Neues von Damals: Lugano zahlte für den ersten ESC

Womit wäre die eurovisionäre Sommerpause besser zu überbrücken als mit Meldungen aus der reichhaltigen Geschichte des Wettbewerbs? So ist es dem schottischen Eurovisionsfan David A. Allen nach hartnäckigem Drängen gelungen, lange Zeit verschollene Dokumente aus dem Stadtarchiv von Lugano auszugraben, wo 1956 die Premiere des europäischen Gesangswettbewerbs über die Bühne ging. Und zwar deswegen, weil die Schweiz als neutrales Land im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb und seinerzeit über die intakteste und fortschrittlichste TV-Infrastruktur verfügte. Da der Song Contest auch eine Leistungsschau des Fernsehens sein sollte, fiel die Wahl beim konstituierende EBU-Eurovisions-Treffen in Rom im Oktober 1955 dementsprechend auf die Eidgenossen. Die gaben die Stafette an den Sender ihres italienischsprachigen Landesteils, Radio Svizzera Italiana (RSI) weiter, der den Unterlagen zufolge nicht nur das Sendeformat und die Regeln des Premierenwettbewerbs völlig eigenständig und ohne Vorgaben aus Genf entwickeln, sondern auch eine geeignete Location finden musste. Die größte Stadt des malerischen Tessin, eines der beiden italophilen Landesteile der Schweiz, griff dem Sender dabei großzügig unter die Arme: nicht nur stellte sie das Theatro Kursaal mit dem angeschlossenen Kasino für die Show und die After-Show-Party kostenlos zur Verfügung und organisierte verbilligte Hotelzimmer für die anreisenden Delegationen, sie steuerte auch 7.000 Schweizer Franken – und damit rund ein Siebtel der avisierten Kosten – zum Budget bei, seinerzeit eine Menge Geld (den Löwenanteil von 30.000 Franken teilten sich RSI und das Schweizer Fernsehen). Im Gegenzug versprach RSI der 60.000-Einwohner-Gemeinde eine Steigerung der touristischen Bekanntheit des grenznahen Seeanrainerstädtchens: „Der Name Lugano wird nicht nur in den nationalen Vorentscheidung Erwähnung finden – das TV-Finale wird die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen auf Lugano lenken,“ so stehe es in den Unterlagen.

(c) Vincenzo Vicari / David A Allen. Hier ein Foto vom Auftritt von Michele Arnauld (LU).

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Dem Arsch von Kiew droht der Knast

Wer vergangene Samstagnacht während der Wertungspause beim Finale des 62. Eurovision Song Contest in Kiew gerade kurz mit der Stimmabgabe, dem Plaudern mit Freunden oder dem Getränkenachschub beschäftigt war oder auch nur kurz blinzelte, verpasste womöglich die ärgerlich-unterhaltsamsten fünf Sekunden der gesamten Show: während die Vorjahressiegerin Jamala gerade ihre spektakulär langweilige und musikalisch erstaunlich farblose neue Single ‚I believe in U‘ vorstellte, enterte ein mit der australischen Flagge umhüllter Mann urplötzlich die Satellitenbühne, umtänzelte kurz die ukrainische Sängerin (die sich nichts anmerken ließ und ihren Auftritt professionell weiter durchzog), um dann überraschend blankzuziehen und seinen Allerwertesten in die Kamera zu strecken. So schnell, wie er kam, war er auch wieder weg: nur Sekunden später zog ihn die Security von der Bühne. Noch in der Nacht stellte sich heraus, dass es sich nicht, wie zunächst vermutet, um einen Fan-Hooligan aus Down Under handelte (wie auch, ein echter Grand-Prix-Fan würde so etwas Affiges niemals tun!), sondern um einen professionellen Störer. Vitalii Sediuk heißt der Mann, ein ehemaliger ukrainischer TV-Journalist, der seine massive Profilneurose auslebt, in dem er weltweit nichts Böses ahnende Prominente belästigt und für Tumulte bei glamourösen Veranstaltungen sorgt. Er vergrub unter anderem schon sein Gesicht im Schritt von Leonardo DiCaprio und versuchte, Kim Kardashians extraordinären Hintern zu küssen. Nun drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft, wie unter anderem der Spiegel unter Bezug auf die Nachrichtenagentur dpa kolportiert. Der von der internationalen Blamage erboste ukrainische Innenminister bezeichnete den offenbar sozial gestörten Mann bereits als „Schande des Landes“. Bei Sediuk handelt es sich nicht um den ersten Eurovisionsflitzer: bereits 2010 enterte der Spanier Jaume Marquet während des Auftritts seines Landsmannes Daniel Diges beim ESC in Oslo die Bühne und fügte sich für wenige Takte in die Harlekin-Choreographie des iberischen Walzers ‚Algo Pequeñito‘ ein, ohne allerdings irgendwelche Körperteile zu entblößen. Marquet kam seinerzeit mit einer milden Geldbuße davon.

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Finale 2017: Gift im Instrument

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metropole und sang stattdessen inmitten des andächtig schweigenden, von seiner intimen Darbietung ebenso wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergriffenen Hallenpublikums auf der kleinen Satellitenbühne stehend seine zerbrechliche, hauchzarte Trennungsschmerzballade ‚Amar pelos Dois‘, ein flehendes Abschiedslied an seine Verflossene, in welcher er in poetischen Worten seine Trauer, seine noch immer sanft glimmende Hoffnung auf eine Rückkehr der Geliebten und seine Entschlossenheit, seine Liebe niemals sterben zu lassen, vor uns ausgoß. Was ich im Übrigen nur weiß, weil ich die Übersetzung seines in Landessprache verfassten Songtextes gegoogelt habe. Doch die Sprachbarriere spielte keine Rolle: auch ohne ein Wort zu verstehen, konnte man die mit dem Lied verbundenen Emotionen fühlen, ja geradezu mit Händen greifen. Die Bildregie des veranstaltenden Senders blendete im Anschluss an seinen Auftritt in den Green Room, wo sich die armenische Teilnehmerin Artsvik Harutyunyan gerade ein Tränchen aus dem Auge wischte und damit wohl auf den Punkt brachte, was wir alle (oder jedenfalls alle mit einem offenen Herzen) in diesem Moment empfanden. Es war eine seltener Moment der Überwältigung, ein Sieg der „Musik, die wirklich etwas ausdrückt,“ wie der portugiesische Adelsspross sagte, als man ihn am Ende des Abends zur Reprise auf die Bühne holte.

Jackett frisst Künstler: Hutzelmännchen Salvador überzeugte dennoch (PT)

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Um dia de ilusão: Portugal gewinnt den ESC 2017

Es war dieser eine magische Augenblick, noch relativ früh in der Show: Salvador Sobral, der portugiesische Vertreter beim Eurovision Song Contest 2017, hatte gerade den letzten Ton von ‚Amar pelos Dois‘ verklingen lassen, das bis dahin geradezu andächtig stille Publikum ließ den Jubel aufbranden und die Bildregie blendete in den Green Room, auf die armenische Mitbewerberin Artsvik, die sich gerade in völliger Ergriffenheit ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischte und damit auf den Punkt brachte, was Millionen von Zuschauer/innen in diesem Moment empfanden. Sie wird vermutlich, wie fast alle Europäer/innen, Australier/innen und wer auch immer sonst noch zuschaute am gestrigen Samstagabend, des Portugiesischen nicht mächtig sein, also kein Wort verstanden haben von dem, was der ziemlich koboldhafte und verschroben wirkende Lissabon-Hipster gerade in die Welt gesungen hatte. Und doch konnte sie seine zutiefst melancholische Trauer spüren, die leise, unsterbliche Hoffnung, dass die Verflossene es sich vielleicht doch noch einmal anders überlegt und zu ihm zurückkehrt, sowie die lakonische Entschlossenheit, dann halt für Zwei zu lieben, falls sie es nicht tut. Gefühle brauchen keine Sprache! Salvador hatte sie berührt, und er hatte, wie sein Erdrutschsieg bei der Punkteauszählung zeigen sollte, einen ganzen Kontinent berührt mit seiner zarten, poetischen, musikalisch völlig aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade, die komplett auf eine Show verzichtete und auch sonst fast alle ungeschriebenen Eurovisionsregeln brach. Bis auf die eine, die allerwichtigste: Du sollst die Menschen verzaubern! Es sei ein Sieg für „Musik, die wirklich etwas ausdrückt“, für den Song, der eine Geschichte zu erzählen hat, so sagte der Portugiese sinngemäß, als man ihn zur Reprise bat, nachdem er sowohl bei den Jurys als auch beim Publikum so viel Zustimmung eingesammelt hatte, dass er sogar den bisherigen Punkterekord von Alexander Rybak (→ NO 2009) in den Schatten stellte und seinem Land, das seit 1964 beim Grand Prix dabei ist und bislang überwiegend miserable Ergebnisse einfuhr, seine erste Eurovisionskrone bescherte. Und dann lieferte er uns noch einen weiteren magischen Moment an diesem ungewöhnlichen Abend, in dem er seine Schwester Luísa, die den Titel ‚Amar pelos Dois‘ schrieb und die bei den Proben als Krankheitsvertretung für ihn eingesprungen war, mit auf die Satellitenbühne holte und sie sein Lied gemeinsam sangen, verbunden in sichtbar und spürbar tiefer geschwisterlicher Zuneigung. Und da musste auch ich mir ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen.

Nur noch Gefühl: Salvador und Luísa bei der Siegerreprise (PT)

Offiziell: Russland nimmt nicht am ESC 2017 teil

Das andauernde Tauziehen um die Teilnahme der russischen Vertreterin Julia Samoylova am Eurovision Song Contest 2017 in Kiew hat ein so unerfreuliches wie erwartbares Ende gefunden: wie die EBU heute Abend offiziell auf ihrer Eurovisions-Website bekannt gab, findet der Wettbewerb nun definitiv ohne die im Rollstuhl sitzende Sängerin statt. Das Gastgeberland Ukraine ist, wie sich aus den Verlautbarungen der letzten Tage bereits abzeichnete, hinsichtlich des in Folge eines Auftrittes Samoylovas auf der annektierten Krim vom Geheimdienst verfügten Einreiseverbotes hart geblieben, Vermittlungsvorschläge aus Genf hinsichtlich einer externen Zuschaltung ihres Auftritts bzw. des Austauschs gegen einen anderen, unbelasteten Interpreten lehnte das russische Fernsehen ab. Stattdessen gab der Perwy Kanal heute bekannt, dass man die europäischen Liederfestspiele im Mai nicht übertragen wolle. „Das hat leider zur Folge, dass Russland nicht am diesjährigen Wettbewerb teilnehmen kann,“ so die EBU. „Wir hätten uns sehr gewünscht, dass alle 43 Länder hätten teilnehmen könne und wir haben alles versucht, dies zu ermöglichen“. Frank-Dieter Freiling vom ZDF, Vorsitzender der Reference Group, sprach deutliche Worte in Richtung des Gastgebers: „Wir verurteilen die Entscheidung der ukrainischen Behörden scharf, ein Einreiseverbot gegen Julia Samoylova zu verhängen, da wir glauben, dass dies die Integrität und unpolitische Natur des Eurovision Song Contest und seine Mission, alle Nationen in einem friedlichen Wettbewerb zu vereinen, untergräbt“. Über mögliche Konsequenzen für die Ukraine verlor die Mitteilung indes kein Wort, man wolle sich nun zunächst mit aller Kraft darauf konzentrieren, gemeinsam mit dem ausrichtenden Sender eine möglichst spektakuläre Show auf die Beine zu stellen.

Wie vermutet: Julias Flamme wird nicht in Kiew brennen

Celebrate Diversity: 3 Männer moderieren den ESC 2017

Erstmals in der über sechzigjährigen Geschichte des Eurovision Song Contest wird im Mai 2017 in Kiew ein Team von drei männlichen Moderatoren durch die drei Abende führen, wie heute bekannt wurde. Bis dato überwogen stets die Gastgeberinnen, Männer moderierten beim Grand Prix entweder (in den seltensten Fällen) solo oder in gemischten Teams. Ob die reine Männerwirtschaft unter diesem Gesichtspunkt zur „Vielfalt“ beiträgt, die in Kiew dem diesjährigen Motto zufolge gefeiert werden soll, muss wohl jeder für sich beurteilen. Eine komplett überlaufene Bühne wie in Wien braucht man aber nicht zu befürchten: die beiden im TV-Showgeschäft bereits erfahrenen Herren Oleksandr Skichko und Volodymyr Ostapchuk teilen sich die eigentliche Moderation der Show, während der von eurovision.tv als „lebenslanger Eurovisionsfan“ apostrophierte Timur Miroshnychenko, seines Zeichens langjähriger Vorentscheidungsmoderator und Eurovisionskommentator fürs ukrainische Fernsehen (also gewissermaßen Barbara Schöneberger und Peter Urban in einer Person), lediglich den Greenroom-Pausenclown gibt. ESC-Supervisor Jan Ola Sand schmeichelte: „Olexandr, Volodymyr und Timur haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie Humor, Improvisationsvermögen und Professionalität miteinander kombinieren können. Ich bin sicher, dass sie die Zuschauer im Mai gut unterhalten“. Na dann!

Wirken ganz sympathisch: unsere Gastgeber in Kiew

Fantastico: ‚Occidentali’s Karma‘ bleibt in Italienisch!

Es ist die beste Nachricht der laufenden Eurovisionssaison: wie Wiwibloggs soeben berichtete, verkündete der italienische Eurovisionsteilnehmer und bereits vielfach als aussichtsreichster Thronanwärter ausgerufene Franceso Gabbani am gestrigen Abend in der RAI-Unterhaltungssendung Standing Oviations, dass er seinen Titel ‚Occidentali’s Karma‘ in Kiew in seiner Landessprache singen werde. „Es ist eine große Verantwortung,“ sagte er im Hinblick auf seine Funktion als Repräsentant der Halbinsel beim europäischen Wettstreit. „Ein Abenteuer, das ich mit großer Spontanität erleben will. So, wie ich das immer versuche. Ich möchte die Reputation der italienischen Musik hochhalten, also präsentiere ich den Song in seiner Ursprungsversion, auf Italienisch“. Hurra! Gabbani schwankte nach seinem Sieg beim San Remo Festival eine Weile, ob er Teile seiner rundweg fantastischen Lyrics der besseren internationalen Verständlichkeit wegen auf Englisch singen solle. Als Beispiel hierfür sei die Textstelle „La Scimmia nuda balla“ („Der nackte Affe tanzt“) genannt, die sich auf  das 1967 erschienene, seinerzeit ziemlich bahnbrechende und vieldiskutierte wissenschaftliche Buch Der nackte Affe des britischen Biologen Desmond Morris bezieht, das mit dieser Zuschreibung natürlich den Menschen meint, diesen haarlosen Primaten. Ohne dieses Wissen, so die Befürchtung, könnten viele Zuschauer/innen den Tänzer im Gorillakostüm, der Francesco beim San-Remo-Auftritt auf der Bühne begleitete, womöglich nur für einen albernen Gimmick halten und den Song als Comedy-Nummer abtun. Doch das Risiko besteht bei einer Teilübersetzung genau so. Zumal ohnehin die wenigsten Zuschauer/innen an einem solchen Abend tatsächlich intensiv auf das Gesungene achten (soweit man es überhaupt schon rein von der Aussprache her versteht). Ein Sprachenmischmasch – der ja bei anderen Titeln durchaus Sinn machen kann – würde aber, so auch das Empfinden beim Großteil der Fans, speziell diesem Lied seine ganz besondere Aura rauben. Diese Gefahr ist nun beigelegt, und so sollte die RAI schon mal diskret überprüfen, welche geeigneten Hallen im Mai 2018 in Rom, Mailand oder Neapel so zur Verfügung stehen…

Vielleicht sollte die EBU aber ihre Mitgliedsstationen verpflichten, während des ESC Untertitel anzubieten und die Songtexte in die jeweilige Landessprache zu übersetzen?

Christer, der Erretter: Björkman wird Produzent des ESC 2017

Die EBU scheint angesichts des fortdauernden Chaos rund um die Organisation des für den 13. Mai 2017 terminierten Eurovision Song Contest durch den ukrainischen Sender NTU die Reißleine zu ziehen und schickt den Melodifestivalen-Chef und Produzenten der beiden letzten schwedischen ESCs in Malmö und Stockholm, Christer Björkman (→ SE 1992), gen Kiew, um zu retten, was zu retten ist. Der Schwede wird dort offiziell für die Bühnenpräsentation der 43 teilnehmenden Acts verantwortlich zeichnen und freut sich auch schon, seine „Zähne in die Songs schlagen“ zu können, wie er im Interview verrät. Das tut denen doch weh! In den Fan-Foren ging natürlich unmittelbar das Geheule los, dass dem Wettbewerb nun eine erneute Schwedifizierung drohe – teils vorgebracht von denselben Leuten, die erst unlängst greinten und wehklagten, dass es die Ukrainer nicht hinbekämen. Letzteres findet wohl auch Eurovisions-Obermotz Jan Ola Sand, der die Neuigkeit auf eurovision.tv folgendermaßen kommentierte: „Björkman ergänzt ein bereits vorhandenes, exzellentes Produktionsteam, seine umfassende Erfahrung in der Produktion des Eurovision Song Contests wird von unschätzbarem Wert sein“. Liest sich so, als solle Christer den Beteiligten vor Ort ein wenig Feuer unter dem Hintern machen und die nötigen Strippen ziehen bzw. die richtigen Kontakte vermitteln. Gegenüber seinem Heimatsender NRK wurde der Norweger Sand unter Bezugnahme auf das Hinterherhängen der Ukrainer hinter dem Zeitplan noch etwas deutlicher, wie ESC Daily meldete: er habe „so etwas noch nie erlebt“! Dennoch sei man sicher, die Show noch rechtzeitig auf die Beine stellen zu können. Nach dem Rücktritt mehrerer führender Mitarbeiter/innen des ukrainischen Staatssenders letzte Woche wurden dort zwischenzeitlich neue Verantwortliche für die Bereiche Vermarktung, Sicherheit und Eventmanagement ernannt. Morgen gehen die Eintrittskarten für die beiden Semis in den Verkauf (die fürs Finale sind bereits weg). Wer sein Glück versuchen will, sollte gegebenenfalls vorher seine Kreditkarte für Zahlungen in die Ukraine freischalten lassen, diese Funktion ist bei vielen Banken standardmäßig gesperrt.

 Kann es gar nicht abwarten: der Christer

Christer Björkman hat die Finger wieder drin: eine gute Entscheidung?

  • Ja sicher. Erfahrung hat er ja nun mal, und die wird grad dringend gebraucht. (41%, 46 Votes)
  • Mir geht diese Einmischerei auf den Keks: lasst die Ukraine doch alleine glänzen - oder scheitern. (30%, 33 Votes)
  • Ich hoffe nur, Christer kann das Ruder jetzt noch rumreißen. (16%, 18 Votes)
  • Och nö! Warum lässt man den ESC überhaupt noch reisen, wenn es eh jedes Jahr die Schweden produzieren? (13%, 14 Votes)

Total Voters: 111

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NDR holt professionelle Hilfe für Levina

Es ist ein rundheraus löblicher Schritt: wie der Prinz-Blog gestern berichtete, hat der NDR für die professionelle Inszenierung des deutschen Eurovisionsauftritts in Kiew einen Meister seines Fachs beauftragt: den österreichischen Choreografen Marvin Dietmann nämlich. Der zeichnete bereits 2014 für das herausragende Staging von Conchita Wursts ‚Rise like a Phoenix‘ verantwortlich, das er effektiv und hochwertig in Szene setzte und damit einen nicht unerheblichen Anteil an dem Sieg der Grand-Prix-Ikone für sich reklamieren kann. Dietmann, der die fünf deutschen Kandidat/innen bereits im Vorfeld von Unser Song 2017 kennenlernte, soll nun für unsere Vertreterin Levina Lueen ein Staging konzipieren, mit dem wir nach Möglichkeit international positiv im Gedächtnis bleiben. Dass der Sender die Wichtigkeit des Bühnenbildes und der Songpräsentation überhaupt anerkennt und auch bereit ist, dafür Geld in die Hand zu nehmen (denn ein so erfahrener und vielgebuchter Choreograf ist sicherlich nicht für Peanuts zu bekommen), verdient Anerkennung. Das gilt in ähnlicher Weise ebenso für das heute vorgestellte Musikvideo zum deutschen Wettbewerbsbeitrag ‚Perfect Life‘, auch wenn dieses für den Erfolg in Kiew eine nur untergeordnete Rolle spielt. Dennoch ist es erfreulich, dass man den früher gerne gemachten Fehler vermied, direkt im Anschluss an die Vorentscheidung in der gleichen Nacht und im gleichen Studio noch schnell ein entsprechend lieblos hingerotzt wirkendes Video herunterzukurbeln, wie beispielsweise seinerzeit bei Lena (→ DE 2010). Oder sich den Aufwand gleich ganz zu sparen und den Live-Mitschnitt vom Vorentscheidungsauftritt bei der EBU als offizielles Präsentationsvideo einzureichen, während viel kleinere und finanzschwächere Länder aufwändig produzierte Clips herstellen ließen, was bei mir stets für nationale Beschämung sorgte. Ob es (auch) mit einem Wechsel der betreuenden Plattenfirma (von Universal zu Sony) zu tun hat, dass man sich in Hamburg diesmal mehr Mühe gibt?

Setzt nicht zwingend neue Maßstäbe, wirkt aber zumindest angenehm unpeinlich: das offizielle Musikvideo zum deutschen Beitrag 2017, ‚Perfect Life‘

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Ticket oder kein Ticket – das ist hier die Frage

Wie unter anderem der Prinz-Blog berichtet, zieht das Chaos rund um die Organisation des Eurovision Song Contest 2017 in Kiew immer größere Kreise. Nachdem gestern mit nur sehr kurzer zeitlicher Vorwarnung der Verkauf der Eintrittskarten für das Event startete, bangt derzeit ein Großteil der wenigen vermeintlich Glücklichen, die es schafften, beim ukrainischen Anbieter Concert.ua ein Ticket zu ergattern, weiterhin. Grund: massenhafte Probleme bei der Abwicklung der Kreditkartenzahlung. Reihenweise bekamen westeuropäische Besteller die Mitteilung, dass die Zahlung storniert worden sei – nun tappen die Betroffenen im Dunkeln, ob sie sich im Besitz eines gültigen Tickets befinden oder nicht. Zumal die beauftragte Agentur die Karten, anders als zuvor angekündigt, in einzelnen Raten einstellt und der Verkauf munter weitergeht, so dass zu befürchten steht, dass die stornierten Tickets ein zweites Mal über den virtuellen Tresen gehen. Gleichzeitig gilt bei den Fanclub-Kontingenten „raus aus die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln“: hieß es am Montag noch, dass die OGAE diesmal leer ausgehe, weil die strengen Antikorruptionsregeln in der Ukraine keinen rabattierten Verkauf zuließen, so bekamen die organisierten Eurovisionistas nach intensiven Nachverhandlungen nun doch noch eine Zusage über insgesamt 1.000 eigens reservierte Plätze in der Eurovision Mosh Pit (die Stehplätze direkt vor der Bühne) und 850 Sitzplätze, allerdings bislang nur mündlich. Klar ist nur, dass es keine der bislang üblichen All-in-One-Pakete für sämtliche Proben plus den Liveshows geben soll. Auch in Sachen Fan-Akkreditierungen und der hart umkämpften Playlist im Euroclub scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen, nachdem sich die EBU in die Verhandlungen eingeschaltet hat. Nun sollte man eigentlich meinen, dass die Ukraine 2005 beim letzten Contest in Kiew genügend Erfahrungen mit beschäftigungslosen Animierdamen in der offiziellen Party-Location sammelte, um zu wissen, was für ein Publikum da kommt und welche Art von Musik es hören will. Und dass Club wie Tanzfläche leer bleiben, wenn dort statt Mello-Mucke aktuelle Dance-Charts-Kracher laufen. Aber es scheint gewisse Lernresistenzen zu geben. Ich bin jedenfalls froh, mich von vorneherein entscheiden zu haben, nicht in die Ukraine zu fahren, drücke aber allen Betroffenen natürlich fest die Daumen, dass sich alles doch noch zum Guten aufklärt.

Welche Musik läuft in Kiew nur in dem Club, dem Club, oh-oh?