Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Ver­se

Gefühlt deut­lich spä­ter und zäh­flüs­si­ger als in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren nimmt die Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 nun doch lang­sam Fahrt auf: die ers­ten bei­den Sams­ta­ge mit par­al­lel lau­fen­den Aus­wahl­run­den lie­gen hin­ter uns, wenn­gleich es sich ledig­lich um Semis bezie­hungs­wei­se Nach­wuchs­wett­be­wer­be han­del­te. Nichts­des­to­trotz kön­nen wir bereits zum jet­zi­gen Zeit­punkt den Ban­jo-Lau­ra-Preis für die dümms­te und kri­mi­nells­te Fehl­ent­schei­dung des gesam­ten Jahr­gangs ver­lei­hen, und zwar an die litaui­schen Juror/innen. Der Sen­der des Bal­ten­staa­tes, LRT, ver­pass­te der dor­ti­gen Vor­ent­schei­dung zwar heu­er den hoff­nungs­voll-trot­zi­gen Unter­ti­tel Paban­dom iš nau­jo! (Lass es uns noch­mal ver­su­chen!). Viel Neu­es ließ sich aber bis­lang nicht fin­den: wie gewohnt liegt die Dich­te an offen­sicht­lich Beklopp­ten mit völ­lig abwe­gi­gen Bei­trä­gen in der Nacio­na­linė Atran­ka exzep­tio­nell hoch. Hur­ra! Zu ihnen zählt das skur­ri­le Her­ren­quar­tett Two­so­me, das bereits 2019 im hei­mat­li­chen Vier­tel­fi­na­le punk­te­los aus­schied und es dies­mal skan­da­lö­ser­wei­se nicht über die Vor­run­de hin­aus schaff­te. Dabei steu­er­ten die Par­odis­ten mit dem Titel ‘Playa’ den infek­tiö­ses­ten Gute-Lau­ne-Ohr­wurm der Sai­son bei, bestehend aus einer erquick­lich an Pasha Par­fe­nys ‘Lăutar’ erin­nern­den klei­nen Melo­die; der sen­sa­tio­nell sinn­be­frei­ten Hook­li­ne “I’m a Lit­hua­ni­an Bas­ket­ball Play­er”; dop­pel­ten Hand­klat­schern, bekannt­lich stets ein Zei­chen für musi­ka­li­sche Qua­li­tät, sowie aller­lei alber­nen Büh­nen­gim­micks wie beleuch­te­ten Jacken und einem insze­nier­ten Vio­li­nen­un­fall.

Schön, dass die Litau­er dem Gedan­ken des Recy­clings so sehr hul­di­gen: beim Abschmü­cken des Christ­baums kam den bei­den Two­so­me-Front­män­nern die Idee für ihr Büh­nenout­fit.

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The Boy from Para­ma­ri­bo: AVRO­TROS nomi­niert Jean­gu Macrooy

Zehn Tage ist das neue Jahr alt, und schon ist der ers­te Neu­jahrs­vor­satz gebro­chen: an sich woll­te ich über rei­ne Kan­di­da­ten­no­mi­nie­run­gen nicht mehr berich­ten, so lan­ge der Bei­trag noch nicht fest­steht. Doch heu­te bestä­tig­te der nie­der­län­di­sche Sen­der AVRO­TROS, dass der Sän­ger Jean­gu Macrooy das gast­ge­ben­de Land in Rot­ter­dam ver­tritt. Und setzt damit, pas­send zum Con­test­mot­to “Open up”, auch ein Zei­chen für Diver­si­tät: denn Macrooy ist schwarz – und schwul. Der End­zwan­zi­ger kam 1993 in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Staat Suri­na­me zur Welt, einer erst seit 1975 unab­hän­gi­gen frü­he­ren nie­der­län­di­schen Kolo­nie. Wie das Por­tal queer.de unter Bezug auf eine dpa-Mel­dung berich­tet, sei er im Jah­re 2014 von dort auch auf­grund sei­ner Homo­se­xua­li­tät aus­ge­wan­dert, weil er mit der “Macho­kul­tur in Suri­na­me” nicht zurecht kam. Bekannt­heit in sei­ner neu­en Hei­mat erlang­te er mit Auf­trit­ten auf Fes­ti­vals und in diver­sen TV-Shows. Nach Aus­sa­ge des AVRO­TROS-Ver­ant­wort­li­chen Eric van Staa­de habe der intern aus­ge­wähl­te Inter­pret schon län­ger auf dem Wunsch­zet­tel des Sen­ders gestan­den: “Der Song, den er ablie­fer­te, hat uns sofort berührt”, zitiert eurovision.tv. Bis wir den zu hören bekom­men, wird es aber noch ein wenig dau­ern (war­um eigent­lich?). Eine rasche You­tube-Werk­schau för­dert schwer­punkt­mä­ßig gefäl­li­gen eng­lisch­spra­chi­gen Soul­pop mit cle­ve­ren Tex­ten zuta­ge, die Jean­gu mit samt­wei­cher Stim­me und gewin­nen­dem Lächeln vor­trägt.

Die im Song­text vor­ge­stell­ten Sub­stan­zen dürf­te Jean­gu auf dem Fes­ti­val, auf dem der Clip gedreht wur­de, pro­blem­los bekom­men (Reper­toire­bei­spiel).

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Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipi­a­ni nach Rot­ter­dam

Den Sil­ves­ter­abend 2019 wähl­te das geor­gi­sche Fern­se­hen als pro­mi­nen­ten Sen­de­platz für das Fina­le der aktu­el­len Staf­fel der Cas­ting­show Sakart­ve­los Varsk­v­la­vi, hier­zu­lan­de bekannt als DSDS. Span­nungs­arm ging die­se zu Ende: wie bereits in aus­nahms­los allen vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den setz­te sich der 32jährige Tor­ni­ke Kipi­a­ni auch im Fina­le spie­lend gegen drei ver­blie­be­ne Konkurrent/innen durch und ver­tritt damit das Kau­ka­sus­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020. Sein Bei­trag für Rot­ter­dam steht aller­dings noch nicht fest: die Show dien­te heu­er nur zur Ermitt­lung des Inter­pre­ten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fens­ter, wenn man spe­ku­liert, dass es laut und düs­ter wer­den dürf­te, denn hei­ser Gegröhl­tes ist die Spe­zia­li­tät von Kipi­a­ni. 2014 gewann er bereits die geor­gi­sche Aus­ga­be der Kon­kur­renz­cas­ting­show X‑Factor, unter ande­rem mit einer bizar­ren, mari­lyn­man­so­nes­ken Neu­be­ar­bei­tung von Kylie Mino­gues fabel­haf­tem Pop-Ban­ger ‘Can’t get you out of my Head’. 2017 ver­such­te er es beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid und schaff­te damit zumin­dest eine “beson­ders loben­de Erwäh­nung” in die­sem Blog” für sei­nen “auf ange­neh­me Art und Wei­se ver­stö­ren­den Auf­tritt” mit einem iro­nisch beti­tel­ten, aggres­siv mono­to­nen Tech­no­t­rack.

Das per­fek­te Sound­bett für ein dro­gen­um­ne­bel­tes Aben­teu­er in einem ver­siff­ten Ber­li­ner Fetisch­club. Und der per­fek­te Part­ner dafür gleich dazu: Tor­ni­ke mit sei­nem VE-Bei­trag von 2017.

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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Lie­be

Shaj’ (‘Schrei’), so heißt der alba­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam. Und genau so klingt er. Dass man in Tira­na nach dem letzt­jäh­ri­gen, zag­haf­ten Expe­ri­ment mit einem mode­rat auf­ge­frisch­ten Fes­ti­va­li i Kën­gës wie­der zum klas­si­schen For­mat mit ver­pflich­ten­der Orches­ter­be­glei­tung und aus­schließ­li­chem Jury­ent­scheid zurück­kehr­te, wies bereits den Weg: fol­ge­rich­tig wähl­te man auch beim Bei­trag ein alt­be­kann­tes Kon­zept, näm­lich das der dis­so­nant krei­schen­den Frau. Die heißt heu­er Ari­le­na Ara, stammt (wie Rona Nish­liu) gebür­tig aus dem Koso­vo und gewann 2013 die Cas­ting­show X‑Factor. Die dort gelern­ten Lek­tio­nen beher­zig­te sie denn auch bei ihrem sieg­rei­chen FiK-Auf­tritt: es kommt nicht dar­auf an, sau­ber zu into­nie­ren oder sich emo­tio­nal invol­viert zu zei­gen. Haupt­sa­che, du schreist mög­lich lan­ge und mög­lich laut, um die Juror/innen zu beein­dru­cken. Ari­le­nas vom maze­do­ni­schen Song­schrei­ber Dar­ko Dimitrov (‘Proud’) rein auf Ober­flä­che hin kom­po­nier­te Stan­gen­wa­re-Bal­la­de bot ihr dazu das per­fek­te Vehi­kel. “Ein ‘Ice­brea­ker’, der ger­ne ‘Suus’ sein möch­te” fass­te im ESC-Nati­on-Chat ein Mit­kom­men­ta­tor das Wesen der völ­lig ste­ril blei­ben­den Num­mer sehr tref­fend zusam­men, die jedoch sowohl im Kon­gress­zen­trum von Tira­na als auch in den Fan-Foren auf gro­ßen Applaus stieß.

Nicht für das Leben, son­dern für die Prü­fung ler­nen wir: Ari­le­na Ara drück­te bei den Juror/innen erfolg­reich alle Knöp­fe.

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Unsub­stan­ti­al Blues: BNT nomi­niert Vic­to­ria Geor­gi­e­va für Rot­ter­dam

Die 22jährige Vic­to­ria Geor­gi­e­va wird beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 Bul­ga­ri­en ver­tre­ten, wie der ver­ant­wort­li­che Sen­der BNT heu­te annon­cier­te. Bekannt­heit erlang­te die intern bestimm­te Reprä­sen­tan­tin durch ihre Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fac­tor Bul­ga­ria, wobei sie sich durch Beharr­lich­keit aus­zeich­ne­te: schon bei der Erst­aus­strah­lung des For­mats in ihrem Hei­mat­land im Jah­re 2011 bewarb sie sich, schaff­te es aber – auch auf­grund ihres Alters – nicht in die Sen­dung. Was sie nicht davon abhielt, es so lan­ge immer wie­der zu ver­su­chen, bis sie Ende 2015 in der vier­ten Staf­fel end­lich antre­ten durf­te. Übri­gens unter Juro­ren­schaft von Lucy Dia­kovs­ka von den No Angels und in Kon­kur­renz zu Kris­ti­an Kostov, dem ESC-Ver­tre­ter von 2017. Der beleg­te bei X Fac­tor den zwei­ten Rang, Vic­to­ria hin­ge­gen schied als Sechst­plat­zier­te aus. Trotz­dem gelang es ihr, einen Plat­ten­ver­trag klar zu machen, und ihre Sin­gles zei­gen, war­um: Stim­me hat das Mädel, Aus­strah­lung eben­falls. Hin­zu kommt ein Hang zur deko­ra­ti­ven Düs­ter­keit, wie er sich auch in dem knapp vier­mi­nü­ti­gen, leicht ans Prä­ten­tiö­se gren­zen­den Pro­mo-Clip mani­fes­tiert, mit dem BNT heu­te die Sän­ge­rin vor­stell­te. Vic­to­ri­as Label jeden­falls glaubt an sie, schließ­lich finan­ziert es die kom­plet­ten ESC-Teil­nah­me­kos­ten. Könn­te sich rech­nen: wenn ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag, auf wel­chen wir aller­dings noch bis März 2020 war­ten müs­sen (buh!), qua­li­ta­tiv mit ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen mit­hal­ten kann, ste­hen die Chan­cen gut, dass Bul­ga­ri­en erneut ganz vor­ne mit­mischt.

Man fragt sich, was die bei­den “bösen Buben” im LKW aus Vic­to­ria her­aus­prü­geln woll­ten: wel­chen Abdeck­stift sie benutzt? (Reper­toire­bei­spiel)

Vid­bir 2020 mit Krim-Klau­sel

Wie esc­to­day heu­te unter Bezug­nah­me auf den ukrai­ni­schen Staats­sen­der UA:PBC mit­teilt, imple­men­tiert die­ser in die Teil­nah­me­be­din­gun­gen für sei­nen natio­na­len Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Vid­bir eine Aus­schluss­re­gel für Künstler*innen, die mit dem ver­fein­de­ten Russ­land kol­la­bo­rie­ren. An der Vid­bir teil­neh­men darf nur noch, wer seit 2014 nicht im Gebiet der Föde­ra­ti­on auf­ge­tre­ten ist oder dort auf­zu­tre­ten beab­sich­tigt. Auch eine Rei­se auf die Halb­in­sel Krim seit ihrer Anne­xi­on durch Russ­land stellt ein Aus­schluss­kri­te­ri­um dar. UA:PBC reagiert damit auf das Deba­kel um den dies­jäh­ri­gen Vor­ent­scheid, das zu einem Rück­zug des Lan­des vom Wett­be­werb in Tel Aviv führ­te, nach­dem die Sie­ge­rin Maruv sich wei­ger­te, im Nach­gang zu ihrer Akkla­ma­ti­on einen Ver­trag zu unter­schrei­ben, der ihr künf­ti­ge Auf­trit­te in Russ­land unter­sag­te. Vor­aus­ge­gan­gen waren hef­ti­ge Angrif­fe der Juro­rin und ESC-Sie­ge­rin von 2016, Jama­la, die Maruv in der Live-Sen­dung auf­grund ver­gan­ge­ner und geplan­ter Kon­zer­te auf dem Gebiet der Föde­ra­ti­on, für vie­le ukrai­ni­sche Künstler*innen eine essen­ti­el­le Ein­nah­me­quel­le, man­geln­de Vater­land­streue vor­warf. Der Sen­der­ver­ant­wort­li­che Zurab Ala­sa­nia begrün­de­te die nun ver­ab­schie­de­te Regel damit, dass der oder die “Repräsentant:in der Ukrai­ne nicht nur ein:e talentierte:r, tolle:r Künstler:in” sein müs­se, son­dern sich auch sei­ner bzw. ihrer “Ver­ant­wor­tung bewusst sein” und die “Wer­te der Ukrai­ne” ver­tre­ten müs­se. Es bleibt abzu­war­ten, wie sehr sich die Ein­schrän­kung auf das Teil­neh­mer­feld des Vor­ent­scheids und auf das dort übli­che Dra­ma-Level aus­wirkt. Die drei­tei­li­ge Vid­bir fin­det erneut in Zusam­men­ar­beit mit dem Pri­vat­sen­der STB statt, das Fina­le ist für den 22. Febru­ar 2020 ange­setzt.

Geld oder Vater­lands­lie­be? Maruv ent­scheid sich für Ers­te­res, ein her­ber Ver­lust für den ESC.

How looks the Trum­pet: RTVE nomi­niert Blas Can­tó für Rot­ter­dam

Sein Vor­na­me bringt in mir unwei­ger­lich den prä­pu­ber­tä­ren Zehn­jäh­ri­gen zum Kichern: ges­tern gab das spa­ni­sche Fern­se­hen bekannt, dass der 27jährige Blas (hihihi) Can­tó More­no beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 die ibe­ri­sche Halb­in­sel ver­tre­ten wird. Der schmu­cke jun­ge Mann ver­sucht bereits seit 15 Jah­ren ver­ge­bens, sein Land zu reprä­sen­tie­ren: 2004 bewarb er sich zum ers­ten Mal, damals noch für den Juni­or-ESC, schei­ter­te aber im Vor­ent­scheid. Das­sel­be Schick­sal ereil­te ihn 2011, wo er es als Teil der popu­lä­ren Boy­band Auryn zwar ins Super­fi­na­le der Desti­no Euro­vi­sión schaff­te, dort aber den Kür­ze­ren gegen Lucía Pérez zog. Dies­mal ver­zich­te­te der Sen­der RTVE vor­sichts­hal­ber gleich ganz auf ein öffent­li­ches Vor­auswahl­ver­fah­ren und nomi­nier­te Blas (hihihi) direkt. Der aus einem Tau­send-See­len-Dorf in der süd­spa­ni­schen Pro­vinz stam­men­de Künst­ler ver­öf­fent­lich­te nach der Auf­lö­sung von Auryn im Jah­re 2018 sein ers­tes Solo­al­bum ‘Com­pli­ca­do’ mit som­mer­lich-luf­ti­gem Radio­pop, das in der Hei­mat die Album­charts topp­te und aus dem bereits meh­re­re Hit­sin­gles her­vor­gin­gen. Beglei­tet übri­gens von Video­clips, in denen der nur 1 Meter 70 gro­ße Sän­ger einen auf­fäl­li­gen Hang zum Tra­gen über­aus fut­ti­ger Jacken zeig­te. Auf sein Lied für Rot­ter­dam wer­den wir wohl noch eini­ge Zeit war­ten müs­sen; der­zeit sich­ten Blas (hihihi) und RTVE geeig­ne­tes Song-Mate­ri­al, mit dem das beim euro­päi­schen Musik­wett­be­werb chro­nisch unter­be­wer­te­te Land hofft, end­lich das Tal der Trä­nen hin­ter sich las­sen zu kön­nen.

Wer wür­de ihn da schon raus­wer­fen wol­len: Blas (hihihi) mit sei­ner Solo-Debüt-Sin­gle ‘In your Bed’ (Reper­toire­bei­spiel). Doch auch, wenn er Eng­lisch für einen Spa­ni­er erstaun­lich gut beherrscht: in sei­ner Mut­ter­spra­che klingt er sexier.

Schon wie­der Ers­ter: Één nomi­niert Hoo­ver­pho­nic für Rot­ter­dam

Die Bel­gi­er sind mal wie­der die Ers­ten: vor weni­gen Minu­ten prä­sen­tier­te der flä­mi­sche Sen­der Één die (intern aus­ge­wähl­ten) Repräsentant/innen des kul­tu­rell und sprach­lich geteil­ten Frit­ten­lan­des. Das Trio Hoo­ver­pho­nic wird für Bel­gi­en im Mai 2020 die nicht all zu lan­ge Rei­se in die benach­bar­ten Nie­der­lan­de antre­ten. Die Trip-Hop-For­ma­ti­on exis­tiert in wech­seln­den Beset­zun­gen bereits seit 1996 und fei­ert seit­her bestän­di­ge Erfol­ge. Und auch, wenn sich ihre bis dato ver­öf­fent­lich­ten zehn Stu­dio­al­ben außer­halb der eige­nen Lan­des­gren­zen unge­rech­ter­wei­se kaum ver­kauf­ten, dürf­ten etli­che ihrer oft­mals sym­pho­nisch daher­kom­men­den Melo­di­en vie­len Kinobesucher*innen bekannt sein, fan­den ihre Stü­cke doch bereits als Sound­track in etli­chen Block­bus­tern Ver­wen­dung. Ihr letz­tes Album ‘Loo­king for Stars’, das in Bel­gi­en Gold­sta­tus erreich­te, erschien 2018. Da stieß auch die aktu­el­le, erst 18jährige Front­frau Luka Cruys­berghs, ihres Zei­chens (natür­lich!) The-Voice-Sie­ge­rin, zur Hoo­ver­pho­nic. Sie ist bereits die drit­te Voka­lis­tin in der fast schon ein Vier­tel­jahr­hun­dert wäh­ren­den Band­ge­schich­te. Der deut­lich älte­re Mas­ter­mind des Tri­os, der Pro­du­zent und Kom­po­nist Alex Cal­li­er, ist erklär­ter Euro­vi­si­ons­fan und schrieb an Sen­neks ‘A Mat­ter of Time’ mit. Am bel­gi­schen Bei­trag für Rot­ter­dam arbei­tet er gera­de, ein Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum steht noch nicht fest. Ledig­lich, dass er – wie alle bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen der Band – auf Eng­lisch gesun­gen wird, wis­sen wir. Der Sen­der jeden­falls freut sich wie Bol­le, einen solch dicken Fisch an Land gezo­gen zu haben: “Wir träu­men seit Jah­ren davon, dass Hoo­ver­pho­nic die bel­gi­schen Far­ben ver­tei­di­gen. Toll, dass es jetzt geklappt hat! Für Één ist es eine unbe­schreib­li­che Ehre, die Bes­ten der Bes­ten zum Euro­vi­si­on Song Con­test schi­cken zu kön­nen,” zitiert Wiwi­bloggs den Pres­se­spre­cher. Gro­ße Wor­te – jetzt fehlt nur noch ein gro­ßer Song!

Mein per­sön­li­ches Lieb­lings­stück der Bel­gi­er: das abso­lut bril­lan­te ‘Some­ti­mes’ aus dem Album ‘Hoo­ver­pho­nic pres­ents Jackie Cane’ von 2002 (Reper­toire­bei­spiel), da noch mit ande­rer Front­frau. Wenn ihr ESC-Bei­trag auch nur halb so gut aus­fällt, kön­nen wir uns auf Rot­ter­dam freu­en.

WSV 2019: Sonn­tag ist Song­tag

Lie­der, Lie­der, die letz­ten Lie­der hier! Der abso­lu­te Haupt­ge­winn ist hier in die­ser Dose drin!” Oh, sor­ry, da ist es ange­sichts der in Kür­ze dro­hen­den Nach-Vor­ent­scheids-Euro­vi­si­ons-Zwi­schen­de­pres­si­ons-Pha­se wohl ein wenig mit mir durch­ge­gan­gen. Bemü­hen wir uns um einen etwas sach­li­che­ren Ton: von den ins­ge­samt 41 Bei­trä­gen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv kann­ten wir bis ges­tern 38, die rest­li­chen drei kamen am heu­ti­gen Sonn­tag hin­zu. Dar­un­ter auch der Heim­bei­trag des Gast­ge­ber­lan­des Isra­el, dar­ge­bo­ten von dem in einer Cas­ting­show aus­ge­wähl­ten, aus­ge­bil­de­ten Opern­sän­ger Kobi Mari­mi. Des­sen cle­ver ‘Home’ beti­tel­te Bal­la­de soll­te eigent­lich als letz­te des Tages ver­öf­fent­licht wer­den, sicker­te jedoch bereits am Nach­mit­tag als ers­te durch. Und sie lässt die Her­zen aller Freun­de von Spaß­bei­trä­gen höher schla­gen, denn die vor kit­schi­gem Pathos nur so trie­fen­de, mit beben­der Schmacht­stim­me into­nier­te Num­mer kann schlicht­weg nur als in ihrer maß­lo­sen Über­trei­bung brül­lend lus­ti­ge Par­odie auf abgrund­schlech­te Musi­cals gemeint sein. Oder aber als ver­zwei­fel­ter Ver­such des aus­rich­ten­den Sen­ders KAN, ange­sichts klam­mer Kas­sen einen Dop­pel­sieg wie 1978/1979 mit aller Macht zu ver­hin­dern.

Thun­der­bolt and Light­ning / Very very fright­ning me.

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Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Wer hat an der Uhr gedreht? Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len ging am gest­ri­gen Sams­tag­abend bereits die letz­te öffent­li­che Vor­ent­schei­dung der Sai­son 2019 über die Büh­ne. Trotz – oder viel­mehr wegen – des erneut geän­der­ten Aus­zäh­lungs­ver­fah­rens im Tele­vo­ting, das die Stim­men des Publi­kums nun­mehr nach ver­schie­de­nen Alters­klas­sen gewich­tet und damit den star­ken Ein­fluss der netz­af­fi­nen Jugend zurück­drängt, die seit der Ein­füh­rung der Voting-App ihre Punk­te gleich­mä­ßig auf sämt­li­che Titel ver­teil­te und damit die Ent­schei­dungs­ge­walt fak­tisch in die Hän­de der Jury leg­te, geriet die Voting­se­quenz des MF 2019 zur lang­wei­ligs­ten seit Men­schen­ge­den­ken. Der bereits vor­ab in allen Umfra­gen stark favo­ri­sier­te Sie­ger John Lundvik erhielt 96 von 96 maxi­mal mög­li­chen Punk­ten von der inter­na­tio­na­len Jury sowie 85 von 96 Zäh­lern im Tele­vo­ting und damit fast dop­pelt so viel wie sei­ne nächs­ten Kon­kur­ren­ten. Der in Lon­don gebo­re­ne ehe­ma­li­ge Sprin­ter tritt in Tel Aviv in gewis­ser Wei­se gegen sich selbst an: Lundvik hat­te ursprüng­lich zwei Songs zum Melo­di­fes­ti­va­len ein­ge­reicht. Auf klu­ges Anra­ten von Mel­lo-Chef Chris­ter Björk­man gab er jedoch das von ihm mit­kom­po­nier­te ‘Big­ger than us’ auf und reich­te es an die BBC wei­ter, wo es, gesun­gen von Micha­el Rice, den bri­ti­schen Vor­ent­scheid gewann.

Easy on the Eye and Ear: John Lundvik über­zeugt optisch wie stimm­lich.

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