Ave, Cesár: Österreich setzt 2018 auf Erfahrung

Ebenfalls noch nachzureichen ist die mittlerweile leider schone eine Woche alte Meldung (sorry, Winterdepression!) über unser sympathisches kleines Nachbarland Österreich. Das hat es sich im Gegensatz zum NDR in Eurovisionsdingen heuer mal wieder leicht gemacht und seinen Repräsentanten intern bestimmt. Und warum auch nicht? Der vom ORF damit beauftragte Talentescout Eberhard Forcher wählte nämlich offensichtlich klug und entschied sich für den 34jährigen Songschreiber, Produzenten und Sänger Cesár Sampson als Vertreter des Alpenstaates in Lissabon. Und auch, wenn dessen Namen bis dahin sicherlich die wenigsten Österreicher kannten, lag seine Nominierung auf der Hand: kann der großgewachsene, schmuck anzuschauende Bariton, der laut ORF schon Teil des Teams Conchita (→ AT 2014) war, doch einige Grand-Prix-Erfahrung vorweisen und stand er sogar selbst schon auf der Eurovisionsbühne, als Backing nämlich für die fabelhafte Poli Genova (→ BG 2016). Und auch ihren Nachfolger, den Silbermedaillengewinner Kristian Kostov (→ BG 2017) unterstützte er vor Ort als Chorsänger sowie, noch entscheidender, als Stimmlehrer (oder, wie es neudeutsch heißt: Vocal Coach).

Hallo, Cesár! Ich hoffe nur, Du nimmst Dir kein schlechtes Vorbild an dem anderen ESC-Cezar (RO 2013) und rasierst vor dem Auftritt Dein Dekolleté!

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AU 2018: Mauboy, Mauboy, you can call her Mauboy

Beim Eurovision Song Contest 2014 trat sie als Pausenact im zweiten Semifinale auf und warb damit um die Teilnahme Down Unders an den europäischen Gesangsfestspielen. Und das offensichtlich mit Erfolg: seit 2015 darf Australien jedes Jahr „als Gast“ auf Einladung der EBU starten, das Thema der von den Aussies angestrebten Dauerteilnahme steht laut ESC-Chef Jan Ola Sand aktuell erneut auf der Agenda. Wohl auch, um die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu unterstreichen, schickt die Mates nun ihre damalige singende Botschafterin nach Lissabon: die wie alle ihre Vorgänger/innen intern bestimmte Jessica Mauboy wird den ozeanischen Kontinent beim Grand Prix 2018 vertreten. Die 26jährige erlangte durch die Castingshow Australian Idol Bekanntschaft, die sie 2006 als Zweitplatzierte abschloss. Seither veröffentlichte sie drei Studioalben und zahlreiche Hitsingles, schwerpunktmäßig aus den Bereichen glattgebügelter Bollerbeat-RnB und autogetunte Bollerbeat-Popballade, wie sie viele jüngere Menschen schätzen und lebenserfahrenere Menschen eher schulterzuckend zurücklassen. Wie Jessicas Eurovisionsbeitrag klingt, bleibt abzuwarten: bislang ist ihr Wettbewerbssong noch nicht bekannt. Wie schon ihre drei Vorgänger/innen stammt auch Mauboy nicht von den auf dem Kontinent vorherrschenden Nachfahren europäischer Einwanderer ab, sondern verfügt über indonesische und Aborigine-Wurzeln. Diese Tradition ist kein Wunder: handelt es sich bei dem für die Eurovisionsteilnahme verantwortlichen öffentlich-rechtlichen Sender SBS doch um das australische Minderheitenprogramm. Ein „yay!“ also für die Vielfalt und ein „mmmhhh“ in Sachen Musik.

Den blonden Surferboy fand ich als Werbefigur ehrlich gesagt überzeugender als die grobstimmige Sirenenquetsche Mauboy. 

Was hältst Du von Frau Mauboy als australische Vertreterin 2018?

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Never mind the Bollocks: singt der Sex-Pistols-Frontmann für Irland?

Schon seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, der ehemalige Frontmann der britischen Punkband The Sex Pistols (‚Anarchy in the UK‘, ‚God save the Queen‘), Johnny Rotten, zeige Interesse, die altehrwürdige Grüne Nachbarinsel beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon zu vertreten. Der irische Ableger des Revolverblattes The Sun konkretisierte das heute: danach habe sich der heimische Komponist Niall Mooney, unter anderem beteiligt an dem Eurovisionsbeitrag ‚It’s for you‘ von Niamh Kavanagh (→ IE 2010), mit einem von ihm verfassten Song namens ‚Pleased to meet you‘ beim Sender RTÉ für den Grand-Prix-Vorentscheid beworben. Mooney beschreibt die Stilrichtung seines Liedes als „Cowpunk“, einen „catchy“ Mix aus Country und Punk. Wie er der Zeitung verriet, habe seine Frau ihn auf die Idee gebracht, den mittlerweile 61jährigen, früheren Punk-Sänger und zwischenzeitlichen Dschungelcamp-Teilnehmer (bürgerlicher Name: John Lydon) als Interpreten anzufragen. Und der sagte gerne zu: „Es wäre mir eine große Ehre, Irland beim Eurovision Song Contest zu vertreten,“ äußerte er sich gegenüber der Sun. Rotten würde den von Mooney geschriebenen Titel mit seiner Formation Public Image Ltd. (Hit aus dem Jahre 1983: ‚This is not a Love Song‘) präsentieren, falls RTÉ ihn für den Vorentscheid auswählt, was bei Weitem noch nicht sicher ist. Die Sun zitiert einen anonym bleibenden Sender-Mitarbeiter mit den entsetzten Worten: „Das könnte für Irland schlimmer werden als Dustin the Turkey. Dessen katastrophal gescheiterter Versuch einer Grand-Prix-Parodie beim ESC von 2008 scheint noch heute als nationales Trauma nachzuwirken. Mooney, der nach eigener Aussage vor Kurzem an einem Eurovisionsworkshop des Senders teilnahm, widerspricht: „RTÉ empfahl uns doch, Sänger zu finden, die es gewohnt sind, vor großem Publikum zu spielen, sowie einen eingängigen Song und vor allem etwas Unerwartetes, das es so beim Contest noch nicht gab“. Auch Johnny Rotten, in London geborener und aufgewachsener Sohn eingewanderter irischer Eltern, der sich laut Wikipedia unlängst im Frühstücksfernsehen als Trump- und Brexit-Supporter outete, hält sich für die richtige Wahl: „Als amerikanisch-englischer Ire bin ich vollumfänglich qualifiziert, weitgereist, voll dabei und bereit“. Na dann!

Ein Liebeslied wird Johnnys irischer Vorentscheidungsbeitrag ‚Pleased to meet you‘ sicher auch nicht (Repertoirebeispiel).

Johnny Rotten für Irland? Das wäre...

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Die Niederlande schicken den waschaversen Waylon

Mit einem auf dem sendereigenen Youtube-Kanal eingestellten Teaservideo streute das niederländische Fernsehen heute früh Hinweise auf den erneut intern bestimmten Vertreter des Landes beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Der aus der Ich-Perspektive gefilmte Clip verfolgt einen tätowierten Mann, der nach einer offensichtlich rauschenden Partynacht langsam zu sich kommt und sich seinen Weg durch einen wüsten Haufen noch immer weggetretener, hauptsächlich weiblicher Schönheiten und leerer Schnapsflaschen in Richtung Toilette und Küche bahnt. Dabei schafft es der anonym bleibende Hauptdarsteller, sich innerhalb von nur zwei Minuten gleich dreifach auf unverzeihliche Weise unsympathisch darzustellen: erst wäscht er nach dem Kacken nicht die Hände, dann benutzt er umweltschädliche Kaffeekapseln, und schließlich schmiert er sich ein Erdnussbutterbrötchen – ohne Butter darunter! Würg! Das Video endet mit der Anbetung eines Hutes, wie wir ihn in dieser Form schon einmal beim Eurovision Song Contest 2014 auf dem Kopf eines Teilnehmers gesehen haben. Und richtig: heute Mittag bestätigte eurovision.tv, dass der holländische Country-Sänger Willem Bijkerk alias Waylon als Repräsentant seines Landes auf die Grand-Prix-Bühne zurückkehren wird. Auf Ilse de Lange, mit welcher er damals das zweitplatzierte und nicht all zu lange nach dem Contest aufgrund persönlicher und künstlerischer Differenzen wieder aufgelöste Duo Common Linnets formte, und gegen die er im Clip mit einer fingierten Handy-Message einen Seitenhieb austeilte, müssen wir allerdings verzichten. Die hätte neben Waylons aufgeblasenem Ego wohl auch mittlerweile einfach keinen Platz mehr auf der Bühne. Zum niederländischen Song äußerte sich der Sender noch nicht.

Verbreitet gerade seine Fäkalbakterien auf der Tastatur: der niederländische Vertreter Waylon.

Waylon für die Niederlande. Das ist...

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Aserbaidschan avisiert die anmutige Ambient-Aisel

Wie der Prinz-Blog heute Mittag unter Bezug auf eine äußerst dürre Pressemitteilung des aserbaidschanischen Senders Ictimai rapportierte, wird die 28jährige Jazzinterpretin Aisel das Land des Feuers in Lissabon vertreten. Und nein, es handelt sich hierbei nicht etwa um die Wiederkehr von Aysel Teymurzadə, die im Jahre 2009 als eine Hälfte des aserbaidschanischen Alliterations-Duos AySel & Arash mit dem Titel ‚Always‘ nach A-Benotungen fischte. Mitnichten! Die diesjährige Aysel (augenscheinlich am Kaspischen Meer ein ebenso häufig vorkommender Frauenname wie Sopho in Georgien) hört auf den Nachnamen Məmmədovadır und führt, um alle etwaigen Verwechslungen auszuschließen, im Künstlernamen das „I“ anstelle des „Y“. Ist also doch ganz einfach, oder? Dem von den Prinzen aufgestöberten Youtube-Kanal der bislang fast ausschließlich auf Jazz-Festivals Aufgetretenen nach zu urteilen, verfügt die ebenfalls als Komponistin Tätige außerdem über ein exzellentes Händchen für Ambient, so dass hinsichtlich des aserbaidschanischen Lieds für Lissabon durchaus mit etwas experimentelleren Sounds gerechnet werden darf. Außer natürlich, Ictimai TV kauft wieder in Schweden irgendwas von der Stange und lässt es Aisel singen. Wäre aber schade um das offensichtliche Talent. Wann und in welcher Form Aisels Beitrag ausgewählt wird, darüber schwieg sich die Meldung indes aus.

Aisel mit einer selbst komponierten Plinker-Plonker-Ballade. Beachtlich hierbei die exzellente Aussprache des Englischen, der eurovisionäre Einsatz der Windmaschine und der dekorative Gitarrist (Repertoirebeispiel).

Saara Aalto fix für Finnland

Wie das finnische Fernsehen YLE heute überraschend bekanntgab, ist die dreißigjährige Sängerin und Songschreiberin Saara Aalto als Repräsentantin ihres Landes beim Eurovision Song Contest 2017 in Lissabon gesetzt. Das skandinavische Land, das bislang seine/n Vertreter/in stets über einen öffentlichen Vorentscheid bestimmte, bricht damit mit seiner Tradition. Nur für Saaras Beitrag bleibt es bei der Publikumsbeteiligung: am 3. März 2018 sollen die Zuschauer/innen bei der zur reinen Liedauswahl reduzierten Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) entscheiden, mit welchen von drei speziell für sie komponierten Songs sie ihre Heimat vertritt. Die, wie die Prinzen vermerken, offen lesbische Doppel-Aa-Sängerin versuchte es bereits dreimal ohne Erfolg beim finnischen Vorentscheid, zuletzt 2016, wo sie mit dem zweiten Platz hinter Sandhja (→ FI 2016) ein für sie typisches Ergebnis erzielte: auch bei den Castingshows The Voice (Finnland) und X Factor (Großbritannien), mit welcher sie eine breite Bekanntheit und einen Plattenvertrag im Vereinigten Königreich ergatterte, schaffte sie jeweils die Silbermedaille. Zuletzt spekulierten britische Boulevardblätter, dass die BBC ihr eine Teilnahme am Vorentscheid der europaabtrünnigen Insel angetragen habe, was sich nach der heutigen Verkündigung indes wohl erledigt haben dürfte. Oder nutzte das kluge Kind das X-Factor-Momentum und angebliche britische Angebot gar, um ihrem Heimatsender YLE die Pistole auf die Brust zu setzen? Eurofire zufolge bezeichnete sie sich in der heutigen Pressekonferenz jedenfalls als „das glücklichste Mädchen überhaupt“, zumal sie den Song Contest „schon immer geliebt“ habe. Und welches Ziel verfolgt Saara in Lissabon? Gegenüber eurovision.tv sagte sie selbstironisch: „Natürlich trete ich mit der Einstellung an, dass ich den Eurovision Song Contest gewinnen kann – oder wenigstens Zweite werde! Darin bin ich zweifellos sehr gut“. Ha – ich mag das Mädel!

Saara mit dem einigermaßen erträglichen Dance-Remix ihrer leider todlangweiligen UMK-Ballade ‚No Fear‘.

Saara Aalto fix für Finnland. Was sagst Du dazu?

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Click me with your Mouse: San Marino sucht im Internet

Bis vor Kurzem stand eine weitere Beteiligung des innerhalb Italiens liegenden Mikrostaates San Marino beim Eurovision Song Contest noch völlig in den Sternen: zu verärgert schien man beim dortigen Sender SMTV über das angeblich ungerechte Votingverfahren beim europäischen Wettsingen, und zu ernüchternd fiel die Bilanz für das von Fans angesichts der kompositorischen Dauerpräsenz einer gewissen Münchener Grand-Prix-Legende bereits in „San Siegelino“ umgetaufte Mini-Land aus, das bei bislang insgesamt acht Eurovisionsteilnahmen ganze sieben Mal im Semi scheiterte, zuletzt spektakulär mit nur einem armseligen Midleidspünktchen für Valentina Monettas Disco-Versuch ‚Spirit of the Night‘. Doch heute verkündete SMTV auf einer Pressekonferenz nicht nur, dass die Winzrepublik in Lissabon am Start sein wird, sondern auch eine kleine Revolution: erstmalig wollen die sonst stets intern ihre/n Vertreter/in bestimmenden Sanmarinesen einen öffentlichen Vorentscheid durchführen. Und weil in dem 33.000 Einwohner/innen starken Miniaturstaat so viele potentielle Kandidat/innen nicht residieren, erinnerte man sich an die von San Marinos Haus- und Hof-Repräsentantin bereits 2012 so herrlich besungene magische Kraft des Internets. 1in360 heißt das Format, und noch bis Ende November 2017 kann weltweit ein jeder, der möchte, dort einen Song (selbstverfasst oder Cover) hochladen, den SMTV nach entsprechender Vorprüfung ins Netz stellt. Aus den quälenden Erfahrungen der Schweizer/innen mit einem ähnlichen Verfahren, die mit teils unfassbarem Schrott (aber auch feinsten Perlen) nur so überschwemmt wurden, hat man in San Marino jedoch gelernt: nur wer mindestens 100 Likes zusammenbekommt, den hört sich die sendereigene Jury überhaupt an. Oder aber man zahlt eine Art von Vorab-Schmerzensgeld in Höhe von hierfür allerdings günstigen 4,99 €. Und hilft so der briefmarkengroßen Republik, ihre Eurovisionsteilnahme zu refinanzieren.

Nick erklärt, wie’s geht (und demonstriert ganz nebenbei die unangenehmen Nebenwirkungen übertriebenen Crystal-Meth-Konsums).

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BE 2018: Sennek singt kein Shalalie

Die Eurovisionssaison startet diesmal wirklich langsam: beinahe ist es schon Anfang Oktober, und jetzt erst steht die erste Teilnehmerin des Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon fest. Es handelt sich, wie heute Abend in einer TV-Show bekannt gegeben, um die vom flämischen Fernsehen intern ausgewählte und bislang nicht allzu bekannte Belgierin Laura Groeseneken. Die erzählt im Kurzinterview mit eurovision.tv denn sympathischerweise auch gleich mal, dass sie hauptberuflich bei IKEA arbeitet. Und tatsächlich führt der erste Link bei der Google-Suche auf ihr LinkedIn-Profil, das exakt diese Profession angibt, neben ihren Tätigkeiten als Vocal Coach und Komponistin. Über Bühnenerfahrung verfügt die 27jährige dennoch zuhauf: so tourte sie bereits als Begleitung des etablierten belgischen Sängers Piet Goddaer alias Ozark Henry durch Europa, der 2013 mit dem coldplayesken Duett ‚I’m your Sacrifice‘ einen Spitzenreiter im Nachbarland hatte und es damit auch in Italien in die Top Ten schaffte. Derzeit bastelt die klavierspielende Laura an ihrer Solo-Karriere und tritt dabei unter dem Namen Sennek auf. Eine Verwechslungsgefahr mit der holländischen Schlagertante Sienneke Peeters (→ NL 2010) dürfte dabei selbst für Grand-Prix-Fans nicht bestehen, singt Sennek doch keine Drehorgelschlager, sondern selbst geschriebenes, einschläfernd entkoffeiniertes Geplätscher, wie ihr aktueller Titel ‚Kaleidoscope‘ illustriert. Für den Wettbewerb in Portugal will sie ihr Lied selbst komponieren, und auch auf diesem Feld kann sie bereits Meriten vorweisen: so war sie kreativ an dem 2014er Titel ‚Gravity‘ der Band Hooverphonic beteiligt, der als Werbejingle für ein Parfüm Bekanntheit erlangte. Als eurovisionäres Vorbild nennt sie Jamalas düster-artifiziellen 2016er Siegersong ‚1944‘. Und wenn es eines gibt, was sie nicht kann, so verrät sie im eurovision.tv-Interview, dann ist es tanzen. Man kann also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass uns in diesem Jahr aus Belgien kein fröhlicher Uptempobeitrag erwartet. Ein wenig Geduld müssen wir indes aufbringen: Sennek möchte sich zum Komponieren Zeit lassen. Recht so: gut Ding will Weile haben.

Zu diesem Zeitpunkt knapp 400 Abrufe und 25 Likes: Lauras im März 2017 eingestelltes ‚Kaleidoscope‘ (Repertoirebeispiel). Ein richtig großer Star ist Laura also noch nicht…

Und? Erster Eindruck?

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Die Schweiz melodifestivalisiert ihren Vorentscheid

Es stand zu erwarten: nachdem das Schweizer Fernsehen sich im Juni 2017 als Reaktion auf die fast durchgehend schlechten Ergebnisse der Eidgenossenschaft beim europäischen Wettbewerb in den letzten Jahren einem Eurovisions-Workshop mit den schwedischen ESC-Produzenten Christer Björkman (→ SE 1992) und Martin Österdahl unterzog, präsentierte der SRF heute die wenig überraschenden Ergebnisse des gemeinsamen Brainstormings, welche unter anderem die Einführung einer internationalen Jury beinhalten, wie sie beim von Björkman verantworteten Melodifestivalen schon seit Jahren zum Einsatz kommt. Auch will man, dem deutschen Beispiel folgend, den Fokus bei der Beitragssuche stärker auf das Lied legen und zunächst mit Hilfe einer sowohl mit Musikschaffenden als auch mit Eurovisionsfans besetzten, rund zwanzigköpfigen Auswahljury voraussichtlich sechs möglichst wettbewerbsfähige Titel für die Entscheidungsshow am 4. Februar 2018 finden.

Der schweizerische Bibo von 2017 musste im Semifinale Federn lassen.

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Neues von Damals: Lugano zahlte für den ersten ESC

Womit wäre die eurovisionäre Sommerpause besser zu überbrücken als mit Meldungen aus der reichhaltigen Geschichte des Wettbewerbs? So ist es dem schottischen Eurovisionsfan David A. Allen nach hartnäckigem Drängen gelungen, lange Zeit verschollene Dokumente aus dem Stadtarchiv von Lugano auszugraben, wo 1956 die Premiere des europäischen Gesangswettbewerbs über die Bühne ging. Und zwar deswegen, weil die Schweiz als neutrales Land im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb und seinerzeit über die intakteste und fortschrittlichste TV-Infrastruktur verfügte. Da der Song Contest auch eine Leistungsschau des Fernsehens sein sollte, fiel die Wahl beim konstituierende EBU-Eurovisions-Treffen in Rom im Oktober 1955 dementsprechend auf die Eidgenossen. Die gaben die Stafette an den Sender ihres italienischsprachigen Landesteils, Radio Svizzera Italiana (RSI) weiter, der den Unterlagen zufolge nicht nur das Sendeformat und die Regeln des Premierenwettbewerbs völlig eigenständig und ohne Vorgaben aus Genf entwickeln, sondern auch eine geeignete Location finden musste. Die größte Stadt des malerischen Tessin, eines der beiden italophilen Landesteile der Schweiz, griff dem Sender dabei großzügig unter die Arme: nicht nur stellte sie das Theatro Kursaal mit dem angeschlossenen Kasino für die Show und die After-Show-Party kostenlos zur Verfügung und organisierte verbilligte Hotelzimmer für die anreisenden Delegationen, sie steuerte auch 7.000 Schweizer Franken – und damit rund ein Siebtel der avisierten Kosten – zum Budget bei, seinerzeit eine Menge Geld (den Löwenanteil von 30.000 Franken teilten sich RSI und das Schweizer Fernsehen). Im Gegenzug versprach RSI der 60.000-Einwohner-Gemeinde eine Steigerung der touristischen Bekanntheit des grenznahen Seeanrainerstädtchens: „Der Name Lugano wird nicht nur in den nationalen Vorentscheidung Erwähnung finden – das TV-Finale wird die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen auf Lugano lenken,“ so stehe es in den Unterlagen.

(c) Vincenzo Vicari / David A Allen. Hier ein Foto vom Auftritt von Michele Arnauld (LU).

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Armenien 2017: Flying high in Yerevan

Der diesjährige Diva-Award für den unnötig dramatischsten Auftritt geht zweifelsfrei an Armenien: erst am gestrigen Samstag, sechs Tage nach der Deadline für das Einreichen der Wettbewerbsbeiträge für den Eurovision Song Contest 2017 bei der EBU, präsentierte das armenische Fernsehen den Song der bereits zu Weihnachten 2016 über eine monatelang laufende Castingshow als Repräsentantin des Landes ausgewählten Artsvik Harutyunyan endlich der bereits voller Ungeduld mit den Hufen scharrenden Weltöffentlichkeit. Hat sich das lange Warten auf ‚Fly with me‘, so der Titel des ethnolastigen Uptemposongs, mit dem alle 43 Lieder für Kiew nun komplettiert sind, denn wenigstens gelohnt? Nunja, bedingt. Zwar weiß das artifizielle Stück mit seiner spannenden und anspruchsvollen Mixtur aus orientalischen Anklängen und sphärischen Elektrosounds durchaus zu gefallen, gibt aber zugleich eine Art von Versprechen ab, das es nicht einzulösen vermag. Man hört irgendwie Ofra Haza (→ IL 1983) über die Tonspur von Loreens ‚Statements‘ (→ SE Vorentscheid 2017) singen, was zumindest erklärt, warum sich Artsvik das Melodifestivalen-Logo auf das Kleid nähen ließ, obschon ihr Beitrag nicht aus schwedischer Feder stammt, sondern vom selben heimischen Komponisten-Ehepaar, das bereits für ‚LoveWave‘ (→ AM 2016) und ‚I’m not alone‘ (→ AM 2014) verantwortlich zeichnete. Und man fühlt sich angenehm unterhalten, wartet zugleich jedoch die ganze Zeit darauf, dass es nun endlich richtig losgeht. Oder anders gesagt: der Song klingt wie ein dreiminütiges, hochgradig anregendes Vorspiel, das jedoch genau an der Stelle endet, wo es zum eigentlichen Geschehen überleiten sollte. Als Zuhörer fühlt man sich gewissermaßen angetriggert, aber dann um den Höhepunkt betrogen. Und das passt ja nun wieder zum divaesken Auftritt Armeniens.

Ein Meisterwerk der Haarkunst: Artsviks Teppichklopfer-Zopf und die Bärte ihrer Propheten (AM)

Bulgarien 2017: Generation Lys Assia

Heute gab der bulgarische Sender BNT endlich seinen Vertreter beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew bekannt, den erst siebzehnjährigen (und bedeutend jünger aussehenden) Kristian Kostov. Das Schockierende daran: der frühere Finalist der russischen Castingshow The Voice Kids (sein Mentor damals: Dima Bilan [→ RU 2006, 2008]) ist ein Kind dieses Jahrtausends, er kam am 15. März 2000 als Sohn eines bulgarischen Vaters und einer kasachischen Mutter zur Welt (und es nerve mich bitte niemand in den Kommentaren damit, dass das 21. Jahrhundert kalendarisch erst 2001 begonnen habe: das interessiert keine Sau!). Während lebensältere Grand-Prix-Fans wie der Blogger, die damit offiziell der Generation Lys Assia angehören, nun erst mal ihre Midlife-Crisis pflegen müssen, freut sich der Dreikäsehoch mit der charakteristischen Zahnlücke über seinen Song, wie er eurovision.tv verriet: „Beautiful Mess‘ ist mein erstes Lied mit einer tieferen Bedeutung. Meine Zukunftsvision ist es, dass meine Projekte tatsächlich Sinn machen, daher ist es für mich ein Schritt in die richtige Richtung“. Ein großer Schritt für ihn, ein kleiner für die Menschheit!

So jung und schon so Tim Bendzko: das Bulgaren-Bübchen Kristian Kostov

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