Rank & File 2019: Platz 8 – Too late for Love

Eigentlich möchte ich schwedische Eurovisionsbeiträge gar nicht mehr in meiner Top Ten haben. Weil mir die Dominanz der Skandinavier/innen auf allen Ebenen des europäischen Liedersingens so auf den Keks geht, das seit dem Millennium zusehends zu einer Art verlängertem Melodifestivalen verkommt. Tja. Platz 8: Schweden - John Lundvik: Too late for Love (Zu spät für die Liebe) Aber leider können sie halt nun mal verdammt effizienten Pop produzieren, die Menschen aus dem Wasa-Land. Von Ungefähr kommt ihre Vormachtstellung beim ESC nicht! 'Too late for Love' ist ein weiteres Musterbeispiel: natürlich hat man fluffige, uptemporäre Lieder wie dieses gerade aus Schweden schon tausend Mal gehört. Aber man hört sie gerne auch noch ein tausendunderstes Mal: sämig schmeichelt sich Lundviks Stimme ...
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Rank & File 2019: Platz 9 – Pali się

Auf wenig Gegenliebe stieß der nächste Titel im aufrechtgehn.de-Ranking bislang in den internationalen Fan-Foren. Von daher bin ich mal auf Eure Reaktionen gespannt auf meinen Platz 9: Polen - Tulia: Pali się (Es brennt) Zugegeben: auch bei dem vom unter der Knute der autokratischen polnischen Rechts-Regierung stehenden Sender TVP intern ausgewählten Beitrag handelt es sich um einen Marmite-Song, also ein Lied, das man augenblicklich hasst oder liebt. Von denen gibt es 2019 gar nicht so wenige, und das alleine ist schon mal ein sicheres Zeichen für einen guten Jahrgang. Die vier stets in traditionellen Trachten auftretenden Damen um die Namenspatronin Tulia Biczak bedienen sich einer steinalten slawischen Gesangstechnik, die auf pop-orientierte westliche Ohren monoton und anstrengend w...
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Rank & File 2019: Platz 10 – Truth

Und damit betreten wir das Spitzenfeld mit den zehn besten Songs des 2019er Jahrgangs. Jedenfalls nach der vollkommen unmaßgeblichen Meinung des Bloginhabers. Platz 10: Aserbaidschan - Chingiz Mustafayev: Truth (Wahrheit) Die Wahrheit ist, um den Songtitel gleich einmal aufzugreifen, dass bei dieser Platzierung optische Gründe eine Rolle gespielt haben könnten. Dschinn-Kiss ist nun mal der schönste Mann dieses Jahrgangs, sieht man mal vom Portugiesen Conan Osíris ab, sobald dieser die Goldlöffel aus dem Gesicht nimmt. Dass er sich im Video auch noch obenrum frei macht und - wie sein niederländischer Kollege - die Meerjungfrau mimt, kommt noch verschärfend hinzu. Spannend bleibt allerdings, wie er das in Tel Aviv umsetzen will, denn ohne offen zur Schau gestelltes Brusthaar verliert die N...
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Rank & File 2019: Platz 11 – Kthe­ju Tokës

Sollte es im Mai 2019 zu einem außergewöhnlichen Anstieg des Meeresspiegels kommen, trifft daran nicht alleine die Klimaerwärmung die Schuld: Millionen von Exil-Albaner/innen dürften während des Eurovision Song Contests zuhause vor den Geräten sturzbachartige Tränenströme vergießen. Platz 11: Albanien - Jonida Maliqi: Ktheju Tokës (Kehre zurück) Denn das Land der Skipetaren setzt erneut auf Bewährtes: die traditionell bereits an Weihnachten 2018 beim FiK ausgewählte Jonida präsentiert sich als besonders goldglänzendes Exemplar der bereits vielfach erprobten Gattung der wehklagenden Witwe. Nur, dass sie keinen toten Gatten betrauert, sondern den zum Studieren und / oder Geldverdienen ins europäische Ausland abgewanderten Mann, den sie mit herzzerreißenden Textzeilen wieder nach Hause lo...
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Rank & File 2019: Platz 12 – Friend of a Friend

Huch, was macht denn der tschechische Beitrag soweit hier oben im aufrechtgehn.de-Ranking? Manchmal wundert man sich ja über seinen eigenen Geschmack. Gehen wir der Sache gemeinsam auf den Grund, wenn Sie mögen. Platz 12: Tschechien - Lake Malawi: Friend of a Friend (Freundin eines Freundes) Beim Vorentscheid auf das Televoting verzichten möchte kaum ein Sender, oft alleine schon aus finanziellen Gründen. Aber dem Geschmack des Publikums vertrauen will auch kaum ein Verantwortlicher. So reiht sich das kleine Land jenseits des ehemaligen eisernen Vorhangs ein in die in diesem Jahr auffällig starke Front an Nationen, in denen die Jury die heimischen Zuschauer/innen ausbootete und ihren Favoriten nach Tel Aviv entsandte. Und so ungern ich es zugebe: die Professionellen trafen hier eine gu...
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Rank & File 2019: Platz 13 – Tele­mó­veis

Mutig sind sie geworden, die Portugiesen, seit ihnen mit der (nur dank der Jurys ausgewählten) skurrilen Ballade 'Amar pelois dois' 2017 ein Überraschungssieg gelang. Platz 13: Portugal - Conan Osíris: Telemóveis (Mobiltelefone) "Ist das Kunst oder kann das weg"? Kaum ein anderer Beitrag dieses Jahrgangs - bis auf den isländischen - dürfte die Fans so sehr spalten wie der lusitanische. Eine "schräge Collage aus treibenden Elektrobeats, China-Restaurant-Beschallung auf Pilzen und osmanischen Klagegesängen," um mich selbst zu zitieren, präsentiert uns der eindeutige Sieger des diesjährigen Festival da Canção, Conan Osíris, gemeinsam mit seinem anmutigen Tänzer João Reis Moreira. In ihrer Bühnenshow zitieren sie rein optisch Edward mit den Scherenhänden, das Phantom der Oper und Salomés l...
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Rank & File 2019: Platz 14 – Replay

Viel Tamtam machten Zypern dieses Jahr um seinen Beitrag: zwischen Weihnachten 2018, als der Sender die Interpretin bekanntgab, und März 2019, als der Knaller endlich veröffentlicht wurde, verging gefühlt kein Tag ohne eine Pressemitteilung aus Nikosia. Dabei musste der Versuch, Spannung zu erzeugen, fehlgehen: bei kaum einem anderen Land war von Anfang an dermaßen klar, wie der Song klingen wird. Platz 14: Zypern - Tamta Goduadze: Replay (Dauerschleife) Schließlich gelang der sonnigen Mittelmeerinsel letztes Jahr bekanntlich ein Beinahesieg mit einer echten Krachernummer, dem Sommerhit 'Fuego'. Kein Wunder, dass man heuer alle Hebel in Bewegung setzte, die Erfolgsformel weiter auszumelken. Und tatsächlich bekam man erneut alle Ingredienzen zusammen: eine im hellenischen Raum kommerzie...
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Rank & File 2019: Platz 15 – Arca­de

Die ersten Städte in den Niederlanden bewerben sich schon um die Ausrichtung des Eurovision Song Contest 2020, so sehr wird der holländische Beitrag 2019 bereits als Sieger gehandelt, sei es in den Wettbüros oder unter den Fans. Ein Hype, den ich offen gestanden nur bedingt nachvollziehen kann. Platz 15: Niederlande - Duncan Laurence: Arcade (Spielhalle) Dabei ist 'Arcade' zweifelsfrei eine berührende Ballade mit Eignung zum Tränenzieher, widmet sich der dunkel gefärbte Text doch der tiefen Hoffnungslosigkeit, dem Suchtpotenzial und dem hierdurch verursachten Schmerz einer verlorenen Liebe. Der bei einer Castingshow entdeckte Sänger verlieht ihr mit seiner versatilen Falsettstimme, die perfekt zum Sujet passt und erstaunlicherweise nicht nervt, Leben. Und das Beste daran: er kann das, ...
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Rank & File 2019: Platz 16 – La Ven­da

Mit einem ähnlichen Rezept wie die im aufrechtgehn.de-Ranking eine Nummer tiefer platzierte Schweiz versuchen es in diesem Jahr auch die Spanier. Nur, dass ihr mitklatschfähiger Latinopop deutlich authentischer klingt als die eidgenössische Rösti-Variante. Dennoch vermag 'La Venda' nur in Maßen zu überzeugen. Der Schwachpunkt hier vor allem: der Interpret. Platz 16: Spanien - Miki Núñez: La Venda (Die Augenbinde) Dabei ist der junge Katalonier kein Kind von Hässlichkeit. Es gibt Fanseiten im Netz, die ganze Elogen auf seine durchtrainierten Oberarme singen. Sein ausgesprochen nachlässiger Kleidungsstil und sein tapsiges Auftreten lassen ihn gleichzeitig zugänglich wirken. Selbst seine in manchen Momenten an den toten Biber auf dem Kopf des US-amerikanischen Präsidenten erinnernde tuffi...
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Rank & File 2019: Platz 17 – She got me

Das am schlechtesten gehütete Geheimnis der diesjährigen Vorentscheidungssaison war wohl die Direktnominierung des ehemaligen DSDS-Siegers Luca Hänni für die Eidgenossenschaft. Im Land des Käsefondues konnten die Fans kaum an sich halten vor Verzückung, und das ist ja auch verständlich. Platz 17: Schweiz - Luca Hänni - She got me (Sie bringt mich dazu) Der Berner Twink sieht nämlich ganz niedlich aus, kann zugegebenermaßen ganz gut singen und hervorragend tanzen. Und er neigt zum freien Oberkörper, um den Rest der Welt am Ergebnis seines regelmäßigen Workouts teilhaben zu lassen. Sein Song ist für Schweizer Verhältnisse überraschend uptemporär und milde mitreißend. Wie sein offensichtliches Vorbild 'Fuego' bietet auch Lucas Lied Raum für eine spektakuläre Hochleistungschoreographie (hu...