Der Ting­ler sang für uns alle: Jür­gen Mar­cus ist tot

Eine Schla­ger­le­gen­de hat uns ver­las­sen: wie ver­schie­de­ne Medi­en ges­tern berich­te­ten, ver­starb der Sän­ger Jür­gen Mar­cus bereits Mit­te Mai 2018 im Alter von 69 Jah­ren an den Fol­gen sei­ner lang­jäh­ri­gen chro­ni­schen Lun­gen­er­kran­kung (COPD). Der als Jür­gen Beu­mer in Her­ne gebo­re­ne, gelern­te Maschi­nen­schlos­ser zähl­te zu sei­nen Glanz­zei­ten in den Sieb­zi­gern zu den umsatz­stärks­ten deut­schen Schla­ger­sän­gern mit nicht weni­ger als 36 Auf­trit­ten in der ZDF-Hit­pa­ra­de. Ers­te grö­ße­re Bekannt­heit errang der Blond­ge­lock­te im Jah­re 1969 mit einer Haupt­rol­le im Musi­cal Hair, wor­auf­hin ihn der Erfolgs­pro­du­zent Jack White unter Ver­trag nahm und Mar­cus in den nächs­ten sie­ben Jah­ren einen Top-Hit nach dem ande­ren lan­de­te. Sei­ne Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test, für den (erst spä­ter) beken­nen­den Schwu­len eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, soll­te aller­dings unter kei­nem all zu glück­li­chen Stern ste­hen: 1974 zog er in der haus­in­ter­nen Aus­wahl­run­de des Hes­si­schen Rund­funks den Kür­ze­ren gegen das Schla­ger­duo Cin­dy & Bert, und das, obwohl er mit ‘Der Grand Prix d’Amour’ sogar einen the­ma­tisch pas­sen­den Bei­trag vor­be­rei­tet hat­te. Mit dem ihm, im Gegen­satz zur drö­gen ‘Som­mer­me­lo­die’ der Saar­län­der, anschlie­ßend ein Top-20-Hit gelang.

Wenn das Deo ver­sagt, hel­fen viel­leicht fri­sche Blu­men: Jür­gen Mar­cus mit sei­nem Vor­ent­schei­dungs­bei­trag beim Auf­tritt in der ZDF-Hit­pa­ra­de.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #14: Quee­res vom Bal­kan

Homo­se­xua­li­tät ist auf dem Bal­kan lei­der nach wie vor ein gro­ßes Tabu­the­ma. Nichts­des­to­trotz – oder gera­de des­we­gen – schi­cken aber gera­de die­se Län­der immer wie­der ger­ne cam­pe Meis­ter­wer­ke zum Euro­vi­si­on Song Con­test, bei denen sich jede Fra­ge nach der sexu­el­len Ori­en­tie­rung des Inter­pre­ten von selbst beant­wor­tet. Erin­nert sei nur an sol­che fabel­haf­ten Bei­trä­ge wie ‘In the Dis­co’ (→ BA 2004), ‘Mr. Nobo­dy’ (→ SI 2006) oder ‘Ovo je Bal­kan’ (→ RS 2010), aber auch den Sie­ger­ti­tel von 2007, ‘Molit­va’, der mit einer wun­der­bar sub­til sap­p­hi­schen Show auf­war­te­te. Des­sen Inter­pre­tin, Mari­ja Šerif­o­vić, die sich laut Wiki­pe­dia erst 2013 offi­zi­ell als les­bisch oute­te, leg­te sich noch im Jah­re 2008 einen Sand­prin­zen zu: in Form des dies­jäh­ri­gen mon­te­ne­gri­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ters Slav­ko Kale­zić näm­lich, der sich damals in ser­bi­schen Gazet­ten als ihr angeb­li­cher Lover aus­gab. Sel­bi­ger erscheint im Video­clip zu sei­nem homo­sen­sa­tio­nel­len Grand-Prix-Bei­trag ‘Space’ als durch­trai­nier­tes metro­se­xu­el­les Fabel­we­sen und deli­riert mit vor Zwei­deu­tig­keit nur so bers­ten­den Text­zei­len von betrun­ke­ner Lie­be, feuch­ten Träu­men und explo­die­ren­den Rake­ten, beschreibt also eine nor­ma­le Nacht im Dar­kroom von Bel­grads ein­zi­ger Schwu­len­bar, dem Chez Milan. Immer­hin prak­ti­ziert Slav­ko vor­bild­li­cher­wei­se safen Sex, denn “I have my suit on, no need to worry”, wie er uns mehr­fach beru­hi­gend ver­si­chert. Und wir kön­nen uns alle den­ken, wel­che Art von “Anzug” er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz lei­ser, nach­denk­li­cher Unter­ton ein in sei­nen top-cam­pen Dis­co­schla­ger, der mit der Zei­le “In Space we can be as one” endet. Nur im Welt­raum, außer­halb die­ses Pla­ne­ten, kön­nen wir (lies: die LGBTI-Com­mu­ni­ty) also ver­eint sein – ein sub­ti­ler Sei­ten­hieb auf die lei­der gele­gent­lich mehr gegen- als mit­ein­an­der kämp­fen­de Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung, mehr aber noch gegen die Unmög­lich­keit, uns im Ange­sicht der igno­ran­ten bis feind­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft über­all auf die­ser Welt frei ent­fal­ten zu kön­nen.

Ein kraft­vol­ler Zen­taur, der für die Frei­heit kämpft – und das auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se: Slav­ko (ME)

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Mon­te­ne­gro 2017: Let’s get hap­py and let’s be gay

Oh! Mein! Gott! Der bereits seit Ende letz­ten Jah­res als Reprä­sen­tant Mon­te­ne­gros beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew benann­te  Slav­ko Kale­zić ver­öf­fent­lich­te heu­te Abend sei­nen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Space’, ein rund­her­aus fut­ti­ger, fabel­haft bil­li­ger Gay-Club-CSD-Dis­co-Schla­ger, der sowohl musi­ka­lisch als auch optisch sowie lyrisch an die nied­rigs­ten Instink­te der tra­gisch ver­an­lag­ten Tei­le der Fan­schaft (also sol­che wie mich) appel­liert. Zwar ver­steht man selbst in der Stu­dio­fas­sung dank Slav­kos mise­ra­bler Aus­spra­che nur die Hälf­te, aber wenn von “wet Dreams” und “drun­ken Love” die Rede ist und der aus­schließ­lich mit nack­tem, durch­trai­nier­tem Ober­kör­per in einer Traum­schiff-Sur­pri­se-wür­di­gen Fel­sen­land­schaft her­um­vogu­en­de und las­ziv sei­nen Kunst­haar-Zopf schwin­gen­de Prot­ago­nist von offen­sicht­li­cher Not­geil­heit getrie­be­ne Sug­ges­tio­nen abson­dert wie “the Space­ship is rea­dy to blow” oder “come into me from with­hin”, dann dürf­te das selbst einem Deen (→ BA 2004, 2016) die Scha­mes­rö­te ins Gesicht trei­ben. Auf die recht unsub­ti­le Ein­füh­rung ins Sujet von Slav­kos Erzäh­lung folgt als­bald ein saft­strot­zen­der, bis in die ster­nen­um­ne­bel­te Unend­lich­keit wie­der­hol­ter Refrain, an dem allen­falls aus­zu­set­zen wäre, dass ihm eine → Rückung fehlt. Die kan­ti­ge Andro­gy­nie des Sän­gers, der gele­gent­lich an eine unter Crys­tal Meth ste­hen­de, auf ihrem ange­kün­dig­ten Pfad der schritt­wei­sen Defe­mi­ni­sie­rung bereits im Schnell­ver­fah­ren wei­ter­ge­kom­me­ne Con­chi­ta Wurst (→ AT 2014) erin­nert, sowie der durch­drin­gen­de Blick aus sei­nen kal­ten, berech­nen­den Augen las­sen dem Zuschau­er je nach Ver­an­la­gung das Blut ent­we­der in den Adern gefrie­ren oder in tie­fer gele­ge­ne Kör­per­re­gio­nen abwan­dern. Der Mon­te­ne­gri­ner gibt dem Prä­di­kat “camp” eine neue, ober­fläch­li­che Tie­fe und bie­tet mit sei­ner abso­lut fan­tas­ti­schen Num­mer zudem ein hoch­gra­dig span­nen­des Car-Crash-Poten­ti­al. End­lich weiß ich wie­der, für was ich den Euro­vi­si­on Song Con­test so sehr lie­be!

Da steht eine Zen­taur-Nixe aufm Flur (ME)

Fina­le für Mon­te­ne­gro 2017?

  • Auf jeden Fall! Das macht der­ma­ßen Spaß und ist so fabel­haft, das MUSS ins Fina­le! (55%, 116 Votes)
  • Nie­mals! So ein bil­li­ger Müll hat beim ESC nix ver­lo­ren, das MUSS und wird schei­tern. (28%, 58 Votes)
  • Das MÜSS­TE ins Fina­le. Wird es aber nicht, da sind die Spaß­brem­sen von der Jury vor. Lei­der. (17%, 36 Votes)

Total Voters: 210

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Kroa­ti­en 2017: die lied­ge­wor­de­ne Mozart­ku­gel

Oh. Mein. Gott! Viel Auf­re­gung gab es bereits im Vor­feld um den kroa­ti­schen Bei­trag zum Euro­vi­si­on Song 2017, ‘My Fri­end’ von Jac­ques Hou­dek, nach­dem uns der vom Sen­der HRT intern aus­ge­wähl­te Künst­ler mit ers­ten Song­schnip­seln und – vor weni­gen Tagen – der Instru­men­tal­ver­si­on des Stü­ckes ange­füt­tert hat­te. Hou­deks Kata­log offen­bart außer­dem eine gewis­se Affi­ni­tät zu Camp, doch nichts – wirk­lich nichts! – konn­te einen auf das Hör­erleb­nis vor­be­rei­ten, wel­ches mit der ges­tern erfolg­ten Ver­öf­fent­li­chung der Stu­dio­fas­sung von ‘My Fri­end’ über uns her­ein­brach. Die Num­mer beginnt bereits mit einem abso­lu­ten Knal­ler in Form eines gespro­che­nen (!) Albert-Ein­stein-Zita­tes: die vol­le Ladung Pathos, gleich zum Auf­takt, ohne jede Vor­war­nung mit­ten in die Fres­se rein! Man hat sich von die­sem Fron­tal­an­griff auf die Geschmacks­ner­ven noch nicht rich­tig erholt, da umschmei­cheln zucker­sü­ße Gei­gen und kit­schi­ge Rei­me die Gehör­gän­ge, gefolgt von der nächs­ten Über­ra­schung: Hou­dek wech­selt unver­mit­telt von einer schlei­mig-lieb­li­chen Pop- in eine drö­hen­de Bari­ton­stim­me, in wel­cher er auf Ita­lie­nisch tre­mo­liert. Und wie­der zurück. So als wohn­ten zwei See­len ach in sei­ner Brust, und bei­de woll­ten sich Gehör ver­schaf­fen. Der Refrain ent­führt uns ins Dis­ney-Musi­cal ‘Fro­zen’, und nach einer kur­zen, gei­gen­ge­schwän­ger­ten Brü­cke holt Jac­ques dann zum ganz gro­ßen Schlag aus und singt im Duett gegen sich selbst, in allen Stimm­la­gen gleich­zei­tig.

Jetzt wis­sen wir wenigs­tens, wo Dai­sy, Rudolph Moos­ham­mers Töle abge­blie­ben ist: Jac­ques Hou­dek besitzt sie jetzt!

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Kroa­ti­en 2017: die sin­gen­de Dis­co­ku­gel darf ran

Sechs Mal trat er seit 2002 ver­geb­lich beim kroa­ti­schen Vor­ent­scheid, der DORA, an, wo er zwi­schen­zeit­lich gefühlt zum Inven­tar gehör­te. Zuletzt unter­lag er 2011 der aus Aschaf­fen­burg stam­men­den Daria Kin­zer im Diven­zwei­kampf. Nun hat­te der Sen­der HRT end­lich ein Ein­se­hen und nomi­nier­te den mitt­ler­wei­le 35jährigen Jac­ques Hou­dek direkt als Ver­tre­ter für Kiew. Der ist mir aus den DORAs (DORA­en? DORA­ta? DORi? DORAn­ten?) der Nul­ler Jah­re vor allem als mensch­ge­wor­de­ne Dis­co­ku­gel in Erin­ne­rung, der trotz wirk­lich enor­mer Kör­per­fül­le – er sah stets aus, als habe er gera­de Chia­ra (→ MT 1998, 2005, 2009) ver­speist – zu herr­lich cam­pen Dis­co­schla­gern über die Büh­ne hüpf­te, als sei­en sei­ne Knie­ge­len­ke aus Titan. Und dabei eine ange­sichts des schweiß­trei­ben­den Tuns meist erstaun­lich gute stimm­li­che Leis­tung ablie­fer­te! Trotz (oder gera­de wegen) der ver­däch­ti­gen musi­ka­li­schen Prä­fe­ren­zen und sei­nes flam­boyan­ten Auf­tre­tens soll sich der (mit einer Frau!) ver­hei­ra­te­te zwei­fa­che Vater jedoch in der Ver­gan­gen­heit angeb­lich mehr­fach in homo­pho­ber Wei­se geäu­ßert haben, wie OnEuro­pe recher­chier­te. So tau­che er unter ande­rem im Jah­re 2005 in einem Bericht der Homo­rech­te-Orga­ni­sa­ti­on ILGA über kroa­ti­sche Pro­mi­nen­te auf, die in der Öffent­lich­keit dum­mes Zeug rede­ten. Aller­dings habe er sich, wie ande­re Quel­len berich­ten, 2011 in einem per­sön­li­chen State­ment von die­sen Vor­wür­fen distan­ziert: er habe im Kol­le­gen­kreis selbst schwu­le Freun­de, jeder kön­ne machen, was er wol­le, er möch­te nur sin­gen… das Übli­che. Viel wich­ti­ger scheint mir aber zu sein, dass er sich von sei­nem dama­li­gen Stamm­kom­po­nis­ten trenn­te, so dass wir für Kiew wohl lei­der nicht mit einer wei­te­ren schla­ger­haf­ten Euro­trash­num­mer rech­nen kön­nen. Wie außer­or­dent­lich scha­de! Jaques’ Euro­vi­si­ons­lied, wie immer es klin­gen mag, soll in Kür­ze ver­öf­fent­licht wer­den.

Erstaun­lich leicht­fü­ßig: der Hau­de­gen Jaques (HR)

Kei­ne Vor­ur­tei­le: Pol­la­pönk-Backing ist jetzt Minis­ter

Es ist ein klei­ner, illus­trer Kreis: Åse Kleve­land gehört bei­spiels­wei­se dazu, dritt­plat­zier­te Ver­tre­te­rin Nor­we­gens beim Euro­vi­si­on Song Con­test im Jah­re 1966, Mode­ra­to­rin der glei­chen Ver­an­stal­tung zwan­zig Jah­re spä­ter und von 1990 bis 1996 Kul­tus­mi­nis­te­rin des skan­di­na­vi­schen Lan­des. Die iri­sche Grand-Prix-Sie­ge­rin (1970), Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin und Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te (1944–1999) Dana Natio­nal zählt dazu. Und nun auch Óttar Prop­pé, sei­nes Zei­chens Backing­sän­ger der unver­gess­li­chen islän­di­schen Ver­tre­ter von 2014, Pol­la­pönk, und Vor­sit­zen­der der iro­nisch-läs­sig benann­ten Par­tei Björt fram­tíð (Strah­len­de Zukunft), einer öko­li­be­ra­len Ver­ei­ni­gung, die an der aktu­ell regie­ren­den Drei­par­tei­en­ko­ali­ti­on betei­ligt ist und seit weni­gen Tagen mit Prop­pé den Gesund­heits­mi­nis­ter des Insel­staa­tes stellt. Vor sei­ner poli­ti­schen Kar­rie­re, die er 2010 in der Bes­ten Par­tei im Stadt­rat von Reyk­ja­vik begann, arbei­te­te Prop­pé als Buch­händ­ler, Schau­spie­ler und Musi­ker, wobei er sich einen legen­dä­ren Ruf erwarb. In einer 3sat-Doku­men­ta­ti­on von 2014 beschrieb er sein poli­ti­sches Cre­do so: “Wir wol­len Poli­tik mensch­li­cher, ein­fühl­sa­mer machen” bezie­hungs­wei­se „Wir wis­sen, dass wir uns ver­än­dern müs­sen. Nur wis­sen wir noch nicht so genau, wie wir das anstel­len sol­len.“ Bei sei­nem Euro­vi­si­ons­auf­tritt for­der­te er gemein­sam mit sei­nen Kol­le­gen ‘No Pre­ju­di­ces’, also “Kei­ne Vor­ur­tei­le”. Und dafür, dass die Isländer/innen genau das beher­zi­gen und eine so schil­lern­de Per­sön­lich­keit zum Minis­ter machen, dafür lie­be ich sie!

Der blond­ge­färb­te Zot­tel­haa­ri­ge hin­ten ist es: Óttar Prop­pé von Pol­la­pönk

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Mut­ter­söhn­chen!

Welch ein ereig­nis­rei­ches Euro­vi­si­ons­wo­chen­en­de! Es begann mit einem lei­der sehr trau­ri­gen Ereig­nis: nach­dem in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag in der Nähe der ita­lie­ni­schen Stadt Vero­na ein Rei­se­bus mit unga­ri­schen Schüler/innen ver­un­glück­te, ver­häng­te die magya­ri­sche Regie­rung ange­sichts von 16 Todes­op­fern ver­ständ­li­cher­wei­se Staats­trau­er, wor­auf­hin die eigent­lich für Sams­tag­abend geplan­te zwei­te Vor­run­de der hei­mi­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung A Dal bis auf Wei­te­res um eine Woche ver­scho­ben wur­de. Neben die­ser Tra­gö­die und den bereits ver­blogg­ten zwei natio­na­len End­aus­schei­dun­gen vom Sams­tag in Weiß­russ­land und Geor­gi­en blieb kaum noch Zeit für eine Sich­tung der bereits am Frei­tag­abend ver­öf­fent­lich­ten zwölf Songs des für den 11. März 2017 ter­mi­nier­ten islän­di­schen Söng­vakepp­nin, die – wenn auch nur als Audio-Stu­dio­fas­sun­gen – jeweils in der lan­des­sprach­li­chen und eng­li­schen Ver­si­on vor­han­den sind und unter denen sich eini­ge viel­ver­spre­chen­de Titel befin­den, wie bei­spiels­wei­se das in bei­den Fas­sun­gen sehr ein­präg­sa­me ‘Bam­bar­ram’ von Hil­dur, das hyp­no­ti­sche ‘Hyp­no­ti­sed / Þú hefur dáleitt mig’ des Rick-Ast­ley-Dop­pel­gän­gers Aron Brink oder die hüb­sche Coun­try-Lie­bes­schnul­ze ‘You and I / Þú og ég’ von Páll Rósin­kranz und Kris­ti­na Bærend­sen (Play­list mit allen 24 Bei­trä­gen hier). Auch das mol­da­wi­sche Fern­se­hen TRM stell­te zeit­gleich die 14 Songs vor, die sie aus den ins­ge­samt 39 Ein­sen­dun­gen für O Melo­die Pen­tru Euro­pa am 24. und 25. Febru­ar 2017 aus­ge­siebt hat­ten. Wobei es der so uner­müd­li­che wie legen­dä­re Sascha Bogni­bov, Leser/innen die­ses Blogs noch von Meis­ter­wer­ken wie ‘The Girls of 13 Years old’ und unzäh­li­gen ande­ren bekannt, so erwart­bar wie skan­da­lö­ser­wei­se mal wie­der nicht in die Aus­wahl schaff­te, obschon er mit dem amt­lich bret­tern­den Metall-Stück ‘Stop the Liars’ über einen her­aus­ra­gen­den Bei­trag ver­füg­te. Und das mei­ne ich völ­lig uniro­nisch. Auch die Folk-Pop­per Che-MD und der put­zi­ge Pop-Rent­ner Tudor Bum­bac, bei­de in frü­he­ren Jahr­gän­gen schon mal am Start, konn­ten die Sen­der­ju­ry dies­mal nicht über­zeu­gen.

Saschas Kom­men­tar zum gera­de ernann­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten? Schan­de, Mol­da­wi­en, dass er nicht dabei ist! (MD)

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Jama­la unter­stützt den CSD in Kiew

In einem offe­nen Brief an den Bür­ger­meis­ter der ukrai­ni­schen Haupt­stadt, den auch hier­zu­lan­de nicht ganz unbe­kann­ten Vita­li Klitsch­ko, macht sich die aktu­el­le Köni­gin des Euro­vi­si­on Song Con­test, für die Unter­stüt­zung der Stadt bei der Durch­füh­rung des für heu­te geplan­ten “Mar­sches für Gleich­be­rech­ti­gung” stark, wie queer.de berich­tet. Jama­la gehört zu mehr als 500 Verfasser/innen offe­ner Brie­fe, mit der die Stadt­re­gie­rung zur Sicher­stel­lung des Schut­zes der Demo-Teil­neh­mer/in­nen auf­ge­for­dert wird. Rechts­ra­di­ka­le hat­ten ange­kün­digt, den Kie­wer CSD zu ver­hin­dern und ein “Blut­bad” anzu­rich­ten. Bis zu sechs­tau­send Poli­zis­ten sol­len den Marsch nun schüt­zen, zu dem auch Unterstützer/innen aus ganz Euro­pa anreis­ten. So berich­tet die Künst­le­rin und LGBT-Akti­vis­tin Nao­mi Law­rence von der Mün­che­ner Grup­pe Muni­Qiev von einer “Zei­ten­wen­de” ins­be­son­de­re bei offi­zi­el­len Stel­len. 2014 muss­ten die Kie­wer noch auf einen CSD ver­zich­ten, auch weil sie von Klitsch­ko kei­ne Hil­fe beka­men. 2015 fand er statt, aller­dings kam es trotz star­ker Poli­zei­prä­senz zu gewalt­tä­ti­gen Über­grif­fen. Erst im März die­sen Jah­res spreng­ten zusam­men­ge­rot­te­te Rechts­ra­di­ka­le ein Fes­ti­val für Gleich­heit in Lwiw. Nun scheint gera­de der Krieg mit Russ­land zu einem vor­sich­ti­gen Umden­ken der beson­ders hom­ofeind­lich ein­ge­stell­ten Bevöl­ke­rung zu füh­ren: “seit Russ­lands Pro­pa­gan­da behaup­tet, dass die Ukrai­ner rus­si­sche Kin­der töten und deren Blut trin­ken, mer­ken die Ukrai­ner, wie es ist, Ziel einer Hetz­kam­pa­gne zu sein,” so Law­rence. Bleibt zu hof­fen, dass das Ein­tre­ten Jama­las ein klein wenig dazu tut.

Pflanzt einen Baum der Hoff­nung für LGBTs in der Ukrai­ne: Jama­la

Nack­te graue Dis­co-Wöl­fe tan­zen im Gewit­ter

Fan­tas­ti­sche Nach­rich­ten kom­men aus San Mari­no: der tür­kisch­stäm­mi­ge Ser­hat Hacıpaşalıoğlu, der die Minia­tur-Repu­blik in Stock­holm ver­tritt, hör­te auf die Stim­me der Ver­nunft der Fans und tritt mit der fabel­haft cam­pen Dis­co-Ver­si­on sei­nes Titels ‘I didn’t know’ an. Die eher im Bar-Jazz behei­ma­te­te Orgi­nal­ver­si­on des san­ma­ri­ne­si­schen Bei­trags ern­te­te bis­lang (völ­lig zu Recht) über­wie­gend nega­ti­ve Kri­tik, wäh­rend der kur­ze Zeit spä­ter ver­öf­fent­lich­te, hem­mungs­los dis­co­fi­zier­te Remix klas­sisch ver­an­lag­te Grand-Prix-Elsen wie mich natür­lich in pure Ver­zü­ckung ver­setz­te. Die­se strahl­te über die sozia­len Medi­en auch auf den Künst­ler zurück, und so ersuch­te das Team um den Ex-Mode-Zar Thier­ry Mug­ler die EBU, den Song trotz abge­lau­fe­ner Dead­line noch gegen die belieb­te­re Fas­sung (die noch immer die lus­ti­ge Zei­le “I wan­na pee insi­de your Mind” ent­hält) aus­tau­schen zu dür­fen. Und da nie­mand der hoch infek­tiö­sen Kraft der rotie­ren­den Spie­gel­ku­gel zu wider­ste­hen ver­mag, sag­te die­se natür­lich “ja”. Juch­hu! Serhats Chan­cen auf einen Final­ein­zug dürf­ten sich hier­durch zwar nur mar­gi­nal ver­bes­sern, aber zumin­dest gibt er den Fans nun, was sie wol­len und begeh­ren. Und dafür kann man dem Mann nicht genug dan­ken!

Camp as a Row of Tents: Ser­hat führt uns in die gute alte Dis­co-Ära zurück ℠

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