Die Jury: Power to all my Friends?

Langjährige Leser/innen dieses Blogs werden mit meiner beinahe schon ans Pathologische grenzenden Ablehnung der Jury beim Eurovision Song Contest vertraut sein. Doch bekanntlich ist der Kopf rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann, und nicht zuletzt der Sieg des Portugiesen Salvador Sobral beim ESC 2017 in Kiew wirft ein neues Licht auf die Frage, ob die Institution in einem gewissen, streng abgegrenzten Rahmen nicht sogar doch ihre Berechtigung haben könnte: bei den nationalen Vorentscheiden nämlich! Man mag es sich kaum ausmalen, aber Europa hätte den wunderbar verschrobenen Jazz-Schlumpf aus Lissabon niemals kennengelernt (und Portugal, das aufgrund seiner chronisch schlechten Ergebnisse erst 2016 eine einjährige Schmollpause einlegte, vermutlich weitere 53 Jahre auf seinen ersten Eurovisionssieg gewartet), wäre es nach dem Willen des heimischen Publikums gegangen. Das nämlich zog sowohl im ersten Semi als auch im Finale des dortigen Vorentscheids Festival da Cançāo das schauderhaft anzuschauende und anzuhörende Trio Viva la Diva mit dem rundweg brechreizerregenden Popera-Titel ‚Nova Glória‘ dem so sanften wie bezaubernden Liebessehnen Salvadors vor, was einen ein wenig an der geistigen, vollends aber an der geschmacklichen Zurechnungsfähigkeit der Portugiesen zweifeln lässt. Nur das beherzte Eingreifen der Juroren, welche den entsetzlichen Diva-Driss vorsichtshalber auf den fünften Platz abwerteten, sicherte den Gesamtsieg Sobrals und muss im Hinblick auf das Endergebnis als die glücklichste Entscheidung bezeichnet werden, die jenes Organ jemals fällte.

Ist uns gerade nochmal erspart geblieben, und den Portugiesen damit ein erneutes Ausscheiden im Semi: Viva la Diva. Danke, Jury!

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Zeitungsbericht von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punkten

Wie die Fan-Seite Eurofestival Italia in dieser Woche enthüllte, soll es sich bei dem ersten Grand-Prix-Sieg in der mehr als sechzigjährigen Geschichte des Wettbewerbs um einen sehr eindeutigen gehandelt haben. Einer der Fan-Seite zufolge aus einem Archiv ausgegrabenen Besprechung des Premieren-Wettbewerbs im schweizerischen Lugano in der Tageszeitung La Stampa vom 25. Mai 1956 zufolge konnte Lys Assia (→ CH 1956, 1957, 1958) für ihr Lied ‚Refrain‘ 102 Punkte auf sich vereinen. Bislang wusste man lediglich, dass die Jurys sie zur Siegerin gekürt hatten, danach aber alle Stimmzettel vernichteten, so dass kein genaueres Ergebnis bekannt war. Bis auf kurze Ausschnitte aus der Siegerreprise besteht auch keine Bildaufzeichnung des Ereignisses. Da bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs nur sieben Länder mitmachten, die jeweils zwei Juroren entsandten, die wiederum jedem Lied zwischen einem und zehn Punkten geben durften – und das nach herrschender Lehre seinerzeit noch unter Einschluss des eigenen Landes, – läge die rechnerisch maximal zu erreichende Zahl an Punkten für jeden Song des 1956er Jahrgangs bei 140. Die helvetische Chanteuse hätte damit 72,9% des Potentials ausgeschöpft. Zum Vergleich: der aktuelle Gewinner von 2017Salvador Sobral, erhielt 758 von 984 maximal möglichen Punkten (41 abstimmungsberechtigte Länder [ohne das eigene] mal 12 Punkte Höchstwertung mal 2 [Jury plus Televoting]) oder 77%. Das Ergebnis deckt sich mit den Beobachtungen des Reporters, der nach Lys‘ Auftritt „nicht enden wollenden Applaus“ im Theatro Kursaal notierte, während er beispielsweise für die beiden deutschen Beiträge von Walter Andreas Schwarz und Freddy Quinn nur „Applausi discreti“ vermerkt. Die französische Chansonsängerin Mathé Altéry habe für ‚Les Temps perdu‘ sogar nur „Höflichkeitsbeifall“ erhalten, so der namentlich nicht genannte Reporter. Zu den restlichen Platzierungen oder Punkten kann aber auch dieses Fundstück nichts beitragen – die gab man seinerzeit schlichtweg nicht bekannt.

Lys Assia vor 102 Blumen bei der Siegerreprise von ‚Refrain‘

Chart-Watch: Blanche ist nicht alone in the Danger Zone

Fünf der sechsundzwanzig Finaltitel des Eurovision Song Contest 2017 haben es in die am gestrigen Freitagabend offiziell veröffentlichten deutschen Single-Top-100 geschafft. Den höchsten Einstieg konnte die Belgierin Blanche mit ‚City Lights‘ auf Rang 38 verzeichnen, erstaunlicherweise gefolgt vom nach üblichen Maßstäben nicht sehr hitverdächtigen Siegertitel ‚Amar pelos Dois‘ von Salvador Sobral, der auf Platz 43 notiert und damit doch ein paar Verkäufe (sprich: bezahlte Downloads oder Streams) generiert haben muss. Während der in Kiew zweitplatzierte Bulgare Kristian Kostov leer ausging, zogen die Bronzemedaillengewinner vom SunStroke Project mit ‚Hey Mamma!‘ auf Platz 52 in die deutschen Top 100 ein. Ihre rumänischen Kollegen Ilinca und Alex Florea folgen sehr viel tiefer auf Rang 93. Dazwischen reichte es für die mit dem vorletzten Platz heimgekehrte deutsche Vertreterin Levina Lueen, die bereits nach dem heimischen Vorentscheid Unser Song 2017 für genau eine Woche auf Platz 28 in die Charts einzog, zu einer kurzen Rückkehr auf Rang 88. Gibt es so etwas wie Mitleidskäufe? Keine Notierung war hingegen für den im Vorfeld des Wettbewerbs lange Zeit als klarer Sieger vorhergesagten Italiener Francesco Gabbani und sein ‚Occidentali’s Karma‘ zu verzeichnen, das viele bereits als europäischen Sommerhit 2017 gehandelt hatten. Sein Auftritt im ARD-Morgenmagazin Anfang dieser Woche mit einer entkoffeinierten, von ihm selbst am Klavier begleiteten Unplugged-Version dürfte da vermutlich auch nichts mehr retten: in den Tiefschlaf geklimperte Menschen kaufen keine Musikstücke! In den Mid-Week-Charts lagen die fünf Eurovisionstitel übrigens jeweils um einiges höher, woraus sich schließen lässt, dass es sich – wie schon in den vergangenen Jahren – nur um ein kurzes Strohfeuer handelt, also einmalige Käufe direkt im Anschluss an die TV-Show vergangenen Samstag, und dass die Hitparade nächste Woche bereits wieder bereinigt sein dürfte von allen Grand-Prix-Einflüssen. Am meisten profitierte indes die deutsche Schlagerkönigin Helene Fischer vom ESC: die im wie immer völlig unsäglichen Grand-Prix-Rahmenprogramm des Ersten vorgestellten drei Lieder aus ihrem neuen Album stiegen allesamt hoch ein, der Titel ‚Herzbeben‘ sogar auf Rang 18. Und zum Schluss noch ein kurzer Blick zu den Nachbarn: der österreichische Charmer Nathan Trent schaffte es im Heimatland auf Rang 72 der Charts, die schweizerische Band Timebelle zu Hause auf Platz 80.

Hat noch am ehesten Chancen auf ein Crossover ins echte Pop-Leben: Blanche (BE)

Alex Florea bezichtigt Salvador Sobral des „Theaterspiels“

Nach dem Schweden Robin Bengtsson hat sich nun auch der rumänische Rapper Alex Florea (‚Yodel it!‘) kritisch über den am vergangenen Samstag siegreichen Portugiesen Salvador Sobral geäußert. Wie Wiwibloggs rapportiert, äußerte er heute früh in einem live ausgestrahlten Video-Interview mit der rumänischen Tageszeitung Adevarul Zweifel an den gesundheitlichen Problemen des schlumpfigen Hipsters und verbreitete die Theorie, es handele sich dabei um Mitleids-„Marketing“, wie es in Castingshows an der Tagesordnung sei: „Seine Hintergrundstory funktionierte, das Publikum hat es geschluckt,“ so Florea. Sobral war auf Anraten seiner Ärzte erst später als seine Konkurrent/innen nach Kiew angereist und etlichen Proben ferngeblieben, in den Medien machten (von einigen Kommentatoren offensichtlich weiterverbreitete) Gerüchte über eine lebensbedrohliche Herzerkrankung die Runde, die sein Management allerdings strikt zurückwies. Auf Anfragen besorgter Schwurnalisten in den Pressekonferenzen in Kiew räumte Salvador allerdings gesundheitliche Probleme ein. Der rumänische Bad Boy kaufte ihm das aber nicht ab: „Salvador hat keine Herzprobleme, bei ihm stimmt etwas im Kopf nicht“. Er sei von seinem „billigen Theater“ angewidert, deswegen reagiere er so zynisch: „Ich habe in Castingshows auch schon Probleme gehabt, aber nie zu solchen Taktiken gegriffen, um zu gewinnen,“ so der Rumäne, der Sobral jedoch zumindest zugestand, dass sein Song „exzellent“ gewesen sei. Floreas jodelnde Duettpartnerin Illinca Băcilă zeigte sich im gleichen Interview dagegen „glücklich“ über den Sieg des Portugiesen: „Was Salvador tat, kann man als Kunst begreifen, daher herzlichen Glückwunsch zum Erfolg“! Sie gratulierte außerdem dem SunStroke Project aus dem Nachbarland Moldawien, das für die Bronzemedaille beim Contest, das beste Ergebnis des Balkanlandes bisher, vom heimischen Ministerpräsidenten Igor Dodon nach Bericht von Eurovoix sogar eine staatliche Auszeichnung erhalten soll: „Eine superbe Show“! Der rumänische Jodel-Rap landete beim Publikum auf dem fünften Rang, wurde von den Jurys aber auf den siebten Platz abgewertet.

Schießt mit Kanonen auf Spatzen: Alex Florea (RO)

Robin Bengtsson: getroffene Elche blöken

Es sei ein Sieg der „echten Musik,“ so formulierte es der portugiesische Gewinner des Eurovision Song Contest 2017, Salvador Sobral, bei seiner Siegeransprache am vergangenen Samstagabend, über das, was er als wegwerfbare „Fast-Food-Musik“ bezeichnete: den inhaltsleeren Mainstreampop nämlich, der keinerlei authentische Geschichte erzähle oder keine Gefühle transportiere. Und, sind wir ganz ehrlich: die Meisten von uns werden in diesem Moment intuitiv an den klassischen, hochglanzpolierten Schwedenschlager gedacht haben, der seit Jahren den Grand Prix nicht nur für sein Heimatland dominiert. Das ging wohl auch dem diesjährigen schwedischen Vertreter Robin Bengtsson so, der mit ‚I can’t go on‘, einem geradezu prototypischen Beispiel dieser Musikgattung, auf dem fünften Platz landete. Jedenfalls kritisierte er Salvador in einem Instagram-Posting, wo er schrieb: „Glückwunsch zu Deinem Sieg, ich mag Deinen Song und die Art, wie Du ihn singst, sehr, aber ich denke, Deine Ansprache war eines Siegers nicht würdig. ‚Fast food‘-Pop kann zur richtigen Zeit und am richtigen Ort die beste Sache der Welt sein, so wie eben auch ein so schöner Song wie Deiner. Es ist Platz genug für Alle“. Der australische Teilnehmer und Jury-Liebling Isaiah Firebrace und der norwegische Sänger Alexander Walmann signalisierten in den Kommentaren zur Robins Posting ihre Zustimmung zum Gesagten.

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Dem Arsch von Kiew droht der Knast

Wer vergangene Samstagnacht während der Wertungspause beim Finale des 62. Eurovision Song Contest in Kiew gerade kurz mit der Stimmabgabe, dem Plaudern mit Freunden oder dem Getränkenachschub beschäftigt war oder auch nur kurz blinzelte, verpasste womöglich die ärgerlich-unterhaltsamsten fünf Sekunden der gesamten Show: während die Vorjahressiegerin Jamala gerade ihre spektakulär langweilige und musikalisch erstaunlich farblose neue Single ‚I believe in U‘ vorstellte, enterte ein mit der australischen Flagge umhüllter Mann urplötzlich die Satellitenbühne, umtänzelte kurz die ukrainische Sängerin (die sich nichts anmerken ließ und ihren Auftritt professionell weiter durchzog), um dann überraschend blankzuziehen und seinen Allerwertesten in die Kamera zu strecken. So schnell, wie er kam, war er auch wieder weg: nur Sekunden später zog ihn die Security von der Bühne. Noch in der Nacht stellte sich heraus, dass es sich nicht, wie zunächst vermutet, um einen Fan-Hooligan aus Down Under handelte (wie auch, ein echter Grand-Prix-Fan würde so etwas Affiges niemals tun!), sondern um einen professionellen Störer. Vitalii Sediuk heißt der Mann, ein ehemaliger ukrainischer TV-Journalist, der seine massive Profilneurose auslebt, in dem er weltweit nichts Böses ahnende Prominente belästigt und für Tumulte bei glamourösen Veranstaltungen sorgt. Er vergrub unter anderem schon sein Gesicht im Schritt von Leonardo DiCaprio und versuchte, Kim Kardashians extraordinären Hintern zu küssen. Nun drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft, wie unter anderem der Spiegel unter Bezug auf die Nachrichtenagentur dpa kolportiert. Der von der internationalen Blamage erboste ukrainische Innenminister bezeichnete den offenbar sozial gestörten Mann bereits als „Schande des Landes“. Bei Sediuk handelt es sich nicht um den ersten Eurovisionsflitzer: bereits 2010 enterte der Spanier Jaume Marquet während des Auftritts seines Landsmannes Daniel Diges beim ESC in Oslo die Bühne und fügte sich für wenige Takte in die Harlekin-Choreographie des iberischen Walzers ‚Algo Pequeñito‘ ein, ohne allerdings irgendwelche Körperteile zu entblößen. Marquet kam seinerzeit mit einer milden Geldbuße davon.

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Kinderbonus: Kristian Kostovs Krim-Konzert bleibt ohne Konsequenz

Ein Krim-Auftritt des diesjährigen bulgarischen Eurovisionsrepräsentanten Kristian Kostov bleibt für den knapp siebzehnjährigen Sänger sanktionslos, wie Eurovoix heute unter Bezugnahme auf ukrainische Online-Portale rapportiert. Am gestrigen Abend – nur einen Tag vor dem geplanten Auftritt in der heutigen zweiten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contest 2017 – machten Gerüchte die Runde, dass der in Moskau als Kind bulgarisch-kasachischer Eltern geborene Kostov, ebenso wie die hierfür von Seiten der ukrainischen Sicherheitsbehörden mit einem dreijährigen Einreiseverbot belegte ursprüngliche russische Partizipantin Julia Samoylova, nach der Annexion der Krim durch Russland im Februar 2014 auf der Halbinsel aufgetreten sein soll. Dies bestätigte sich heute: die russische Ausgabe der Castingshow The Voice Kids, an welcher er seinerzeit unter der Patenschaft von ESC-Sieger Dima Bilan (→ RU 2006, 2008) teilnahm, gastierte im Juni 2014 in der völkerrechtlich umstrittenen Region. Anders als bei der 28jährigen Julia zieht dies aber für ihn keine weiteren Folgen nach sich: wie der ukrainische Geheimdienst nach Prüfung der Angelegenheit heute bekannt gab, habe das besagte Gesetz zum Zeitpunkt seines Auftrittes noch keine Rechtskraft erlangt. Zudem profitiert er vom Kinderbonus: bei seiner The-Voice-Teilnahme war Kristian noch 14 Jahre alt und sei damit nach ukrainischem Recht noch nicht strafmündig. Der nach wie vor höchstens wie 14 aussehende Knabe mit der markanten Zahnlücke kann daher heute Abend unbehelligt im zweiten Semifinale auftreten.

Die Unschuld der Jugend: Kristian Kostov (BG)

Juliagate: EBU kündigt Strafen an

Das unselige Drama um den Ausschluss der russischen Teilnehmerin Julia Samoylova vom Eurovision Song Contest 2017 in der ukrainischen Metropole Kiew wird Konsequenzen für beide Länder haben, wie die European Broadcasting Union am heutigen Tage nach einer Meldung von heute.de bekannt gab. Die Nachrichtensendung des ZDF zitiert den hauseigenen Leiter der Abteilung Internationale Angelegenheit und Vorsitzenden der EBU-Reference Group, Frank-Dieter Freiling, nach dessen Darstellung sich der gastgebende Sender sowie der ukrainische Premierminister verpflichtet hätten, alle Gäste der EBU wie des ESC in Kiew willkommen zu heißen. „Insofern ist das ein Verstoß gegen die Statuten, der sanktioniert werden muss“, so Freiling gegenüber heute.de. Doch auch die Russen müssten mit Sanktionen rechnen, „weil sie an verschiedenen verpflichtenden Sitzungen im Vorfeld in Kiew nicht teilgenommen haben“. Nächste Woche wolle man sich näher mit den Vorgängen beschäftigen. Dem ZDF-Mann zufolge gehe es dabei nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um die Höhe der Strafe. „Unsere Statuten sehen manches bei Verstößen vor, von einer Geldstrafe, dem Entzug der Sponsorenanteile bis zu einer Sperre von bis zu drei Jahren“, so Freiling, der zwischen den Zeilen ziemlich klar für einen Ausschluss der beiden Länder von den Wettbewerben 2018 bis 2020 plädiert. Eine offizielle Verkündigung sei jedoch nicht vor dem 12. Juni 2017 zu erwarten, dem ersten turnusmäßigen EBU-Treffen nach den diesjährigen Festspielen.

Der Ukraine könnte das Feiern bald vergehen

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Juliagate: „Die Russen wollten niemals teilnehmen“

Einen Tag nach der offiziellen Bekanntgabe des russischen Rückzugs beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew lecken die Beteiligten ihre Wunden. So erneuerte der Senderchef des russischen Perwy Kanal, Konstantin Ernst., am heutigen Karfreitag das Versprechen gegenüber der ausgebooteten Julia Samoylova, dass die schwerbehinderte Sängerin fix für 2018 gesetzt sei. Diese Auftrittsgarantie sei laut Ernst mit der EBU abgestimmt, wie Die Presse unter Bezug auf die Moskauer Agentur Interfax berichtet. Damit steht gleichzeitig fest, dass sich die Föderation nach der geplatzten Teilnahme in Kiew nicht dauerhaft vom europäischen Wettsingen zurückzieht – eine gute Nachricht nicht nur für die EBU, der in diesem Jahr wegen der wegfallenden Ausstrahlung der Sendung auf dem Territorium des größten Teilnehmerlandes bis zu 15 Millionen Zuschauer/innen wegbrechen, wie EuroVisionary ausrechnete (beziehungsweise doppelt so viele, wenn man die außerhalb des Mutterlandes lebenden Russ/innen mitzählt, die nun vermutlich ebenfalls nicht mehr zuschalten), sondern auch für Europa und die völkervereinigende Idee der Show. Der austragende ukrainische Sender UA:PBC versuchte in einer heute veröffentlichten Stellungnahme (Quelle: escKAZ) unterdessen, den Schwarzen Peter von sich wegzuschieben und kartete nochmals in Richtung der Gegenseite nach: „Aus Respekt vor dem Wunsch der EBU, die Teilnahme aller 43 Länder am Song Contest sicherzustellen (…), hat die Ukraine die Russische Föderation mehrfach dazu eingeladen, einen Teilnehmer nach Kiew zu entsenden, der keine ukrainischen Gesetze verletzt hat. Aber die russische Seite hat es bei ihrer Entscheidung belassen. Die Weigerung des Perwy Kanal, den ESC zu übertragen, beweist allerdings (…), dass es von Anfang an nicht das Ziel Russlands war, am Wettbewerb teilzunehmen, sondern eine negative Atmosphäre rund um die Vorbereitungen und die Organisation des Events zu kreieren“.

Ra-ra-ras-Putin: Oh, those Russians!

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Offiziell: Russland nimmt nicht am ESC 2017 teil

Das andauernde Tauziehen um die Teilnahme der russischen Vertreterin Julia Samoylova am Eurovision Song Contest 2017 in Kiew hat ein so unerfreuliches wie erwartbares Ende gefunden: wie die EBU heute Abend offiziell auf ihrer Eurovisions-Website bekannt gab, findet der Wettbewerb nun definitiv ohne die im Rollstuhl sitzende Sängerin statt. Das Gastgeberland Ukraine ist, wie sich aus den Verlautbarungen der letzten Tage bereits abzeichnete, hinsichtlich des in Folge eines Auftrittes Samoylovas auf der annektierten Krim vom Geheimdienst verfügten Einreiseverbotes hart geblieben, Vermittlungsvorschläge aus Genf hinsichtlich einer externen Zuschaltung ihres Auftritts bzw. des Austauschs gegen einen anderen, unbelasteten Interpreten lehnte das russische Fernsehen ab. Stattdessen gab der Perwy Kanal heute bekannt, dass man die europäischen Liederfestspiele im Mai nicht übertragen wolle. „Das hat leider zur Folge, dass Russland nicht am diesjährigen Wettbewerb teilnehmen kann,“ so die EBU. „Wir hätten uns sehr gewünscht, dass alle 43 Länder hätten teilnehmen könne und wir haben alles versucht, dies zu ermöglichen“. Frank-Dieter Freiling vom ZDF, Vorsitzender der Reference Group, sprach deutliche Worte in Richtung des Gastgebers: „Wir verurteilen die Entscheidung der ukrainischen Behörden scharf, ein Einreiseverbot gegen Julia Samoylova zu verhängen, da wir glauben, dass dies die Integrität und unpolitische Natur des Eurovision Song Contest und seine Mission, alle Nationen in einem friedlichen Wettbewerb zu vereinen, untergräbt“. Über mögliche Konsequenzen für die Ukraine verlor die Mitteilung indes kein Wort, man wolle sich nun zunächst mit aller Kraft darauf konzentrieren, gemeinsam mit dem ausrichtenden Sender eine möglichst spektakuläre Show auf die Beine zu stellen.

Wie vermutet: Julias Flamme wird nicht in Kiew brennen