Axel Feige

28 Jahre alt, groß gewachsen, vollbärtig, Männerdutt und nach Aussage von Barbara Schöneberger Träger eines „Pferdeschwanzes“: optisch ist der Hamburger Axel Feige, der einzige verbliebene Kerl unter den fünf von der NDR-Jury für den deutschen Vorentscheid 2017 ausgesiebten Nachwuchshoffnungen, schon mal ein ziemlicher Volltreffer. Musikalität scheint ihm außerdem in den Knochen zu stecken: mit sechs Jahren lernte er, so informiert uns der NDR, bereits Klavier, später kamen Gitarre und Bass hinzu. Sowie – für das Schulorchester – das Fagott. Die naheliegenden Wortwitze für die des Englischen Mächtigen will ich mir verkneifen (schließlich hat Axel laut Eigenauskunft eine Freundin) und stattdessen lieber den Bezug zum Eurovisionssieger von 1966 herstellen, zu Udo Jürgens: „Der Mann mit dem Fagott“ hieß schließlich dessen Autobiografie. Anders als der Österreicher macht Feige aber nicht in chansonesken Schlagern, sondern zeigt sich eher den Bereichen Blues sowie Alternative und Progressive Rock zugeneigt. Also genau der sterbenslangweiligen Musikkacke für sterbenslangweilige Heteromänner, vor der schwule Discoschlagerhäschen wie ich einst zum Grand Prix flohen.

Bedient ein bisschen die Roman-Lob-Schiene, wenngleich er in Sachen Babybärchenhaftigkeit nicht ganz mithalten kann: Axel Feige (Repertoirebeispiel)

Als Coversong für die erste Auswahlrunde von Unser Song 2017 suchte sicht Axel ‚You know my Name‘ von Chris Cornell heraus, ein Bond-Song. Den setzte er zwar sowohl beim Auftritt im ARD-Moma wie auch im Vorentscheid ziemlich in den Sand, zog aber dennoch eine Runde weiter. Nachdem er erkennbar auch mit dem ersten potentiellen Eurovisionsbeitrag ‚Wildfire‘ nicht so richtig warm zu werden schien, schien es fraglich, ob er überhaupt noch dazu käme, den zweiten von der NDR-Liedfindungskommission ausgewählten möglichen Song für Kiew zu singen. Was schade gewesen wäre, da er nach meinem Dafürhalten der Einzige der Lucky Five war, der (dem im Vergleich zu ‚Wildfire‘ deutlich schwächeren) ‚Perfect Life‘ wenigstens ein bisschen eigene Persönlichkeit einhauchen konnte, in dem er auch diesem Titel leichte Bond-Bezüge verlieh. Er durfte dann nämlich doch, und auch die Juroren stellten unisono fest, dass dies sein Titel und er darin erkennbar zu Hause sei. Doch auch, wenn er bei dieser Performance stärker aus sich herausging: so richtig gut kam Axel mit dem TV-Studio, den Kameras und vor allem dem eindeutig seine Konkurrentin liebenden Publikum nicht klar, stellenweise schien er sich ganz weit weg zu wünschen und wirkte denn auch eher erleichtert, als in der dritten Runde für ihn Schluss war.

Leider zurzeit nur als Probenmitschnitt verfügbar: Axel mit dem späteren Siegersong, leider nicht in seiner Version

Der aufrechtgehn.de-Schnellcheck

Stimme: Erdig, soulig, männlich. Nett. 7 von 12 Punkten.
Aussehen: Groß, vollbärtig, kerlig. Ziemlich nett. 8 von 12 Punkten.
Ausstrahlung: Der Kumpeltyp. Bestimmt ein interessanter Gesprächspartner. Der Glamourfaktor ist aber eher gering. 6 von 12 Punkten.
Erfahrung: Spielt in mehreren Bands, auf der Straße und auf Hochzeiten. Also eher ein Live-Musiker, vor der Kamera sprühen die Funken nicht so stark. 7 von 12 Punkten.
bisheriges Liedgut: Grauenhaft. 2 von 12 Punkten.
ESC-Chancen: Irgendwo zwischen ‚Standing still‘ (DE 2012, 8. Platz) und ‚I am yours‘ (AT 2015, letzter Platz).

< Yosefin Buohler

Felicia Lu Kürbiß >