Felicia Lu Kürbiß

Unter allen fünf Kandidat/innen für den deutschen Eurovisionsvorentscheid 2017 hat die 21jährige Felicia Lu Kürbiß den lustigsten Namen. Denn nicht nur, dass dieser an das zu Halloween gerne zu Dekorationszwecken verwendete Gemüse erinnert, aus dem sich sehr leckere Suppen kochen lassen. Angesichts der Schreibweise mit scharfem „S“ und der beiden sehr kräftigen, gesunden Zahnreihen, welche die Chiemgauerin ihr eigen nennt, bekommt dieser außerdem noch einen herrlich witzigen, hö hö, Biss. Die Lu verfügt über eine große musikalische Bandbreite, wie sie auf ihrem professionell aufgezogenen Youtube-Kanal beweist, wo sie seit 2015 jeden Freitag ein neues Video mit Coverversionen oder eigenen Titeln einstellt. An einer Castingshow nahm sie auch schon teil: bei dem auf dem aktuellen israelischen Vorentscheidungsformat basierenden, von RTL aufgrund mauer Quoten allerdings vorzeitig beendeten Rising Star schaffte sie es 2014 bis ins Halbfinale.

Bedient ein bisschen die Lena-Schiene, wenn auch stimmlich nicht ganz so prägnant und zauberelfenhaft: Felicia Lu (Repertoirebeispiel)

Als ihre liebste Musikrichtung benannte Felicia gegenüber eurovision.de die Sparte „Elektropop“, was ein wenig Hoffnung gab, dass sie die insgesamt massiven zwei (!) möglichen Eurovisionstitel, die der augenscheinlich finanziell klamme NDR für den Wettbewerb einkaufte, wenigstens nicht ganz so trantütig intonieren würde. Was sich bei den Proben am Mittwoch dann bestätigte: auch wenn sie, wie alle Konkurrentinnen, unter der bräsigen Raab-TV-Hausband, den Heavytones, litt, stellte sich ihre Fassung von ‚Wildfire‘ als die schnellste und moderat peppigste heraus und wäre damit automatisch meine erste Wahl für Kiew gewesen. Aufgrund des absonderlichen Vorentscheidungsformates kam Felicia allerdings gar nicht dazu, diese dem Publikum zu präsentieren: sie schied schon nach der Vorstellungsrunde aus, für die sie sich als persönlichen Coversong suchte sie sich ‚Dancing on my own‘ von Robyn bzw. Calum Scott herausgesucht hatte, den auch Lena Meyer-Landrut (→ DE 2010, 2011) während Unser Star für Oslo schon mal präsentierte. Und exakt wie Lena klang auch Lu, mal abgesehen von der völlig verquäkten Schlussnote. Was zur Folge hatte, dass das Publikum sie leider als Kopie aussonderte. Schade, denn ich bin immer noch überzeugt, dass wir mit ihr die besten Chancen gehabt hätten.

Da fehlten leider Pepp und Stimmsicherheit: Felicia Lu

 Der aufrechtgehn.de-Schnellcheck

Stimme: Tatsächlich recht lenaesk, aber auch ein bisschen dünn. 6 von 12 Punkten.
Aussehen: Ausgesprochen hübsch und mädchenhaft. Prägnantes Gebiss. 7 von 12 Punkten.
Ausstrahlung: Charming. Bei den Tanzbewegungen in ihren Youtube-Videos wirkt sie aber gelegentlich noch ein bisschen hölzern. 6 von 12 Punkten.
Erfahrung: Youtube-Star und Castingshowsternchen. Auch wenn letzteres kaum jemand gesehen hat. 7 von 12 Punkten.
bisheriges Liedgut: Breitgefächert, modern, Hang zum Uptempo. 8 von 12 Punkten.
ESC-Chancen: Irgendwo zwischen ‚Satellite‘ (DE 2010, 1. Platz) und ‚Black Smoke‘ (DE 2015, letzter Platz).

< Axel Feige

Levina Lueen >