Rank & File 2019: Platz 3 – Say na na na

Nach einem kra­chend schief gegan­ge­nen Ver­such mit einer exter­na­li­sier­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung im Vor­jahr kehr­te das klei­ne San Mari­no heu­er zum Bewähr­ten zurück und nomi­nier­te einen sei­ner bei­den Stammrepräsentant/innen. Klu­ge Wahl!

Platz 3: San Mari­no – Ser­hat Hacıpaşalıoğlu: Say na na na (Sag na na na)

Und ja, es ist mir bewusst, dass ich mich mit die­sem Ran­king als geschmack­lich hoff­nungs­los ver­al­te­ter Schla­ger­fan oute. Das aber dürf­te für Stammleser/innen mei­nes Blogs kei­ne neue Nach­richt sein. Der tür­ki­sche Ex-Game­show-Mode­ra­tor in den Diens­ten der Minia­tur­re­pu­blik schrieb den Titel, wie er selbst zugab, inner­halb weni­ger Minu­ten. So, wie in der Pop-Geschich­te übri­gens vie­le gro­ße Hits ent­stan­den, denn gele­gent­lich ist stumpf halt Trumpf. Ser­hat lie­fert genau das ab, was ich beim Grand Prix haben möch­te: eine fluffi­ge Ohr­wurm­me­lo­die; Dis­co-Beats, zu denen sich geschmei­dig mit­wip­pen lässt; ein sofort mit­sing­ba­rer Refrain; eine uplif­ten­de Bot­schaft und ein hüb­scher Chor. Der san­ma­ri­ne­si­sche Bei­trag schwelgt damit in nost­al­gi­schen Erin­ne­run­gen an simp­le­re Zei­ten, in denen man mit so einer Num­mer noch gewin­nen konn­te. Im Gegen­satz zu gut 80% der dies­jäh­ri­gen Kon­kur­renz­ti­tel, die ich ver­ges­se, wäh­rend sie noch lau­fen, bleibt mir die­se klei­ne Trash-Per­le nach­hal­tig im Ohr. Hin­zu kommt der Inter­pret: Sehrhot ist womög­lich der sexies­te Dad­dy, der beim ESC jemals mit­mach­te. Sei­ne ras­pel­tie­fe Sprech­ge­sangs­stim­me und sei­ne süßen Trost­ver­spre­chun­gen locken mich wie Honig­tau, und nur zu ger­ne las­se ich mir sei­nen Nek­tar ein­flö­ßen. Der darf ger­ne wie­der­kom­men, viel­leicht beim nächs­ten Mal im Duett mit Valen­ti­na Monet­ta?

Star­qua­li­tät, Sexy­ness, Selbst­iro­nie und Cha­ris­ma: Ser­hat strahlt all das aus und mehr.

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Rank & File 2019: Platz 4 – Roi

Wie bereits erwähnt, ent­stand die­ses Ran­king bewusst schon vor etli­chen Wochen, als die Vor­ent­schei­dungs­sai­son gera­de erst vor­über war, um so viel wie mög­lich von der Fri­sche des ers­ten Ein­drucks ein­zu­fan­gen. Mitt­ler­wei­le hät­te er ein biss­chen Federn gelas­sen, mein

Platz 4: Frank­reich – Bil­al Hassa­ni: Roy (König)

Denn dass der blut­jun­ge, gen­der­flui­de und quee­re Fran­zo­se nicht zu den aller­stärks­ten Sän­gern der Gran­de Nati­on zählt und sei­ne spie­le­ri­sche Selbst­be­haup­tungs­hym­ne kom­po­si­to­risch nicht unbe­dingt das am stärks­ten glit­zern­de Juwel des aktu­el­len Jahr­gangs dar­stellt, dar­über herrsch­te wohl bereits nach sei­ner durch das von sei­nen You­tube- und Ins­ta-Fol­lo­wer/in­nen geka­per­te Tele­vo­ting beim fran­zö­si­schen Vor­ent­scheid Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on her­bei­ge­führ­ten Akkla­ma­ti­on ziem­li­che Einig­keit, auch hier beim Haus­her­ren. Doch zu prä­sent zeig­te sich da noch der Ein­fluss sei­ner Hin­ter­grund­ge­schich­te: bekannt­ge­wor­den durch die Cas­ting­show The Voice Kids, wo er bra­vou­rös den Sie­ger­song ‘Rise like a Phoe­nix’ sei­nes Idols Con­chi­ta Wurst cover­te, seit sei­nem Com­ing-Out im Jah­re 2017, aber erst recht nach sei­nem Sieg im Vor­ent­scheid schlim­mer­wei­se ver­folgt von Hass und Todes­dro­hun­gen (nicht nur) in den sozia­len Netz­wer­ken, weck­te er in mir umge­hend sämt­li­che Soli­da­ri­täts- und Beschüt­zer­in­stink­te, die mich sei­nen Bei­trag gewis­ser­ma­ßen auto­ma­tisch gut fin­den las­sen muss­ten. Und Sym­pa­thi­en wecken er und sein Lied bei mir nach wie vor, auch wenn ich ihn nach heu­ti­gem, etwas objek­ti­ve­ren Stand viel­leicht mit Tama­ra Todevs­ka den Platz im Ran­king tau­schen las­sen wür­de.

Erhebt sich über sei­ne Unter­drü­cker: mein Herz schlägt nach wie vor für Bil­al und sei­ne Mes­sa­ge.

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Rank & File 2019: Platz 5 – Az én Apám

Sal­va­dor Sobral, der Sie­ger von 2017, ant­wor­te­te erst unlängst auf eine (ziem­lich über­flüs­si­ge) Inter­view­fra­ge, dass er nicht zwin­gend noch­mal am ESC teil­neh­men möch­te. Ande­re Künstler/innen zieht es hin­ge­gen immer wie­der zurück auf die gro­ße euro­päi­sche Büh­ne, die­ses Jahr allei­ne sind es sechs Wiederkehrer/innen. Zu ihnen zählt auch mein

Platz 5: Ungarn – Joci Pápai – An én Apám (Mein Vater)

Der schö­ne Joschi steu­er­te im Jahr des Sobral-Siegs die hoch­gra­dig ergrei­fen­de Schmer­zens­bal­la­de ‘Ori­go’ zum Gesche­hen bei und erreich­te damit eine der weni­gen Top-Ten-Plat­zie­run­gen des Lan­des. Sein aktu­el­ler Bei­trag folgt einem Trend der bei­den letz­ten Jah­re, ist es doch ein Lied über sei­nen Vater. Aller­dings han­delt es sich nicht um eine bit­te­re Abrech­nung wie bei sei­nen Nach­fol­gern, der unga­ri­schen Rock­band AWS, oder beim dies­jäh­ri­gen ita­lie­ni­schen Kon­kur­ren­ten Mah­mood, son­dern um eine zärt­li­che Elo­ge, eine lie­be­vol­le Erin­ne­rung an sei­nen ver­stor­be­nen Seni­or und die schö­nen, sorg­lo­sen Zei­ten der Kind­heit, die er mit sei­nem Song wie­der zum Leben erweckt. Das klän­ge bei­na­he ein biss­chen kit­schig, wäre das – musi­ka­lisch ver­gleichs­wei­se simp­le und fröh­li­che Lied­chen – nicht durch­zo­gen von einer lei­sen, unauf­dring­li­chen, aber dadurch um so prä­sen­te­ren Melan­cho­lie. Erneut stellt Pápai unter Beweis, das man die Spra­che nicht ver­ste­hen muss, um die Inten­ti­on des Künst­lers zu ver­ste­hen; dass Musik direkt das Herz berüh­ren kann. Den Auf­tritt beim natio­na­len Vor­ent­scheid A Dal, wo er sich unter ande­rem gegen den eben­falls vom ESC bekann­ten András Kál­lay-Saun­ders durch­setz­te, bestritt Joci wie wei­land San­die Shaw bar­fuß und ohne Begleit­tän­ze­rin, was die Inti­mi­tät sei­nes Bei­trags noch ver­stärk­te.

Schlicht, aber stim­mungs­voll: Joci bei A Dal.

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Rank & File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Kann sich noch jemand an die Zeit erin­nern, da Nor­we­gen beim Euro­vi­si­on Song Con­test regel­mä­ßig die hin­te­ren Plät­ze auf­roll­te? Bei­spiels­wei­se mit sami­schen Jod­lern, so wie 1980?

Platz 6: Nor­we­gen – Kei­i­no: Spi­rit in the Sky (Geist am Him­mel)

Das dürf­te 2019 nicht pas­sie­ren, auch wenn die Skan­di­na­vi­er mit dem haupt­be­ruf­li­chen Hip-Hop­per Fred Bul­jo erneut jeman­den am Start haben, der joikt. Und das dazu noch ziem­lich graus­lich: zumin­dest beim Live-Auf­tritt wäh­rend des Vor­ent­scheids Melo­di Grand Prix klangt der Glatz­kopf, als habe er einen Frosch ver­schluckt. Doch der Joik ist hier nur zie­ren­des Bei­werk und wird flan­kiert von einem süf­fi­gen Pop­schla­ger, der im Refrain zu wei­ten Tei­len auf Saa­ra Aal­tos letzt­jäh­ri­gem fin­ni­schen ESC-Bei­trag ‘Mons­ters’ basiert. Der schnitt zwar, wie wir uns erin­nern, ziem­lich schlecht ab, was aber haupt­säch­lich an der min­de­ren stimm­li­chen Leis­tung der Inter­pre­tin und der weit übers Ziel hin­aus­schie­ßen­den, bun­ten Büh­nen­show lag. Tom Hugo und Alex­an­dra Rotan, die mit Bul­jo gemein­sam das Retor­ten­trio Kei­i­no bil­den und die die Haupt­last des Lie­des tra­gen, zei­gen, wel­ches Poten­ti­al in ‘Mons­ters’ steckt, indem sie es beim fröh­li­chen Schmet­tern belas­sen und auf rotie­ren­de Ziel­schei­ben und pin­ke Raum­schif­fe ver­zich­ten. Und das reicht völ­lig: die Num­mer macht ohne den Insze­nie­rungs-Bal­last viel mehr Spaß und ent­puppt sich als hoch effek­ti­ver Ohr­wurm.

So eine put­zi­ge Hun­de­oh­ren­pe­rü­cke wie Tom Hugo möch­te ich auch! Der Video­clip offen­bart den frap­pan­ten Unter­schied zwi­schen der hef­tig bear­bei­te­ten Stu­dio­fas­sung und…

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Rank & File 2019: Platz 7 – Sul tsin iare

Mit dem geor­gi­schen Bei­trag schaff­te es ein Lied in mei­ne Top Ten, das in den meis­ten Fan-Polls und in den Wett­bü­ros ganz weit unten lan­de­te. Dabei gelang es der ehe­ma­li­gen Sowjet­re­pu­blik, von der EBU-Zen­sur unbe­merkt ein hoch­gra­dig poli­ti­sches Werk in den Wett­be­werb zu schmug­geln, was allei­ne mir schon Respekt abnö­tigt.

Platz 7: Geor­gi­en – Oto Nemsad­ze: Sul tsin iare (Mach wei­ter)

Denn das mit für west­li­che Ohren mit bei­na­he schon ans Komi­sche gren­zen­der Inbrunst gesun­ge­ne “Vaar­a­da vara­da!”, das der bäri­ge Hips­ter und sein Gefan­ge­nen­chor im Refrain ein ums ande­re Mal in ste­tig stei­gen­der Dring­lich­keit wie­der­ho­len, ist, wie Oto im Inter­view mit ESC Kom­pakt erklär­te, ein alt­her­ge­brach­ter Refrain in tra­di­tio­nel­len Gesän­gen in den vom geor­gi­schen Mut­ter­land abtrün­ni­gen Regio­nen Abcha­si­en und Süd­os­se­ti­en, die der bei einer Cas­ting­show aus­ge­wähl­te Nemsad­ze mit sei­nem Buh­len zur Wie­der­ver­ei­ni­gung becir­cen möch­te. “Über­win­de den Sta­chel­draht” lau­tet einer sei­ner Text­zei­len, mit denen er die bestehen­den (und auch mit rus­si­scher Hil­fe finan­zier­ten) Gren­zen inner­halb der Nati­on nie­der­schmet­tern möch­te, wobei ihm die Musik als eine Art künst­le­ri­scher Frie­dens­pfei­fe die­nen soll: “Wir hei­len uns gegen­sei­tig die Wun­den mit Gesang”. Das mar­tia­li­sche Musik­vi­deo macht sein der Sprach­gren­ze zum Opfer fal­len­des Ansin­nen noch­mals augen­fäl­li­ger als sein Auf­tritt im Fina­le von Geor­gi­en sucht den Super­star, wo zu sei­nem Lied auf der LED-Wand hin­ter ihm unüber­seh­bar die Lan­des­flag­ge weh­te.

Ein Lied kann eine Brü­cke sein: Oto will die abtrün­ni­gen Abcha­sen über­zeu­gen, den Sta­chel­draht an den Strän­den des frü­he­ren Tou­ris­ten­hot­spots nie­der­zu­rei­ßen.

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Rank & File 2019: Platz 8 – Too late for Love

Eigent­lich möch­te ich schwe­di­sche Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge gar nicht mehr in mei­ner Top Ten haben. Weil mir die Domi­nanz der Skandinavier/innen auf allen Ebe­nen des euro­päi­schen Lie­der­sin­gens so auf den Keks geht, das seit dem Mill­en­ni­um zuse­hends zu einer Art ver­län­ger­tem Melo­di­fes­ti­va­len ver­kommt. Tja.

Platz 8: Schwe­den – John Lundvik: Too late for Love (Zu spät für die Lie­be)

Aber lei­der kön­nen sie halt nun mal ver­dammt effi­zi­en­ten Pop pro­du­zie­ren, die Men­schen aus dem Wasa-Land. Von Unge­fähr kommt ihre Vor­macht­stel­lung beim ESC nicht! ‘Too late for Love’ ist ein wei­te­res Mus­ter­bei­spiel: natür­lich hat man fluffi­ge, uptem­po­rä­re Lie­der wie die­ses gera­de aus Schwe­den schon tau­send Mal gehört. Aber man hört sie ger­ne auch noch ein tau­send­un­der­s­tes Mal: sämig schmei­chelt sich Lundviks Stim­me ins Ohr, sofort nimmt einen der Beat mit und legt sich die har­mo­ni­sche Dur-Melo­die wie Bal­sam auf die Gehör­nerven. Selbst wenn man sich anfäng­lich weh­ren soll­te, schnippst und groovt man spä­tes­tens nach acht Tak­ten mit und bekommt unwill­kür­lich gute Lau­ne. Hin­zu kommt der Inter­pret, der mit sei­ner durch­trai­nier­ten Figur, den dicken Ober­ar­men und dem saf­ti­gen Ban­don­ka­donk durch­aus zu den attrak­ti­ven Män­nern die­ses Jahr­gangs zählt, dank Hasen­ge­biss und Hams­ter­bäck­chen aber ins­ge­samt eher nied­lich als sexy und damit zugäng­lich wirkt: mit Chin­giz will ich eine lei­den­schaft­li­che, heim­li­che und schmut­zi­ge Affä­re, John möch­te ich hei­ra­ten. Das größ­te Pfund des schwe­di­schen Bei­trags aber ist, um wie­der zum Song zurück­zu­kom­men, natür­lich der Gos­pel­chor mit den vier hin­rei­ßen­den Diven. Wenn sie los­le­gen, schmilzt jeder even­tu­ell noch ver­blie­be­ne Rest­wi­der­stand.

Och Gott­chen, so süß, wie er sich freut, als er sei­ne drei Minu­ten gepackt hat: John beim Melo­di­fes­ti­va­len.

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Rank & File 2019: Platz 9 – Pali się

Auf wenig Gegen­lie­be stieß der nächs­te Titel im aufrechtgehn.de-Ranking bis­lang in den inter­na­tio­na­len Fan-Foren. Von daher bin ich mal auf Eure Reak­tio­nen gespannt auf mei­nen

Platz 9: Polen – Tulia: Pali się (Es brennt)

Zuge­ge­ben: auch bei dem vom unter der Knu­te der auto­kra­ti­schen pol­ni­schen Rechts-Regie­rung ste­hen­den Sen­der TVP intern aus­ge­wähl­ten Bei­trag han­delt es sich um einen Mar­mi­te-Song, also ein Lied, das man augen­blick­lich hasst oder liebt. Von denen gibt es 2019 gar nicht so weni­ge, und das allei­ne ist schon mal ein siche­res Zei­chen für einen guten Jahr­gang. Die vier stets in tra­di­tio­nel­len Trach­ten auf­tre­ten­den Damen um die Namens­pa­tro­nin Tulia Bic­zak bedie­nen sich einer stein­al­ten sla­wi­schen Gesangs­tech­nik, die auf pop-ori­en­tier­te west­li­che Ohren mono­ton und anstren­gend wir­ken mag. Dass sie dies mit einer kom­plett stoi­schen Mimik tun, ver­stärkt noch den kal­ten, abwei­sen­den Ein­druck. Und doch geht von ihrem auf so rup­pi­ge Wei­se vor­ge­tra­ge­nen, hei­ßen Lie­bes­fle­hen eine eigen­wil­li­ge, befremd­li­che Fas­zi­na­ti­on aus. Gera­de weil man nichts ver­steht: das Quar­tett singt wei­test­ge­hend in Lan­des­spra­che. Wür­de die mir zur Exege­se zu Rate gezo­ge­ne Sei­te Lyrics­trans­la­te den pol­ni­schen Titel mit ‘Ver­brennt die Lin­ken’ über­set­zen, wür­de ich es auch glau­ben, ein­fach weil der Act in sei­ner Gesamt­heit wirkt und klingt wie der Sound zum gesell­schaft­li­chen Roll­back. Und den­noch kann ich mich nicht dage­gen weh­ren, dass er sich sofort in mei­nen Gehirn­win­dun­gen fest­setzt.

Der pol­ni­sche Bei­trag bet­telt nicht dar­um, zu gefal­len. Das ist unge­wohnt und mutig in den Zei­ten der sozia­len Netz­wer­ke, wo es nur noch um Likes geht.

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Rank & File 2019: Platz 10 – Truth

Und damit betre­ten wir das Spit­zen­feld mit den zehn bes­ten Songs des 2019er Jahr­gangs. Jeden­falls nach der voll­kom­men unmaß­geb­li­chen Mei­nung des Blog­inha­bers.

Platz 10: Aser­bai­dschan – Chin­giz Mus­ta­fay­ev: Truth (Wahr­heit)

Die Wahr­heit ist, um den Song­ti­tel gleich ein­mal auf­zu­grei­fen, dass bei die­ser Plat­zie­rung opti­sche Grün­de eine Rol­le gespielt haben könn­ten. Dschinn-Kiss ist nun mal der schöns­te Mann die­ses Jahr­gangs, sieht man mal vom Por­tu­gie­sen Con­an Osí­ris ab, sobald die­ser die Gold­löf­fel aus dem Gesicht nimmt. Dass er sich im Video auch noch oben­rum frei macht und – wie sein nie­der­län­di­scher Kol­le­ge – die Meer­jung­frau mimt, kommt noch ver­schär­fend hin­zu. Span­nend bleibt aller­dings, wie er das in Tel Aviv umset­zen will, denn ohne offen zur Schau gestell­tes Brust­haar ver­liert die Num­mer doch eini­ges an Reiz. Den­noch bleibt ‘Truth’ auch mit ver­bun­de­nen Augen ein effek­ti­ver, ange­nehm weg­zu­hö­ren­der Pop­song, der inter­na­tio­na­len Qua­li­täts­stan­dards genügt. Die klas­sisch auf­ge­bau­te Mid­tem­po­num­mer kann mit etwas in den letz­ten Jah­ren eher sel­ten gewor­de­nem punk­ten, näm­lich mit einem als sol­chen erkenn­ba­ren Refrain. Zudem fügt Chin­giz mit einer sehr kur­zen ori­en­ta­li­schen Kla­ge­ge­sangs­ver­zie­rung wirk­lich nur eine hauch­fei­ne Pri­se Eth­no hin­zu, die den Bei­trag als aser­bai­dscha­ni­schen ver­ort­bar macht, ohne sei­ne inter­na­tio­na­le For­ma­t­ra­dio-Ein­satz­fä­hig­keit zu schmä­lern. Mit sei­nem Song­text wol­len wir uns indes lie­ber nicht ein­ge­hend befas­sen, der strotzt näm­lich nur so von toxi­scher Männ­lich­keit. Aber solan­ge Dschinghis sein Hemd tief genug auf­knöpft, kann ich das ver­drän­gen.

Im Ange­sicht der Kli­ma­ka­ta­stro­phe gewöh­nen wir uns bes­ser schon mal an das Leben unter Was­ser. Chin­giz hilft dabei.

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Rank & File 2019: Platz 11 – Kthe­ju Tokës

Soll­te es im Mai 2019 zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Anstieg des Mee­res­spie­gels kom­men, trifft dar­an nicht allei­ne die Kli­ma­er­wär­mung die Schuld: Mil­lio­nen von Exil-Alba­ner/in­nen dürf­ten wäh­rend des Euro­vi­si­on Song Con­tests zuhau­se vor den Gerä­ten sturz­bach­ar­ti­ge Trä­nen­strö­me ver­gie­ßen.

Platz 11: Alba­ni­en – Joni­da Mali­qi: Kthe­ju Tokës (Keh­re zurück)

Denn das Land der Ski­pe­ta­ren setzt erneut auf Bewähr­tes: die tra­di­tio­nell bereits an Weih­nach­ten 2018 beim FiK aus­ge­wähl­te Joni­da prä­sen­tiert sich als beson­ders gold­glän­zen­des Exem­plar der bereits viel­fach erprob­ten Gat­tung der weh­kla­gen­den Wit­we. Nur, dass sie kei­nen toten Gat­ten betrau­ert, son­dern den zum Stu­die­ren und / oder Geld­ver­die­nen ins euro­päi­sche Aus­land abge­wan­der­ten Mann, den sie mit herz­zer­rei­ßen­den Text­zei­len wie­der nach Hau­se locken möch­te. Die majes­tä­tisch anmu­ten­de, hin­rei­ßend anzu­schau­en­de Inter­pre­tin tut dies vor allem mit deut­lich kon­trol­lier­ter Stimm­kraft und ohne jeg­li­che Spur von Dis­so­nanz, wel­che sonst lei­der ach so oft den Genuss bau­glei­cher Bal­la­den aus dem Bal­kan­land ver­lei­det. Bei Joni­da klirrt und schep­pert es jedoch nicht in den Gehör­gän­gen, und so kann sich das Herz weit öff­nen für die sub­ti­le Schön­heit ihrer Trau­er und die Ein­dring­lich­keit ihres Fle­hens. Ein west­li­chen Ansprü­chen genü­gen­des musi­ka­li­sches Arran­ge­ment ver­bin­det sich unter­des­sen mit feinst dosier­ten Eth­no-Tönen zu einem Gesamt­kon­zept, das als ers­ter aus­ge­wähl­ter Bei­trag der Sai­son 2019 hohe (und in der Fol­ge natür­lich stets ent­täusch­te) Stan­dards setz­te.

Auf perl­wei­ßen Zähen sieht man Lip­pen­stift­fle­cken beson­ders gut: Gold­ma­rie Joni­da beim FiK.

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Rank & File 2019: Platz 12 – Fri­end of a Fri­end

Huch, was macht denn der tsche­chi­sche Bei­trag soweit hier oben im aufrechtgehn.de-Ran­king? Manch­mal wun­dert man sich ja über sei­nen eige­nen Geschmack. Gehen wir der Sache gemein­sam auf den Grund, wenn Sie mögen.

Platz 12: Tsche­chi­en – Lake Mala­wi: Fri­end of a Fri­end (Freun­din eines Freun­des)

Beim Vor­ent­scheid auf das Tele­vo­ting ver­zich­ten möch­te kaum ein Sen­der, oft allei­ne schon aus finan­zi­el­len Grün­den. Aber dem Geschmack des Publi­kums ver­trau­en will auch kaum ein Ver­ant­wort­li­cher. So reiht sich das klei­ne Land jen­seits des ehe­ma­li­gen eiser­nen Vor­hangs ein in die in die­sem Jahr auf­fäl­lig star­ke Front an Natio­nen, in denen die Jury die hei­mi­schen Zuschauer/innen aus­boo­te­te und ihren Favo­ri­ten nach Tel Aviv ent­sand­te. Und so ungern ich es zuge­be: die Pro­fes­sio­nel­len tra­fen hier eine gute Wahl. ‘Fri­end of a Fri­end’ ist klas­si­sches, zunächst recht unauf­fäl­li­ges, aber hoch effek­ti­ves For­ma­t­ra­dio­fut­ter und wäre in kaum einer Play­list fehl­plat­ziert: geschmei­dig schmei­chelt es sich in die Ohren, nervt nicht (noch nicht ein­mal durch den Fal­sett­ge­sang, ein wei­te­res 2019er Mar­ken­zei­chen), arbei­tet spie­le­risch geschickt mit der Stil­mit­tel der humor­vol­len Repe­ti­ti­on, und ehe man es sich ver­sieht, summt man die Melo­die mit und wackelt im Takt mit den Zehen. Dazu erzählt Front­mann Albert Černý, der trotz sei­ner 30 Len­ze aus­sieht wie ein Puber­tie­ren­der, auf augen­zwin­kernd lako­ni­sche Wei­se eine Roland-Kai­ser-kom­pa­ti­ble Geschich­te vom heim­li­chen Begeh­ren der Nach­ba­rin, die er, anders lässt sich der Text nicht inter­pre­tie­ren, beim Sex belauscht. Eigent­lich ziem­lich cree­py, aber irgend­wie kann man es ihm nicht übel neh­men.

Manch­mal möch­te er schon mit ihr: Albert Černý ist genau so durch­trie­ben wie Miko­las Josef, sieht aber unschul­di­ger aus.

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