Hurts für Groß­bri­tan­ni­en?

Der groß­ar­ti­ge bri­ti­sche Inter­net­klatsch­blog popbitch.com stellt die­se Woche eine neue bri­ti­sche Band vor, die wir even­tu­ell in Oslo wie­der­se­hen könn­ten. Hurts sind zwei Jungs aus Man­ches­ter, die sich in der War­te­schlan­ge vor einem Nacht­club ken­nen­lern­ten, wäh­rend Bekann­te von ihnen in eine Schlä­ge­rei gerie­ten. Sie machen eine Art von Wave, ihren Look beschreibt popbitch.com als “bei­na­he teu­to­nisch” (kein Wun­der, das Video zu ihrer ers­ten Sin­gle ‘Won­der­ful Life’ erin­nert denn auch ziem­lich stark an Kraft­werk.) Dem Blog zufol­ge hät­ten sich Hurts in ihrem Plat­ten­ver­trag eine Extra­klau­sel aus­be­dun­gen, die es ihnen erlau­be, beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2010 auf­zu­tre­ten. Und ich wür­de sie dort ger­ne sehen!


Nicht auf­ge­ben!

Ab 2010: Jurys jetzt auch im Semi

Sind das noch die Spät­fol­gen von BSE oder schon die ers­ten Vor­zei­chen der Schwei­ne­grip­pe? In einem Spit­zen­akt der Gehirn­er­wei­chung beschloss bereits letz­te Woche die Refe­rence Group, das Len­kungs­or­gan der EBU zum Euro­vi­si­on Song Con­test, den in die­sem Jahr erst­mals beim Fina­le ein­ge­führ­ten Jury-Tele­vo­ting-Mix ab 2010 auch auf die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den anzu­wen­den. Grund sei der “über­wäl­ti­gen­de Zuspruch”, den das neue Sys­tem bei Jour­na­lis­ten, Musi­kern und Fans erfah­ren habe. Ab die­ser Sai­son dür­fen die orga­ni­sier­ten Kor­rup­ti­ons­ele­men­te, die sich nach Gut­dün­ken der natio­na­len TV-Anstal­ten aus soge­nann­ten “Musik­ex­per­ten” (wie bei­spiels­wei­se Tobi Kün­zel von den Prin­zen oder H.P. Baxx­ter von Scoo­ter) zusam­men­set­zen, also auch in den Semis zu 50% mit­be­stim­men und die Ent­schei­dung der Zuschau­er ent­wer­ten. Mit ande­ren Wor­ten: der per­sön­li­che Musik­ge­schmack einer Jea­net­te Bie­der­mann (auch sie 2009 Teil der deut­schen “Exper­ten­ju­ry”) zählt genau so viel wie 200.000 Zuschau­er­stim­men. Wer bei die­ser Kon­stel­la­ti­on über­haupt noch anruft, muss wirk­lich mit dem Klam­mer­beu­tel gepu­dert sein!


Der Fisch stinkt vom Kopf her! HP Baxx­ter ent­schei­det zu 10% über die deut­schen Punk­te

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Ab 2010: durch­gän­gig geöff­ne­tes Tele­vo­ting

Krea­ti­ves Kri­sen­ma­nage­ment: kaum bre­chen der EBU infol­ge der Finanz­kri­se die mit­mach- (und zahlungs-)willigen Teil­neh­mer­län­der weg, besinnt sich die Refe­rence Group auf eine ver­läss­li­che­re Ein­nah­me­quel­le: die Zuschau­er! Die dür­fen näm­lich ab die­sem Jahr­gang bereits ab dem ers­ten Song des Abends anru­fen. Damit ver­län­gert sich die Zeit­span­ne, in wel­cher die Tele­fon­ge­büh­ren flie­ßen, von bis­lang 15 auf zir­ka 90 Minu­ten. Cle­ver, oder? Aber auch in Deutsch­land übt man sich im Stre­cken: weil man “noch mehr Talen­te sehen” wol­le (lies: die bis­he­ri­gen wohl nicht so über­zeug­ten), schie­ben die ARD und Raab ein wei­te­res Cas­ting am nächs­ten Wochen­en­de ein.


Hör auf Abba und häng Dich an den Appa­rat!

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Unser Star für Oslo: ARD stellt Vor­ent­schei­dungs­kon­zept vor

Ein klei­ner Schritt für das Fern­se­hen, aber ein gro­ßer für den Euro­vi­si­on Song Con­test”, so bezeich­ne­te der ARD-Unter­hal­tungs­ko­or­di­na­tor Tho­mas Schrei­ber heu­te die Zusam­men­ar­beit mit Pro­Sie­ben bei der kom­men­den deut­schen Vor­ent­schei­dung für den Euro­vi­si­on Song Con­test in Oslo. Und auch Ste­fan Raab hielt sich mit Pathos nicht zurück auf der gemein­sa­men, gleich­zei­tig auf Phoe­nix und N24 über­tra­ge­nen Pres­se­kon­fe­renz: “Eine natio­na­le Auf­ga­be von his­to­ri­scher Trag­wei­te” sei es, die der von sei­ner Sen­der-Unter­hal­tungs­chefin als “Ret­ter des Grand Prix” Geprie­se­ne gemein­sam mit dem Ers­ten und den ARD-Pop­ra­dio­wel­len in Angriff neh­me. Mit der acht­tei­li­gen Cas­ting­show wol­le man, so Raab, die Zuschau­er wie­der “eupho­ri­sie­ren”. Nicht ganz so hoch griff er bei der Ran­king­meß­lat­te: ein Platz unter den ers­ten Zehn in Oslo sei “schön”.


Bis zur Hei­lig­spre­chung kann es nicht mehr weit sein: Raab ret­tet das Vater­land

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Vor­ent­scheid 2010: Ste­fan sucht den Super Grand Prix Star

Nun also doch! Nach dem das Tisch­tuch zwi­schen Pro-Sie­ben-Aus­hän­ge­schild Ste­fan Raab und der ARD bereits zer­schnit­ten schien und der Kom­po­nist solch pro­fun­der Bei­trä­ge wie ‘Wad­de had­de dud­de da’ (DE 2000) öffent­lich­keits­wirk­sam die Flin­te ins Korn warf, konn­te man sich mit zwei­mo­na­ti­ger Ver­spä­tung nun doch noch auf das ursprüng­lich aus­ge­dach­te Kon­zept zur Ret­tung der deut­schen Euro­vi­si­ons­eh­re eini­gen. Wie der NDR heu­te Mit­tag bekannt gab, will man die deut­sche Vor­ent­schei­dung 2010 extrem breit auf­stel­len und sowohl die ARD-Radio­wel­len als auch Ste­fans Hei­mat­sen­der Pro­Sie­ben mit ein­be­zie­hen. Die Suche nach einem eta­blier­ten Künst­ler hat man – wohl nicht zuletzt auf­grund der Bla­ma­gen mit den No Angels (DE 2008) und Alex C. (DE 2009) – auf­ge­ge­ben, nun soll es ein auf­stre­ben­des Nach­wuchs­ta­lent rich­ten. Dabei fun­giert Raabs viel­fach gelob­tes For­mat SSDS­GPS, aus dem 2004 Max Mutz­ke (Platz 8 in Istan­bul) her­vor­ging, als Blau­pau­se – dem­entspre­chend über­nimmt Ste­fan den Jury­vor­sitz, die Ent­schei­dung aber obliegt den Fern­seh­zu­schau­ern. Tho­mas Schrei­ber, ARD-Koor­di­na­tor Unter­hal­tung, zur nicht mehr für mög­lich gehal­te­nen Ret­tung sei­nes For­mat­kin­des aus dem ARD-Gre­mi­en-Brun­nen: “Bin ich froh, dass das klappt: eine gute Idee ist eine gute Idee”. Wohl wahr!


Den Kom­men­tar über­las­sen wir His Raab­ness him­s­elf

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Vor­ent­schei­dung: Ste­fan Raab gibt der ARD einen Korb

Föde­ra­lis­mus als Fort­schritts­brem­se: nach tage­lan­gem Hick­hack um eine mög­li­che Zusam­men­ar­beit der ARD mit Pro Sie­ben beim deut­schen Grand-Prix-Vor­ent­scheid 2010 erteil­te der Enter­tai­ner Ste­fan Raab jetzt der Anstalt eine Absa­ge. “Die Ent­schei­dungs­we­ge in der ARD sind der­art kom­pli­ziert, dass sie mit unse­rer Arbeits­wei­se nicht ver­ein­bar sind,” zitiert DWDL vor­ab aus einem Inter­view, dass im neu­en Spie­gel erscheint. Eine schal­len­de Ohr­fei­ge für die reform­un­fä­hi­ge ARD, zumal nach Aus­sa­ge Raabs der NDR auf ihn zuge­kom­men sei und um Hil­fe gebe­ten habe. “Wir haben ein schlüs­si­ges Gesamt­kon­zept vor­ge­legt”, so Raab im Spie­gel. Diess aber nun zer­pflück­ten die Unter­hal­tungs­chefs und Inten­dan­ten der regio­na­len ARD-Anstal­ten, die sich mal wie­der über das gro­ße Gan­ze nicht eini­gen konn­ten, und dran­gen auf “Nach­bes­se­run­gen”. Ges­tern noch ver­laut­bar­te eine Spre­che­rin des Ers­ten, eine Zusam­men­ar­beit mit Raab sei “reiz­voll”. Damit ist die Bla­ma­ge für den öffent­lich-recht­li­chen Sen­der kom­plett.


Um’s mal mit den Fin­nen zu sagen!

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Neue Vor­ent­schei­dung 2010: SSDS­GPS rel­oa­ded?

Die ARD plant nach ver­schie­de­nen Medi­en­be­rich­ten für das kom­men­de Jahr offen­bar eine mehr­tei­li­ge, abwech­selnd auf Pro Sie­ben und im Ers­ten aus­zu­strah­len­de Cas­ting­show als Vor­ent­schei­dungs­for­mat für den deut­schen Bei­trag. Spe­ku­la­tio­nen gibt es über eine mög­li­che (nahe­lie­gen­de) Betei­li­gung von Ste­fan Raab, des­sen 2004 spon­tan aus dem Boden gestampf­te Show SSDS­GPS (Ste­fan sucht den Super-Grand-Prix-Star) als Sprung­brett für den dama­li­gen deut­schen Ver­tre­ter Max Mutz­ke (Platz 8 in Istan­bul) dien­te. Ein­zel­hei­ten über das schon seit län­ge­rer Zeit geplan­te For­mat will man am Diens­tag in einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt geben. Außer­dem sol­len die Radio­wel­len der ARD stär­ker in die Euro­vi­si­ons­dis­zi­plin ein­ge­bun­den wer­den. Der deut­sche Bei­trag sei eine “natio­na­le Auf­ga­be”, so Unter­hal­tungs­chef Tho­mas Schrei­ber. Eine für Diens­tag geplan­te Pres­se­kon­fe­renz wur­de unter­des­sen abge­sagt, augen­schein­lich herrscht inner­halb des Sen­der­ver­bun­des mal wie­der Unei­nig­keit oder Hasen­fü­ßig­keit.


Kann Raab noch mal so einen Schatz heben?

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FI 1965: Gib mir ‘nen Kerl

111 Ein­sen­dun­gen hat­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE im Jah­re 1965 von hei­mi­schen Komponist/innen für die Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta erhal­ten. Zehn Titel such­te YLE her­aus, um sie in den Wochen vor dem Semi­fi­na­le des Grand-Prix-Vor­ent­scheids mehr­fach im Radio zu spie­len. Per Post­kar­ten­ab­stim­mung bestimm­ten die Zuhörer/innen hier­aus ihre sechs Lieb­lings­lie­der für die End­run­de in Hel­sin­ki. Auf der Stre­cke blieb unter ande­rem ein Bei­trag namens ‘Pava­ne itke­väl­le nei­dol­le’, was die unglaub­lich schwei­ni­sche kali­for­ni­sche Inter­net-Such­ma­schi­ne Goog­le mit ‘Piss auf eine klei­ne Mut­ter’ über­setzt (wirk­lich, ich denk mir das nicht aus!), was aber tat­säch­lich wohl einen ‘Tanz für ein wei­nen­des Mäd­chen’ meint. Kein Wun­der: wer heul­te da nicht, wenn irgend­ein wild­frem­der Wüst­ling die eige­ne Amme anpin­kelt! Auch die Schwe­din Caro­la schei­ter­te im Semi­fi­na­le – und wer jetzt kurz vor dem euro­vi­sio­nä­ren Herz­kas­per steht, den kann ich beru­hi­gen: nicht von der umstrit­te­nen Fan-Iko­ne Caro­la Hägg­kvist (→ SE 1983, 1991, 2006) ist hier die Rede, son­dern von Caro­la Stan­dertsk­jöld, einer in Finn­land gebo­re­nen Jazz- und Chan­son­le­gen­de mit schwe­di­schen Wur­zeln, die mit der vom Vor­jah­res­ver­tre­ter Las­se Mår­ten­son geschrie­be­nen Auf­for­de­rung ‘Ge mig en Grabb’ (‘Gib mir ‘nen Kerl’) antrat. Da schlie­ßen wir uns doch nur zu ger­ne an! Das in den Jugend­jah­ren in der Schweiz auf­ge­wach­se­ne, fünf­spra­chi­ge Mul­ti­ta­lent, das zeit­wei­lig mit dem Hazy Oster­wald Sex­tett (‘Kri­mi­nal­tan­go’) tour­te und im Lau­fe ihrer hei­mi­schen Pop­kar­rie­re gleich drei Grand-Prix-Sie­ger­ti­tel cover­te, nahm im glei­chen Jahr sogar einen deut­schen Schla­ger auf. ‘War­um willst Du das alles ver­ges­sen?’ erwies sich jedoch als düs­te­res Omen für Caro­la: 1985 dia­gnos­ti­zier­ten die Ärz­te bei ihr eine Alz­hei­mer-Erkran­kung, an der sie 1997 im Alter von nur 56 Jah­ren starb.

Wohin die Wind­ma­schi­ne sie weht: die fin­ni­sche Schla­ger­le­gen­de Kat­ri Hele­na bei ihrem stür­mi­schen Start ins Musik­ge­schäft.

Gerüch­te­wei­se hieß es, die damals erst neun­zehn­jäh­ri­ge und uns im Lau­fe der nächs­ten Jahr­zehn­te (!) noch mehr­fach in Grand-Prix-Zusam­men­hän­gen begeg­nen­de Kat­ri Hele­na Kalao­ja (→ FI 1979, 1993) habe die Post­kar­ten­ab­stim­mung der Radiohörer/innen mit ihrer nich­tig-flot­ten Pol­ka ‘Min­ne tuuli kul­jett­aa’ (‘Wohin der Wind mich führt’) gewon­nen. Das nütz­te ihr im Fina­le der Eurovi­isukar­sin­ta lei­der herz­lich wenig, den hier stimm­ten sowohl aus­ge­wähl­te Studiozuschauer/innen aus allen zehn Regio­nen Finn­lands als auch eine “pro­fes­sio­nel­le” Jury gleich­be­rech­tigt ab. Und die setz­ten Kat­ri ledig­lich auf den kom­bi­nier­ten drit­ten Rang. Über den Sie­ger des Abends bestand zwi­schen bei­den Frak­tio­nen kei­ne Einig­keit: das wie stets in sol­chen Din­gen geschmacks­si­che­re und ado­rie­rens­wert klu­ge Volk bevor­zug­te ein wei­te­res Werk Las­se Mår­ten­sons: das ele­gan­te ‘Iltaisin’ (‘Am Abend’), eine musi­ka­lisch auf char­man­te Wei­se ver­spiel­te, unglaub­lich viel­schich­ti­ge Jazz-Bal­la­de, die völ­lig mühe­los und ohne sich selbst dabei zu ver­lie­ren zwi­schen bei­na­he iro­ni­scher Hei­ter­keit und zutiefst melan­cho­li­schen Zwi­schen­tö­nen mäan­der­te, und die der Kom­po­nist im Anschluss an die Sen­dung als gemein­sa­mes Duett mit der Vor­ent­schei­dungs-Inter­pre­tin Mar­jat­ta Lep­pä­nen ver­öf­fent­lich­te. Eine ech­te Per­le, die auch im kom­bi­nier­ten Voting nach Punk­ten deut­lich führ­te und somit das Land eigent­lich hät­te ver­tre­ten müs­sen. Doch die Jury woll­te es anders.

Lei­der nur als Audio­fas­sung ver­füg­ba­re: der legi­ti­me Sie­ger­song die­ses Vor­ent­scheids, ‘Iltaisin’.

Denn die “Pro­fes­sio­nel­len” bevor­zug­ten den gebür­ti­gen Rus­sen und selbst­er­nann­ten “sin­gen­den Kosa­cken” Vik­tor Kle­men­ko mit sei­ner skur­ri­len, hook-frei­en und sehr fin­ni­schen Lie­bes­schmerz­bal­la­de ‘Aurinko las­kee län­te­en’ (‘Die Son­ne geht im Wes­ten unter’). Bei Unei­nig­keit, so woll­ten es die sei­ner­zeit gül­ti­gen YLE-Sta­tu­ten jedoch, lie­ge das fina­le Ver­dikt beim Sen­der. Der ließ sich eini­ge Tage Zeit zur Ent­schei­dungs­fin­dung, konn­te aber den­noch nicht den Mut auf­brin­gen, sich auf die Sei­te des Vol­kes zu schla­gen, und stimm­te statt­des­sen mit der Jury. Mög­li­cher­wei­se auch, um mal einem ande­ren Kom­po­nis­ten als Las­se Mår­ten­son den Weg auf die euro­päi­sche Büh­ne zu ebnen. Nicht unbe­dingt der klügs­te Ent­schluss, wie wir mitt­ler­wei­le wis­sen: denn obwohl der im spä­te­ren Leben nach einem reli­giö­sen Erleb­nis ins Fach der christ­li­chen Erwe­ckungs­mu­sik gewech­sel­te Vik­tor Kle­men­ko in Nea­pel mit einem beein­dru­cken­den Abra­ham-Lin­coln-Bart von sei­ner sowje­ti­schen Her­kunft abzu­len­ken such­te, lie­ßen sich die streng anti­kom­mu­nis­ti­schen Juro­ren beim euro­päi­schen Wett­sin­gen nicht täu­schen und schick­ten ihn mit → null Punk­ten wie­der nach Hau­se. Ein unfai­res Ver­dikt gewiss, doch kei­nes­falls gemei­ner als die Bevor­zu­gung Kli­men­kos durch den hei­mi­schen Sen­der gegen­über der eigent­li­chen Vor­ent­schei­dungs­sie­ge­rin Mar­jat­ta Lep­pä­nen. Kar­ma is a Bitch!

Oder waren es die schwar­zen Pai­let­ten, die Vik­tors Ergeb­nis her­bei­führ­ten?

Um der Chro­nis­ten­pflicht (und dem pri­va­ten Ver­gnü­gen des Chro­nis­ten an der skur­ri­len Schön­heit fin­ni­scher Namen) Genü­ge zu tun, soll jedoch noch von einem Mann berich­tet wer­den, der auf der Teil­neh­mer­lis­te des 1965er Eurovi­isukar­sin­ta gar nicht zu fin­den ist, und den den­noch so vie­les mit der Show ver­bin­det: Erk­ki Poh­jan­hei­mo heißt der jun­ge Mann, der ursprüng­lich vor­ge­se­hen war, von den magi­schen Trom­meln Lapp­lands zu berich­ten, den ‘Lapin taika­r­um­mut’. Dass beim Vor­ent­scheid an sei­ner Stel­le die in letz­ter Sekun­de ein­ge­sprun­ge­ne und weit­hin unbe­kann­te Sän­ge­rin Rit­va Mustonen eine, wie das Por­tal Viisukup­pi­la es in der Goog­le-Über­set­zung so form­voll­endet nennt, “mys­tisch wir­beln­de Inter­pre­ta­ti­on” des für fin­ni­sche Ver­hält­nis­se schon bei­na­he unver­ant­wort­lich ein­gän­gi­gen Titels zum Bes­ten gab (und damit abge­schla­gen auf dem fünf­ten Platz lan­de­te), dafür trug der Sen­der die Ver­ant­wor­tung: YLE hat­te näm­lich dem neben sei­ner Gesangs­kar­rie­re dort im Zweit­job als Kame­ra­mann täti­gen Erk­ki gera­de eine Fest­an­stel­lung als Unter­hal­tungs­chef (!) ange­tra­gen, in wel­cher Funk­ti­on er im Lau­fe der Jah­re auch mit der EBU zusam­men­ar­bei­ten soll­te. Zwi­schen 1973 und 1996, so weiß es Wiki­pe­dia, kom­men­tier­te Poh­ja­n­e­hei­mo für die fin­ni­schen Zuschauer/innen die Gescheh­nis­se beim Euro­vi­si­on Song Con­test, und 1981 mode­rier­te er dem hei­mi­schen Vor­ent­scheid. Eine gro­ße Grand-Prix-Fami­lie!

Ist das der Kerl, den Caro­la woll­te? Erk­ki wirkt jeden­falls, als sei er nicht ganz so brav, wie das Foto ver­mit­teln soll.

Vor­ent­scheid FI 1965

Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta. Sams­tag, 13. Febru­ar 1965, aus den YLE-Fern­seh­stu­di­os in Hel­sin­ki. Sechs Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Ant­ti Einiö + Mari­on Rung.
#Interpret/inTitelPunk­tePlatz
01Mar­jat­ta Lep­pä­nenIltaisin2101
02Eero & Jus­siTah­don saa­ren0846
03Rit­va MustonenLapin Taika­r­um­mut0935
04Vik­tor Kli­men­koAurinko las­kee län­te­en1952
05Kat­ri Hele­naMin­ne tuuli kul­jett­aa1863
06Kai LindMon Amie, mon Amour1334

YU 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen

Wie in der gesam­ten Anfangs­pha­se ist auch für das Jahr 1964 die Fak­ten­la­ge lei­der nicht beson­ders ertrag­reich, was die Jugo­vi­zi­ja angeht, den Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des damals noch unter Tito ver­ein­ten süd­sla­wi­schen Viel­völ­ker­staa­tes. Immer­hin ken­nen wir, und das ist bei der Jugo­vi­zi­ja der Sech­zi­ger­jah­re kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, die kom­plet­te Teil­neh­mer­lis­te inklu­si­ve der Lie­der. Doch das nützt nicht viel, fin­det sich doch bis auf die lieb­lich plin­kern­de Schnee­flo­cken­bal­la­de ‘Kakor bela Snežin­ka’ des slo­we­ni­schen Sän­gers Sta­ne Man­ci­ni (ob eine Ver­wandt­schaft zur 2012er Reprä­sen­tan­tin Han­nah Man­ci­ni besteht, ist mir lei­der nicht bekannt – vom Alter her könn­te Sta­ne ihr Groß­va­ter sein) und das offi­zi­el­le Sie­ger­lied kei­ner der acht Wett­be­werbs­bei­trä­ge im Netz. Kei­ne Spur also von ‘Fol­ge den Ster­nen’ der 1962er Grand-Prix-Teil­neh­me­rin Lola Nova­ko­vić, von ‘Ent­schei­de Dich’ des gefei­er­ten kroa­ti­schen Chan­son­niers und Poe­ten Arsen Dedić (†2015) oder von ‘Ihr ers­ter Tanz’ des welt­be­kann­ten Ivo Robic, der hier punk­te­frei aus­ging.

Wieg­te selbst Frau Hol­le in den Tief­schlaf: Herr Man­ci­ni.

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