Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Eine Trig­ger­war­nung vor­weg: wer selbst gera­de unter Depres­sio­nen lei­det, soll­te die­se Run­de des Euro­vi­si­on Death­match viel­leicht über­sprin­gen, denn heu­te geben wir uns ganz und gar der bit­ter­sü­ßen Melan­cho­lie hin. Und wer bräch­te bei die­sem The­ma mehr Kom­pe­tenz mit als die von Hau­se aus schwer­mü­ti­gen Fin­nen? Die schi­cken das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid UMK sieg­rei­che Duo Nor­ma John ins Ren­nen, und tat­säch­lich klingt des­sen Sän­ge­rin Lee­na Tir­ro­nen wie Ade­le auf Dow­nern. Sie gibt eine herz­zer­rei­ßen­de Tren­nungs­schmerz­bal­la­de zum Bes­ten, in wel­cher sie eine Amsel anfleht, sich zu ver­krü­meln und ihr Nest anders­wo auf­zu­schla­gen, da näm­li­ches Tier mit sei­nem Gesang unter ihrem Fens­ter einst die unver­gess­li­chen Näch­te mit ihrem Ex beglei­te­te und unse­re bedau­erns­wer­te Ade­le, Ver­zei­hung, Lee­na, nun mit sei­nem Gezwit­scher an glück­li­che­re Zei­ten erin­nert. Was die­se nun gera­de über­haupt nicht brau­chen kann. So schlimm steht es um die vom Lie­bes­kum­mer Geschla­ge­ne, dass sie im dazu­ge­hö­ri­gen, nacht­schwar­zen Video­clip gar ins Was­ser geht. Dass sel­bi­ger Clip mit einem Kame­ra­schwenk auf einen mit der fin­ni­schen Lan­des­flag­ge ange­mal­ten Sarg endet, bringt zum Abschluss einen herr­lich mor­bi­den, fast schon wie­der iro­ni­schen Ton ins Spiel. Jeden­falls ertrinkt man als Zuhö­rer eben­so in der moll­schwar­zen Schwe­re der tief­düs­te­ren Kla­vier­bal­la­de wie die gram­ge­beug­te Prot­ago­nis­tin im See. Ein Song für schwar­ze Tage.

Auch live sieht Lee­na übri­gens aus wie eine Was­ser­lei­che (FI)

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Euro­vi­si­on Death­match #10: Last Night a DJ took my Life

Mit ‘Mis­ter Music Man’ setz­te die Schweiz schon 1992 beim Grand Prix ein musi­ka­li­sches Denk­mal für den Beruf des Plat­ten­auf­le­gers, der uns im Euro­club mit tanz­ba­rem Stoff ver­sorgt. Und auch auf der Euro­vi­si­ons­büh­ne fin­det sich solch ein Exem­plar immer mal wie­der: hier waren erneut die Eid­ge­nos­sen bei­spiel­ge­bend, als sie 2007 ihren welt­weit erfolg­reichs­ten Musik­ex­port ent­sand­ten – und DJ Bobo im Blut­bad-Semi­fi­na­le von Hel­sin­ki sang- und klang­los raus­flog. Anders als drei Jah­re spä­ter das mol­da­wi­sche Sun­Stro­ke Pro­jekt, das mit dem Euro­dance-Titel ‘Run away’ und dem zum Inter­net-Meme avan­cier­ten Epic Sax Guy den Final­ein­zug spie­lend schaff­te. Der ist auch heu­er wie­der dabei, wenn das House-Kol­lek­tiv erneut für sein Hei­mat­land in den Ring steigt. In ‘Hey Mam­ma’ ver­sucht Front­mann Serghei Ial­o­vițchii die Erzie­hungs­be­rech­tig­te sei­ner neu­es­ten Flam­me von sei­nen guten Absich­ten zu über­zeu­gen – und kommt dabei ziem­lich cree­py her­über, da der Vers “Like the sun in the sea / She will disap­pe­ar ton­ight with me / I know we’re not any­mo­re / Do what other cats did befo­re” eher danach klingt, als wol­le das Fräu­lein Toch­ter im Meer ersau­fen. Und das anfäng­li­che “You won’t ever hide what you think of me” klingt dank sei­ner ver­wa­sche­nen Aus­spra­che eher nach “You won’t ever hap­pen to fin­ger me”. Ich sage mal so: hät­te ich Kin­der, ich wür­de sie ihm nicht anver­trau­en!

Und da ist er wie­der, der Epic Sax Guy! (MD)

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Euro­vi­si­on Death­match #9: The dire Wire is on Fire

Nichts klas­si­fi­ziert einen Song so sehr als “typisch Grand Prix” wie der immer wie­der ger­ne genom­me­ne Fire-Desi­re-Reim. Beson­ders Län­der wie Mal­ta und Rumä­ni­en mach­ten sich in der Ver­gan­gen­heit schon des Öfte­ren die­ses Ver­bre­chens schul­dig. Doch die ste­hen beim heu­ti­gen Euro­vi­si­on Death­match gar nicht in der Are­na, denn zwi­schen­zeit­lich leg­ten ande­re Natio­nen dies­be­züg­lich noch einen drauf. So wie bei­spiels­wei­se Bul­ga­ri­en, das unse­ren ers­ten Kom­bat­tan­ten schickt, den intern aus­ge­wähl­ten Kris­ti­an Kostov, nicht nur der jüngs­te Teil­neh­mer des aktu­el­len Jahr­gangs, son­dern auch der ers­te in die­sem Jahr­tau­send Gebo­re­ne – Gott, ich bin so alt *grein*! Kris­ti­an führt einen spre­chend beti­tel­ten Bei­trag namens ‘Beau­ti­ful Mess’ mit sich: eine mit glo­cken­hel­ler, wei­ner­li­cher Kna­ben­stim­me into­nier­te Elek­tro-Bal­la­de, die musi­ka­lisch völ­lig ziel­los vor sich hin mäan­dert und mit einem abstru­sen, glei­cher­ma­ßen ziel­los mäan­dern­dem Text auf­war­tet, in wel­chem er sei­ne Lie­be als “unbe­rühr­bar” klas­si­fi­ziert (Aus­triA­li­en lässt grü­ßen) und wel­cher davon Kennt­nis gibt, dass man unter Was­ser nicht atmen kön­ne (ach was!). Und der zudem fol­gen­des Zei­len­paar prä­sen­tiert: “Even in the line of fire / When every­thing is on the wire”. Ein biss­chen düs­ter, aber immer­hin mal eine neue Rei­me-Idee!

Ich weiß nicht, ob ich zu die­sem Song unbe­dingt ein Lyric-Video machen wür­de: Kris­ti­an (BG)

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Euro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Als wir das euro­vi­sio­nä­re Todes­du­ell letz­te Woche star­te­ten, befan­den sich inklu­si­ve des rus­si­schen Bei­trags offi­zi­ell noch 43 Titel im Ren­nen (wonach es aktu­ell immer weni­ger aus­sieht). Da sich unge­ra­de Zah­len bekannt­lich nicht durch zwei tei­len las­sen, müs­sen wir dies­mal aus­nahms­wei­se ein Oxy­mo­ron ein­schie­ben, näm­lich ein Drei­er­du­ell. Gleich drei Damen aus benach­bar­ten Staa­ten des Bal­kan stei­gen also heu­te in den Ring, um sich die fet­ten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hau­en. Wir begin­nen ganz im Süden: unse­re ers­te Kom­bat­tan­tin ist die 25jährige Grie­chin Dimi­tra Papa­dea ali­as Demy, vom wie­der­auf­er­stan­de­nen hel­le­ni­schen Staats­sen­der ERT intern aus­ge­wählt und in einem Song-Vor­ent­scheid mit dem fla­chen, voll auf die Zwölf gehen­den Dance-Stamp­fer ‘This is Love’ ver­sorgt. Der klingt wie ein flau­er Auf­guss von Cas­ca­das ‘Glo­rious’ (→ DE 2013), was bekannt­lich auch nur ein flau­er Abklatsch von Lore­ens ‘Eupho­ria’ (→ SE 2012) war. Von den schlim­men lyri­schen Sün­den des Song­tex­tes hat man immer­hin die fuß­nä­ge­lauf­rol­lends­te (“This is Love / Rain falls from above”: von wo bit­te sonst?) zwi­schen­zeit­lich über­ar­bei­tet, doch noch immer reimt Demy “There’s an echo in my head” auf “There’s a cross­road up ahead”. Nun ja, auch mit fett aus den Kopf­hö­rern bol­lern­den Bäs­sen im drö­hend lee­ren Schä­del läuft es sich ziel­ge­rich­tet über die stark befah­re­nen Stra­ßen­kreu­zun­gen Athens, und beim Nah­kampf um Leben und Tod gegen ihre bei­den Kon­kur­ren­tin­nen kann zuviel Nach­den­ken ja auch von Nach­teil sein.

Feu­ert aus allen Roh­ren: Demy (GR)

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Euro­vi­si­on Death­match #7: Bis auf die Kno­chen

Hoch die Hän­de – Wochen­en­de! Zum Aus­klang der Arbeits­wo­che ist es mal wie­der an der Zeit, beim Euro­vi­si­on Death­match zwei rea­le Erz­fein­de gegen­ein­an­der antre­ten zu las­sen: die AAs näm­lich, also Arme­ni­en und Aser­bai­dschan. Die unter­hal­ten uns beim Euro­vi­si­on Song Con­test nun schon seit etli­chen Jah­ren mit fort­ge­setz­ten klei­ne­ren und grö­ße­ren Sti­che­lei­en, und auch ihre bei­de dies­jäh­ri­gen Reprä­sen­tan­tin­nen schen­ken sich nichts in unse­rem heu­ti­gen Diven­zwei­kampf. Begin­nen wir (rein aus alpha­be­ti­schen Grün­den!) mit Arts­vik Haru­tyunya aus dem Land der Apri­ko­sen. Die Sie­ge­rin der arme­ni­schen Euro­vi­si­ons-Cas­ting­show Depi Evra­tes­il umschmei­chelt uns mit dem leicht hyp­no­ti­schen, deut­lich ori­en­ta­lisch gefärb­ten Elek­tro-Track ‘Fly with me’, einer Ein­la­dung, der man ger­ne fol­gen mag. Auch an opti­schem Zucker spar­te sie nicht: drei hin­rei­ßend bebar­te­te Tän­zer (neben drei qua­sio­ri­en­ta­lisch mit Zip­fel­müt­zen ver­hüll­ten Tän­ze­rin­nen) beglei­ten die mit spek­ta­ku­lä­ren Fri­su­ren auf­war­ten­de Sän­ge­rin, die sich für die schwe­do­phi­len Fans gar noch das Melo­di­fes­ti­va­len-Logo auf den zar­ten Ober­kör­per näh­te. Ein star­ker Auf­tritt, der lei­der just in dem Moment endet, als man denkt, jetzt sei es genug des Vor­spiels und der Song könn­te end­lich mal rich­tig los­ge­hen.

Ofra Haza (IL 1983), reborn: Arts­vik (AM)

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Euro­vi­si­on Death­match #6: Ein Schlaf­sack und eine Gitar­re

Hand­ge­klampf­te Gitar­ren, Lager­feu­er­ro­man­tik, som­mer­li­che Fröh­lich­keit und hoch repe­ti­ti­ve Lyrics kenn­zeich­nen die Bei­trä­ge der Kom­bat­tan­ten im sechs­ten Euro­vi­si­ons­batt­le um Leben und Tod. Für das demo­kra­tisch unter­ent­wi­ckel­te Weiß­russ­land steigt das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid von der Jury mas­siv gegen die Zuschau­er­mehr­heit durch­ge­box­te Folk-Duo Navi in den Ring. Die 2013 in Minsk gegrün­de­te Band erzählt uns die ‘Histo­ry­ja majho žyccia’, also die Geschich­te ihres Lebens – und die­se scheint text­lich nicht beson­ders umfang­reich zu sein, dafür aber um so schwung­vol­ler: mit 155 BPM lie­fern die Bela­rus­sen den rasan­tes­ten Song der Sai­son ab. Von der Idee her pas­send wirkt das in einem durch­ge­hen­den Take im Wald gedreh­te Video, demons­triert es doch die beson­de­re Natur­ver­bun­den­heit des pos­sier­li­chen, locken­köp­fi­gen Pär­chens, das auf der Klamp­fe spie­lend einen Abhang hin­un­ter zu einem klei­nen See tollt und dabei vom Fun­keln der Son­ne in ihrem Blut berich­tet. Scha­de nur, dass sie den Clip noch zum Win­ter­en­de hin dre­hen muss­ten: dem som­mer­lich-leicht klin­gen­den Lied mit sei­nen vie­len “La la la“s hät­te etwas mehr Grün (und etwas mehr von der besun­ge­nen Son­ne) bes­ser gestan­den. Doch das ist Jam­mern auf hohem Niveau: die lan­des­sprach­lich (!) into­nier­te Wei­se zählt frag­los zu den Fan-Favo­ri­ten die­ses Jahr­gangs.

Ver­scheu­chen noch die letz­ten Rehe aus dem Gehölz: Navi (BY)

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Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünf­ten Zwei­kampf unse­res Leser/in­nen-Spiels wid­men wir uns einer bei vie­len Fans äußerst belieb­ten Spe­zi­es: der schrei­en­den Frau. Laut­stär­ke und lang­ge­zo­ge­ne Töne brin­gen nicht nur vie­le Juro­ren­her­zen zum Schmel­zen, son­dern sor­gen auch bei etli­chen Euro­vi­sio­nis­tas für Ohr­gas­men. Eine Tech­nik, die gera­de die Alba­ne­rin­nen beson­ders gut beherr­schen, und so soll­te es nicht ver­wun­dern, dass unse­re ers­te heu­ti­ge Kämp­fe­rin für das Land der Ski­pe­ta­ren antritt. Die in den USA leben­de Koso­va­rin behaup­tet in ihrer eth­no-ange­hauch­ten, hoch­dra­ma­ti­schen Bal­la­de ‘World’ zwar, des Kamp­fes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unbe­rech­tig­te Fra­ge: “What’s this fight all for”? Doch so ganz möch­te man der 28jährigen die­se Anti­kriegs-Atti­tü­de nicht abneh­men. Wür­de sie sonst mit­ten im Song zu einem über zwan­zigs­ekün­di­gen, tech­nisch ein­wand­frei abge­lie­fer­ten Schrei anset­zen, bei dem man im Geis­te förm­lich erspü­ren kann, wie sich im Hin­ter­grund die Jury-Punk­te auf­ad­die­ren? Und auch den Spa­gat zwi­schen ihren unbe­lehr­bar auf das ver­meint­lich wett­be­werbs­fä­hi­ge­re Eng­lisch fixier­ten Lands­leu­ten und den Jahr für Jahr um Lan­des­sprach­lich­keit bet­teln­den inter­na­tio­na­len Grand-Prix-Fans meis­tert sie gran­di­os, in dem sie den angli­fi­zier­ten Text ein­fach mit alba­ni­schem Zun­gen­schlag into­niert und so bei­den Sei­ten ent­ge­gen­kommt. Cle­ver!

Schwebt stets im Abend­kleid durch die koso­va­ri­schen Wäl­der: Lin­di­ta (AL)

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Euro­vi­si­on Death­match #4: von durch­ge­knall­ten Bal­ten

Litau­en und Lett­land: zwei benach­bar­te Bal­ti­kums-Repu­bli­ken, die ich auf­grund ihrer nament­li­chen Ähn­lich­keit öfters mit­ein­an­der ver­wech­se­le. Die bei­den Län­der machen es einem aber auch nicht leicht: nicht nur, dass sie bei­de mit “L” anfan­gen und beim Euro­vi­si­on Song Con­test meist eher um die hin­te­ren Plät­ze mit­spie­len. Sie schi­cken auch ger­ne mal ähn­lich abstru­se Bei­trä­ge, die selbst der geneig­tes­te Fan nach ein­ma­li­gem, pflicht­be­wuss­ten Anhö­ren schul­ter­zu­ckend auf den Sta­pel mit dem Auf­schrift “Auch. Das… auch” legt und so schnell wie mög­lich ver­gisst. 2017 bil­det da kei­ne Aus­nah­me: da ging aus dem gefühlt vier­hun­dert­wö­chi­gen litaui­schen Vor­ent­scheids­ma­ra­thon ein Künst­ler­kol­lek­tiv namens Fused­marc als Sie­ger her­vor, dem die meis­ten Nicht-Bal­t/in­nen wohl klamm­heim­lich ein gedank­li­ches “Kon-” vor den Namen setz­ten, ob ihres ziem­lich wir­ren Titels ‘Rain of Revo­lu­ti­on’, der musi­ka­lisch ziel­los vor sich hin mäan­dert und sich nicht ent­schei­den kann, wel­che Rich­tung er ein­schla­gen möch­te. Ver­wirrt zeig­te sich auch die Band ob ihrer Ernen­nung zu Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten: trotz von­sei­ten der EBU bereits zwei­fach ver­län­ger­ter Abga­be­frist konn­ten sie bis zum vori­gen Sams­tag noch immer kei­ne Stu­dio­fas­sung ihres Grand-Prix-Bei­trags ablie­fern, was nun den Pro­duk­ti­ons­pro­zess des dies­jäh­ri­gen ESC-Sam­plers ins Schlin­gern bringt.

Revo­lu­tio­när unkom­mer­zi­ell: Fused­marc (LT)

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Euro­vi­si­on Death­match #3: I heard it all befo­re

Run­de 3 im Zwei­kampf der Grand-Prix-Teil­neh­mer/in­nen 2017. Dies­mal schi­cken wir zwei Künstler/innen in die töd­li­che Schlacht, die es in Sachen musi­ka­li­scher Ori­gi­na­li­tät nicht all zu genau neh­men: Zypern gegen Deutsch­land oder der Zwei­kampf der “Pla­gi­at!”-Titel lau­tet unse­re heu­ti­ge Aus­lo­sung. Für die son­ni­ge Mit­tel­meer­in­sel tritt der 28jährige Hovig Demir­jan an, Sohn arme­ni­scher und zypri­scher Eltern, der – wie so vie­le Ande­re – erst­ma­lig durch eine Teil­nah­me an einer Cas­ting­show (in sei­nem Fal­le: X Fac­tor Ella­da) ins Ram­pen­licht trat. Der optisch durch­aus ker­ni­ge, dafür stimm­lich nicht unbe­dingt beson­ders geseg­ne­te Sän­ger bedien­te sich für sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag ‘Gra­vi­ty’ unver­kenn­bar am 2016er Mons­ter­hit ‘Human’ von Rag’n’Bone Man. Dabei steht das brand­ak­tu­el­le Klang­ge­rüst dem Titel sehr gut, ins­be­son­de­re die cha­rak­te­ris­ti­schen, ver­schlepp­ten Beats ver­lei­hen dem mit ledig­lich 75 BPM eigent­lich extrem lang­sa­men Song (zum Ver­gleich: die por­tu­gie­si­sche Bal­la­de ‘Amar pelos Deus’ ist mit 92 Schlä­gen pro Minu­te deut­lich schnel­ler) einen ordent­li­chen Schub. Text­lich kann Hovig mit sei­nem gro­ßen Vor­bild aller­dings nicht mit­hal­ten: han­delt ‘Human’ von gro­ßen The­men wie mensch­li­cher Ambi­va­lenz, Schuld und der Über­for­de­rung durch die Kom­pli­ziert­heit der Welt, so reiht der Zyp­rer in ‘Gra­vi­ty’ ledig­lich Kli­schees anein­an­der – und kriegt noch nicht mal das Sujet rich­tig auf die Rei­he: “Let me be your wings / When you’re fly­ing high / I’m gon­na rai­se you up till you touch the sky,” beginnt der Refrain, “I’ll catch you when you fall / When you’re fal­ling free / Let me be, be your gra­vi­ty”. Nun ist die Schwer­kraft mei­nen rudi­men­tä­ren Phy­sik-Kennt­nis­sen zufol­ge doch eigent­lich genau das, was uns am Flie­gen hin­dert. Und was dafür sorgt, dass wir stür­zen und uns beim Fal­len weh tun. Wenn Hovig unse­re Schwin­gen sein und unse­ren Sturz abfe­dern möch­te – ist er dann nicht das genaue Gegen­teil des­sen, was er besingt?

Hat im Unter­richt wie­der nicht rich­tig zuge­hört: Hovig (CY)

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Euro­vi­si­on Death­match #2: Er war gera­de 18 Jahr

Nach dem gest­ri­gen explo­si­ven Auf­takt unse­res Leser/in­nen-Spiels Euro­vi­si­on Death­match bege­ben wir uns in der heu­ti­gen, zwei­ten Run­de in ruhi­ge­re Gefil­de. Zwei sanft­mü­ti­ge, unschul­dig anmu­ten­de Knäb­lein schi­cken wir heu­er in den Abstim­mungs­kampf um Leben und Tod. Sie kom­men aus zwei Grand-Prix-Natio­nen, die im Eng­li­schen auf­grund ihrer nament­li­chen Ähn­lich­keit ger­ne schon mal mit­ein­an­der ver­wech­selt wer­den, und so könn­ten wir die­se Aus­ga­be auch unter die Über­schrift “Aus­triA­li­en” stel­len. Für unse­re Nach­barn Öster­reich geht dabei der knapp fünf­und­zwan­zig­jäh­ri­ge Tiro­ler Natha­ne­le Koll ali­as Nathan Trent an den Start, den ein ESC Nati­on-Fore­nu­ser unlängst mit den schö­nen Wor­ten “Nathan hat die­se ‘Nimm mich an der Hand und bring mir Din­ge bei’-Ausstrahlung, zu der ich ein­fach nicht nein sagen kann” lob­preis­te. Eben die Aura der unver­dor­be­nen, arg­lo­sen Jugend, die auch im tou­ris­tisch anmu­ten­den Begleit­vi­deo zu sei­nem Bei­trag ‘Run­ning on Air’ zum Aus­druck kommt, wo er auf sei­nem Weg zu einem ver­schnei­ten Alpen-Berg­gip­fel zu einem völ­lig frem­den Mann ins Auto steigt und ohne die selbst­lo­se Hil­fe wie zufäl­lig allei­ne im Wald her­um­spa­zie­ren­der Her­ren noch nicht mal in der Lage wäre, die Land­kar­te rich­tig her­um zu hal­ten. Oder die Him­mels­rich­tung “oben” zu fin­den. Hat er in der Schu­le denn gar nichts gelernt? Ver­ständ­lich also, dass eher müt­ter­lich gepräg­ten Zuschauer/innen bei sei­nem Anblick unwill­kür­lich die Milch ein­schießt, wobei ich gleich­zei­tig gewis­se Zwei­fel hege, wel­che “Din­ge” der oben zitier­te ESCN-User unse­rem Grand-Prix-Joey-Heind­le denn so bei­zu­brin­gen gedäch­te…

The only Way is up: Nathan wür­de ich auch im Auto mit­neh­men – solan­ge er nicht singt! (AT)

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