Yosefin Buohler

Als Nachrückerin für den von der Bild rausskandalisierten Sadi Richter kam die 21jährige Yosefin Buohler am 17. Januar 2017 ins Rennen um das Ticket nach Kiew. Die gebürtige Kölnerin lebt derzeit in Stockholm. Schließlich ist sie zur Hälfte Schwedin, was sie im Speed-Dating-Interview mit Bürger Lars Dietrich auch als Grund für ihre Grand-Prix-Affinität angab. Überhaupt zeigte sich die blonde Brillenträgerin dort ziemlich keck, schlagfertig und sympathisch. Wie fast alle sangesfreudigen Menschen ihrer Generation verfügt auch sie über einen eigenen Youtube-Kanal und kann bereits auf eine umfangreiche Castingshow-Karriere zurückblicken: so schaffte sie es im zarten Alter von 13 Jahren bereits ins Finale der RTL-Show Das Supertalent. 2014 nahm sie an der schwedischen Variante von DSDS teil, wo ihr die Juroren zwar gute vokale Fähigkeiten bescheinigten, allerdings auch das Fehlen einer eigenen Stimmfarbe oder Persönlichkeit. Und da ist etwas dran: wie die meisten Castingshow-Gewächse neigt Yosefin, die sich selbst gerne „Yo-Yo“ nennt, zum Jodeln. Also dem (von Barbara Schöneberger in der Anmoderation von Unser Song 2017 sehr schön bissig aufs Korn genommenen) nervtötenden und völlig unangebrachten Modulieren längerer Töne, um damit ihre Range unter Beweis zu stellen – eine Unart, die meines Erachtens mit Stromstößen geahndet werden sollte.

„Nej!“: die arg pressende Yo-Yo kann Army-of-Lovers/BWO-Frontmann und Juror Alexander Bard nicht überzeugen

Aber genau solche Jodellieder sucht sich Yo-Yo gerne zum Schänden heraus, wie ein kurzer Youtube-Check zeigt. Besonderes Highlight hierbei: die Intonation der Nationalhymne vor einem Fußball-Länderspiel zwischen der schwedischen und der deutschen Elf, bei der Buohler schwer atmend etwas von „Meiheiheinigkeit und Recht und Freiheiheit“ sang und sich damit in eine Reihe mit bekannten Künstlerinnen wie Mariah Carey, Whitney Houston oder Sarah „Brüh im Lichte“ Connor stellte, die bei solchen Gelegenheiten ebenfalls meinen, dem traditionellen Liedgut ihren eigenen Stempel aufdrücken zu müssen. Fairerweise muss man der Halbschwedin aber zugestehen, dass dies schon eine Weile her ist und sie sich sicher weiterentwickelt hat. Eigenes Liedmaterial kann Yosefin noch nicht vorweisen – das war allerdings beim Deutschen Vorentscheid 2017 auch nicht vonnöten, für welchen der NDR bekanntlich ganz tief in die Portokasse griff und ganze zwei Songs einkaufte. Im Fünfkampf gegen drei weitere Wendy-Leserinnen junge Frauen und einen Straßenmusikant fiel es ihr dennoch erwartungsgemäß schwer, eigene Akzente zu setzen. Zumal sie sich als persönlichen Cover-Titel, mit dem sie in der ersten Runde von Unser Song 2017 antrat, ausgerechnet etwas von Beyoncé ausgesucht hat – diese Fußstapfen waren ihr dann doch ein paar Nummern zu groß. Und so durfte sie den Abend dann im Anschluss nur noch aus dem Green Room verfolgen.

Nice try: Yosefins Cover-Wahl

Der aufrechtgehn.de-Schnellcheck

Stimme: Kräftig, hell, angenehm, nett. 6 von 12 Punkten.
Aussehen: Niedlich, mädchenhaft, Typ Wendy-Leserin. 7 von 12 Punkten.
Ausstrahlung: Supersympathisch und quirlig. 7 von 12 Punkten.
Erfahrung: Diverse Castingshows, ein Fußball-Länderspiel. 8 von 12 Punkten.
bisheriges Liedgut: Fremde Jodelballaden. 3 von 12 Punkten.
ESC-Chancen: Irgendwo zwischen ‚I stand‘ (CZ 2016, vorletzter Platz) und ‚For Life‘ (PL 2008, vorletzter Platz).

< Sadi Richter

Axel Feige >