Euro­vi­si­on Death­match #21: Momen­te der Magie

Mit dem heu­ti­gen Duell geht das Publi­kums­spiel Euro­vi­si­on Death­match zu Ende. Und da das Bes­te bekannt­lich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die här­tes­te und hoch­ka­rä­tigs­te Run­de für den heu­ti­gen Fei­er­tag auf­ge­ho­ben. Und ja, ich weiß, der ist von sei­ner reli­giö­sen Auf­la­dung her ein eher raben­schwar­zer, trau­ri­ger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trau­er wird am Ende der Abstim­mung auf jeden Fall bei mir herr­schen, tre­ten heu­te doch mei­ne bei­den abso­lu­ten Lieb­lings­ti­tel des aktu­el­len Jahr­gangs gegen­ein­an­der an, von denen ich eigent­lich kei­nen mis­sen möch­te. Doch wie beim ech­ten Song Con­test und wie im ech­ten Leben kann es nur einen Sie­ger geben. Aus der lin­ke Ecke der Kampf­are­na grüßt der aktu­el­le Favo­rit, der hin­rei­ßend char­man­te und mit sei­nem Por­no­schnau­zer extrem sexy daher­kom­men­de San-Remo-Sie­ger Fran­ces­co Gab­ba­ni. Ein ech­tes Schwer­ge­wicht im Ring, bringt er nicht nur gutes Aus­se­hen und Aus­strah­lung mit, son­dern auch einen sofort ein­gän­gi­gen, herr­lich ver­spiel­ten und trotz ori­gi­na­ler Lan­des­spra­che pro­blem­los mit­singba­ren Pop­song. Sowie einen Text, der als bedeu­tungs­schwe­rer Zita­te­fun­dus sei­nes Glei­chen sucht und sich mit bis­si­gem Spott dar­über lus­tig macht, wie inter­net­süch­ti­ge west­li­che “Sel­fis­ti” sich an öst­li­cher Mytho­lo­gie bedie­nen. Auch wenn die bes­ten Stel­len lei­der der bes­ten­falls als bru­tal zu benen­nen­den, grand-prix-kon­for­men Drei-Minu­ten-Edi­tie­rung zum Opfer fal­len. Als Sah­ne­häub­chen beglei­tet dann noch ein tan­zen­der Affe den Ita­lie­ner.

Hart geschnit­ten: die Euro­vi­si­ons­fas­sung von ‘Occidentali’s Kar­ma’ (IT)

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Euro­vi­si­on Death­match #20: When you belie­ve

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hoch­glanz­po­lier­tem Pop der gol­de­nen Jahr­zehn­te haben, wer­den Sie sich viel­leicht noch an das legen­dä­re Film­mu­sik-Duett der bei­den (laut Klatsch­pres­se) erbit­ter­ten Erz­fein­din­nen Whit­ney Hous­ton und Mariah Carey aus dem Jah­re 1998 namens ‘When you belie­ve’ erin­nern, sowie das Video, in dem die bei­den Diven so tun muss­ten, als sei­en sie die bes­ten Freun­din­nen, wäh­rend man förm­lich rie­chen konn­te, wie ger­ne sie sich gegen­sei­tig die Augen aus­krat­zen woll­ten. Das tun in der heu­ti­gen Run­de des Euro­vi­si­on Death­match hof­fent­lich unse­ren bei­den Kon­tra­hen­tin­nen, die neben ihrer Vor­lie­be für gro­ße, kraft­vol­le Noten auch die gemein­sa­me Spra­che ver­bin­det, obwohl sie aus ver­schie­de­nen Län­dern kom­men. Doch auch auf der Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta spricht man Eng­lisch, jeden­falls als zwei­te Amts­spra­che, und Clau­dia Fani­el­lo singt dem­entspre­chend in die­sem Idi­om. Die Schwes­ter des zwei­fa­chen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006) ver­such­te es in ihrer Hei­mat gefühlt wohl an die hun­dert Mal und schenk­te uns dabei so wun­der­vol­le Trash­per­len wie ‘Cara­vag­gio’ (→ Vor­ent­scheid 2008), konn­te sich aber erst heu­er mit einer so pom­pö­sen wie nichts­sa­gen­den Bal­la­de durch­set­zen. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der sich nicht so recht ent­schei­den mag, ob er als über­lan­ger Wer­be­spot für Kaf­fee Hag, Raf­fa­el­lo oder Dein­hardt-Sekt daher­kom­men mag, steht sie ein­ge­näht in diver­sen wirk­lich haut­engen Abend­klei­dern deko­ra­tiv in der Gegend her­um. Was auch den Song­ti­tel ‘Bre­ath­less­ly’ erklärt: nur ein tie­fer Atem­zug, und es wür­de sämt­li­che Näh­te spren­gen.

Teilt Mariah Careys Klei­dungs­stil: Clau­dia Fani­el­lo (MT)

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Euro­vi­si­on Death­match #19: Dude sings like a Lady

Cele­bra­te Diver­si­ty”“Fei­ert die Viel­falt” ist das anspre­chen­de Mot­to des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017. Die bei­den Landesvertreter/innen, die heu­te in unse­rem Leser/innenspiel in den Ring stei­gen, tra­gen hier­zu beson­ders bei. Sie tre­ten mit Songs an, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten, und doch eint sie – neben ihrer Jugend – eine gemein­sa­me Beson­der­heit, die ich mal keck als Trans­gen­der-Gesang bezeich­nen will: eine Stimm­la­ge, die vor­der­grün­dig nicht sofort mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht des Inter­pre­ten har­mo­nie­ren will. Es beginnt – Ladies first – die Bel­gie­rin Ellie Del­veaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zar­ten Alter von nur 16 Len­zen pas­sen­den Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che zuleg­te, für nicht mehr ganz so tau­fri­sche Fans wie mich natür­lich für immer untrenn­bar mit der män­ner­ver­schlin­gen­den Mit­be­woh­ne­rin der lus­ti­gen, in Mia­mi behei­ma­te­ten Alters-WG der Gol­den Girls ver­bun­den. Schon mal der ers­te inne­re Wider­spruch, zu dem noch etli­che hin­zu­kom­men: das Video zu ihrem fan­tas­ti­schen Elek­tro-Track ‘City Lights’ spielt in einer her­un­ter­ge­kom­me­nen, unwirt­li­chen Beton­ku­lis­se, die irgend­wo im Nie­mands­land zu ste­hen scheint – nur nicht in der hell illu­mi­nier­ten Groß­stadt, deren Neon­be­leuch­tung Blan­che im Titel besingt. Ein ele­gant durch die Kulis­se schwe­ben­der Licht­ball sorgt für Span­nung und macht das Set­ting über­haupt erst aus­halt­bar – sein Sinn erschließt sich aller­dings genau so wenig wie der des kryp­ti­schen Tex­tes, bei dem nie so ganz klar wird, ob die Inter­pre­tin hier eine Bezie­hung the­ma­ti­siert (und falls ja, ob die­se am Beginn, am Ende oder irgend­wo dazwi­schen steht) oder ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­na­rio. Für die meis­te Gän­se­haut sorgt aber ihre äußerst dunk­le Stim­me, die, um im Gol­den-Girls-Ver­gleich zu blei­ben, tat­säch­lich zu der eher mas­ku­lin wir­ken­den Doro­thy pas­sen wür­de als zur Süd­staa­ten-Schön­heit Blan­che. Sie steht in reiz­vol­lem Kon­trast zum atmo­sphä­risch schwe­ben­den, trei­ben­den Musik­bett und ver­leiht ihrem Song eine gera­de­zu hyp­no­ti­sche, nun­ja: Tie­fe.

Ganz allein in der Gefah­ren­zo­ne: Blan­che schreckt so schnell nichts (BE)

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Euro­vi­si­on Death­match #18: Ich will kei­ne Scho­ko­la­de

Ging es im gest­ri­gen Euro­vi­si­on Death­match um eine der Basis­zu­ta­ten des Wett­be­werbs, näm­lich die kit­schi­ge Bal­la­de, so kom­men wir heu­te zu einer ande­ren: dem tan­zen­den Schön­ling. Auf den Geschmack der Haupt­ziel­grup­pe zuge­schnit­te­ne, gut aus­se­hen­de jun­ge Män­ner, die sich zu beat­be­ton­tem Pop anmu­tig im Gleich­schritt bewe­gen: dies ist einer der wich­tigs­ten Grün­de, war­um der Euro­vi­si­on Song Con­test sich solch gro­ßer Beliebt­heit erfreut. Auch 2017 fin­den sich eini­ge die­ser Exem­pla­re im Line-up – wenn auch, wie immer, lei­der viel zu weni­ge. Zwei von ihnen tre­ten heu­te im Zwei­kampf um Leben und Tod gegen­ein­an­der an. Zuerst steigt mit Imri Ziv der aus einer Cas­ting­show her­vor­ge­gan­ge­ne israe­li­sche Ver­tre­ter in den Ring, der neben sei­nem hin­rei­ßen­den Aus­se­hen (die Prinz-Blog­ger-Wahl zum schöns­ten Schön­ling 2017 gewann er aus dem Stand) auch Grand-Prix-Erfah­rung in die Waag­scha­le wer­fen kann: bereits 2015 und 2016 beglei­te­te er die Reprä­sen­tan­ten sei­nes Lan­des als Tän­zer und Chor­sän­ger. Mit dem zeit­ge­mäß pro­du­zier­ten, uptem­po­rä­ren ‘I feel ali­ve’ ver­brei­tet er opti­mis­ti­schen Froh­sinn ohne all zu gro­ße text­li­che Schwe­re, kann aber trotz des som­mer­li­chen Tanz-Flashm­obs am Strand von Tel Aviv im Begleit­vi­deo nicht ganz mit dem gro­ßen Vor­bild ‘Gol­den Boy’ mit­hal­ten. Es hat lei­der etwas von einem Bei­trag aus der zwei­ten Rei­he mit einem Sän­ger aus der zwei­ten Rei­he. Ein biss­chen ist es so, als habe man bei der Los­bu­de auf dem Rum­mel nur den Trost­preis gezo­gen – wenn auch kei­nen all zu schlech­ten.

Dafür mag ich die Israe­lis: schö­ne Män­ner mit net­tem Uptem­po-Pop (IL)

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Euro­vi­si­on Death­match #17: Nur noch Gefühl

Die Bal­la­den­flut, sie ist beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 nicht zu leug­nen: fast jeder zwei­te Song für Kiew gehört zur Gat­tung der lang­sa­me­ren Lie­der, frag­los eine Fol­ge des unheil­vol­len Ein­flus­ses der → Jury. Und so tref­fen auch im heu­ti­gen Euro­vi­si­on Death­match wie­der zwei gefühls­be­ton­te, kei­nes­falls zum aus­ge­las­se­nen Tan­zen oder fröh­li­chen Fei­ern auf­for­dern­de Songs auf­ein­an­der. Unser ers­ter Kom­bat­tant bedient zudem eine wei­te­re, heu­er beson­ders aus­ge­präg­te Grand-Prix-Tra­di­ti­on, näm­lich die des Rück­keh­rers. Schon beim letz­ten Wett­be­werb aus Kiew, dem aus 2005, ging Omar Naber, der slo­we­ni­sche Rob­bie Wil­liams, für sein Land an den Start. In die­sem Jahr konn­te er die hei­mi­sche EMA gegen den Wil­len der Zuschauer/innen dank der mehr als akti­ven Mit­hil­fe der bereits erwähn­ten Jury gewin­nen und sülzt uns nun mit dem äußerst pom­pö­sen Stück ‘On my Way’ die Ohren voll. Hier­zu greift er kom­po­si­to­risch so tief in den Schmalz­topf, dass selbst ein alt­ge­dien­ter Croo­ner wie Engel­bert Hum­per­dinck (→ UK 2012) ver­mut­lich Reiß­aus näh­me. Was der Slo­we­nen-Schnu­ckel übri­gens auch tut: er singt uns vom Auf­bruch in die Fer­ne und dem Ver­las­sen sei­ner Hei­mat. Und er hofft, nein betet, dass die­je­ni­gen, die er hin­ter sich lässt, dar­ob nicht wei­nen müs­sen. Ja, klar, Omar! Als ob Du nicht genau dar­auf hoff­test! Lass es Dir gesagt sein: die Slo­we­nen wer­den erst dann wei­nen, wenn Du nach dem Aus­schei­den aus dem Semi wie­der heim­fliegst!

John­ny Bra­vo hat ange­ru­fen und will die Fri­sur zurück: Omer Naber (SI)

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Euro­vi­si­on Death­match #16: Rapper’s Sur­pri­se

Mit der Maxi­sin­gle (die Älte­ren unter mei­nen Leser/innen wer­den sich noch erin­nern) ‘Rapper’s Delight’ der Sugar­hill Gang fand bereits 1979 der als Rap bezeich­ne­te Sprech­ge­sang erst­ma­lig welt­weit Ein­zug in die Charts: die kom­mer­zi­el­le Geburts­stun­de des Hip-Hop, bis heu­te eines der erfolg­reichs­ten Musik­gen­res aller Zei­ten. Außer beim Euro­vi­si­on Song Con­test: dort sind Bei­trä­ge, die sich die­ser Tech­nik bedie­nen, meist nicht so gut gelit­ten. Dabei erfand die legen­dä­re Lys Assia die stak­ka­to­ar­ti­ge Sprach­ein­la­ge (“Polen­ta, Polen­ta, Polen­ta, Polen­ta”) doch bereits im Jah­re 1958! Auch im Jah­re 2017 gehen jeden­falls zwei muti­ge Natio­nen erneut das Risi­ko ein, es mit Rap zu ver­su­chen. Als ers­ter Kom­bat­tant steigt für Ungarn Joci Pápai in den Ring, der sich beim magya­ri­schen Vor­ent­scheid A Dal erstaun­li­cher­wei­se durch­set­zen konn­te. Der voll­bär­ti­ge Papí, Ver­zei­hung, Pápai, gehört der (nicht nur) in Ungarn unter­drück­ten Min­der­heit der Roma an, was man in dem Eth­no-Folk-Stamp­fer ‘Ori­go’ auch musi­ka­lisch deut­lich hört: schmerz­lich sehn­suchts­vol­le Zigan-Gitar­ren und lei­se kla­gen­de Flö­ten­tö­ne beglei­ten einen tief unter die Haut gehen­den Text, der sich auf poe­ti­sche Wei­se mit den bedrü­cken­den Erfah­run­gen des all­täg­li­chen Ras­sis­mus beschäf­tigt: “War­um hast du mir vor­ge­lo­gen / Dass mei­ne Far­be kei­ne Rol­le spie­le,” so fragt er ver­bit­tert im Refrain. “Du wuss­test, dass mei­ne Augen braun sind / Es ver­än­dert nichts in mir”. Und gera­de auch die Rap-Parts erschüt­tern die See­le: “Geheim­nis­vol­le Kräf­te wohn­ten in dem Kind / Sie hat­ten Angst vor ihm, man sah es in sei­nen Augen,” beschreibt er unter ande­rem die magi­schen Kräf­te der Musik: “Die Trä­nen Tau­sen­der klin­gen auf mei­ner Gitar­re”. Auch hier gilt jedoch: man muss der unga­ri­schen Spra­che gar nicht mäch­tig sein und den (Sprech-)Gesang ver­ste­hen, um im Gefühl des trot­zi­gen Schmer­zes zu ertrin­ken, wel­chen Joci hier vor uns aus­gießt.

Berührt das Herz: Joci Pápai (HU)

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Euro­vi­si­on Death­match #15: Mar­le­en, eine von uns bei­den muss nun gehn

Der Sams­tag: Zeit für hem­mungs­lo­ses Tanz­ver­gnü­gen! Und da wir uns hier beim Euro­vi­si­on Song Con­test befin­den, heißt das natür­lich: Schla­ger­dis­co! Gleich zwei Schla­ger­pär­chen belie­fern uns in die­sem Jahr mit ret­tungs­los alt­mo­di­schem, herr­lich cam­pem, gna­den­los tanz­ba­rem Schla­ger­spaß und geben gera­de den Lebens­er­fah­re­ne­ren unter uns (*hüs­tel*) den Glau­ben an den Grand Prix zurück. Anfan­gen möch­te ich mit den est­ni­schen Rück­keh­rern Koit Too­me (→ EE 1998) und Lau­ra Põld­ve­re (→ EE 2005, eben­falls in Kiew), die heu­er gemein­sam die Eesti Laul gewan­nen und sich – in schlau­er Vor­ah­nung hin­sicht­lich des poten­ti­el­len Sie­gers des dies­jäh­ri­gen Con­tests – zum gemein­sa­men roman­ti­schen Som­mer­ur­laub auf den Spu­ren von Romeo und Julia ins ita­lie­ni­sche ‘Vero­na’ bega­ben. Kei­ne gute Idee: wie es manch­mal so ist, brach­te die vie­le zu Zweit ver­brach­te Zeit der bei­den nach Eigen­aus­kunft “rück­sichts­lo­sen” Ego­is­ten ihre bereits brö­ckeln­de Bezie­hung end­gül­tig zum Ein­sturz, so dass sie nun nach zu viel Vino Veri­tas und einem hef­ti­gen Streit ver­ka­tert und kopf­los durch die sehens­wer­te Alt­stadt des nord­ita­lie­ni­schen Städt­chens stol­pern. Musi­ka­lisch ent­füh­ren sie uns in die gol­de­nen Acht­zi­ger­jah­re zurück, klingt ihr Dis­co­fox-gesteu­er­ter Tren­nungs­schla­ger doch, wie es ein Fan mal so schön for­mu­lier­te, als ob Ralph Sie­gel ver­sucht, einen Die­ter-Boh­len-Song zu schrei­ben. Also ange­nehm modern­tal­kinesk – ange­nehm natür­lich nur dann, wenn man wie ich in die­sem Jahr­zehnt sei­ne pop­mu­si­ka­li­sche Prä­gung erfuhr und (pein­li­ches Geständ­nis!) alle Sin­gles des teu­to­ni­schen Duos kauf­te. Wie schon bei Modern Tal­king ist auch beim est­ni­schen Duo die dun­kel­haa­ri­ge Dame für die tie­fe­ren Töne zustän­dig, wäh­rend der Kerl die hoch­ge­pitch­ten Gesangs­parts bei­steu­ert.

Wes­tern Type of Woman / Wes­tern Type of Man” in Vero­na: in Ita­li­en scheint das ‘Kar­ma des Okzi­dents’ behei­ma­tet zu sein! (EE)

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Euro­vi­si­on Death­match #14: Quee­res vom Bal­kan

Homo­se­xua­li­tät ist auf dem Bal­kan lei­der nach wie vor ein gro­ßes Tabu­the­ma. Nichts­des­to­trotz – oder gera­de des­we­gen – schi­cken aber gera­de die­se Län­der immer wie­der ger­ne cam­pe Meis­ter­wer­ke zum Euro­vi­si­on Song Con­test, bei denen sich jede Fra­ge nach der sexu­el­len Ori­en­tie­rung des Inter­pre­ten von selbst beant­wor­tet. Erin­nert sei nur an sol­che fabel­haf­ten Bei­trä­ge wie ‘In the Dis­co’ (→ BA 2004), ‘Mr. Nobo­dy’ (→ SI 2006) oder ‘Ovo je Bal­kan’ (→ RS 2010), aber auch den Sie­ger­ti­tel von 2007, ‘Molit­va’, der mit einer wun­der­bar sub­til sap­p­hi­schen Show auf­war­te­te. Des­sen Inter­pre­tin, Mari­ja Šerifo­vić, die sich laut Wiki­pe­dia erst 2013 offi­zi­ell als les­bisch oute­te, leg­te sich noch im Jah­re 2008 einen Sand­prin­zen zu: in Form des dies­jäh­ri­gen mon­te­ne­gri­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ters Slav­ko Kale­zić näm­lich, der sich damals in ser­bi­schen Gazet­ten als ihr angeb­li­cher Lover aus­gab. Sel­bi­ger erscheint im Video­clip zu sei­nem homo­sen­sa­tio­nel­len Grand-Prix-Bei­trag ‘Space’ als durch­trai­nier­tes metro­se­xu­el­les Fabel­we­sen und deli­riert mit vor Zwei­deu­tig­keit nur so bers­ten­den Text­zei­len von betrun­ke­ner Lie­be, feuch­ten Träu­men und explo­die­ren­den Rake­ten, beschreibt also eine nor­ma­le Nacht im Dar­kroom von Bel­grads ein­zi­ger Schwu­len­bar, dem Chez Milan. Immer­hin prak­ti­ziert Slav­ko vor­bild­li­cher­wei­se safen Sex, denn “I have my suit on, no need to worry”, wie er uns mehr­fach beru­hi­gend ver­si­chert. Und wir kön­nen uns alle den­ken, wel­che Art von “Anzug” er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz lei­ser, nach­denk­li­cher Unter­ton ein in sei­nen top-cam­pen Dis­co­schla­ger, der mit der Zei­le “In Space we can be as one” endet. Nur im Welt­raum, außer­halb die­ses Pla­ne­ten, kön­nen wir (lies: die LGBTI-Com­mu­ni­ty) also ver­eint sein – ein sub­ti­ler Sei­ten­hieb auf die lei­der gele­gent­lich mehr gegen- als mit­ein­an­der kämp­fen­de Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung, mehr aber noch gegen die Unmög­lich­keit, uns im Ange­sicht der igno­ran­ten bis feind­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft über­all auf die­ser Welt frei ent­fal­ten zu kön­nen.

Ein kraft­vol­ler Zen­taur, der für die Frei­heit kämpft – und das auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se: Slav­ko (ME)

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Euro­vi­si­on Death­match #13: Je t’adore

Die Drei­zehn – ihr haf­tet bei aber­gläu­bi­schen Men­schen ein Nim­bus als Unglücks­zahl an. Und als ein biss­chen unglück­lich erweist sich auch die heu­ti­ge Paa­rung in unse­rem Euro­vi­si­on Death­match, die man auch als Res­te-Ram­pe bezeich­nen könn­te, wenn es nicht so unge­recht gegen­über den betrof­fe­nen Künst­le­rin­nen wäre. Doch ein roter Faden, der bei­de Acts ver­bin­det, will sich nicht so ohne Wei­te­res fin­den las­sen: ihre Songs sind völ­lig ver­schie­de­ner Mach­art, sie tre­ten in unter­schied­li­cher Zahl an, ihre Vor­auswahl erfolg­te auf jeweils ande­re Wei­se und noch nicht mal ihre bei­de Natio­nen gren­zen anein­an­der oder befin­den sich im Krieg mit­ein­an­der. Für Bei­de hät­te es pas­sen­de­re Paa­run­gen gege­ben – die aber waren bereits belegt. Und so müs­sen Sva­la Björk­vins­dót­tir für Island und Oge­ne für die Nie­der­lan­de eben heu­te gegen­ein­an­der antre­ten. Der hohe Nor­den beginnt, wo die blon­de Sän­ge­rin, ihres Zei­chens Toch­ter des islän­di­schen Ver­tre­ters von 1995, Bo Hall­dórs­son, in unglaub­lich häss­li­chen Huf­schu­hen und mit dem elek­tro­las­ti­gen, düs­ter anmu­ten­den Mid­tem­po­song ‘Paper’ das Söng­vakepp­nín gewann. Fans ver­gli­chen sie und ihren Bei­trag bereits mit der letzt­jäh­ri­gen Nor­we­ge­rin Agne­te und dem ‘Ice­brea­ker’. Und hier fin­det sich viel­leicht doch noch eine Gemein­sam­keit: wie schon Agne­te wird Sva­la bei etli­chen Fans für eine Top-Plat­zie­rung im Grand-Prix-Fina­le gehan­delt – und wie Näm­li­che bleibt sie nach mei­ner Ein­schät­zung mit ihrem eher zähen Lied in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de hän­gen.

In den Schminktopf gefal­len: Sva­la (IS)

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Euro­vi­si­on Death­match #12: Jodel Cha Cha

Wenn der Euro­vi­si­ons­jahr­gang 2017 von einem nicht zu wenig hat, dann sind es Jod­le­rin­nen. Nein, damit mei­ne ich nicht den rumä­ni­schen Bei­trag, son­dern Bal­la­dessen mit star­ken Stim­men, wel­che die Noten in die Län­ge zie­hen bis kurz vor die Unend­lich­keit und beim Sin­gen ger­ne mal die Ton­lei­ter hoch und run­ter jog­gen, um ihre Ran­ge zu prä­sen­tie­ren und den Juro­ren, denen wir die­se Flut ein­zig und allei­ne zu ver­dan­ken haben, die Punk­te aus der Tasche zu holen. Ver­gan­ge­nen Mitt­woch prä­sen­tier­te ich bereits die ers­te Euro­vi­si­on-Death­match-Paa­rung die­ser Hoch­leis­tungs­da­men, und das heu­ti­ge Schrei­en­de-Frau­en-Duell zwi­schen Däne­mark und der Schweiz wird nicht das letz­te sei­ner Art sein in unse­rem Leser/in­nen-Spiel. Anja Nis­sen tritt also an für unser skan­di­na­vi­sches Nach­bar­land, und sie zieht bei ‘Whe­re I am’ alle Regis­ter. Wenn es das Label “gene­risch” nicht schon gäbe, für den däni­schen Bei­trag müss­te man es (mal wie­der) erfin­den. Text, Melo­die, Musik: alles Neben­sa­che, alles völ­lig ohne Belang, alles nur ein Vehi­kel, damit die im roten Kleid mit­ten im Sturm der Wind­ma­schi­ne ste­hen­de Anja sich die Lun­gen wund schrei­en kann. Und das tut sie dann auch, wie eine ihr gan­zes Leben lang auf die­sen Moment hin gedrill­te Eis­kunst­läu­fe­rin: tech­nisch per­fekt. Und mit der per­sön­li­chen Aus­strah­lung eines Man­ta­ro­chen.

The Lady in Red: Anja Nis­sen (DK)

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