Queeres

Seit jeher ist der ESC die jähr­li­che schwu­le Olym­pia­de. Nicht nur in den Fan­clubs und im Publi­kum bei der Show ver­hält sich der Anteil gleich­ge­schlecht­lich lie­ben­der Men­schen rezi­prok zur Gesamt­be­völ­ke­rung. Auch für quee­re Künstler:innen übt die­ser fröh­lich-bun­te Kos­mos eine star­ke Anzie­hungs­kraft aus. 

ESC-Fina­le 2021: Fünf ist Trümpf

ESC-Fina­le 2021: Fünf ist Trümpf

Für alles trägt Natalia Gordienco die Verantwortung. 2006, als die moldawische Sängerin mit ukrainischen Wurzeln das erste Mal am Eurovision Song Contest teilnahm, damals gemeinsam mit dem Ex-O-Zone-Mitglied Arsenium, gewannen, die Älteren erinnern sich vielleicht noch, die gestern als Stargäste im Pausenprogramm performenden Monsterrocker Lordi den europäischen Wettbewerb und erschütterten damit die Grundfesten des ehemaligen Chansonfestivals. Inklusive der bis dahin als unabänderlich geltenden Gewissheiten, dass für Hardrock kein Platz sei beim jährlichen Schlagerwettstreit und dass die Finnen nie gewinnen. Dieses Jahr ging Frau Gordienko erneut an den Start (über die unrühmliche Rolle ihres künstlerischen Strippenziehers Phillip Kirkorov bei mutmaßlichen Ergebnismanipulationen…
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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Wenn wir aus der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde für den Eurovision Song Contest 2021 eine einzige zentrale Erkenntnis ableiten können, dann die, was für eine von Anfang an hirnrissige Idee der EBU es doch war, erstmalig in der Grand-Prix-Geschichte das Teilplayback zuzulassen, also Chorstimmen vom Band. Vonseiten der Schweden, die das beim Melodifestivalen schon seit geraumer Zeit praktizieren, seit Jahren beharrlich gepusht, musste nun Corona und die Möglichkeit für die Delegationen, die Anzahl der Personen auf der Bühne und damit das Ansteckungsrisiko zu verringern, als langersehnte Ausrede herhalten, diesen Unfug "probeweise" auch beim europäischen Wettbewerb durchzusetzen. Gerade am gestrigen, musikalisch im…
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Ers­tes Semi­fi­na­le 2021: Wir sind gekom­men, uns zu beschweren

Ers­tes Semi­fi­na­le 2021: Wir sind gekom­men, uns zu beschweren

"Was hat mir das gefehlt!" war gestern Abend einer der meistgelesenen Sätze auf Twitter unter dem Hashtag #Eurovision, neben "Toll, dass man Peter Urban wieder aufgetaut hat". Nach einem Jahr Zwangspause legte das ausrichtende niederländische Fernsehen am Dienstag mit dem ersten Semifinale eine absolut glänzende Show hin, die alles aufbot, was wir am Eurovision Song Contest so lieben: eine fantastische Bühne, tolle Bildeffekte, super gestaltete Postkarten, ein kleines bisschen herzerwärmende Grand-Prix-Nostalgie mit ehemaligen Gewinner:innen im Rahmenprogramm, ein knallbuntes Starterfeld und sogar - wenn auch seuchenbedingt deutlich reduziert - echtes, live jubelndes Publikum in der Rotterdamer Ahoy-Arena. Wer sich noch an…
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Melo­di­fes­ti­va­len 2021: Schwe­den schickt die Tusse!

Melo­di­fes­ti­va­len 2021: Schwe­den schickt die Tusse!

Zwanzig Jahre lang leitete Christer Björkman das Melodifestivalen und machte in dieser Zeit aus dem schwedischen Auswahlverfahren eine Versuchsküche für das internationale Eurovisionsfinale sowie das sowohl innerhalb als außerhalb des Landes meistbeachtete Event der Vorentscheidungssaison. Und das, obwohl die dort präsentierten Beiträge gerade in den letzten Jahren diesen Status nicht immer rechtfertigten. Heute gab er seine Abschiedsvorstellung in dieser Rolle und führte gemeinsam mit dem weiterhin einfach unglaublich attraktiven Måns Zelmerlöw durch den wie immer unterhaltsamen Abend. Überschattet von dem absolut unverzeihlichen Verlust der beiden herrlichen steinalten Schlagerschachteln Ewa Roos und Eva Rydberg in der Andra Chansen am vergangenen Samstag,…
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Lett­land 2021: Besuch von Tan­te Tīna

Lett­land 2021: Besuch von Tan­te Tīna

So naheliegend und gerecht sie auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mochte: die Idee, die 2020 bereits ausgewählten Interpret:innen für den dann seuchenbedingt gecancelten Eurovision Song Contest dieses Jahr einfach noch mal zu nominieren, sie war keine gute. Für Lettland präsentiert uns Samanta Tīna, die dort vor Jahresfrist nach gefühlt 700 Vorentscheidungsteilnahmen mit 'Still breathing' endlich die Supernova gewann und diesmal direkt ran durfte, die feministische Hymne 'The Moon is rising'. In dem natürlich von Aminata Savadogo mitkomponierten, aggressiven Elektro-Banger schreit uns die gebürtige Litauerin mit der Lautstärke einer amerikanischen Touristin im bayerischen Brezelladen ins Gesicht, dass sie die "Königin…
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San-Remo-Fes­ti­val 2021: Anders als sie

San-Remo-Fes­ti­val 2021: Anders als sie

Fünf lange Abende hintereinander immer wieder dieselben Canzoni, jedes Mal bis tief in die Nacht hinein, spektakuläre Abendrobe und Auftritte, stundenlange Comedy- und Talkshoweinlagen, adorable alte Diven und hinreißend schöne junge Rapper, gefühlt zehntausend Werbeunterbrechungen und ein absolut bizarres Wertungsverfahren: man muss das San-Remo-Festival wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde lang genießen, um es in all seiner absolut maßlosen, glamourösen, schrecklichen Schönheit richtig wertschätzen zu können! Was auch für die 26 Wettbewerbsbeiträge gilt: spätestens am Finalabend, bei der dritten Wiederholung, hatte man sie sich alle schöngehört und spielte es schon fast keine Rolle mehr, wer nun das traditionsreiche…
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Aus­tra­li­en 2021: Every­thing is frustrating

Aus­tra­li­en 2021: Every­thing is frustrating

Zum Kreis der letztjährigen Vorentscheidungsgewinner:innen, die vom Sender als Entschädigung für den ausgefallenen Eurovision Song Contest für 2021 fix gesetzt wurden, zählt auch die Australierin Montaigne. Die präsentierte ihr neues Lied für Rotterdam nun gestern Abend (heute Früh nach deutscher Zeit) beim Mardi Gras, dem CSD Sydneys, erstmalig live. Das Positive: sie ließ die schlimme Clownsschminke und das Kragenechsen-Kostüme von Australia Decides 2020 weg und präsentierte sich mit raspelkurzen roten Haaren und flankiert von zwei Synchrontänzerinnen optisch schon mal deutlich ansprechender. Das Negative: in den höheren Stimmlagen ihres nach vorne gehenden Elektro-Pop-Songs 'Technicolour' überschritt sie, anders als in der Studiofassung,…
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Mol­da­wi­en 2021: Men­schen­fres­ser­men­schen gibt’s nicht erst seit 33

Mol­da­wi­en 2021: Men­schen­fres­ser­men­schen gibt’s nicht erst seit 33

Vor langen Jahren gab es mal die nicht ganz ernst gemeinte Forderung von Eurovisionsfans, man möge Ralph Siegel eine eigene Landesflagge zuordnen, weil er Beiträge für so viele verschiedene Nationen schrieb. Mittlerweile könnte man überlegen, diese Idee auf Phillip Kirkorov auszudehnen, den in Bulgarien gebürtigen Grand-Prix-Serienkomponisten, der sich in letzter Zeit vor allem auf Moldawien eingeschossen hat. Dort korrumpierte er zuletzt 2020 die nationale Vorentscheidung, um die von ihm protegierte Natalia Giordenco und ihr furchtbares 'Prison' (oder "Briiieeson", wie Natalie es hartnäckig aussprach) durchzudrücken. Dieses Jahr strich der Sender TVM von vorne herein die Segel und gewährte den Beiden freie…
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Nie­der­lan­de 2021: You don’t want Broccoli

Nie­der­lan­de 2021: You don’t want Broccoli

Gut gemeint ist er nun wirklich, der heute vorgestellte Eurovisionsbeitrag der niederländischen Grand-Prix-Gastgeber im Jahr 2 der Seuche. Der bereits für 2020 intern ausgewählte Jeangu Macrooy will den Ausgelaugten und Erschöpften - also uns allen - mit 'Birth of a new Age' wieder Mut zusprechen und unsere Widerstandskraft im Kampf gegen unfähige und wirtschaftshörige Politiker:innen stärken, die gerade gegen jede Vernunft unsere Zukunft verkaufen. Der aus der ehemaligen holländischen Kolonie Suriname stammende Sänger bedient sich dabei auch seiner Heimatsprache Sranantongo, in welcher der prominent platzierte und von einem Gospelchor skandierte Schlachtruf 'Yo no broko me' ('Du zerbrichst mich nicht') gehalten…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Welche verheerende Wirkungen die humorlose Eurovisionsjury selbst in ihrer Abwesenheit entfaltet, ließ sich dieses Wochenende bei den beiden Vorentscheidungs-Vorrunden in Skandinavien beobachten. Denn obwohl in diesem Stadium des Melodi Grand Prix die Zuschauer:innen alleine über das Wohl und Wehe der vier Bewerber:innen um das Ticket fürs MGP-Finale bestimmten, zeigten sie sich durch die jahrelange Erziehungsarbeit der Grauen Herren und Damen und deren ritueller Abstrafung alles auch nur entfernt Lustigen beim Eurovision Song Contest dergestalt nachhaltig konditioniert, dass sie in einem Anfall vorauseilenden Gehorsams den einzigen unterhaltsamen Beitrag des Abends schon im ersten Durchgang rauswählten. Die Rede ist natürlich von 'Bli…
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No Name, new Game: Jen­drik Sig­wart ver­tritt Deutsch­land in Rotterdam

No Name, new Game: Jen­drik Sig­wart ver­tritt Deutsch­land in Rotterdam

Nichts hasse ich persönlich so sehr, als wenn ein Sender bei der Bekanntgabe seines Beitrags zum Eurovision Song Contest eine Salamitaktik fährt und die Informationen nur scheibchenweise herausgibt. Genau dieser Herangehensweise bedient sich nun der NDR dieses Jahr: nachdem seit dem offiziellen Start der Vorentscheidungssaison am 1. September 2020 aus Hamburg kein Sterbenswörtchen zu hören war, annoncierte man heute Vormittag völlig überraschend den Namen des deutschen Grand-Prix-Repräsentanten für Rotterdam, allerdings noch nicht seinen Song, wiewohl dieser bereits feststeht. Noch bis zum 25. Februar 2021 müssen wir darauf warten, dann wird der Videoclip dazu direkt vor der Tagesschau im Ersten zu…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Neben dem Vorentscheid in Frankreich fanden am gestrigen Supersamstag weitere Vorrunden in Norwegen und Litauen statt, die allerdings von wenig Belang für das eurovisionäre Geschehen sein dürften, geht es in beiden Ländern doch letztlich nur noch darum, wer im jeweiligen Vorentscheidungsfinale gegen die bereits fix gesetzten Top-Favoriten Keiino bzw. The Roop verlieren darf. Ungeachtet des offensichtlichen Ausgangs traten in der dritten Vorrunde des Melodi Grand Prix (MGP) auch gestern wieder vier Acts gegeneinander an, von denen lediglich einer pro forma weiterkam. Auf der Strecke blieben dabei zwei aus unterschiedlichen Gründen spannende Beiträge, die zwar beide nicht unbedingt musikalische Feuerwerke entzündeten,…
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C’est vous qui déci­dez 2021: Tanz, Discop­o­ny, tanz

C’est vous qui déci­dez 2021: Tanz, Discop­o­ny, tanz

Können wir bitte ganz schnell elf Ableger von Frankreich gründen und die rasch noch zum Eurovision Song Contest 2021 anmelden? Zwölf Songs umfasste der gestern Abend live und vor Studiopublikum veranstaltete gallische Grand-Prix-Vorentscheid C'est vous qui décidez (CVQD, Es ist ihre Entscheidung), und wirklich jeder einzelne von ihnen hätte es verdient, nach Rotterdam entsandt zu werden! Am Ende setzte sich in einem dreiteiligen, über Stunden zelebrierten und unnötig komplizierten Abstimmungsverfahren mit haushohem Abstand jedoch die vorige Favoritin in allen Fan-Polls durch, und das mit Recht. Die aus einer Pariser Musikantenfamilie stammende Barbara Pravi sorgte mit ihrer selbstgeschriebenen Ballade 'Voilà', einem…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Der zweite Vorentscheidungssamstag des neuen Jahres liegt hinter uns, und die Parallelen zum ersten waren unübersehbar. Wie schon vor sieben Tagen liefen zeitgleich die Vorrunden des norwegischen Melodi Grand Prix (MGP) und des litauischen Pabandom Iš Naujo (PIN); wie schon vor sieben Tagen fiel dabei ein alter weißer Mann mit einem irgendwie konservativ schmeckenden Schlager durch; und wie schon vor sieben Tagen richtete sich die gesammelte Aufmerksamkeit der Fans nicht auf die Vorrundenbeiträge, sondern auf einen außer Konkurrenz vorgestellten, fix fürs Finale gesetzten Song einer erst unlängst am Eurovision Song Contest teilgenommen habenden Band, die als Anwärter für den Sieg…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Auch wenn es einem angesichts der aktuellen Seuchen- und politischen Weltlage beinahe ein bisschen surreal erscheint, so startete doch gestern die Hochphase der diesjährigen Vorentscheidungssaison mit zwei gleichzeitig laufenden Vorrunden in Norwegen und Litauen. In beiden Shows mussten die auftretenden Acts im zuschauer*innenfreien Sendestudio performen, in beiden Ländern übertünchten die Sender die peinliche Stille nach den Auftritten mit tosendem Dosenapplaus, was die Sache zwar nicht weniger steril und unnatürlich machte, aber immerhin etwas weniger fremdschämwürdig als beim deutschen Eurovisions-Finale 2020 aus dem Hamburger Delphi. Eine weitere Gemeinsamkeit verband die Auftaktrunden der zwei Meeresanrainerstaaten: in beiden flogen so erwartbar wie traurigerweise…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Das Wichtigste erstmal vorweg: danke, RTSH! Wohl wissend um die Bedeutung des traditionsreichen albanischen Liederfestivals für das Seelenheil der Fans als erster nationaler Vorentscheid einer jeden Saison und als virtueller Weihnachtsbaum für die Grand-Prix-Familie, scheute der Sender keine Kosten und Mühen, inmitten einer grassierenden Pandemie eine spektakuläre Show über drei Abende zu fabrizieren und uns damit - nach dem Worst Case eines coronabedingt ausgefallenen Eurovision Song Contests - das so bitterlich herbeigesehnte Licht am Ende zwar nicht des Tunnels, aber eben des schlimmsten Jahres der Grand-Prix-Geschichte zu entzünden. Und wie dringend haben wir dieses benötigt! Die äußeren Umstände zwangen die…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Organisierte Eurovisionsfans können manchmal der übelste Menschenschlag auf diesem Planeten sein! Diesen Montag ging das mit 25 Teilnehmer:innen bestückte Semifinale des als albanische Vorentscheidung dienenden, traditionellen Festivali i Këngës über die Antenne. Das fand wegen Corona diesmal nicht im Kongresspalast zu Tirana statt, sondern auf dem mit einer imposanten Freilichtbühne bestückten Platz davor. Richtig: im Freien, mitten im Winter, bei, wie sich an den Dampfschwaden aus den Mündern der Interpret:innen unschwer erkennen ließ, knackiger Kälte! Und auch nicht wie sonst live, sondern als Aufzeichnung schon ein paar Tage vorab. Natürlich trat das Unvermeidliche ein und die Ergebnisse sickerten bereits am…
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Ex-unga­ri­scher HoD: Homo­se­xua­li­tät ist noch immer ein Stigma

Ex-unga­ri­scher HoD: Homo­se­xua­li­tät ist noch immer ein Stigma

Wie eurovoix berichtet, interviewte der ehemalige tschechische Delegationsleiter Jan Bors in der aktuellen Ausgabe seiner Youtube-Reihe Humans of Eurovision seinen früheren ungarischen Eurovisionskollegen Lörinc Bubnó, der seit 2016 die magyarische Grand-Prix-Teilnahme verantwortete. In dem rund einstündigen Gespräch ging es unter anderem auch um die Gründe für den Ausstieg des unter seinem Präsidenten Viktor Orbán zunehmend ins rechtskonservativ-nationalistische abgedrifteten Landes beim Eurovision Song Contest. Bubnó, der zum Zeitpunkt der letzten Teilnahme der Paprikanation in Tel Aviv bereits seinen Rückzug vom Posten des HoD verkündet hatte und in die Entscheidungsfindung des Senders MTV nicht eingebunden war, nannte hierfür - neben der hohen…
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Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Das Land des Feuers scheint beim Eurovision Song Contest 2020 eine Art Resteverwertung zu betreiben. Zunächst verkündete der zuständige Sender Ictimai Ende Februar 2020, dass die 28jährige ehemalige The Voice-Teilnehmerin Samira Efendi, die sich zuvor schon viermal erfolglos um die Grand-Prix-Repräsentanz beworben hatte, heuer Aserbaidschan vertreten dürfe, nachdem sie sich in einer internen Jurywahl gegen vier Konkurrenten durchsetzen konnte. Heute veröffentlichte der Sender ihren Beitrag 'Cleopatra', ein ziemlich campes, orientalisch aromatisiertes Uptempo-Machwerk, zu dem ich vor meinem geistigen Auge bereits Horden von Fans allerlei Geschlechts im Euroclub den Tanz der sieben Schleier aufführen sehe und das fast so viel diebisches…
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Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

In der Abendausgabe seiner TV-Nachrichten stellte der nordmazedonische Sender MRT vor wenigen Minuten den Videoclip zu seinem Eurovisionsbeitrag 2020 vor. Der heißt sehr simpel 'You' und wird gesungen von Vasil Garvanliev, der bereits letztes Jahr in Tel Aviv als Chorknabe für die Jurysiegerin Tamara Todevska im Einsatz war. Der in Mazedonien geborene Vasil wuchs hauptsächlich in den USA auf, seit seiner Rückkehr in die frühere jugoslawische Republik konnte er dort mehrere Hits platzieren. Sein Eurovisionsbeitrag, der gegen diesen Katalog natürlich deutlich abfällt, mündet nach einem einminütigen, von sparsam eingesetzten Akkordeonklängen und einer fast orientalisch anmutenden Gesangsführung begleiteten Vorspiel in einem…
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Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Vor komplett leeren Rängen fand das dänische Melodi Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen endgültig genug gehabt hätten von dem faden Musikbrei, denen ihnen der verantwortliche Sender DR Jahr für Jahr dort kredenzt, und den Vorentscheid boykottiert hätten. Vielmehr entschied die sozialdemokratische dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der grassierenden Coronovirus-Hysterie alle öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauer:innen zu untersagen. Nun hatte der Sender die das rund Zehnfache fassende Royal Arena in Kopenhagen bereits gebucht, die Proben schon durchgeführt. Eine Verlegung der Sendung schied aus terminlichen Gründen aus, und so…
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Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Estland, was ist nur aus dir geworden? Einstmals das Zuhause der coolsten Vorentscheidung der Welt, hat sich die ehedem hochgelobte Eesti Laul - nicht zuletzt aufgrund jahrelanger, fortgesetzter schwerer Fehlentscheidungen der dortigen Jury - zu einer bedeutungslosen Ansammlung glatter, völlig nichtssagender Liedchen entwickelt. Noch nicht einmal mehr in den Semis findet sich irgendetwas Interessantes, wofür sich das Einschalten lohnen würde. Zum europäischen Hauptwettbewerb vermag der baltische Staat so natürlich ebenfalls nichts Wesentliches beizutragen. Stattdessen setzt man auf das Ewiggleiche: als direkten Nachfolger des schleimigen schwedischen Schönlings Victor Crone, aktuell noch beim Melodifestivalen im Rennen, und seines staubgrauen Songs 'Storm'…
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O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

Sie sind die Eiterpickel am Gesäß des Eurovision Song Contests: Grand-Prix-Komponisten, die sich einen Startplatz für ihre Lieder beim Wettbewerb kaufen. Über Ralph Siegel gibt es das (natürlich unbewiesene) Gerücht, dass er immer wieder Valentina Monetta für San Marino ins Rennen schicken durfte, weil er die gesamten Auftritte aus eigener Tasche finanziert haben soll. Und auch seinem russischen Pendant Phillip Kirkorov unterstellt man gelegentlich ein solches Vorgehen. Er bediene sich dabei gerne des bitterarmen Moldawiens, denn nirgends ist das Televoting mit so wenig Aufwand zu manipulieren. Und den dortigen Juror:innen sagen böse Zungen ebenfalls eine gewisse Offenheit für finanzielle Argumente…
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Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Beitrag

Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Beitrag

Gäbe es einen Wettbewerb um das absurdeste Vorentscheidungsformat zum Eurovision Song Contest, dann spielte die Evrovizijska Melodija (EMA) wohl um den Sieg mit. 12 Acts versammelte das slowenische Fernsehen RTV SLO gestern Abend in Ljubljana, von denen sich zehn die Mühen strenggenommen von vorne herein hätten sparen können. Denn nachdem alle 12 gesungen hatten, tagte eine reizvoll um eine riesige Schüssel Mini-Dickmanns drapierte Jury, bestehend aus drei Generationen slowenischer Eurovisionsdiven, namentlich Darja Švajger, Nuša Derenda und Maja Keuc. Und die schickten zehn von ihnen gleich wieder nach Hause, darunter alles auch nur annähernd Aussichtsreiche sowie die zwei in einem wochenlang…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an…
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