Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: il pleut d’Anemones

Pro­test­le­rin bei D.E. © Fran­ce 2

Sie fiel qua­li­ta­tiv ein klei­nes biss­chen ab gegen­über dem her­vor­ra­gen­den ers­ten Semi­fi­na­le ver­gan­ge­ne Woche: die ges­tern Abend live aus­ge­strahl­te zwei­te Vor­run­de der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019, des fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­rens. Davon mal abge­se­hen gli­chen sich die bei­den Aben­de wie ein Ei dem ande­ren: erneut tra­ten neun ziem­lich gute Songs gegen­ein­an­der an, erneut gab es einen über­ra­gen­den Jury­fa­vo­ri­ten, erneut stimm­ten die fünf inter­na­tio­na­len Juror/innen (dies­mal aus Arme­ni­en, Geor­gi­en, Schwe­den, Tsche­chi­en und Öster­reich) nur sehr bedingt mit den im Stu­dio anwe­sen­den fran­zö­si­schen “Fach­leu­ten” und mit dem gal­li­schen Publi­kum über­ein und erneut lie­ßen die stimm­li­chen Leis­tun­gen bei eini­gen der Acts zu wün­schen übrig. Einen Eklat gab es aller­dings zu Beginn der Show, als direkt im Anschluss an den Auf­tritt der als Gast­star ein­ge­la­de­nen Vor­jah­res­sie­ge­rin Net­ta Bar­zi­lai eine Anti­se­mi­tin die Büh­ne stürm­te und ein Schild mit der Auf­schrift “Nein zur Euro­vi­si­on in Isra­el” in die Kame­ra hielt. Das dürf­te heu­er noch ein unru­hi­ger Euro­vi­si­ons­jahr­gang wer­den!

Wenn das Geräusch des ein­strö­men­den Büh­nen­ne­bels Dei­nen Gesang über­tönt, hast du ein Pro­blem: Noé­mi.

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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: der König ist tot, es lebe der König!

Mit hohen Erwar­tun­gen ging es in den gest­ri­gen Abend, ins ers­te Semi­fi­na­le der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on, denn der ver­ant­wort­li­che Sen­der Fran­ce 2 hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr gut vor­ge­legt und die unbe­streit­bar bes­te natio­na­le Vor­ent­schei­dung der Sai­son abge­lie­fert. Und wir wur­den nicht ent­täuscht! Neun Acts prä­sen­tier­ten jeweils zunächst eine Cover­ver­si­on zur Ein­stim­mung und dann ihren Wett­be­werbs­bei­trag, und selbst die fünf nach der Abstim­mung von diver­sen Län­der­ju­rys aus Isra­el, Arme­ni­en, Groß­bri­tan­ni­en, Por­tu­gal und Ser­bi­en sowie dem Ergeb­nis des Tele­vo­tings aus­ge­schie­de­nen Songs konn­ten durch die Bank musi­ka­lisch über­zeu­gen. So wie bei­spiels­wei­se die mit viel Lei­den­schaft und star­ker Stim­me vor­ge­tra­ge­ne Kla­vier­bal­la­de ‘Le Bra­sier’, die ein wenig unter der aus­ge­spro­chen sta­ti­schen Dar­bie­tung des etwas min­der­cha­ris­ma­ti­schen Inter­pre­ten Nae­s­tro litt und die Rote Later­ne mit nach Hau­se neh­men muss­te. Völ­lig unge­recht­fer­tig­ter Wei­se übri­gens, selbst wenn man in Rech­nung stellt, dass der durch sei­ne Mit­tä­ter­schaft an der fran­zö­si­schen Ver­si­on des Som­mer­hit-Phä­no­mens ‘Bel­la Ciao’ bekann­te Bar­de es mit der Wahl eines Ed-Sheeran-Titels als Cover-Song gera­de­zu her­aus­for­der­te.

Ist der Künst­ler­na­me ein Por­teman­teu aus “No” und “Maes­tro”?

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Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2019

Die Deut­sche Bahn hat offen­bar heim­lich, still und lei­se das Manage­ment des alba­ni­schen Staats­sen­ders Radio Tele­vi­zio­ne Shqip­tar (RTSH) über­nom­men. Anders lässt es sich nicht erklä­ren, dass das gest­ri­ge zwei­te Semi­fi­na­le des tra­di­ti­ons­rei­chen Fes­ti­va­li i Kën­gës (FiK) auf­grund nicht näher spe­zi­fi­zier­ter “tech­ni­scher Schwie­rig­kei­ten” mit einer sat­ten drei­vier­tel Stun­de Ver­spä­tung star­te­te, die RTSH zur beson­de­ren Freu­de der erwar­tungs­froh sich vor den Bild­schir­men und Inter­net­brow­sern Euro­pas ver­sam­melt haben­den Vor­ent­schei­dungs­fans mit einer Dau­er­schlei­fe der immer­glei­chen fünf Pro­gramm­trai­ler über­brück­te. Der ani­mier­te Tan­nen­zap­fen aus dem “Fro­hes Fest”-Spot wird nicht nur mich noch die nächs­ten Jah­re in mei­nen Alp­träu­men ver­fol­gen! Doch dem pas­sio­nier­ten Euro­vi­si­ons­en­thu­si­as­ten ist kei­ne Prü­fung zu schwer, schließ­lich galt es, exakt die­sel­ben 22 Lie­der noch mal zu sehen wie bereits am Abend zuvor im ers­ten Semi­fi­na­le des 57. FiK. Immer­hin – so zumin­dest das Vor­ab-Ver­spre­chen – in einer ande­ren Ver­si­on.

Huch, Dra­fi Deut­scher lebt ja noch! Aurels Bal­la­de genießt man am bes­ten mit geschlos­se­nen Augen.

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ECG-Fan­tref­fen 2018: ein Abend der Über­ra­schun­gen

Am gest­ri­gen Sams­tag lud der Euro­vi­si­on Club Ger­ma­ny mal wie­der ins bis auf den letz­ten Platz aus­ver­kauf­te Glo­ria in Köln. Und auch, wenn es das bereits xund­zwan­zigs­te Event sei­ner Art war, ent­pupp­te sich der hoch­ver­gnüg­li­che Abend als einer vol­ler Über­ra­schun­gen. Doch bevor wir uns die­sen zuwen­den, gilt es zunächst, die brand­hei­ßen Neu­ig­kei­ten von der NDR-Road­show abzu­ar­bei­ten, die dort ges­tern Nach­mit­tag eben­falls gas­tier­te (und von der ich dank der all­seits bekann­ten Unzu­ver­läs­sig­keit der Deut­schen Bahn lei­der nur einen Teil mit­be­kam). So ließ sich Tho­mas Schrei­ber zwar immer noch kei­nen amt­li­chen Ter­min für den deut­schen Vor­ent­scheid 2019 ent­lo­cken, gab aber den Hin­weis, dass Unser Lied für Isra­el “in der ach­ten Kalen­der­wo­che”, rich­ti­ger­wei­se erneut in der Haupt­stadt, über die Büh­ne gehen wird. Da die Show in letz­ten Jah­ren tra­di­tio­nell don­ners­tags statt­fand, kön­nen wir uns wohl auf den 21. Febru­ar 2019 ein­stel­len. Die offi­zi­el­le Bestä­ti­gung erfolgt aller­dings erst Mit­te Janu­ar.

Ein Ein­blick in das bereits abge­schlos­se­ne Song­wri­ting-Camp für ULfI.

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Der Ting­ler sang für uns alle: Jür­gen Mar­cus ist tot

Eine Schla­ger­le­gen­de hat uns ver­las­sen: wie ver­schie­de­ne Medi­en ges­tern berich­te­ten, ver­starb der Sän­ger Jür­gen Mar­cus bereits Mit­te Mai 2018 im Alter von 69 Jah­ren an den Fol­gen sei­ner lang­jäh­ri­gen chro­ni­schen Lun­gen­er­kran­kung (COPD). Der als Jür­gen Beu­mer in Her­ne gebo­re­ne, gelern­te Maschi­nen­schlos­ser zähl­te zu sei­nen Glanz­zei­ten in den Sieb­zi­gern zu den umsatz­stärks­ten deut­schen Schla­ger­sän­gern mit nicht weni­ger als 36 Auf­trit­ten in der ZDF-Hit­pa­ra­de. Ers­te grö­ße­re Bekannt­heit errang der Blond­ge­lock­te im Jah­re 1969 mit einer Haupt­rol­le im Musi­cal Hair, wor­auf­hin ihn der Erfolgs­pro­du­zent Jack White unter Ver­trag nahm und Mar­cus in den nächs­ten sie­ben Jah­ren einen Top-Hit nach dem ande­ren lan­de­te. Sei­ne Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test, für den (erst spä­ter) beken­nen­den Schwu­len eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, soll­te aller­dings unter kei­nem all zu glück­li­chen Stern ste­hen: 1974 zog er in der haus­in­ter­nen Aus­wahl­run­de des Hes­si­schen Rund­funks den Kür­ze­ren gegen das Schla­ger­duo Cin­dy & Bert, und das, obwohl er mit ‘Der Grand Prix d’Amour’ sogar einen the­ma­tisch pas­sen­den Bei­trag vor­be­rei­tet hat­te. Mit dem ihm, im Gegen­satz zur drö­gen ‘Som­mer­me­lo­die’ der Saar­län­der, anschlie­ßend ein Top-20-Hit gelang.

Wenn das Deo ver­sagt, hel­fen viel­leicht fri­sche Blu­men: Jür­gen Mar­cus mit sei­nem Vor­ent­schei­dungs­bei­trag beim Auf­tritt in der ZDF-Hit­pa­ra­de.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #14: Quee­res vom Bal­kan

Homo­se­xua­li­tät ist auf dem Bal­kan lei­der nach wie vor ein gro­ßes Tabu­the­ma. Nichts­des­to­trotz – oder gera­de des­we­gen – schi­cken aber gera­de die­se Län­der immer wie­der ger­ne cam­pe Meis­ter­wer­ke zum Euro­vi­si­on Song Con­test, bei denen sich jede Fra­ge nach der sexu­el­len Ori­en­tie­rung des Inter­pre­ten von selbst beant­wor­tet. Erin­nert sei nur an sol­che fabel­haf­ten Bei­trä­ge wie ‘In the Dis­co’ (→ BA 2004), ‘Mr. Nobo­dy’ (→ SI 2006) oder ‘Ovo je Bal­kan’ (→ RS 2010), aber auch den Sie­ger­ti­tel von 2007, ‘Molit­va’, der mit einer wun­der­bar sub­til sap­p­hi­schen Show auf­war­te­te. Des­sen Inter­pre­tin, Mari­ja Šerif­o­vić, die sich laut Wiki­pe­dia erst 2013 offi­zi­ell als les­bisch oute­te, leg­te sich noch im Jah­re 2008 einen Sand­prin­zen zu: in Form des dies­jäh­ri­gen mon­te­ne­gri­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ters Slav­ko Kale­zić näm­lich, der sich damals in ser­bi­schen Gazet­ten als ihr angeb­li­cher Lover aus­gab. Sel­bi­ger erscheint im Video­clip zu sei­nem homo­sen­sa­tio­nel­len Grand-Prix-Bei­trag ‘Space’ als durch­trai­nier­tes metro­se­xu­el­les Fabel­we­sen und deli­riert mit vor Zwei­deu­tig­keit nur so bers­ten­den Text­zei­len von betrun­ke­ner Lie­be, feuch­ten Träu­men und explo­die­ren­den Rake­ten, beschreibt also eine nor­ma­le Nacht im Dar­kroom von Bel­grads ein­zi­ger Schwu­len­bar, dem Chez Milan. Immer­hin prak­ti­ziert Slav­ko vor­bild­li­cher­wei­se safen Sex, denn “I have my suit on, no need to worry”, wie er uns mehr­fach beru­hi­gend ver­si­chert. Und wir kön­nen uns alle den­ken, wel­che Art von “Anzug” er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz lei­ser, nach­denk­li­cher Unter­ton ein in sei­nen top-cam­pen Dis­co­schla­ger, der mit der Zei­le “In Space we can be as one” endet. Nur im Welt­raum, außer­halb die­ses Pla­ne­ten, kön­nen wir (lies: die LGBTI-Com­mu­ni­ty) also ver­eint sein – ein sub­ti­ler Sei­ten­hieb auf die lei­der gele­gent­lich mehr gegen- als mit­ein­an­der kämp­fen­de Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung, mehr aber noch gegen die Unmög­lich­keit, uns im Ange­sicht der igno­ran­ten bis feind­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft über­all auf die­ser Welt frei ent­fal­ten zu kön­nen.

Ein kraft­vol­ler Zen­taur, der für die Frei­heit kämpft – und das auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se: Slav­ko (ME)

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Mon­te­ne­gro 2017: Let’s get hap­py and let’s be gay

Oh! Mein! Gott! Der bereits seit Ende letz­ten Jah­res als Reprä­sen­tant Mon­te­ne­gros beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew benann­te  Slav­ko Kale­zić ver­öf­fent­lich­te heu­te Abend sei­nen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Space’, ein rund­her­aus fut­ti­ger, fabel­haft bil­li­ger Gay-Club-CSD-Dis­co-Schla­ger, der sowohl musi­ka­lisch als auch optisch sowie lyrisch an die nied­rigs­ten Instink­te der tra­gisch ver­an­lag­ten Tei­le der Fan­schaft (also sol­che wie mich) appel­liert. Zwar ver­steht man selbst in der Stu­dio­fas­sung dank Slav­kos mise­ra­bler Aus­spra­che nur die Hälf­te, aber wenn von “wet Dreams” und “drun­ken Love” die Rede ist und der aus­schließ­lich mit nack­tem, durch­trai­nier­tem Ober­kör­per in einer Traum­schiff-Sur­pri­se-wür­di­gen Fel­sen­land­schaft her­um­vogu­en­de und las­ziv sei­nen Kunst­haar-Zopf schwin­gen­de Prot­ago­nist von offen­sicht­li­cher Not­geil­heit getrie­be­ne Sug­ges­tio­nen abson­dert wie “the Space­ship is rea­dy to blow” oder “come into me from with­hin”, dann dürf­te das selbst einem Deen (→ BA 2004, 2016) die Scha­mes­rö­te ins Gesicht trei­ben. Auf die recht unsub­ti­le Ein­füh­rung ins Sujet von Slav­kos Erzäh­lung folgt als­bald ein saft­strot­zen­der, bis in die ster­nen­um­ne­bel­te Unend­lich­keit wie­der­hol­ter Refrain, an dem allen­falls aus­zu­set­zen wäre, dass ihm eine → Rückung fehlt. Die kan­ti­ge Andro­gy­nie des Sän­gers, der gele­gent­lich an eine unter Crys­tal Meth ste­hen­de, auf ihrem ange­kün­dig­ten Pfad der schritt­wei­sen Defe­mi­ni­sie­rung bereits im Schnell­ver­fah­ren wei­ter­ge­kom­me­ne Con­chi­ta Wurst (→ AT 2014) erin­nert, sowie der durch­drin­gen­de Blick aus sei­nen kal­ten, berech­nen­den Augen las­sen dem Zuschau­er je nach Ver­an­la­gung das Blut ent­we­der in den Adern gefrie­ren oder in tie­fer gele­ge­ne Kör­per­re­gio­nen abwan­dern. Der Mon­te­ne­gri­ner gibt dem Prä­di­kat “camp” eine neue, ober­fläch­li­che Tie­fe und bie­tet mit sei­ner abso­lut fan­tas­ti­schen Num­mer zudem ein hoch­gra­dig span­nen­des Car-Crash-Poten­ti­al. End­lich weiß ich wie­der, für was ich den Euro­vi­si­on Song Con­test so sehr lie­be!

Da steht eine Zen­taur-Nixe aufm Flur (ME)

Fina­le für Mon­te­ne­gro 2017?

  • Auf jeden Fall! Das macht der­ma­ßen Spaß und ist so fabel­haft, das MUSS ins Fina­le! (55%, 116 Votes)
  • Nie­mals! So ein bil­li­ger Müll hat beim ESC nix ver­lo­ren, das MUSS und wird schei­tern. (28%, 58 Votes)
  • Das MÜSS­TE ins Fina­le. Wird es aber nicht, da sind die Spaß­brem­sen von der Jury vor. Lei­der. (17%, 36 Votes)

Total Voters: 210

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Kroa­ti­en 2017: die lied­ge­wor­de­ne Mozart­ku­gel

Oh. Mein. Gott! Viel Auf­re­gung gab es bereits im Vor­feld um den kroa­ti­schen Bei­trag zum Euro­vi­si­on Song 2017, ‘My Fri­end’ von Jac­ques Hou­dek, nach­dem uns der vom Sen­der HRT intern aus­ge­wähl­te Künst­ler mit ers­ten Song­schnip­seln und – vor weni­gen Tagen – der Instru­men­tal­ver­si­on des Stü­ckes ange­füt­tert hat­te. Hou­deks Kata­log offen­bart außer­dem eine gewis­se Affi­ni­tät zu Camp, doch nichts – wirk­lich nichts! – konn­te einen auf das Hör­erleb­nis vor­be­rei­ten, wel­ches mit der ges­tern erfolg­ten Ver­öf­fent­li­chung der Stu­dio­fas­sung von ‘My Fri­end’ über uns her­ein­brach. Die Num­mer beginnt bereits mit einem abso­lu­ten Knal­ler in Form eines gespro­che­nen (!) Albert-Ein­stein-Zita­tes: die vol­le Ladung Pathos, gleich zum Auf­takt, ohne jede Vor­war­nung mit­ten in die Fres­se rein! Man hat sich von die­sem Fron­tal­an­griff auf die Geschmacks­ner­ven noch nicht rich­tig erholt, da umschmei­cheln zucker­sü­ße Gei­gen und kit­schi­ge Rei­me die Gehör­gän­ge, gefolgt von der nächs­ten Über­ra­schung: Hou­dek wech­selt unver­mit­telt von einer schlei­mig-lieb­li­chen Pop- in eine drö­hen­de Bari­ton­stim­me, in wel­cher er auf Ita­lie­nisch tre­mo­liert. Und wie­der zurück. So als wohn­ten zwei See­len ach in sei­ner Brust, und bei­de woll­ten sich Gehör ver­schaf­fen. Der Refrain ent­führt uns ins Dis­ney-Musi­cal ‘Fro­zen’, und nach einer kur­zen, gei­gen­ge­schwän­ger­ten Brü­cke holt Jac­ques dann zum ganz gro­ßen Schlag aus und singt im Duett gegen sich selbst, in allen Stimm­la­gen gleich­zei­tig.

Jetzt wis­sen wir wenigs­tens, wo Dai­sy, Rudolph Moos­ham­mers Töle abge­blie­ben ist: Jac­ques Hou­dek besitzt sie jetzt!

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Kroa­ti­en 2017: die sin­gen­de Dis­co­ku­gel darf ran

Sechs Mal trat er seit 2002 ver­geb­lich beim kroa­ti­schen Vor­ent­scheid, der DORA, an, wo er zwi­schen­zeit­lich gefühlt zum Inven­tar gehör­te. Zuletzt unter­lag er 2011 der aus Aschaf­fen­burg stam­men­den Daria Kin­zer im Diven­zwei­kampf. Nun hat­te der Sen­der HRT end­lich ein Ein­se­hen und nomi­nier­te den mitt­ler­wei­le 35jährigen Jac­ques Hou­dek direkt als Ver­tre­ter für Kiew. Der ist mir aus den DORAs (DORA­en? DORA­ta? DORi? DORAn­ten?) der Nul­ler Jah­re vor allem als mensch­ge­wor­de­ne Dis­co­ku­gel in Erin­ne­rung, der trotz wirk­lich enor­mer Kör­per­fül­le – er sah stets aus, als habe er gera­de Chia­ra (→ MT 1998, 2005, 2009) ver­speist – zu herr­lich cam­pen Dis­co­schla­gern über die Büh­ne hüpf­te, als sei­en sei­ne Knie­ge­len­ke aus Titan. Und dabei eine ange­sichts des schweiß­trei­ben­den Tuns meist erstaun­lich gute stimm­li­che Leis­tung ablie­fer­te! Trotz (oder gera­de wegen) der ver­däch­ti­gen musi­ka­li­schen Prä­fe­ren­zen und sei­nes flam­boyan­ten Auf­tre­tens soll sich der (mit einer Frau!) ver­hei­ra­te­te zwei­fa­che Vater jedoch in der Ver­gan­gen­heit angeb­lich mehr­fach in homo­pho­ber Wei­se geäu­ßert haben, wie OnEuro­pe recher­chier­te. So tau­che er unter ande­rem im Jah­re 2005 in einem Bericht der Homo­rech­te-Orga­ni­sa­ti­on ILGA über kroa­ti­sche Pro­mi­nen­te auf, die in der Öffent­lich­keit dum­mes Zeug rede­ten. Aller­dings habe er sich, wie ande­re Quel­len berich­ten, 2011 in einem per­sön­li­chen State­ment von die­sen Vor­wür­fen distan­ziert: er habe im Kol­le­gen­kreis selbst schwu­le Freun­de, jeder kön­ne machen, was er wol­le, er möch­te nur sin­gen… das Übli­che. Viel wich­ti­ger scheint mir aber zu sein, dass er sich von sei­nem dama­li­gen Stamm­kom­po­nis­ten trenn­te, so dass wir für Kiew wohl lei­der nicht mit einer wei­te­ren schla­ger­haf­ten Euro­trash­num­mer rech­nen kön­nen. Wie außer­or­dent­lich scha­de! Jaques’ Euro­vi­si­ons­lied, wie immer es klin­gen mag, soll in Kür­ze ver­öf­fent­licht wer­den.

Erstaun­lich leicht­fü­ßig: der Hau­de­gen Jaques (HR)