San Mari­no 2020: In the Dis­co

Es scheint grund­sätz­lich nur zwei Arten von Men­schen erlaubt zu sein, das klei­ne San Mari­no beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu ver­tre­ten, und die hei­ßen ent­we­der Valen­ti­na Monet­ta oder S**h*t. Der sexy Dis­co-Dad­dy Ser­hat war bereits letz­tes Jahr an der Rei­he, daher hol­te SMTV heu­er Sen­hit Zadik Zadik aus der Ver­sen­kung. Die lang­weil­te uns 2011 in Düs­sel­dorf mit dem super­sprö­den ‘Stand by’ zu Tode, da noch unter dem Namen Senit, und schied zu Recht im Semi aus. Für Rot­ter­dam lern­te sie zumin­dest aus ihren Feh­lern und ver­sucht es heu­er mit dem­sel­ben Rezept wie ihr erfolg­rei­cher Vor­gän­ger: mit der guten, alten Dis­co! Yay! Um etwas künst­li­chen Hype zu erzeu­gen, ver­an­stal­te­te die im ita­lie­ni­schen Bolo­gna auf­ge­wach­se­ne Sän­ge­rin auf ihrer Inter­net­sei­te gar noch einen klei­nen Instant-Vor­ent­scheid, bei dem sich inter­es­sier­te Fans einen Tag lang zwi­schen zwei Bei­trä­gen ent­schei­den konn­ten: dem ver­gleichs­wei­se lah­men Mid­tem­po­ti­tel ‘Obses­sed’ und dem glück­li­cher­wei­se sieg­rei­chen, herr­lich bil­li­gen Dis­co-Ban­ger ‘Fre­aky’. Manch­mal kommt das Bes­te halt tat­säch­lich zum Schluss!

Den täto­wier­ten Tän­zer aus dem Clip bit­te unbe­dingt nach Rot­ter­dam mit­neh­men, Sen­hit!

Fes­ti­val da Canção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweit­bes­te ist immer das Erst­schlech­tes­te. Die­se Lek­ti­on lehr­te uns (mal wie­der) das gest­ri­ge Fina­le des Fes­ti­val da Canção, bei dem sich in der Abstim­mung Publi­kum und Jurys nicht eini­gen konn­ten und in Fol­ge des­sen sich die in bei­den Votings ledig­lich Zweit­plat­zier­te Eli­sa Sil­va durch­set­zen konn­te. Mit einer für mei­ne Ohren graus­lich gesun­ge­nen, stein­schwe­ren Bal­la­de namens ‘Medo de Sen­tir’ (‘Angst vor dem Gefühl’), mit denen sich das Urlaubs­land mal wie­der als aus­sichts­rei­cher Bewer­ber für den letz­ten Platz im ESC-Semi­fi­na­le in Stel­lung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertra­gen­de, depres­si­ve Geflen­ne der aus Madei­ra stam­men­den Künst­le­rin im dies­jäh­ri­gen, sich gera­de zum ein­schlä­fernds­ten Euro­vi­si­ons­jahr­gang seit 1961 ent­wi­ckeln­den Oze­an der Jam­mer­bal­la­den voll­kom­men unter­geht. Im FdC-Fina­le belei­dig­te Eli­sa zudem mit einem Büh­nen­fum­mel aus der Abtei­lung “Fest­li­che Abend­ro­be für die Dame ab Hun­dert”, bestehend aus einer über alle Maßen puf­fi­gen, bei­gen Blu­se und einem boden­lan­gen Rock aus dem­sel­ben auber­gi­ne­far­be­nen Glit­zer­stoff, aus dem auch das Kleid der sie beglei­ten­den Pia­nis­tin genäht war, die Augen des mode­be­wuss­ten Publi­kums. Ohren- und Augen­krebs in nur einem Auf­wasch, ergänzt von dem drin­gen­den Wunsch, sich das Leben neh­men wol­len ange­sichts des gan­zen Elen­des, das muss Por­tu­gal erst mal jemand nach­ma­chen.

Pao­la hat ange­ru­fen und will ihren Kla­mot­ten­ge­schmack zurück: Eli­sa Sil­va.

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DMGP 2020: Run­ning sca­red

Vor kom­plett lee­ren Rän­gen fand das däni­sche Melo­di Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen end­gül­tig genug gehabt hät­ten von dem faden Musik­brei, denen ihnen der ver­ant­wort­li­che Sen­der DR Jahr für Jahr dort kre­denzt, und den Vor­ent­scheid boy­kot­tiert hät­ten. Viel­mehr ent­schied die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche däni­sche Minis­ter­prä­si­den­tin Met­te Fre­de­rik­sen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der gras­sie­ren­den Coro­no­vi­rus-Hys­te­rie alle öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen mit mehr als tau­send Zuschauer:innen zu unter­sa­gen. Nun hat­te der Sen­der die das rund Zehn­fa­che fas­sen­de Roy­al Are­na in Kopen­ha­gen bereits gebucht, die Pro­ben schon durch­ge­führt. Eine Ver­le­gung der Sen­dung schied aus ter­min­li­chen Grün­den aus, und so ent­schied man sich für eine Geis­ter­show in einer lee­ren Hal­le. Was einen beson­ders iro­ni­schen Biss dadurch erhält, dass die zehn aus­ge­wähl­ten Wett­be­werbs­ti­tel sich – wie für das Land üblich – als musi­ka­lisch der­ar­tig ste­ril erwie­sen, dass kein noch so bös­ar­ti­ges Virus dage­gen eine Chan­ce beses­sen hät­te. Tra­di­tio­nell sor­tier­te ein ers­tes 50/50-Voting alle Bei­trä­ge weg, die auch nur in Spu­ren­ele­men­ten Leben besa­ßen. Unter den fürs Gold­fi­na­le ver­blie­be­nen Drei stimm­ten die dort allei­ne ent­schei­dungs­be­rech­tig­ten Dän:innen dann wenig über­ra­schend für das hete­ro­se­xu­el­le Pär­chen und das Seich­tes­te aller DMGP-Lie­der.

Ell & Nik­ki rel­oa­ded: Ben & Tan sagen ‘Yes’ zuein­an­der. 

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Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein ein­zi­ges gott­ver­damm­tes Pünkt­chen trenn­te am Ende einer ner­ven­auf­rei­ben­den Abstim­mung beim dies­jäh­ri­gen Melo­di­fes­ti­va­len die Sie­ge­rin­nen von der Fan-Favo­ri­tin. Immer­hin war es hier nicht die Schuld der inter­na­tio­na­len Jury: die zeig­te sich näm­lich genau so gespal­ten wie das Publi­kum und bedach­te bei­de Betei­lig­ten mit der exakt glei­chen Stim­men­zahl. So, dass es allei­ne den schwe­di­schen Televoter:innen oblag, für Klar­heit zu sor­gen. Und die ent­schie­den sich mit einem wirk­lich nur hauch­dün­nen Vor­sprung von 0,1% der abge­ge­be­nen Stim­men für The Mamas, den Begleit­chor des Vor­jah­res­ver­tre­ters John Lundvik, die heu­er, geschrumpft vom Quar­tett zum Trio, selbst ange­tre­ten waren im Kampf um die Fahr­kar­te nach Rot­ter­dam. Sel­bi­ge ergat­ter­ten die drei schwar­zen, stimm- wie figur­ge­wal­ti­gen Diven Lou­lou Lamot­te (wenn das kein fabel­haf­ter Drag-Name ist!), Ash­ley Hay­nes und Dinah Yonas Man­na mit ihrem uplif­ten­den Gos­pel-Pop­song ‘Move’ und einer simp­len, aber vor schie­rer Ener­gie und posi­ti­ver Aus­strah­lung nur so bers­ten­den Büh­nen­show. Und spä­tes­tens, als nach der Tro­phä­en­über­ga­be durch Lundvik bei der Sie­ger­re­pri­se bei einer der Drei­en die Freu­den­trä­nen flos­sen und ihr vor Gerührt­heit kurz die Stim­me ver­sag­te, muss­te jedem, der ein Herz besitzt, die­ses augen­blick­lich dahin schmel­zen.

Three Tons of Fun: die abso­lut ado­rablen Mamas.

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UMK 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Ein ereig­nis­rei­cher Super­sams­tag, der letz­te der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020, liegt hin­ter uns, mit Ent­schei­dun­gen in drei skan­di­na­vi­schen Län­dern und in Por­tu­gal. Und fast über­all kam es zu tota­len Kata­stro­phen sowie erneut zum Beweis, dass Jurys elen­de Wich­ser sind, die nie­mand braucht. Den schlimms­ten Ver­lust gab es bei der Uuden Musii­kin Kil­pai­lu zu bekla­gen. Nach zwei eher mäßi­gen Ergeb­nis­sen mit vom Sen­der vor­her­be­stimm­ten Interpret:innen hat­te sich YLE ent­schie­den, in die­sem Jahr wie­der einen offe­nen Vor­ent­scheid mit sechs Teilnehmer:innen zu ver­an­stal­ten. Und seit der Ver­öf­fent­li­chung aller sechs Bei­trä­ge vor gerau­mer Zeit stand fest, dass Finn­land bei die­ser UMK nur einen ein­zi­gen Job zu erle­di­gen gehabt hät­te; näm­lich die in sämt­li­chen inter­na­tio­na­len Fan-Polls haus­hoch füh­ren­de Eri­ka Vik­man und ihre (zuge­ge­be­ner­ma­ßen insze­na­to­risch aus­bau­fä­hi­ge) her­aus­ra­gen­de femi­nis­ti­sche Hym­ne ‘Cic­cio­li­na’ nach Rot­ter­dam zu ent­sen­den, in wel­cher die Inter­pre­tin die real exis­tie­ren­de ehe­ma­li­ge Por­no­dar­stel­le­rin und ita­lie­ni­sche Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te Ilo­na Stal­ler ali­as Cic­cio­li­na für ihre Rol­le als Vor­kämp­fe­rin der lust­vol­len sexu­el­len Selbst­be­stim­mung und Selbst­er­mäch­ti­gung von Frau­en abfei­er­te.

Da steppt der Bär: Eri­ka Vik­mann in Beglei­tung ihrer bei­den Kuschel­ted­dys.

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HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

Ein ech­tes Novum bescher­te uns ges­tern Abend das israe­li­sche Fern­se­hen bei der Aus­wahl des Songs für sei­ne schon län­ger fest­ste­hen­de Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­tin Eden Ale­ne, der Sie­ge­rin der wie jedes Jahr gefühlt über meh­re­re hun­dert Run­den lau­fen­den Cas­ting­show HaKok­hav HaBa 2020. Vier Lie­der stan­den für die 19jährige mit den äthio­pi­schen Wur­zeln bei der etwas über ein­stün­di­gen Aus­wahl­show HaS­h­ir HaBa zur Aus­wahl: eine Bal­la­de und drei for­mi­da­ble Pop-Ban­ger. Die Chan­ce, es zu ver­sau­en, lag also rein rech­ne­risch bei nur 25%, und zu mei­nem gro­ßen Erstau­nen zogen die Israe­lis die­se Opti­on nicht (auf­ge­merkt, Mol­da­wi­en und Rumä­ni­en!). Die mit 60% Ent­schei­dungs­ge­walt aus­ge­stat­te­ten, auf meh­re­re Grup­pen auf­ge­teil­ten Jurys stimm­ten mehr­heit­lich für den Titel ‘Roots’, der sozu­sa­gen als akus­ti­sches Gim­mick mit einer zwei­ten Sän­ge­rin arbei­te­te, die mit stark ver­zerr­ter Stim­me aggres­siv ins Mikro bell­te, was aber tat­säch­lich ziem­lich gut kam. Das sehr ein­deu­tig aus­ge­fal­le­ne Publi­kums­vo­ting gab jedoch den Aus­schlag für ‘Feker Libi’, einen vier­spra­chi­gen Uptem­po­song in Eng­lisch, Hebrä­isch und Ara­bisch mit einem amha­ri­schen Titel (eine Euro­vi­si­ons­pre­mie­re) aus der Feder der Kom­po­nis­ten Doron Meda­lie (‘Gol­den Boy’, ‘Toy’) und Idan Rai­chel, Star­gast beim ESC 2019 in Tel Aviv.

Haba haba’, nur in ver­dammt gut!

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Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kom­men wie ein Wir­bel­wind über Euro­pa, die drei ser­bi­schen Pop-Köni­gin­nen Iva­na Niko­lić, Kse­ni­ja Kneže­vić (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Büh­ne stand) und San­ja Vučić (‘Shel­ter’), wel­che gemein­sam die (übri­gens wirk­lich nach zwei tro­pi­schen Orka­nen benann­te) Girl­group Hur­ri­ca­ne bil­den. Als haus­ho­he Favo­ri­tin­nen gin­gen sie im Fina­le der Beo­vi­zi­ja 2020 am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ins Ren­nen, und haus­hoch räum­ten sie im Tele­vo­ting ab. Selbst die Jury, die sich ansons­ten bei so gut wie kei­nem der elf Kon­kur­renz­ti­tel mit dem Publi­kum auch nur im Ent­fern­tes­ten einig zeig­te, ergab sich kampf­los und schob den drei Glit­ze­rel­sen die Höchst­wer­tung rüber, wohl um einen Volks­auf­stand zu ver­hin­dern. Und das mit Recht: ‘Has­ta la Vis­ta’ (ser­bi­scher Text, spa­ni­sche Hook­li­ne) über­zeugt als erfri­schend bil­li­ger, extrem hart boun­cen­der, unwi­der­steh­li­cher Hands-in-the-Air-Euro­club­kra­cher, der ein­fach ohne Ende Spaß macht. Er lebt neben der elek­tro­brass­las­ti­gen Instru­men­tie­rung vor allem von der selbst­be­wuss­ten In-your-Face-Atti­tü­de der drei sen­sa­tio­nel­len Euro­vi­si­ons­di­ven, die in ihren fut­ti­gen Glit­ze­rout­fits, nut­ti­gen High Heels und mit im Wind­ma­schi­nen­sturm wehen­den Haa­ren wun­der­bar tra­shig aus­sa­hen, dazu jedoch der­ma­ßen domi­nan­te Bli­cke in die Kame­ra schick­ten, dass sofort klar wur­de: die­se drei star­ken Frau­en sind ange­tre­ten, um in Rot­ter­dam zu regie­ren!

Ich dreh mich in der Müh­le / der stür­mi­schen Gefüh­le: so ein Hur­ri­ca­ne.

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Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Die unin­ter­es­san­tes­te Vor­ent­schei­dung der gesam­ten Sai­son 2020 ging am letz­ten Super-Sams­tag in Buzău in der Wala­chei über die Büh­ne. In das Hun­dert­tau­send-Ein­woh­ner-Städt­chen hat­te der unter extre­men Geld­nö­ten ste­hen­de rumä­ni­sche Sen­der TVR die Sel­ecția Națio­nală ver­legt, weil der dor­ti­ge Bür­ger­meis­ter die Kos­ten der kom­plet­ten Sen­dung aus der Gemein­de­kas­se über­nahm. Aus peku­niä­ren Grün­den erfolg­te auch die Zusam­men­ar­beit mit dem größ­ten ein­hei­mi­schen Plat­ten­la­bel Glo­bal Records, das mit der vor­ab zur Allein­in­ter­pre­tin bestimm­ten 20jährigen Lari­sa Roxa­na Giur­giu ali­as Roxen immer­hin einen der aktu­el­len Top-Stars des Lan­des bei­steu­er­te. Für näm­li­che Roxen galt es nun, unter fünf bereits vor Tagen ver­öf­fent­lich­ten Lie­dern aus­zu­wäh­len; samt und son­ders musi­ka­lisch völ­lig nichts­sa­gen­den, mit elek­tro­ni­schen Sounds voll­ge­stopf­ten Mid­tem­po-Num­mern, von denen nicht eine irgend­wie im Gehör­gang hän­gen blie­be. Am Ende sieg­te bei Jury und im Tele­vo­ting glei­cher­ma­ßen der von der Inter­pre­tin selbst erkenn­bar bevor­zug­te und auch in den meis­ten Fan-Foren vor­ab favo­ri­sier­te Song: die auf einem Wort­spiel mit “I’ll call you” basie­ren­de Mid­tem­po­bal­la­de ‘Alco­hol you’, in wel­cher die Prot­ago­nis­tin von nächt­li­chen Ver­zweif­lungs­an­ru­fen bei ihrem Ex im besof­fe­nen Zustand erzählt.

Ver­gaß im Alko­hol­stu­por sogar ihre Unter­wä­sche: Roxen. Und ehe Sie fra­gen: nein, den Song kann man sich nicht schön­trin­ken. Es wird nur noch schlim­mer. Für Sie getes­tet, damit Sie es nicht tun müs­sen.

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Söng­vakepp­nin 2020: Who’s my Dad­dy?

Wie bereits im Vor­jahr, als sich beim islän­di­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Söng­vakepp­nin alles um einen ein­zi­gen Namen dreh­te, näm­lich um Hata­ri, stand auch 2020 alles im Schat­ten der Fra­ge: schafft es Daði Freyr Péturs­son dies­mal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem groß­ar­ti­gen ‘Is it Love?’, erneut geschla­gen geben? Die gute (und bereits seit Sams­tag­nacht bekann­te) Nach­richt: er schaff­te es! Gemein­sam mit sei­ner fünf­köp­fi­gen Begleit­band Gagna­ma­gnið (in etwa: Daten­vo­lu­men) konn­te er die fan­tas­tisch coo­le Retro-Syn­thie-Num­mer ‘Think about Things’ zum Sieg füh­ren, um die schon vor gut zwei Wochen ein Inter­net-Hype los­brach, nach­dem Daði den dazu­ge­hö­ri­gen, extrem selbst­iro­ni­schen Video­clip ver­öf­fent­lich­te und Pro­mi­nen­te wie Rus­sell Cro­we oder Jan Böh­mer­mann sel­bi­gen via Twit­ter ver­brei­te­ten. Es blie­ben die ban­gen Fra­gen: funk­tio­niert der Song auch live? Und wird das stets für eine Über­ra­schung gute islän­di­sche Publi­kum nicht doch lie­ber die blin­de Íva Marín Adri­chem mit ihrem eben­falls selbst­iro­nisch beti­tel­ten New-Age-Gejau­le ‘Ocu­lis vide­re’ (‘Augen kön­nen sehen’) nach Rot­ter­dam ent­sen­den, wo die klas­sisch aus­ge­bil­de­te Sän­ge­rin ohne­hin stu­diert?

Zu Recht gelobt: ich kann mir den Clip hun­dert­mal anschau­en und wer­fe mich immer wie­der weg.

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Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Für eine sehr klas­si­sche, herz­zer­rei­ßen­de Bal­kan-Schmer­zens­bal­la­de ent­schie­den sich die Kroat:innen am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend im Rah­men des klas­si­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dungs­for­mats Dora und bestä­tig­ten damit ein­mal mehr ihren Ruf als kon­ser­va­ti­ve Grand-Prix-Nati­on. Denn musi­ka­lisch könn­te das schmalz­trie­fen­de, gei­gen­ge­sät­tig­te ‘Divlji Vjet­re’ (‘Rau­er Wind’) mit­samt sei­ner etwas über­ra­schend an der Stel­le, an der man das Lied eigent­lich zu Ende wähnt, dran­ge­schraub­ten Rückung auch im Jah­re 1990 ange­sie­delt sein. Oder 1960. Lyrisch war es viel­leicht nicht die geschick­tes­te Wahl für den im Früh­lings­mo­nat Mai in Rot­ter­dam statt­fin­den­den Haupt­wett­be­werb, denn der in schwar­zer Trau­er­klei­dung auf­tre­ten­de Damir Kedžo, einst­mals Kir­chen­chor­kna­be und spä­ter Boy­band-Mit­glied, greift dar­in zur Umschrei­bung sei­nes Tren­nungs­schmer­zes zu düs­te­ren Meta­phern von die Bäu­me ent­lau­ben­den Herbst­stür­men und win­ter­li­chem Eis­re­gen. Doch auch, wenn die meis­ten Europäer:innen man­gels Kroa­tisch­kennt­nis­sen Damirs Wor­te nicht ver­ste­hen, las­sen uns die apart anzu­schau­en­den, stets bedroh­lich vor dem Plat­zen ste­hen­de Adern auf sei­nen aus­ra­sier­ten Schlä­fen instink­tiv die Dra­ma­tik der Situa­ti­on erfas­sen. Und natür­lich möch­te man den attrak­ti­ven Inter­pre­ten umge­hend trös­tend in die Arme neh­men.

Letz­te Anstren­gung: Damir und sein Damen­chor las­sen die Gefüh­le auf­wal­len. Trau­ri­ge und… nicht so trau­ri­ge.

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