ESC 2017: Finale

Wie gewohnt treffen beim Hauptact am Samstag, dem 13. Mai 2017, 26 Lieder aufeinander: jeweils die zehn bestplatzierten aus den beiden Qualifikationsrunden vom Dienstag und Donnerstag, die besonders privilegierten Big Five (Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland), für die sich die Sonderrolle jedoch in den letzten Jahren eher als Handicap herausgestellt hat, sowie die Ukraine als Gastgeberland. Hier werden die Karten noch einmal neu gemischt, gelten erfahrungsgemäß andere Gesetze als in den beiden Semis, insbesondere was das Abstimmungsverhalten der Zuschauer/innen beim Televoting angeht. Denn das Finale zieht stets ein deutlich größeres Publikum an, das sich dementsprechend auch demografisch anders zusammensetzt als bei den Semi-Abstimmungen, wo die Hardcore-Fans meist mehr oder minder unter sich sind. Die Geschmäcker sind hier oftmals andere, und da im Finale auch die bereits ausgeschiedenen Nationen mitstimmen dürfen, lässt sich das Diasporavoting schwerer berechnen als in den Semis. Da das Starterfeld zudem größer ist, spielt die Reihenfolge eine wichtigere Rolle: die ersten fünf bis sechs Starter haben meistens die Arschkarte gezogen, an sie erinnert sich gegen Ende des Abends kaum noch jemand.

Und hier die Songs der fixen Finalisten:

Deutschland (DE):

Levina LueenPerfect Life (Perfektes Leben)

In einem Satz: Oops, we did it again: kompetent dargebotener, formatradiotauglicher und komplett eurovisionsungeeigneter Midtemposeich.

Erste persönliche Bewertung: 3 Punkte. Damit schaffen wir das Rote-Laternen-Trippel.

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Frankreich (FR):

AlmaRequiem (Totenmesse)

In einem Satz: Ein ziemlich gutes Lied, allerdings auch ein Requiem für den Livegesang.

Erste persönliche Bewertung: 8 Punkte für die Studiofassung, 5 Punkte für die Liveversion. Bestenfalls Mittelfeld, falls sie es schafft, beim ESC-Auftritt nicht immer noch dreinzublicken wie ein Reh im Licht der Autoscheinwerfer.

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Großbritannien (UK):

Lucie JonesNever give up on you (Gebe Dich niemals auf)

In einem Satz: Doch, aufgegeben haben sich die Briten als Popnation schon längst, sonst hätten sie ihre (kompetent gesungene) Eurovisions-Bilderbuch-Ballade nicht in Dänemark bei Emmelie de Forest gekauft.

Erste persönliche Bewertung: 5 Punkte, klassisches Juryfutter, wenig attraktiv fürs Televoting, damit ein guter Mittelfeldplatz.

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Italien (IT):

Francesco GabbaniOccidentali’s Karma (Das Karma des Okzidents)

In einem Satz: Clever konstruierte, unterhaltsame Abrechnung mit dem aktuellen Zustand der westlichen Welt, ansprechend verpackt in einen tollen Popsong und mit hinreißendem Charme präsentiert.

Erste persönliche Bewertung: 12 Punkte. Das ist er, geehrte Leserinnen und Leser: der Siegersong 2017.

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Spanien (ES):

Manel NavarroDo it for your Lover (Tu es für Deinen Liebhaber)

In einem Satz: Selbstverliebter Surferboy will seine sich zierende Gespielin zu irgendetwas überreden – wir können uns denken, zu was.

Erste persönliche Bewertung: 4 Punkte. Von der korrupten spanischen Jury gegen den Zuschauerwillen nach Kiew gemogelt, könnte sich Manel als harter Konkurrent für unsere Levina im Zweikampf um den letzten Platz im Finale erweisen.

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#22 Ukraine (UA):

O.TorvaldTime (Zeit)

In einem Satz: Labberiger Softrock und garantierte Klopause – freundlicherweise zeigt uns die mitlaufende Stoppuhr, wie viel Zeit wir noch zum Pinkeln haben.

Erste persönliche Bewertung: 3 Punkte. Wird sein Zielpublikum finden, denn es gibt einen breiten Markt für Rock, der nicht rockt. Dennoch muss die Ukraine 2018 den Wettbewerb nicht noch mal organisieren, so viel ist sicher.

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