Die Wür­fel sind gefal­len: es geht 2019 nach Tel Aviv!

Das ICC in Tel Aviv

Hur­ra, end­lich star­tet sie ganz offi­zi­ell, die ESC-Sai­son 2019! Heu­te, am 13. Sep­tem­ber 2018, gab die EBU nach lan­gem Gezer­re doch noch die von Fans her­bei­ge­sehn­te Ent­schei­dung bekannt: der nächs­te Euro­vi­si­on Song Con­test fin­det am 14., 16. und 18. Mai 2019 (wie immer: Diens­tag und Don­ners­tag die zwei Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den, Sams­tag das gro­ße Fina­le) im Inter­na­tio­nal Con­ven­ti­on Cen­ter (ICC) auf dem Expo-Gelän­de in Isra­els Par­ty­me­tro­po­le Tel Aviv statt. Damit haben sich die libe­ra­len Kräf­te gegen­über den Tra­di­tio­na­lis­ten durch­ge­setzt, die das inter­na­tio­na­le Event in der poli­ti­schen und reli­giö­sen Haupt­stadt des Lan­des sehen woll­ten. Nicht nur den quee­ren Fans dürf­te heu­te ein Stein vom Her­zen gefal­len sein, son­dern auch den TV-Macher/in­nen. Tho­mas Schrei­ber vom NDR zählt die wich­tigs­ten Grün­de auf, die ver­mut­lich den Aus­schlag gaben: “aus­rei­chend Hotel­zim­mer mit kur­zen Wegen, kei­ne zeit­li­chen Ein­schrän­kun­gen für Pro­ben, dazu eine Stadt am Mit­tel­meer, die nie­mals schläft. Wir freu­en uns auf Tel Aviv!” Und wie!

Dann kann der Gol­den Boy ja jetzt sein Ver­spre­chen “Befo­re I lea­ve / let me show you Tel Aviv” wahr machen. Ich freu mich drauf!

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten ESC

Womit wäre die euro­vi­sio­nä­re Som­mer­pau­se bes­ser zu über­brü­cken als mit Mel­dun­gen aus der reich­hal­ti­gen Geschich­te des Wett­be­werbs? So ist es dem schot­ti­schen Euro­vi­si­ons­fan David A. Allen nach hart­nä­cki­gem Drän­gen gelun­gen, lan­ge Zeit ver­schol­le­ne Doku­men­te aus dem Stadt­ar­chiv von Luga­no aus­zu­gra­ben, wo 1956 die Pre­miè­re des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs über die Büh­ne ging. Und zwar des­we­gen, weil die Schweiz als neu­tra­les Land im Zwei­ten Welt­krieg wei­test­ge­hend ver­schont blieb und sei­ner­zeit über die intak­tes­te und fort­schritt­lichs­te TV-Infra­struk­tur ver­füg­te. Da der Song Con­test auch eine Leis­tungs­schau des Fern­se­hens sein soll­te, fiel die Wahl beim kon­sti­tu­ie­ren­de EBU-Euro­vi­si­ons-Tref­fen in Rom im Okto­ber 1955 dem­entspre­chend auf die Eid­ge­nos­sen. Die gaben die Sta­fet­te an den Sen­der ihres ita­lie­nisch­spra­chi­gen Lan­des­teils, Radio Svizze­ra Ita­lia­na (RSI) wei­ter, der den Unter­la­gen zufol­ge nicht nur das Sen­de­for­mat und die Regeln des Pre­mie­ren­wett­be­werbs völ­lig eigen­stän­dig und ohne Vor­ga­ben aus Genf ent­wi­ckeln, son­dern auch eine geeig­ne­te Loca­ti­on fin­den muss­te. Die größ­te Stadt des male­ri­schen Tes­sin, eines der bei­den italo­phi­len Lan­des­tei­le der Schweiz, griff dem Sen­der dabei groß­zü­gig unter die Arme: nicht nur stell­te sie das Thea­tro Kur­saal mit dem ange­schlos­se­nen Kasi­no für die Show und die After-Show-Par­ty kos­ten­los zur Ver­fü­gung und orga­ni­sier­te ver­bil­lig­te Hotel­zim­mer für die anrei­sen­den Dele­ga­tio­nen, sie steu­er­te auch 7.000 Schwei­zer Fran­ken – und damit rund ein Sieb­tel der avi­sier­ten Kos­ten – zum Bud­get bei, sei­ner­zeit eine Men­ge Geld (den Löwen­an­teil von 30.000 Fran­ken teil­ten sich RSI und das Schwei­zer Fern­se­hen). Im Gegen­zug ver­sprach RSI der 60.000-Einwohner-Gemeinde eine Stei­ge­rung der tou­ris­ti­schen Bekannt­heit des grenz­na­hen See­an­rai­ner­städt­chens: “Der Name Luga­no wird nicht nur in den natio­na­len Vor­ent­schei­dung Erwäh­nung fin­den – das TV-Fina­le wird die Auf­merk­sam­keit von Mil­lio­nen Men­schen auf Luga­no len­ken,” so ste­he es in den Unter­la­gen.

© Vin­cen­zo Vica­ri / David A Allen. Hier ein Foto vom Auf­tritt von Miche­le Arnauld (LU).

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Dem Arsch von Kiew droht der Knast

Wer ver­gan­ge­ne Sams­tag­nacht wäh­rend der Wer­tungs­pau­se beim Fina­le des 62. Euro­vi­si­on Song Con­test in Kiew gera­de kurz mit der Stimm­ab­ga­be, dem Plau­dern mit Freun­den oder dem Geträn­kenach­schub beschäf­tigt war oder auch nur kurz blin­zel­te, ver­pass­te womög­lich die ärger­lich-unter­halt­sams­ten fünf Sekun­den der gesam­ten Show: wäh­rend die Vor­jah­res­sie­ge­rin Jama­la gera­de ihre spek­ta­ku­lär lang­wei­li­ge und musi­ka­lisch erstaun­lich farb­lo­se neue Sin­gle ‘I belie­ve in U’ vor­stell­te, enter­te ein mit der aus­tra­li­schen Flag­ge umhüll­ter Mann urplötz­lich die Satel­li­ten­büh­ne, umtän­zel­te kurz die ukrai­ni­sche Sän­ge­rin (die sich nichts anmer­ken ließ und ihren Auf­tritt pro­fes­sio­nell wei­ter durch­zog), um dann über­ra­schend blank­zu­zie­hen und sei­nen Aller­wer­tes­ten in die Kame­ra zu stre­cken. So schnell, wie er kam, war er auch wie­der weg: nur Sekun­den spä­ter zog ihn die Secu­ri­ty von der Büh­ne. Noch in der Nacht stell­te sich her­aus, dass es sich nicht, wie zunächst ver­mu­tet, um einen Fan-Hoo­li­gan aus Down Under han­del­te (wie auch, ein ech­ter Grand-Prix-Fan wür­de so etwas Affi­ges nie­mals tun!), son­dern um einen pro­fes­sio­nel­len Stö­rer. Vita­lii Sedi­uk heißt der Mann, ein ehe­ma­li­ger ukrai­ni­scher TV-Jour­na­list, der sei­ne mas­si­ve Pro­fil­neu­ro­se aus­lebt, in dem er welt­weit nichts Böses ahnen­de Pro­mi­nen­te beläs­tigt und für Tumul­te bei gla­mou­rö­sen Ver­an­stal­tun­gen sorgt. Er ver­grub unter ande­rem schon sein Gesicht im Schritt von Leo­nar­do DiCa­prio und ver­such­te, Kim Kar­da­shi­ans extra­or­di­nä­ren Hin­tern zu küs­sen. Nun dro­hen ihm bis zu fünf Jah­re Haft, wie unter ande­rem der Spie­gel unter Bezug auf die Nach­rich­ten­agen­tur dpa kol­por­tiert. Der von der inter­na­tio­na­len Bla­ma­ge erbos­te ukrai­ni­sche Innen­mi­nis­ter bezeich­ne­te den offen­bar sozi­al gestör­ten Mann bereits als “Schan­de des Lan­des”. Bei Sedi­uk han­delt es sich nicht um den ers­ten Euro­vi­si­ons­flit­zer: bereits 2010 enter­te der Spa­ni­er Jau­me Mar­quet wäh­rend des Auf­tritts sei­nes Lands­man­nes Dani­el Diges beim ESC in Oslo die Büh­ne und füg­te sich für weni­ge Tak­te in die Har­le­kin-Cho­reo­gra­phie des ibe­ri­schen Wal­zers ‘Algo Peque­ñi­to’ ein, ohne aller­dings irgend­wel­che Kör­per­tei­le zu ent­blö­ßen. Mar­quet kam sei­ner­zeit mit einer mil­den Geld­bu­ße davon.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Um dia de ilusão: Por­tu­gal gewinnt den ESC 2017

Es war die­ser eine magi­sche Augen­blick, noch rela­tiv früh in der Show: Sal­va­dor Sobral, der por­tu­gie­si­sche Ver­tre­ter beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017, hat­te gera­de den letz­ten Ton von ‘Amar pelos Dois’ ver­klin­gen las­sen, das bis dahin gera­de­zu andäch­tig stil­le Publi­kum ließ den Jubel auf­bran­den und die Bild­re­gie blen­de­te in den Green Room, auf die arme­ni­sche Mit­be­wer­be­rin Arts­vik, die sich gera­de in völ­li­ger Ergrif­fen­heit ein Trän­chen aus dem Augen­win­kel wisch­te und damit auf den Punkt brach­te, was Mil­lio­nen von Zuschauer/innen in die­sem Moment emp­fan­den. Sie wird ver­mut­lich, wie fast alle Europäer/innen, Australier/innen und wer auch immer sonst noch zuschau­te am gest­ri­gen Sams­tag­abend, des Por­tu­gie­si­schen nicht mäch­tig sein, also kein Wort ver­stan­den haben von dem, was der ziem­lich kobold­haf­te und ver­schro­ben wir­ken­de Lis­sa­bon-Hips­ter gera­de in die Welt gesun­gen hat­te. Und doch konn­te sie sei­ne zutiefst melan­cho­li­sche Trau­er spü­ren, die lei­se, unsterb­li­che Hoff­nung, dass die Ver­flos­se­ne es sich viel­leicht doch noch ein­mal anders über­legt und zu ihm zurück­kehrt, sowie die lako­ni­sche Ent­schlos­sen­heit, dann halt für Zwei zu lie­ben, falls sie es nicht tut. Gefüh­le brau­chen kei­ne Spra­che! Sal­va­dor hat­te sie berührt, und er hat­te, wie sein Erd­rutsch­sieg bei der Punk­teaus­zäh­lung zei­gen soll­te, einen gan­zen Kon­ti­nent berührt mit sei­ner zar­ten, poe­ti­schen, musi­ka­lisch völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de, die kom­plett auf eine Show ver­zich­te­te und auch sonst fast alle unge­schrie­be­nen Euro­vi­si­ons­re­geln brach. Bis auf die eine, die aller­wich­tigs­te: Du sollst die Men­schen ver­zau­bern! Es sei ein Sieg für “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, für den Song, der eine Geschich­te zu erzäh­len hat, so sag­te der Por­tu­gie­se sinn­ge­mäß, als man ihn zur Repri­se bat, nach­dem er sowohl bei den Jurys als auch beim Publi­kum so viel Zustim­mung ein­ge­sam­melt hat­te, dass er sogar den bis­he­ri­gen Punk­te­re­kord von Alex­an­der Rybak (→ NO 2009) in den Schat­ten stell­te und sei­nem Land, das seit 1964 beim Grand Prix dabei ist und bis­lang über­wie­gend mise­ra­ble Ergeb­nis­se ein­fuhr, sei­ne ers­te Euro­vi­si­ons­kro­ne bescher­te. Und dann lie­fer­te er uns noch einen wei­te­ren magi­schen Moment an die­sem unge­wöhn­li­chen Abend, in dem er sei­ne Schwes­ter Luí­sa, die den Titel ‘Amar pelos Dois’ schrieb und die bei den Pro­ben als Krank­heits­ver­tre­tung für ihn ein­ge­sprun­gen war, mit auf die Satel­li­ten­büh­ne hol­te und sie sein Lied gemein­sam san­gen, ver­bun­den in sicht­bar und spür­bar tie­fer geschwis­ter­li­cher Zunei­gung. Und da muss­te auch ich mir ein Trän­chen aus dem Augen­win­kel wischen.

Nur noch Gefühl: Sal­va­dor und Luí­sa bei der Sie­ger­re­pri­se (PT)

Offi­zi­ell: Russ­land nimmt nicht am ESC 2017 teil

Das andau­ern­de Tau­zie­hen um die Teil­nah­me der rus­si­schen Ver­tre­te­rin Julia Samo­yl­o­va am Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew hat ein so uner­freu­li­ches wie erwart­ba­res Ende gefun­den: wie die EBU heu­te Abend offi­zi­ell auf ihrer Euro­vi­si­ons-Web­site bekannt gab, fin­det der Wett­be­werb nun defi­ni­tiv ohne die im Roll­stuhl sit­zen­de Sän­ge­rin statt. Das Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ist, wie sich aus den Ver­laut­ba­run­gen der letz­ten Tage bereits abzeich­ne­te, hin­sicht­lich des in Fol­ge eines Auf­trit­tes Samo­yl­o­vas auf der annek­tier­ten Krim vom Geheim­dienst ver­füg­ten Ein­rei­se­ver­bo­tes hart geblie­ben, Ver­mitt­lungs­vor­schlä­ge aus Genf hin­sicht­lich einer exter­nen Zuschal­tung ihres Auf­tritts bzw. des Aus­tauschs gegen einen ande­ren, unbe­las­te­ten Inter­pre­ten lehn­te das rus­si­sche Fern­se­hen ab. Statt­des­sen gab der Per­wy Kanal heu­te bekannt, dass man die euro­päi­schen Lie­der­fest­spie­le im Mai nicht über­tra­gen wol­le. “Das hat lei­der zur Fol­ge, dass Russ­land nicht am dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb teil­neh­men kann,” so die EBU. “Wir hät­ten uns sehr gewünscht, dass alle 43 Län­der hät­ten teil­neh­men kön­ne und wir haben alles ver­sucht, dies zu ermög­li­chen”. Frank-Die­ter Frei­ling vom ZDF, Vor­sit­zen­der der Refe­rence Group, sprach deut­li­che Wor­te in Rich­tung des Gast­ge­bers: “Wir ver­ur­tei­len die Ent­schei­dung der ukrai­ni­schen Behör­den scharf, ein Ein­rei­se­ver­bot gegen Julia Samo­yl­o­va zu ver­hän­gen, da wir glau­ben, dass dies die Inte­gri­tät und unpo­li­ti­sche Natur des Euro­vi­si­on Song Con­test und sei­ne Mis­si­on, alle Natio­nen in einem fried­li­chen Wett­be­werb zu ver­ei­nen, unter­gräbt”. Über mög­li­che Kon­se­quen­zen für die Ukrai­ne ver­lor die Mit­tei­lung indes kein Wort, man wol­le sich nun zunächst mit aller Kraft dar­auf kon­zen­trie­ren, gemein­sam mit dem aus­rich­ten­den Sen­der eine mög­lichst spek­ta­ku­lä­re Show auf die Bei­ne zu stel­len.

Wie ver­mu­tet: Juli­as Flam­me wird nicht in Kiew bren­nen

Cele­bra­te Diver­si­ty: 3 Män­ner mode­rie­ren den ESC 2017

Erst­mals in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Euro­vi­si­on Song Con­test wird im Mai 2017 in Kiew ein Team von drei männ­li­chen Mode­ra­to­ren durch die drei Aben­de füh­ren, wie heu­te bekannt wur­de. Bis dato über­wo­gen stets die Gast­ge­be­rin­nen, Män­ner mode­rier­ten beim Grand Prix ent­we­der (in den sel­tens­ten Fäl­len) solo oder in gemisch­ten Teams. Ob die rei­ne Män­ner­wirt­schaft unter die­sem Gesichts­punkt zur “Viel­falt” bei­trägt, die in Kiew dem dies­jäh­ri­gen Mot­to zufol­ge gefei­ert wer­den soll, muss wohl jeder für sich beur­tei­len. Eine kom­plett über­lau­fe­ne Büh­ne wie in Wien braucht man aber nicht zu befürch­ten: die bei­den im TV-Show­ge­schäft bereits erfah­re­nen Her­ren Olek­san­dr Skich­ko und Volo­dy­m­yr Ost­ap­chuk tei­len sich die eigent­li­che Mode­ra­ti­on der Show, wäh­rend der von eurovision.tv als “lebens­lan­ger Euro­vi­si­ons­fan” apo­stro­phier­te Timur Miro­sh­ny­chen­ko, sei­nes Zei­chens lang­jäh­ri­ger Vor­ent­schei­dungs­mo­de­ra­tor und Euro­vi­si­ons­kom­men­ta­tor fürs ukrai­ni­sche Fern­se­hen (also gewis­ser­ma­ßen Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger und Peter Urban in einer Per­son), ledig­lich den Green­room-Pau­sen­clown gibt. ESC-Super­vi­sor Jan Ola Sand schmei­chel­te: “Olex­an­dr, Volo­dy­m­yr und Timur haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie Humor, Impro­vi­sa­ti­ons­ver­mö­gen und Pro­fes­sio­na­li­tät mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren kön­nen. Ich bin sicher, dass sie die Zuschau­er im Mai gut unter­hal­ten”. Na dann!

Wir­ken ganz sym­pa­thisch: unse­re Gast­ge­ber in Kiew

Fan­tasti­co: ‘Occidentali’s Kar­ma’ bleibt in Ita­lie­nisch!

Es ist die bes­te Nach­richt der lau­fen­den Euro­vi­si­ons­sai­son: wie Wiwi­bloggs soeben berich­te­te, ver­kün­de­te der ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­teil­neh­mer und bereits viel­fach als aus­sichts­reichs­ter Thron­an­wär­ter aus­ge­ru­fe­ne Fran­ce­so Gab­ba­ni am gest­ri­gen Abend in der RAI-Unter­hal­tungs­sen­dung Stan­ding Ovia­ti­ons, dass er sei­nen Titel ‘Occidentali’s Kar­ma’ in Kiew in sei­ner Lan­des­spra­che sin­gen wer­de. “Es ist eine gro­ße Ver­ant­wor­tung,” sag­te er im Hin­blick auf sei­ne Funk­ti­on als Reprä­sen­tant der Halb­in­sel beim euro­päi­schen Wett­streit. “Ein Aben­teu­er, das ich mit gro­ßer Spon­ta­ni­tät erle­ben will. So, wie ich das immer ver­su­che. Ich möch­te die Repu­ta­ti­on der ita­lie­ni­schen Musik hoch­hal­ten, also prä­sen­tie­re ich den Song in sei­ner Ursprungs­ver­si­on, auf Ita­lie­nisch”. Hur­ra! Gab­ba­ni schwank­te nach sei­nem Sieg beim San Remo Fes­ti­val eine Wei­le, ob er Tei­le sei­ner rund­weg fan­tas­ti­schen Lyrics der bes­se­ren inter­na­tio­na­len Ver­ständ­lich­keit wegen auf Eng­lisch sin­gen sol­le. Als Bei­spiel hier­für sei die Text­stel­le “La Scim­mia nuda bal­la” (“Der nack­te Affe tanzt”) genannt, die sich auf  das 1967 erschie­ne­ne, sei­ner­zeit ziem­lich bahn­bre­chen­de und viel­dis­ku­tier­te wis­sen­schaft­li­che Buch Der nack­te Affe des bri­ti­schen Bio­lo­gen Des­mond Mor­ris bezieht, das mit die­ser Zuschrei­bung natür­lich den Men­schen meint, die­sen haar­lo­sen Pri­ma­ten. Ohne die­ses Wis­sen, so die Befürch­tung, könn­ten vie­le Zuschauer/innen den Tän­zer im Goril­la­kos­tüm, der Fran­ces­co beim San-Remo-Auf­tritt auf der Büh­ne beglei­te­te, womög­lich nur für einen alber­nen Gim­mick hal­ten und den Song als Come­dy-Num­mer abtun. Doch das Risi­ko besteht bei einer Teil­über­set­zung genau so. Zumal ohne­hin die wenigs­ten Zuschauer/innen an einem sol­chen Abend tat­säch­lich inten­siv auf das Gesun­ge­ne ach­ten (soweit man es über­haupt schon rein von der Aus­spra­che her ver­steht). Ein Spra­chen­misch­masch – der ja bei ande­ren Titeln durch­aus Sinn machen kann – wür­de aber, so auch das Emp­fin­den beim Groß­teil der Fans, spe­zi­ell die­sem Lied sei­ne ganz beson­de­re Aura rau­ben. Die­se Gefahr ist nun bei­gelegt, und so soll­te die RAI schon mal dis­kret über­prü­fen, wel­che geeig­ne­ten Hal­len im Mai 2018 in Rom, Mai­land oder Nea­pel so zur Ver­fü­gung ste­hen…

Viel­leicht soll­te die EBU aber ihre Mit­glieds­sta­tio­nen ver­pflich­ten, wäh­rend des ESC Unter­ti­tel anzu­bie­ten und die Song­tex­te in die jewei­li­ge Lan­des­spra­che zu über­set­zen?