Bela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time

Das muss man dem weiß­rus­si­schen Sen­der BTRC wirk­lich las­sen: er schafft es, sei­ne natio­na­le Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung jedes Jahr auf eine ande­re Wei­se absurd auf­zu­zie­hen und dabei die hohe Kunst der Schie­bung völ­lig unge­niert vor unser aller Augen zu zele­brie­ren. Dies­mal schloss man das Publi­kum zur Sicher­heit kom­plett vom Voting aus und leg­te das Schick­sal der zehn ange­tre­te­nen (bzw. aus­ge­wähl­ten) Kandidat/innen in die Hän­de einer sie­ben­köp­fi­gen Jury unter Mit­wir­kung von Kol­dun, die ihre Voten direkt im Anschluss an den Auf­tritt ver­teil­te. Zehn Punk­te durf­te jede/r Juror/in jedem Act maxi­mal geben, sie­ben waren offen­sicht­lich das Mini­mum: weni­ger als das erhielt ges­tern Abend nie­mand. 70 Zäh­ler konn­te man also höchs­tens errei­chen, und nach­dem gleich die zwei­te Kombattant/in, die erst 16jährige Zena (Zinai­da Kupri­ya­no­vich), ihres Zei­chens zwei­fa­che Juni­or-ESC-Teil­neh­mer/in und 2018 Mode­ra­to­rin des Kin­der­wett­be­werbs, 69 Punk­te abräum­te, hät­ten sich die rest­li­chen acht Konkurrent/innen die Mühe eigent­lich spa­ren kön­nen. Der Fair­ness hal­ber soll gesagt sein: die vor Selbst­be­wusst­sein nur so strot­zen­de Mini-Play­back-Show-Göre-spielt-Brit­ney-Spears-Dar­stel­le­rin Zena gewann mit ihrem unglaub­lich bil­li­gen Weg­werf-Uptem­pofet­zen ‘I like’ den Vor­ent­scheid völ­lig zu Recht!

Zena ver­fügt über ton­nen­wei­se Poten­ti­al. Car-Crash-Poten­ti­al. Den­noch war ‘I like’ das bes­te Ange­bot.

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OMPE 2019: ohne DoRe­Dos nix los

Vom ver­gan­ge­nen Sams­tag gilt es noch das Ergeb­nis des mol­da­wi­schen Vor­ent­scheids O Melo­di pen­tru Euro­pa nach­zu­rei­chen. Gera­de mal 28 Bewer­bun­gen erreich­ten die natio­na­le Sen­de­an­stalt TRM hier­für, zwei Titel sor­tier­te man wegen frag­wür­di­ger Inhal­te sofort aus. 26 Interpret/innen lud man zum tra­di­tio­nel­len Vor­sin­gen am Mit­tag des 2. Febru­ar 2019, und die Aus­beu­te muss der­ma­ßen kata­stro­phal gewe­sen sein, dass TRM das ursprüng­lich ein­ge­plan­te Semi­fi­na­le strich und ledig­lich zehn Songs direkt zum Fina­le zuließ. Das ver­leg­te der Sen­der dann dum­mer­wei­se vom ursprüng­lich geplan­ten Sonn­tag auf den bereits mit Kon­kur­renz­ver­an­stal­tun­gen zum Bers­ten gefüll­ten letz­ten Super­sams­tag der Sai­son, so dass die Ver­an­stal­tung prak­tisch unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt­fand. Ver­mut­lich, ohne dass man wirk­lich etwas ver­pass­te, wie zumin­dest der Sie­ger­ti­tel nahe­legt: der Song ‘Stay’ erweist sich als ödest­mög­li­che Euro­vi­si­ons­bal­la­de von der Stan­ge, von einer der­ge­stal­ten Lan­ge­wei­le und Tau­send­mal­ge­hört­heit, dass dem Rezen­sen­ten noch nicht ein­mal irgend­wel­che pfif­fi­gen Bös­ar­tig­kei­ten dazu ein­fal­len wol­len. Eine Dame namens Anna Odo­bes­cu schreit sie mit lau­ter Stim­me hin­aus in die dar­ob müde mit den Schul­tern zucken­de Welt.

Selbst die Chor­sän­ger gucken gelang­weilt: Anna in ihrer metal­le­nen Brust­quet­sche.

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Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Neben Nord­ma­ze­do­ni­en, Russ­land, San Mari­no und Ungarn schickt nun auch Ser­bi­en eine Rück­keh­re­rin zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 nach Tel Aviv: bereits vor sechs Jah­ren stand Neve­na Božo­vić in Mal­mö auf den Bret­tern, die die Welt bedeu­ten; sei­ner­zeit als Teil des unmit­tel­bar nach dem Wett­be­werb wie­der auf­ge­lös­ten Trash-Tri­os Moje 3 mit ihrer Alle-mei­ne-Ent­chen-Melo­die ‘Lju­bav je svu­da’, das ver­mut­lich auch dank der grau­sam ent­stel­len­den Kla­mot­ten­wahl der drei ser­bi­schen Lieb­chen im Semi­fi­na­le aus­schied. Modisch hat sich die erschre­ckend dün­ne Neve­na, die zur Sicher­heit stets eine gan­ze Bat­te­rie von Vomi­tier­spa­teln am Arm und um den Hals mit sich führt, um bei buli­mi­schen Fress­an­fäl­len sofort gegen­steu­ern zu kön­nen, zwi­schen­zeit­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Auch musi­ka­lisch kommt sie 2019 anders daher: ihre selbst geschrie­be­ne, für mei­ne Ohren aller­dings selt­sam blut­lee­re und sakri­leg­haft mit eng­li­schen Text­ein­spreng­seln ver­se­he­ne Bal­kan­bal­la­de ‘Kru­na’ (‘Kro­ne’) ver­moch­te im gest­ri­gen Fina­le der Beo­vi­zi­ja die Juror/innen über­zeu­gen, die sie mit deut­li­chem Punk­te­vor­sprung an die Spit­ze wähl­ten. Beim hei­mi­schen Publi­kum lan­de­te Frau Božo­vić hin­ge­gen nur auf dem drit­ten Rang.

Von der Jury zur Köni­gin gekrönt: Neve­na.

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Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Zehn Songs, drei Abstim­mungs­run­den und das von Anfang an erwar­te­te Ergeb­nis: das nor­we­gi­sche Fern­se­hen NRK zeig­te am gest­ri­gen Abend mal wie­der, wie man einen natio­na­len Vor­ent­scheid mit einem kla­ren Aus­gang den­noch unnö­tig in die Län­ge zie­hen kann. Trotz aller Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che durch die inter­na­tio­na­le Jury gewann am Ende des unter­halt­sa­men Abends, wie all­ge­mein vor­her­ge­sagt und völ­lig zu Recht das Trio Kei­i­no mit dem ein­gän­gi­gen Grand-Prix-Dis­co-Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Spi­rit in the Sky’, der uptem­po­rä­re Drums, einen super­süf­fi­gen Refrain und auf samisch gejoik­te Eth­no-Ver­zie­run­gen zu einem Gesamt­kunst­werk aus dem Lehr­buch für Euro­vi­si­ons­schla­ger ver­bin­det. Das eigens für den Melo­di Grand Prix gebil­de­te Pro­jekt Kei­i­no besteht aus den frü­he­ren MGP-Solo-Teil­neh­mer/in­nen Tom Hugo und Alex­an­dra Rotan, ergänzt um den glatz­köp­fi­gen Rap­per Fred Bul­jo, die den Song gemein­sam mit Toms Ehe­mann Alex Ols­son schrie­ben (oder viel­mehr in wei­ten Tei­len bei Saa­ra Aal­tos ‘Mons­ters’ abkup­fer­ten). Inter­es­san­ter­wei­se besteht zwi­schen den Drei­en ein ganz kla­res stimm­li­ches Gefäl­le: wäh­rend Hugo sei­ne Stro­phen sehr sau­ber und klar ver­ständ­lich into­nier­te, ver­nu­schel­te Rotan ihren Part schon arg ver­nehm­lich. Bul­jo klang unter­des­sen, als habe er vor dem Auf­tritt einen Och­sen­frosch ver­schluckt, der ihm nun im Hals sit­ze. Das konn­te, eben­so wie die stark über­ar­bei­tungs­be­dürf­ti­ge Büh­nen­show, jedoch den mit­rei­ßen­den Gesamt­ein­druck nicht trü­ben.

Wel­che Geis­ter da wohl von Fred Bul­jos Stimm­bän­dern Besitz ergrif­fen hat­ten?

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Vid­bir 2019: Komm doch mal rüber

Ist das herr­lich: nut­ti­ger Trash, schmut­zi­ge Poli­tik, Auf­re­gung, Dra­ma, Rän­ke­spie­le und ein stür­mi­scher Rück­zug – so ken­nen und so lie­ben wir die Ukrai­ne! Seit dem Fina­le des Vor­ent­scheids Vid­bir am ver­gan­ge­nen Sams­tag über­schla­gen sich dort die Ereig­nis­se und haben mit der heu­te ver­kün­de­ten Sus­pen­die­rung der Sie­ge­rin durch den Sen­der UA:PBC nun ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt gefun­den. Doch der Rei­he nach: gegen den Wil­len der drei­köp­fi­gen Jury gewann vor knapp 48 Stun­den die Sän­ge­rin Han­na Kor­sun unter ihrem Büh­nen­na­men Maruv auf­grund des kla­ren Pla­zets des ukrai­ni­schen Publi­kums die Vid­bir. Und zwar mit einem gräus­lich gesun­ge­nen, aber erfri­schend bil­lig bol­lern­den Uptem­po-Tras­her mit dem spre­chen­den Titel ‘Siren Song (Bang!)’ und einer SM-inspi­rier­ten Büh­nen­show, die mit gro­ßer Sicher­heit bei dem ein oder ande­ren hete­ro­se­xu­el­len Zuschau­er und dem ein oder ande­ren Hüter von Sit­te und Moral für har­te Ver­span­nun­gen der ein oder ande­ren Art sorg­te. Ein kla­rer Sieg der Show über die Musik also, und damit eine Rück­be­sin­nung auf die beson­de­ren Stär­ken der Ukrai­ne beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Gera­de für vie­le deut­sche Grand-Prix-Fans, die noch frisch unter dem Schock des ent­täu­schen­den Heim­bei­trags stan­den, hell­te sich der Hori­zont am Sams­tag kurz­zei­tig auf.

Falls Sie sich gera­de fra­gen, war­um ihnen das “Ohoh, ohoh” aus dem Vid­bir-Jing­le so bekannt vor­kommt: es fin­det eben­falls im Refrain des deut­schen Euro­vi­si­ons­bei­trags ‘Sis­ter’ Ver­wen­dung.

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Unser Song für Tel Aviv: Sis­ters are doin’ it for them­sel­ves

Immer, wenn sich der NDR nach Jah­ren des ziel­lo­sen Her­um­sto­cherns einen Ruck gege­ben und mit viel Mühe und har­ter Arbeit ein neu­es, trag­fä­hi­ges Kon­zept für die Aus­wahl des hei­mi­schen Bei­trags zum Euro­vi­si­on Song Con­test gefun­den hat; eines, das einen mehr­heits­fä­hi­gen Titel und eine gute Plat­zie­rung im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­vor­bringt, dann geht er im Fol­ge­jahr hin und reißt mit dem Arsch alles wie­der ein, was er gera­de erst mühe­voll auf­bau­te. Klingt harsch? Nun, anders lässt sich das Ergeb­nis des deut­schen Vor­ent­scheids Unser Lied für Isra­el vom Frei­tag nicht inter­pre­tie­ren, bei dem der Sen­der zunächst wie im Vor­jahr in einen hoch­kom­pli­zier­ten, mehr­stu­fi­gen Künst­ler/in­nen- und Song­fin­dungs­ver­fah­ren sechs jun­ge Talen­te mit einer für deut­sche Ver­hält­nis­se recht brei­ten musi­ka­li­schen Palet­te von Songs aus­hob, dann aber man­gels Zutrau­en ins eige­ne Sys­tem im Nach­gang unbe­dingt noch ein sieb­tes, ganz nach dem Geschmack der Ham­bur­ger unfass­bar durch­schnitt­li­ches Lied namens ‘Sis­ter’ unter­brin­gen muss­te, hier­für rasch ein weib­li­ches Gesangs­duo mit dem hoch ima­gi­na­ti­ven Namen Sis­ters zusam­men­cas­te­te und anschlie­ßend alle Hebel in Bewe­gung setz­te, dass die­ses auch gewinnt. Was dank der tat­kräf­ti­gen Mit­hil­fe der vom Sen­der eigen­hän­dig zusam­men­ge­stell­ten inter­na­tio­na­len Jury, zu mei­ner Kon­ster­na­ti­on aber auch dank des Tele­vo­tings schließ­lich gelang.

Es war wie­der Mär­chen­stun­de beim deut­schen Vor­ent­scheid: Schnee­weiß­chen und Rosen­rot, die zwei Under­dogs unter den Unbe­kann­ten, setz­ten sich durch. Und nein, die alber­ne offi­zi­el­le Schreib­wei­se ihres Band­na­mens ver­wen­de ich nur über mei­ne Lei­che!

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Am I a Cri­mi­nal?”: Moni­ka Mari­ja kauft sich für 2.000 Euro frei

Man kann die Stra­te­gie für befremd­lich hal­ten: mit gleich zwei musi­ka­lisch sehr ähn­li­chen Titeln trat die litaui­sche Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė in die­sem Jahr beim Vor­ent­scheid ihres Lan­des an, der Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka. Näm­lich mit der Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Lights on’ und der… Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Cri­mi­nal’. Bei­de über­stan­den unbe­scha­det die gefühlt sieb­zig Vor­run­den und Semi­fi­na­le der litaui­schen Mara­thon-Show. Und das, obwohl Frau Pau­laus­kaitė im Vor­feld des Semis am ver­gan­ge­nen Sams­tag die Jury und die Zuschauer/innen beschwo­ren hat­te, bit­te bloß nicht für ‘Cri­mi­nal’ zu stim­men bzw. anzu­ru­fen. Den Gefal­len taten ihre Lands­leu­te ihr aber nicht und auch die­sen Song ins Fina­le am Sams­tag durch. ‘Lights on’ hat­te sich bereits in der Woche davor qua­li­fi­ziert. Wohl, um der Gefahr zu ent­ge­hen, dass sich kom­men­den Sams­tag nun die Stim­men gleich­mä­ßig auf bei­de Bei­trä­ge ver­tei­len und jemand anders ihr den Sieg weg­schnappt, zog Moni­ka Mari­ja ‘Cri­mi­nal’ nun vom Wett­be­werb zurück, wofür sie eine Ver­trags­stra­fe von 2.000 € an den Sen­der LRT ent­rich­ten muss. Der lässt sie dafür nun mit ihrem deut­lich zähe­ren und lang­wei­li­ge­ren Wunsch­bei­trag mit­ma­chen.

Eine Kri­mi­nel­le will sie nicht mehr sein, die Moni­ka Mari­ja. Also kauft sie sich von dem Vor­wurf Song frei.

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Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitz­ho­mos

Bevor sie ganz unter den Tisch fal­len: neben den fünf natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen des ver­gan­ge­nen Wochen­en­des mit ihren fünf furcht­ba­ren Bei­trä­gen für Tel Aviv fan­den am ver­gan­ge­nen Sams­tag in zahl­rei­chen Län­dern diver­se Semi­fi­na­le statt, die nun hier in Win­des­ei­le abge­ar­bei­tet sein wol­len. Begin­nen wir bei den Gast­ge­bern des letz­ten Jah­res: in der ers­ten von zwei Vor­run­den des por­tu­gie­si­schen Fes­ti­val da Canção kam der Favo­rit Con­an Osí­ris erwar­tungs­ge­mäß eine Run­de wei­ter, lan­de­te mit dem rund­weg expe­ri­men­tell-bizar­ren ‘Tele­mó­veis’ (‘Mobil­te­le­fon’) jedoch bei der augen­schein­lich aus­schließ­lich mit Kul­tur­ba­nau­sen besetz­ten Jury ledig­lich auf dem vier­ten Rang. Das wesent­lich sach­ver­stän­di­ge­re Publi­kum bedach­te ihn hin­ge­gen mit der Höchst­wer­tung. Der mit einem gro­tes­ken Gesichts­ge­schirr ange­tan­te Con­an und sein gold­glit­tern­der Tän­zer muss­ten sich in der Gesamt­wer­tung einem volu­mi­nö­sen Schwar­zen mit dem Namen Matay geschla­gen geben, der im Video­ein­spie­ler noch den Hip-Hop­per mim­te, auf der Büh­ne jedoch im ele­gan­ten Frack erschien und eine ein­schlä­fernd sanf­te Bal­la­de zum Bes­ten gab. Über die vier Aus­ge­schie­de­nen hin­ge­gen gibt es lei­der nichts Inter­es­san­tes zu berich­ten, sie lang­weil­ten schlicht­weg.

Vom Gol­fer zum Gold­schatz­räu­ber: Con­an Osí­ris.

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Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein wei­te­res natio­na­les Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le ging ges­tern Abend noch über die Büh­ne, das ich vor lau­ter Super­sams­tags­stress bei­na­he über­se­hen hät­te. Die let­ti­sche Super­no­va macht das einem aber auch leicht: die mit sofor­ti­ger See­krank­heit indu­zie­ren­den, stüm­per­haf­ten Kame­ra­schwenks gefilm­ten Shows (ein­schließ­lich der bei­den vor­ge­schal­te­ten Semis) lau­fen schließ­lich stets par­al­lel zu ande­ren, wesent­lich inter­es­san­te­ren For­ma­ten. Ein­schließ­lich der bei­na­he unend­li­chen Euro­vi­zi­jos im bal­ti­schen Nach­bar­land Litau­en, das zwar stets zu ähn­lich aus­sichts­lo­sen Ergeb­nis­sen gelangt, auf dem lan­gen Weg dort­hin aber zumin­dest den deut­lich gru­se­li­ge­ren musi­ka­li­schen Irr­sinn auf­tischt. Das let­ti­sche Fern­se­hen LTV scheint hin­ge­gen aus einem sehr begrenz­ten Pool von sehr mäßig begab­ten Talen­ten zu fischen, und so han­del­te es sich bei gleich drei der ins­ge­samt acht dies­jäh­ri­gen Super­no­va-Finalist/innen um bereits hin­läng­lich bekann­te Namen. Neben der ent­setz­lich zurech­ton­du­lier­ten Saman­ta Tīna, die in ‘Cut­ting the Wire’ in ermü­den­der Wei­se die erwart­ba­ren Rei­me “Fire, Desi­re” auf­tisch­te und allen­falls mit den ein­lei­ten­den Wor­ten “What the Fuck” für einen kur­zen “Das hat sie gera­de nicht gesagt!”-Moment sorg­te, durf­ten auch Edgars Krei­lis und der ewi­ge Mar­kus Riva nicht feh­len.

Es kos­tet sicher ver­dammt viel, so bil­lig aus­zu­se­hen: Mar­kus Riva.

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EMA 2019: Kaos-Tage in Slo­we­ni­en

Es ist eine ewi­ge Hass­lie­be, die das slo­we­ni­sche Publi­kum und sei­nen Fern­seh­sen­der RTVS­LO mit­ein­an­der ver­bin­det und die sich seit Deka­den beim Vor­ent­scheid des Lan­des, der EMA, in unge­zähl­ten Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­chen mit Hil­fe des Voting­ver­fah­rens oder der Jury mani­fes­tiert. So auch in die­sem Jahr, wo der Sen­der sehr offen­sicht­lich die 22jährige Har­fen­spie­le­rin und Sän­ge­rin Sara Briški Cir­man, bes­ser bekannt unter ihrem Büh­nen­na­men Rai­ven, nach Tel Aviv ent­sen­den woll­te. Näm­li­che Rai­ven also, die bereits bei der EMA 2016 einen zwei­ten Platz beleg­te, im Jahr dar­auf einen drit­ten, die 2018 die Show mode­rie­ren durf­te und die dies­mal den Pimp Slot zuge­schanzt bekam. Um ganz sicher zu gehen, dass das Publi­kum kei­ne Wahl hät­te, bestimm­te die in der ers­ten Wer­tungs­run­de allei­ne ent­schei­dungs­be­rech­tig­te Jury sogar extra einen beson­ders aus­sicht­lo­sen Act zu den Pro-For­ma-Geg­nern Rai­vens. Näm­lich Zala Kralj und Gašper Šantl, ein weiß geklei­de­tes, teil­nahms­los-ver­stört agie­ren­des Pär­chen, bestehend aus einer offen­sicht­lich akut sui­zid­ge­fähr­de­ten, lei­se vor sich hin wim­mern­den Frau und einem hos­pi­ta­li­siert schau­keln­den Typen mit ver­stei­ner­tem Gesicht und toten Augen, der sich krampf­haft hin­ter sei­nem Key­board ver­steck­te und panisch jeg­li­chen Sicht­kon­takt mit dem Publi­kum und sei­nem Gespons ver­mied.

Fle­hent­lich flüs­tert Zala ihrem Kas­per ihr Leid ins Ohr, doch der wirkt völ­lig abwe­send: der slo­we­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 raubt dem Zuschau­er in Sekun­den jeg­li­chen Lebens­wil­len.

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