Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris

Bel­gi­en, das ist das Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na West­eu­ro­pas: ein sprach­lich wie kul­tu­rell unheil­bar geteil­tes Land, bestehend aus zwei sich gegen­sei­tig mit tief sit­zen­dem Miss­trau­en beäu­gen­den Sei­ten (hier: die nie­der­län­disch spre­chen­den Fla­men und die fran­zö­sisch par­lie­ren­den Wal­lo­nen), mehr schlecht als recht zusam­men­ge­hal­ten von einer von nie­man­dem so wirk­lich respek­tier­ten Zen­tral­re­gie­rung und stets am Ran­de der poli­ti­schen Hand­lungs­un­fä­hig­keit dahin­ma­nö­vrie­rend. Dass noch kei­ne Blau­helm­sol­da­ten der UN ein­mar­schie­ren muss­ten, ver­dankt der Bene­lux­staat vor allem sei­ner finan­zi­el­len (und der dar­aus fol­gen­den gesell­schaft­li­chen) Sta­bi­li­tät sowie dem fein aus­ta­rier­ten Pro­porz der Insti­tu­tio­nen. So exis­tie­ren zwei getrenn­te Rund­funk­an­stal­ten, der flä­mi­sche Sen­der VRT und sein wal­lo­ni­sches Pen­dant RTBF, die – bis heu­te – immer schön abwech­selnd für die Ent­sen­dung des bel­gi­schen Bei­trags zum Euro­vi­si­on Song Con­test ver­ant­wort­lich zeich­nen.

TV makes it, TV even breaks it: wie die­ser Mit­schnitt ab Minu­te 1:31 beweist, hat­ten die Bel­gi­er schon 40 Jah­re vor den Iren den River­dance drauf.

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Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge

Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP): so hieß der däni­sche Vor­ent­scheid bei sei­ner Pre­miè­re im Jah­re 1957, und so heißt er immer noch. Damals wie heu­te bevöl­ker­te fast aus­schließ­lich Super­seich­tes den skan­di­na­vi­schen Wett­be­werb, denn wie ihre süd­li­chen Nach­barn, die Deut­schen, mögen es auch die Dänen in ihrer brei­ten Mas­se musi­ka­lisch eher kan­ten­los und weich­ge­spült. Wäh­rend sich die kul­tu­rel­le Ein­falls­lo­sig­keit heut­zu­ta­ge meis­tens auf zehn mehr oder min­der uni­for­me Bei­trä­ge und zehn Interpret/innen ver­teilt, wähl­te der ver­an­stal­ten­de Sen­der Dansk Radio (DR) damals ledig­lich zwei Künstler/innen aus, die sowohl gegen- als auch mit­ein­an­der antra­ten. Die jun­ge Kopen­ha­ge­ne­rin Bir­t­he Wil­ke stell­te solo zwei Titel vor, konn­te mit dem belieb­ten Schla­ger­the­ma “Früh­ling” aber eben­so wenig die Jury über­zeu­gen wie mit dem ‘Gewöhn­li­chen Lied’, dem ‘Chan­son ordinaire’. Auch ihr rund zehn Jah­re älte­rer und 1979 bei einem Auto­un­fall ums Leben gekom­me­ne Kon­kur­rent Gus­tav Winck­ler, der – wie Bir­t­he – für lan­ge Jah­re zur Grund­aus­stat­tung des DMGP gehö­ren soll­te, blieb mit sei­nen Solo­num­mern über eine ‘Fata Mor­ga­na’ und die ‘Stra­ße der Sehn­sucht’ erfolg­los.

Für die deut­sche Ein­spie­lung des däni­schen ESC-Bei­trags ersetz­te die Schwe­din Bibi Johns die Ori­gi­nal­in­ter­pre­tin.

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A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ers­ten Jahr des von der BBC mit­in­iti­ier­ten Euro­vi­si­on Song Con­tests, hat­ten die Bri­ten bizar­r­er­wei­se nicht an den euro­päi­schen Fest­spie­len teil­ge­nom­men. Zwar orga­ni­sier­ten auch sie einen am Vor­bild des ita­lie­ni­schen San-Remo-Fes­ti­vals ori­en­tier­ten Lie­der­wett­be­werb. Doch das mit zahl­rei­chen Vor­run­den ver­se­he­ne Fes­ti­val of Bri­tish popu­lar Songs ging erst am 22. Okto­ber 1956 – mit­hin fünf Mona­te zu spät für den ESC – zu Ende. Und obschon mit Petu­la Clark ein bekann­ter Kin­der­star dar­an teil­nahm, brach­te es nicht einen ein­zi­gen Chart-Hit her­vor. Nur drei Mona­te spä­ter, am 22. Janu­ar 1957, star­te­te die BBC den­noch die zwei­te Aus­ga­be des For­ma­tes, wel­ches dies­mal auch zur Ermitt­lung des bri­ti­schen Grand-Prix-Bei­trags dien­te, denn die selbst emp­fun­de­ne Pop-Nati­on woll­te das euro­vi­sio­nä­re Feld den Brü­dern und Schwes­tern vom Fest­land kei­nes­falls allei­ne über­las­sen.

Ein “welt­frem­des, jun­ges Geschöpf” – so die Eigen­be­schrei­bung der Sän­ge­rin Patri­cia Bre­din.

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Wie in den Nie­der­lan­den setz­te man in den spä­ten Fünf­zi­ger­jah­ren auch in der Eid­ge­nos­sen­schaft auf Kon­ti­nui­tät beim Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid. Wie bereits 1956 tra­ten erneut drei Künstler/innen (je eine/r pro Lan­des­teil) mit ins­ge­samt elf Titeln zum Vor­sin­gen an. Dabei schick­te die Roman­die, wie noch so oft, erneut Jo Roland, der ‘Avec vingt Sous’, mit 20 Pfen­ni­gen also, im Hoch­preis­land Schweiz nicht sehr weit kam. In Deutsch­land hät­te das zumin­dest für einen Wunsch­ti­tel in der Juke­box (‘Für zwei Gro­schen Musik’, DE 1958) gereicht! Der Sen­der des deutsch­spra­chi­gen Teils dele­gier­te wie­der­um die Vor­jah­res­sie­ge­rin Lys Assia, die mit gan­zen fünf Bei­trä­gen den Abend kom­plett domi­nier­te. Dar­un­ter fan­den sich nicht nur aus heu­ti­ger Sicht schon vom Lied­ti­tel her extrem ver­staubt wir­ken­de Volks­mu­sik­ka­mel­len wie ‘Ein trau­tes Lied vom Turm her­ab’ (was streng­ge­nom­men auch den Ruf des Muez­zins aus dem Moschee-Laut­spre­cher beschrei­ben könn­te), aber auch das kecke ‘Der­riè­re la Cathe­dra­le’ (‘Hin­ter der Kathe­dra­le’: doch nicht etwa ein hei­ßes Stell­dich­ein mit dem Pfar­rer nach Art der Dor­nen­vö­gel?).

War als Kind bestimmt nicht so lang­wei­lig wie ihr Lied: die Assia.

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer

Busi­ness as usu­al bereits im zwei­ten Jahr des nie­der­län­di­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­des, dem Natio­naal Song­fes­ti­val: erneut tra­ten vier Künstler/innen gegen­ein­an­der an, die jeweils zwei Lie­der vor­tra­gen durf­ten, erneut stimm­te in vor­bild­lich demo­kra­ti­scher Wei­se das Publi­kum per Post­kar­ten­zu­schrift ab, erneut kam die Sen­dung aus den AVRO-Stu­di­os in Hil­ver­sum und erneut führ­te Karin Kraay­kamp durch den Abend. Mit Cor­ry Brok­ken fand sich sogar eine der Teilnehmer/innen des Vor­jah­res erneut im Line-up, und erneut mach­te die­se das Ren­nen. Und zwar mit der so geschmack- wie dezent schwung­vol­len Bal­la­de ‘Net als toen’, die in Frank­furt am Main, wo der Grand Prix 1957 statt­fand, sogar die Kro­ne holen soll­te.

Zwei Minu­ten tun es auch: Cor­ry mit einer gekürz­ten Ver­si­on ihres Sie­ger­lie­des bei einem TV-Auf­tritt in Frank­reich.

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San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men

Rin in die Kar­tof­feln – raus aus die Kar­tof­feln: hat­te man 1956 beim San-Remo-Fes­ti­val (SRF), dem als ita­lie­ni­schem Vor­ent­scheid genutz­ten ligu­ri­schen Musik­fes­ti­val, die gro­ßen Namen raus­ge­wor­fen, um dem Nach­wuchs eine Chan­ce zu geben, so erklär­te der ver­ant­wort­li­che Sen­der Rai die­ses Expe­ri­ment auf­grund des gerin­gen öffent­li­chen Zuspruchs schnell als geschei­tert und hol­te bereits 1957 die Stars wie­der zurück. Es gab zwei Semi­fi­na­le mit jeweils zehn Titeln, die Hälf­te davon kam ins sams­täg­li­che Fina­le (das Kon­zept kommt uns heu­te sehr bekannt vor, nicht wahr?). Aller­dings wur­de jedes Lied gleich zwei Mal von ver­schie­de­nen Künstler/innen unter­schied­lich inter­pre­tiert, eine in den Anfangs­jah­ren des Wett­be­werbs weit ver­brei­te­te und auch von ande­ren Län­dern kopier­te Her­an­ge­hens­wei­se. Den­noch bewer­te­ten die Jurys in der End­ab­stim­mung nur den Song und nicht den Sän­ger.

Da läuft der Schmalz liter­wei­se aus dem Laut­spre­cher: Clau­dio Vil­la mit dem San-Remo-Sie­ger­lied.

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1956: Auf­tritt einer Legen­de

Die Schweiz beher­bergt in ihrer zweit­größ­ten Gemein­de Genf den Haupt­sitz der euro­päi­schen Rund­funk­uni­on EBU, wel­che bekannt­lich 1955 den Euro­vi­si­on Song Con­test aus der Tau­fe hob. Des­sen Pre­miè­re ging 1956 eben­falls in der Eid­ge­nos­sen­schaft über die Büh­ne, und zwar in Luga­no im male­ri­schen Tes­sin. Man kann das Land also mit Fug und Recht als ide­el­le Hei­mat des Grand Prix bezeich­nen. Um so erstaun­li­cher, dass die Geschichts­schrei­bung hin­sicht­lich der Details der hel­ve­ti­schen Vor­ent­schei­dun­gen der Fünf­zi­ger­jah­re ziem­lich im Trü­ben fischt. Für die Erst­ver­an­stal­tung ist immer­hin soviel bekannt, dass die Vor­auswahl weni­ge Wochen vor dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb in Lau­sanne statt­fand. Drei Künstler/innen nah­men teil: aus jeder der drei maß­geb­li­chen eid­ge­nös­si­schen Sprach­re­gio­nen eine/r. Wie das in einem kul­tu­rell dis­pa­ra­ten Land nun mal so ist, wo man auf den Pro­porz noch pein­lich genau­er ach­tet als inner­halb poli­ti­scher Par­tei­en oder bei deut­schen Rund­funk­rä­ten.

1963 konn­te sich die Schwei­ze­rin Ani­ta Tra­ver­si den zwei­ten Platz bei den Deut­schen Schla­ger­fest­spie­len sichern. Den kom­mer­zi­el­len Erfolg mit ihrem Lied mach­te aller­dings Mar­got Eskens, deren Plat­ten­fir­ma die Sin­gle schnel­ler ver­öf­fent­lich­te (Reper­toire­bei­spiel).

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüde­lü­delü

Für gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät sind die Nie­der­lan­de nicht erst seit der Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von Cof­fee­shops und der damit ein­her­ge­hen­den Teil­le­ga­li­sie­rung von Mari­hua­na oder seit der Ein­füh­rung der Homo-Ehe im Jah­re 2001, damals als ers­ter Staat welt­weit, bekannt. So nimmt es wenig Wun­der, dass es dem hol­län­di­schen Sen­der NTS als ein­zi­ger der sie­ben an der Erst­aus­ga­be des Euro­vi­si­on Song Con­tests teil­neh­men­den TV-Sta­tio­nen vor­be­hal­ten blieb, sei­nen Vor­ent­scheid, das Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF), nach demo­kra­ti­schen Maß­stä­ben zu orga­ni­sie­ren und dem Publi­kum als maß­geb­li­chem Rich­ter die Ent­schei­dung zu über­las­sen, welche/n der drei ange­tre­te­nen Künstler/innen und ihrer ins­ge­samt acht Lie­der es nach Luga­no dele­gie­ren woll­te. Genau­er gesagt: wel­che zwei, denn auf­grund des begrenz­ten Krei­ses an teil­neh­men­den Natio­nen muss­te ein jedes Land gleich zwei “Schla­ger und Chan­sons” (so der Titel des deut­schen Vor­ent­scheids) in die Schweiz ent­sen­den. Natür­lich ging das sei­ner­zeit noch nicht per Tele­fon oder gar per App, son­dern noch mit­tels der guten alten Post­kar­te (fragt Eure Eltern!), von denen nach der an einem Diens­tag (!) aus­ge­strahl­ten Show rund 6.500 Exem­pla­re beim Sen­der ein­tru­del­ten.

Für immer vor­bei war es für Cor­ry noch lan­ge nicht, im Gegen­teil, es ging erst rich­tig los!

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San-Remo-Fes­ti­val 1956: Die Wur­zel alles Guten

Als Mut­ter des Euro­vi­si­on Song Con­tests gilt es nach herr­schen­der Leh­re: das Fes­ti­val del­la Can­zo­ne ita­lia­na, hier­zu­lan­de nach sei­nem Ver­an­stal­tungs­ort eher bekannt unter dem Namen San-Remo-Fes­ti­val (SRF). Der erst­ma­lig im Febru­ar 1951 in der ligu­ri­schen Kur­stadt aus­ge­tra­ge­ne Lie­der­wett­streit dien­te der nur ein Jahr zuvor in Genf gegrün­de­ten European Broad­cas­ting Uni­on (EBU), dem Zusam­men­schluss der euro­päi­schen Rund­funk­an­stal­ten, als Blau­pau­se bei ihrer Suche nach einem Zuschau­er­kö­der für das damals noch ver­hält­nis­mä­ßig neue Medi­um Fern­se­hen. Anfäng­lich nur im Radio über­tra­gen, brach­te der ita­lie­ni­sche Staats­sen­der Rai die Lie­der­ga­la 1955 mit ihrer fünf­ten Aus­ga­be erst­ma­lig auf die Bild­schir­me. Und das gleich euro­pa­weit: mit Aus­nah­me Luxem­burgs über­tru­gen sämt­li­che Teil­neh­mer­län­der des ers­ten Grand Prix von 1956, gewis­ser­ma­ßen als Übung, das SRF als Euro­vi­si­ons­sen­dung in ihren Pro­gram­men. Den­noch rich­te­te sich die Show musi­ka­lisch natür­lich in ers­ter Linie an das Publi­kum auf der stie­fel­för­mi­gen Halb­in­sel.

I got it bad / You don’t know how bad I got it: Vil­la mit dem San-Remo-Sie­ger­song 1955.

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