Offi­zi­ell: Russ­land nimmt nicht am ESC 2017 teil

Das andau­ern­de Tau­zie­hen um die Teil­nah­me der rus­si­schen Ver­tre­te­rin Julia Samo­yl­o­va am Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew hat ein so uner­freu­li­ches wie erwart­ba­res Ende gefun­den: wie die EBU heu­te Abend offi­zi­ell auf ihrer Euro­vi­si­ons-Web­site bekannt gab, fin­det der Wett­be­werb nun defi­ni­tiv ohne die im Roll­stuhl sit­zen­de Sän­ge­rin statt. Das Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ist, wie sich aus den Ver­laut­ba­run­gen der letz­ten Tage bereits abzeich­ne­te, hin­sicht­lich des in Fol­ge eines Auf­trit­tes Samo­yl­o­vas auf der annek­tier­ten Krim vom Geheim­dienst ver­füg­ten Ein­rei­se­ver­bo­tes hart geblie­ben, Ver­mitt­lungs­vor­schlä­ge aus Genf hin­sicht­lich einer exter­nen Zuschal­tung ihres Auf­tritts bzw. des Aus­tauschs gegen einen ande­ren, unbe­las­te­ten Inter­pre­ten lehn­te das rus­si­sche Fern­se­hen ab. Statt­des­sen gab der Per­wy Kanal heu­te bekannt, dass man die euro­päi­schen Lie­der­fest­spie­le im Mai nicht über­tra­gen wol­le. “Das hat lei­der zur Fol­ge, dass Russ­land nicht am dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb teil­neh­men kann,” so die EBU. “Wir hät­ten uns sehr gewünscht, dass alle 43 Län­der hät­ten teil­neh­men kön­ne und wir haben alles ver­sucht, dies zu ermög­li­chen”. Frank-Die­ter Frei­ling vom ZDF, Vor­sit­zen­der der Refe­rence Group, sprach deut­li­che Wor­te in Rich­tung des Gast­ge­bers: “Wir ver­ur­tei­len die Ent­schei­dung der ukrai­ni­schen Behör­den scharf, ein Ein­rei­se­ver­bot gegen Julia Samo­yl­o­va zu ver­hän­gen, da wir glau­ben, dass dies die Inte­gri­tät und unpo­li­ti­sche Natur des Euro­vi­si­on Song Con­test und sei­ne Mis­si­on, alle Natio­nen in einem fried­li­chen Wett­be­werb zu ver­ei­nen, unter­gräbt”. Über mög­li­che Kon­se­quen­zen für die Ukrai­ne ver­lor die Mit­tei­lung indes kein Wort, man wol­le sich nun zunächst mit aller Kraft dar­auf kon­zen­trie­ren, gemein­sam mit dem aus­rich­ten­den Sen­der eine mög­lichst spek­ta­ku­lä­re Show auf die Bei­ne zu stel­len.

Wie ver­mu­tet: Juli­as Flam­me wird nicht in Kiew bren­nen

Cele­bra­te Diver­si­ty: 3 Män­ner mode­rie­ren den ESC 2017

Erst­mals in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Euro­vi­si­on Song Con­test wird im Mai 2017 in Kiew ein Team von drei männ­li­chen Mode­ra­to­ren durch die drei Aben­de füh­ren, wie heu­te bekannt wur­de. Bis dato über­wo­gen stets die Gast­ge­be­rin­nen, Män­ner mode­rier­ten beim Grand Prix ent­we­der (in den sel­tens­ten Fäl­len) solo oder in gemisch­ten Teams. Ob die rei­ne Män­ner­wirt­schaft unter die­sem Gesichts­punkt zur “Viel­falt” bei­trägt, die in Kiew dem dies­jäh­ri­gen Mot­to zufol­ge gefei­ert wer­den soll, muss wohl jeder für sich beur­tei­len. Eine kom­plett über­lau­fe­ne Büh­ne wie in Wien braucht man aber nicht zu befürch­ten: die bei­den im TV-Show­ge­schäft bereits erfah­re­nen Her­ren Olek­san­dr Skich­ko und Volo­dy­m­yr Ost­ap­chuk tei­len sich die eigent­li­che Mode­ra­ti­on der Show, wäh­rend der von eurovision.tv als “lebens­lan­ger Euro­vi­si­ons­fan” apo­stro­phier­te Timur Miro­sh­ny­chen­ko, sei­nes Zei­chens lang­jäh­ri­ger Vor­ent­schei­dungs­mo­de­ra­tor und Euro­vi­si­ons­kom­men­ta­tor fürs ukrai­ni­sche Fern­se­hen (also gewis­ser­ma­ßen Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger und Peter Urban in einer Per­son), ledig­lich den Green­room-Pau­sen­clown gibt. ESC-Super­vi­sor Jan Ola Sand schmei­chel­te: “Olex­an­dr, Volo­dy­m­yr und Timur haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie Humor, Impro­vi­sa­ti­ons­ver­mö­gen und Pro­fes­sio­na­li­tät mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren kön­nen. Ich bin sicher, dass sie die Zuschau­er im Mai gut unter­hal­ten”. Na dann!

Wir­ken ganz sym­pa­thisch: unse­re Gast­ge­ber in Kiew

Fan­tasti­co: ‘Occidentali’s Kar­ma’ bleibt in Ita­lie­nisch!

Es ist die bes­te Nach­richt der lau­fen­den Euro­vi­si­ons­sai­son: wie Wiwi­bloggs soeben berich­te­te, ver­kün­de­te der ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­teil­neh­mer und bereits viel­fach als aus­sichts­reichs­ter Thron­an­wär­ter aus­ge­ru­fe­ne Fran­ce­so Gab­ba­ni am gest­ri­gen Abend in der RAI-Unter­hal­tungs­sen­dung Stan­ding Ovia­ti­ons, dass er sei­nen Titel ‘Occidentali’s Kar­ma’ in Kiew in sei­ner Lan­des­spra­che sin­gen wer­de. “Es ist eine gro­ße Ver­ant­wor­tung,” sag­te er im Hin­blick auf sei­ne Funk­ti­on als Reprä­sen­tant der Halb­in­sel beim euro­päi­schen Wett­streit. “Ein Aben­teu­er, das ich mit gro­ßer Spon­ta­ni­tät erle­ben will. So, wie ich das immer ver­su­che. Ich möch­te die Repu­ta­ti­on der ita­lie­ni­schen Musik hoch­hal­ten, also prä­sen­tie­re ich den Song in sei­ner Ursprungs­ver­si­on, auf Ita­lie­nisch”. Hur­ra! Gab­ba­ni schwank­te nach sei­nem Sieg beim San Remo Fes­ti­val eine Wei­le, ob er Tei­le sei­ner rund­weg fan­tas­ti­schen Lyrics der bes­se­ren inter­na­tio­na­len Ver­ständ­lich­keit wegen auf Eng­lisch sin­gen sol­le. Als Bei­spiel hier­für sei die Text­stel­le “La Scim­mia nuda bal­la” (“Der nack­te Affe tanzt”) genannt, die sich auf  das 1967 erschie­ne­ne, sei­ner­zeit ziem­lich bahn­bre­chen­de und viel­dis­ku­tier­te wis­sen­schaft­li­che Buch Der nack­te Affe des bri­ti­schen Bio­lo­gen Des­mond Mor­ris bezieht, das mit die­ser Zuschrei­bung natür­lich den Men­schen meint, die­sen haar­lo­sen Pri­ma­ten. Ohne die­ses Wis­sen, so die Befürch­tung, könn­ten vie­le Zuschauer/innen den Tän­zer im Goril­la­kos­tüm, der Fran­ces­co beim San-Remo-Auf­tritt auf der Büh­ne beglei­te­te, womög­lich nur für einen alber­nen Gim­mick hal­ten und den Song als Come­dy-Num­mer abtun. Doch das Risi­ko besteht bei einer Teil­über­set­zung genau so. Zumal ohne­hin die wenigs­ten Zuschauer/innen an einem sol­chen Abend tat­säch­lich inten­siv auf das Gesun­ge­ne ach­ten (soweit man es über­haupt schon rein von der Aus­spra­che her ver­steht). Ein Spra­chen­misch­masch – der ja bei ande­ren Titeln durch­aus Sinn machen kann – wür­de aber, so auch das Emp­fin­den beim Groß­teil der Fans, spe­zi­ell die­sem Lied sei­ne ganz beson­de­re Aura rau­ben. Die­se Gefahr ist nun bei­gelegt, und so soll­te die RAI schon mal dis­kret über­prü­fen, wel­che geeig­ne­ten Hal­len im Mai 2018 in Rom, Mai­land oder Nea­pel so zur Ver­fü­gung ste­hen…

Viel­leicht soll­te die EBU aber ihre Mit­glieds­sta­tio­nen ver­pflich­ten, wäh­rend des ESC Unter­ti­tel anzu­bie­ten und die Song­tex­te in die jewei­li­ge Lan­des­spra­che zu über­set­zen?

Chris­ter, der Erret­ter: Björk­man wird Pro­du­zent des ESC 2017

Die EBU scheint ange­sichts des fort­dau­ern­den Cha­os rund um die Orga­ni­sa­ti­on des für den 13. Mai 2017 ter­mi­nier­ten Euro­vi­si­on Song Con­test durch den ukrai­ni­schen Sen­der NTU die Reiß­lei­ne zu zie­hen und schickt den Melo­di­fes­ti­va­len-Chef und Pro­du­zen­ten der bei­den letz­ten schwe­di­schen ESCs in Mal­mö und Stock­holm, Chris­ter Björk­man (→ SE 1992), gen Kiew, um zu ret­ten, was zu ret­ten ist. Der Schwe­de wird dort offi­zi­ell für die Büh­nen­prä­sen­ta­ti­on der 43 teil­neh­men­den Acts ver­ant­wort­lich zeich­nen und freut sich auch schon, sei­ne “Zäh­ne in die Songs schla­gen” zu kön­nen, wie er im Inter­view ver­rät. Das tut denen doch weh! In den Fan-Foren ging natür­lich unmit­tel­bar das Geheu­le los, dass dem Wett­be­werb nun eine erneu­te Schwe­di­fi­zie­rung dro­he – teils vor­ge­bracht von den­sel­ben Leu­ten, die erst unlängst grein­ten und weh­klag­ten, dass es die Ukrai­ner nicht hin­be­kä­men. Letz­te­res fin­det wohl auch Euro­vi­si­ons-Ober­motz Jan Ola Sand, der die Neu­ig­keit auf eurovision.tv fol­gen­der­ma­ßen kom­men­tier­te: “Björk­man ergänzt ein bereits vor­han­de­nes, exzel­len­tes Pro­duk­ti­ons­team, sei­ne umfas­sen­de Erfah­rung in der Pro­duk­ti­on des Euro­vi­si­on Song Con­tests wird von unschätz­ba­rem Wert sein”. Liest sich so, als sol­le Chris­ter den Betei­lig­ten vor Ort ein wenig Feu­er unter dem Hin­tern machen und die nöti­gen Strip­pen zie­hen bzw. die rich­ti­gen Kon­tak­te ver­mit­teln. Gegen­über sei­nem Hei­mat­sen­der NRK wur­de der Nor­we­ger Sand unter Bezug­nah­me auf das Hin­ter­her­hän­gen der Ukrai­ner hin­ter dem Zeit­plan noch etwas deut­li­cher, wie ESC Dai­ly mel­de­te: er habe “so etwas noch nie erlebt”! Den­noch sei man sicher, die Show noch recht­zei­tig auf die Bei­ne stel­len zu kön­nen. Nach dem Rück­tritt meh­re­rer füh­ren­der Mitarbeiter/innen des ukrai­ni­schen Staats­sen­ders letz­te Woche wur­den dort zwi­schen­zeit­lich neue Ver­ant­wort­li­che für die Berei­che Ver­mark­tung, Sicher­heit und Event­ma­nage­ment ernannt. Mor­gen gehen die Ein­tritts­kar­ten für die bei­den Semis in den Ver­kauf (die fürs Fina­le sind bereits weg). Wer sein Glück ver­su­chen will, soll­te gege­be­nen­falls vor­her sei­ne Kre­dit­kar­te für Zah­lun­gen in die Ukrai­ne frei­schal­ten las­sen, die­se Funk­ti­on ist bei vie­len Ban­ken stan­dard­mä­ßig gesperrt.

 Kann es gar nicht abwar­ten: der Chris­ter

Chris­ter Björk­man hat die Fin­ger wie­der drin: eine gute Ent­schei­dung?

  • Ja sicher. Erfah­rung hat er ja nun mal, und die wird grad drin­gend gebraucht. (41%, 46 Votes)
  • Mir geht die­se Ein­mi­sche­rei auf den Keks: lasst die Ukrai­ne doch allei­ne glän­zen – oder schei­tern. (30%, 33 Votes)
  • Ich hof­fe nur, Chris­ter kann das Ruder jetzt noch rum­rei­ßen. (16%, 18 Votes)
  • Och nö! War­um lässt man den ESC über­haupt noch rei­sen, wenn es eh jedes Jahr die Schwe­den pro­du­zie­ren? (13%, 14 Votes)

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NDR holt pro­fes­sio­nel­le Hil­fe für Levina

Es ist ein rund­her­aus löb­li­cher Schritt: wie der Prinz-Blog ges­tern berich­te­te, hat der NDR für die pro­fes­sio­nel­le Insze­nie­rung des deut­schen Euro­vi­si­ons­auf­tritts in Kiew einen Meis­ter sei­nes Fachs beauf­tragt: den öster­rei­chi­schen Cho­reo­gra­fen Mar­vin Diet­mann näm­lich. Der zeich­ne­te bereits 2014 für das her­aus­ra­gen­de Sta­ging von Con­chi­ta Wursts ‘Rise like a Phoe­nix’ ver­ant­wort­lich, das er effek­tiv und hoch­wer­tig in Sze­ne setz­te und damit einen nicht uner­heb­li­chen Anteil an dem Sieg der Grand-Prix-Iko­ne für sich rekla­mie­ren kann. Diet­mann, der die fünf deut­schen Kandidat/innen bereits im Vor­feld von Unser Song 2017 ken­nen­lern­te, soll nun für unse­re Ver­tre­te­rin Levina Lueen ein Sta­ging kon­zi­pie­ren, mit dem wir nach Mög­lich­keit inter­na­tio­nal posi­tiv im Gedächt­nis blei­ben. Dass der Sen­der die Wich­tig­keit des Büh­nen­bil­des und der Song­prä­sen­ta­ti­on über­haupt aner­kennt und auch bereit ist, dafür Geld in die Hand zu neh­men (denn ein so erfah­re­ner und viel­ge­buch­ter Cho­reo­graf ist sicher­lich nicht für Pea­nuts zu bekom­men), ver­dient Aner­ken­nung. Das gilt in ähn­li­cher Wei­se eben­so für das heu­te vor­ge­stell­te Musik­vi­deo zum deut­schen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Per­fect Life’, auch wenn die­ses für den Erfolg in Kiew eine nur unter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt. Den­noch ist es erfreu­lich, dass man den frü­her ger­ne gemach­ten Feh­ler ver­mied, direkt im Anschluss an die Vor­ent­schei­dung in der glei­chen Nacht und im glei­chen Stu­dio noch schnell ein ent­spre­chend lieb­los hin­ge­rotzt wir­ken­des Video her­un­ter­zu­kur­beln, wie bei­spiels­wei­se sei­ner­zeit bei Lena (→ DE 2010). Oder sich den Auf­wand gleich ganz zu spa­ren und den Live-Mit­schnitt vom Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt bei der EBU als offi­zi­el­les Prä­sen­ta­ti­ons­vi­deo ein­zu­rei­chen, wäh­rend viel klei­ne­re und finanz­schwä­che­re Län­der auf­wän­dig pro­du­zier­te Clips her­stel­len lie­ßen, was bei mir stets für natio­na­le Beschä­mung sorg­te. Ob es (auch) mit einem Wech­sel der betreu­en­den Plat­ten­fir­ma (von Uni­ver­sal zu Sony) zu tun hat, dass man sich in Ham­burg dies­mal mehr Mühe gibt?

Setzt nicht zwin­gend neue Maß­stä­be, wirkt aber zumin­dest ange­nehm unpein­lich: das offi­zi­el­le Musik­vi­deo zum deut­schen Bei­trag 2017, ‘Per­fect Life’

Wei­ter­le­senNDR holt pro­fes­sio­nel­le Hil­fe für Levina

Ticket oder kein Ticket – das ist hier die Fra­ge

Wie unter ande­rem der Prinz-Blog berich­tet, zieht das Cha­os rund um die Orga­ni­sa­ti­on des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew immer grö­ße­re Krei­se. Nach­dem ges­tern mit nur sehr kur­zer zeit­li­cher Vor­war­nung der Ver­kauf der Ein­tritts­kar­ten für das Event star­te­te, bangt der­zeit ein Groß­teil der weni­gen ver­meint­lich Glück­li­chen, die es schaff­ten, beim ukrai­ni­schen Anbie­ter Concert.ua ein Ticket zu ergat­tern, wei­ter­hin. Grund: mas­sen­haf­te Pro­ble­me bei der Abwick­lung der Kre­dit­kar­ten­zah­lung. Rei­hen­wei­se beka­men west­eu­ro­päi­sche Bestel­ler die Mit­tei­lung, dass die Zah­lung stor­niert wor­den sei – nun tap­pen die Betrof­fe­nen im Dun­keln, ob sie sich im Besitz eines gül­ti­gen Tickets befin­den oder nicht. Zumal die beauf­trag­te Agen­tur die Kar­ten, anders als zuvor ange­kün­digt, in ein­zel­nen Raten ein­stellt und der Ver­kauf mun­ter wei­ter­geht, so dass zu befürch­ten steht, dass die stor­nier­ten Tickets ein zwei­tes Mal über den vir­tu­el­len Tre­sen gehen. Gleich­zei­tig gilt bei den Fan­club-Kon­tin­gen­ten “raus aus die Kar­tof­feln, rin in die Kar­tof­feln”: hieß es am Mon­tag noch, dass die OGAE dies­mal leer aus­ge­he, weil die stren­gen Anti­kor­rup­ti­ons­re­geln in der Ukrai­ne kei­nen rabat­tier­ten Ver­kauf zulie­ßen, so beka­men die orga­ni­sier­ten Euro­vi­sio­nis­tas nach inten­si­ven Nach­ver­hand­lun­gen nun doch noch eine Zusa­ge über ins­ge­samt 1.000 eigens reser­vier­te Plät­ze in der Euro­vi­si­on Mosh Pit (die Steh­plät­ze direkt vor der Büh­ne) und 850 Sitz­plät­ze, aller­dings bis­lang nur münd­lich. Klar ist nur, dass es kei­ne der bis­lang übli­chen All-in-One-Pake­te für sämt­li­che Pro­ben plus den Live­shows geben soll. Auch in Sachen Fan-Akkre­di­tie­run­gen und der hart umkämpf­ten Play­list im Euro­club scheint das letz­te Wort noch nicht gespro­chen, nach­dem sich die EBU in die Ver­hand­lun­gen ein­ge­schal­tet hat. Nun soll­te man eigent­lich mei­nen, dass die Ukrai­ne 2005 beim letz­ten Con­test in Kiew genü­gend Erfah­run­gen mit beschäf­ti­gungs­lo­sen Ani­mier­da­men in der offi­zi­el­len Par­ty-Loca­ti­on sam­mel­te, um zu wis­sen, was für ein Publi­kum da kommt und wel­che Art von Musik es hören will. Und dass Club wie Tanz­flä­che leer blei­ben, wenn dort statt Mel­lo-Mucke aktu­el­le Dance-Charts-Kra­cher lau­fen. Aber es scheint gewis­se Lern­re­sis­ten­zen zu geben. Ich bin jeden­falls froh, mich von vor­ne­her­ein ent­schei­den zu haben, nicht in die Ukrai­ne zu fah­ren, drü­cke aber allen Betrof­fe­nen natür­lich fest die Dau­men, dass sich alles doch noch zum Guten auf­klärt.

Wel­che Musik läuft in Kiew nur in dem Club, dem Club, oh-oh?

Kiew 2017: Ticket­ver­kauf mor­gen – Fan­clubs gehen leer aus – Team tritt zurück

Das muss man den Ukrai­nern las­sen: in Sachen Euro­vi­si­ons­dra­ma las­sen sie selbst die spa­ni­schen Fans mit ihrem Bei­nahe­auf­stand beim Vor­ent­scheid alt aus­se­hen. Wie eurovision.tv und der NDR über­ein­stim­mend bestä­ti­gen, gehen sehr kurz­fris­tig mor­gen (Diens­tag) Abend ab 19:15 Uhr sämt­li­che (!) Tickets für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 zu Prei­sen von 7 bis zu 500 € in den Ver­kauf. Der Ver­kaufs­start war ursprüng­lich bereits zu einem frü­he­ren Zeit­punkt geplant, muss­te aber ver­scho­ben wer­den, weil es bei der Aus­schrei­bung (die zunächst eine ande­re Ticket­agen­tur gewann) zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gekom­men sein soll und ein Gericht das Ver­fah­ren stopp­te. Die Situa­ti­on ist um so dra­ma­ti­scher, da die orga­ni­sier­ten Fans dies­mal leer aus­ge­hen: anders als in den Vor­jah­ren gebe es, wie der OGAE Inter­na­tio­nal sei­ne ange­schlos­se­nen Mit­glie­der vor weni­gen Minu­ten infor­mier­te, für die Clubs dies­mal weder eige­ne Ein­tritts­kar­ten­kon­tin­gen­te noch Fan-Akkre­di­tie­run­gen (mit denen man bis­lang zumin­dest in den Euro­club kam). Wer die Show live vor Ort sehen möch­te, ist also nun auf sich selbst gestellt. Wobei es frag­lich erscheint, ob man beim Ticket­kauf für sein Geld mehr erhält als nur bedruck­tes Papier: heu­te Nach­mit­tag bestä­tig­te die EBU Mel­dun­gen, dass lei­ten­de Mitarbeiter/innen des ukrai­ni­schen Sen­ders NTU, die mit den Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten für Mai 2017 beauf­tragt waren, am ver­gan­ge­nen Frei­tag zurück­tra­ten. Hin­ter­grund schei­nen per­so­nel­le Que­re­len zu sein: nach­dem im ver­gan­ge­nen Novem­ber bereits der bis­he­ri­ge Gene­ral­di­rek­tor von NTU, Zurab Ala­sa­nia, den Bet­tel hin­schmiss, weil er auf­grund von poli­ti­scher Blo­cka­de und restrik­ti­ven Ver­ga­be­vor­schrif­ten “noch nicht mal ein Han­dy kau­fen” kön­ne, geschwei­ge denn die not­wen­di­gen exter­nen Fach­fir­men beauf­tra­gen, beka­men die Mitarbeiter/innen einen neu­en Chef vor­ge­setzt – und mit dem konn­ten sie wohl nicht.

Wei­ter­le­senKiew 2017: Ticket­ver­kauf mor­gen – Fan­clubs gehen leer aus – Team tritt zurück

Das Con­test-Mot­to 2017: fei­ert die Viel­falt!

Es kommt genau zur rech­ten Zeit und es setzt exakt das rich­ti­ge Zei­chen: heu­te Mit­tag gab die EBU das Mot­to für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew bekannt. Es lau­tet “Cele­bra­te Diver­si­ty”, for­dert also auf, die Viel­falt wert­zu­schät­zen und zu begrü­ßen und setzt damit ein deut­li­ches öffent­li­ches Gegen­ge­wicht zum mas­si­ven Natio­na­lis­mus und der Ten­denz zur Abschot­tung, die aktu­ell den poli­ti­schen Welt­kurs bestimmt. Für Grand-Prix-Chef Jan Ola Sand drückt das Mot­to das “Herz­stück der Wer­te der Euro­vi­si­on” aus: “es ist inte­gra­tiv und schließt alle Län­der Euro­pas und dar­über hin­aus ein, ver­eint im Fei­ern unse­rer Gemein­sam­kei­ten und unse­rer Unter­schie­de, die uns ein­zig­ar­tig machen”. Für das Logo griff man auf die Namys­to zurück, ein tra­di­tio­nel­les ukrai­ni­sches Amu­lett, das Schön­heit und Gesund­heit brin­gen soll und das aus einer Hals­ket­te aus Kugeln mit aller­lei unter­schied­li­chen, ein­zig­ar­ti­gen Mus­tern und For­men besteht. Und das die Bot­schaft des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs aufs Bes­te sym­bo­li­siert: “wir sind alle wirk­lich ein­zig­ar­tig, aber ver­bun­den durch die gemein­sa­me Lie­be zur Musik,” wie es die EBU so schön und so zutref­fend for­mu­liert. Noch schö­ner wäre es frei­lich, wenn wir in Kiew pas­send zum Mot­to auch ein musi­ka­lisch diver­si­fi­zier­tes Ange­bot fei­ern könn­ten, eines, dass nicht nur aus strom­li­ni­en­för­mi­gen, risi­ko­scheu­en Main­stream-Songs und Ein­heits­bal­la­den besteht, wie sie seit der Wie­der­ein­füh­rung der → Jurys im Jahr 2009 zuneh­mend das Menü bestim­men und wie es sich auch für 2017 bereits wie­der abzeich­net, son­dern aus muti­gen, etwas kan­ti­ge­ren Titeln, die ein biss­chen was vom kul­tu­rel­len Reich­tum zei­gen, der aus der Viel­falt Euro­pas schöpft. Der weiß­rus­si­sche Bei­trag weist da ein biss­chen den Weg, hof­fen wir mal, dass noch mehr Natio­nen sich dar­an ein Bei­spiel neh­men!

Hof­fent­lich kein Mode­schmuck: das Euro­vi­si­ons-Per­len­kett­chen

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EBU bestä­tigt: ESC 2017 bleibt in Kiew

Im Zuge der win­ter­li­chen Gene­ral­ver­samm­lung der EBU in Lau­sanne bestä­tig­te Grand-Prix-Ober­motz Jan Ola Sand heu­te, dass der nächs­te Euro­vi­si­on Song Con­test wie geplant am 9., 11. und 13. Mai 2017 in Kiew statt­fin­den wer­de. Er kon­ze­dier­te außer­dem, dass der aus­rich­ten­de ukrai­ni­sche Sen­der NTU zwar etwas im Zeit­plan hän­ge, aber in den letz­ten Wochen gute Fort­schrit­te erzielt und der Len­kungs­aus­schuss der EBU vol­les Zutrau­en habe, dass die Ver­ant­wort­li­chen in Kiew die noch anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen meis­tern. Noch am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­te ein bekann­tes deut­sches Lügen­pres­se-Organ mit Spe­ku­la­tio­nen für Wir­bel gesorgt, wonach die Gefahr bestün­de, dass der Wett­be­werb nach Mos­kau ver­legt wer­den kön­ne, weil man es in der Ukrai­ne nicht geba­cken bekom­me. Eine Mel­dung, die gera­de rus­si­sche Medi­en natür­lich beson­ders genüss­lich zitier­ten – wäre es für die Kriegs­par­tei, die sich selbst (nicht ganz zu Unrecht) als mora­li­scher Sie­ger des Grand Prix 2016 sieht, doch eine kaum zu über­tref­fen­de Genug­tu­ung und ein Pres­ti­ge­ge­winn, die Show an Land zu zie­hen. Und auch die NDR-eige­ne Euro­vi­si­ons-Edel­fe­der Jan Fed­der­sen konn­te es par­tout nicht las­sen, über die “Kri­se” zu hyper­ven­ti­lie­ren, so wie es die meis­ten west­li­chen Fan­boys auf­fäl­li­ger­wei­se immer nur dann tun, wenn die Lieb­lings­sen­dung in einem Land jen­seits des zwar seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert gefal­le­nen, men­tal aber schein­bar unver­rück­ba­ren Eiser­nen Vor­hangs gas­tiert. Dabei war das unbe­streit­ba­re finan­zi­el­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Cha­os bei NTU, das Anfang Novem­ber 2016 für den Rück­tritt des Sen­der­chefs gesorgt hat­te, zum Zeit­punkt der Bild-Ente längst abge­wen­det, zusätz­li­che Mil­lio­nen aus dem Staats­sä­ckel bereits bewil­ligt und ein erfah­re­nes Pro­du­zen­ten­team ein­ge­stellt. Nun also noch ein­mal für alle Hys­te­rie-Häs­chen zum Mit­schrei­ben: der Con­test fin­det wie vor­ge­se­hen im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum (IEC) zu Kiew statt, die Hotel-Buchung muss nicht stor­niert wer­den und Kar­ten gibt’s vor­aus­sicht­lich ab Janu­ar 2017 zu kau­fen. Alles wird gut.

Thun­der and Light­ning, it’s get­ting exci­ting – und zwar in Kiew, im Mai 2017

San Mari­no will eige­nes Inter­net­vo­ting

In San Mari­no ist man stin­kig auf die EBU: nach der Neu­or­ga­ni­sa­ti­on des Voting­ver­fah­rens beim Euro­vi­si­on Song Con­test, das eine getrenn­te Ver­le­sung der Jury-Ergeb­nis­se und der (zusam­men­ad­dier­ten) Zuschau­er­ab­stim­mung beinhal­tet und erst­mals 2016 zur Anwen­dung kam, pro­tes­tier­te die win­zi­ge Repu­blik gegen die Neu­ord­nung, die sie in den Wor­ten ihres Dele­ga­ti­ons­lei­ters Ales­san­dro Capic­chio­ni als “dis­kri­mi­nie­rend” emp­fand. Der Grund: da das voll­stän­dig von Ita­li­en umschlos­se­ne, ledig­lich 30.000 Einwohner/innen star­ke Mini-Land über kein eigen­stän­di­ges Tele­fon­netz ver­fügt, kann es kein vali­des Tele­vo­ting lie­fern, wes­we­gen bis 2015 beim Grand Prix nur die san­ma­ri­ne­si­sche Jury-Abstim­mung zähl­te. Seit 2016 errech­net Diga­me im Auf­trag der EBU ein fik­ti­ves Tele­vo­ting auf Basis der rea­len Abstim­mungs­er­geb­nis­se meh­re­rer ande­rer Natio­nen, ver­rät aller­dings nicht, wel­che es dafür her­an­zieht. Damit ist man auf dem Mon­te Tita­no sehr unglück­lich und ent­wi­ckel­te nun, wie Euro­voix berich­tet, einen eige­nen Vor­schlag. Nach die­sem will San Mari­no neben der Jury ein Zuschau­er­pa­nel ein­rich­ten, das aus nach sta­tis­tisch rele­van­ten Gesichts­punk­ten aus­ge­wähl­ten Bürger/innen der Repu­blik besteht. Die­se sol­len wäh­rend der Live-Sen­dung per Inter­net abstim­men. Das so ermit­tel­te Ergeb­nis zäh­le dann als san­ma­ri­ne­si­sches Tele­vo­ting.

Der legen­dä­re “Moment!”-Moment beim deut­schen Vor­ent­scheid 1980: Frau Dr. Köh­ler kommt mit dem Aus­zäh­len nicht hin­ter­her

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