Unsub­stan­ti­al Blues: BNT nomi­niert Vic­to­ria Geor­gi­e­va für Rot­ter­dam

Die 22jährige Vic­to­ria Geor­gi­e­va wird beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 Bul­ga­ri­en ver­tre­ten, wie der ver­ant­wort­li­che Sen­der BNT heu­te annon­cier­te. Bekannt­heit erlang­te die intern bestimm­te Reprä­sen­tan­tin durch ihre Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fac­tor Bul­ga­ria, wobei sie sich durch Beharr­lich­keit aus­zeich­ne­te: schon bei der Erst­aus­strah­lung des For­mats in ihrem Hei­mat­land im Jah­re 2011 bewarb sie sich, schaff­te es aber – auch auf­grund ihres Alters – nicht in die Sen­dung. Was sie nicht davon abhielt, es so lan­ge immer wie­der zu ver­su­chen, bis sie Ende 2015 in der vier­ten Staf­fel end­lich antre­ten durf­te. Übri­gens unter Juro­ren­schaft von Lucy Dia­kovs­ka von den No Angels und in Kon­kur­renz zu Kris­ti­an Kostov, dem ESC-Ver­tre­ter von 2017. Der beleg­te bei X Fac­tor den zwei­ten Rang, Vic­to­ria hin­ge­gen schied als Sechst­plat­zier­te aus. Trotz­dem gelang es ihr, einen Plat­ten­ver­trag klar zu machen, und ihre Sin­gles zei­gen, war­um: Stim­me hat das Mädel, Aus­strah­lung eben­falls. Hin­zu kommt ein Hang zur deko­ra­ti­ven Düs­ter­keit, wie er sich auch in dem knapp vier­mi­nü­ti­gen, leicht ans Prä­ten­tiö­se gren­zen­den Pro­mo-Clip mani­fes­tiert, mit dem BNT heu­te die Sän­ge­rin vor­stell­te. Vic­to­ri­as Label jeden­falls glaubt an sie, schließ­lich finan­ziert es die kom­plet­ten ESC-Teil­nah­me­kos­ten. Könn­te sich rech­nen: wenn ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag, auf wel­chen wir aller­dings noch bis März 2020 war­ten müs­sen (buh!), qua­li­ta­tiv mit ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen mit­hal­ten kann, ste­hen die Chan­cen gut, dass Bul­ga­ri­en erneut ganz vor­ne mit­mischt.

Man fragt sich, was die bei­den “bösen Buben” im LKW aus Vic­to­ria her­aus­prü­geln woll­ten: wel­chen Abdeck­stift sie benutzt? (Reper­toire­bei­spiel)

Vid­bir 2020 mit Krim-Klau­sel

Wie esc­to­day heu­te unter Bezug­nah­me auf den ukrai­ni­schen Staats­sen­der UA:PBC mit­teilt, imple­men­tiert die­ser in die Teil­nah­me­be­din­gun­gen für sei­nen natio­na­len Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Vid­bir eine Aus­schluss­re­gel für Künstler*innen, die mit dem ver­fein­de­ten Russ­land kol­la­bo­rie­ren. An der Vid­bir teil­neh­men darf nur noch, wer seit 2014 nicht im Gebiet der Föde­ra­ti­on auf­ge­tre­ten ist oder dort auf­zu­tre­ten beab­sich­tigt. Auch eine Rei­se auf die Halb­in­sel Krim seit ihrer Anne­xi­on durch Russ­land stellt ein Aus­schluss­kri­te­ri­um dar. UA:PBC reagiert damit auf das Deba­kel um den dies­jäh­ri­gen Vor­ent­scheid, das zu einem Rück­zug des Lan­des vom Wett­be­werb in Tel Aviv führ­te, nach­dem die Sie­ge­rin Maruv sich wei­ger­te, im Nach­gang zu ihrer Akkla­ma­ti­on einen Ver­trag zu unter­schrei­ben, der ihr künf­ti­ge Auf­trit­te in Russ­land unter­sag­te. Vor­aus­ge­gan­gen waren hef­ti­ge Angrif­fe der Juro­rin und ESC-Sie­ge­rin von 2016, Jama­la, die Maruv in der Live-Sen­dung auf­grund ver­gan­ge­ner und geplan­ter Kon­zer­te auf dem Gebiet der Föde­ra­ti­on, für vie­le ukrai­ni­sche Künstler*innen eine essen­ti­el­le Ein­nah­me­quel­le, man­geln­de Vater­land­streue vor­warf. Der Sen­der­ver­ant­wort­li­che Zurab Ala­sa­nia begrün­de­te die nun ver­ab­schie­de­te Regel damit, dass der oder die “Repräsentant:in der Ukrai­ne nicht nur ein:e talentierte:r, tolle:r Künstler:in” sein müs­se, son­dern sich auch sei­ner bzw. ihrer “Ver­ant­wor­tung bewusst sein” und die “Wer­te der Ukrai­ne” ver­tre­ten müs­se. Es bleibt abzu­war­ten, wie sehr sich die Ein­schrän­kung auf das Teil­neh­mer­feld des Vor­ent­scheids und auf das dort übli­che Dra­ma-Level aus­wirkt. Die drei­tei­li­ge Vid­bir fin­det erneut in Zusam­men­ar­beit mit dem Pri­vat­sen­der STB statt, das Fina­le ist für den 22. Febru­ar 2020 ange­setzt.

Geld oder Vater­lands­lie­be? Maruv ent­scheid sich für Ers­te­res, ein her­ber Ver­lust für den ESC.

How looks the Trum­pet: RTVE nomi­niert Blas Can­tó für Rot­ter­dam

Sein Vor­na­me bringt in mir unwei­ger­lich den prä­pu­ber­tä­ren Zehn­jäh­ri­gen zum Kichern: ges­tern gab das spa­ni­sche Fern­se­hen bekannt, dass der 27jährige Blas (hihihi) Can­tó More­no beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 die ibe­ri­sche Halb­in­sel ver­tre­ten wird. Der schmu­cke jun­ge Mann ver­sucht bereits seit 15 Jah­ren ver­ge­bens, sein Land zu reprä­sen­tie­ren: 2004 bewarb er sich zum ers­ten Mal, damals noch für den Juni­or-ESC, schei­ter­te aber im Vor­ent­scheid. Das­sel­be Schick­sal ereil­te ihn 2011, wo er es als Teil der popu­lä­ren Boy­band Auryn zwar ins Super­fi­na­le der Desti­no Euro­vi­sión schaff­te, dort aber den Kür­ze­ren gegen Lucía Pérez zog. Dies­mal ver­zich­te­te der Sen­der RTVE vor­sichts­hal­ber gleich ganz auf ein öffent­li­ches Vor­auswahl­ver­fah­ren und nomi­nier­te Blas (hihihi) direkt. Der aus einem Tau­send-See­len-Dorf in der süd­spa­ni­schen Pro­vinz stam­men­de Künst­ler ver­öf­fent­lich­te nach der Auf­lö­sung von Auryn im Jah­re 2018 sein ers­tes Solo­al­bum ‘Com­pli­ca­do’ mit som­mer­lich-luf­ti­gem Radio­pop, das in der Hei­mat die Album­charts topp­te und aus dem bereits meh­re­re Hit­sin­gles her­vor­gin­gen. Beglei­tet übri­gens von Video­clips, in denen der nur 1 Meter 70 gro­ße Sän­ger einen auf­fäl­li­gen Hang zum Tra­gen über­aus fut­ti­ger Jacken zeig­te. Auf sein Lied für Rot­ter­dam wer­den wir wohl noch eini­ge Zeit war­ten müs­sen; der­zeit sich­ten Blas (hihihi) und RTVE geeig­ne­tes Song-Mate­ri­al, mit dem das beim euro­päi­schen Musik­wett­be­werb chro­nisch unter­be­wer­te­te Land hofft, end­lich das Tal der Trä­nen hin­ter sich las­sen zu kön­nen.

Wer wür­de ihn da schon raus­wer­fen wol­len: Blas (hihihi) mit sei­ner Solo-Debüt-Sin­gle ‘In your Bed’ (Reper­toire­bei­spiel). Doch auch, wenn er Eng­lisch für einen Spa­ni­er erstaun­lich gut beherrscht: in sei­ner Mut­ter­spra­che klingt er sexier.

Schon wie­der Ers­ter: Één nomi­niert Hoo­ver­pho­nic für Rot­ter­dam

Die Bel­gi­er sind mal wie­der die Ers­ten: vor weni­gen Minu­ten prä­sen­tier­te der flä­mi­sche Sen­der Één die (intern aus­ge­wähl­ten) Repräsentant/innen des kul­tu­rell und sprach­lich geteil­ten Frit­ten­lan­des. Das Trio Hoo­ver­pho­nic wird für Bel­gi­en im Mai 2020 die nicht all zu lan­ge Rei­se in die benach­bar­ten Nie­der­lan­de antre­ten. Die Trip-Hop-For­ma­ti­on exis­tiert in wech­seln­den Beset­zun­gen bereits seit 1996 und fei­ert seit­her bestän­di­ge Erfol­ge. Und auch, wenn sich ihre bis dato ver­öf­fent­lich­ten zehn Stu­dio­al­ben außer­halb der eige­nen Lan­des­gren­zen unge­rech­ter­wei­se kaum ver­kauf­ten, dürf­ten etli­che ihrer oft­mals sym­pho­nisch daher­kom­men­den Melo­di­en vie­len Kinobesucher*innen bekannt sein, fan­den ihre Stü­cke doch bereits als Sound­track in etli­chen Block­bus­tern Ver­wen­dung. Ihr letz­tes Album ‘Loo­king for Stars’, das in Bel­gi­en Gold­sta­tus erreich­te, erschien 2018. Da stieß auch die aktu­el­le, erst 18jährige Front­frau Luka Cruys­berghs, ihres Zei­chens (natür­lich!) The-Voice-Sie­ge­rin, zur Hoo­ver­pho­nic. Sie ist bereits die drit­te Voka­lis­tin in der fast schon ein Vier­tel­jahr­hun­dert wäh­ren­den Band­ge­schich­te. Der deut­lich älte­re Mas­ter­mind des Tri­os, der Pro­du­zent und Kom­po­nist Alex Cal­li­er, ist erklär­ter Euro­vi­si­ons­fan und schrieb an Sen­neks ‘A Mat­ter of Time’ mit. Am bel­gi­schen Bei­trag für Rot­ter­dam arbei­tet er gera­de, ein Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum steht noch nicht fest. Ledig­lich, dass er – wie alle bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen der Band – auf Eng­lisch gesun­gen wird, wis­sen wir. Der Sen­der jeden­falls freut sich wie Bol­le, einen solch dicken Fisch an Land gezo­gen zu haben: “Wir träu­men seit Jah­ren davon, dass Hoo­ver­pho­nic die bel­gi­schen Far­ben ver­tei­di­gen. Toll, dass es jetzt geklappt hat! Für Één ist es eine unbe­schreib­li­che Ehre, die Bes­ten der Bes­ten zum Euro­vi­si­on Song Con­test schi­cken zu kön­nen,” zitiert Wiwi­bloggs den Pres­se­spre­cher. Gro­ße Wor­te – jetzt fehlt nur noch ein gro­ßer Song!

Mein per­sön­li­ches Lieb­lings­stück der Bel­gi­er: das abso­lut bril­lan­te ‘Some­ti­mes’ aus dem Album ‘Hoo­ver­pho­nic pres­ents Jackie Cane’ von 2002 (Reper­toire­bei­spiel), da noch mit ande­rer Front­frau. Wenn ihr ESC-Bei­trag auch nur halb so gut aus­fällt, kön­nen wir uns auf Rot­ter­dam freu­en.

WSV 2019: Sonn­tag ist Song­tag

Lie­der, Lie­der, die letz­ten Lie­der hier! Der abso­lu­te Haupt­ge­winn ist hier in die­ser Dose drin!” Oh, sor­ry, da ist es ange­sichts der in Kür­ze dro­hen­den Nach-Vor­ent­scheids-Euro­vi­si­ons-Zwi­schen­de­pres­si­ons-Pha­se wohl ein wenig mit mir durch­ge­gan­gen. Bemü­hen wir uns um einen etwas sach­li­che­ren Ton: von den ins­ge­samt 41 Bei­trä­gen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv kann­ten wir bis ges­tern 38, die rest­li­chen drei kamen am heu­ti­gen Sonn­tag hin­zu. Dar­un­ter auch der Heim­bei­trag des Gast­ge­ber­lan­des Isra­el, dar­ge­bo­ten von dem in einer Cas­ting­show aus­ge­wähl­ten, aus­ge­bil­de­ten Opern­sän­ger Kobi Mari­mi. Des­sen cle­ver ‘Home’ beti­tel­te Bal­la­de soll­te eigent­lich als letz­te des Tages ver­öf­fent­licht wer­den, sicker­te jedoch bereits am Nach­mit­tag als ers­te durch. Und sie lässt die Her­zen aller Freun­de von Spaß­bei­trä­gen höher schla­gen, denn die vor kit­schi­gem Pathos nur so trie­fen­de, mit beben­der Schmacht­stim­me into­nier­te Num­mer kann schlicht­weg nur als in ihrer maß­lo­sen Über­trei­bung brül­lend lus­ti­ge Par­odie auf abgrund­schlech­te Musi­cals gemeint sein. Oder aber als ver­zwei­fel­ter Ver­such des aus­rich­ten­den Sen­ders KAN, ange­sichts klam­mer Kas­sen einen Dop­pel­sieg wie 1978/1979 mit aller Macht zu ver­hin­dern.

Thun­der­bolt and Light­ning / Very very fright­ning me.

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Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Wer hat an der Uhr gedreht? Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len ging am gest­ri­gen Sams­tag­abend bereits die letz­te öffent­li­che Vor­ent­schei­dung der Sai­son 2019 über die Büh­ne. Trotz – oder viel­mehr wegen – des erneut geän­der­ten Aus­zäh­lungs­ver­fah­rens im Tele­vo­ting, das die Stim­men des Publi­kums nun­mehr nach ver­schie­de­nen Alters­klas­sen gewich­tet und damit den star­ken Ein­fluss der netz­af­fi­nen Jugend zurück­drängt, die seit der Ein­füh­rung der Voting-App ihre Punk­te gleich­mä­ßig auf sämt­li­che Titel ver­teil­te und damit die Ent­schei­dungs­ge­walt fak­tisch in die Hän­de der Jury leg­te, geriet die Voting­se­quenz des MF 2019 zur lang­wei­ligs­ten seit Men­schen­ge­den­ken. Der bereits vor­ab in allen Umfra­gen stark favo­ri­sier­te Sie­ger John Lundvik erhielt 96 von 96 maxi­mal mög­li­chen Punk­ten von der inter­na­tio­na­len Jury sowie 85 von 96 Zäh­lern im Tele­vo­ting und damit fast dop­pelt so viel wie sei­ne nächs­ten Kon­kur­ren­ten. Der in Lon­don gebo­re­ne ehe­ma­li­ge Sprin­ter tritt in Tel Aviv in gewis­ser Wei­se gegen sich selbst an: Lundvik hat­te ursprüng­lich zwei Songs zum Melo­di­fes­ti­va­len ein­ge­reicht. Auf klu­ges Anra­ten von Mel­lo-Chef Chris­ter Björk­man gab er jedoch das von ihm mit­kom­po­nier­te ‘Big­ger than us’ auf und reich­te es an die BBC wei­ter, wo es, gesun­gen von Micha­el Rice, den bri­ti­schen Vor­ent­scheid gewann.

Easy on the Eye and Ear: John Lundvik über­zeugt optisch wie stimm­lich.

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Russ­land 2019: Dei­ne Gewalt ist nur ein stum­mer Schrei nach Lie­be

Es muss einer der frü­hes­ten Favo­ri­ten­stür­ze in der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te sein. Als das rus­si­sche Fern­se­hen Anfang Febru­ar 2019 bestä­tig­te, dass Ser­gey Laza­rev erneut die Föde­ra­ti­on in Tel Aviv ver­tre­ten wer­de, schoss das Land umge­hend in den Wett­quo­ten ganz nach oben. Nicht zuletzt, weil der kna­cki­ge und zei­ge­freu­di­ge Super­star 2016 bereits den Euro­vi­si­on Song Con­test gewann, zumin­dest im Tele­vo­ting, also in der maß­geb­li­chen Abstim­mung. Der aktu­el­le Erz­feind, die Ukrai­ne, schoss sich aus lau­ter Angst vor einem neu­er­li­chen Zwei­kampf und einem mög­li­chen Gesichts­ver­lust durch einen Gesamt­sieg Laza­revs im Rah­men ihres Vor­ent­scheids sogleich selbst ins Knie und muss­te die Teil­nah­me in Isra­el stor­nie­ren. Vor­sichts­hal­ber gab man umge­hend zu Pro­to­koll, 2020 eben­falls nicht mit­ma­chen zu wol­len, falls der Wett­be­werb wie­der in Mos­kau statt­fin­de. Heu­te Nach­mit­tag nun erblick­te Ser­geys Bei­trag ‘Scream’ nach lan­gem Getue und Gewe­se end­lich das Licht der Welt, wor­auf­hin Russ­land bei den Buch­ma­chern inner­halb von nur einer Stun­de sei­ner Favo­ri­ten­rol­le ver­lus­tig ging. Und das ver­wun­dert nicht, lei­det die pom­pö­se Bom­bast­bal­la­de doch, wie so vie­le zeit­ge­nös­si­sche Pop­songs, unter einer ekla­tan­ten Refrain­schwä­che.

I’ll swal­low hard” und “my Throath is on Fire”: geschickt spielt Sehr­gay mit den Wunsch­träu­men vie­ler schwu­ler Fans.

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WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Rie­sen­schrit­ten nähern wir uns dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len steht an die­sem Sams­tag der letz­te öffent­li­che Vor­ent­scheid an. Aus­ge­rech­net all jene Natio­nen, die zu faul oder zu gei­zig waren, einen sol­chen zu orga­ni­sie­ren, haben sich nun ver­ab­re­det, Fans und Euro­vi­si­ons­blog­ger in den Stress­in­farkt zu schi­cken, in dem sie all ihre – teils seit vie­len Wochen im Tre­sor gebun­ker­ten – Bei­trä­ge mehr oder min­der gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­ten. Den Beginn in unse­rer klei­nen Werk­schau macht das mitt­ler­wei­le auch von­sei­ten der EBU offi­zi­ell umbe­nann­te Nord­ma­ze­do­ni­en, das als ein­zi­ge der betei­lig­ten Natio­nen einen vali­den Grund vor­wei­sen kann, sei­nen Song heu­te – am Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag – her­aus­zu­brin­gen. Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song nach einer zwei­ten Stro­phe ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt.

Das Alpha­weib­chen: Tama­ra Todevs­ka führt die Schwes­tern­schaft auf die Bar­ri­ka­den. Recht so!

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San Mari­no 2019: Die Legen­de ist zurück!

Was haben wir dar­auf gewar­tet! Seit der san­ma­ri­ne­si­sche Sen­der SMRTV zum Jah­res­wech­sel ver­kün­de­te, nach dem kra­chend geschei­ter­ten Expe­ri­ment mit der crowd­fi­nan­zier­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung des Vor­jah­res wie­der zur bewähr­ten inter­nen Aus­wahl zurück­zu­keh­ren und mit einem “inter­na­tio­na­len Künst­ler” zu arbei­ten, der sich Ende Janu­ar 2019 als Ser­hat Hacıpaşalıoğlu ent­pupp­te, war­te­te die Grand-Prix-Gemein­de mit ange­hal­te­nem Atem auf die Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Bei­trags für Tel Aviv. Ges­tern früh leak­te der Song erst­ma­lig, und zur Mit­ter­nacht erfolg­te dann der Release des offi­zi­el­len Video­clips. Selbst­re­dend ent­täuscht uns Ser­hat nicht und lie­fert mit ‘Say na na na’ exakt das ab, wonach die Fans lech­zen: nach einem durch und durch scham­lo­sen, süf­fi­gen Sieb­zi­ger­jah­re-Dis­co­schla­ger mit einem unwi­der­steh­li­chen Ohr­wurm­re­frain näm­lich! Der sexy Dad­dy mit der gei­len Ras­pel­stim­me, des­sen 2016er Bei­trag ‘I did­n’t know’ zu den Kult­klas­si­kern zählt, steu­ert mit dem Nach­folge­ti­tel, von dem es bereits acht Remi­xe gibt, das Guil­ty Plea­su­re des aktu­el­len Jahr­gangs bei. Gewis­ser­ma­ßen das ‘Vero­na’ 2019, bei dem jede Gegen­wehr zweck­los bleibt: die Num­mer kriegst du nicht mehr aus dem Kopf! Ver­mut­lich wer­den die spass­be­frei­ten Erz­kon­ser­va­ti­ven von der Jury sie im Euro­vi­si­ons­se­mi schlach­ten, doch das soll uns egal sein: wir haben einen neu­en, unsterb­li­chen Titel für die Grand-Prix-Dis­co, und allei­ne dafür küs­se ich Serhats Augen.

Nie ver­gess’ ich uns’­ren ers­ten Tag / denn ich fühl­te gleich, dass ich dich mag: König Ser­hat kriegt uns alle!

Bela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time

Das muss man dem weiß­rus­si­schen Sen­der BTRC wirk­lich las­sen: er schafft es, sei­ne natio­na­le Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung jedes Jahr auf eine ande­re Wei­se absurd auf­zu­zie­hen und dabei die hohe Kunst der Schie­bung völ­lig unge­niert vor unser aller Augen zu zele­brie­ren. Dies­mal schloss man das Publi­kum zur Sicher­heit kom­plett vom Voting aus und leg­te das Schick­sal der zehn ange­tre­te­nen (bzw. aus­ge­wähl­ten) Kandidat/innen in die Hän­de einer sie­ben­köp­fi­gen Jury unter Mit­wir­kung von Kol­dun, die ihre Voten direkt im Anschluss an den Auf­tritt ver­teil­te. Zehn Punk­te durf­te jede/r Juror/in jedem Act maxi­mal geben, sie­ben waren offen­sicht­lich das Mini­mum: weni­ger als das erhielt ges­tern Abend nie­mand. 70 Zäh­ler konn­te man also höchs­tens errei­chen, und nach­dem gleich die zwei­te Kombattant/in, die erst 16jährige Zena (Zinai­da Kupri­ya­no­vich), ihres Zei­chens zwei­fa­che Juni­or-ESC-Teil­neh­mer/in und 2018 Mode­ra­to­rin des Kin­der­wett­be­werbs, 69 Punk­te abräum­te, hät­ten sich die rest­li­chen acht Konkurrent/innen die Mühe eigent­lich spa­ren kön­nen. Der Fair­ness hal­ber soll gesagt sein: die vor Selbst­be­wusst­sein nur so strot­zen­de Mini-Play­back-Show-Göre-spielt-Brit­ney-Spears-Dar­stel­le­rin Zena gewann mit ihrem unglaub­lich bil­li­gen Weg­werf-Uptem­pofet­zen ‘I like’ den Vor­ent­scheid völ­lig zu Recht!

Zena ver­fügt über ton­nen­wei­se Poten­ti­al. Car-Crash-Poten­ti­al. Den­noch war ‘I like’ das bes­te Ange­bot.

Wei­ter­le­senBela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time