Öster­reich 2015: NDR, schau hier­her!

Was haben wir da 2011 für eine Chan­ce ver­ge­ben, als wir Lena Mey­er-Land­rut ein­fach noch­mal schick­ten, anstatt die Sie­ges­vi­bes und das dar­aus ent­ste­hen­de Inter­es­se zu so einer Vor­ent­schei­dung zu nut­zen, wie sie die Öster­rei­cher dies­mal hin­le­gen! 16 Acts konn­te der ORF für die schon längst auf­ge­zeich­ne­te und ges­tern Abend ver­sen­de­te ers­te Fol­ge von Wer singt für Öster­reich? cas­ten. 16 Acts, wie sie in ihrer musi­ka­li­schen Band­brei­te – von volks­tüm­li­chem Cross­over über Elek­tro, Swing, Folk, Sin­ger-Song­wri­ter-Pop und Chan­son bis zu Dan­ce­hall und etli­chem mehr – vor allem aber in ihrer Pro­fes­sio­na­li­tät Anlass zum Stau­nen gaben. Ins­be­son­de­re, wenn man ans deut­sche USFÖ-Club­kon­zert vom Don­ners­tag denkt. Da bleibt einem nur, neid­voll ins Nach­bar­land zu schau­en und dem NDR drin­gend anzu­ra­ten, für die Orga­ni­sa­ti­on des Vor­ent­scheids 2016 unbe­dingt ein paar öster­rei­chi­sche Con­sul­tants ein­zu­kau­fen! Denn ganz offen­sicht­lich hat man sich beim ORF deut­lich mehr Gedan­ken gemacht, wie man einen glanz­vol­len Nach­fol­ger zum Sie­ger­lied hin­legt, als bei uns sei­ner­zeit. Jeden­falls schaff­te es der Sen­der, sehr coo­le Acts und über­zeu­gen­de Songs zusam­men­zu­be­kom­men.

Lei­der geil, lei­der drau­ßen: die Miz­ge­bo­nez. Kön­nen wir die noch für USFÖ haben?

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Ser­bi­en schickt die Ret­tungs-Boja­na

Ich bin 2 Chiaras, A Sin­gle Ton of Fun, An even roun­der Girl: Ser­bi­en schickt mit Boja­na Sta­men­ov in die­sem Jahr eine Sän­ge­rin mit unüber­seh­ba­rer Lei­bes­fül­le zum Euro­vi­si­on Song Con­test. Und damit auch jeder die enor­men For­men der ihre stimm­li­chen Fähig­kei­ten leicht über­schät­zen­den Diva wahr­nimmt, steht sie zum Song­auf­takt im Halb­dun­kel der Büh­ne, wo LED-Licht­spie­le­rei­en in vol­ler Brei­te auf die Lein­wand pro­ji­ziert wer­den, die ihr rotes Zelt­kleid umspannt. Bedient sich die Prä­sen­ta­ti­on scham­los bei Sabi­na Babay­e­va (AZ 2012), so greift ihr Bei­trag ‘Ceo Svet je moj’ (‘Die Welt gehört mir’ – reiht sich naht­los in das dies­jäh­ri­ge ‘Krie­ge­rin­nen’-The­ma ein) Valen­ti­na Monet­tas ‘Cri­sali­de’ (SM 2013) auf: der Song beginnt als ver­hal­te­ne Bal­kan­bal­la­de, dreht im letz­ten Drit­tel aber noch mal auf und wird zur kraft­voll-krei­schig into­nier­ten Dis­co­hym­ne. Damit konn­te Boja­na sowohl die Jury als auch die Tele­vo­ter über­zeu­gen, die sie jeweils mit der Höchst­wer­tung belohn­ten.

Eine ech­te Heul­bo­je: Boja­na Sta­men­ov

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Aser­bai­dschan 2014: Ich will ’nen Cow­boy als Mann

Ach, wie soll da ein Mensch durch­bli­cken in Aser­bai­dschan! Nach mona­te­lan­gen Vor­run­den, in denen zahl­lo­se Kan­di­da­ten bekann­te Hits ver­stüm­mel­ten, tra­fen im heu­ti­gen Fina­le von Böyük Səhnə die letz­ten drei Über­le­ben­den auf­ein­an­der, um vor einer fünf­köp­fi­gen Jury (unter Betei­li­gung von Eldar Qası­mov [AZ 2011, Ell & Nik­ki] und dem schwe­di­schen Kom­po­nis­ten Ste­fan Örn [u.a. ‘Run­ning sca­red’]) um das Ticket nach Kopen­ha­gen wett­zu­sin­gen. Jeder der drei Kom­bat­tan­ten muss­te drei Songs, größ­ten­teils eben­falls Cover­ver­sio­nen, prä­sen­tie­ren. Am Ende gewann Dilarə Kazi­mo­va – wenig über­ra­schend, denn bei der heu­ti­gen Show han­del­te es sich um eine Auf­zeich­nung vom Sams­tag, und ihr Sieg sicker­te bereits ges­tern durch. Unter den neun Titeln befand sich ihr Bei­trag für den Grand Prix dem Ver­neh­men nach aber nicht, den muss Ste­fan Örn anschei­nend erst schrei­ben (oder Dila­ra muss noch an den rich­ti­gen Stel­len Bak­schisch ent­rich­ten, wer weiß das in Ali­y­ews lus­ti­ger Erd­öl­dik­ta­tur schon so genau).


Backen ist der Euro­vi­si­ons­trend 2014, auch im Land des Feu­ers! Dilarə Kazi­mo­va

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Ukrai­ne 2014: das befrie­digt mei­ne Trie­be

Fan­tas­tisch: das ers­te ordent­li­che natio­na­le Fina­le der lau­fen­den Sai­son ende­te heu­te in der Ukrai­ne gleich in mehr­fa­cher Hin­sicht in einem hand­fes­ten Skan­dal. Mit der Höchst­wer­tung sowohl im SMS-Voting als auch bei der Jury gewann Mari­ja Jaremtschuk (eng­li­sche Schreib­wei­se: Maria Yarem­chuk) die Vor­ent­schei­dung. Ihr mit­tel­mä­ßi­ger Dance-Pop-Song ‘Tick Tock’ beginnt mit der legen­dä­ren Zei­le: “We belong to each other like a Sis­ter to a Bro­ther”, fei­ert also die von den Ärz­ten bereits 1986 besun­ge­ne (und in Deutsch­land auf dem Index gelan­de­te) ‘Geschwis­ter­lie­be’. Der viel grö­ße­re Skan­dal besteht jedoch in Mari­jas fischig rie­chen­dem Sieg: bereits weni­ge Minu­ten nach Eröff­nung des SMS-Voting führ­te sie mit 2.400 Stim­men, gegen­über 800 für den Zwei­ten und 30 für den Letz­ten. Am Ende des Abstim­mungs­zeit­raums sieg­te sie mit 3.500 Voten, der mehr als drei­fa­chen Anzahl des Nächst­plat­zier­ten. Nach Infor­ma­tio­nen von ESCk­az ver­fü­ge Mari­ja über sehr viel Geld (z.B. für das Ver­tei­len kos­ten­lo­ser SMS-Gut­ha­ben­kar­ten) und soll angeb­lich letz­tes Jahr, wo sie im ukrai­ni­schen Vor­ent­scheid Fünf­te wur­de, ver­sucht haben, die Jury zu bestechen. Das scheint wohl dies­mal geklappt zu haben.


She works hard for her Money: Mari­ja Jaremtschuk (UA)

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ESC 2. Semi 2011: Cau­se I know it’s pasi­bel

Logo des Eurovision Song Contest 2011 (Semi 2)
Das schwe­di­sche Jahr

Es geht doch, wenn man nur will: die ARD kann eine Euro­vi­si­ons­sen­dung ohne pein­li­che Tech­nikpan­nen stem­men; Anke Engel­ke kann auch rich­ti­ge Abend­klei­der tra­gen (und dar­in fan­tas­tisch aus­se­hen); Ste­fan Raab kann wit­zig sein (als Side­kick von Anke Engel­ke, die bereits mit der Mode­ra­ti­on der bei­den Semis allen Schmach, den uns Mar­le­ne Cha­rells über­am­bi­tio­nier­tes Strau­cheln 1983 bescher­te, mehr als wett­mach­te) und das Ers­te kann einen rich­tig guten Pau­se­nact orga­ni­sie­ren, der mul­ti­kul­tu­rell wirkt und den­noch etwas mit dem ver­an­stal­ten­den Land zu tun hat. A pro­pos Mul­ti­kul­ti: noch nie war ich so begeis­tert von den Post­kar­ten! Die schöns­ten Sei­ten Deutsch­lands im Märk­lin-Style, ver­knüpft mit hier leben­den und arbei­ten­den Men­schen aus dem jewei­li­gen Teil­neh­mer­land: ich glau­be, welt­of­fe­ner und sym­pa­thi­scher hät­ten wir uns nicht prä­sen­tie­ren kön­nen. Ich lie­ben!

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ESC 1. Semi 2011: Halb­zeit means Halb­zeit

Logo des Eurovision Song Contest 2011 (Semi 1)
Das schwe­di­sche Jahr

Meh­re­re Über­ra­schun­gen hielt das ers­te Semi bereit: ein dank des unheil­vol­len Ein­grei­fens geschmacks­ge­stör­ter Geron­ten­ju­rys hoch­gra­dig scho­ckie­ren­des Abstim­mungs­er­geb­nis, ver­sa­gen­de Stim­men sowie eine pein­li­che Ton­pan­ne. Und das am Tech­no­lo­gie­stand­ort Deutsch­land! Am uner­war­tes­ten aber: eine hin­rei­ßend locke­re, amü­san­te Mode­ra­ti­on, trotz Ste­fan Raab (DE 2000) als einer der drei Gast­ge­ber des Abends! Wer auch immer die Eröff­nungs­mo­de­ra­ti­on mit dem Run­ning Gag “Looks don’t mat­ter in Ger­ma­ny” schrieb, gehört für den Grim­me-Preis nomi­niert. Ent­ge­gen mei­ner schlimms­ten Befürch­tun­gen prä­sen­tier­te sich Deutsch­land durch den unver­krampft-locke­ren Schlag­ab­tausch zwi­schen der groß­ar­ti­gen Anke Engel­ke und einem ange­nehm eigeniro­ni­schen Ste­fan Raab als sou­ve­rän und unter­halt­sam. Bra­vo!

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ESC 2. Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 1)
Das Jahr des Akkor­de­ons

Ich weiß, ich wie­der­ho­le mich, aber: das habt Ihr nun davon, lie­be Jury­freun­de! Kaum knack­te das dia­bo­li­sche Bevor­mun­dungs­gre­mi­um auch die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den, waren wir wie­der genau dort ange­kom­men, von wo der Wett­be­werb einst in eine knapp zehn­jäh­ri­ge Hoch­pha­se zeit­ge­nös­si­scher Pop­mu­sik auf­brach: es ist wie­der 1996! Und wir sind zurück beim Euro­vi­si­on Schnarch Con­test, wo es kei­ne Rol­le spielt, wie beschis­sen man singt und wie stark man die Töne ver­sem­melt, Haupt­sa­che man prä­sen­tiert eine lah­me, töd­lich ein­schlä­fern­de Bal­la­de! Doch nicht nur musi­ka­lisch wur­den wir heu­er Zeu­ge des Euro­vi­si­on Hor­ror Con­test: nach dem fach­ge­rech­ten Wür­gen zar­ter Frau­en­häl­se im ers­ten Semi lau­te­te das Leit­the­ma die­ser Run­de “Zom­bies”. Bei der Vor­her­sa­ge lag ich übri­gens so weit dane­ben wie lan­ge nicht mehr: nur sechs der zehn tat­säch­li­chen Fina­lis­ten hat­te ich auf dem Tipp­zet­tel.

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ESC 1. Semi 2010: Der Wür­ger von Wol­fen­büt­tel

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 2)
Das Jahr des Akkor­de­ons

Jurys sind Wich­ser!™ Mei­ne Leser mögen mir die­se etwas unfei­ne Aus­drucks­wei­se ver­zei­hen, aber manch­mal ist die Wahr­heit grau­sam und pro­fan. Nicht nur sorg­te die Wie­der­ein­füh­rung des Bevor­mun­dungs­gre­mi­ums, wel­ches den Grand Prix bereits zu Zei­ten sei­ner Allein­herr­schaft von 1956 bis 1997 mit schier unfass­li­chen Ent­schei­dun­gen in Miss­kre­dit gebracht hat­te, wie nicht anders zu erwar­ten, für eine geball­te Rück­kehr ver­staub­ter und längst über­wun­den geglaub­ter musi­ka­li­scher Schreck­nis­se (jawohl, Mal­ta, der Fin­ger zeigt auf Dich!). Nein, die geschmacks­be­hin­der­ten Geron­ten schaff­ten es auch, in bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den jeweils den bes­ten Bei­trag gegen den Wil­len der kla­ren Zuschau­er­mehr­heit her­aus­zu­ma­ni­pu­lie­ren. Und das, obwohl ihr Urteil “nur” zu 50% ins End­ergeb­nis ein­fließt. Aber auch das reicht bereits, um gro­ßes Unglück anzu­rich­ten. Um es mit den legen­dä­ren Wor­ten Zlat­kos (DVE 2001) zu sagen: dan­ke, ihr Fotz­köp­pe!

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ESC Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kavi­ar

Logo des Eurovision Song Contest 2008 (2. Semi)
Das Eis­kunst­lauf­jahr

Zwölf Anläu­fe hat­te der flä­chen­größ­te und ein­woh­ner­stärks­te Teil­neh­mer­staat des Euro­vi­si­on Song Con­test für sei­nen ers­ten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Sei­nen Füh­rungs­an­spruch und sei­ne kul­tu­rel­le Zuge­hö­rig­keit zu Euro­pa woll­te Russ­land damit unter­strei­chen – und ver­tief­te doch nur die Grä­ben, denn kaum ein Sie­ger­ti­tel rief im Wes­ten so eine star­ke Ableh­nung her­vor wie Dima Bilans musi­ka­lisch mala­des und über­an­strengt dar­ge­bo­te­nes ‘Belie­ve’, wel­ches der Sarg­na­gel für das hun­dert­pro­zen­ti­ge Zuschau­er­vo­ting sein soll­te. Für den rus­si­schen Plat­ten­mil­lio­när, dem bei sei­nem Erst­ver­such 2006 mit dem deut­lich bes­se­ren ‘Never let you go’ nur die fin­ni­schen Mons­ter­ro­cker Lor­di in die Que­re kamen, reich­te es ledig­lich für einen schwa­chen Rang 54 in den deut­schen Ver­kaufs­charts.

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ESC 2. Semi 2008: Pira­te Ladies of the Sea

Logo des Eurovision Song Contest 2008 (1. Semi)
Das Eis­kunst­lauf­jahr

PORTUGAL!!! PORTUGAL!!! PORTUGAL!!! Ich muss um Ver­zei­hung bit­ten, aber ich schrei­be die­se Zei­len noch ein wenig im Über­schwang der Gefüh­le. Das letz­te Mal, dass so viel Adre­na­lin durch mei­ne Adern floss wie vor der Ver­kün­dung des zehn­ten und letz­ten Fina­lis­ten am Ende der zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de in Bel­grad gera­de eben, sprang ich an einem Bun­gee-Seil 50 Meter in die Tie­fe. Hät­te der Name in dem aller­letz­ten Umschlag, den die Mode­ra­to­rin Jova­na Jan­ko­vić nach end­lo­sen Minu­ten hoch­ge­koch­ter Span­nung ver­las, nicht “Por­tu­gal” gelau­tet, wäre es in der Bel­gra­der Hal­le wohl zu gewalt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen gekom­men. Und hier zu Hau­se vor mei­nem Com­pu­ter­bild­schirm (dazu gleich mehr) auch!

Wei­ter­le­senESC 2. Semi 2008: Pira­te Ladies of the Sea