Internationale Vorentscheidungen

Sie sind das Salz in der Euro­vi­si­ons­sup­pe, die Spiel­wie­sen des ret­tungs­los schrä­gen Trashs, die Jagd­grün­de für Grand-Prix-Con­nais­seu­re, der hei­li­ge Gral aller Per­len­tau­cher: die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen, wo aus einem bun­ten Pot­pour­ri vom hoff­nungs­lo­sen Ama­teur bis zum hoch­glanz­po­lier­ten Schwe­den­schla­ger immer nur das Furcht­bars­te für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­aus­ge­sucht wird.

Ein Licht­blick: die ESC-Sai­son 2021 star­tet
2021, Die Zwanzigzwanziger, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Ein Licht­blick: die ESC-Sai­son 2021 star­tet

Auf nur wenig ist in diesen Zeiten Verlass. Um so tröstlicher, dass nach der offiziellen EBU-Zeitrechnung - so wie immer - auch am 1. September 2020 für Eurovisionsfans wieder das neue Jahr beginnt. Jeder ab heute neu veröffentlichte Song könnte ein potenzieller ESC-Titel sein, und so haben wir wenigstens wieder einen Grund, um morgens aufzustehen. Denn nach dem coronabedingt abgesagten Eurovision Song Contest 2020 soll die Europameisterschaft im Singen im neuen Jahr auf jeden Fall durchgeführt werden, auch wenn noch abzuwarten bleibt, wie das ganze über die Bühne gehen soll. Davon, dass in Rotterdam im kommenden Mai eine riesige Sause mit zehntausend dichtgepackten Fans in der Halle steigt, kann man angesichts der aktuellen Lage wohl nicht ausgehen. Ob es eine abgespeckte Variante mit wen...
Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Das Land des Feuers scheint beim Eurovision Song Contest 2020 eine Art Resteverwertung zu betreiben. Zunächst verkündete der zuständige Sender Ictimai Ende Februar 2020, dass die 28jährige ehemalige The Voice-Teilnehmerin Samira Efendi, die sich zuvor schon viermal erfolglos um die Grand-Prix-Repräsentanz beworben hatte, heuer Aserbaidschan vertreten dürfe, nachdem sie sich in einer internen Jurywahl gegen vier Konkurrenten durchsetzen konnte. Heute veröffentlichte der Sender ihren Beitrag 'Cleopatra', ein ziemlich campes, orientalisch aromatisiertes Uptempo-Machwerk, zu dem ich vor meinem geistigen Auge bereits Horden von Fans allerlei Geschlechts im Euroclub den Tanz der sieben Schleier aufführen sehe und das fast so viel diebisches Vergnügen bereitet wie Lorena Bućans 'Tower of Babylon'...
San Mari­no 2020: In the Dis­co
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

San Mari­no 2020: In the Dis­co

Es scheint grundsätzlich nur zwei Arten von Menschen erlaubt zu sein, das kleine San Marino beim Eurovision Song Contest zu vertreten, und die heißen entweder Valentina Monetta oder S**h*t. Der sexy Disco-Daddy Serhat war bereits letztes Jahr an der Reihe, daher holte SMTV heuer Senhit Zadik Zadik aus der Versenkung. Die langweilte uns 2011 in Düsseldorf mit dem superspröden 'Stand by' zu Tode, da noch unter dem Namen Senit, und schied zu Recht im Semi aus. Für Rotterdam lernte sie zumindest aus ihren Fehlern und versucht es heuer mit demselben Rezept wie ihr erfolgreicher Vorgänger: mit der guten, alten Disco! Yay! Um etwas künstlichen Hype zu erzeugen, veranstaltete die im italienischen Bologna aufgewachsene Sängerin auf ihrer Internetseite gar noch einen kleinen Instant-Vorentscheid, be...
Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweitbeste ist immer das Erstschlechteste. Diese Lektion lehrte uns (mal wieder) das gestrige Finale des Festival da Canção, bei dem sich in der Abstimmung Publikum und Jurys nicht einigen konnten und in Folge dessen sich die in beiden Votings lediglich Zweitplatzierte Elisa Silva durchsetzen konnte. Mit einer für meine Ohren grauslich gesungenen, steinschweren Ballade namens 'Medo de Sentir' ('Angst vor dem Gefühl'), mit denen sich das Urlaubsland mal wieder als aussichtsreicher Bewerber für den letzten Platz im ESC-Semifinale in Stellung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertragende, depressive Geflenne der aus Madeira stammenden Künstlerin im diesjährigen, sich gerade zum einschläferndsten Eurovisionsjahrgang seit 1961 entwickelnden Ozean der Jammerballaden vollkommen untergeht. Im...
<span class="caps">DMGP</span> 2020: Run­ning sca­red
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

DMGP 2020: Run­ning sca­red

Vor komplett leeren Rängen fand das dänische Melodi Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen endgültig genug gehabt hätten von dem faden Musikbrei, denen ihnen der verantwortliche Sender DR Jahr für Jahr dort kredenzt, und den Vorentscheid boykottiert hätten. Vielmehr entschied die sozialdemokratische dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der grassierenden Coronovirus-Hysterie alle öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauer:innen zu untersagen. Nun hatte der Sender die das rund Zehnfache fassende Royal Arena in Kopenhagen bereits gebucht, die Proben schon durchgeführt. Eine Verlegung der Sendung schied aus terminlichen Gründen aus, und so entschied man sich für eine Geistershow in einer leeren Halle. Was einen...
Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein einziges gottverdammtes Pünktchen trennte am Ende einer nervenaufreibenden Abstimmung beim diesjährigen Melodifestivalen die Siegerinnen von der Fan-Favoritin. Immerhin war es hier nicht die Schuld der internationalen Jury: die zeigte sich nämlich genau so gespalten wie das Publikum und bedachte beide Beteiligten mit der exakt gleichen Stimmenzahl. So, dass es alleine den schwedischen Televoter:innen oblag, für Klarheit zu sorgen. Und die entschieden sich mit einem wirklich nur hauchdünnen Vorsprung von 0,1% der abgegebenen Stimmen für The Mamas, den Begleitchor des Vorjahresvertreters John Lundvik, die heuer, geschrumpft vom Quartett zum Trio, selbst angetreten waren im Kampf um die Fahrkarte nach Rotterdam. Selbige ergatterten die drei schwarzen, stimm- wie figurgewaltigen...
<span class="caps">UMK</span> 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär
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UMK 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Ein ereignisreicher Supersamstag, der letzte der Vorentscheidungssaison 2020, liegt hinter uns, mit Entscheidungen in drei skandinavischen Ländern und in Portugal. Und fast überall kam es zu totalen Katastrophen sowie erneut zum Beweis, dass Jurys elende Wichser sind, die niemand braucht. Den schlimmsten Verlust gab es bei der Uuden Musiikin Kilpailu zu beklagen. Nach zwei eher mäßigen Ergebnissen mit vom Sender vorherbestimmten Interpret:innen hatte sich YLE entschieden, in diesem Jahr wieder einen offenen Vorentscheid mit sechs Teilnehmer:innen zu veranstalten. Und seit der Veröffentlichung aller sechs Beiträge vor geraumer Zeit stand fest, dass Finnland bei dieser UMK nur einen einzigen Job zu erledigen gehabt hätte; nämlich die in sämtlichen internationalen Fan-Polls haushoch führende ...
HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

Ein echtes Novum bescherte uns gestern Abend das israelische Fernsehen bei der Auswahl des Songs für seine schon länger feststehende Eurovisionsrepräsentantin Eden Alene, der Siegerin der wie jedes Jahr gefühlt über mehrere hundert Runden laufenden Castingshow HaKokhav HaBa 2020. Vier Lieder standen für die 19jährige mit den äthiopischen Wurzeln bei der etwas über einstündigen Auswahlshow HaShir HaBa zur Auswahl: eine Ballade und drei formidable Pop-Banger. Die Chance, es zu versauen, lag also rein rechnerisch bei nur 25%, und zu meinem großen Erstaunen zogen die Israelis diese Option nicht (aufgemerkt, Moldawien und Rumänien!). Die mit 60% Entscheidungsgewalt ausgestatteten, auf mehrere Gruppen aufgeteilten Jurys stimmten mehrheitlich für den Titel 'Roots', der sozusagen als akustisches G...
Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kommen wie ein Wirbelwind über Europa, die drei serbischen Pop-Königinnen Ivana Nikolić, Ksenija Knežević (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Bühne stand) und Sanja Vučić ('Shelter'), welche gemeinsam die (übrigens wirklich nach zwei tropischen Orkanen benannte) Girlgroup Hurricane bilden. Als haushohe Favoritinnen gingen sie im Finale der Beovizija 2020 am vergangenen Sonntag ins Rennen, und haushoch räumten sie im Televoting ab. Selbst die Jury, die sich ansonsten bei so gut wie keinem der elf Konkurrenztitel mit dem Publikum auch nur im Entferntesten einig zeigte, ergab sich kampflos und schob den drei Glitzerelsen die Höchstwertung rüber, wohl um einen Volksaufstand zu verhindern. Und das mit Recht: 'Hasta la Vista' (serbischer Text, spanische Hookline) überz...
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Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Die uninteressanteste Vorentscheidung der gesamten Saison 2020 ging am letzten Super-Samstag in Buzău in der Walachei über die Bühne. In das Hunderttausend-Einwohner-Städtchen hatte der unter extremen Geldnöten stehende rumänische Sender TVR die Selecția Națională verlegt, weil der dortige Bürgermeister die Kosten der kompletten Sendung aus der Gemeindekasse übernahm. Aus pekuniären Gründen erfolgte auch die Zusammenarbeit mit dem größten einheimischen Plattenlabel Global Records, das mit der vorab zur Alleininterpretin bestimmten 20jährigen Larisa Roxana Giurgiu alias Roxen immerhin einen der aktuellen Top-Stars des Landes beisteuerte. Für nämliche Roxen galt es nun, unter fünf bereits vor Tagen veröffentlichten Liedern auszuwählen; samt und sonders musikalisch völlig nichtssagenden, mit ...
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Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Dad­dy?

Wie bereits im Vorjahr, als sich beim isländischen Eurovisionsvorentscheid Söngvakeppnin alles um einen einzigen Namen drehte, nämlich um Hatari, stand auch 2020 alles im Schatten der Frage: schafft es Daði Freyr Pétursson diesmal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem großartigen 'Is it Love?', erneut geschlagen geben? Die gute (und bereits seit Samstagnacht bekannte) Nachricht: er schaffte es! Gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Begleitband Gagnamagnið (in etwa: Datenvolumen) konnte er die fantastisch coole Retro-Synthie-Nummer 'Think about Things' zum Sieg führen, um die schon vor gut zwei Wochen ein Internet-Hype losbrach, nachdem Daði den dazugehörigen, extrem selbstironischen Videoclip veröffentlichte und Prominente wie Russell Crowe oder Jan Böhmermann selbigen via Twitter verbreit...
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Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Für eine sehr klassische, herzzerreißende Balkan-Schmerzensballade entschieden sich die Kroat:innen am vergangenen Samstagabend im Rahmen des klassischen Eurovisionsvorentscheidungsformats Dora und bestätigten damit einmal mehr ihren Ruf als konservative Grand-Prix-Nation. Denn musikalisch könnte das schmalztriefende, geigengesättigte 'Divlji Vjetre' ('Rauer Wind') mitsamt seiner etwas überraschend an der Stelle, an der man das Lied eigentlich zu Ende wähnt, drangeschraubten Rückung auch im Jahre 1990 angesiedelt sein. Oder 1960. Lyrisch war es vielleicht nicht die geschickteste Wahl für den im Frühlingsmonat Mai in Rotterdam stattfindenden Hauptwettbewerb, denn der in schwarzer Trauerkleidung auftretende Damir Kedžo, einstmals Kirchenchorknabe und später Boyband-Mitglied, greift darin zur...
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Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Estland, was ist nur aus dir geworden? Einstmals das Zuhause der coolsten Vorentscheidung der Welt, hat sich die ehedem hochgelobte Eesti Laul - nicht zuletzt aufgrund jahrelanger, fortgesetzter schwerer Fehlentscheidungen der dortigen Jury - zu einer bedeutungslosen Ansammlung glatter, völlig nichtssagender Liedchen entwickelt. Noch nicht einmal mehr in den Semis findet sich irgendetwas Interessantes, wofür sich das Einschalten lohnen würde. Zum europäischen Hauptwettbewerb vermag der baltische Staat so natürlich ebenfalls nichts Wesentliches beizutragen. Stattdessen setzt man auf das Ewiggleiche: als direkten Nachfolger des schleimigen schwedischen Schönlings Victor Crone, aktuell noch beim Melodifestivalen im Rennen, und seines staubgrauen Songs 'Storm' schickt der Ostseeanrainerst...
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O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

Sie sind die Eiterpickel am Gesäß des Eurovision Song Contests: Grand-Prix-Komponisten, die sich einen Startplatz für ihre Lieder beim Wettbewerb kaufen. Über Ralph Siegel gibt es das (natürlich unbewiesene) Gerücht, dass er immer wieder Valentina Monetta für San Marino ins Rennen schicken durfte, weil er die gesamten Auftritte aus eigener Tasche finanziert haben soll. Und auch seinem russischen Pendant Phillip Kirkorov unterstellt man gelegentlich ein solches Vorgehen. Er bediene sich dabei gerne des bitterarmen Moldawiens, denn nirgends ist das Televoting mit so wenig Aufwand zu manipulieren. Und den dortigen Juror:innen sagen böse Zungen ebenfalls eine gewisse Offenheit für finanzielle Argumente nach. 2018 platzierte er so das im russlandfreundlichen Transnistrien beheimatete Trio DoReD...
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Euro­fest 2020: Oops, he did it again

Der Eklat ließ sich vorausahnen. Als bei der Vorstellung der internationalen Juror:innen für das gestrige Finale des weißrussischen Vorentscheids Eurofest der quietschige Wiwiblogger William Lee Adams über die Bühne spurtete, wusste man bereits tief drinnen: der Zuschauer:innenfavorit wird bei dieser Natsionalniy Otbor nicht obsiegen. Denn nur, wer als Sender den Durchmarsch eines Publikumslieblings um jeden Preis verhindern möchte, bucht den amerikanischen Strategen. Genau so kam es: am Ende einer ungewohnt hochklassigen, kurzweiligen Show mit 12 Acts, die von der Verlegung des Events in die BelarusFilm-Studios profitierte, wo es wesentlich glamouröser zuging als sonst, stand der erwartbare Clash der Kulturen. Die Jury, zu der ebenfalls die früheren Teilnehmer:innen Dmitry Koldun und Zena...
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love tonight

Bevor am heutigen Abend beim weißrussischen Vorentscheid zwölf leider durch die Bank uninteressante Songs im Kampf um die Fahrkarte nach Rotterdam antreten, gilt es, noch schnell einen nostalgisch getrübten Blick auf die legendären jährlichen öffentlichen Auditions in Minsk zu werfen. Diese fanden heuer vor gut einem Monat statt und versammelten weniger Interessierte als in früheren Jahren. Denn im Versuch, der unter anderem mit den ehemaligen Repräsentant:innen Zena und Navi bestückten Auswahljury das Schlimmste zu ersparen, hatte der Sender BTRC verfügt, dass nur noch weißrussische Staatsangehörige vorsingen dürfen. Nicht alle kapierten das: neben 65 inländischen Acts bewarben sich dennoch 30 ausländische, die man fein säuberlich aussortierte. 49 Auserwählte durften sich schließlich vor ...
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Groß­bri­tan­ni­en 2020: Try­ing to die

Das frisch von der Europäischen Union geschiedene Großbritannien entbietet dem Festland beim Eurovision Song Contest 2020 zum Abschied eine letzte, vergiftete Atemspende. Dem Beispiel der anderen Big-5-Nationen (bis auf Italien) folgend, hatte sich auch das Vereinigte Königreich dieses Jahr zu einer internen Nominierung von Künstler und Song entschieden. Und natürlich lief seither die Gerüchteküche heiß. Der weiße Soulsänger John Newman, der 2013 mit 'Love me again' auch in Deutschland einen Top-Ten-Hit landen konnte, war einer der mehrfach getippten Namen. Nun ist es stattdessen sein Bruder geworden. Der bislang eher als Songschreiber tätige James Newman, der unter anderem für den irischen Eurovisionsbeitrag 'Dying to try' verantwortlich zeichnet, wechselt mit dem von ihm mitkomponierten ...
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Child­ren of the Revo­lu­ti­on

Bevor es mit dem bereits am Donnerstag startenden, nächsten Vorentscheidungs-Wochenende wieder in die maximale Überforderung geht, gilt es, noch zwei Semis vom vergangenen Samstag nachzureichen. In Portugal bot das traditionsreiche Festival da Canção, wie wir es von dem kleinen Land gewohnt sind, mal wieder eine frappierende Mischung aus völlig aus der Zeit gefallenen Musical-Nummern, lendenlahmen Schnarchballaden, abseitigem Ethnofolk und bizarren Darbietungen. Acht Acts kämpften am späten Abend um vier Finalplätze. Und leider erlaubten sich (genau weiß man es noch nicht, die Split-Voting-Ergebnisse hält der Sender RTP unter Verschluss) entweder das Publikum oder, deutlich wahrscheinlicher, die Jury beim Heraussieben einen massiven Missgriff: auf der Strecke blieben meine persönlichen Fav...
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Vid­bir 2020: Does your Mother know?

Um dieses Wochenende wenigstens mit einem erfreulichen Ergebnis zu beschließen, habe ich mir das gestrige Finale der Vidbir bis zum Schluss aufgehoben. Dort siegte - und zwar erstmalig in der ukrainischen Vorentscheidungsgeschichte gleichermaßen bei den Anrufer:innen wie bei der dreiköpfigen Jury - die Band Go_A (für das englische Wort Go und das griechische Zeichen Alpha) mit der von einer besonders schlimmen Form des Resting-Bitchface-Syndroms heimgesuchten Frontfrau Kateryna Pavlenko. Ihre in der Landessprache und im slawischen Stil des monotonen Weißen Gesangs, den wir bereits von den letztjährigen polnischen Vertreterinnen Tulia kennen, vorgetragene Elektro-Folk-Nummer über die Nachtigall ('Solovey') erzählt die hoch romantische Geschichte eines heimlichen, verbotenen Techtelmechtels ...
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Szan­sa na Suk­ces 2020: der Sieg der Laut­stär­ke

Wenn ein noch absurderes Vorentscheidungssystem existiert als das slowenische, dann das polnische. Wiewohl das Format Szansa na Sukces dem Sender TVP gleich zwei Siege in Folge beim Junior-ESC bescherte. Unter grotesk hohem Blutzoll: gleich 21 junge, aktuelle Künstler:innen stellten sich heuer in drei Vorrunden zum nationalen Vorentscheid zur Wahl. Sie durften dort allerdings nicht ihre eigenen Lieder singen, sondern mussten sich an thematisch vorgegebenen, steinalten Oldies versuchen, die natürlich nicht dem musikalischen Stil der Teilnehmer:innen entsprachen und damit über keinerlei Aussagekraft verfügten. Dennoch bildeten sie die Grundlage für die Auslese: nur die drei Anpassungsfähigsten überlebten das völlig unnötige Blutbad. Und durften im heute Nachmittag ausgestrahlten Finale endli...
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EMA 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Bei­trag

Gäbe es einen Wettbewerb um das absurdeste Vorentscheidungsformat zum Eurovision Song Contest, dann spielte die Evrovizijska Melodija (EMA) wohl um den Sieg mit. 12 Acts versammelte das slowenische Fernsehen RTV SLO gestern Abend in Ljubljana, von denen sich zehn die Mühen strenggenommen von vorne herein hätten sparen können. Denn nachdem alle 12 gesungen hatten, tagte eine reizvoll um eine riesige Schüssel Mini-Dickmanns drapierte Jury, bestehend aus drei Generationen slowenischer Eurovisionsdiven, namentlich Darja Švajger, Nuša Derenda und Maja Keuc. Und die schickten zehn von ihnen gleich wieder nach Hause, darunter alles auch nur annähernd Aussichtsreiche sowie die zwei in einem wochenlang zelebrierten Nachwuchswettbewerb namens EMA Freš Ausgewählten. Lediglich zwei Songs ließ man dem ...
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Beo­vi­zi­ja: Kon­tro­ver­se über gewalt­ver­herr­li­chen­den Song­text

"Ich habe die Bombe mitgebracht (...). Wenn Du nein sagst, sprenge ich alles in die Luft:" mit diesen Zeilen wartete der für die serbische Eurovisions-Vorentscheidung Beovizija 2020 gelistete Beitrag 'Svadba velika' ('Große Hochzeit') auf. Bora Dugić, der beim ESC 2008 mit Jelena Tomašević ('Oro') auf der Bühne stand und die Flöte spielte, sowie die Romakapelle Balkubano interpretieren das traditionalistische Volkslied mit seinen fröhlichen Tönen und Rhythmen, deren Text es in sich hat: in ihm bedeutet der Sänger einer Frau, in die er sich verliebt haben will, dass er plane, in Gegenwart ihres Vater um ihre Hand anzuhalten. Verbunden mit der offenen Drohung zum Einsatz von Sprengstoff, falls sie es wage, abzulehnen. Denn: "niemand anderem ist es erlaubt, dich zu haben," so der Songtext wei...
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vira­le Schlach­ten

Mit der üblichen Verspätung folgt heute noch der Nachschlag zum vergangenen Supersamstag, an dem neben gleich drei nationalen Finalen weitere vier Vorrunden und Semis über die Bühne gingen. Beginnen wir im hohen Norden beim isländischen Söngvakeppnin, wo sich im zweiten Semi zwei der Favorit:innen auf den Sieg im Finale nächsten Samstag durchsetzten. Der eine von ihnen, der fantastische Daði Freyr, gewinnt gerade international Momentum: sowohl der einflussreiche deutsche Satiriker und Talkshow-Host Jan Böhmermann als auch der neuseeländische Schauspieler Russell Crowe (sowie der deutsche ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber) teilten heute auf Twitter den superlustigen, herrlich selbstironischen Videoclip zu 'Think about Thinks'. So der englische Originaltitel des wunderbar eingängigen Elek...
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Bel­gi­en 2020: Let the Sky fall

Lange mussten wir auf den Song warten: am heutigen Morgen feierte der belgische Beitrag der bereits im Oktober vergangenen Jahres vom flämischen Sender Één intern nominierten Band Hooverphonic in einer Radioshow Premiere. Und seit heute Mittag steht auch ein Youtube-Video bereit. Doch zum Lied: 'Release me' sei diversen Verlautbarungen zufolge dem vor kurzem verstorbenen Vater des Bandleaders Alex Callier gewidmet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung lyrisch allerdings als klassische Trennungsschmerzballade. Es folgt in dieser verwunderlichen Text-Bedeutungsschere dem letztjährigen Siegersong von Duncan Laurence, der zu 'Arcade', einer Betrachtung über Spielsucht, ja ebenfalls durch den Tod eines nahe stehenden Menschen inspiriert worden sein will. Und noch mehr verbindet beide Lieder:...
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Frank­reich 2020: La Vie en jau­ne Bon­bon

Und dafür schmiss das französische Fernsehen die Destination Eurovision, Europas besten Vorentscheid der letzten zwei Jahre, weg? Ernsthaft? Heute veröffentlichte France 2 das Präsentationsvideo für den Beitrag des im Januar 2020 intern ausgewählten Vertreters Tom Leeb. Der heißt 'The Best in me', fällt, wie bei einem derartigen Songtitel nicht anders zu erwarten, in die Kategorie der bereits eine Million Mal gehörten pompösen Powerballade, verfügt über eine Rückung und besteht aus französischen Strophen und einem englischen Refrain. Wie heutzutage üblich, werkelten ganze sechs (!) Personen daran herum, damit niemand alleine die Verantwortung für die Maladesse übernehmen muss: die in Spurenelementen vom Secret-Garden-Castingshowklassiker 'You raise me up' inspirierte Musik stammt aus der F...