Fes­ti­val da Canção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweit­bes­te ist immer das Erst­schlech­tes­te. Die­se Lek­ti­on lehr­te uns (mal wie­der) das gest­ri­ge Fina­le des Fes­ti­val da Canção, bei dem sich in der Abstim­mung Publi­kum und Jurys nicht eini­gen konn­ten und in Fol­ge des­sen sich die in bei­den Votings ledig­lich Zweit­plat­zier­te Eli­sa Sil­va durch­set­zen konn­te. Mit einer für mei­ne Ohren graus­lich gesun­ge­nen, stein­schwe­ren Bal­la­de namens ‘Medo de Sen­tir’ (‘Angst vor dem Gefühl’), mit denen sich das Urlaubs­land mal wie­der als aus­sichts­rei­cher Bewer­ber für den letz­ten Platz im ESC-Semi­fi­na­le in Stel­lung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertra­gen­de, depres­si­ve Geflen­ne der aus Madei­ra stam­men­den Künst­le­rin im dies­jäh­ri­gen, sich gera­de zum ein­schlä­fernds­ten Euro­vi­si­ons­jahr­gang seit 1961 ent­wi­ckeln­den Oze­an der Jam­mer­bal­la­den voll­kom­men unter­geht. Im FdC-Fina­le belei­dig­te Eli­sa zudem mit einem Büh­nen­fum­mel aus der Abtei­lung “Fest­li­che Abend­ro­be für die Dame ab Hun­dert”, bestehend aus einer über alle Maßen puf­fi­gen, bei­gen Blu­se und einem boden­lan­gen Rock aus dem­sel­ben auber­gi­ne­far­be­nen Glit­zer­stoff, aus dem auch das Kleid der sie beglei­ten­den Pia­nis­tin genäht war, die Augen des mode­be­wuss­ten Publi­kums. Ohren- und Augen­krebs in nur einem Auf­wasch, ergänzt von dem drin­gen­den Wunsch, sich das Leben neh­men wol­len ange­sichts des gan­zen Elen­des, das muss Por­tu­gal erst mal jemand nach­ma­chen.

Pao­la hat ange­ru­fen und will ihren Kla­mot­ten­ge­schmack zurück: Eli­sa Sil­va.

Wei­ter­le­senFes­ti­val da Canção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein ein­zi­ges gott­ver­damm­tes Pünkt­chen trenn­te am Ende einer ner­ven­auf­rei­ben­den Abstim­mung beim dies­jäh­ri­gen Melo­di­fes­ti­va­len die Sie­ge­rin­nen von der Fan-Favo­ri­tin. Immer­hin war es hier nicht die Schuld der inter­na­tio­na­len Jury: die zeig­te sich näm­lich genau so gespal­ten wie das Publi­kum und bedach­te bei­de Betei­lig­ten mit der exakt glei­chen Stim­men­zahl. So, dass es allei­ne den schwe­di­schen Televoter:innen oblag, für Klar­heit zu sor­gen. Und die ent­schie­den sich mit einem wirk­lich nur hauch­dün­nen Vor­sprung von 0,1% der abge­ge­be­nen Stim­men für The Mamas, den Begleit­chor des Vor­jah­res­ver­tre­ters John Lundvik, die heu­er, geschrumpft vom Quar­tett zum Trio, selbst ange­tre­ten waren im Kampf um die Fahr­kar­te nach Rot­ter­dam. Sel­bi­ge ergat­ter­ten die drei schwar­zen, stimm- wie figur­ge­wal­ti­gen Diven Lou­lou Lamot­te (wenn das kein fabel­haf­ter Drag-Name ist!), Ash­ley Hay­nes und Dinah Yonas Man­na mit ihrem uplif­ten­den Gos­pel-Pop­song ‘Move’ und einer simp­len, aber vor schie­rer Ener­gie und posi­ti­ver Aus­strah­lung nur so bers­ten­den Büh­nen­show. Und spä­tes­tens, als nach der Tro­phä­en­über­ga­be durch Lundvik bei der Sie­ger­re­pri­se bei einer der Drei­en die Freu­den­trä­nen flos­sen und ihr vor Gerührt­heit kurz die Stim­me ver­sag­te, muss­te jedem, der ein Herz besitzt, die­ses augen­blick­lich dahin schmel­zen.

Three Tons of Fun: die abso­lut ado­rablen Mamas.

Wei­ter­le­senMelo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

UMK 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Ein ereig­nis­rei­cher Super­sams­tag, der letz­te der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020, liegt hin­ter uns, mit Ent­schei­dun­gen in drei skan­di­na­vi­schen Län­dern und in Por­tu­gal. Und fast über­all kam es zu tota­len Kata­stro­phen sowie erneut zum Beweis, dass Jurys elen­de Wich­ser sind, die nie­mand braucht. Den schlimms­ten Ver­lust gab es bei der Uuden Musii­kin Kil­pai­lu zu bekla­gen. Nach zwei eher mäßi­gen Ergeb­nis­sen mit vom Sen­der vor­her­be­stimm­ten Interpret:innen hat­te sich YLE ent­schie­den, in die­sem Jahr wie­der einen offe­nen Vor­ent­scheid mit sechs Teilnehmer:innen zu ver­an­stal­ten. Und seit der Ver­öf­fent­li­chung aller sechs Bei­trä­ge vor gerau­mer Zeit stand fest, dass Finn­land bei die­ser UMK nur einen ein­zi­gen Job zu erle­di­gen gehabt hät­te; näm­lich die in sämt­li­chen inter­na­tio­na­len Fan-Polls haus­hoch füh­ren­de Eri­ka Vik­man und ihre (zuge­ge­be­ner­ma­ßen insze­na­to­risch aus­bau­fä­hi­ge) her­aus­ra­gen­de femi­nis­ti­sche Hym­ne ‘Cic­cio­li­na’ nach Rot­ter­dam zu ent­sen­den, in wel­cher die Inter­pre­tin die real exis­tie­ren­de ehe­ma­li­ge Por­no­dar­stel­le­rin und ita­lie­ni­sche Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te Ilo­na Stal­ler ali­as Cic­cio­li­na für ihre Rol­le als Vor­kämp­fe­rin der lust­vol­len sexu­el­len Selbst­be­stim­mung und Selbst­er­mäch­ti­gung von Frau­en abfei­er­te.

Da steppt der Bär: Eri­ka Vik­mann in Beglei­tung ihrer bei­den Kuschel­ted­dys.

Wei­ter­le­senUMK 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Für eine sehr klas­si­sche, herz­zer­rei­ßen­de Bal­kan-Schmer­zens­bal­la­de ent­schie­den sich die Kroat:innen am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend im Rah­men des klas­si­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dungs­for­mats Dora und bestä­tig­ten damit ein­mal mehr ihren Ruf als kon­ser­va­ti­ve Grand-Prix-Nati­on. Denn musi­ka­lisch könn­te das schmalz­trie­fen­de, gei­gen­ge­sät­tig­te ‘Divlji Vjet­re’ (‘Rau­er Wind’) mit­samt sei­ner etwas über­ra­schend an der Stel­le, an der man das Lied eigent­lich zu Ende wähnt, dran­ge­schraub­ten Rückung auch im Jah­re 1990 ange­sie­delt sein. Oder 1960. Lyrisch war es viel­leicht nicht die geschick­tes­te Wahl für den im Früh­lings­mo­nat Mai in Rot­ter­dam statt­fin­den­den Haupt­wett­be­werb, denn der in schwar­zer Trau­er­klei­dung auf­tre­ten­de Damir Kedžo, einst­mals Kir­chen­chor­kna­be und spä­ter Boy­band-Mit­glied, greift dar­in zur Umschrei­bung sei­nes Tren­nungs­schmer­zes zu düs­te­ren Meta­phern von die Bäu­me ent­lau­ben­den Herbst­stür­men und win­ter­li­chem Eis­re­gen. Doch auch, wenn die meis­ten Europäer:innen man­gels Kroa­tisch­kennt­nis­sen Damirs Wor­te nicht ver­ste­hen, las­sen uns die apart anzu­schau­en­den, stets bedroh­lich vor dem Plat­zen ste­hen­de Adern auf sei­nen aus­ra­sier­ten Schlä­fen instink­tiv die Dra­ma­tik der Situa­ti­on erfas­sen. Und natür­lich möch­te man den attrak­ti­ven Inter­pre­ten umge­hend trös­tend in die Arme neh­men.

Letz­te Anstren­gung: Damir und sein Damen­chor las­sen die Gefüh­le auf­wal­len. Trau­ri­ge und… nicht so trau­ri­ge.

Wei­ter­le­senDora 2020: She’s like the Wind to my Tree

O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

Sie sind die Eiter­pi­ckel am Gesäß des Euro­vi­si­on Song Con­tests: Grand-Prix-Kom­po­nis­ten, die sich einen Start­platz für ihre Lie­der beim Wett­be­werb kau­fen. Über Ralph Sie­gel gibt es das (natür­lich unbe­wie­se­ne) Gerücht, dass er immer wie­der Valen­ti­na Monet­ta für San Mari­no ins Ren­nen schi­cken durf­te, weil er die gesam­ten Auf­trit­te aus eige­ner Tasche finan­ziert haben soll. Und auch sei­nem rus­si­schen Pen­dant Phil­lip Kir­ko­rov unter­stellt man gele­gent­lich ein sol­ches Vor­ge­hen. Er bedie­ne sich dabei ger­ne des bit­ter­ar­men Mol­da­wi­ens, denn nir­gends ist das Tele­vo­ting mit so wenig Auf­wand zu mani­pu­lie­ren. Und den dor­ti­gen Juror:innen sagen böse Zun­gen eben­falls eine gewis­se Offen­heit für finan­zi­el­le Argu­men­te nach. 2018 plat­zier­te er so das im russ­land­freund­li­chen Trans­nis­tri­en behei­ma­te­te Trio DoRe­Dos und ver­schaff­te sich ‘My lucky Day’, was ange­sichts einer Bron­ze­me­dail­le im Semi und eines zehn­ten Plat­zes im ESC-Fina­le als Glücks­griff für den klei­nen Bru­der Rumä­ni­ens gel­ten darf. In die­sem Jahr nun leg­te er mit Nata­lia Gor­dien­co nach, die 2006 gemein­sam mit dem Ex-O-Zone-Mit­glied Arse­ni­um das Land schon ein­mal ver­trat. Und bringt damit maxi­ma­les Unglück über das rest­li­che Euro­pa, das nun in einem Wett­be­werb, der bereits vor depres­si­vem, bei­gem Mid­tem­pos­eich förm­lich birst, einen wei­te­ren Bei­trag (‘Pri­son’) genau die­ser Geschmacks­rich­tung ertra­gen muss. Es ist zum Ver­zwei­feln.

Um den Ansatz nach­zu­fär­ben, reich­te das Geld dann wohl nicht mehr: Nata­lia Gor­dien­co.

Wei­ter­le­senO Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

Euro­fest 2020: Oops, he did it again

Der Eklat ließ sich vor­aus­ah­nen. Als bei der Vor­stel­lung der inter­na­tio­na­len Juror:innen für das gest­ri­ge Fina­le des weiß­rus­si­schen Vor­ent­scheids Euro­fest der quiet­schi­ge Wiwi­blog­ger Wil­liam Lee Adams über die Büh­ne spur­te­te, wuss­te man bereits tief drin­nen: der Zuschauer:innenfavorit wird bei die­ser Natsio­nal­niy Otbor nicht obsie­gen. Denn nur, wer als Sen­der den Durch­marsch eines Publi­kums­lieb­lings um jeden Preis ver­hin­dern möch­te, bucht den ame­ri­ka­ni­schen Stra­te­gen. Genau so kam es: am Ende einer unge­wohnt hoch­klas­si­gen, kurz­wei­li­gen Show mit 12 Acts, die von der Ver­le­gung des Events in die Bela­rus­Film-Stu­di­os pro­fi­tier­te, wo es wesent­lich gla­mou­rö­ser zuging als sonst, stand der erwart­ba­re Clash der Kul­tu­ren. Die Jury, zu der eben­falls die frü­he­ren Teilnehmer:innen Dmitry Kol­dun und Zena gehör­ten, stimm­te in einem ansons­ten aus­schließ­lich von Frau­en und haupt­säch­lich von Uptem­powa­re bevöl­ker­ten Feld geschlos­sen für den ein­zi­gen bal­la­die­ren­den Mann, Jan Yarosh, der an der Bon­tem­pi-Orgel sit­zend den Sad­boi gab. Alles, was ihm zur Eins-zu-eins-Kopie des Vor­jah­res­sie­gers fehl­te, war eine gigan­ti­sche Lam­pe über dem Schä­del. Die stets klu­gen und geschmacks­si­che­ren Televoter:innen hin­ge­gen bevor­zug­ten das Eth­no-Quar­tett Cha­kras, das mit einer unge­wöhn­li­chen, sphä­ri­schen Num­mer auf­war­te­te, deren “Text” aus­schließ­lich aus den Sil­ben ‘La-ley-la’ bestand. Sowie aus aller­lei Wolfs­ge­heul, Vogel­stim­men, Wie­hern, Maul­trom­meln und Flö­ten­tö­nen, erzeugt von einer am Boden sit­zen­den Scha­ma­nin.

Öff­nen Dei­ne Wahr­neh­mungs­pfor­ten und neh­men dich mit auf eine scha­ma­ni­sche Geis­ter­rei­se: die Cha­kras.

Wei­ter­le­senEuro­fest 2020: Oops, he did it again

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love ton­ight

Bevor am heu­ti­gen Abend beim weiß­rus­si­schen Vor­ent­scheid zwölf lei­der durch die Bank unin­ter­es­san­te Songs im Kampf um die Fahr­kar­te nach Rot­ter­dam antre­ten, gilt es, noch schnell einen nost­al­gisch getrüb­ten Blick auf die legen­dä­ren jähr­li­chen öffent­li­chen Audi­tions in Minsk zu wer­fen. Die­se fan­den heu­er vor gut einem Monat statt und ver­sam­mel­ten weni­ger Inter­es­sier­te als in frü­he­ren Jah­ren. Denn im Ver­such, der unter ande­rem mit den ehe­ma­li­gen Repräsentant:innen Zena und Navi bestück­ten Aus­wahl­ju­ry das Schlimms­te zu erspa­ren, hat­te der Sen­der BTRC ver­fügt, dass nur noch weiß­rus­si­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge vor­sin­gen dür­fen. Nicht alle kapier­ten das: neben 65 inlän­di­schen Acts bewar­ben sich den­noch 30 aus­län­di­sche, die man fein säu­ber­lich aus­sor­tier­te. 49 Aus­er­wähl­te durf­ten sich schließ­lich vor der Kame­ra prä­sen­tie­ren, der größ­te Teil davon lei­den­de Frau­en. Doch auch ein paar weni­ge Trash-Per­len lie­ßen sich ertau­chen, so wie die bela­rus­si­schen Kess­ler-Zwil­lin­ge Kat­ya und Vol­ga. Zwar ver­moch­ten die bei­den ein­ei­igen Schwes­tern weder mit dem gesang­li­chen noch dem tän­ze­ri­schen Talent des his­to­ri­schen deut­schen Duos mit­zu­hal­ten, dafür aber über­zeug­ten sie in den Kate­go­ri­en Lang­bei­nig­keit, Blond­heit und Stoi­zis­mus. Punk­te gab es auch für das stil­si­che­re Sieb­zi­ger-Jah­re-Out­fit und den dazu pas­sen­den, ori­gi­nal­ge­treu­en Dis­co­schla­ger ‘Noy’.

Als habe sich Aman­da Lear geklont: Kat­ya und Vol­ga.

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love ton­ight

Vid­bir 2020: Does your Mother know?

Um die­ses Wochen­en­de wenigs­tens mit einem erfreu­li­chen Ergeb­nis zu beschlie­ßen, habe ich mir das gest­ri­ge Fina­le der Vid­bir bis zum Schluss auf­ge­ho­ben. Dort sieg­te – und zwar erst­ma­lig in der ukrai­ni­schen Vor­ent­schei­dungs­ge­schich­te glei­cher­ma­ßen bei den Anrufer:innen wie bei der drei­köp­fi­gen Jury – die Band Go_A (für das eng­li­sche Wort Go und das grie­chi­sche Zei­chen Alpha) mit der von einer beson­ders schlim­men Form des Res­ting-Bitch­face-Syn­droms heim­ge­such­ten Front­frau Kate­ry­na Pav­len­ko. Ihre in der Lan­des­spra­che und im sla­wi­schen Stil des mono­to­nen Wei­ßen Gesangs, den wir bereits von den letzt­jäh­ri­gen pol­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen Tulia ken­nen, vor­ge­tra­ge­ne Elek­tro-Folk-Num­mer über die Nach­ti­gall (‘Solovey’) erzählt die hoch roman­ti­sche Geschich­te eines heim­li­chen, ver­bo­te­nen Tech­tel­mech­tels im Früh­lings­hain zwi­schen der Sän­ge­rin und einem gewis­sen Iwan, das sofort enden muss, sobald die Mut­ter etwas davon erfährt. Da “der Iwan” nicht nur im Deut­schen als Syn­onym für den Rus­sen steht, liegt es natür­lich auf der Hand, in dem Song­text eine sub­ti­le Alle­go­rie auf die ver­track­te, zwi­schen Annä­he­rung und Feind­schaft pen­deln­den Situa­ti­on zwi­schen der Ukrai­ne und der Föde­ra­ti­on zu erken­nen, die nicht zuletzt für die Ein­füh­rung einer Krim-Klau­sel bei der Vid­bir sorg­te, nach wel­cher kein Act mehr am Vor­ent­scheid teil­neh­men darf, der Auf­trit­te in Russ­land oder den annek­tier­ten Gebie­ten tätig­te oder plant.

Ärmel wie Pan­zer­sper­ren, Ohr­ge­schmei­de wie Wurf­ket­ten: Kate­ry­na wapp­net sich gegen die Erobe­rung durch den Iwan.

Wei­ter­le­senVid­bir 2020: Does your Mother know?

EMA 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Bei­trag

Gäbe es einen Wett­be­werb um das absur­des­te Vor­ent­schei­dungs­for­mat zum Euro­vi­si­on Song Con­test, dann spiel­te die Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja (EMA) wohl um den Sieg mit. 12 Acts ver­sam­mel­te das slo­we­ni­sche Fern­se­hen RTV SLO ges­tern Abend in Ljub­lja­na, von denen sich zehn die Mühen streng­ge­nom­men von vor­ne her­ein hät­ten spa­ren kön­nen. Denn nach­dem alle 12 gesun­gen hat­ten, tag­te eine reiz­voll um eine rie­si­ge Schüs­sel Mini-Dick­manns dra­pier­te Jury, bestehend aus drei Genera­tio­nen slo­we­ni­scher Euro­vi­si­ons­di­ven, nament­lich Dar­ja Šva­jger, Nuša Deren­da und Maja Keuc. Und die schick­ten zehn von ihnen gleich wie­der nach Hau­se, dar­un­ter alles auch nur annä­hernd Aus­sichts­rei­che sowie die zwei in einem wochen­lang zele­brier­ten Nach­wuchs­wett­be­werb namens EMA Freš Aus­ge­wähl­ten. Ledig­lich zwei Songs ließ man dem Publi­kum gnä­dig zur Abstim­mung übrig: eine blas­se Bal­la­de sowie… eine noch blas­se­re Bal­la­de. Mit einem dia­bo­li­schen Abstand von 666 Anru­fen ent­schie­den sich die Slowen:innen dann immer­hin für das etwas weni­ger drö­ge der bei­den inhalts­glei­chen Ange­bo­te, näm­lich das von der anämi­schen Inter­pre­tin Ana Soklič mit­kom­po­nier­te ‘Voda’ (‘Was­ser’). Das kann näm­lich zumin­dest mit einem ansatz­wei­se dra­ma­ti­schen Refrain punk­ten, der die Zuschauer:innen nach einer lei­der andert­halb Minu­ten andau­ern­den, koma­in­du­zie­ren­den Weg­fin­dung wie­der aus dem Tief­schlaf reißt.

Rief panisch den Erlö­ser an, als sie erfuhr, dass sie mit den Stim­men des Teu­fels gewann: Ana Soklič.

Wei­ter­le­senEMA 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Bei­trag

Depi Evra­tes­il 2020: Mama, du sollst doch nicht um dei­ne Per­len wei­nen

Nach dem Semi­fi­nal-Aus für die intern bestimm­te Srbuk beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 kehr­te das erfolgs­ver­wöhn­te und ‑hung­ri­ge Arme­ni­en in die­sem Jahr zum Vor­ent­schei­dungs­for­mat Depi Evra­tes­il zurück. 12 hoff­nungs­vol­le jun­ge Talen­te ver­sam­mel­te der Sen­der ARMTV am gest­ri­gen Sams­tag­abend in Jere­wan, die fast aus­nahms­los mit selbst geschrie­be­nen Lie­dern antra­ten. Tra­gi­scher­wei­se alle­samt in eng­lisch, auch wenn sich, wie an Song­ti­teln (‘What it is to be in Love’), Sil­ben-zu-Melo­die-Ratio und Into­na­ti­on erkennt­lich, die Sprach­kennt­nis­se der meis­ten Teilnehmer:innen rein auf das Pho­ne­ti­sche beschränk­ten. Die musi­ka­li­sche Qua­li­tät des Ange­bo­tes glich der einer weiß­rus­si­schen Vor­auswahl­run­de, mehr­fach ertapp­te man sich beim Zuschau­en, wie man nach weni­gen Sekun­den laut “Spa­si­ba!” rief, in der Hoff­nung, damit dem Auf­tritt ein Ende zu set­zen. Ein leich­tes Spiel somit für das ein­zi­ge pro­fes­sio­nel­le Ange­bot des Abends, vor­ge­tra­gen von der in der hel­le­ni­schen Haupt­stadt gebo­re­nen, arme­nisch­stäm­mi­gen Athena Manou­ki­an. Seit 2007 im Geschäft, kann sie in Grie­chen­land bereits etli­che Top-Hits vor­wei­sen. 2008 nahm sie, damals noch im zar­ten Alter von 14, an der hel­le­ni­schen Vor­auswahl zum Juni­or-ESC teil. Zuletzt schrieb sie einen Titel für Hele­na Papa­riz­ou. Auch ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag ‘Chains on you’, in dem sie sinn­ge­mäß davon singt, ihren Gespie­len als Auf­be­wah­rungs­sta­ti­on für ihr dia­man­te­nes Geschmei­de zweck­zu­ent­frem­den, stamm­te aus eige­ner Feder.

Der per­fek­te Sound­track zum Stan­gen­tanz in der Tit­ten­bar: die Alpharü­din Athena legt ihre Ker­le an die Ket­te.

Wei­ter­le­senDepi Evra­tes­il 2020: Mama, du sollst doch nicht um dei­ne Per­len wei­nen