Zwei­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2010: die Über­sicht

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 2)
© EBU, NRK

Auch wenn der Ukrai­ne nur weni­ge Stun­den vor Annah­me­schluss ihr Bei­trag abhan­den kam – mitt­ler­wei­le ste­hen nun alle Songs für Oslo und die Start­rei­hen­fol­ge fest. Anlass genug für einen Kurz­über­blick mit Kom­men­tar, aufrechtgehn.de-Wertung und mei­ner Ein­schät­zung hin­sicht­lich der Chan­cen aufs Fina­le. Wie immer ste­hen sich im zwei­ten Semi am Don­ners­tag die Euro­vi­si­ons­schwer­ge­wich­te gegen­über, aber auch die kras­se­ren Fehl­grif­fe. Wobei der Trend ins­ge­samt zu eher auf das eige­ne Land denn auf die euro­päi­schen Zuschau­er gemünz­ten Eth­no­folk­bei­trä­gen geht. Ob man dabei in die Nie­de­run­gen der Neun­zi­ger zurück­reist wie Irland oder gleich in die tiefs­ten Sieb­zi­ger wie die Nie­der­lan­de, hängt jeweils davon ab, wann das betref­fen­de Land sei­ne Euro­vi­si­ons­blü­te­zeit hat­te. Sicher ist nur: Zeit­ge­mä­ßes sucht man in den dies­jäh­ri­gen Vor­run­den ver­ge­bens, dafür sind 2010 die Big Four zustän­dig.

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Ers­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2010: die Über­sicht

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 1)
© EBU, NRK

So, nun ste­hen alle Bei­trä­ge für Oslo und die Start­rei­hen­fol­ge fest. Anlass genug für einen Über­blick mit allen Vide­os, Kurz­kom­men­ta­ren, aufrechtgehn.de-Wertung und mei­ner Ein­schät­zung hin­sicht­lich der Final­chan­cen. Wie jedes­mal seit der Auf­tei­lung auf zwei Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den ver­sam­meln sich im ers­ten Semi die schwä­che­ren Titel (das scheint eine neue, den­noch eher­ne Euro­vi­si­ons­re­gel). Es fällt tat­säch­lich schwer, aus der Ansamm­lung fast aus­schließ­lich schnarch­na­si­ger Depres­si­ons­lie­der, bei denen man sich schon glü­hen­de Ziga­ret­ten ins Fleisch drü­cken muss, um wach zu blei­ben, gan­ze zehn her­aus­zu­fil­tern, die ins Fina­le ein­zie­hen sol­len (eher: müs­sen).

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Fina­le 2010: die Über­sicht

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Finale)
© EBU / NRK

Seit Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den exis­tiert das Phä­no­men, dass die so genann­ten Big Four, die vier auf­grund ihrer Finanz- und poten­ti­el­len Zuschau­er­stär­ke stets fest fürs Fina­le gesetz­ten Län­der Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Spa­ni­en und Deutsch­land in der Punk­teaus­zäh­lung fast immer geschlos­sen die letz­ten Plät­ze bele­gen. Nach ers­ten Aus­brü­chen Frank­reichs und Eng­lands aus dem Grand-Prix-Kel­ler letz­tes Jahr (unter Zuhil­fe­nah­me gro­ßer Namen) könn­te sich das Blatt die­ses Jahr wen­den. Denn Tei­le der Gro­ßen Vier bie­ten – so ziem­lich als Ein­zi­ge – zeit­ge­nös­si­schen Pop in einem Umfeld lah­mer, auf die Jury­vo­te zie­len­der Schnarch­bal­la­den und obsku­rem, eher auf natio­na­le Geschmä­cker set­zen­dem Folk. Selbst einen deut­schen Sieg hal­te ich, wenn­gleich äußerst unwahr­schein­lich, dies­mal nicht für von Vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen.

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Frank­reich 2010: Genera­ti­on d’Amour

Es ist ein Tabu­bruch, den Frank­reich da betreibt. Wohl immer noch (zu Recht) brüs­kiert über das indis­ku­ta­bel mise­ra­ble Abschnei­den ihres sin­gen­den Natio­nal­hei­lig­tums Patri­cia Kaas in Mos­kau, beschloss die einst­mals so stol­ze Grand-Prix-Nati­on, den Wett­be­werb in die­sem Jahr erst gar nicht mehr ernst zu neh­men, son­dern als Cross-Pro­mo­ti­on-Büh­ne zu miss­brau­chen. “Fran­ce Télé­vi­si­on will den Con­test nicht gewin­nen, son­dern einen Som­mer­hit erzie­len”, mit die­sen Wor­ten kom­men­tier­te ein fran­zö­si­scher Jour­na­list die im Febru­ar bekannt gewor­de­ne Ent­schei­dung des Sen­ders, die Erken­nungs­me­lo­die der in Süd­afri­ka statt­fin­den­den Fuß­ball-WM (!) zum Song Con­test ein­zu­rei­chen. Und damit eine der still­schwei­gen­den Über­ein­künf­te des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son auf­zu­kün­di­gen, der ja einst­mals extra aus der Tau­fe geho­ben wur­de, damit Men­schen mit Fein­ge­fühl und Sinn für Ästhe­tik ihre eige­ne, jähr­li­che Euro­pa­meis­ter­schaft bekom­men, die nichts mit sinn­lo­sem Gebol­ze, Blut­grät­schen und Bier sau­fen­den, grö­len­den Mas­sen zu tun hat.


Auf der Bacar­di-Insel: der Jes­sy

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Bela­rus 2010: Dein Flüs­tern ver­spricht Licht

Eine lus­ti­ge Dik­ta­tur, die­ses Weiß­russ­land! Seit ihrer Erst­teil­nah­me 2004 ver­lau­fen ihre Vor­ent­schei­dun­gen jedes­mal anders, aber immer gleich chao­tisch. Sei­en es Publi­kums­vo­ten, die ledig­lich als unver­bind­li­che Emp­feh­lung für Ent­schei­dung der Fach­ju­ry gel­ten, sei es Wirr­warr um die Zustän­dig­kei­ten: sicher ist zumeist nur, dass der bela­rus­si­sche Ver­tre­ter am Ende mit einem völ­lig ande­ren Lied zum Grand Prix fährt, als das, mit dem er ursprüng­lich antrat. So auch dies­mal.


Oops, they did it again

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Satel­li­te: das Musik­vi­deo

Ist zwar mitt­ler­wei­le ein alter Hut, den­noch woll­te ich es zumin­dest nach­rei­chen: das sen­sa­tio­nel­ler­wei­se in der ARD vor der Tages­schau erst­mals aus­ge­strahl­te “offi­zi­el­le Musik­vi­deo” des deut­schen Bei­trags.


Schlicht und ein­fach Lena 

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Aser­bai­dschan 2010: Rain­drops keep fal­lin’ on my Head

Nach eini­gem Hin und Her steht es nun fest: ‘Drip Drop’ ist der Song, den Saf­u­ra Əliz­adə in Oslo zu Gehör brin­gen wird. Vor­aus­ge­gan­gen war ein für das kor­rup­te Erd­öl­land Aser­bai­dschan typi­sches, zähes Aus­wahl­ver­fah­ren mit einer Jury vol­ler hoch­ran­gi­ger (oder finanz­star­ker) Appa­rat­schiks, in der Anfang März die Ent­schei­dung auf das ver­un­si­cher­te, über­agie­ren­de Mädel fiel, das in kei­ner DSDS-Aus­wahl­run­de fehl am Plat­ze wäre und – natür­lich! – auch im eige­nen Lan­de durch eine Cas­ting­show Berühmt­heit erlang­te. Sie (bzw. ihr Bak­schisch­bün­del) setz­te sich gegen zwei Mit­be­wer­ber durch und durf­te drei Songs prä­sen­tie­ren, ohne dass zunächst eine Ent­schei­dung gefal­len wäre, wel­cher es denn nun sein soll.


Drop­pen und drip­pen wie die Super­hip­pen: Saf­u­ras gött­li­che Tän­zer

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Isra­el 2010: Kon­tra, re und dann zur Kas­se

Der Auf-die-Fol­ter-Spann-Preis für den längs­ten Zeit­raum zwi­schen der Nomi­nie­rung des Ver­tre­ters für Oslo und der Bekannt­ga­be des Songs geht (mit Bron­ze- und Sil­ber­me­dail­len für die Tür­kei und Bos­ni­en) in die­sem Jahr an Isra­el. Bereits im Dezem­ber stand der ganz zufäl­li­ger Wei­se hun­dert­pro­zen­tig ins Alex­an­der-Schnu­cke­li­ges-Büb­chen-Rybak-Sche­ma pas­sen­de Sän­ger­kna­be Harel Ska’at als Inter­pret fest, nach­dem sein anzüg­lich-lus­ti­ger Name schon Tage vor sei­ner Akkla­ma­ti­on durch die IBA im Inter­net die Run­de mach­te. Euro­vi­si­ons­ge­rüch­te stim­men eben immer. Dann pas­sier­te erst mal lan­ge Zeit nichts. Vor weni­gen Tagen stell­te der Sen­der dann die vier mög­li­chen Songs für Oslo ins Netz – und, oh Wun­der, sie klan­gen alle gleich.


Lässt mich kalt: das isrea­li­sche Büb­chen

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Bos­ni­en 2010: Ein biss­chen Son­ne, ein biss­chen Regen

Span­nend hat­te das bos­ni­sche Fern­se­hen es gemacht. Seit Janu­ar stand fest, dass der schnu­cke­li­ge Vukašin Bra­jić, Zwei­ter sowohl in der auf dem gesam­ten Bal­kan aus­ge­strahl­ten Cas­ting­show Ope­ra­ci­ji Tri­jumf als auch in der ser­bi­schen Vor­ent­schei­dung Beo­vi­zi­ja von 2009, mit dem Song ‘Mun­ja i Grom’ (‘Blitz und Don­ner’) in Oslo antritt. Die Vor­stel­lung des näm­li­chen Titels hob man sich indes geheim­nis­krä­me­risch bis heu­te auf. Auch in der knapp zwei­stün­di­gen Prä­sen­ta­ti­ons­show kam die Num­mer natür­lich ganz am Schluss, nach­dem zuvor der kom­plet­te Bal­kan und aus irgend­ei­nem Grund auch Irland dort sei­ne Bei­trä­ge vor­stel­len sowie Vukašin ein paar Cover­ver­sio­nen bekann­ter Hits sin­gen durf­te. Und irgend­wie wünsch­te man sich, die EBU könn­te hier aus­nahms­wei­se mal ein Auge zudrü­cken und ihn mit Rob­bie Wil­liams’ ‘Kids’ nach Oslo fah­ren las­sen.


Und dar­auf muss­ten wir jetzt zwei Mona­te lang war­ten? Ich will mein Geld zurück!

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Ser­bi­en 2010: Beam me up, Scot­tie

Und der Kras­si­mir-Avra­mov-Preis für den abge­fah­rens­ten Showun­fall beim Grand Prix geht 2010 an (Trom­mel­wir­bel): Ser­bi­en! Die schi­cken Spocks lan­ge ver­schol­le­nen, trans­se­xu­el­len jün­ge­ren Zwil­lings­bru­der und das Land­frau­en­bal­lett!


Spucki & die fide­len Bäue­rin­nen

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