San Mari­no 2019: Die Legen­de ist zurück!

Was haben wir dar­auf gewar­tet! Seit der san­ma­ri­ne­si­sche Sen­der SMRTV zum Jah­res­wech­sel ver­kün­de­te, nach dem kra­chend geschei­ter­ten Expe­ri­ment mit der crowd­fi­nan­zier­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung des Vor­jah­res wie­der zur bewähr­ten inter­nen Aus­wahl zurück­zu­keh­ren und mit einem “inter­na­tio­na­len Künst­ler” zu arbei­ten, der sich Ende Janu­ar 2019 als Ser­hat Hacıpaşalıoğlu ent­pupp­te, war­te­te die Grand-Prix-Gemein­de mit ange­hal­te­nem Atem auf die Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Bei­trags für Tel Aviv. Ges­tern früh leak­te der Song erst­ma­lig, und zur Mit­ter­nacht erfolg­te dann der Release des offi­zi­el­len Video­clips. Selbst­re­dend ent­täuscht uns Ser­hat nicht und lie­fert mit ‘Say na na na’ exakt das ab, wonach die Fans lech­zen: nach einem durch und durch scham­lo­sen, süf­fi­gen Sieb­zi­ger­jah­re-Dis­co­schla­ger mit einem unwi­der­steh­li­chen Ohr­wurm­re­frain näm­lich! Der sexy Dad­dy mit der gei­len Ras­pel­stim­me, des­sen 2016er Bei­trag ‘I didn’t know’ zu den Kult­klas­si­kern zählt, steu­ert mit dem Nach­folge­ti­tel, von dem es bereits acht Remi­xe gibt, das Guil­ty Plea­su­re des aktu­el­len Jahr­gangs bei. Gewis­ser­ma­ßen das ‘Vero­na’ 2019, bei dem jede Gegen­wehr zweck­los bleibt: die Num­mer kriegst du nicht mehr aus dem Kopf! Ver­mut­lich wer­den die spass­be­frei­ten Erz­kon­ser­va­ti­ven von der Jury sie im Euro­vi­si­ons­se­mi schlach­ten, doch das soll uns egal sein: wir haben einen neu­en, unsterb­li­chen Titel für die Grand-Prix-Dis­co, und allei­ne dafür küs­se ich Serhats Augen.

Nie ver­gess’ ich uns’ren ers­ten Tag / denn ich fühl­te gleich, dass ich dich mag: König Ser­hat kriegt uns alle!

Bela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time

Das muss man dem weiß­rus­si­schen Sen­der BTRC wirk­lich las­sen: er schafft es, sei­ne natio­na­le Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung jedes Jahr auf eine ande­re Wei­se absurd auf­zu­zie­hen und dabei die hohe Kunst der Schie­bung völ­lig unge­niert vor unser aller Augen zu zele­brie­ren. Dies­mal schloss man das Publi­kum zur Sicher­heit kom­plett vom Voting aus und leg­te das Schick­sal der zehn ange­tre­te­nen (bzw. aus­ge­wähl­ten) Kandidat/innen in die Hän­de einer sie­ben­köp­fi­gen Jury unter Mit­wir­kung von Kol­dun, die ihre Voten direkt im Anschluss an den Auf­tritt ver­teil­te. Zehn Punk­te durf­te jede/r Juror/in jedem Act maxi­mal geben, sie­ben waren offen­sicht­lich das Mini­mum: weni­ger als das erhielt ges­tern Abend nie­mand. 70 Zäh­ler konn­te man also höchs­tens errei­chen, und nach­dem gleich die zwei­te Kombattant/in, die erst 16jährige Zena (Zinai­da Kupri­ya­no­vich), ihres Zei­chens zwei­fa­che Juni­or-ESC-Teil­neh­mer/in und 2018 Mode­ra­to­rin des Kin­der­wett­be­werbs, 69 Punk­te abräum­te, hät­ten sich die rest­li­chen acht Konkurrent/innen die Mühe eigent­lich spa­ren kön­nen. Der Fair­ness hal­ber soll gesagt sein: die vor Selbst­be­wusst­sein nur so strot­zen­de Mini-Play­back-Show-Göre-spielt-Brit­ney-Spears-Dar­stel­le­rin Zena gewann mit ihrem unglaub­lich bil­li­gen Weg­werf-Uptem­pofet­zen ‘I like’ den Vor­ent­scheid völ­lig zu Recht!

Zena ver­fügt über ton­nen­wei­se Poten­ti­al. Car-Crash-Poten­ti­al. Den­noch war ‘I like’ das bes­te Ange­bot.

wei­ter­le­senBela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time

Schweiz 2019: die Kalbs­ha­xe Flo­ri­da

Ceci n’est pas le Mer © Luca Hän­ni

Dass das sin­gen­de Form­fleisch­schnit­zel Luca Hän­ni die Eid­ge­nos­sen beim ESC 2019 in Tel Aviv ver­tritt, geis­ter­te bereits seit einem gefühl­ten hal­ben Jahr durch die Grand-Prix-Gerüch­te­kü­che. Die Ex-Prin­zen haben den bis­he­ri­gen musi­ka­li­schen Wer­de­gang des gebür­ti­gen Ber­ners vom DSDS-Sieg 2012 inklu­si­ve der übli­chen Halb­werts­zeit mit ste­tig sin­ken­den Plat­ten­ver­käu­fen bis zu sei­nem letzt­jäh­ri­gen Come­back­ver­such als Schla­ger­sän­ger sehr schön zusam­men­ge­fasst und anspre­chend bebil­dert. Was sich in Lucas Fall beson­ders lohnt, neigt der durch­trai­nier­te Twink doch dazu, sich bei jeder Gele­gen­heit aus­zu­zie­hen, was natür­lich nur begrüsst wer­den kann! Bedau­er­li­cher­wei­se zeigt er sich jedoch aus­ge­rech­net im heu­te Abend vom SRF ver­öf­fent­lich­ten Video­clip sei­nes Euro­vi­si­ons­bei­trags ‘She got me’ gera­de­zu hoch­ge­schlos­sen, was den Genuss des gewis­ser­ma­ßen auf Trink­stär­ke her­ab­ge­setz­ten ‘Des­pa­ci­to’-Abklat­sches, an dem neben den schwe­di­schen Häll­gren-Brü­dern auch die Kana­die­rin Lau­rell Bar­ker (‘Sis­ters’) kom­po­si­to­risch betei­ligt ist, ein wenig min­dert. Wenn auch nicht all zu sehr: zumin­dest die ers­ten zwei­ein­halb Minu­ten unter­hält die lati­no-fla­vo­ri­sier­te Uptem­po­num­mer ziem­lich gut, dann ver­fällt sie ein biss­chen ins Repe­ti­ti­ve.

Eigent­lich besteht der Refrain aus­schließ­lich aus den Wor­ten “Dir­ty Dan­cing”. So lau­te­te wohl auch der Arbeits­ti­tel des Songs. Befürch­te­te man Copy­right-Kla­gen?

wei­ter­le­senSchweiz 2019: die Kalbs­ha­xe Flo­ri­da

Zypern 2019: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Dem Euro­vi­si­ons­sieg so nah wie 2018 war Zypern noch nie: mit dem beein­dru­ckend vor­ge­tanz­ten, fluffig-leich­ten Pop-Stamp­fer ‘Fue­go’ erreich­te Ele­ni Fou­rei­ra in Lis­sa­bon mit dem zwei­ten Platz das bis­lang bes­te Ergeb­nis des zwei­ge­teil­ten Mit­tel­meer-Eilan­des. War­um also nicht die sel­be Rezep­tur noch ein­mal anwen­den? Als zypri­sche Ver­tre­te­rin stand die in Geor­gi­en gebo­re­ne grie­chi­sche Sän­ge­rin Tam­ta Goduad­ze bereits seit Ende Dezem­ber 2018 offi­zi­ell fest. Seit­her warf man per­pe­tu­ell mit kleins­ten Infor­ma­ti­ons­bröck­chen (Titel, Kom­po­nist, Teaser, Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum, Ver­schie­bung des Ver­öf­fent­lichs­da­tums) um sich: eine von immer mehr Län­dern ver­folg­te und unglaub­lich ner­vi­ge Stra­te­gie, um per­ma­nent in den sozia­len Medi­en prä­sent zu sein. Heu­te Abend nun stell­te man end­lich das voll­stän­di­ge Musik­vi­deo zum Titel ‘Replay’ vor, der eben­falls aus der Feder von Alex Papa­con­stan­tin­ou stammt und den Job des mög­lichst gleich klin­gen­den Nach­zie­hers tod­ernst nimmt. Eine kno­chig abge­ma­ger­te Inter­pre­tin; mas­si­ver Auto­tu­ne-Ein­satz; fluffi­ge Dance-Beats; ein der all­zu tie­fen Gedan­ken­schwe­re abhol­der Text; ein äußerst spär­li­cher, prak­tisch nur aus der Wie­der­ho­lung des Wor­tes “Wie­der­ho­lung” bestehen­der Refrain und ein abrup­tes Ende: hät­te Tam­ta nicht deut­lich kür­ze­re Haa­re als Ele­ni, könn­te man sie mit ihrer Vor­gän­ge­rin ver­wech­seln. Das soll natür­lich kei­ne Beschwer­de sein: nichts kön­nen wir gera­de in die­sem Jahr­gang so drin­gend gebrau­chen wie flott getanz­ten Pop-Fluff!

I’m shit­ting my Body”: Tam­ta scheint aus­ge­fal­le­ne Vor­lie­ben zu haben.

OMPE 2019: ohne DoRe­Dos nix los

Vom ver­gan­ge­nen Sams­tag gilt es noch das Ergeb­nis des mol­da­wi­schen Vor­ent­scheids O Melo­di pen­tru Euro­pa nach­zu­rei­chen. Gera­de mal 28 Bewer­bun­gen erreich­ten die natio­na­le Sen­de­an­stalt TRM hier­für, zwei Titel sor­tier­te man wegen frag­wür­di­ger Inhal­te sofort aus. 26 Interpret/innen lud man zum tra­di­tio­nel­len Vor­sin­gen am Mit­tag des 2. Febru­ar 2019, und die Aus­beu­te muss der­ma­ßen kata­stro­phal gewe­sen sein, dass TRM das ursprüng­lich ein­ge­plan­te Semi­fi­na­le strich und ledig­lich zehn Songs direkt zum Fina­le zuließ. Das ver­leg­te der Sen­der dann dum­mer­wei­se vom ursprüng­lich geplan­ten Sonn­tag auf den bereits mit Kon­kur­renz­ver­an­stal­tun­gen zum Bers­ten gefüll­ten letz­ten Super­sams­tag der Sai­son, so dass die Ver­an­stal­tung prak­tisch unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt­fand. Ver­mut­lich, ohne dass man wirk­lich etwas ver­pass­te, wie zumin­dest der Sie­ger­ti­tel nahe­legt: der Song ‘Stay’ erweist sich als ödest­mög­li­che Euro­vi­si­ons­bal­la­de von der Stan­ge, von einer der­ge­stal­ten Lan­ge­wei­le und Tau­send­mal­ge­hört­heit, dass dem Rezen­sen­ten noch nicht ein­mal irgend­wel­che pfif­fi­gen Bös­ar­tig­kei­ten dazu ein­fal­len wol­len. Eine Dame namens Anna Odo­bes­cu schreit sie mit lau­ter Stim­me hin­aus in die dar­ob müde mit den Schul­tern zucken­de Welt.

Selbst die Chor­sän­ger gucken gelang­weilt: Anna in ihrer metal­le­nen Brust­quet­sche.

wei­ter­le­senOMPE 2019: ohne DoRe­Dos nix los

Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Neben Nord­ma­ze­do­ni­en, Russ­land, San Mari­no und Ungarn schickt nun auch Ser­bi­en eine Rück­keh­re­rin zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 nach Tel Aviv: bereits vor sechs Jah­ren stand Neve­na Božo­vić in Mal­mö auf den Bret­tern, die die Welt bedeu­ten; sei­ner­zeit als Teil des unmit­tel­bar nach dem Wett­be­werb wie­der auf­ge­lös­ten Trash-Tri­os Moje 3 mit ihrer Alle-mei­ne-Ent­chen-Melo­die ‘Lju­bav je svu­da’, das ver­mut­lich auch dank der grau­sam ent­stel­len­den Kla­mot­ten­wahl der drei ser­bi­schen Lieb­chen im Semi­fi­na­le aus­schied. Modisch hat sich die erschre­ckend dün­ne Neve­na, die zur Sicher­heit stets eine gan­ze Bat­te­rie von Vomi­tier­spa­teln am Arm und um den Hals mit sich führt, um bei buli­mi­schen Fress­an­fäl­len sofort gegen­steu­ern zu kön­nen, zwi­schen­zeit­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Auch musi­ka­lisch kommt sie 2019 anders daher: ihre selbst geschrie­be­ne, für mei­ne Ohren aller­dings selt­sam blut­lee­re und sakri­leg­haft mit eng­li­schen Text­ein­spreng­seln ver­se­he­ne Bal­kan­bal­la­de ‘Kru­na’ (‘Kro­ne’) ver­moch­te im gest­ri­gen Fina­le der Beo­vi­zi­ja die Juror/innen über­zeu­gen, die sie mit deut­li­chem Punk­te­vor­sprung an die Spit­ze wähl­ten. Beim hei­mi­schen Publi­kum lan­de­te Frau Božo­vić hin­ge­gen nur auf dem drit­ten Rang.

Von der Jury zur Köni­gin gekrönt: Neve­na.

wei­ter­le­senBeo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Geor­gi­en 2019: Fly­ing the Flag

Ein “streng patrio­ti­sches” Lied über die “Stär­ke Geor­gi­ens” und dem Wunsch nach einem “Ende des Krie­ges und der Kon­flik­te”, so die Beschrei­bung des Kau­ka­sus-Kor­re­spon­den­ten von Wiwi­bloggs, gewann ges­tern Abend im Fina­le von Sakart­ve­los varsk­v­la­vi (Geor­gi­en sucht den Super­star) das Ticket nach Tel Aviv. Die seit Mona­ten lau­fen­de Cas­ting­show fand mit vier ver­blie­be­nen Kandidat/innen ihren Abschluss, wel­che sich ledig­lich drei Lie­der tei­len muss­ten: sowohl der aus­ge­spro­chen nied­li­che Gior­gi Naka­shid­ze als auch der in sei­nen zir­ka vier Num­mern zu gro­ßen Kla­mot­ten und mit Man­bun eher nach einem Obdach­lo­sen als nach einem Hips­ter aus­se­hen­de Jazz­sän­ger Oto Nemsad­ze brach­ten die sieg­rei­che, von einem mas­si­ven Flag­gen­ein­satz beglei­te­te Rock­bal­la­de ‘Sul tsin iare’ (‘Immer wei­ter’) zum Vor­trag. Und zwar im glei­chen Arran­ge­ment, wobei sich zeig­te, dass die Num­mer den ver­gleichs­wei­se zart besai­te­ten Gior­gi schnell an sei­ne Gren­zen brach­te, wäh­rend Oto mit sei­ner rau­en, kraft­vol­len Stim­me voll auf die Zwölf ging. Auch der fünf­köp­fi­ge männ­li­che Begleit­chor, der den leicht zu mer­ken­den “Var­aa­da vara­da, vara­da vara hee”-Part über­nahm, schaff­te sich in sei­ner Vari­an­te rich­tig rein. So sehr, dass es die mit ihrer blon­den Kurz­haar­fri­sur kaum wie­der zu erken­nen­de deut­sche Vor­ent­schei­dungs­letz­te von 2018, Natia Todua, vor lau­ter Begeis­te­rung von ihrem Juro­rin­nen­stuhl riss.

Gold­ma­rie­chen Todua und ‘I don’t wan­na put in’-Ste­phan las­sen sich von Oto begeis­tern.

wei­ter­le­senGeor­gi­en 2019: Fly­ing the Flag

UMK 2019: Das Sand­stürm­chen

Die wohl vor­her­seh­bars­te und irgend­wie auch über­flüs­sigs­te Vor­ent­schei­dung fand am gest­ri­gen Sams­tag im fin­ni­schen Ort Tur­ku statt. Wie schon im Vor­jahr gab es bei der UMK nur einen bereits seit eini­ger Zeit bekann­ten Inter­pre­ten, näm­lich den EDM-DJ und -Pro­du­zen­ten Vil­le Vir­ta­nen ali­as Daru­de, des­sen bekann­tes­ter Hit ‘Sand­sturm’ nun knapp zwan­zig Jah­re zurück liegt. Auch die drei zur Aus­wahl ste­hen­den Songs kann­te man bereits, hat­te das fin­ni­sche Fern­se­hen die­se doch in den zurück­lie­gen­den Wochen im Sie­ben­ta­ge­ab­stand ver­öf­fent­licht. So stand im Grun­de das Ergeb­nis bereits im Vor­feld fest, denn dass unter den drei alle­samt sehr schwa­chen Bei­trä­gen der zuletzt releas­te Track ‘Look away’ noch am wenigs­ten Fad­heit ver­strömt, dar­über herrsch­te all­ge­mei­nes Ein­ver­ständ­nis. Der von Daru­de als Sän­ger ange­heu­er­te Sebas­ti­an Rej­mann tat das Sei­ne hin­zu, in dem er die bei­den ande­ren Titel stimm­lich kom­plett in den Sand setz­te und nur bei ‘Look away’ eini­ger­ma­ßen annehm­bar klang. Oder aber die Ton­tech­ni­ker des Sen­ders YLE steu­er­ten das mit Absicht so aus. Jeden­falls wähl­ten sowohl die inter­na­tio­na­le Jury – erneut unter Betei­li­gung des Wiwi­blog­gers Wil­liam Lee Adams – als auch das hei­mi­sche Publi­kum den Song wunsch­ge­mäß nach vor­ne.

Living in a Box: Daru­de.

wei­ter­le­senUMK 2019: Das Sand­stürm­chen

Fes­ti­val da Canção 2019: Neu­es aus dem Funk­loch

Acht Acts tra­ten an im gest­ri­gen Fina­le des por­tu­gie­si­schen Fes­ti­val da Canção, übrig­ge­blie­ben aus dop­pelt so vie­len Semifinalist/innen. Und den­noch dreh­te sich der gan­ze Abend nur um einen ein­zi­gen Künst­ler und die Fra­ge, ob er es schaf­fen wird, die Stim­men des Publi­kums und der Jurys zu gewin­nen. Er schaff­te es: Tia­go Miran­da oder, wie wir ihn ken­nen, Con­an Osí­ris führ­te am Ende mit zwei­mal Dou­ze Points das Feld klar an. Alles ande­re hät­te sicher­lich auch zu tumult­ar­ti­gen Sze­nen geführt, schließ­lich erhiel­ten der gebür­ti­ge Lis­sa­bon­ner und sein abso­lut anmu­ti­ger Tän­zer João Reis Morei­ra als ein­zi­ge der Teilnehmer/innen ste­hen­de Ova­tio­nen im Saal. ‘Tele­mó­veis’ (‘Mobil­te­le­fo­ne’), sein Bei­trag, han­delt von der Abhän­gig­keit der Men­schen von ihren trag­ba­ren Tele­por­ta­ti­ons­ma­schi­nen in die vir­tu­el­le Welt, und ent­spricht musi­ka­lisch so über­haupt kein biss­chen irgend­wel­chen gän­gi­gen Euro­vi­si­ons- oder Pop-Kon­ven­tio­nen. Als “atem­be­rau­ben­de Fusi­on aus Fado, Tech­no und ara­bi­schen Ein­flüs­sen” beschreibt es der fach­kun­di­ge Dr. Euro­vi­si­on, als schrä­ge Col­la­ge aus trei­ben­den Elek­tro­beats, Chi­na-Restau­rant-Beschal­lung auf Pil­zen und osma­ni­schen Kla­ge­ge­sän­gen will es mir erschei­nen. Die wil­de Kos­tü­mie­rung mit Pha­ra­no­nen­mas­ke und die eksta­ti­schen Tän­ze machen die Sache nur noch trip­pi­ger und las­sen die Zuschauer/innen garan­tiert rat­los zurück. Mit ande­ren Wor­ten: es ist groß­ar­tig!

Edward mit den Sche­ren­hän­den: in die­sem Auf­zug kommt Con­an am Ben-Gur­i­on-Flug­ha­fen nicht durch die Kon­trol­le.

wei­ter­le­senFes­ti­val da Canção 2019: Neu­es aus dem Funk­loch

Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Zehn Songs, drei Abstim­mungs­run­den und das von Anfang an erwar­te­te Ergeb­nis: das nor­we­gi­sche Fern­se­hen NRK zeig­te am gest­ri­gen Abend mal wie­der, wie man einen natio­na­len Vor­ent­scheid mit einem kla­ren Aus­gang den­noch unnö­tig in die Län­ge zie­hen kann. Trotz aller Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che durch die inter­na­tio­na­le Jury gewann am Ende des unter­halt­sa­men Abends, wie all­ge­mein vor­her­ge­sagt und völ­lig zu Recht das Trio Kei­i­no mit dem ein­gän­gi­gen Grand-Prix-Dis­co-Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Spi­rit in the Sky’, der uptem­po­rä­re Drums, einen super­süf­fi­gen Refrain und auf samisch gejoik­te Eth­no-Ver­zie­run­gen zu einem Gesamt­kunst­werk aus dem Lehr­buch für Euro­vi­si­ons­schla­ger ver­bin­det. Das eigens für den Melo­di Grand Prix gebil­de­te Pro­jekt Kei­i­no besteht aus den frü­he­ren MGP-Solo-Teil­neh­mer/in­nen Tom Hugo und Alex­an­dra Rotan, ergänzt um den glatz­köp­fi­gen Rap­per Fred Bul­jo, die den Song gemein­sam mit Toms Ehe­mann Alex Ols­son schrie­ben (oder viel­mehr in wei­ten Tei­len bei Saa­ra Aal­tos ‘Mons­ters’ abkup­fer­ten). Inter­es­san­ter­wei­se besteht zwi­schen den Drei­en ein ganz kla­res stimm­li­ches Gefäl­le: wäh­rend Hugo sei­ne Stro­phen sehr sau­ber und klar ver­ständ­lich into­nier­te, ver­nu­schel­te Rotan ihren Part schon arg ver­nehm­lich. Bul­jo klang unter­des­sen, als habe er vor dem Auf­tritt einen Och­sen­frosch ver­schluckt, der ihm nun im Hals sit­ze. Das konn­te, eben­so wie die stark über­ar­bei­tungs­be­dürf­ti­ge Büh­nen­show, jedoch den mit­rei­ßen­den Gesamt­ein­druck nicht trü­ben.

Wel­che Geis­ter da wohl von Fred Bul­jos Stimm­bän­dern Besitz ergrif­fen hat­ten?

wei­ter­le­senMelo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name