Jurys sind Wichser

Wie oft müs­sen die Bevor­mun­dungs­or­ga­ne ihre him­mel­schrei­en­de Inkom­pe­tenz noch unter Beweis stel­len, bis sie end­lich wie­der abge­schafft wer­den?

2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

Vid­bir 2019: Komm doch mal rüber

Ist das herrlich: nuttiger Trash, schmutzige Politik, Aufregung, Drama, Ränkespiele und ein stürmischer Rückzug - so kennen und so lieben wir die Ukraine! Seit dem Finale des Vorentscheids Vidbir am vergangenen Samstag überschlagen sich dort die Ereignisse und haben mit der heute verkündeten Suspendierung der Siegerin durch den Sender UA:PBC nun ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Doch der Reihe nach: gegen den Willen der dreiköpfigen Jury gewann vor knapp 48 Stunden die Sängerin Hanna Korsun unter ihrem Bühnennamen Maruv aufgrund des klaren Plazets des ukrainischen Publikums die Vidbir. Und zwar mit einem gräuslich gesungenen, aber erfrischend billig bollernden Uptempo-Trasher mit dem sprechenden Titel 'Siren Song (Bang!)' und einer SM-inspirierten Bühnenshow, die mit großer Sicherheit ...
Unser Lied für Isra­el 2019: Sis­ters are doin’ it for them­sel­ves
2019, Deutsche Vorentscheidung, Jurys sind Wichser, Trickkleid

Unser Lied für Isra­el 2019: Sis­ters are doin’ it for them­sel­ves

Immer, wenn sich der NDR nach Jahren des ziellosen Herumstocherns einen Ruck gegeben und mit viel Mühe und harter Arbeit ein neues, tragfähiges Konzept für die Auswahl des heimischen Beitrags zum Eurovision Song Contest gefunden hat; eines, das einen mehrheitsfähigen Titel und eine gute Platzierung im internationalen Wettbewerb hervorbringt, dann geht er im Folgejahr hin und reißt mit dem Arsch alles wieder ein, was er gerade erst mühevoll aufbaute. Klingt harsch? Nun, anders lässt sich das Ergebnis des deutschen Vorentscheids Unser Lied für Israel vom Freitag nicht interpretieren, bei dem der Sender zunächst wie im Vorjahr in einen hochkomplizierten, mehrstufigen Künstler/innen- und Songfindungsverfahren sechs junge Talente mit einer für deutsche Verhältnisse recht breiten musikalischen P...
2019, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Am I a Cri­mi­nal?”: Moni­ka Mari­ja kauft sich für 2.000 Euro frei

Man kann die Strategie für befremdlich halten: mit gleich zwei musikalisch sehr ähnlichen Titeln trat die litauische Sängerin Monika Marija Paulauskaitė in diesem Jahr beim Vorentscheid ihres Landes an, der Nacionalinė Eurovizijos Atranka. Nämlich mit der Midtempo-Powerballade 'Lights on' und der... Midtempo-Powerballade 'Criminal'. Beide überstanden unbeschadet die gefühlt siebzig Vorrunden und Semifinale der litauischen Marathon-Show. Und das, obwohl Frau Paulauskaitė im Vorfeld des Semis am vergangenen Samstag die Jury und die Zuschauer/innen beschworen hatte, bitte bloß nicht für 'Criminal' zu stimmen bzw. anzurufen. Den Gefallen taten ihre Landsleute ihr aber nicht und auch diesen Song ins Finale am Samstag durch. 'Lights on' hatte sich bereits in der Woche davor qualifiziert. Wohl, u...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitz­ho­mos

Bevor sie ganz unter den Tisch fallen: neben den fünf nationalen Vorentscheidungen des vergangenen Wochenendes mit ihren fünf furchtbaren Beiträgen für Tel Aviv fanden am vergangenen Samstag in zahlreichen Ländern diverse Semifinale statt, die nun hier in Windeseile abgearbeitet sein wollen. Beginnen wir bei den Gastgebern des letzten Jahres: in der ersten von zwei Vorrunden des portugiesischen Festival da Canção kam der Favorit Conan Osíris erwartungsgemäß eine Runde weiter, landete mit dem rundweg experimentell-bizarren 'Telemóveis' ('Mobiltelefon') jedoch bei der augenscheinlich ausschließlich mit Kulturbanausen besetzten Jury lediglich auf dem vierten Rang. Das wesentlich sachverständigere Publikum bedachte ihn hingegen mit der Höchstwertung. Der mit einem grotesken Gesichtsgeschirr an...
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Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein weiteres nationales Vorentscheidungsfinale ging gestern Abend noch über die Bühne, das ich vor lauter Supersamstagsstress beinahe übersehen hätte. Die lettische Supernova macht das einem aber auch leicht: die mit sofortiger Seekrankheit induzierenden, stümperhaften Kameraschwenks gefilmten Shows (einschließlich der beiden vorgeschalteten Semis) laufen schließlich stets parallel zu anderen, wesentlich interessanteren Formaten. Einschließlich der beinahe unendlichen Eurovizijos im baltischen Nachbarland Litauen, das zwar stets zu ähnlich aussichtslosen Ergebnissen gelangt, auf dem langen Weg dorthin aber zumindest den deutlich gruseligeren musikalischen Irrsinn auftischt. Das lettische Fernsehen LTV scheint hingegen aus einem sehr begrenzten Pool von sehr mäßig begabten Talenten zu fisch...
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EMA 2019: Kaos-Tage in Slo­we­ni­en

Es ist eine ewige Hassliebe, die das slowenische Publikum und seinen Fernsehsender RTVSLO miteinander verbindet und die sich seit Dekaden beim Vorentscheid des Landes, der EMA, in ungezählten Manipulationsversuchen mit Hilfe des Votingverfahrens oder der Jury manifestiert. So auch in diesem Jahr, wo der Sender sehr offensichtlich die 22jährige Harfenspielerin und Sängerin Sara Briški Cirman, besser bekannt unter ihrem Bühnennamen Raiven, nach Tel Aviv entsenden wollte. Nämliche Raiven also, die bereits bei der EMA 2016 einen zweiten Platz belegte, im Jahr darauf einen dritten, die 2018 die Show moderieren durfte und die diesmal den Pimp Slot zugeschanzt bekam. Um ganz sicher zu gehen, dass das Publikum keine Wahl hätte, bestimmte die in der ersten Wertungsrunde alleine entscheidungsberecht...
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Eesti Laul 2019: selbst­ver­lieb­te Schmacht­lap­pen

Was für ein Katastrophen-Samstag! In drei vier Ländern gingen gestern Abend Vorentscheidungsfinale über die Bühne, und in allen dreien vieren fielen derartig haarsträubende Fehlentscheidungen, dass es mal wieder an der Zeit ist, den abgegriffenen Spruch vom "schlimmsten Jahrgang aller Zeiten" aus der Mottenkiste zu holen, zu dem eingefleischte Grand-Prix-Fans in dieser Phase der Saison meist reflexartig greifen, den zurückzuweisen jedoch am heutigen Tage besonders schwierig erscheint. In Estland jedenfalls gewann im Superfinale der Eesti Laul ein schmierlappiger Sänger schwedischer Herkunft namens Victor Crone, eingefleischten Melodifestivalen-Guckern noch vertraut aus dem Jahrgang 2015, wo er die Lead Vocals für den Rapper Behrang Miri beisteuerte. Crones aktuelles Lied 'Storm' stammt unt...
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[UPD] Ist er’s oder ist er’s nicht? Auf­re­gung um Mah­mood

Wird der 26jährige Alessandro Mahmoud, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mahmood, Italien beim Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv vertreten? Nach seinem Überraschungssieg beim San-Remo-Festival am vergangenen Samstag sagte er noch in der Nacht zu, und eurovision.tv listet ihn dementsprechend als Repräsentanten der Halbinsel in Israel. Zwischenzeitlich ruderte der Milanese auf Druck seiner Plattenfirma jedoch wieder zurück, die Mahmood offenbar auf eine ausgedehnte Promotiontour im Land schicken möchte, was sich mit den zeitlichen Verpflichtungen der Eurovisionsteilnahme nicht so gut verträgt. Derzeit werde, wie zu hören war, hinter verschlossenen Türen zwischen der Rai und Mahmoods Management über die Details verhandelt. Kommt kein Deal zustande, kann der italienische Sender ...
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: der sen­si­ble Bal­kan

Ein ausdrückliches Lob muss ich an dieser Stelle einmal an den rumänischen Sender TVR richten. Nach dem hektischen Irrsinn des mit Vorentscheidungen komplett überfrachteten vergangenen Supersamstags (an den kommenden darf ich erst gar nicht denken!) gestaltete sich der Sonntagabend mit dem Genuss des zweiten Semis der Selecția Națională geradezu kuschlig-kommod. Vielen Dank für diese Entzerrung! Freundlicherweise stellte TVR einen ruckelfreien Youtube-Livestream in HD-Qualität zur Verfügung, und die aus der Kleinstadt Arad übertragene Show glänzte mit einem deutlich besseren Line-up als noch das erste SN-Semi vor 14 Tagen. Selbst die Fehlurteilsquote der Jury, die fünf der sechs Finalisten alleine bestimmen durfte, hielt sich in Grenzen. Lediglich der Verlust des den Auftakt gebenden, zwec...
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Drit­ter Super­sams­tag 2019: eine Chan­ce für den Hass

Richtig rund ging es am gestrigen Supersamstag: neben den Vorentscheidungs-Finalen in Australien, Italien und Montenegro fanden in fünf weiteren Ländern Vorrunden statt. Wir beginnen unsere Reise im hohen Norden, wo das erste von zwei Semis des isländischen Söngvakeppnin Anlass zum hoffnungsvollen Frohlocken gab. Unter den zwei ins Finale delegierten Beiträgen befindet sich nämlich mit 'Hatrið mun sigra' ('Der Hass wird siegen') mein persönlicher Lieblingstitel der gesamten Eurovisionssaison 2019. Die Industrial-Band Hatari (die Hassenden) liefert damit die wütend-düstere Hymne zur aktuellen Endzeitstimmung, die einen beim Anblick des Zustands Europas und der Welt unabwendbar überfällt, verpackt in eine frappante musikalische Mischung aus Rammstein und Bronski Beat und dargeboten in einer ...
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Mon­te­vi­zi­ja 2019: vie­le Jurys ver­der­ben den Brei

Sie war angekündigt als die "modernste Vorentscheidung, die RTCG jemals produziert hat": die diesjährige Ausgabe der Montevizija. Und tatsächlich durchströmte die am Samstagabend aus dem Hauptstadtstudio des Senders ausgestrahlte Show das Flair eines westeuropäischen Vorentscheids von ca. 1989 - ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Vorjahr. Einen Geschwindigkeitsrekord stellte man ebenfalls auf in Podgorica: innerhalb nur einer knappen halben Stunde nach Sendebeginn jagte man alle fünf Beiträge über die Antenne. Doch bis zur Ergebnisverkündung sollten sich dann noch fast zwei Stunden anschließen, da man sich für ein unnötig kompliziertes Wertungsverfahren mit gleich vier beteiligten Institutionen und einem Superfinale entschied. Und all das für die völlig vorhersehbare Katastrophe: gew...
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Aus­tra­lia deci­des 2019: Vor­sicht, Prin­zes­sin, hin­ter Dir!

Nach der völlig enttäuschenden Amateurveranstaltung in Großbritannien gestern Abend zeigten die entfernten Verwandten aus Down Under heute Mittag den Briten, wie man einen ordentlichen Eurovisions-Vorentscheid aufzieht. Nachdem die Australier ihren Beitrag bislang stets intern festlegten, organisierte der Sender SBS erstmalig eine öffentliche Vorauswahl und fuhr dafür zehn im Lande (und teils darüber hinaus) etablierte Acts mit musikalisch sehr diversen, teils verzichtbaren, teils aber auch herausragenden Songs auf, eingebettet in eine selbstironisch moderierte, runde Show. Seht her, ihr TV-Stationen Europas: so wird's gemacht! Der einzige, dafür um so größere Wermutstropfen: die Entscheidung lag somit in den Händen des australischen Publikums und einer "professionellen" Jury, und beide st...
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Kann Ser­gey Laza­rev einen Dima Bilan pul­len?

Es war eines der am schlechtesten gehüteten Eurovisionsgeheimnisse: gestern bestätigte das russische Fernsehen endlich, was die Spatzen bereits seit Wochen von den Dächern pfiffen: Sergey Lazarev, der von den russophoben Juroren aus politischen Gründen um den Gesamtsieg betrogene Televotinggewinner des Eurovision Song Contests von 2016, vertritt die Föderation 2019 in Tel Aviv. Die Nachricht sorgte für aufgeregtes Geschnatter in den Fan-Foren, zeigt der durchtrainierte 35jährige bei seinen Auftritten doch nur zu gerne nackte Haut und präsentiert sich im eng gesteckten Rahmen des für ihn als etablierten Star im streng homophoben Russland Machbaren als "gayfriendly", auch wenn er sein eigenes Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushalten möchte. Die ebenfalls verkündete Botschaft, dass Seh...
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Kar­tof­feln aus Minsk

Was täten Trashfans nur ohne Weißrussland? Jahr für Jahr schüttet der Sender BTRC sein scheinbar nie versiegendes Füllhorn an Unglaublichkeiten über uns aus, wenn er - wie vergangenen Montag Vormittag - zum Vorsingen für das Eurofest in sein Hauptstadtstudio lädt. Das entwickelt sich immer mehr zum internationalen Gipfeltreffen der Mühseligen und Beladenen: aus 16 Nationen trudelten insgesamt 113 Bewerbungen in Minsk ein. In Persona erschienen zur unsäglich frühen Stunde von 10 Uhr allerdings nur 73 Acts. So fehlte beispielsweise die rumänische Drama Queen Mihai Trăistariu, der sich aus Protest gegen eine nachträglich vergebene Wildcard mit großem Getöse vom heimischen Vorentscheid zurückgezogen hatte und nun für Lukaschenko singen wollte, krankheitsbedingt: der Meister lag mit der Grippe ...
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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: Frank­reich krönt Bil­al Hassa­ni zu sei­nem König

"Der feuchte Traum eines jeden Gutmenschen", so stand es in diesem Blog vor vierzehn Tagen über Bilal Hassani zu lesen, als dieser das erste Semifinale des französischen Vorentscheids Destination Eurovision 2019 gewann: "die LGBTI*-Ikone ist jung, multikulturell, genderfluid und kämpft mit selbstbewusstem Trotz und künstlerischem Können gegen alle Anfeindungen". Vor allem aber verfügt der 19jährige Youtube-Star mit den franko-marokkanischen Wurzeln augenscheinlich über eine sehr große, anruffreudige Fan-Gemeinde: mehr als ein Drittel aller SMS- und Telefonstimmen entfielen im gestrigen Finale der Destination an seinen von ihm und den letztjährigen französischen Vertretern Madame Monsieur gemeinsam verfassten Titel 'Roi'. Damit gelang es Bilal spielend, die Schmach aus der Wertung der zehn ...
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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: il pleut d’Ane­mo­nes

Sie fiel qualitativ ein kleines bisschen ab gegenüber dem hervorragenden ersten Semifinale vergangene Woche: die gestern Abend live ausgestrahlte zweite Vorrunde der Destination Eurovision 2019, des französischen Vorentscheidungsverfahrens. Davon mal abgesehen glichen sich die beiden Abende wie ein Ei dem anderen: erneut traten neun ziemlich gute Songs gegeneinander an, erneut gab es einen überragenden Juryfavoriten, erneut stimmten die fünf internationalen Juror/innen (diesmal aus Armenien, Georgien, Schweden, Tschechien und Österreich) nur sehr bedingt mit den im Studio anwesenden französischen "Fachleuten" und mit dem gallischen Publikum überein und erneut ließen die stimmlichen Leistungen bei einigen der Acts zu wünschen übrig. Einen Eklat gab es allerdings zu Beginn der Show, als di...
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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: der König ist tot, es lebe der König!

Mit hohen Erwartungen ging es in den gestrigen Abend, ins erste Semifinale der Destination Eurovision, denn der verantwortliche Sender France 2 hatte im vergangenen Jahr gut vorgelegt und die unbestreitbar beste nationale Vorentscheidung der Saison abgeliefert. Und wir wurden nicht enttäuscht! Neun Acts präsentierten jeweils zunächst eine Coverversion zur Einstimmung und dann ihren Wettbewerbsbeitrag, und selbst die fünf nach der Abstimmung von diversen Länderjurys aus Israel, Armenien, Großbritannien, Portugal und Serbien sowie dem Ergebnis des Televotings ausgeschiedenen Songs konnten durch die Bank musikalisch überzeugen. So wie beispielsweise die mit viel Leidenschaft und starker Stimme vorgetragene Klavierballade 'Le Brasier', die ein wenig unter der ausgesprochen statischen Darbietun...
Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: heim ins Reich
2019, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: heim ins Reich

Das erste Lied für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv steht fest, traditionellerweise bestimmt beim vorweihnachtlichen Festivali i Këngës. Und es stammt mal wieder von einer kreischenden Frau, nichts Ungewöhnliches also für Albanien. Allerdings singt Jonida Maliqi mit zwar kräftiger, aber keinesfalls dissonanter Stimme, so wie man es von den Skipetarinnen sonst gewohnt ist. Die 36jährige, die erstmalig im zarten Alter von 13 beim albanischen Liederfestival auftrat (das damals noch nicht als Vorentscheid fungierte, da das Land seinerzeit noch nicht an der Eurovision teilnahm), überzeugte optisch mit vorzüglichen Simone-Thomalla-Lippen, einer Mireille-Mathieu-Perücke und der anmutig aristokratischen Ausstrahlung einer ägyptischen Pharaonin. Den Ohren schmeichelt ihr Beitrag mit sei...
Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2019
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2019

Die Deutsche Bahn hat offenbar heimlich, still und leise das Management des albanischen Staatssenders Radio Televizione Shqiptar (RTSH) übernommen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass das gestrige zweite Semifinale des traditionsreichen Festivali i Këngës (FiK) aufgrund nicht näher spezifizierter "technischer Schwierigkeiten" mit einer satten dreiviertel Stunde Verspätung startete, die RTSH zur besonderen Freude der erwartungsfroh sich vor den Bildschirmen und Internetbrowsern Europas versammelt habenden Vorentscheidungsfans mit einer Dauerschleife der immergleichen fünf Programmtrailer überbrückte. Der animierte Tannenzapfen aus dem "Frohes Fest"-Spot wird nicht nur mich noch die nächsten Jahre in meinen Alpträumen verfolgen! Doch dem passionierten Eurovisionsenthusiasten ist keine ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

LT 2018: Der Berg kraist… und gebiert eine Zasim­aus­kai­tė

Über zehn Wochen erstreckte sich das notorisch überlange litauische Vorentscheidungsverfahren, die Eurovizija, auch 2018 wieder. 50 Songs (!) nahmen ursprünglich daran teil, die man für das gestrige Finale, übrigens das letzte dieser Saison (fühlt Ihr bereits den Entzugsschmerz?), in einem epischen, hochkomplizierten Verfahren auf sechs reduzierte, mit denen der Sender LRT dann, anders als die in dieser Beziehung die Nerven ihrer Zuschauer/innen nicht über Gebühr strapazierende ARD, nochmals gute drei Stunden in der Primetime füllte. Es siegte, nachdem die Litauer/innen in den Vorrunden bereits sämtliche guten Beiträge bis auf einen herausgewählt hatten, leider nicht dieser, sondern wie erwartet die klare Favoritin Ieva Zasimauskaitė mit der stimmlich ausgesprochen zart dahingehauchten Lie...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

SM 2018: Zwei zum Preis von 8.000 €

Mit einem unrühmlichen Ergebnis ging gestern Abend in der slowakischen Metropole Bratislava das undurchsichtigste und fischigste Vorentscheidungsverfahren der Saison 2018 zu Ende, das (rein spekulativ) womöglich vor allem den Zweck verfolgte, die Taschen der österreichischen Eurovisionsteilnehmerin von 2016, Zoë Straub, zu füllen. Beziehungsweise die ihres Vaters Christof, dem Produzenten der Show. Immerhin einen gewissermaßen mildtätigen Zweck erfüllte 1in360: die bereits siebenfach (!) beim Vorentscheid in ihrer Heimat Malta gescheiterte Jessika Muscat konnte sich zum günstigen Schnäppchenpreis von nur 8.000 € (plus Juryspesen) nun endlich ihre lang ersehnte Eurovisionsteilnahme erkaufen. Dafür erhielt sie aus dem Hause Straub einen horriblen, billigen 'Heroes'-Abklatsch namens 'Who we a...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

HU 2018: Und es war Som­mer

Ähnlich wie in der Ukraine verlor auch im benachbarten Ungarn gestern Abend beim dortigen Eurovisionsvorentscheid A Dal die machtbewußte Jury den bis zuletzt eisern geführten Kampf gegen den Willen des Publikums. Allerdings mit einem zumindest musikalisch deutlich erfreulicheren Ergebnis. Die mutigen Magyaren schicken nämlich mit der von den Musikexperten bei Wiwibloggs als "Post-Hardcore-Band" bezeichneten Kapelle AWS fünf sehr laut aufspielende und herumschreiende, ausgesprochen kernige Buben. Mit leider arg kryptofaschistisch anmutenden Popper-Haarschnitten, so dass man sich spontan zunächst fragt, ob das Band-Akronym für "Amazon Web Services" oder doch eher für "Aggressive White Supremacists" stehen mag. Da sie auf ungarisch singen, hilft nur ein Blick auf die Lyrics ihres Titels 'Visz...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

UA 2018: Mélo­vin hat Feu­er unterm Arsch

Das Unvermeidliche ist eingetreten: Konstantin Mikolajewitsch Bocharov, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mélovin, vertritt die Ukraine beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Im Vorjahr nahm der X-Factor-Sieger bereits an der Vorentscheidung Vidbir teil, scheiterte jedoch an der dreiköpfigen Jury, was ihn selbst "Rache" schwören ließ und zu Todesdrohungen seiner empörten, hauptsächlich aus minderjährigen Emo-Mädchen bestehenden, fanatischen Anhängerschaft gegenüber den verantwortlichen Juror/innen, insbesondere Jamala (→ UA 2016), führte. Auch im gestrigen Vidbir-Finale waren das Teenie-Gekreische und die "Mélovin! Mélovin!"-Sprechchöre nicht zu überhören. Wohl aus Angst vor einer offenen Publikumsrevolte fügte man sich daher dem Schicksal: mit dem zweiten Platz in der Jury...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

SI 2018: Ich möch­te das nicht

Es scheint stets aufs Neue so eine Art kreative Herausforderung für die Verantwortlichen des slowenischen Fernsehens RTV Slo darzustellen: wie manipuliere ich die traditionsreiche Eurovisionsvorentscheidung EMA und stelle sicher, dass der Zuschauerfavorit auf gar keinen Fall gewinnt? Bereits im vergangenen Jahr mogelte der Sender mithilfe der Jury die maue Ballade des Balkan-Robbie-Williams Omar Naber (→ SI 2005, 2017) an den eindeutigen Publikumslieblingen BQL vorbei, zwei ganz putzigen Brüdern. Die versuchten es heuer erneut, und da man trotz ihres im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechteren Titels 'Promise' aufgrund ihrer massiven Beliebtheit bei anruffreudigen jungen Mädchen davon ausgehen konnte, dass sie das Televoting erneut toppen würden (was genau so eintrat), fuhr der Sender d...
2018, Deutsche Vorentscheidung, Jurys sind Wichser

DE 2018: Oh mein Papa

Es war eine Art von Kulturkampf, die sich gestern Abend beim deutschen Eurovisionsvorentscheid vor den Augen der Nation entfaltete: während die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd gerade eine künftig stärkere Zusammenarbeit ankündigten und damit die langlebigste innerdeutsche Grenze in Frage stellen, den Aldi-Äquator nämlich, lebte dieser bei Unser Lied für Lissabon gewissermaßen fort. Norddeutsches Understatement gegen hemmungslose alpine Skihütten-Party lautete der Zweikampf. Und während der bollerige Schuhplattl-Spaß von voXXclub in Sachen Auffälligkeit und Unverwechselbarkeit die risikoreichere und damit international womöglich bessere Wahl gewesen wäre, entschied sich das Publikum im Verbund mit gleich zwei Jurys für die edsheeraneske Ballade 'You let me walk alone' des Buxtehuders Mich...