Rank & File 2019: Platz 23 – Scream

Eigent­lich hat der rus­si­sche Super­star Ser­gey Laza­rev ja bereits den ESC gewon­nen. 2016, bei sei­ner Erst­teil­nah­me, wo er im Zuschau­er­vo­ting regel­recht abräum­te. Aus poli­ti­schen Grün­den stahl ihm die Jury jedoch den Sieg und schanz­te ihn aus­ge­rech­net dem Erz­feind Ukrai­ne zu. Gelingt es dem durch­trai­nier­ten Sehr­gay nun, wie wei­land Dima Bilan im zwei­ten Anlauf die Kro­ne zu errin­gen?

Platz 23: Russ­land – Ser­gey Laza­rev: Scream (Schrei)

Die Ukrai­ne jeden­falls strich schon mal die Segel und schoss sich die aus­ge­wähl­te Kan­di­da­tin Maruv, frag­los eine der stärks­ten Mitbewerber/innen auf den Grand Prix, sicher­heits­hal­ber selbst weg. Ein biss­chen vor­ei­lig viel­leicht, denn direkt nach der Ver­öf­fent­li­chung von Ser­geys Wett­be­werbs­ti­tel sank sein bis dahin hell fun­keln­der Stern bei den Buch­ma­chern rapi­de. Und das mit Recht. ‘Scream’ ist zwar, das muss man dem Rus­sen las­sen, eine star­ke, viel­schich­ti­ge Bal­la­de mit dra­ma­ti­schen Strei­chern und einer nicht min­der dra­ma­ti­schen Melo­die­füh­rung, die für Ser­gey und sei­nen Begleit­chor mas­sen­haft har­te Belas­tungs­pro­ben für die hof­fent­lich gut geöl­ten Stimm­bän­der bereit­hal­ten und die Raum für eine bom­bas­ti­sche Insze­nie­rung bie­tet. Feuch­te Hös­chen bei den Juror/innen sind also garan­tiert, und ver­mut­lich sehen die­se des­we­gen sogar über das arg anti­kli­ma­ti­sche Song­fi­na­le und die ekla­tan­te Refrain­schwä­che des Lie­des hin­weg, das getreu sei­nes Titels anstel­le eines mit­rei­ßen­den Kehr­rei­mes ledig­lich einen röcheln­den Schrei offe­riert. In der aufrechtgehn.de-Wer­tung kann es jedoch ledig­lich für einen Platz in der zwei­ten Hälf­te rei­chen, denn ich will von dem schnu­cke­li­gen Pop­star mit dem Hang zu nack­ter Haut natür­lich nur eine bis aufs Mark durch­cho­reo­gra­fier­te, fröh­lich-fluffi­ge Uptem­po-Num­mer hören und sehen, aber doch um Him­mels Wil­len kei­ne Depri-Bal­la­de!

Die Welt ist ein düs­te­rer und gefähr­li­cher Ort, aber der rus­si­sche Fähr­mann bringt uns sicher durch die schwar­ze Nacht und tötet für uns alle Dra­chen: Ser­geys Video­clip spart nicht an star­ken Bil­dern.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 23 – Scream

Rank & File 2019: Platz 24 – Look away

Ein eta­blier­ter Musik­pro­du­zent und DJ mit einem jün­ge­ren Gast­sän­ger: was 2017 für Nor­we­gen gut funk­tio­nier­te, soll­te den fin­ni­schen Nach­barn doch nur Recht sein, dach­te sich der Sen­der YLE wohl. Zumal man da doch noch Einen in pet­to hat, der mal zu den ganz Gro­ßen gehör­te.

Platz 24: Finn­land – Daru­de + Sebas­ti­an Rej­man – Look away (Schau weg)

Fällt nun der suo­mi­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 tat­säch­lich zu Recht in die Kate­go­rie der ver­zicht­ba­ren Songs? Ja klar, wer­den Sie beim Anhö­ren spä­tes­tens nach einer Minu­te drei­ßig sagen, wenn alle eher spär­li­chen Ide­en auf­ge­braucht sind und sich die Num­mer zäh dem Ende ent­ge­gen schleppt. Ande­rer­seits erfüllt selbst ‘Look away’ sei­nen Zweck, oder genau­er gesagt deren sogar gleich drei: zum einen eröff­net er sei­nem Schöp­fer die Chan­ce, noch­mals für kur­ze Zeit aus dem See des Ver­ges­sens her­vor­zu­tau­chen und sich zurück ins Gespräch zu brin­gen. Wer weiß, viel­leicht ent­deckt auch der ein oder ande­re nach dem Jahr­tau­send­wech­sel Gebo­re­ne durch Daru­des Euro­vi­si­ons­auf­tritt sei­nen ein­zi­gen rich­tig gro­ßen und rich­tig guten Hit ‘Sand­s­torm’ für sich. Und dann hät­te es sich ja bereits gelohnt. Zwei­tens holt er Herrn Rej­man wenigs­tens für ein paar Mona­te von der Stra­ße: der Lead­sän­ger von ‘Look away’ dürf­te ange­sichts sei­nes eher über­schau­ba­ren stimm­li­chen Talents und sei­ner Ver­wech­sel­bar­keit sonst über nicht all zu vie­le Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten ver­fü­gen.

Immer­hin schafft es Daru­de, nicht ganz so gru­se­lig zu wir­ken wie Gro­mee: der Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 24 – Look away

Rank & File 2019: Platz 25 – Big­ger than us

Gera­de mal drei Songs für sechs namen­lo­se Teilnehmer/innen: zwar stell­te die ARD, eine der finanz­stärks­ten öffent­lich-recht­li­chen TV-Sta­tio­nen der Erde, bereits vor zwei Jah­ren unter Beweis, dass eine sol­che Dis­count-Vor­ent­schei­dung nicht funk­tio­niert. Aber die bocki­gen Bri­ten erwei­sen sich beim Euro­vi­si­on Song Con­test als genau so ver­nunft­re­sis­tent wie beim Bre­x­it: sie wie­der­hol­ten die­sen Feh­ler mit Euro­vi­si­on: you deci­de erneut.

Platz 25: Groß­bri­tan­ni­en – Micha­el Rice: Big­ger than us (Grö­ßer als wir)

Und so ver­tritt nun ein dick­li­cher, etwas unge­lenk wir­ken­der Jun­ge, im ech­ten Leben Besit­zer eines Waf­fel-Shops, die zu ihren längst ver­gan­ge­nen Glanz­zei­ten einst­mals kul­tu­rell wie kom­mer­zi­ell füh­ren­de euro­päi­sche Pop-Nati­on beschä­men­der­wei­se mit einem Aller­welts­song aus schwe­di­scher Feder. John Lundvik, der aktu­el­le Reprä­sen­tant aus dem Land der Elche, hat­te das von ihm mit­ver­fass­te ‘Big­ger than us’ ursprüng­lich als einen von zwei Vor­schlä­gen zum Melo­di­fes­ti­va­len ein­ge­reicht, sich dann aber auf Rat von Chris­ter Björk­man für den stär­ke­ren sei­ner zwei Titel ent­schie­den und lös­te mit ‘Too late for Love’ denn auch das Ticket nach Tel Aviv, wo er nun gewis­ser­ma­ßen doch mit bei­den Lie­dern ver­tre­ten ist. Und so passt es ins Bild, dass neben der fabel­haf­ten Mel Giedroyc der Schwe­den­hap­pen Måns Zelmerlöw den Vor­ent­scheid des König­reichs mode­rier­te – und mit einem halb­nackt vor­ge­tanz­ten Med­ley bri­ti­scher Euro­vi­si­ons­er­fol­ge aus dem ver­gan­ge­nen Jahr­tau­send auf char­man­te Art und Wei­se noch Salz in die Wun­de rieb. Denn seit dem Mill­en­ni­um hat das UK halt schlicht­weg nichts mehr zustan­de gebracht und das Zep­ter wohl oder übel an Schwe­den wei­ter­ge­reicht.

Mari­ja Šerif­o­vićs jün­ge­rer Bru­der: Micha­el Rice beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 25 – Big­ger than us

Rank & File 2019: Platz 26 – That Night

Wenn die Teil­neh­mer­na­tio­nen des Euro­vi­si­on Song Con­test eine gro­ße, bun­te Grand-Prix-Fami­lie bil­den, dann ist Lett­land so etwas wie der durch die hor­mo­nel­len Schü­be geis­tig ver­wirr­te Puber­tie­ren­de, dem man unge­fähr zehn­mal am Tag ein seuf­zen­des “Was hast du dir denn dabei bloß wie­der gedacht?” zuru­fen möch­te.

Platz 26: Lett­land – Carou­sel: That Night (Die­se Nacht)

So auch bei der dies­jäh­ri­gen Super­no­va, bei wel­cher der legen­dä­re Riga Biber erst­mals nicht als mit Fell kos­tü­mier­ter Pau­sen­fül­ler zuge­gen war, son­dern als mit einem Schot­ten­rock kos­tü­mier­ter musi­ka­li­scher Teil­neh­mer. Doch man ent­schied sich statt sei­ner für das Duo Carou­sel, ein aus­ge­spro­chen aus­ge­zehrt aus­se­hen­des Pär­chen, und sein harm­los plin­kern­des, wat­te­wei­ches und sen­sa­tio­nell sedie­ren­des Coun­try-Folk-Lied­chen ‘That Night’. Ein Lied, das ganz gewiss sei­ne Daseins­be­rech­ti­gung hat: wenn man als völ­lig über­mü­de­ter Gast­ge­ber sei­nen mit zähem Sitz­fleisch geseg­ne­ten Freun­den (und ich muss es geste­hen, ich gehö­re zu die­sem gefürch­te­ten Per­so­nen­kreis) dezent bedeu­ten möch­te, dass die Par­ty ihren Zenit schon vor Stun­den über­schrit­ten hat und ihr wei­te­res Blei­ben die Minu­ten zu quä­len­den Stun­den wer­den lässt, bei­spiels­wei­se. Oder wenn man die Hin­ter­grund­mu­sik für ein Schnell­re­stau­rant aus­su­chen soll, in wel­chem sich die Gäs­te zwar will­kom­men füh­len sol­len, aber auch nicht all zu wohl, auf dass sie die Tische bald wie­der frei machen für die Nächs­ten. Mit ande­ren Wor­ten: wenn man den Froh­sinn dämp­fen möch­te und den Schwung her­aus­neh­men, ohne dass die Stim­mung ins Aggres­si­ve kippt, dann ist die­ser lied­ge­wor­de­ne Dow­ner genau das Rich­ti­ge.

Geben dem Bur­nout eine Büh­ne: das let­ti­sche Duo Carou­sel bei der Super­no­va.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 26 – That Night

Rank & File 2019: Platz 27 – Cha­me­le­on

Das mal­te­si­sche Fern­se­hen optier­te für die Aus­wahl sei­ner Inter­pre­tin dies­mal zu einer Cas­ting­show. Aus Sen­der­sicht eine klu­ge Wahl, bescher­te sie TVM über Wochen hohe Ein­schalt­quo­ten und gab den Inselbewohner/innen – anders als die jury­las­ti­gen Vor­ent­schei­dun­gen der Vor­jah­re – die Illu­si­on der bevor­mun­dungs­frei­en Betei­li­gung, ohne dabei jedoch die Ent­schei­dungs­ho­heit über den Song aus der Hand zu geben, den TVM erst im Nach­gang aus­wähl­te.

Platz 27: Mal­ta – Miche­la Pace: Cha­me­le­on (Cha­mä­le­on)

Und die­ser Song ent­zieht sich offen gestan­den mei­ner Beur­tei­lung. Er rich­tet sich ganz klar an ein ande­res Ziel­pu­bli­kum, an eine deut­lich jün­ge­re Alters­grup­pe als die mei­ni­ge. Er bedient sich dabei aller kon­tem­po­rä­ren Pop-Ver­satz­stü­cke, sei es der bol­le­ri­ge Sound oder der sehr hol­pe­ri­ge, aus­ge­spro­chen spar­sam möblier­te Refrain. Mei­ne nost­al­gie­durch­tränk­te Erin­ne­rung drif­tet umge­hend ab in die Ver­gan­gen­heit, sobald Miche­la erst­mals “Cha­me-Cha­me­le­on” singt, was mei­ne Ohren als ‘Kar­ma Cha­me­lon’ miss­deu­ten. Und stan­te pede zurück in die seli­gen Acht­zi­ger­jah­re sprin­gen, zum wun­der­schö­nen gleich­na­mi­gen Lied von Cul­tu­re Club, das mein Hirn­ra­dio umge­hend ein­spielt und dabei den schreck­li­chen Lärm voll­stän­dig aus­blen­det, den Frau Pace da ver­an­stal­tet. Ich kann mich am Ende der drei Minu­ten daher beim bes­ten Wil­len nicht dar­an erin­nern, wie der mal­te­si­sche Bei­trag geht. Ob das nun unter begin­nen­der Seni­li­tät zu ver­bu­chen ist oder unter Selbst­schutz, die­ses Urteil möch­te ich Ihnen über­las­sen. Alles, was bei mir vage hän­gen bleibt, ist eine ganz leich­te sound­tech­ni­sche Ver­wandt­schaft zum zypri­schen Bei­trag ‘Replay’. Und auf die­ser Basis wan­dert ‘Cha­me­le­on’ auf einen Rang im unte­ren Mit­tel­feld.

Schau, wir haben ein hoch­pro­fes­sio­nel­les, auf­wän­di­ges Video gedreht. Wie kön­nen wir die Chan­cen Michelas nun doch noch sabo­tie­ren? Oh ja, lass uns den Song­text zum Mit­le­sen ein­blen­den, damit jeder sieht, was für einen Dünn­pfiff die da singt!

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 27 – Cha­me­le­on

Rank & File 2019: Platz 28 – Home

Seit vie­len Jah­ren ist beim Euro­vi­si­on Song Con­test das inter­es­san­te Phä­no­men zu beob­ach­ten, dass der Heim­bei­trag, also das Wett­be­werbs­lied des jewei­li­gen Gast­ge­bers, in schö­ner Regel­mä­ßig­keit gera­de­zu um den letz­ten Platz bet­telt. Ein oft­mals auch direkt erfüll­ter Wunsch, hin­ter dem wohl meist die (unbe­wuss­te) Stra­te­gie steht, das teu­re Fes­ti­val um kei­nen Preis ein zwei­tes Mal in Fol­ge aus­tra­gen zu müs­sen.

Platz 28: Isra­el – Kobi Mari­mi: Home (Nach Hau­se)

Noch nie betrieb ein Land dies jedoch so augen­fäl­lig wie Isra­el. Kein Wun­der, steht des­sen beim des­po­ti­schen Regie­rungs­chef ver­hass­ten öffent­lich-recht­li­chen Sen­der doch sowohl poli­tisch wie finan­zi­ell das Was­ser bis Ober­kan­te Unter­lip­pe. Also wähl­te man einen groß­ge­wach­se­nen, schnauz­bär­ti­gen Opern­sän­ger und schnei­der­te ihm einen vor Pathos nur so trie­fen­den Torch Song auf den Leib, in wel­chem der Sie­ger des Fred­die-Mer­cu­ry-Ähn­lich­keits­wett­be­werbs von 1984 mit schmacht­be­ben­der Stim­me ein­for­dert, jemand sein zu wol­len. Kobi trägt die rund­her­aus cam­pe Num­mer mit einer der­ar­tig kno­chen­tro­cke­nen Ernst­haf­tig­keit vor, dass sie inner­halb kür­zes­ter Zeit ins Tra­gi­sche abglei­tet. Auch sein ver­zick­tes Augen­rol­len und sein Ges­tus sug­ge­rie­ren, dass er von sei­nem Anlie­gen und sei­ner eige­nen Gran­dez­za zutiefst über­zeugt ist, und dies sorgt bei ent­spre­chend prä­dis­po­nier­ten Con­nais­seu­ren unfrei­wil­li­ger Komik für lang­an­hal­ten­de Lach­sal­ven. Inso­fern ist das vom Sen­der auch noch im Titel hilf­reich als Heim­bei­trag gekenn­zeich­ne­te ‘Home’, das schon jetzt für immer einen Platz im Schatz­käst­lein mei­nes Her­zens hat, in der Abtei­lung “Ver­zicht­ba­res” eigent­lich grund­falsch. Und doch auch wie­der rich­tig: frei­wil­lig anhö­ren möch­te man sich das gru­se­li­ge Mach­werk näm­lich kei­nes­falls.

Sein Vor­bild lief übers Was­ser, er umarmt es: Kobi im offi­zi­el­len Video.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 28 – Home

Rank & File 2019: Platz 29 – Storm

Ach, Est­land! Was ist nur aus der einst auf­stre­ben­den, jun­gen Euro­vi­si­ons­na­ti­on mit der beein­dru­cken­den musi­ka­li­schen His­to­rie und dem Gespür für Cool­ness gewor­den? Was aus dei­ner frü­her mal vor feins­ten Pop-Per­len gera­de­zu über­bor­den­den Vor­ent­schei­dung?

Platz 29: Est­land – Vic­tor Cro­ne: Storm (Sturm)

Schon lan­ge hat dei­ne Eesti Laul ihre Stel­lung als unver­pass­ba­rer Pflicht­ter­min für Grand-Prix-Con­nais­seu­re ein­ge­büßt, domi­niert dank jah­re­lan­ger Fehl­ent­schei­dun­gen der Jury und / oder des Publi­kums mitt­ler­wei­le auch dort der Stumpf­sinn. Und die­ses Jahr lie­ßest du dir, ehe­mals stol­ze Pop-Nati­on, dann sogar den fades­ten Durch­schnitts­seich eines schmier­lap­pi­gen schwe­di­schen (!) Bryan-Adams-Imi­ta­to­ren andre­hen. ‘Storm’ tut nie­man­dem weh, for­dert nichts – erst recht kei­ne Auf­merk­sam­keit – und klingt pro­blem­los durch­hör­bar, wie klas­si­sches Musik­fut­ter für aus­tausch­ba­re Hit-Radio-Wel­len. Oder mei­net­we­gen aus­tausch­ba­res Musik­fut­ter für klas­si­sche Hit-Wel­len. Schlicht­weg: wie eben ein Song, der es beim Melo­di­fes­ti­va­len noch nicht mal in die Vor­run­de schafft. Um mit der gro­ßen Kat­ja Ebstein zu spre­chen: “Mensch, seit wann nimmst du denn zwei­te Wahl”? Es gibt zu dem völ­lig ega­len Sturm im Was­ser­glas dann auch nichts mehr zu sagen, außer: wür­de ich nach Tel Aviv fah­ren, was ich aus peku­niä­ren Grün­de nicht tue, so ent­roll­te ich wäh­rend Vic­tors Auf­tritt in der Hal­le ein Pla­kat mit der Auf­schrift “Wo sind die Kat­zen?”.

Tau­send Mal gehört, tau­send Mal hat’s nicht gestört: Vic­tor beim Eesti-Laul-Auf­tritt.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 29 – Storm

Rank & File 2019: Platz 30 – Hea­ven

Im aufrechtgehn.de-Ran­king der dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge ver­las­sen wir nun die Hass­lie­der­ab­tei­lung und bege­ben uns in den Bereich der schlicht ver­zicht­ba­ren Titel. Und gleich der ers­te von ihnen auf Rang 30 bil­det das Mus­ter­bei­spiel für einen Song, in des­sen Arbeits­zeug­nis wohl der Satz “sie haben sich stets bemüht” stün­de.

Platz 30: Mon­te­ne­gro – D-Mol: Hea­ven (Him­mel)

Sie”, das ist in die­sem Fall das gemischt­ge­schlecht­li­che Schü­ler­chor-Sex­tett D-Mol, das mit einem kit­schi­gen Songrie­men, wie ihn selbst ein Ralph Sie­gel in sei­nen ver­zwei­fels­ten Zei­ten ver­schämt auf der B-Sei­te irgend­ei­nes sei­ner im Dut­zend kom­po­nier­ten Grand-Prix-Schla­ger ver­steckt hät­te, aus uner­find­li­chen Grün­den den hei­mi­schen Vor­ent­scheid, die Mon­te­vi­zi­ja, gewann. Auf offen­sicht­lich im Werk­un­ter­richt selbst gezim­mer­ten Holz­trep­pen stan­den sie da im hoch­ge­schlos­se­nen Schwar­zen vor einer unschulds­wei­ßen Prä­sen­ta­ti­ons­wand, immer schön zu hete­ro­nor­ma­ti­ven Zwei­er­pär­chen grup­piert, und jaul­ten mit erkenn­ba­rer Auf­ge­regt­heit und drol­li­gem per­for­ma­to­ri­schem Über­ei­fer in mise­ra­bels­tem Pidgin-Eng­lisch irgend­wel­che nicht iden­ti­fi­zier­ba­ren Wor­te zu ihrer scha­len Alle-Mei­ne-Ent­chen-Melo­die. So viel Harm­lo­sig­keit, so viel Bie­der­sinn, so viel rück­wärts­ge­wand­tes Hei­le-Welt-Eia­po­peia strahl­te die­ser Auf­tritt aus, dass sich selbst die keim­frei­es­te däni­sche Euro­vi­si­ons­num­mer dage­gen aus­nimmt wie ein Fle­der­maus­köp­fe abbei­ßen­der Ozzy Osbourne. Was ist nur aus dem Land gewor­den, das uns einst gran­di­os rot­zi­ge Per­len wie ‘Euro Neu­ro’ und ‘Igran­ka’ schenk­te?

Der Preis für das här­tes­te Over­ac­ting des Jah­res geht zwei­fels­frei an die Blon­di­ne rechts neben dem Schön­ling: der Mon­te­vi­zi­ja-Auf­tritt.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 30 – Hea­ven

Rank & File 2019: Platz 31 – Wake up

Das Inter­es­se am, wie immer, wenn das wal­lo­ni­sche Fern­se­hen damit an der Rei­he ist, intern aus­ge­wähl­ten Bei­trag Bel­gi­ens ver­lor ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen bereits ganz zu Beginn des Pro­zes­ses, im Janu­ar 2019, als RTBF zwar den Namen des The-Voice-Vor­run­den­aus­schei­ders Eli­ot Vas­sa­mil­let bekannt­gab, alle zwei You­tube-Vide­os mit sei­nen bis­he­ri­gen Auf­trit­ten aber sper­ren ließ. Seit­her steht für mich fest, dass ich Bel­gi­en 2019 has­se; kom­me da, was wol­le. In sol­chen Din­gen bin ich nach­tra­gend.

Platz 31: Bel­gi­en – Eli­ot Vas­sa­mil­let: Wake up (Wach auf)

Dan­kens­wer­ter­wei­se spiel­te mir der erst Ende Febru­ar 2019 vor­ge­stell­te Bei­trag in Sachen mei­ner Vor­ein­ge­nom­men­heit in die Hän­de: wie so vie­le aktu­el­le Pop­songs weckt ‘Wake up’ in den druck­voll-elek­tro­ni­schen Stro­phen die Erwar­tun­gen auf etwas rich­tig Gutes, um sie dann im Refrain auf das Bit­ters­te zu ent­täusch­ten. Eine har­te Voll­brem­sung legt der bel­gi­sche Bei­trag da näm­lich hin, sowohl was das voll­stän­dig her­aus­ge­nom­me­ne Tem­po angeht, als auch im Hin­blick auf die musi­ka­li­sche Fines­se. Rich­tig plump wirkt der Kehr­reim im Ver­gleich zu den auf ihn hin­füh­ren­den Tei­len des Lie­des. Dass der etwas sprö­de aus­se­hen­de, blut­jun­ge Bläss­ling Eli­ot uns dazu noch hun­dert­mal gehör­te Text­kli­schees auf­zählt, run­det das Bild ab und kata­pul­tiert das wal­lo­ni­sche Chan­son zu Recht an die obe­re Spit­ze der Kate­go­rie mei­ner dies­jäh­ri­gen Hass­lie­der. Gera­de noch mal Glück gehabt!

Die­sen Licht­strei­fen auf den Augen gab es zuletzt aber auch in den Acht­zi­gern, oder? Eli­ots Video­clip.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 31 – Wake up

Rank & File 2019: Platz 32 – Bet­ter Love

Lan­ge rät­sel­te ich, was mich eigent­lich im Spe­zi­el­len so sehr gegen den intern aus­ge­wähl­ten grie­chi­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 auf­bringt, dass er auf mei­ner Hass­lie­der­lis­te lan­det. Der Song selbst löst näm­lich allen­falls ein müdes Schul­ter­zu­cken aus.

Platz 32: Grie­chen­land – Kate­ri­na Dus­ka: Bet­ter Love (Bes­se­re Lie­be)

Ohne erkenn­ba­re Rich­tung, ohne nen­nens­wer­ten Refrain und ohne erkenn­ba­ren Wär­me­im­puls läuft das elek­tro­nisch auf­ge­motz­te Musik­bett vor sich hin: kann man sich anhö­ren, ohne schrei­end weg­ren­nen zu wol­len, packt einen aber auch an kei­ner Stel­le. Klas­si­sches Hin­ter­grund­ge­du­del also, mehr will ‘Bet­ter Love’ offen­sicht­lich gar nicht sein. Und befin­det sich damit letzt­lich in guter Gesell­schaft mit zir­ka 90% aller zeit­ge­nös­si­schen, Strea­ming­dienst-opti­mier­ten Pop­mu­sik. Was also irri­tiert an die­sem eigent­lich ega­len Lied so inten­siv? Es sind gleich zwei Ele­men­te. Da ist zum einen die Stim­me der Inter­pre­tin: Kate­ri­na Dus­ka hat die­ses unan­ge­neh­me Zie­gen­tim­bre, gewis­ser­ma­ßen die akus­ti­sche Vari­an­te des ste­chen­den Geruchs, den die­se auf siche­re Ent­fer­nung ganz put­zi­gen Tie­re abson­dern und das allen­falls wirk­lich gro­ße Künst­le­rin­nen wie Amy Wine­house in etwas Hör­ba­res ver­wan­deln kön­nen. Die gebür­ti­ge Kana­die­rin Dus­ka kann der viel zu früh ver­stor­be­nen ‘Rehab’-Legen­de jedoch nicht das Was­ser rei­chen: bei ihr nervt es ein­fach nur. Als viel ent­schei­den­der aber erweist sich eine vom Rezen­sen­ten zunächst völ­lig über­se­he­ne Text­stel­le, die jedoch von der ers­ten Sekun­de an den zwar unbe­wuss­ten, den­noch erbit­ter­ten Wider­stand aus­lös­te: “No Pain, no Gain” näm­lich, das Man­tra aller Leis­tungs­sport­ler, das ich als Ver­fech­ter des Rechts auf Faul­heit aus tiefs­tem Inne­ren ableh­ne.

Stim­mig: alle Prot­ago­nis­tin­nen in Kate­ri­nas Video­clip wir­ken zu Tode gelang­weilt.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 32 – Bet­ter Love