Rank & File 2019: Platz 34 – Love is fore­ver

Alles ande­re als eine Plat­zie­rung noch inner­halb des Hass­lie­der­blocks gli­che einem Wun­der, wenn es um den däni­schen Bei­trag geht. Pro­du­ziert mein euro­vi­sio­nä­res Oh-I-love-to-hate-you-Land doch ver­läss­lich Jahr um Jahr einen uner­träg­lich seich­ten, ste­ri­len Grand-Prix-Song. Dass es unse­re nord­deut­schen Nach­barn dies­mal ver­hält­nis­mä­ßig hoch schaff­ten, liegt vor allem dar­an, dass der Melo­di Grand Prix 2019 nichts wirk­lich Erträg­li­che­res anzu­bie­ten hat­te außer dem Sie­ger­lied. Und dass die­ser Jahr­gang gera­de­zu birst vor noch viel furcht­ba­re­rer Kon­kur­renz.

Platz 34: Däne­mark – Leo­no­ra Jep­sen: Love is fore­ver (Lie­be ist für immer)

Erfol­ge fei­er­te Leo­n­a­ra bereits als Eis­kunst­läu­fe­rin, also in einer Sport­art, die sehr viel Dis­zi­plin erfor­dert. Und das merkt man der Zwan­zig­jäh­ri­gen an: ein biss­chen ver­bis­sen wirkt ihr Grin­sen, wenn sie sehr prä­sent, sehr ziel­stre­big in die Kame­ra blickt. So, wie das Men­schen oft zuei­gen ist, die glau­ben, etwas welt­be­we­gend Wich­ti­ges mit­zu­tei­len zu haben. Doch Leo­no­ras La-la-Lied­chen ver­fügt über eine sol­che Bot­schaft nicht: tau­send Mal gehör­te, hoh­le Kli­schees über die Lie­be trägt sie vor, von denen die titel­ge­ben­de Lüge das schlimms­te ist. Dazu plin­kert im Hin­ter­grund die Schor­len­ver­si­on des ent­setz­lichs­ten Höl­len­schla­gers aller Zei­ten, von Fools Gar­dens ‘Lemon Tree’ näm­lich. Dass man sich bei die­sem Pan­op­ti­kum des Grau­ens nicht augen­blick­lich ent­leibt, liegt vor allem an der sehr effek­ti­ven visu­el­len Ablen­kung durch die andert­halb Minu­ten durch­ge­hal­te­ne, schnitt­freie Kame­ra­fahrt und die put­zi­ge Kin­der­stuhl-Prä­sen­ta­ti­on. Und der span­nen­den Fra­ge, ob es Leo­no­ra bis zum Ende doch noch mal gelingt, für eine Sekun­de ein unge­küns­tel­tes Gesicht zu zie­hen. Ach­tung, Spoi­ler:

Es gelingt ihr nicht. Leo­no­ra beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

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Rank & File 2019: Platz 35 – Like it

Jedes Jahr aufs Neue schafft es der von Skan­da­len, Kor­rup­ti­on und offe­ner Jury-Mani­pu­la­ti­on gekenn­zeich­ne­te bela­rus­si­sche Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid, lei­dens­be­rei­te Con­nais­seu­re auf das Tra­shigs­te zu unter­hal­ten. Und fast immer schafft man es, am Ende einen wirk­lich furcht­ba­ren Bei­trag aus­zu­wäh­len. So auch dies­mal, wo die zwei­fa­che ehe­ma­li­ge Juni­or-ESC-Teil­neh­me­rin Zinai­da Kupri­ya­no­vich ali­as Zena bereits vor dem Start als Sie­ge­rin fest­stand.

Platz 35: Weiß­russ­land – Zena: Like it (Mag es)

Ken­nen Sie die­se furcht­bar anstren­gen­den, ner­vi­gen Men­schen, die abso­lut nichts Inter­es­san­tes zu berich­ten haben, sich aber selbst unglaub­lich ger­ne reden hören? Die­je­ni­gen, die Ihnen unge­fragt und in epi­scher, detail­ver­lieb­ter Brei­te ihre Krank­heits­ge­schich­te erzäh­len oder stun­den­lan­ge, hoch­ba­na­le Betrach­tun­gen zum The­ma “Wet­ter” abson­dern kön­nen? Und die dies in aller Regel ohne Punkt und Kom­ma tun, weil sie sehr genau wis­sen, dass ihr Gegen­über jede noch so kur­ze Atem- oder Gesprächs­pau­se nut­zen könn­te, um unter einem belie­bi­gen Vor­wand eilends das Wei­te zu suchen? Nun, Zenas ‘Like it’ ist das lied­ge­wor­de­ne Äqui­va­lent dazu. Die selbst­be­wuss­te Sech­zehn­jäh­ri­ge kleis­tert prak­tisch jede Sekun­de ihres Songs mit Wort­brei zu, und dass man ihr durch­fall­ar­ti­ges Ost­block-Eng­lisch vor lau­ter Nuscheln kaum ver­steht, erweist sich bei nähe­rer Lyrik­be­trach­tung als Got­tes­ge­schenk: sie habe wohl ver­ges­sen, wie man das Han­dy aus­schal­tet, teilt sie uns gleich zu Beginn mit. Offen­sicht­lich set­zen sich die rest­li­chen Zei­len denn auch aus den Wort­vor­schlä­gen des Text­ein­ga­be­as­sis­ten­ten zusam­men. Immer­hin macht Zena ihre Sache sehr strin­gent: auch die Musik klingt wie aus tau­send GEMA-frei­en Bau­stei­nen mit der Heiß­klebe­pis­to­le zusam­men­ge­fügt und führt nir­gend­wo hin, das aber mit aller Kon­se­quenz.

Schön tan­zen kann sie: Zena beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

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Rank & File 2019: Platz 36 – Sis­ter

Patrio­tisch gestimm­te Leser/innen die­ses Blogs müs­sen nun sehr tap­fer sein oder soll­ten bei Nei­gung zu Blut­hoch­druck viel­leicht lie­ber woan­ders wei­ter­le­sen, denn bei dem vater­lands­lo­sen Gesel­len von aufrechtgehn.de hat es der deut­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag mal wie­der nur in die unters­ten Rän­ge des Ran­kings geschafft.

Platz 36: Deutsch­land – Sis­ters: Sis­ter (Schwes­ter)

Fai­rer­wei­se soll gleich gesagt sein: dafür kön­nen die bei­den vom NDR für das in der Schweiz ein­ge­kauf­te und nach­träg­lich ins Star­ter­feld gehiev­te Lied eigens gecas­te­ten Inter­pre­tin­nen noch am Wenigs­ten. Vor allem die dun­kel­haa­ri­ge Lau­ra Käs­tel trug ihre jün­ge­re und beim Vor­ent­scheid noch etwas auf­ge­regt wir­ken­de Kol­le­gin Car­lot­ta Tru­man mit sanf­ter, aber bestimm­ter Hand durch den gemein­sa­men Auf­tritt und unter­strich, auch durch den stim­mi­gen Har­mo­nie­ge­sang, damit die text­li­che Bot­schaft der Schwes­ter­lich­keit. Das aber kann die Retor­ten­haf­tig­keit des Bei­trags lei­der nicht über­de­cken. Micha­el Schul­tes eds­heera­nes­ke Bal­la­de zün­de­te im Vor­jahr auch des­we­gen so stark, weil er eine sehr per­sön­li­che Geschich­te sehr glaub­haft erzähl­te und die Her­zen der Zuschauer/innen (und Juror/innen) damit erreich­te. Die­ser Fun­ke fehlt bei den Sis­ters, authen­tisch wirkt das Gan­ze auf mich nicht. Und ja, ich gebe es zu: ich bin noch immer ver­är­gert, weil wir bei Unser Lied für Isra­el mit Aly Ryan und lily among clouds gleich zwei aus­ge­spro­chen glaub­wür­di­ge Künst­le­rin­nen mit tol­len, auf­fäl­li­gen und auf ihre Art “kan­ti­gen” Songs im Wett­be­werb hat­ten, der NDR aber auf Bie­gen und Bre­chen noch die­se strom­li­ni­en­för­mi­ge Durch­schnitts­num­mer dabei haben woll­te, von der ich bis heu­te nicht begrei­fe, wie sie gewin­nen konn­te. Dass die Ham­bur­ger aus­ge­rech­net dafür das viel­ver­spre­chen­de neue Kon­zept gleich im zwei­ten Jahr fahr­läs­sig beschä­dig­ten und dass die Zuschauer/innen dies auch noch belohn­ten, bringt mich gegen unser Lied auf. Es gibt Men­schen, die kön­nen Grand-Prix-Bei­trä­ge los­ge­löst von ihrer Vor­ent­schei­dungs­ge­schich­te betrach­ten. Das fin­de ich toll. Ich gehö­re aber nicht dazu. Sor­ry, Sis­ters.

Und ja, für das “!” im Band­na­men gab es auch noch mal min­des­tens vier Plät­ze Abzug.

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Rank & File 2019: Platz 37 – Zero Gra­vi­ty

Erst­ma­lig pro­du­zier­te das seit 2015 jeweils auf “beson­de­re Ein­la­dung” der EBU am Euro­vi­si­on Song Con­test teil­neh­men­de Aus­tra­li­en in die­sem Jahr eine natio­na­le Vor­ent­schei­dung. Das auf­grund der Zeit­ver­schie­bung in unse­ren Brei­ten­gra­den sehr Fan-freund­lich am Sonn­tag­vor­mit­tag aus­ge­strahl­te Aus­tra­lia deci­des über­zeug­te aus dem Stand mit einer Fül­le fan­tas­ti­scher Songs und fabel­haf­ter Dar­bie­tun­gen. Und bestä­tig­te zugleich, dass der Sen­der SBS künf­tig bes­ser wie­der intern ent­schei­det: das Publi­kum und die Jury sorg­ten für einen der tiefs­ten Grif­fe ins Klo aller Zei­ten und Wel­ten.

Platz 37: Aus­tra­li­en – Kate Mil­ler-Heid­ke: Zero Gra­vi­ty (Null Schwer­kraft)

Wie die Künst­le­rin selbst erzähl­te, schrieb sie das Lied als Befrei­ungs­schlag gegen ihre post­na­ta­len Depres­sio­nen, die sie im ver­hält­nis­mä­ßig rudi­men­tä­ren Text unter ande­rem als “Stein im Schuh” und “Schloss ohne Schlüs­sel” adres­siert; ein erdrü­cken­des Gefühl der Schwe­re, das sie los­las­sen muss­te, um in eine beglü­cken­de Schwe­re­lo­sig­keit zu ent­schwe­ben. Die­se hei­lungs­be­ding­te Eupho­rie visua­li­sier­te sie beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt mit einem eis­prin­zes­si­nen­haf­ten, wol­ken­krat­z­er­ho­hen Tüll­kleid und einer hin­ter und über ihr frei umher­flie­gen­den Tän­ze­rin. So weit, so erquick­lich – han­del­te es sich bei ihrem Song nicht aus­ge­rech­net um die furcht­erre­gends­te aller musi­ka­li­scher Fol­ter­me­tho­den, die unter der Gen­fer Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ein­hel­lig und zu Recht geäch­te­te Pope­ra. Mei­nes Erach­tens Grund genug für die Nicht­ver­län­ge­rung der Down-Under-Dul­dung bei den euro­päi­schen Lied­fest­spie­len, ver­schärft noch um das Wis­sen, das man dafür unver­zeih­li­cher­wei­se die gran­dio­se Pop-Per­le ‘2000 and wha­te­ver’ des Duos Elec­tric Fields weg­warf. Schan­de über dich, Aus­tra­li­en!

Eine Tau­be kackt ihr schon mal nicht mehr auf den Kopf: Kate beim Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt.

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Rank & File 2019: Platz 38 – On a Sunday

Wenn zwei sich strei­ten, freut sich die Drit­te: die rumä­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 2019, Ester Peo­ny, erhielt im Tele­vo­ting der Vor­ent­schei­dung Sel­ecția Națio­nală gera­de mal 365 Anru­fe und damit weni­ger als ein Zwölf­tel (!) der Publi­kums­fa­vo­ri­tin Lau­ra Bre­tan. Doch die sechs­köp­fi­ge inter­na­tio­na­le Jury woll­te die erz­kon­ser­va­ti­ve Chris­ten­toch­ter gott­lob um jeden Preis ver­hin­dern und schau­fel­te in einem über­ra­schen­den Move Frau Crețu (wie das Peo­ny bür­ger­lich heißt) die Punk­te zu.

Platz 38: Rumä­ni­en – Ester Peo­ny: On a Sunday (An einem Sonn­tag)

Und so gesellt sich das Land der Kar­pa­ten in der aufrechtgehn.de-Wertung Seit’ an Seit’ mit dem nur einen Rang wei­ter unter plat­zier­ten Bru­der­staat Mol­da­wi­en. Wobei ‘On a Sunday’ für sich genom­men sogar eine Kate­go­rie höher spie­len könn­te, in der Abtei­lung “Ver­zicht­bar”. Der bol­le­ri­ge Mid­tem­po­song mit dem mage­ren “Hey hey hey”-Refrain klingt in der Stu­dio­fas­sung gut pro­du­ziert und löst zumin­dest kei­ne akti­ve ästhe­ti­sche Abwehr­re­ak­ti­on aus, fließt jedoch schlicht an mei­nen Ohren vor­bei, ohne sich irgend­wo fest­zu­ha­ken. Er wirkt kalt und ste­ril, frei von Emo­tio­nen und voll­kom­men zweck­los. Auch der Tren­nungs­schmerz-Text kommt ohne all zu vie­le kit­schi­ge Kli­schees aus, hin­ter­lässt jedoch kei­nen authen­ti­schen Ein­druck und klingt irgend­wie auf­ge­sagt. Der mit dra­ma­tisch düs­te­ren Bil­dern aus einer Burg­rui­ne auf­war­ten­de Video­clip beschwört Geis­ter, Wöl­fe und Fabel­we­sen, erzählt aber genau so wenig eine Geschich­te, die mich erreicht.

Am Mor­gen nach der Abriss­par­ty: der offi­zi­el­le Video­clip zu ‘On a Sunday’.

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Rank & File 2019: Platz 39 – Stay

Die Jury­fa­vo­ri­tin setz­te sich durch beim mol­da­wi­schen Vor­ent­scheid O Melo­di pen­tru Euro­pa, dank geziel­ten Down­vo­tings des Publi­kums­fa­vo­ri­ten Maxim Zavi­dia durch die Mani­pu­la­to­ren. Man­gels Mas­se hat­te der ver­an­stal­ten­de Sen­der zuvor bereits das ursprüng­lich geplan­te Semi­fi­na­le gestri­chen – kein gutes Zei­chen. Und so wun­dert es auch nicht, dass der Bei­trag aus Chișinău weit unten lan­det im aufrechtgehn.de-Ranking.

Platz 39: Mol­da­wi­en – Anna Odo­bes­cu: Stay (Bleib)

Eine jun­ge Dame fleht ihren tren­nungs­be­rei­ten Ste­cher an, nach der gemein­sa­men Lie­bes­nacht nicht gleich eiligst das Wei­te zu suchen. Doch wer könn­te es ihm ver­den­ken? Wahl­los zusam­men­ge­kleis­ter­te Text­kli­schees, in har­schem Ost­block-Eng­lisch laut her­aus­ge­bellt zu einer gefühlt bereits das drei­mil­li­ons­te Mal gehör­ten Grand-Prix-Patent-Bal­la­den-Melo­die: alles an ‘Stay’ ermü­det den geüb­ten Euro­vi­si­ons­fan unge­mein. Auch visu­ell: sei es der Häu­ser-/Au­to-Por­no aus dem offi­zi­el­len Video­clip, in wel­chem Anna in garan­tiert nicht ihrer eige­nen Vil­la apart auf einer Trep­pe dahin­ge­gos­sen schmach­tet, wäh­rend er den gemie­te­ten BMW durch den Regen spa­zie­ren fährt, oder der lust- und glanz­lo­se Live-Auf­tritt, bei dem der medi­zi­nisch vor­ge­bil­de­te Zuschau­er bei den vor­schrifts­ge­mäß gesetz­ten hohen Tönen ihres Lie­des pro­blem­los eine Inspek­ti­on der Man­deln vor­neh­men konn­te und der allen­falls für mode­rat unter­halt­sa­me Momen­te sorg­te, wenn ihre Backings sie durch noch schril­le­res Sin­gen erfolg­reich zu über­tö­nen such­ten.

Sze­nen wie aus einer Fil­ter­kaf­fee-Wer­bung: der offi­zi­el­le Video­clip zu ‘Stay’.

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Rank & File 2019: Platz 40 – Limits

Ach, was hät­te es schön wer­den kön­nen! Viel­ver­spre­chend star­te­te das lau­fen­de Jahr mit dem vom Künst­ler­kol­lek­tiv selbst gestreu­ten Gerücht, das groß­ar­tig benann­te Musik­pro­jekt Hyä­ne Fischer könn­te mit dem dop­pel­bö­di­gen Neo-Chan­son ‘Im Rausch der Zeit’ unser süd­li­ches Nach­bar­land ver­tre­ten. Doch die sati­risch gemein­ten neo­fa­schis­ti­schen Unter­tö­ne des Songs und Vide­os waren dem sich im poli­ti­schen Wür­ge­griff der in Wien mit­re­gie­ren­den Ultra­rech­ten befind­li­chen ORF wohl zu nahe an der Rea­li­tät. So ent­schied man sich bei der inter­nen Aus­wahl für eine deut­lich unver­fäng­li­che­re Elek­tro­bal­la­de.

Platz 40: Öster­reich – Pæn­da: Limits (Gren­zen)

Und damit Will­kom­men zum vor­letz­ten Platz mei­nes per­sön­li­chen Euro­vi­si­ons­ran­kings. An ‘Limits’ nervt nun wirk­lich alles, was ner­ven kann: die musi­ka­lisch grund­los lah­me und lyrisch ver­schwur­belt-inhalts­lee­re Num­mer braucht geschla­ge­ne 20 Sekun­den, bis sie über­haupt los­geht, kommt aber die kom­plet­ten drei Minu­ten nicht aus dem Quark. Der Refrain besteht ledig­lich aus einem schmerz­haft hoch gejaul­ten “You-huh-huh-huh” und plät­schert seicht an allen Ohren vor­bei. Die Inter­pre­tin steht im Prä­sen­ta­ti­ons-Video­clip völ­lig regungs- und teil­nahms­los vor der Blue­box, so als habe man sie noch vor dem ers­ten Kaf­fee vor die Kame­ra gezerrt und als sei ihr Kreis­lauf mit mehr als Ste­hen völ­lig über­for­dert. Gabrie­la Horn nuschelt selbst in der Stu­dio­fas­sung wie Sau und nennt sich zu allem Über­fluss als Künst­le­rin auch noch Pæn­da: jawohl, mit hoch­prä­ten­tiö­sem æ. Und als wür­de das alles noch nicht rei­chen, schreibt sie ihren Künst­ler­na­men nun offi­zi­ell in Ver­sa­li­en, schreit ihn uns also ins Gesicht. So, als wol­le sie nichts unver­sucht las­sen, mich gegen sie auf­zu­brin­gen. Das zumin­dest ist ihr gelun­gen.

Know your Limit: der offi­zi­el­le Video­clip.

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Rank & File 2019: Platz 41 – Sebi

Heu­te in neun Wochen wird der Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 schon wie­der Geschich­te sein. Höchs­te Zeit also, uns in Vor­be­rei­tung auf die Fest­spie­le noch mal mit den hier­für aus­ge­wähl­ten Bei­trä­gen zu befas­sen. Und zwar selbst­ver­ständ­lich auf mög­lichst sub­jek­ti­ve Wei­se: ange­fan­gen mit dem nach dem Emp­fin­den des Haus­her­ren furcht­bars­ten Lied für Tel Aviv, dann in täg­li­cher Fol­ge auf­stei­gend bis zum bes­ten. Als Grund­la­ge dient der abso­lut emp­feh­lens­wer­te ESC Sor­ter von Mr. Ger­be­ar, mit des­sen Hil­fe ich direkt nach dem Abschluss der Vor­ent­schei­dungs­sai­son ein per­sön­li­ches Ran­king erstellt habe, des­sen Ergeb­nis­se sich ziem­lich prä­zi­se in vier gleich gro­ße Grup­pen zusam­men­fas­sen las­sen: näm­lich in “Uner­träg­lich” (Rän­ge 41–31), “Ver­zicht­bar” (Rän­ge 21–30), “Ganz nett” (Rän­ge 11–20) und “Rich­tig geil” (Rän­ge 1–10). Begin­nen wir also in der Abtei­lung der akti­ven Schmer­zens­brin­ger. Und wer könn­te da bes­ser den Auf­takt machen als das slo­we­ni­sche Depres­si­ons­pär­chen?

Platz 41: Slo­we­ni­en – Zala Kralj + Gašper Šantl: Sebi (Du selbst)

Auch wenn es sich bei der ver­träum­ten Elek­tro-Bal­la­de um mei­nen größ­ten per­sön­li­chen Hass­ti­tel die­ses Jahr­gangs han­delt, muss ich den Slo­we­nen Respekt zol­len. Denn ‘Sebi’ gehört ein­deu­tig in die Kate­go­rie der Mar­mi­te-Songs, also der Lie­der, die man umge­hend ent­we­der kom­plett ver­ab­scheut oder aber hart liebt. Und ich kann sogar ver­ste­hen, war­um: wenn ich die Augen schlie­ße und nur den Track auf mich wir­ken las­se, ver­mag ich eine Ahnung davon zu erha­schen, war­um so vie­le Men­schen das durch und durch melan­cho­li­sche Lie­bes­lied so sehr mögen.

This is not Ame­ri­ca / Sha­la­la­la: der offi­zi­el­le Video­clip zu ‘Sebi’.

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WSV 2019: Sonn­tag ist Song­tag

Lie­der, Lie­der, die letz­ten Lie­der hier! Der abso­lu­te Haupt­ge­winn ist hier in die­ser Dose drin!” Oh, sor­ry, da ist es ange­sichts der in Kür­ze dro­hen­den Nach-Vor­ent­scheids-Euro­vi­si­ons-Zwi­schen­de­pres­si­ons-Pha­se wohl ein wenig mit mir durch­ge­gan­gen. Bemü­hen wir uns um einen etwas sach­li­che­ren Ton: von den ins­ge­samt 41 Bei­trä­gen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv kann­ten wir bis ges­tern 38, die rest­li­chen drei kamen am heu­ti­gen Sonn­tag hin­zu. Dar­un­ter auch der Heim­bei­trag des Gast­ge­ber­lan­des Isra­el, dar­ge­bo­ten von dem in einer Cas­ting­show aus­ge­wähl­ten, aus­ge­bil­de­ten Opern­sän­ger Kobi Mari­mi. Des­sen cle­ver ‘Home’ beti­tel­te Bal­la­de soll­te eigent­lich als letz­te des Tages ver­öf­fent­licht wer­den, sicker­te jedoch bereits am Nach­mit­tag als ers­te durch. Und sie lässt die Her­zen aller Freun­de von Spaß­bei­trä­gen höher schla­gen, denn die vor kit­schi­gem Pathos nur so trie­fen­de, mit beben­der Schmacht­stim­me into­nier­te Num­mer kann schlicht­weg nur als in ihrer maß­lo­sen Über­trei­bung brül­lend lus­ti­ge Par­odie auf abgrund­schlech­te Musi­cals gemeint sein. Oder aber als ver­zwei­fel­ter Ver­such des aus­rich­ten­den Sen­ders KAN, ange­sichts klam­mer Kas­sen einen Dop­pel­sieg wie 1978/1979 mit aller Macht zu ver­hin­dern.

Thun­der­bolt and Light­ning / Very very fright­ning me.

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Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Wer hat an der Uhr gedreht? Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len ging am gest­ri­gen Sams­tag­abend bereits die letz­te öffent­li­che Vor­ent­schei­dung der Sai­son 2019 über die Büh­ne. Trotz – oder viel­mehr wegen – des erneut geän­der­ten Aus­zäh­lungs­ver­fah­rens im Tele­vo­ting, das die Stim­men des Publi­kums nun­mehr nach ver­schie­de­nen Alters­klas­sen gewich­tet und damit den star­ken Ein­fluss der netz­af­fi­nen Jugend zurück­drängt, die seit der Ein­füh­rung der Voting-App ihre Punk­te gleich­mä­ßig auf sämt­li­che Titel ver­teil­te und damit die Ent­schei­dungs­ge­walt fak­tisch in die Hän­de der Jury leg­te, geriet die Voting­se­quenz des MF 2019 zur lang­wei­ligs­ten seit Men­schen­ge­den­ken. Der bereits vor­ab in allen Umfra­gen stark favo­ri­sier­te Sie­ger John Lundvik erhielt 96 von 96 maxi­mal mög­li­chen Punk­ten von der inter­na­tio­na­len Jury sowie 85 von 96 Zäh­lern im Tele­vo­ting und damit fast dop­pelt so viel wie sei­ne nächs­ten Kon­kur­ren­ten. Der in Lon­don gebo­re­ne ehe­ma­li­ge Sprin­ter tritt in Tel Aviv in gewis­ser Wei­se gegen sich selbst an: Lundvik hat­te ursprüng­lich zwei Songs zum Melo­di­fes­ti­va­len ein­ge­reicht. Auf klu­ges Anra­ten von Mel­lo-Chef Chris­ter Björk­man gab er jedoch das von ihm mit­kom­po­nier­te ‘Big­ger than us’ auf und reich­te es an die BBC wei­ter, wo es, gesun­gen von Micha­el Rice, den bri­ti­schen Vor­ent­scheid gewann.

Easy on the Eye and Ear: John Lundvik über­zeugt optisch wie stimm­lich.

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