ESC 2017: erstes Semi

Achtzehn Nationen kämpfen in der ersten Qualifikationsrunde am Dienstag, dem 9. Mai 2017, um zehn freie Slots für das Finale am Samstag. Die Chancen, es zu schaffen, sind also rein rechnerisch größer als das Risiko, auszuscheiden. Es kündigt sich, wie nicht anders zu erwarten, eine Balladenflut bisher nicht gekannten Ausmaßes an: gleich acht langsame Lieder tümmeln sich in diesem Semi, also knapp jeder zweite Beitrag. Eine ausreichende Versorgung mit koffeinhaltigen Getränken oder anderen anregenden Substanzen sei daher dringend anempfohlen, will man diesen Abend ohne Koma überstehen. Gute Nachrichten also, so sollte man meinen, für die Eurovisions-Rückkehrer vom SunStroke Project, die nach 2010 heuer zum zweiten Mal für Moldawien antreten, natürlich mit einem Uptempostück. Doch auch wenn sie ihren kultigen Epic Sax Guy wieder mitbringen: für den Finaleinzug dürfte ‚Hey Mamma!‘ wohl nicht reichen. Den Moldawiern gleich tun es die Slowenen, die den Rückkehrer Omar Naber entsenden, allerdings mit einer vor Kitsch nur so triefenden Ballade. Der kann vor Ort gleich noch Stadtführungen anbieten, war er doch auch 2005 beim letzten Song Contest in Kiew mit am Start. Abgestimmt wird wie immer im Jury-Televoting-Mix, von den → Big Five dürfen in dieser Runde Italien, Spanien und Großbritannien mitvoten.

Für Eilige: alle 18 Titel im Schnelldurchlauf, in Startreihenfolge

ESC 2017, 1. Semi

1. Semifinale des Eurovision Song Contest 2017, Dienstag, der 9. Mai 2017, 21 Uhr, aus dem International Exhibition Center in Kiew, Ukraine. Moderation: Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko, 18 Teilnehmer.
#LandInterpret/inTitelPkt. TVPl. TVPkt. ges.Pl. ges.
1SERobin BengtssonI can't go on
2GETamara GachechiladseKeep the Faith
3AUIsaiah FirebraceDon't come easy
4ALLindita HalimiWorld
5BEBlancheCity Lights
6MESlavko KalezićSpace
7FINorma JohnBlackbird
8AZDiHajSkeletons
9PTSalvador SobralAmar pelos Dois
10GRDemyThis is Love
11PLKasia MośFlashlight
12MDSunstroke ProjectOh Mamma
13ISSvala BjörgvinsdóttirPaper
14CZMartina BártaMy Time
15CYHovig DemirjianGravity
16AMArtsvik HarutyunyaFly with me
17SIOmar NaberOn my Way
18LVTriana ParkLine

Die Songs des ersten Semis im aufrechtgehn.de-Voting:

01. Schweden (SE):

Robin BengtssonI can’t go on (Ich kann nicht weitermachen)

In einem Satz: Der feuchte Traum jedes schwedophilen Grand-Prix-Fans: ein inhaltsleerer, supereingängiger Discoschlager, perfekt vorgetanzt von einem Posterboy mit Dreitagebart – die Quintessenz des Melodifestivalen und der perfekte Opener für das erste Semi.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 7/12 Punkten. Mein Rang 4 in diesem Semi.

Finalchancen: Wie gesagt: der feuchte Traum jedes schwedophilen Grand-Prix-Fans. Sieger dieser Vorrunde und sicher im Finale.

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02. Georgien (GE):

Tamara GachechiladzeKeep the Faith (Das Vertrauen behalten)

In einem Satz: ja, die Ukraine schaffte es letztes Jahr mit clever getarnter Russlandschelte zum Sieg – aber die kam auch musikalisch anspruchsvoll daher und nicht als angestaubte Grand-Prix-Ballade wie der georgische Beitrag 2017.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 15 in diesem Semi.

Finalchancen: Zu altbacken, zu kontrovers. Und dann auch noch der Todesslot. Scheitert. Erwartete Platzierung: Rang 13.

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03. Australien (AU):

Isaiah FirebraceDon’t come easy (Nicht leicht zu haben)

In einem Satz: Farrah Fawcett, wiedergeboren im Körper eines australischen Jungen, spielt mit waidwundem Rehblick das Kräutchen-rühr-mich-nicht-an.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Fad. Mein Rang 14 in diesem Semi.

Finalchancen: Das könnte erstmals eng werden für das assoziierte Eurovisions-Schwergewicht. Erwartete Platzierung: Rang 10.

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04. Albanien (AL):

Lindita HalimiWorld (Welt)

In einem Satz: Wie immer – eine zierliche Frau schreit sich durch eine etwas zähe Klageballade, die in der englischen Fassung viel von ihrem Ethno-Charme einbüßt.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 3/12 Punkten. Mein Rang 8 in diesem Semi.

Finalchancen: Es ist Albanien und es ist ganz gut. Sicher im Finale. Erwartete Platzierung: Rang 6.

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05. Belgien (BE):

BlancheCity Lights (Großstadtlichter)

In einem Satz: Düster und druckvoll, atmosphärisch dicht und hypnotisch – Blanches artifizielles Popstück gehört mit zum aktuellsten und besten, was der Contest in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 8/12 Punkten. Mein Rang 3 in diesem Semi.

Finalchancen: Die Jurys werden es lieben, die Fans auch. Nach drei langsamen Liedern am Stück sind Blanches Beats hoch willkommen. Sicher im Finale. Erwartete Platzierung: Rang 5.

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06. Montenegro (ME):

Slavko KalezićSpace (Weltall)

In einem Satz: Man stecke Paul Oscar (→ IS 1997), Deen (→ BA 2004), Anžej Dežan (→ SI 2006) und Dima Bilan (→ RU 2006) in eine große, glitzernde Discokugel und schieße sie ins All, dann bekommt man Slavko Kalezić – er übertrifft selbst den kroatischen Kollegen Jacques Houdek (2017) noch in Sachen Campness.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 10/12 Punkten. Mein Rang 2 in diesem Semi. Das läuft jetzt fürs restliche Jahr bei mir in Endlosschleife.

Finalchancen: Was sich die Verantwortlichen gedacht haben, das Stück an dieser Stelle des Abends zu vergeuden, bleibt wohl deren Geheimnis. So oder so: das queere Semifinal-Publikum und die queeren Semifinal-Zuschauer/innen werden es lieben, die Jurys hassen. Doch Liebe übertrumpft den Hass: Finale. Optimistisch erwartete Platzierung: Rang 5.

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07. Finnland (FI):

Norma JohnBlackbird (Amsel)

In einem Satz: Wenn wir schon nicht die echte Adele für Großbritannien kriegen, dann nehmen wir halt diese finnische Tribute-Band.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 2/12 Punkten. Mein Rang 9 in diesem Semi.

Finalchancen: Prototypisches Jury-Futter, und viele Fans sind auch schon ganz feucht. Profitiert als „wertige“ Ballade von der Startreihenfolge und dem Platz direkt hinter dem campen Montenegriner. Sicher im Finale. Erwartete Platzierung: Rang 3.

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08. Aserbaidschan (AZ):

DiHajSkeletons (Skelette)

In einem Satz: Die Aserbaidschaner wissen, wie es geht: ein vielschichtiger, atmosphärisch schwebender Popsong mit schönen 80erjahre-Elektro-Anleihen.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 6/12 Punkten. Mein Rang 5 in diesem Semi.

Finalchancen: Es ist Aserbaidschan. Und es ist gut. Ziemlich sicher drin. Erwartete Platzierung: Rang 8.

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09. Portugal (PT):

Salvador SobralAmar pelos Dois (Lieben für Zwei)

In einem Satz: Ein bekiffter Teletubbie singt eine disneyeske Fünfzigerjahre-Liebesfilmmusik und schafft einen magischen Moment der völligen Verzauberung.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 12/12 Punkten. Mein Rang 1 in diesem Semi.

Finalchancen: Ein absolutes Liebe-oder-Hass-Lied, das man entweder sofort tief in sein Herz schließt oder dabei vor Langeweile einschläft. Salvador bezaubert aber genügend Menschen, um ganz sicher ins Finale einzuziehen und dort sogar um den Sieg mitzuspielen. Erwartete Platzierung: Rang 2.

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10. Griechenland (GR):

DemyThis is Love (Das ist Liebe)

In einem Satz: Ein fader Abklatsch von Glorious (→ DE 2013), und das war schon ein fader Abklatsch.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 13 in diesem Semi.

Finalchancen: Es ist Griechenland, Zypern ist im selben Semi, und das Stück hat einen Puls. Außerdem: stumpf ist Trumpf. Sicher im Finale. Erwartete Platzierung: Rang 7.

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11. Polen (PL):

Kasia MośFlashlight (Blitzlicht)

In einem Satz: Fire – Desire – higher – Wire: das geht mir auf die Eier!

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 16 in diesem Semi.

Finalchancen: Eher nicht, denn die Balladenstimmen des Publikums gehen an Portugal und Finnland. Nur die diabolischen Jurys könnten sie noch ins Finale manipulieren. Erwartete Platzierung: Rang 12.

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12. Moldawien (MD):

SunStroke ProjectHey Mamma!

In einem Satz: Nur echt mit dem Epic Sax Guy.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 1/12 Punkten. Mein Rang 10 in diesem Semi.

Finalchancen: Leider dürften sich die Letten und die Moldawier gegenseitig die Uptempo-Fan-Stimmen wegnehmen, zumal beide Titel nur so mittelprächtig sind. Scheitert. Erwartete Platzierung: Rang 18.

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13. Island (IS):

Svala BjörgvinsdóttirPaper (Papier)

In einem Satz: So interessant wie ein weißes Blatt Papier.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 17 in diesem Semi.

Finalchancen: Hier ist er, der Fanfavoritensturz des Abends, der Kate-Ryan-Moment 2017. Erwartete Platzierung: Rang 14.

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14. Tschechien (CZ):

Martina BártaMy Turn (Ich bin dran)

In einem Satz: Inhaltlich ein wirklich anrührend bewegendes Stück über Mitmenschlichkeit und Beziehungsarbeit, geht die tschechische Macy Gray doch im diesjährigen Balladensee unter.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 18 in diesem Semi.

Finalchancen: Die Jurys dürften ihr zwar etliche Punkte zuschaufeln, dennoch wird sie knapp scheitern. Erwartete Platzierung: Rang 11.

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15. Zypern (CY):

Hovig DemirjanGravity (Schwerkraft)

In einem Satz: Mit der verspielten Leichtigkeit von Zlata Ognevichs gleichnamigem Eurovisionsbeitrag (→ UA 2013) kann der G:ssong nicht mithalten, genau so wenig wie mit seinem offensichtlichen musikalischen Vorbild ‚Human‘.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 4/12 Punkten. Mein Rang 7 in diesem Semi.

Finalchancen: Klingt zu sehr nach einer Kopie, und der stärkste Sänger ist Hovig auch nicht. Scheitert. Erwartete Platzierung: Rang 15.

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16. Armenien (AM):

Artsvik Harutyunya – Fly with me (Flieg mit mir)

In einem Satz: Ofra Haza singt über die Instrumentalspur von Loreens ‚Statements‘ – anregend, artifiziell, atmosphärisch angenehm, aber auch ein songgewordenes Vorspiel ohne echten Höhepunkt.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 5/12 Punkten. Mein Rang 6 in diesem Semi.

Finalchancen: Es ist Armenien, und es ist nicht schlecht. Ziemlich sicher drin. Erwartete Platzierung: Rang 9.

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17. Slowenien (SI):

Omar NaberOn my Way (Auf meinem Weg)

In einem Satz: Engelbert Humperdinck würde sich bei diesem Superschmalz im Grabe umdrehen, wenn er nicht noch leben würde!

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 12 in diesem Semi.

Finalchancen: Im diesjährigen Balladensee kommt der liedgewordene Schmalzkringel vielleicht doch einen Tick zu abgeschmackt daher, um zu reüssieren. Scheitert. Erwartete Platzierung: Rang 16.

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18. Lettland (LV):

Triana Park – Line (Grenze)

In einem Satz: Lustige Schwarzlichtdeko und ein energiegeladener Drummer retten den okayen Elektrodancesong vor dem Absturz, während die Frontfrau vielleicht mal ein paar Wochen Partypause einlegen sollte.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: 0/12 Punkten. Mein Rang 11 in diesem Semi.

Finalchancen: Leider dürften sich die Letten und die Moldawier gegenseitig die Uptempo-Fan-Stimmen wegnehmen, zumal beide Titel nur so mittelprächtig sind. Scheitert. Erwartete Platzierung: Rang 17.

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Und jetzt kommst Du: was sind Deine Lieblingssongs im ersten Semi 2017? (Maximal 10 Stimmen)

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