Trick­kleid­dra­ma um Eli­na Netša­je­va

Exakt einen Monat vor dem ers­ten Semi­fi­na­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 ent­spannt sich ein Finan­zie­rungs­pro­blem rund um die Teil­nah­me der est­ni­schen Pope­ra-Diva Eli­na Netša­je­va. Die trat beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid Eesti Laul bekannt­lich in einem Pro­jek­ti­ons­kleid auf, also einem Dress mit einem tex­til­rei­chen grau­en Unter­teil, das als Lein­wand für sehr ein­drück­li­che, auf­ge­spiel­te Visu­als fun­giert und das einen nicht uner­heb­li­chen Teil zum beein­dru­cken­den audio­vi­su­el­len Gesamt­kon­zept bei­trug. Das woll­te Eli­na in Lis­sa­bon eigent­lich so bei­be­hal­ten, was aber am Geld schei­tern könn­te: wie der est­ni­sche Dele­ga­ti­ons­lei­ter Mart Nor­met nach einem Bericht von Wiwi­bloggs vor­rech­net, sum­mie­ren sich die geschätz­ten Kos­ten für die Mie­te leis­tungs­star­ker Pro­jek­to­ren wäh­rend der Euro­vi­si­ons­wo­chen in Por­tu­gal auf min­des­tens 65.000 €, auch weil man für den vol­len Effekt gleich drei der Gerä­te benö­tigt. Der Sen­der ERR sieht sich jedoch nicht in der Lage, solch einen Betrag auf­zu­brin­gen.

Wird aus ‘La For­za’ ohne das Trick­kleid nun ‘La Furza’?

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­acts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes geg­oogelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­ty­un­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Drit­ter Super­sams­tag 2017: extrem hete­ro­se­xu­ell

Es war mal wie­der ein Abend der euro­vi­sio­nä­ren Über­for­de­rung ges­tern: neben den gleich drei fina­len Ent­schei­dun­gen in Ungarn, Mal­ta und Polen lie­fen zeit­gleich noch fünf (!) wei­te­re Vor­run­den und Semis. Und in den meis­ten von ihnen fie­len ähn­lich depri­mie­ren­de Fehl­ent­schei­dun­gen. Das begann bereits im schwe­di­schen Väx­jö, wo das bis­lang schwächs­te Vier­tel­fi­na­le des Melo­di­fes­ti­va­len mit durch die Bank völ­lig ega­len Bei­trä­gen über die Büh­ne ging und wo die wun­der­ba­re, quir­li­ge Kris­ta Sieg­frids (→ FI 2013) mit dem wun­der­ba­ren, quir­li­gen Mel­lo-Schla­ger ‘Snur­ra min jord’, frag­los dem ein­zi­gen guten Song des gesam­ten Abends, unfass­ba­rer­wei­se auf dem letz­ten Platz lan­de­te. Und das trotz vor­schrifts­mä­ßi­ger Cho­reo­gra­fie mit Holo­gramm und Haar­schüt­tel­beu­ge, schwe­di­scher Spra­che, des für deut­sche Ohren lus­ti­gen Lied­ti­tels und der kris­ta­ty­pi­schen Fabel­haf­tig­keit des gesam­ten Packa­ges. War­um, oh Schwe­den, war­um? Ich kann eigent­lich nur zwei mög­li­che Erklä­run­gen hier­für fin­den, und bei­de sind glei­cher­ma­ßen betrüb­lich: ent­we­der seid ihr gene­rell fin­nin­nen­feind­lich oder ihr lei­det schlicht­weg unter kol­lek­ti­ver Geschmacks­ver­ir­rung. Statt­des­sen schick­tet ihr mit Oweh Thörn­qvist und sei­nem schreck­li­chen ‘Boo­gie­man Blues’ einen schät­zungs­wei­sen hun­dert­jäh­ri­gen Tatter­greis Direkt till Glo­ben (DTG) ins Mel­lo-Fina­le, der ohne den eigens für ihn als Stüt­ze auf die Büh­ne gestell­ten Bar­ho­cker wohl noch wäh­rend sei­nes Auf­trit­tes stumpf umge­klappt wäre. War­um, oh Schwe­den, war­um? Immer­hin ver­moch­te mich Eure zwei­te DTG-Wahl etwas zu besänf­ti­gen: der mensch­ge­wor­de­ne Schleim­prop­fen Robin Beng­ts­son, der sich in der Wer­tungs­pau­se von Mel­lo-Mode­ra­tor David Lind­gren abschle­cken las­sen muss­te, prä­sen­tier­te mit ‘I can’t go on’ einen zwar kom­plett unori­gi­nel­len, aber von Robin und sei­ner Brech­reiz-Yup­pies-Begleit­ban­de zumin­dest her­aus­ra­gend vor­ge­tanz­ten, uptem­po­rä­ren Schwe­den­schla­ger. Euer Glück, dass wenigs­tens er pas­sie­ren durf­te, sonst hie­ße es heu­te Abend zur Stra­fe ohne Essen ins Bett!

Erfreu­lich: dank flei­ßi­gen Jod-Kon­sums schnurrt Kris­ta wie ein neu­ge­bo­re­nes Kätz­chen (SE)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love

Zuneh­mend plä­die­re ich dafür, den ein­zel­nen Natio­nen in ihren jewei­li­gen Euro­vi­si­ons-Vor­auswah­len die Ent­schei­dungs­ge­walt über die Fra­ge, wel­che der vor­ge­stell­ten Titel wei­ter­kom­men sol­len, voll­stän­dig weg­zu­neh­men und auf die inter­na­tio­na­le Zuschau­er­schaft zu über­tra­gen. Aktu­el­ler Grund für die­se For­de­rung: das am heu­ti­gen Frei­tag­abend aus­ge­strahl­te ers­te Semi­fi­na­le der slo­we­ni­schen EMA, bei wel­cher das hei­mi­sche Publi­kum mal wie­der gene­ri­schen Mist weit­er­wähl­te und den ein­zi­gen inter­es­san­ten Bei­trag des Abends zurück­wies. So schaff­te es der bereits von letz­ten Con­test aus Kiew bekann­te (und immer noch sehr nett anzu­schau­en­de) Omar Naber (→ SI 2005) mit einem wirk­lich schlim­men Schleim­prop­fen von Lied, für wel­ches sich selbst ein Julio Igle­si­as (→ ES 1970) wohl schä­men wür­de, ins Fina­le, wäh­rend das dümmst­mög­lich benams­te Damen­trio Tos­ca Beat die Par­füm­fläsch­chen wie­der ein­pa­cken muss­te. Dabei boten die drei Pope­ra-Gra­zi­en im ganz und gar auf ihren Auf­tritt zurecht­de­ko­rier­ten Sen­de­stu­dio von RTVS­LO mit dem Titel ‘Free World’ so etwas wie eine extrem weich­ge­spül­te Vari­an­te des größ­ten slo­we­ni­schen Pop-Export-Schla­gers feil, der Art­house-Indus­tri­al-Band Lai­bach näm­lich. Von der grun­zend tie­fen Män­ner­stim­me über die faschis­ti­schick-mili­tä­risch ange­hauch­te Büh­nen­gar­de­ro­be und einer Gleich­schritt-Marsch-Cho­reo bis zu per Mega­fon ein­ge­streu­ten, poli­tisch klin­gen­den Pos­tu­la­ten erin­ner­te etli­ches ent­fernt an die Ele­men­te, wel­che das bewusst mit den ästhe­ti­schen Codes mili­tan­ter Orga­ni­sa­tio­nen spie­len­de, seit 1980 bestehen­de Kunst­pro­jekt aus Ljublja­na ger­ne nutzt. Wobei ich den Namen der slo­we­ni­schen “Ramm­stein für Erwach­se­ne” (Eigen­be­zeich­nung) durch den Ver­gleich zu unse­rem EMA-Act nicht in den Schmutz zie­hen möch­te: da lie­gen natür­lich künst­le­ri­sche Wel­ten dazwi­schen. Ach was: Welt­al­le!

Lai­bach trifft Alen­ka Gotar: Tos­ca Beat (SI)

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Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt viel­leicht nicht auf unge­teil­te Zustim­mung bei all mei­nen Leser/innen sto­ßen und beschreibt auch das Gegen­teil mei­ner eige­nen Emp­fin­dun­gen von vor einem Jahr, aber nach der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2016 aus dem Stock­hol­mer Glo­ben (der immer noch aus­sieht wie ein Schnel­ler Brü­ter) am Diens­tag­abend muss ich sagen: von mir aus kön­nen die Schwe­den ger­ne jedes Jahr gewin­nen. Solan­ge sie Petra Mede wei­ter mode­rie­ren las­sen: locker, flo­ckig, eigen­iro­nisch, herr­lich! Am schöns­ten der Gag, als auf die Wor­te “Wel­co­me, Euro­pe!” die ers­ten Tak­te von ‘The Final Count­down’ der gleich­na­mi­gen schwe­di­schen Acht­zi­ger­jah­re-Rock­band ertön­ten, live von besag­ter Kapel­le into­niert, die Petra und Måns aber schnell wie­der abwürg­ten und sich flugs für die “Pein­lich­keit” ent­schul­dig­ten! Auch, was das schwe­di­sche Fern­se­hen an Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stell­te, konn­te sich sehen las­sen, von der Eröff­nungs­num­mer, als ein Chor aus den Kin­dern von Ste­pford das Mor­bid-Düs­te­re in Måns Zelmerlöws Vor­jah­res-Sie­ger­lied ‘Heroes’ erst so rich­tig her­aus­ar­bei­te­te, bis hin zu dem als Pau­se­nact ein­ge­setz­ten Bal­lett der ‘Grey Peop­le’ zum The­ma Flucht, das einem beim Zuschau­en stel­len­wei­se den Atem sto­cken ließ, weil es so arti­fi­zi­el­le und den­noch tief unter die Haut gehen­de Bil­der für die Tra­gö­die fand, die sich wei­ter­hin täg­lich vor unse­ren Toren abspielt. Dan­ke für die­sen Appell ans kol­lek­ti­ve Gewis­sen!

Die per­fek­te Spra­che gefun­den, um das wich­ti­ge The­ma an die­sem Abend nicht ver­ges­sen zu las­sen, ohne beleh­rend zu wir­ken. Respekt, SVT!  

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Polen 2016: wer hat nur die­sen Spa­cken gewählt?

Den ver­mut­lich größ­ten Schock­mo­ment der lau­fen­den Euro­vi­si­ons­sai­son bescher­ten ges­tern Abend die pol­ni­schen Televoter/innen dem fas­sungs­los jap­sen­den rest­li­chen Euro­pa. Seit der Bekannt­ga­be des neun­köp­fi­gen Teil­neh­mer­fel­des der Kra­jo­we Eli­mi­nac­je war ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen der Euro­vi­si­ons­le­gen­de Edy­ta Gór­ni­ak (PL 1994) und einer gewis­sen Mar­ga­ret vor­her­ge­sagt wor­den. In siche­rer Erwar­tung des Sie­ges der letzt­ge­nann­ten Sän­ge­rin und ihres rihan­nes­ken ‘Cool me down’ lag das Land in den Wett­quo­ten bereits ganz oben – bis zur Bekannt­ga­be des Tel­e­vo­ting-Ergeb­nis­ses. Die allei­ne stimm­be­rech­tig­ten Anrufer/innen wähl­ten näm­lich zum kol­lek­ti­ven Ent­set­zen aller Zuschauer/innen außer­halb Polens mit knapp 36% den ehe­ma­li­gen X-Fac­tor-Teil­neh­mer Mich­ał Szpak, optisch am ehes­ten als Jack-Spar­row-Par­odie in einer schlim­men Mil­li-Vanil­li-Gedächt­nis­ja­cke zu beschrei­ben, zu ihrem Reprä­sen­tan­ten. Der Herr Spack singt einen wirk­lich üblen, musi­cal­haf­ten Songrie­men namens ‘Color of your Life’, der es an fremd­schäm­pein­li­cher Abge­schmackt­heit locker mit dem Werk von Libe­r­ace auf­neh­men kann. Oder, um in Euro­vi­si­ons­ver­glei­chen zu spre­chen, mit ‘Nomads of the Night’ von Jeroni­mas Mili­us (LT 2008). Mal schau­en, wie schnell Polen in den Wett­quo­ten jetzt auf den letz­ten Platz fällt.

Der Preis für das bes­te Pira­ten­bärt­chen der Sai­son geht an Michal Spack!

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Enchan­tée d’Autriche: die Ösis geben uns Zucker!

Es war der Abend der Braut­klei­der beim heu­ti­gen Alpen­vor­ent­scheid: fast alle Sän­ge­rin­nen gin­gen in Hoch­zeits­ro­be an den Start bei Wer singt für Öster­reich? Zwei von ihnen stan­den sich am Ende im Super­fi­na­le gegen­über, und im Gegen­satz zum Vor­jahr, wo sie die put­zi­ge Band­lea­der­toch­ter auf den drit­ten Rang ver­bann­ten und so ihr Null-Punk­te-Schick­sal besie­gel­ten, ent­schie­den sich die Zuschauer/innen dies­mal aus­nahms­wei­se rich­tig und wähl­ten Zoë Straub zu ihrer Reprä­sen­tan­tin. Die auch wohl­weis­lich aus den Feh­lern des Vor­jah­res gelernt hat­te und ihr char­man­tes Chan­son ‘Loin d’ici’ dies­mal kom­plett in fran­zö­si­scher Spra­che vor­trug (2015 ver­darb sie sich noch durch einen Wech­sel ins Eng­li­sche selbst die Chan­cen). Ihr Auf­tritt erin­ner­te optisch ein wenig an Flor-de-Lis (PT 2009): elfen­gleich stand sie vor einem Pop-Art-bun­ten Wie­sen­hin­ter­grund, der wohl auch durch die zahl­rei­chen Zau­ber­pil­ze inspi­riert gewe­sen sein dürf­te, die im Lau­fe der drei Minu­ten an uns vor­bei­zo­gen. Drei Minu­ten, wel­che die arme Zoë auf dem vom Büh­nen­ne­bel ver­deck­ten Lauf­band absol­vie­ren muss­te. Half aber: es unter­stütz­te optisch den Schwung des zucker­sü­ßen Gute-Lau­ne-Lied­chens, mit dem der Final­ein­zug für unse­re Lieb­lings­nach­barn gesi­chert ist. Hur­ra!

Ich kann mich gar nicht ent­schei­den, ist alles so schön bunt hier!

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Hey you, the Rock­s­te­ady Crew

Von einer schwe­ren Hals­ent­zün­dung war er heim­ge­sucht bei sei­nem Live-Auf­tritt in der gest­ri­gen zwei­ten Vor­run­de der unga­ri­schen Vor­ent­schei­dung A Dal: der dies­jäh­ri­ge Favo­rit András Kál­lay Saun­ders, der schon 2014 dem Land der Magya­ren mit dem düs­ter-druck­vol­len ‘Run­ning’ sei­ne zweit­bes­te Plat­zie­rung beim Euro­vi­si­on Song Con­test bescher­te. Nun ver­sucht er es erneut, dies­mal beglei­tet von der Kál­lay Saun­ders Band, und trotz der deut­lich hör­ba­ren, krank­heits­be­ding­ten stimm­li­chen Schwä­chen ihres Front­man­nes gewann sel­bi­ge ges­tern aus dem Stand. Zu Recht: das rocki­ge ‘Who we are’ (mit pas­sen­der Dub­step-Ein­la­ge) über­zeugt durch melo­diö­se Ein­gän­gig­keit und Biss, wenn­gleich es nicht ganz die fins­te­re Tie­fe sei­nes vor­ge­hen­den Meis­ter­werks erreicht. András ist im zer­ris­se­nen Mus­kels­hirt und in enger Leder­ho­se zudem eine Augen­wei­de, selbst die mit Neon-Pla­ka-Far­be auf sei­ne nack­te Haut auf­ge­mal­ten Text­zi­ta­te aus dem Song, die dem Auf­tritt einen Hauch von Beat Street (1984) ver­lie­hen, kön­nen das opti­sche Ver­gnü­gen nicht trü­ben.

Muss über sei­ne Reib­ei­sen­stim­me selbst lachen: András Kál­lay Saun­ders (HU) (zur Zeit lei­der nur auf der schlecht gemach­ten Sen­der­sei­te ver­füg­bar)

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Rumä­ni­en 2015: Hört den Kin­dern ein­fach zu

Ein fabel­haf­ter Vor­ent­schei­dungs­abend ging vor weni­gen Minu­ten in Rumä­ni­en zu Ende. Mit schie­fen Tönen, Glit­zer-Har­nes­sen, flam­men­sprü­hen­den Muschis sowie einem gran­dio­sen Rus­la­na-Gast­spiel (UA 2004). Und einem, man höre und stau­ne, über­ein­stim­men­den Sie­ger im Jury- und Publi­kums­vo­ting: die Rock­band Vol­taj, von vor­ne her­ein als Favo­rit gel­tend, fährt mit ihrer for­ma­t­ra­dio­freund­li­chen Pop­bal­la­de ‘De la capăt’ – im Lan­de bereits vor dem Vor­ent­scheid ein gro­ßer Hit – nach Wien. Dort wol­len sie den Song aber lei­der auf eng­lisch als ‘All over again’ vor­tra­gen. Wie esctoday.com infor­miert, sind Vol­taj Bot­schaf­ter der Cha­ri­ty-Orga­ni­sa­ti­on Habi­tat for Huma­ni­ty, die Gel­der für den Haus­bau bzw. -reno­vie­rung in Rumä­ni­en sam­melt, wo vie­le Men­schen vor allem in den länd­li­chen Gebie­ten in bit­te­rer Armut unter men­schen­un­wür­di­gen Ver­hält­nis­sen leben. Mit ihrem Song, der die Ängs­te und Sor­gen von zurück­ge­las­se­nen Kin­dern the­ma­ti­siert, deren Eltern(-teile) als Gast­ar­bei­ter außer­halb Rumä­ni­ens leben, wol­len sie nach eige­ner Aus­sa­ge Auf­merk­sam­keit für die sozia­len Schief­la­gen im Land erzeu­gen. Ein Lied mit Bot­schaft also, und das wur­de zumin­dest am heu­ti­gen Abend belohnt (und lässt auch mich bei­na­he über die musi­ka­li­sche Lan­ge­wei­le hin­weg­se­hen).

Haben noch eins, zwei Kof­fer in Buka­rest: Vol­taj

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Öster­reich 2015: NDR, schau hier­her!

Was haben wir da 2011 für eine Chan­ce ver­ge­ben, als wir Lena Mey­er-Land­rut ein­fach noch­mal schick­ten, anstatt die Sie­ges­vi­bes und das dar­aus ent­ste­hen­de Inter­es­se zu so einer Vor­ent­schei­dung zu nut­zen, wie sie die Öster­rei­cher dies­mal hin­le­gen! 16 Acts konn­te der ORF für die schon längst auf­ge­zeich­ne­te und ges­tern Abend ver­sen­de­te ers­te Fol­ge von Wer singt für Öster­reich? cas­ten. 16 Acts, wie sie in ihrer musi­ka­li­schen Band­brei­te – von volks­tüm­li­chem Cross­over über Elek­tro, Swing, Folk, Sin­ger-Song­wri­ter-Pop und Chan­son bis zu Dan­ce­hall und etli­chem mehr – vor allem aber in ihrer Pro­fes­sio­na­li­tät Anlass zum Stau­nen gaben. Ins­be­son­de­re, wenn man ans deut­sche USFÖ-Club­kon­zert vom Don­ners­tag denkt. Da bleibt einem nur, neid­voll ins Nach­bar­land zu schau­en und dem NDR drin­gend anzu­ra­ten, für die Orga­ni­sa­ti­on des Vor­ent­scheids 2016 unbe­dingt ein paar öster­rei­chi­sche Con­sul­tants ein­zu­kau­fen! Denn ganz offen­sicht­lich hat man sich beim ORF deut­lich mehr Gedan­ken gemacht, wie man einen glanz­vol­len Nach­fol­ger zum Sie­ger­lied hin­legt, als bei uns sei­ner­zeit. Jeden­falls schaff­te es der Sen­der, sehr coo­le Acts und über­zeu­gen­de Songs zusam­men­zu­be­kom­men.

Lei­der geil, lei­der drau­ßen: die Miz­ge­bo­nez. Kön­nen wir die noch für USFÖ haben?

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