Eurovision Deathmatch #21: Momente der Magie

Mit dem heutigen Duell geht das Publikumsspiel Eurovision Deathmatch zu Ende. Und da das Beste bekanntlich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die härteste und hochkarätigste Runde für den heutigen Feiertag aufgehoben. Und ja, ich weiß, der ist von seiner religiösen Aufladung her ein eher rabenschwarzer, trauriger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trauer wird am Ende der Abstimmung auf jeden Fall bei mir herrschen, treten heute doch meine beiden absoluten Lieblingstitel des aktuellen Jahrgangs gegeneinander an, von denen ich eigentlich keinen missen möchte. Doch wie beim echten Song Contest und wie im echten Leben kann es nur einen Sieger geben. Aus der linke Ecke der Kampfarena grüßt der aktuelle Favorit, der hinreißend charmante und mit seinem Pornoschnauzer extrem sexy daherkommende San-Remo-Sieger Francesco Gabbani. Ein echtes Schwergewicht im Ring, bringt er nicht nur gutes Aussehen und Ausstrahlung mit, sondern auch einen sofort eingängigen, herrlich verspielten und trotz originaler Landessprache problemlos mitsingbaren Popsong. Sowie einen Text, der als bedeutungsschwerer Zitatefundus seines Gleichen sucht und sich mit bissigem Spott darüber lustig macht, wie internetsüchtige westliche „Selfisti“ sich an östlicher Mythologie bedienen. Auch wenn die besten Stellen leider der bestenfalls als brutal zu benennenden, grand-prix-konformen Drei-Minuten-Editierung zum Opfer fallen. Als Sahnehäubchen begleitet dann noch ein tanzender Affe den Italiener.

Hart geschnitten: die Eurovisionsfassung von ‚Occidentali’s Karma‘ (IT)

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Eurovision Deathmatch #20: When you believe

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hochglanzpoliertem Pop der goldenen Jahrzehnte haben, werden Sie sich vielleicht noch an das legendäre Filmmusik-Duett der beiden (laut Klatschpresse) erbitterten Erzfeindinnen Whitney Houston und Mariah Carey aus dem Jahre 1998 namens ‚When you believe‘ erinnern, sowie das Video, in dem die beiden Diven so tun mussten, als seien sie die besten Freundinnen, während man förmlich riechen konnte, wie gerne sie sich gegenseitig die Augen auskratzen wollten. Das tun in der heutigen Runde des Eurovision Deathmatch hoffentlich unseren beiden Kontrahentinnen, die neben ihrer Vorliebe für große, kraftvolle Noten auch die gemeinsame Sprache verbindet, obwohl sie aus verschiedenen Ländern kommen. Doch auch auf der Mittelmeerinsel Malta spricht man Englisch, jedenfalls als zweite Amtssprache, und Claudia Faniello singt dementsprechend in diesem Idiom. Die Schwester des zweifachen Eurovisionsrepräsentanten Fabrizio (→ MT 2001, 2006) versuchte es in ihrer Heimat gefühlt wohl an die hundert Mal und schenkte uns dabei so wundervolle Trashperlen wie ‚Caravaggio‘ (→ Vorentscheid 2008), konnte sich aber erst heuer mit einer so pompösen wie nichtssagenden Ballade durchsetzen. Im dazugehörigen Videoclip, der sich nicht so recht entscheiden mag, ob er als überlanger Werbespot für Kaffee Hag, Raffaello oder Deinhardt-Sekt daherkommen mag, steht sie eingenäht in diversen wirklich hautengen Abendkleidern dekorativ in der Gegend herum. Was auch den Songtitel ‚Breathlessly‘ erklärt: nur ein tiefer Atemzug, und es würde sämtliche Nähte sprengen.

Teilt Mariah Careys Kleidungsstil: Claudia Faniello (MT)

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Eurovision Deathmatch #19: Dude sings like a Lady

„Celebrate Diversity“„Feiert die Vielfalt“ ist das ansprechende Motto des Eurovision Song Contest 2017. Die beiden Landesvertreter/innen, die heute in unserem Leser/innenspiel in den Ring steigen, tragen hierzu besonders bei. Sie treten mit Songs an, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch eint sie – neben ihrer Jugend – eine gemeinsame Besonderheit, die ich mal keck als Transgender-Gesang bezeichnen will: eine Stimmlage, die vordergründig nicht sofort mit dem biologischen Geschlecht des Interpreten harmonieren will. Es beginnt – Ladies first – die Belgierin Ellie Delveaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zarten Alter von nur 16 Lenzen passenden Künstlerinnennamen Blanche zulegte, für nicht mehr ganz so taufrische Fans wie mich natürlich für immer untrennbar mit der männerverschlingenden Mitbewohnerin der lustigen, in Miami beheimateten Alters-WG der Golden Girls verbunden. Schon mal der erste innere Widerspruch, zu dem noch etliche hinzukommen: das Video zu ihrem fantastischen Elektro-Track ‚City Lights‘ spielt in einer heruntergekommenen, unwirtlichen Betonkulisse, die irgendwo im Niemandsland zu stehen scheint – nur nicht in der hell illuminierten Großstadt, deren Neonbeleuchtung Blanche im Titel besingt. Ein elegant durch die Kulisse schwebender Lichtball sorgt für Spannung und macht das Setting überhaupt erst aushaltbar – sein Sinn erschließt sich allerdings genau so wenig wie der des kryptischen Textes, bei dem nie so ganz klar wird, ob die Interpretin hier eine Beziehung thematisiert (und falls ja, ob diese am Beginn, am Ende oder irgendwo dazwischen steht) oder ein apokalyptisches Szenario. Für die meiste Gänsehaut sorgt aber ihre äußerst dunkle Stimme, die, um im Golden-Girls-Vergleich zu bleiben, tatsächlich zu der eher maskulin wirkenden Dorothy passen würde als zur Südstaaten-Schönheit Blanche. Sie steht in reizvollem Kontrast zum atmosphärisch schwebenden, treibenden Musikbett und verleiht ihrem Song eine geradezu hypnotische, nunja: Tiefe.

Ganz allein in der Gefahrenzone: Blanche schreckt so schnell nichts (BE)

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Eurovision Deathmatch #18: Ich will keine Schokolade

Ging es im gestrigen Eurovision Deathmatch um eine der Basiszutaten des Wettbewerbs, nämlich die kitschige Ballade, so kommen wir heute zu einer anderen: dem tanzenden Schönling. Auf den Geschmack der Hauptzielgruppe zugeschnittene, gut aussehende junge Männer, die sich zu beatbetontem Pop anmutig im Gleichschritt bewegen: dies ist einer der wichtigsten Gründe, warum der Eurovision Song Contest sich solch großer Beliebtheit erfreut. Auch 2017 finden sich einige dieser Exemplare im Line-up – wenn auch, wie immer, leider viel zu wenige. Zwei von ihnen treten heute im Zweikampf um Leben und Tod gegeneinander an. Zuerst steigt mit Imri Ziv der aus einer Castingshow hervorgegangene israelische Vertreter in den Ring, der neben seinem hinreißenden Aussehen (die Prinz-Blogger-Wahl zum schönsten Schönling 2017 gewann er aus dem Stand) auch Grand-Prix-Erfahrung in die Waagschale werfen kann: bereits 2015 und 2016 begleitete er die Repräsentanten seines Landes als Tänzer und Chorsänger. Mit dem zeitgemäß produzierten, uptemporären ‚I feel alive‘ verbreitet er optimistischen Frohsinn ohne all zu große textliche Schwere, kann aber trotz des sommerlichen Tanz-Flashmobs am Strand von Tel Aviv im Begleitvideo nicht ganz mit dem großen Vorbild ‚Golden Boy‘ mithalten. Es hat leider etwas von einem Beitrag aus der zweiten Reihe mit einem Sänger aus der zweiten Reihe. Ein bisschen ist es so, als habe man bei der Losbude auf dem Rummel nur den Trostpreis gezogen – wenn auch keinen all zu schlechten.

Dafür mag ich die Israelis: schöne Männer mit nettem Uptempo-Pop (IL)

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Eurovision Deathmatch #17: Nur noch Gefühl

Die Balladenflut, sie ist beim Eurovision Song Contest 2017 nicht zu leugnen: fast jeder zweite Song für Kiew gehört zur Gattung der langsameren Lieder, fraglos eine Folge des unheilvollen Einflusses der → Jury. Und so treffen auch im heutigen Eurovision Deathmatch wieder zwei gefühlsbetonte, keinesfalls zum ausgelassenen Tanzen oder fröhlichen Feiern auffordernde Songs aufeinander. Unser erster Kombattant bedient zudem eine weitere, heuer besonders ausgeprägte Grand-Prix-Tradition, nämlich die des Rückkehrers. Schon beim letzten Wettbewerb aus Kiew, dem aus 2005, ging Omar Naber, der slowenische Robbie Williams, für sein Land an den Start. In diesem Jahr konnte er die heimische EMA gegen den Willen der Zuschauer/innen dank der mehr als aktiven Mithilfe der bereits erwähnten Jury gewinnen und sülzt uns nun mit dem äußerst pompösen Stück ‚On my Way‘ die Ohren voll. Hierzu greift er kompositorisch so tief in den Schmalztopf, dass selbst ein altgedienter Crooner wie Engelbert Humperdinck (→ UK 2012) vermutlich Reißaus nähme. Was der Slowenen-Schnuckel übrigens auch tut: er singt uns vom Aufbruch in die Ferne und dem Verlassen seiner Heimat. Und er hofft, nein betet, dass diejenigen, die er hinter sich lässt, darob nicht weinen müssen. Ja, klar, Omar! Als ob Du nicht genau darauf hofftest! Lass es Dir gesagt sein: die Slowenen werden erst dann weinen, wenn Du nach dem Ausscheiden aus dem Semi wieder heimfliegst!

Johnny Bravo hat angerufen und will die Frisur zurück: Omer Naber (SI)

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Eurovision Deathmatch #16: Rapper’s Surprise

Mit der Maxisingle (die Älteren unter meinen Leser/innen werden sich noch erinnern) ‚Rapper’s Delight‘ der Sugarhill Gang fand bereits 1979 der als Rap bezeichnete Sprechgesang erstmalig weltweit Einzug in die Charts: die kommerzielle Geburtsstunde des Hip-Hop, bis heute eines der erfolgreichsten Musikgenres aller Zeiten. Außer beim Eurovision Song Contest: dort sind Beiträge, die sich dieser Technik bedienen, meist nicht so gut gelitten. Dabei erfand die legendäre Lys Assia die stakkatoartige Spracheinlage („Polenta, Polenta, Polenta, Polenta“) doch bereits im Jahre 1958! Auch im Jahre 2017 gehen jedenfalls zwei mutige Nationen erneut das Risiko ein, es mit Rap zu versuchen. Als erster Kombattant steigt für Ungarn Joci Pápai in den Ring, der sich beim magyarischen Vorentscheid A Dal erstaunlicherweise durchsetzen konnte. Der vollbärtige Papí, Verzeihung, Pápai, gehört der (nicht nur) in Ungarn unterdrückten Minderheit der Roma an, was man in dem Ethno-Folk-Stampfer ‚Origo‘ auch musikalisch deutlich hört: schmerzlich sehnsuchtsvolle Zigan-Gitarren und leise klagende Flötentöne begleiten einen tief unter die Haut gehenden Text, der sich auf poetische Weise mit den bedrückenden Erfahrungen des alltäglichen Rassismus beschäftigt: „Warum hast du mir vorgelogen / Dass meine Farbe keine Rolle spiele,“ so fragt er verbittert im Refrain. „Du wusstest, dass meine Augen braun sind / Es verändert nichts in mir“. Und gerade auch die Rap-Parts erschüttern die Seele: „Geheimnisvolle Kräfte wohnten in dem Kind / Sie hatten Angst vor ihm, man sah es in seinen Augen,“ beschreibt er unter anderem die magischen Kräfte der Musik: „Die Tränen Tausender klingen auf meiner Gitarre“. Auch hier gilt jedoch: man muss der ungarischen Sprache gar nicht mächtig sein und den (Sprech-)Gesang verstehen, um im Gefühl des trotzigen Schmerzes zu ertrinken, welchen Joci hier vor uns ausgießt.

Berührt das Herz: Joci Pápai (HU)

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Eurovision Deathmatch #15: Marleen, eine von uns beiden muss nun gehn

Der Samstag: Zeit für hemmungsloses Tanzvergnügen! Und da wir uns hier beim Eurovision Song Contest befinden, heißt das natürlich: Schlagerdisco! Gleich zwei Schlagerpärchen beliefern uns in diesem Jahr mit rettungslos altmodischem, herrlich campem, gnadenlos tanzbarem Schlagerspaß und geben gerade den Lebenserfahreneren unter uns (*hüstel*) den Glauben an den Grand Prix zurück. Anfangen möchte ich mit den estnischen Rückkehrern Koit Toome (→ EE 1998) und Laura Põldvere (→ EE 2005, ebenfalls in Kiew), die heuer gemeinsam die Eesti Laul gewannen und sich – in schlauer Vorahnung hinsichtlich des potentiellen Siegers des diesjährigen Contests – zum gemeinsamen romantischen Sommerurlaub auf den Spuren von Romeo und Julia ins italienische ‚Verona‘ begaben. Keine gute Idee: wie es manchmal so ist, brachte die viele zu Zweit verbrachte Zeit der beiden nach Eigenauskunft „rücksichtslosen“ Egoisten ihre bereits bröckelnde Beziehung endgültig zum Einsturz, so dass sie nun nach zu viel Vino Veritas und einem heftigen Streit verkatert und kopflos durch die sehenswerte Altstadt des norditalienischen Städtchens stolpern. Musikalisch entführen sie uns in die goldenen Achtzigerjahre zurück, klingt ihr Discofox-gesteuerter Trennungsschlager doch, wie es ein Fan mal so schön formulierte, als ob Ralph Siegel versucht, einen Dieter-Bohlen-Song zu schreiben. Also angenehm moderntalkinesk – angenehm natürlich nur dann, wenn man wie ich in diesem Jahrzehnt seine popmusikalische Prägung erfuhr und (peinliches Geständnis!) alle Singles des teutonischen Duos kaufte. Wie schon bei Modern Talking ist auch beim estnischen Duo die dunkelhaarige Dame für die tieferen Töne zuständig, während der Kerl die hochgepitchten Gesangsparts beisteuert.

„Western Type of Woman / Western Type of Man“ in Verona: in Italien scheint das ‚Karma des Okzidents‘ beheimatet zu sein! (EE)

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Eurovision Deathmatch #14: Queeres vom Balkan

Homosexualität ist auf dem Balkan leider nach wie vor ein großes Tabuthema. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – schicken aber gerade diese Länder immer wieder gerne campe Meisterwerke zum Eurovision Song Contest, bei denen sich jede Frage nach der sexuellen Orientierung des Interpreten von selbst beantwortet. Erinnert sei nur an solche fabelhaften Beiträge wie ‚In the Disco‘ (→ BA 2004), ‚Mr. Nobody‘ (→ SI 2006) oder ‚Ovo je Balkan‘ (→ RS 2010), aber auch den Siegertitel von 2007, ‚Molitva‘, der mit einer wunderbar subtil sapphischen Show aufwartete. Dessen Interpretin, Marija Šerifović, die sich laut Wikipedia erst 2013 offiziell als lesbisch outete, legte sich noch im Jahre 2008 einen Sandprinzen zu: in Form des diesjährigen montenegrinischen Eurovisionsvertreters Slavko Kalezić nämlich, der sich damals in serbischen Gazetten als ihr angeblicher Lover ausgab. Selbiger erscheint im Videoclip zu seinem homosensationellen Grand-Prix-Beitrag ‚Space‘ als durchtrainiertes metrosexuelles Fabelwesen und deliriert mit vor Zweideutigkeit nur so berstenden Textzeilen von betrunkener Liebe, feuchten Träumen und explodierenden Raketen, beschreibt also eine normale Nacht im Darkroom von Belgrads einziger Schwulenbar, dem Chez Milan. Immerhin praktiziert Slavko vorbildlicherweise safen Sex, denn „I have my suit on, no need to worry“, wie er uns mehrfach beruhigend versichert. Und wir können uns alle denken, welche Art von „Anzug“ er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz leiser, nachdenklicher Unterton ein in seinen top-campen Discoschlager, der mit der Zeile „In Space we can be as one“ endet. Nur im Weltraum, außerhalb dieses Planeten, können wir (lies: die LGBTI-Community) also vereint sein – ein subtiler Seitenhieb auf die leider gelegentlich mehr gegen- als miteinander kämpfende Emanzipationsbewegung, mehr aber noch gegen die Unmöglichkeit, uns im Angesicht der ignoranten bis feindlichen Mehrheitsgesellschaft überall auf dieser Welt frei entfalten zu können.

Ein kraftvoller Zentaur, der für die Freiheit kämpft – und das auf sehr unterhaltsame Weise: Slavko (ME)

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Eurovision Deathmatch #13: Je t’adore

Die Dreizehn – ihr haftet bei abergläubischen Menschen ein Nimbus als Unglückszahl an. Und als ein bisschen unglücklich erweist sich auch die heutige Paarung in unserem Eurovision Deathmatch, die man auch als Reste-Rampe bezeichnen könnte, wenn es nicht so ungerecht gegenüber den betroffenen Künstlerinnen wäre. Doch ein roter Faden, der beide Acts verbindet, will sich nicht so ohne Weiteres finden lassen: ihre Songs sind völlig verschiedener Machart, sie treten in unterschiedlicher Zahl an, ihre Vorauswahl erfolgte auf jeweils andere Weise und noch nicht mal ihre beide Nationen grenzen aneinander oder befinden sich im Krieg miteinander. Für Beide hätte es passendere Paarungen gegeben – die aber waren bereits belegt. Und so müssen Svala Björkvinsdóttir für Island und Ogene für die Niederlande eben heute gegeneinander antreten. Der hohe Norden beginnt, wo die blonde Sängerin, ihres Zeichens Tochter des isländischen Vertreters von 1995, Bo Halldórsson, in unglaublich hässlichen Hufschuhen und mit dem elektrolastigen, düster anmutenden Midtemposong ‚Paper‘ das Söngvakeppnín gewann. Fans verglichen sie und ihren Beitrag bereits mit der letztjährigen Norwegerin Agnete und dem ‚Icebreaker‘. Und hier findet sich vielleicht doch noch eine Gemeinsamkeit: wie schon Agnete wird Svala bei etlichen Fans für eine Top-Platzierung im Grand-Prix-Finale gehandelt – und wie Nämliche bleibt sie nach meiner Einschätzung mit ihrem eher zähen Lied in der Qualifikationsrunde hängen.

In den Schminktopf gefallen: Svala (IS)

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Eurovision Deathmatch #12: Jodel Cha Cha

Wenn der Eurovisionsjahrgang 2017 von einem nicht zu wenig hat, dann sind es Jodlerinnen. Nein, damit meine ich nicht den rumänischen Beitrag, sondern Balladessen mit starken Stimmen, welche die Noten in die Länge ziehen bis kurz vor die Unendlichkeit und beim Singen gerne mal die Tonleiter hoch und runter joggen, um ihre Range zu präsentieren und den Juroren, denen wir diese Flut einzig und alleine zu verdanken haben, die Punkte aus der Tasche zu holen. Vergangenen Mittwoch präsentierte ich bereits die erste Eurovision-Deathmatch-Paarung dieser Hochleistungsdamen, und das heutige Schreiende-Frauen-Duell zwischen Dänemark und der Schweiz wird nicht das letzte seiner Art sein in unserem Leser/innen-Spiel. Anja Nissen tritt also an für unser skandinavisches Nachbarland, und sie zieht bei ‚Where I am‘ alle Register. Wenn es das Label „generisch“ nicht schon gäbe, für den dänischen Beitrag müsste man es (mal wieder) erfinden. Text, Melodie, Musik: alles Nebensache, alles völlig ohne Belang, alles nur ein Vehikel, damit die im roten Kleid mitten im Sturm der Windmaschine stehende Anja sich die Lungen wund schreien kann. Und das tut sie dann auch, wie eine ihr ganzes Leben lang auf diesen Moment hin gedrillte Eiskunstläuferin: technisch perfekt. Und mit der persönlichen Ausstrahlung eines Mantarochen.

The Lady in Red: Anja Nissen (DK)

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